Skip to main content

Full text of "Ausführliches Handbuch der Photographie"

See other formats


Google 



This is a digital copy ofa bix>k lhal was preserved for gcncralions on library sIil-Ivl-s before il was carefully scanncd by Google as pari of a projeel 

to makc the world's books discovcrable online. 

Il has survived long enough Tor llie Copyright lo expire and the book to enter the public domain. A public domain book is one that was never subjeel 

to Copyright or whose legal Copyright terni has expired. Whether a book is in the public domain niay vary country tocountry. Public domain books 

are our gateways to the past. representing a wealth of hislory. eulture and knowledge that 's oflen diflicull to discover. 

Marks, notations and other marginalia present in the original volume will appear in this lile - a reminder of this book's long journey from the 

publisher to a library and linally to you. 

Usage guidelines 

Google is proud to partner with libraries lo digili/e public domain malerials and make ihem widely accessible. Public domain books belong to the 
public and we are merely their cuslodians. Neverlheless. this work is expensive. so in order to keep providing this resource. we have taken Steps to 
prevenl abuse by commercial parlics. iiicludmg placmg lechnical reslriclions on aulomaled uuerying. 
We also ask that you: 

+ Make non -commercial u.se of the fites We designed Google Book Search for use by individuals. and we reuuest that you usc these files for 
personal, non-commercial purposes. 

+ Refrain from mttoimited qu erring Do not send aulomaled uueries of any sorl to Google's System: IC you are condueting research on machine 
translation. optical character recognition or other areas where access to a large amount of texl is helpful. please conlact us. We encourage the 
use of public domain malerials for these purposes and may bc able to help. 

+ Maintain attribution The Google "walermark" you see on each lile is essenlial for informing people aboul this projeel and hclping them lind 
additional malerials ihrough Google Book Search. Please do not remove it. 

+ Keep it legal Whatever your use, remember thai you are responsable for ensuring that whal you are doing is legal. Do not assume that just 
because we believe a b<x>k is in the public domain for users in the Uniled Staics. thai the work is also in ihc public domain for users in other 

counlries. Whelher a book is slill in Copyright varies from counlry lo counlry. and we can'l offer guidance on whelher any specific use of 
any specific book is allowed. Please do not assume thai a book's appearance in Google Book Search mcans il can bc used in any manncr 
anywhere in the world. Copyrighl infringemenl liabilily can bc quite severe. 

Almut Google Book Search 

Google 's mission is lo organize the world's information and to make it universal ly accessible and useful. Google Book Search helps readers 
discover llie world's books while liclping aulliors and publishers reach new audiences. You can searcli through llic lull lexl of this book on llic web 
at |http : //books . qooqle . com/| 



Google 



Über dieses Buch 

Dies ist ein JisziULk-s Exemplar eines Buches, das seil Generalionen in den Regalen der Bibliotheken aufbewahrt wurde, bevor es von Google im 
Rahmen eines Projekts, mit dem die Biieher dieser Well online verfügbar gemacht werden sollen, sorgfältig geseannt wurde. 

Das Buch hat das Urheberrecht überdauert und kann nun öffentlich zugänglich gemacht werden. Ein öffentlich zugängliches Buch ist ein Buch, 
das niemals Urheberrechten unterlag oder bei dem die Schutzfrist des Urheberrechts abgelaufen ist. Ob ein Buch öffentlich zugänglich isi. kann 
von Land zu Land unterschiedlich sein. Öffentlich zugängliche Bücher sind unser Tor zur Vergangenheil und stellen ein geschichtliches, kulturelles 
und wissenschaftliches Vermögen dar, das häufig nur schwierig zu entdecken ist. 

Gebrauchsspuren. Anmerkungen und andere Randbemerkungen, die im Original band enthalten sind, linden sich auch in dieser Datei - eine Erin- 
nerung an die lange Reise, die das Buch vom Verleger zu einer Bibliothek und weiter zu Ihnen hinter sich gebracht hat. 

Nu tm ng s r ichtl i nien 

Google ist stolz, mit Bibliotheken in Partnerschaft lieber Zusammenarbeit öffentlich zugängliches Material zu digitalisieren und einer breiten Masse 
zugänglich zu machen. OITciillich zugängliche Bücher gehören der Ol'lciilliclikcil. und wir sind nur ihre Hüter. Nichlsdeslolrolz ist diese 
Arbeil kostspielig. Um diese Ressource weiterhin zur Verfügung stellen zu können, haben wir Schritte unternommen, um den Missbrauch durch 
kommerzielle Parteien zu verhindern. Dazu gehören technische Einschränkungen für automatisierte Abfragen. 
Wir bitten Sie um Einhaltung folgender Richtlinien: 

+ Nutzung der Dateien zu nichtkommerziellen Zwecken Wir haben Google Buchsuche für Endanwender konzipiert und möchten, dass Sic diese 
Dateien nur für persönliche, nichtkommerzielle Zwecke verwenden. 

+ Keine automatisierten Abfragen Senden Sie keine automatisierten Abfragen irgendwelcher Art an das Google-System. Wenn Sie Recherchen 
über maschinelle Übersetzung, optische Zeichenerkennung oder andere Bereiche durchführen, in denen der Zugang zu Texl in großen Mengen 
nützlich ist. wenden Sie sich bitte an uns. Wir fördern die Nutzung des öffentlich zugänglichen Materials für diese Zwecke und können Ihnen 
unter Umständen helfen. 

+ Beibehaltung von Google-Markenelemcntcn Das "Wasserzeichen" von Google, das Sie in jeder Datei linden, ist wichtig zur Information über 
dieses Projekt und hilft den Anwendern weiteres Material über Google Buchsuche zu linden. Bitte entfernen Sie das Wasserzeichen nicht. 

+ Bewegen Sie sich innerhalb der Legalität Unabhängig von Ihrem Verwendungszweck müssen Sie sich Ihrer Verantwortung bewusst sein, 
sicherzustellen, dass Ihre Nutzung legal ist. Gehen Sie nicht davon aus. dass ein Buch, das nach unserem Dafürhalten für Nutzer in den USA 
öffentlich zugänglich isi. auch für Nutzer in anderen Ländern öffentlich zugänglich ist. Ob ein Buch noch dem Urheberrecht unterliegt, ist 
von Land zu Land verschieden. Wir können keine Beratung leisten, ob eine bestimmte Nutzung eines bestimmten Buches gesetzlich zulässig 
ist. Gehen Sie nicht davon aus. dass das Erscheinen eines Buchs in Google Buchsuche bedeutet, dass es in jeder Form und überall auf der 
Welt verwendet werden kann. Eine Urheberrechlsverlelzung kann schwerwiegende Folgen haben. 

Über Google Buchsuche 

Das Ziel von Google besteht darin, die weltweiten Informationen zu organisieren und allgemein nutzbar und zugänglich zu machen. Google 

Buchsuche hilft Lesern dabei, die Bücher dieser Wel t zu entdecken, und unlcrs lülzl Aulurcii und Verleger dabei, neue Zielgruppen zu erreichen. 
Den gesamten Buchlexl können Sie im Internet untcr |http: //book;: . j -;.-;. j_^ . ~:~\ durchsuchen. 



/ 



/ ? Ol 



Ausführliches Handbuch 



der 



PHOTOGRAPHIE 



von 



Hofrath Dr. Josef Maria Eder- 



Mit etwa 2000 Holzschnitten und 19 Tafeln. 



Neuntes Heft. 

(Dritten Bandes erstes Heft.) 



+<&?*4~ 



Halle a. S. 

Verlag von Wilhelm Knapp. 

1902. 



.jW* iiiiirn %* i 



Die 



Grundlage der Photographie 



mit 



Gelatine-Emulsionen. 



Von 



Hofrath Dr. Josef Maria Eder, 

Director der k. k. Graphischen Lohr- und Vorsuohsan stall in Wien, k k. Professor an der 

k. k. Technischen Hoohsohule in Wien. 



Mit 30 Abbildungen. 



Fünfte vermehrte und verbesserte Auflage. 



-»€» 



Halle a. S. 

Verlag von Wilhelm Knapp. 

1902. 



Ausführliches Handbuch 



der 



PHOTOGRAPHIE 



von 



Hofrath Dr. Josef Maria Eder. 



Mit etwa 2000 Holzschnitten und 19 Tafeln. 



Neuntes Heft. 

(Dritten Bandes erstes Heft.) 



-H**?*«— 



Halle a. S. 

Verlag von Wilhelm Knapp. 

1902. 



Die 



Grundlage der Photographie 



mit 



Gelatine-Emulsionen. 



Von 



Hofrath Dr. Josef Maria Eder, 

Director der k. k. Graphischen Lohr- und Versuchsanstalt in Wien, k k. Professor an der 

k. k. Technischen Hochschule in Wien. 



Mit 30 Abbildungen. 



Fünfte vermehrte und verbesserte Auflage. 



+&& 



» •«» " ♦: » ♦ 



Halle a. S. 

Verlag von Wilhelm Knapp. 

1902. 



Alle Rechte vorbehalten. 



Inhalt des neunten Heftes. 



Die wissenschaftliche Grundlage der Photographie 

mit Gelatine-Emulsionen. 



Erstes Gapitel. Seite 



Geschichte 



3 



Zweites Gapitel. 

Die Eigenschaften und Zusammensetzung der Silber- und Haloid- 

verbindungen und des Ammoniaks 8 

Wechselseitige Zersetzung von Halogenen und deren Salzen. S. 8. — Eigen- 
schaften der wichtigsten Siiberverbindungen. S. 9. — Eigenschaften der wich- 
tigsten lößlichen Brom-, Chlor- und Fluorsalze. S. 19. — Das Ammoniak. S. 21. 

Drittes Gapitel. 

Entstehung von Bromsilber-, Jodsilber- und Chlorsilber-Emul- 
sion. — Unreife Emulsionen 22 

Darstellung, Eigenschaften und Verwendung der feinkörnigen, wenig empfind- 
lichen („unreifen*) Bromsilber- Gelatine. S. 25. — lieber die Bildung und das 
Verhalten der verschiedenen Modificationen des Bromsilbers iu reifer photo- 
graphischer Emulsion. S. 28. — Bildung von Jodsilber- Gelatine -Emulsion. S.29. 
— Bildung von Chlorsilber- Gelatine -Emulsion. S. 30. 

Viertes Gapitel. 

Die Eigenschaften und Wahl der Gelatine-Sorten 31 

Einfluss und Wahl der Sorte der Gelatine für die Herstellung von Emulsionen. 

. S. 31. — Reinigung und Vorbereitung der Gelatine durch Waschen mit Wasser 
und anderen Substanzen. S. 34. — Veränderungen der Gelatine in der Emul- 
sion. S. 35. — Fäulniss widrige Mittel. S. 37. — Einfluss von Zersetzuugs- 
producten der Gelatine auf die Eigenschaften der Emulsion. S. 39. — Ver- 
halten von Gelatine gegen Wasser. — Diffusiou von Flüssigkeiten. S. 40. — 
Verhalten der Gelatine gegeu Gerbemittel. S. 44. 

Fünftes Gapitel. 

Ueber die Mischungsverhältnisse bei der Darstellung von Gelatine- 
Emulsion 49 

Verhäitniss von löslichem Bromsalz etc. zum Silbernitrat. S. 49. — Mischungs- 
verhältnisse bei Bromsilber - Gelatine mit überschüssigem Alkaiibromid. S. 49. 



157195 



Vi Inhalts - Verzeichniss. 

♦ Seite 

— Versuche mit überschüssigem Silbernitrat und anderen Silberoxydsalzen in 
der Bromsilber- Emulsion. S. 50. 

Sechstes Capitel. 

Ueber das Reifon der Bromsilbor-Gelatine 53 

Reifen in der Kälte. S. 54. — Einfluss des Erstarrens der Bromsilber- Gelatine 
auf das Reifen. (Zweimaliges Schmelzen.) S. 55. — Das Reifeu der Emulsion 
durch Digeriren in der "Wärme. S. 56. — Einfluss der Concentration der 
Flüssigkeiten auf die Empfindlichkeit der Emulsion. S. 58. — Einfluss der 
"Wärme auf trockene Bromsilber- Gelatine. S. 60. — Einfluss von Ammoniak 
und anderen Alkalien auf das Reifen der Bromsilber- Gelatine. S. 60. — Vor- 
kommen von Bromsilber in verschiedenen Reifestadien in derselben Emulsion. 
S. 64. — : Zusammenhang der Farbe von Bromsilber- Gelatine im auffallenden 
und durchfallenden Lichte mit ihrer Empfindlichkeit. S. 65. 

Siebentes Capitel. 

Allgemeine Eigenschaften der Bromsilber-Gelatine. — Directe 
Färbung durch blosse Lichtwirkung. — Verhalten gegen Licht, 
Wärme, Druck, Eiektricität etc. unter Mitwirkung von Ent- 
wicklersubstanzen 67 

Färbung von Bromsilber durch blosse Lichtwirkung (ohne Hervorrufung). S. 67. 

— Verhalten des Bromsilbers gegen Licht und andere Formen der Energie 
unter dem Einflüsse von Entwicklern. S. 68. — Hervorrufung des latenten 
Lichtbildes. S. 70. — Lange Dauer des unsichtbaren (latenten) Lichteindruckes 
auf Bromsilber- Gelatineplatten vor der Hervorrufung. S. 70. — Ueber die 
Natur des entwicklungsfähigen (lateuten) Lichtbildes auf Bromsilber. S. 71. — 
Wirkung von Gelatine in der Bromsilber- Emulsion. S. 72. — Absorption des 
Lichtes in Bromsilber- Gelatineschichton. S. 79. — Einfluss mechanischen 
Druckes auf Bromsilber. S. 80. — Einfluss der Temperatur auf das latente 
Lichtbild und auf den Entwicklungsprocess. S. 81. — Wirkung von Vor- 
belichtung und beginnender Zersetzung des Bromsilbers auf seiue Empfind- 
lichkeit. S. 84. 

Achtes Capitel. 

Chemische Zersetzung des Bromsilbers, welche zur Gesammt- 
schwärzung im Entwickler führt. — JSchloierbildung. — Ein- 
wirkung von Dämpfen und Gasen auf Trockenplatten .... 86 
Entstehung des chemischen Schleiers bei der Herstellung der Emulsion. S. 87. 

— Substanzen, welche den chemischen Schleier der Bromsilber- Gelatine zer- 
stören. S. 90. — Wirkung von Dämpfen, Gasen, Evaporationen von Metallen 
und anderen festen Körpern auf Bromsilberplatten. S. 90. 

Neuntes Capitel. 

Untersuchung über elektrolytische oder Contactwirkungen bei der 
Entwicklung von Lichtbildern. — Physikalische Entwicklung. — 

Hervorrufung nach dem Fixiren 92 

Contactwirkung bei der Entwicklung. S. 92. — Entwicklung von ^Gelatine- 
platten mit physikalischer Entwicklung. S. 93. — Fixiren des latenten Bildes 
und nachfolgendes Hervorrufen. S. 94. 



Inhalts -Verzeichnis«. VII 

Zehntes Capitel. s»ite 

Chemische Zusammensetzung des entwickelten Negativs. — 
Schwärzung im Entwickler. — Unlöslichwerden von Gelatine- 
Emulsion durch Licht Wirkung. — Mikroskopische Beobachtungen 

über Korn etc. bei Bromsilber-Gelatine 97 

Mikroskopische Beobachtungen über das Korn, die Verziehung und Strich- 
verengung bei Bromsilber- Gel atineplatton. S. 101. 

Elftes Capitel. 

Unlöslichwerden von Gelatine-Emulsion durch Lichtwirkung. — 
Relief bildung an entwickelten Bromsilber-Gelatineplatten. — 

Verwendung zum Lichtdruck 106 

Unlöslich werden von Gelatine - Emulsion durch blosse Lichtwirkung (ohne Ent- 
wicklung). S. 106. — Unlöslichwerden durch kurze Belichtung und darauf- 
folgende Entwicklung. S. 106. — Relief bildung beim Entwickeln von Brom- 
silber-Gelatine. S. 109. — Die Verwendung von Bromsiiber- Gelatine zu 
Druckplatten für Lichtdruck durch Combination mit Bichromat. S. 110. 

Zwölftes Capitel. 

Die Solarisation, deren Ursache und Verwerthung. — Lichthöfe. 111 
Solarisation. S. 111. — Lichthöfe. S. 115. 

Dreizehntes Capitel. 

Zusatz von Jod- und Chlorsilber zur Bromsilber-Gelatine .... 117 
Mischungen von fertiger Jodsilber- und Bromsilber -Gelatine. S. 117. — Jodbrom - 
Emulsionen, welche durch Zusatz von Silbernitrat zu gemischtem Jod- und 
Bromkalium dargestellt werden. S. 118. — Wie soll man das Jodsalz zusetzen? 
S. 120. — Erklärung der Wirkung des Jodsilbers in der Bromsilber - Gelatine. 
S. 121. — Chlorbromsilber- Emulsionen. S. 122. — Chlorjod -Emulsionen. S. 123. 

— Chlorjodbrom -Emulsion nebst Cyan- und Fluorsilber. S. 123. 

Vierzehntes Capitel. 

Wirkung von Zusätzen fremder Substanzen zur Bromsilber-Gelatine 125 

Fünfzehntes Capitel. 

Ueber die Wirkung des Sonnenspectrums auf verschiedene Emul- 
sionen und der Einfluss von Farbstoffen und anderen Zusätzen 

auf die Farbenempfindlichkeit von Gelatineplatten 141 

Wirkung des Sonnenspectrums auf Brom- und Chlorsilber- Gelatine ohne Ent- 
wicklung. S. 111. — Bromsiiber in Form von Gelatine - Emulsion mit Entwick- 
lung. S. 142. — Jodsilber in Form von Gelatine -Emulsion mit Entwicklung. 
S. 145. — Chlorsilber in Form von Gelatine -Emulsion mit Entwicklung. S. 147. 

— Einfluss ungefärbter Substanzen auf die Farbenempfindlichkeit der Brom- 
silber-Gelatine. S. 147. — Einwirkung von Farbstoffen als optische Sensi- 
bilisatoren auf Bromsilber- Gelatine bezüglich der Steigerung der Lichtempfind- 
lichkeit gegenüber grünen, gelben und rothen Strahlen. S. 148. — Theorie der 
Wirkung der Sensibilisatoren. S. 150. — Quantität des zugesetzten Farbstoffes. 
S. 152. — Einfluss des Reifungsstadiums von Bromsilber - Gelatine auf die 



viii Inhalts - Verzeichniss. 

Seite 
Fähigkeit, durch Farbstoffe sensibilisirt zu werden. S. 153. — Einfluss von 
Brom-, Jod- und Chlorsilber auf die Farbensensibilisirung. — Einfluss von 
Bromkalium. S. 154. — Wahl und Prüfung der Farbstoffe für Sensibilisirungen. 
S. 354. — Wirkung verschiedener Farbstoffe auf Bromsilber- Gelatine. S. 156. 

— Einfluss der Lichtquelle auf den Verlauf der Sensibilisirungs- Erscheinungen. 
S. 164. — Ueber die Art, Bromsilber- Gelatine zu färben. S. 168. — Prak- 
tisch verwerthbare Sensibilisatoren für Blaugrün und Grün. S. 171. — Sensi- 
bilisatoren für Grün bis Gelb. S. 174. — Sensibilisatoren für Orange und 
Roth. S. 182. — Vergleichung der Farbenempfindlichkeit verschiedener Platten- 
sorten mit und ohne Sensibilisatoren. S. 190. — Einfluss von farbigen Schirmen 
(Lichtfilter) auf die relative Farben empfind lieh keit photographischer Platten. 
S. 194. 

Sechzehntes Capitel. 

Allgemeines über Prüfung der Emulsion, Bestimmung ihrer Em- 
pfindlichkeit und Gradation 199 

Prüfung von Gelatineplatten im Allgemeinen. S. 199. — Prüfung der Platten 
auf ihre Empfindlichkeit (Sensitometrie). S. 200. — Einfluss verschiedener 
Lichtquellen auf die relative Empfindlichkeit der Gelatine -Emulsionen. S. 202. — 
Bestimmung der Gradation von Gelatineplatten. S. 203. — Das Mischen 
mehrerer Emulsionen von verschiedener Empfindlichkeit und Intensität. S. 204. 

Siebzehntes Capitel. 

System der Sensitometrie photographischer Platten 206 

Methoden zur Bestimmung verschiedener Schwärzungsgrade bei Bromsilber- 
Gelatineplatten. S. 216. — Die Schwärzung photographischer Platten. S. 220. — 
Empfindlichkeitsbestimmung einer Platte nach dem System des Pariser photo- 
graphischen Congresses 1889 nach Reduction auf absolute sensitometrische 
Maasse. S. 223. — Prüfung der Uebereinstimmung der correspondirenden 
Sensitometernummern mit Schein er ? s Sensitometer bei verschiedenem Licht- 
abstande. S. 225. — Bestimmung des Schleiers photographischer Platten. S. 234. 

— Construction der charakteristischen Curve oder Schwärzungscurve. S. 235. — 
Hurter und Driffield's Methode der Bestimmung der „Inertia". S. 240. — 
Die Entwicklungsconstante. S. 242. — Vollständige Empfindlichkeitsbestimmung 
einer photographischen Platte. S. 243. — Untersuchung von Verstärkungs- 
und Abschwächungsmethoden photographischer Schichten auf Grund mikro- 
photometrischer Messungen. S. 244. — Beseitigung des Schleiers durch 
Abschwächungs mittel. S. 249. — Einfluss der Temperatur des Eisenoxaiat- Ent- 
wicklers auf die Schwärzungscurve. S. 249. — Veränderungen der Gradation 
eines photographi sehen Negatives durch verschiedene Diapositivprocesse. S. 262. 

— Sensitometrie und Schwärzungscurve von Bromsilber -Gelatineplatten unter 
dem Einflüsse verschiedenfarbigen Lichtes im Spectrum. S. 266. — Bestim- 
mung der Empfindlichkeitscurve photographischer Platten im Gitterspectrum 
bei Gaslicht. S. 268. — Praktische sensitometrische Probe zur Schätzung der 
Empfindlichkeit farbenempfindlicher Platten. S. 282. — Schätzung der Leucht- 
kraft farbiger Flächen im Zusammenhange mit der orthochromatischen Photo- 
graphie. S. 283. — Einfluss verschiedener Farben der Lichtquellen auf ihr 
photometrisches Verhalten. S. 286. 



Inhalte- Verzeichniss. IX 

Achtzehntes Capitel. Seite 

Chemie der organischen Entwioklersubstanzen 288 

1. Abschnitt: Zusammenhang zwischen Constitution und Entwicklungs- 
vermögen. S. 288. — 2. Abschnitt: Bedingungen für die Wirksamkeit und 
die praktische Brauchbarkeit organischer Entwicklersubstanzen. S. 298. — 
3. Abschnitt: Untersuchung und Charakterisirung einer Entwicklersubstanz 
vom photochemischen Standpunkte; Ermittlung der günstigsten Proportionen 
für die Entwicklerlösungen. S. 307. — 4. Abschnitt: Die Entwicklersubstanzen 
des Handels mit Berücksichtigung der einschlägigen Patentliteratur. S. 317. — 
5. Abschnitt: Charakteristische Reactionen der Entwicklersubstanzen des Handels 
und analytische Erkennung derselben in Substanz und in Lösung. S. 327. 



Erster Abschnitt. 



Die wissenschaftliche Grundlage der 
Photographie mit Gelatine- 
Emulsionen, 



Eder, Handbuch der Photographie. III. Thcil. 5. Aufl. 



ERSTES CAPITEL. 

GESCHICHTE. 



Die Verwendung von Leim als Bindemittel für die Silbersalze im 
Negativprocess veröffentlichte Poitevin schon im Jahre 1850. Er legte 
in diesem Jahre der Pariser Akademie die Beschreibung eines Verfahrens 
vor, welches darin bestand, dass Gelatine mit Jodkalium versetzt und 
dann im Silberbade sensibilisirt wurde. Am 30. Juni 1851 legte er 
eine Verbesserung dieses Processes vor, durch welche (unter Benutzung 
von Gallussäure) nunmehr Portraits in 1 bis 1 72 Minuten erhalten werden 
konnten 1 ). Hadow beschrieb im Journ. of the Photographic Society 
im Mai 1854 ein ganz ähnliches Verfahren, bediente sich aber des 
Eisenvitriols zur Entwicklung (vergl. die Geschichte dieses Processes 
Theil H dieses Werkes, S. 128 und 148). 

Die erste Emulsion von Silbersalzen in Gelatine erwähnte Gaudin. 

Gaudin hatte bereits in seiner ersten Notiz über die Collodion- 
Emulsion am 20. August 1853 angeführt, dass er analoge Versuche mit 
Albumin und Gelatine angestellt habe 2 ). Im Jahre 1861 beschrieb er 
sein Verfahren näher; er stellte eine Jodsilber-Emulsion mit überschüs- 
sigem Silbernitrat her, welche er mit Tannin oder Tannin und Gallus- 
säure entwickelte 3 ). Am 8. September 1871 richtete R. L. Maddox 
die erste Notiz über die Darstellung von Bromsilber- Gelatine -Emulsion 
an das British Journal of Photography und händigte gleichzeitig dem 
Herausgeber dieses Journals, Herrn Taylor, einige Negative (Land- 
schaften, Ansichten etc). ein 4 ), welche nach dem neuen Verfahren her- 
gestellt waren. 



1) La lumiere. 1851. Bd.I, S. 89. 

2) Gaudin sagt: „J'ai fait des essais analogues avec l'albumine et la gelatine." 
M. Humbert de Molard: „m'a dit avoir eu des resultats avec l'albumine." 

3) La lumiere. 1861. S. 21 u. 25. 

4) Brit. Journ. of Phot. 1871. Bd. 18, S. 422; auch Phot. Corresp. 1874. Bd. 11, 
Seite 124. 

1* 



4 Dritter Theil. Erstes Capitel. 

King gab am 14. November 1873 *) eine nähere Beschreibung 
des Gelatine -Emulsionsprocesses und führte das Auswaschen der lös- 
lichen Salze aus der Gelatine -Emulsion ein. In derselben Nummer der 
Zeitschrift empfahl Johnston das lösliche Bromid im Ueberschusse an- 
zuwenden 2 ). Dieser Punkt wurde später als hochwichtig anerkannt und 
wurde als Regel bei der Herstellung von Gelatine -Emulsion in der 
Folge festgehalten. 

Durch Burgess wurde die erste Gelatine -Emulsion im Juli 1873 
in den Handel gebracht; sie war im British Journal of Photography 
vom 25. Juli 1873 annoncirt. Die Formel zu seiner Emulsion wurde 
damals nicht bekannt gegeben. Ihm gebührt aber das Verdienst, der 
Erste gewesen zu sein, welcher wirklich Gelatine -Emulsion in einer 
entsprechenden Qualität herstellte. 

Kennet brachte 1874 zuerst die gewaschene Gelatine -Emulsion 
in die Form von trockenen Blättern und setzte sie auch so in den 
Handel. Er beschrieb seinen Process im British Journal of Photo- 
graphy vom 23. April 1874 8 ). 

Wratten und Wainwrigt beschrieben 1877 zuerst im Tear- 
book of Photography for 1878 4 ) das Durchpressen der Emulsion durch 
ein weitmaschiges Gewebe im Wasser, weil die entstehenden Nudeln 
sich leicht auswaschen. 

Einen grossen Fortschritt in der Darstellung sehr empfindlicher 
Gelatine -Emulsionen machte Bennett, als er am 29. März 1878 die 
wichtige Beobachtung mittheilte, dass eine Emulsion durch eine an- 
dauernde Digestion bei 32 Grad C. an Empfindlichkeit bedeutend gewinnt 5 ). 

Von Wichtigkeit war das Eingreifen van Monckhoven's in das 
Studium des neuen Processes im August 1879 6 ). Er wies darauf hin, 
dass die Steigerung der Empfindlichkeit der Bromsilber- Emulsion bei 
andauernder Digestion mit einer molecularen Aenderung verknüpft sei. 
Er führte bei dieser Gelegenheit die früheren Angaben von Stas (1874) 
über die verschiedenen Modificationen des Bromsilbers an und machte 
die belangreiche Entdeckung, dass die Umwandlung des Bromsilbers 



1) Brit. Journ. of Phot. 1873. Bd. 20, S. 542; auch Phot. Corresp. 1874. Bd. 11, 
S. 125; später ausführlicher Brit. Journ. of Phot. 1874. Bd. 21, S. 294. 

2) Brit. Journ. of Phot. 1873. Bd. 20, S. 544; auch Phot. Corresp. 1874. Bd. 11, 
Seite 126. 

3) Brit. Journ. of Phot. 1874. Bd. 21, S. 291. 

4) Yearbook of Phot. 1878. S. 108. 

5) Brit. Journ. of Phot. 1878. Bd. 25, S. 146; auch Phot. Corresp. 1878 u. 1879. 

6) Bull. Soc. Franc. 1879. Bd. 25, S. 204; auch Phot. Corresp. 1879. Bd. 16, 
Seite 149. 



Geschichte. 5 

in die empfindliche „grüne" Modification durch Ammoniak wesentlich 
beschleunigt wird. Die ammoniakalische Methode wurde insbesondere 
von Eder ausgebildet, durch dessen Untersuchungen 1880 die Methode 
mit Silberoxydammoniak zur Ausführung geeignet gemacht wurde, und 
er machte im selben Jahre den günstigen Einfluss von Ammoniak auf 
gekochte Emulsion, sowie von Ammoniak, kohlensaurem Ammoniak 
und Soda auf das Eeifen der Emulsion in der Kälte bekannt; 1882 
gab Henderson eine gute Methode zur Darstellung von empfindlicher 
Emulsion in der Kälte an. 

Im Jahre 1881 wurden nach den Angaben von Eder sogenannte 
harte Gelatinesorten erzeugt (zuerst von der Gelatinefabrik in Winter- 
thur), welche namentlich von Deutschland aus rasche Verbreitung bei 
der Herstellung von Emulsionen fanden und wegen ihrer grösseren 
Widerstandsfähigkeit grosse Vortheile gegenüber den weichen englischen 
Gelatinen boten. 

Den bei der Collodion- Emulsion schon vor längerer Zeit versuchten 
Vorgang, das Bromsilber separat zu fällen und zu waschen und dann 
erst zu emulsioniren, wendete Abney im Juni 1879 *) wieder auf die 
Gelatine-Emulsion an, ohne dass sich jedoch seine Methode bisher Bahn 
gebrochen hätte. Abney 's Untersuchungen über die Kolle des Jod- 
und Chlorsilbers in der Emulsion, die Mittel, die Empfindlichkeit einer 
Emulsion durch Stehen in der Kälte zu steigern, und viele andere durch 
ihn gefundene, im weiteren Verlaufe erwähnte Verhältnisse waren von 
Belang für die Entwicklung des Processes. Schumann, von dem viele 
wichtige Spectraluntersuchungen herrühren, erkannte zuerst 1882, dass 
Jod- und Bromsilber zusammen digerirt sich anders, und zwar günstiger 
verhalten, als wenn beide separat dargestellt und gemischt werden, was 
anfangs stark angezweifelt, später aber (1884) von Eder spectroskopisch 
bestätigt wurde. 

In den letzten Jahren wurde durch Einführung biegsamer, leichter, 
unzerbrechlicher Films der Photographie auf Reisen, sowie für kine- 
matographische Aufnahmen grosser Vorschub geleistet. 

Die Darstellung orthochromatischer Platten beruht auf dem von 
Prof. Vogel im Jahre 1873 entdeckten epochemachenden Principe der 
optischen Sensibilisatoren durch Farbstoffe. Solche Gelatineplatten stell- 
ten zuerst Attout und Clayton her, welche ein französisches Patent 
(1882) auf mit Eosin gefärbte Platten nahmen; diese Sache wurde von 
Schumann (1883) und Prof. Vogel (1884), welcher in Deutschland 



1) Journ. and Trans, of Phot. Soc. of Gr. Britain. Bd. 3, S. 59; auch Phot. 
Corresp. 1879. Bd. 16, S. 104 u. 248. 



6 Dritter Theil. Erstes Capitel. 

zuerst farbenempfindliche Gelatineplatten unter dem Namen „Azalin- 
platten" darstellte, studirt. 

Eder entdeckte im Jahre 1884 die besonders günstige Wirkung 
von Erythrosin als Sensibilisator für Grün und Gelb, welcher Farb- 
stoff hierauf von Dr. Mall mann und Scolik u. A. vielfach versucht 
und sehr allgemein in der Praxis bei der Fabrikation von „orthochro- 
matischen Platten" verwendet wurde. Die besten Rothsensibili- 
satoren wurden um die Jahre 1897 und 1898 zufolge der von der 
Wiener k. k. Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt unternommenen 
Untersuchungen entdeckt, insbesondere durch E. Valenta und Eber- 
hard. Auch kommen Platten von guter Eoth- und Gelbgrün -Empfind- 
lichkeit („panchromatische Platten 41 ) in den Handel und sind namentlich 
für Dreifarbendruck von Werth. 

Als Entwicklung war anfangs ausschliesslich alkalisches Pyro- 
gallol im Gebrauche, seit 1879 kam der von Eder angegebene Eisen- 
oxalat-Entwickler in vielfache Anwendung, auf welchen man in neuester 
Zeit bei der Ermittlung der charakteristischen Curven der Empfind- 
lichkeit (durch Hurter und Driffield) wieder zurückkam, weil er be- 
sonders regelmässig wirkt. Im Jahre 1882 führte Berkeley schweflig- 
saures Natron und 1883 Dr. Stolze die Pottasche im Pyro- Entwickler 
ein, und im Jahre 1887 brach sich das von Abney bereits 1880 in 
photographischer Beziehung untersuchte Hydrochinon als Entwickler in 
der Praxis Bahn. Die ersten Angaben über den Einfluss der Isomerie 
der vom Benzol sich ableitenden Entwickler auf ihr photographisches 
Entwicklervermögen rühren von Eder und Töth (1880) her, welche 
die photographischen Eigenschaften der drei isomeren Verbindungen 
Hydrochinon, Brenzcatechin, Kesorcin festlegten. 

Ein ganz enormer Fortschritt wurde in der Entdeckung neuer 
organischer Entwicklersubstanzen gemacht. Den ersten Schritt machte 
die Berliner Actiengesellschaft für Anilinfabrikation mit der Einführung 
des Eikonogen-Entwicklers durch Dr. Andresen im Jahre 1889. 
In rascher Reihenfolge geschah die Entdeckung des Metol und Glycin 
durch Hauff in Feuerbach, sowie der zahlreichen neuen, vortrefflichen 
Entwicklersubstanzen, wobei sich ausser den genannten Firmen noch 
Schering in Berlin und Lumiöre in Lyon bethätigten. Die Theorie 
dieser Entwicklersubstanzen wurde besonders durch Andresen, dann 
auch durch Lumiöre und Seyewetz begründet und wissenschaftlich 
vertieft. 

Die Photographie mittels Chlorsilber- Gelatine mit Entwicklung war 
1881 von Eder und Pizzighelli erfunden und beschrieben; sie 
brach sich zuerst in England, durch die Arbeiten Cowan's (1883) 



Gesohichte. 7 

Bahn, und Scolik (1883) setzte die Versuche fort; E. Just in Wien 
(1884) und etwas später Warnerke stellten Chlorsilber- Gelatine- 
papier zum Positivprocesse im Grossen dar, und ersterer verwendete 
Gelatine -Emulsionspapiere (mit Hervorrufung) zuerst zum schnellen Co- 
piren mittels des von Schlotterhoss in Wien erfundenen Copirauto- 
maten, welche Methode später insbesondere von der Berliner Neuen 
photographischen Gesellschaft vervollkommnet und in grossem Maassstabe 
ausgeübt wurde. — Die erste Anregung zur Herstellung von Chlor- 
brom-Gelatine-Emulsion, welche später für Projectionsbilder grosse Be- 
deutung gewann, gab Eder (1883). 

Weitere historische Details finden sich im Texte der nachstehen- 
den Abhandlung eingeflochten. Eine ausführliche Geschichte des Emul- 
sionsverfahrens würde an dieser Stelle zu weit führen. 



ZWEITES CAPITEL. 

DIE EIGENSCHAFTEN UND ZUSAMMENSETZUNG 
DER SILBER- UND HALOIDVERBINDUNGEN UND DES 

AMMONIAKS. 



I. Wechselseitige Zersetzung yoii Halogenen und deren Salzen. 

Bei der Darstellung von Gelatine -Emulsion wird von Doppel- 
zersetzungen der Halogen Verbindungen (Verbindungen von Brom, Chlor 
und Jod) mit Silbersalzen Gebrauch gemacht. 

Die Darstellung von Bromsilber erfolgt durch einen solchen Pro- 

cess, nämlich 

KBr + AgN0 3 = AgBr + KN0 3 . 

Bromkalium Silbemitrat Bromsilber Kaliumnitrat. 

Oftmals ist es erwünscht, genaue Kenntniss darüber zu haben, 
wie elementares Chlor etc. auf Bromide und Jodide etc. wirkt; mit 
anderen Worten, wie die Verhältnisse der Verwandtschaft von Jod, Chlor 
und Brom sind. 

Darüber gibt nachfolgende Zusammenstellung Aufschluss: 
Chlor zersetzt: Metalibromide unter Freiwerden von Brom, 

„ „ Metalljodide „ „ „ Jod, 

Brom zersetzt: Metalljodide „ „ „ Jod, 

„ „ Metallchloride nicht. 

Jod zersetzt weder Metallchloride noch Bromide. 
Chlorwasserstoff zersetzt: Bromkalium etc. rasch unter Freiwerden 

von BromwasserstofF, 
„ „ Jodkalium etc. rasch unter Freiwerden 

von Jodwasserstoff, 
„ „ Bromsilber und Jodsilber sehr schwierig 

(erst bei 700 Grad C). 
Concentrirter wässeriger Jodwasserstoff führt Chlorsilber in Jod- 
silber über. 



Die Eigenschaften und Zusammensetzung der Haloi'dverbindungen etc. 9 

Chlorkaliumlösung verändert weder Bromsilber noch Jodsüber. 

Bromkaliumlösung führt Chlorsilber allmählich in Bromsilber über, 
„ zersetzt Jodsilber nicht 

Jodkaliumlösung führt sowohl Bromsilber als Chlorsilber in Jod- 
silber über (besonders beim Erwärmen, s. Cap. IX). 

Chlorsilber und Bromsilber lösen sich in Aetzammoniak (s. S. 12 
u. 18), besonders reichlich ersteres. Jodsilber ist fast unlöslich. 

Chlorsilber löst sich in kohlensaurer Ammoniaklösung; Bromsilber 
sehr wenig; Jodsüber nicht 

Versetzt man ein Gemisch von Jod-, Brom- und Chlorkalium mit 
Silbernitrat, so bildet sich zuerst nur Jodsilber, dann Bromsilber und 
zum Schluss erst wird das Chlor gefällt. Fluorkalium bleibt nach Zu- 
satz von Silbernitrat unverändert (s. auch S. 12). 

Jodsilber, Bromsilber und Chlorsilber lösen sich in Lösungen von 
Jodkalium, Bromkalium und Chlorkalium, namentlich beim Erwärmen. 
Beim Erkalten oder Verdünnen scheiden sich diese Salze grösstenteils 
wieder unlöslich aus (vergl. S. 13). 

Bromsilber löst sich etwas in Chlornatriumlösung, aber viel reichlicher in con- 
icentrirter Bromkaliumlösung. Chlorsilber wird von Bromkaliumlösung in Bromsilber 
umgewandelt und reichlich gelöst. Beim Verdünnen mit "Wasser fällt Bromsilber aus. 
Jodsilber ist in concentrirten Chloralkalilösungen nur sehr wenig löslich, dagegen leicht 
in Jodkaliumlösung (Schi erhol z, Eder's Jahrbuch f. Phot. 1893. S. 273). 

II. Eigenschaften der wichtigsten Silberverbindungen. 

A. Silbernitrat, salpetersaures Silberoxyd (AgN0 3 ) bildet wasser- 
helle Krystalle; ein Theil löst sich in ungefähr y 2 Theil Wasser von 
gewöhnlicher Temperatur und in 1 / 1Q Theil siedendem Wasser; in Al- 
kohol ist es schwerer löslich (s. Tabelle in Theil II, S. 341). 

Die wässerige Losung hält sich bei Abwesenheit organischer Sub- 
stanzen lange unverändert am Lichte. Bei Gegenwart von Gummi, 
Zucker, Gelatine etc. färbt sich die Lösung des Silbernitrats im Lichte 
langsam rothbraun bis schwarz, indem sich fein vertheiltes, colloidales, 
metallisches Silber bildet (s. S. 23). Jedoch halten sich solche Ge- 
mische im zerstreuten Tageslicht ganz gut einen bis mehrere Tage 
brauchbar; allerdings ist es besser, silbernitrathaltige Gallerte, welche 
bei gewissen Emulsionsprocessen Anwendung findet, im Dunkeln auf- 
zubewahren, obschon die gelbliche Färbung auf das Resultat der Emul- 
sionsbereitung nicht viel Einfluss nimmt. 

Beim Erwärmen färbt sich eine Mischung von reiner Gelatine- 
und Silbernitratlösung bald gelbbraun; ist jedoch ein wenig Salpeter- 
säure vorhanden oder war das Silbernitrat mit Ammoniaküberschuss 
versetzt worden, so bleibt die Flüssigkeit klar. 



10 Dritter Theil. Zweites Capitel. 

B. Silberoxydammoniak entsteht durch Auflösen von Silberoxyd 
mittels Aetzkali gefällt) in Ammoniak. Diese Flüssigkeit wird jedoch 
gegenwärtig in der Photographie nicht verwendet (vergl. S. 60). Da- 
gegen steht salpetersaures Silberoxydammoniak häufig in An- 
wendung. Es entsteht, wenn man zu einer Silbernitratlösung so lange 
Ammoniak hinzufügt, bis der anfänglich entstehende dunkelbraune Nieder- 
schlag sich bei weiterem Ammoniakzusatz zu einer klaren Flüssigkeit 
auflöst (darauf gegründete Methoden s. weiter unten). 

Lässt man die Flüssigkeit krystallisiren, so scheiden sich farblose 
Krystallnadeln aus, welche sich am Lichte schwärzen und nach Mit- 
scherlich die Formel 2NH 3 -AgN0 3 haben 1 ). 

Der Formel zufolge sollen auf 1 Mol. Silbernitrat je 2 Mol. Ammoniak 
verbraucht werden, jedoch lehrt die praktische Erfahrung, dass con- 
centrirte und verdünnte Silberlösungen etwas variable Mengen von 
Ammoniak zur Herstellung einer klaren Lösung benöthigen. 

Durch einen Kunstgriff kann man klare Lösungen, welche sehr 
arm an Ammoniak sind, herstellen. Theilt man nämlich eine Silber- 
nitratlösung in zwei Hälften, führt die eine durch genügenden Ammoniak- 
zusatz in eine klare Lösung von salpetersaurem Silberoxydammoniak 
über und fügt zur anderen etwas Ammoniumnitrat, so kann man beide 
Lösungen hinzufügen und erhält wieder eine klare Mischung, welche 
nur halb so viel Ammoniak als die erstere enthält. Die mit solchen 
Lösungen hergestellte Emulsion gibt in Folge des geringeren Ammoniak- 
gehaltes schleierlose, aber weniger empfindliche Emulsionen; man kann 
bei höherer Temperatur digeriren. 

Auch durch Lösung von Silberoxyd in salpetersaurem Ammoniak 
erhält man ähnlich wirkende ammoniakalische Silberlösungen. 

Zur Darstellung von Emulsionen benutzt man gewöhnlich eine 
mit Ammoniak bis zur Wiederauflösung des entstandenen Niederschlages 
versetzte Silbernitratlösung und nennt sie meistens kurzweg „Silber- 
oxydammoniak cc . — Beim Umsetzen solcher Lösungen von Silber- 
oxydammoniak mit Bromkalium bildet sich Bromsilber, und das Am- 
moniak wird entweder frei (bei höheren Mischungstemperaturen s. S. 13) 
oder bleibt nur partiell lose am Bromsilber gebunden, entweicht aber 
durch Waschen mit Wasser oder Verdampfen an der Luft. 



1) Nach Prescott geht hierbei folgender Process vor sich: 

2AgN0 3 + 4NH 4 0H = (NH 3 Ag).,0 + 2NH 4 N0 3 + 3H 2 
(Berliner Ber. 180. S. 1740). — Sowohl bei dieser Annahme, als bei oben angegebener 
Formel kommen auf 1 Mol. AgN0 3 je 2 Mol. NH 3 , was für das praktische gegen- 
seitige Yerhältniss von beiden Substanzen eigentlich allein in Betracht kommt. 



Die Eigenschaften und Zusammensetzung der Haloi'd Verbindungen etc. 11 

C. Kohlensaures Silberoxyd (Ag 2 C0 3 ) entsteht als gelblicher Nieder- 
schlag beim Mischen von Silbernitratlösung mit kohlensaurer Natron- 
lösung. Dasselbe schwärzt sich am Lichte und wird schon für sich 
allein durch Kochen mit Wasser zersetzt, indem es sich theilweise in 
Oxyd verwandelt 

Monckhoven schlug 1879 zuerst vor, kohlensaures Silberoxyd und Brom- 
wasserstoffsäure zu mischen, wonach man die Emulsion ohne Waschen verwenden 
könne; Silberoxyd sei nicht so gut. Er selbst kam später von dieser Methode ab, und 
auch Andere erzielten keine guten Erfolge damit. 

Wird kohlensaures Silberoxyd durch Mischen von gelöstem kohlensauren Natron 
und Silbernitrat hergestellt, der Niederschlag gewaschen, mit Bromammonium und 
Gelatine erwärmt, so bildet sich unter Ammoniakentwicklung Bromsilber. Diese 
nicht gewaschene Emulsion zeigt 15 bis 16 Grad Warnerke und gibt dünne Bilder; 
beim Aufbewahren zeigen die Platten immer stärker werdenden Schleier. Wird sie 
hingegen gewaschen, so erhält man eine schleierfreie Emulsion 1 ). 

Holland schlug vor, das kohlensaure Silberoxyd mit Bromkalium und soviel 
Essigsäure als nöthig ist, die Kohlensäure aus dem Silbercarbonat auszutreiben, zu 
erwärmen *). 

Henderson empfahl diese Methode (Eder's Jahrbuch f. Phot. 1892. S. 383), 
desgleichen Bolton (a.a.O. S. 384). Trotz mehrfacher Versuche, diese Methode für 
die Praxis brauchbar zu machen (vergl. Eder's Jahrbuch f. Phot. 1893. S. 400; 
1895. S. 458), gelang es jedoch nicht, sie sehr leistungsfähig zu machen. Der Ver- 
fasser hält die Bildung des Bromsilbers aus Silbercarbonat -Niederschlägen auf Grund 
seiner Versuche für unsicherer als die Mischungsweise aus Silbernitrat- oder ammoniakali- 
schen Silberlösungen. 

D. Kohlensaures Silberoxydammoniak. Versetzt man Silbernitrat- 
lösung mit kohlensaurem Ammoniak, so entsteht zuerst ein gelber 
Niederschlag von kohlensaurem Silberoxyd} welcher sich in überschüssi- 
gem Ammoniaksalze wieder auflöst; dabei entweicht schon in der Kälte 

viel Kohlensäure. Wahrscheinlich bildet sich Ag 2 C0 3 -4NH 3 8 ). 

Eine gute Lösung erhält man durch Mischen von einem Theil Silbernitrat und 
einem Theil kohlensaurem Ammoniak und 20 Theilen Wasser, wobei man kurze Zeit 
erhitzt, bis das Aufschäumen vorüber ist; diese Lösung verwendet man zur Herstellung 
von Bromsilber -Gelatine -Emulsion wie Silberoxydmmoniak (s. S. 61) und erhält durch 
Digeriren bei 40 bis 60 Grad C. nach x j 2 bis 1 Stunde 15 bis 17 Grad "Warnerke*). 

Diese Lösung war von Eder im Jahre 1883 zur Emulsionsbereitung ein- 
geführt 4 ), während Dr. Szekely frisch gefälltes kohlensaures Silberoxyd in Aetz- 
ammoniak löste 6 ) und damit Bromsilber- Emulsion herstellte. 

E. Silberacetat, essigsaures Silberoxyd (Ag 2 -C 2 H 3 2 ), entsteht 
durch Mischen von Silbernitrat mit essigsauren Salzen; es bildet weisse 



1) Biit. Journ. of Phot. 1883. S. 41 u. 71; Phot. Wochenbl. 1883. S. 79. 

2) Brit. Journ. of Phot 1883. S. 88; Phot. Wochenbl. 1883. S. 79. 

3) Eder, Phot. Corresp. 1883. S. 89, 167. 

4) Phot. Corresp. 1883. S. 89. 

5) Phot. Corresp. 1882. S. 262. 



12 Dritter Theil. Zweites Capitel. 

Krystallnadeln, welche sich in 100 Theilen kaltem Wasser auflösen. 
Henderson 1 ) fand es im Emulsionsprocesse verwendbar; das Salz fand 
jedoch keine allgemeine Anwendung. 

F. Silbercitrat, citronensaures Silberoxyd, entsteht in geringer 
Menge beim Mischen von Citronensäure und Silbernitrat, dagegen reich- 
lich, wenn man statt Citronensäure deren Salze verwendet. Es bildet 
einen weissen krystallinischen Niederschlag, welcher selbst in kochen- 
dem Wasser sehr schwer, in Ammoniak aber leicht löslich ist. 

Die Anwesenheit von citronensaurem Silberoxyd war zuerst von Obernetter 
bei dessen kaltem Emulsionsprocess eingeführt. Eder veröffentlichte 1889 eine Me- 
thode, worin Citronensäure zu Silbercitrat gemischt und dann mit Ammoniak versetzt 
wird, wobei zuerst ein weisser Niederschlag entsteht, der sich in überschüssigem 
Ammoniak löst. Diese Lösung gibt schleierfreie Emulsionen, da das Citrat schleier- 
widrig wirkt (s. unten). Vergl. auch über Citronensäure weiter unten und im Bd. IV 
„Copirprocesse auf Papier*. 

G. Chromsaures Silberoxyd (Ag 2 Cr0 4 ) entsteht durch Mischen von 
chromsaurem Kali mit Silbernitrat als orangerother Niederschlag. 

Chromsaures Silberoxyd war von Bin y in ammoniakalischer Lösung und einer 
Lösung von Brom in wässerigem Alkohol angeblich mit Erfolg zur Emuisification ver- 
wendet worden. Solche Emulsion soll (ähnlich wie Edwards angab) unempfindlich 
gegen Licht sein, und die damit überzogenen Platten sollen erst nach dem Waschen 
mit Wasser empfindlich werden 2 ). (Vergl. weiter unten.) 

H. Fluorsilber (AgF) entsteht beim Auflösen von Silberoxyd oder 
kohlensaurem Silberoxyd in Flusssäure — nicht aber beim Mischen 
von Fluornatrium oder -kalium etc. mit Silbernitrat! 

Es bildet ein lichtbeständiges, in Wasser leicht lösliches Salz, 
welches bis jetzt noch sehr wenig in der Emulsion versucht wurde. 

Vergl. ferner S. 9. 

I. Bromsilber (AgBr) ist in mehreren Modificationen bekannt, so- 
wohl krystallisirt als amorph. 

Bromsilber löst sich in Ammoniak bedeutend leichter als Jodsilber. 
Von frisch gefälltem Bromsilber löst sich in concentrirtem wässerigen 
Ammoniak ungefähr einen Theil in 1000 Theilen; von dem einmal ge- 
trockneten Niederschlage jedoch kaum die Hälfte. In Bromkaliumlösung 
ist es besonders in der Wärme löslich (jedoch weniger als Jodsilber in 



1) Henderson löste a) 8 Silbernitrat in 150 Wasser; b) es werden 73 kohlen- 
saures Ammoniak mit Essigsäure neutralisirt und mit Wasser auf 150 Theile gebracht. 
Mao mischt beide, fügt dann 60 Bromkalium und 1 Jodkalium zu und lässt dann ab- 
setzen. Der Niederschlag wird durch Absetzen gewaschen, mit 12 Gelatine gelöst in 
Wasser und etwas Ammoniak emulsificirt (Brit. Journ. of Phot. 1884; Fabre's Aide 
Memoire de Phot. pour 1885. S. 54). 

2) Moniteur de la Phot. 1S82. S. 122; Phot. Wochenbl. 1882. S. 294. 



Die Eigenschaften und Zusammensetzung der Haloidverbindungen etc. 13 

Jodkalium). Gesättigte Bromkaliumlösung löst ungefähr 3 Proc. Brom- 
silber, Bromammoniumlösung das Doppelte 1 ). Nach Wasserzusatz oder 
beim Erkalten scheidet sich das Bromsilber wieder aus. 

Aus der ammoniakalischen Lösung krystallisirt das Bromsilber in 
Blättchen, welche nach Eammelsberg frei von Ammoniak sein sollen, 
nach Liebig aber Ammoniak enthalten. Diesen Widerspruch klärte Jarry 
auf, indem er nachwies, dass das Bromsilber mit Ammoniak verschiedene 
Verbindungen gebe, deren Existenz an verschiedene Temperaturen ge- 
bunden ist Bromsilber gibt mit Ammoniak bei — 30 Grad C. eine 
weisse Verbindung, welche bei +4 Grad C. einen Theil ihres Ammoniaks 
verliert, während die zurückbleibende Bromsilberammoniak -Verbindung 
wieder den Best ihres Ammoniaks bei 35 Grad C. verliert. Diese That- 
sache ist wichtig, weil sie die namentlich von Eder empirisch fest- 
gestellte Thatsache verständlich macht, dass ammoniakalische Bromsilber- 
Emulsion am besten bei 35 bis 40 Grad C. reift, d. h. dass das anfangs 
entstehende Bromsilberammoniak sich in Ammoniak und hochempfind- 
liches körniges Bromsilber umsetzt (Eder's Jahrbuch für Phot. 1899. 
Seite 506). 

Ueber das Verhalten von frisch gefälltem Bromsilber gegen Am- 
moniak machte ferner Elsden 2 ) genauere Angaben. 

Frisch gefälltes Bromsilber ist gelblich. 

Mit Ammoniak (spec. Gew. 0,88) Übergossen wird es augenblick- 
lich weiss, und bleibt so selbst im Tageslicht, bis die Lösung gesättigt 
ist. Aus dieser Lösung lässt sich das Salz in mehreren Formen aus- 




Fig. 1. Krystallisationon von Bromsilber. 

scheiden. Wenn mit 5 Theilen Wasser verdünnt, scheidet sich fast 
alles Bromid unter dem Mikroskop in durchsichtigen Krystallen von 
allen möglichen prachtvollen Farben und den mannigfachsten Formen 
aus, von denen die häufigsten vorstehend (Fig. 1) skizzirt sind. Die 
Krystalle sind 0,25 bis 0,025 mm gross und höchstens 0,0012 mm 
dick; fast jedes hat seine eigene Farbe, und sie beeinflussen, wenn 
flach liegend, polarisirtes Licht nicht. Sie sind ganz beständig, selbst im 
stärksten Sonnenlicht. Ammoniak und Fixirnatron lösen die Krystalle 



1) Ueber Verhalten des Broinsilbers gegen andere Lösungsmittel vergl. Valenta 
(Eder's Jahrbuch f. Phot. 1895. S. 280). 

2) Phot. News. 1881. S. 174; Phot. Wochenbl. 1881. S. 154. 



14 Dritter Theil. Zweites Capitel. 

bis auf eine feine braune Haut, als ob sie aus Bromür beständen. — 
Wird die ursprüngliche Lösung nur mit einer gleichen Menge Wasser 
verdünnt, so schlagen sich die Krystalle in nachstehender Form (Fig. 2) 
nieder. Sie sind in durchscheinendem Licht farblos, reflectiren aber die 
prachtvollsten Farben. In polarisirtem Licht erscheinen sie stark doppelt- 
brechend, da sie viermal bei einer Umdrehung des Krystalls zwischen 
Hell und Dunkel wechseln. Ihre Farbe ist dabei meist ein mattes 
Lavendelblau. Diese Krystalle zersetzen sich schon bei ganz geringer 
Erwärmung, sowie bei Berührung mit Wasser oder Säuren plötzlich, 
und hinterlassen gelbes Bromsilber, welches am Licht schnell dunkel 
wird. Offenbar bestehen also die Krystalle aus einer sehr lockeren Ver- 




-> < 



on^D 



Fig. 2. Krystallisationen von Bromsilber. 

bindung von Bromsilber und Ammoniak. — Lässt man, statt wie in 
diesen beiden Fällen durch schnelle Verdampfung, die Lösung während 
mehrerer Tage langsam verdunsten, so erhält man grüne, sehr glänzende, 
octaedrische oder octaedrisch-cubische Krystalle. Nach längerer Zeit 
werden sie im Tageslicht dunkler und verwandeln sich in Bromür. — 
Endlich schlägt sich mit allen bisherigen Formen gemischt auch kör- 
niges Bromsilber nieder, welches aber viel empfindlicher gegen Licht- 
wirkung ist, als das ursprüngliche. — Diese Eigenthümlichkeiten mögen 
eng mit der Wirkung des Ammoniaks auf Bromsilber- Emulsionen zu- 
sammenhängen. 

K. Chemische Eigenschaften der verschiedenen Modificationen des 
Bromsilbers. Aus rein wässerigen Lösungen von Silbersalzen mit Bro- 
miden fallen Niederschläge von Bromsilber nieder, welche verschiedene 
Modificationen aufweisen. 

Zu photographischen Zwecken erzeugt man das Bromsilber in der 
Regel bei Gegenwart von Gelatine, oder anderen Bindemitteln, welche 
die Mischung dickflüssig machen. Auch in diesem Falle kann man die 
Bildung verschiedener Modificationen von Bromsilber beobachten. Ein 
einfacher Versuch lehrt, dass bei Gegenwart von Gelatine die Mischungen 
von Silbersalz und Bromid (namentlich bei grösserer Verdünnung) an- 
fangs klar bleiben, dann allmählich opalisirend werden und erst allmäh- 
lich starke Trübungen von mehr oder weniger feinen Bromsilberfällungen 
geben, welche in der Gelatine suspendirt (emulsionirt) bleiben. Diese 
anfangs entstehend durchsichtigen Bromsilberformen, welche sich fast 
wie Lösungen desselben (scheinbar) verhalten, enthalten sogenanntes 



Die Eigenschaften und Znsammensetzung der Haloid Verbindungen etc. 15 

„colloidales" Bromsilber. Dieses verhält sich fast (aber nicht voll- 
kommen so) wie eine Lösung von Bromsilber (s. über colloi'dale 
Lösungen in Gelatine S. 23). 

Colloidales Brom-, Chlor- und Jodsilber bildet sich auch 
bei Abwesenheit von Gelatine und lässt sich durch Einwirkung von 
Perbromiden, -Chloriden etc. auf colloidales Silber herstellen; sie scheiden 
sich bei grosser Verdünnung nicht aus, sondern bleiben in Lösung. 
(Lottermoser und Meyer, Eder's Jahrbuch f. Phot. 1899. S. 465.) 
Derartige colloi'dale Silberhalogen-Verbindungen zeigen geringe Licht- 
empfindlichkeit (s. S. 23 und 25). 

Mit der Zeit, namentlich bei höherer Temperatur, ballt sich das 
Bromsilber zu Partikelchen zusammen, welche die Flüssigkeit trüben 
und sich als Niederschläge zu Boden setzen. Diese Arten von Brom- 
silber-Niederschlägen studirte besonders Stas. 

Ueber die chemischen Eigenschaften der Modificationen des aus 
rein wässerigen Lösungen gefällten Bromsilbers machte Stas 1 ) 
folgende Angaben: 

Stas unterscheidet sechs verschiedene Modificationen (Zustände) 
des reinen Bromsilbers: 

1. Die flockige Modification; a) die flockig weisse, b) die flockig 
gelbe. 

2. Die pulverige Modification; a) pulverig intensiv gelb, b) pulverig 
periweiss. 

3. Die körnig weissgelbe Modification. 

4. Die krystallisirte oder geschmolzene, intensiv rein gelbe Modi- 
fication. 

1. Das flockige Bromsilber. 

Mischt man in der Kälte Silbernitrat und lösliche Bromsalze oder Bromwasser- 
stoffsäure in verdünnten Lösungen von 0,5 bis 1 Proc., so entsteht ein käsiger Nieder- 
schlag von Bromsilber. Derselbe ist ganz weiss, wenn man einen Ueberschuss des 
Silbersalzes anwendet; dagegen tief gelb, wenn man einen Ueberschuss von Bromsalz 
anwendet. 

Die weissen oder gelben Flocken zerfallen bald, wenn die Flüssigkeit neutral 
ist und man dieselbe schüttelt, langsam, wenn sie sauer ist. 

Die weissen und gelben Flocken, jedoch besonders die gelben, backen zu- 
sammen , wenn man sie in der Flüssigkeit sich selbst überlässt, und nehmen mit der 
Zeit die Form einer plastischen Masse von blassgelber oder stark lichtgelber Farbe an, 
je nach der ursprünglichen Farbe der Flocken. 

Wenn man diese, nachdem sie den höchsten Grad der Zusammenbackung er- 
reicht hat, sich selbst an der Luft überlässt, so zieht sie sich allmählich zusammen, 
erhärtet und bildet eine undurchsichtige Masse. 



1) Annal. de chim. et phys. Bd. 5, S. 1874; Phot. Mitth. 1879. Bd. 16, S. 165. 



16 Dritter Theil. Zweites Capitel. 

Das flockige Brom silber, sowohl das weisse, wie das gelbe, schwärzt sich sehr 
schnell selbst im diffusen Lichte, auch im zusammengebackenen Zustande, aber nach 
seiner Erhärtung wird es im diffusen Lichte nur grünlich. 

In einer Lösung von essigsaurem Alkali zerfällt das flockige Bromsilber freiwillig. 

2. Das pulverige Bromsilber. 

Das flockige Bromsilber verwandelt sich in pulveriges, wenn man es heftig mit 
Wasser schüttelt, und zwar sehr schnell, wenn die Flocken aus neutraler, und sehr 
langsam, wenn sie aus saurer Lösung gefällt sind 1 ). Zugleich ändert es die Farbe, 
es geht in einen Zustand feinster Zertheilung von einem weisslichen Gelb über. 
"Wenn es mit "Wasser eingerührt wird, so bildet es einen Brei, der, auf Leinwand 
gebracht, das "Wasser sehr stark zurückhält*). Lässt man es an der Luft bei Licht- 
abschluss freiwillig trocknen, so zieht es sich zusammen, bleibt aber pulverig und 
gelbweiss. Bei der geringsten Berührung zerfällt es; erwärmt man es aber nach dem 
Trocknen, so erhärtet es und nimmt eine gelbe, intensive Farbe an. 

Im Breizustande ist es weniger durch das Licht veränderlich, als das weisse, 
flockige Bromsiiber, aber bei gewöhnlicher Temperatur getrocknet, ändert es sich viel 
rascher als das pulverige Chlorsilber. 

3. Das körnige Bromsilber. 

"Wenn man mit "Wasser angerührtes, flockiges oder pulveriges Bromsilber in 
siedendes "Wasser giesst, so verwandelt es sich augenblicklich in einen feinen Staub 
von ausserordentlicher Zartheit; dieser ist das körnige Bromsilber. Man producirt es 
direct, wenn man zu einer siedenden Lösung von Silbernitrat (1 : 1000) eine genügende 
Quantität einer siedenden, sehr verdünnten Lösung von Bromammonium giesst. 

Der körnige Staub, welchen man aus flockigem Brom silber erhält, ist von einem 
matten Gelbweiss, w r ährend der aus pulverigem Bromsilber oder aus sehr verdünnten 
Lösungen hervorgehende von einem brillanten Gelbweiss ist. Nach tagelangem Sieden 
(unter fortwährender Erneuerung des Wassers) vertheilt sich das Bromsilber mehr und 
mehr, bis es schliesslich im Wasser suspendirt bleibt und dasselbe milchig macht. In 
diesem Zustande zeigt das Bromsiiber einen brillanten Reflex und setzt sich erst nach 
langer Zeit ab. Nach Abguss der Flüssigkeit erscheint es dann periweiss. In Berüh- 
rung mit einer concentrirten Lösung von Bromammonium w r ird das perl weisse Brom- 
silber augenblicklich intensiv gelb. 

Sowohl das matte, als auch das brillante gelbe körnige Bromsilber, wie auch 
das periweisse bilden die lichtempfindlichsten Körper, welche Stas, wie er sich aus- 
drückt, kannte. Es genügen 2 oder 3 Secunden, sie im Glaskolben in der blass- 
blauen Flamme einer Bunsen -Lampe zu sieden, um sie zu schwärzen. 

Ueber die Löslichkeit des Bromsilbers in Wasser bemerkt Stas: Das flockige 
und pulverige Bromsilber ist in reinem und mit Salpetersäure oder Schwefelsäure an- 
gesäuertem Wasser bei Temperaturen zwischen Grad und 33 Grad C. unlöslich, da- 
gegen über 33 Grad C. merklich löslich (jedoch in sehr geringer Menge). Das kör- 
nige Bromsilber ist nur bei Temperaturen über 50 Grad C. merklich löslich, wenn auch 
schwach. 



1) Aehnliche Beobachtungen wurden mehrfach bei Herstellung photographischer 
Emulsion gemacht. (D. Verf.) 

2) Es ist Thatsache, dass Bromsilber- Gelatineplatten anscheinend bald luft- 
trocken werden, aber trotzdem noch lange Feuchtigkeit zurückhalten, welche deren 
Zusammenkleben veranlasst. (D. Verf.) 



Die Eigenschaften und Zusammensetzung der Haloid Verbindungen etc. 17 

Wenn man über 33 Grad C. hergestellte Lösungen von flockigem Bromsüber mit 
Lösungen von Bromkalium oder Silbernitrat versetzt, so trüben sie sich. 

Von körnigem Bromsilber löst 1 Million g siedendes Wasser 3,5 g Bromsilber. 
Enthält das Wasser 1 Proc. Salpetersäure, so löst es die l 1 /, fache Menge. Lässt 
man eine gesättigte Lösung von Bromsilber erkalten, so scheidet sich keineswegs 
alles Bromsilber aus. Die Lösung hält nach Art der übersättigten Lösungen eine 
gewisse Quantität des Bromsiibers zurück. Der Zusatz von y i0 Normal - Brom- 
kaliumlösung oder von 7i Silbernitratlösung der Chemiker veranlasst aber die sofortige 
Ausscheidung des Bromsilbers. 

Stas constatirte ferner die geringe Löslichkeit des Bromsilbers in einer Lösung 
von essigsaurem Natron, und zwar schon in der Kälte. 1 Liter löst bei 15 Grad C. 
0,0029 g Bromsilber, d. i. doppelt so viel als reines siedendes Wasser von körnigem 
Bromsilber aufzunehmen vermag. Lösungen von salpetersaurem Quecksilberoxyd lösen 
das Bromsilber etwas stärker (in 100 ccm 0,038 g AgBr), aber zersetzen dasselbe 
theilweise. 

Die Angaben Stas' fanden durch die therm ochemischen Untersuchungen 
Berthelot' s 1 ) neue Bestätigung. Berthelot untersuchte die Wärmeentwicklung, 
welche beim Entstehen der zwei schon längst bekannten Modificationen des Queck- 
silborjodides (der gelben und der rothen) frei wird. Er beobachtete hierbei, dass 
bei der Umwandlung der gelben in die rothe Modifikation eine Wärmeentwicklung von 
3 Wärmeeinheiten stattfindet. Bezüglich des Jodsilbers fand er, dass dasselbe als 
amorpher Niederschlag in einer wenig beständigen Modification entsteht und nach- 
träglich in einen stabileren amorphen Zustand übergeht. Wenn man nämlich Silber- 
nitrat in Jodkalium (in Lösungen je 1 Aequivalent in Gramm pro 2 Liter) giesst, 
so werden nach 2 Minuten 26,9 Wärmeeinheiten frei, davon 21,1 schon nach der 
ersten halben Minute; der Rest von 5,7 Wärmeeinheiten entwickelt sich erst nach 
und nach. Giesst man Jodkalium in Silbernitrat, so werden schon nach einer halben 
Minute 26,9 Wärmeeinheiten frei. Auch aus Jodsilber- Jodkalium durch Wasser ab- 
geschieden , scheint das Jodsilber nicht sogleich in stabilen Zustand überzugehen. Diese 
Erscheinungen rühren von der Veränderung des Zustandes her. 

Nach einigem Stehen ergeben jedoch die Niederschläge stets dieselbe Lösungs- 
wärme (in Jodkalium oder Cyankalium) , ob man nun stabiles, amorphes oder krystal- 
lisirtes nimmt. Die erwähnten thermischen Veränderungen zeigen sich nur im amorphen, 
nicht krystallisirten Jodsilber. 

Gleiches gilt für Chlor-, Brom- und Cyansilber. Da Wärmeentwicklung bei 
der Entstehung von Polymerisationsproducten eintritt, so kann man auf eine Poly- 
merisation oder jedenfalls auf eine Aenderung der chemischen Functionen dieser Ver- 
bindungen, je nach ihrer Darstellung, schliessen. 

Die Existenz von krystallinischem und amorphem Brom- und Chlorsilber er- 
gibt sich auch aus dem elektrischen Leitungswiderstande, sowie auch die Existenz von 
Doppel Verbindungen der Silberhaloide unter sich daraus hervorgeht. 

Nach Kohlrausch 2 ) liegt der Schmelzpunkt des Chlorsilbers über 485 GradC. 
(nach Rodwell bei 451 Grad C.) und des Jodsilbers bei 450 Grad C. (nach Rodwell 
bei 527 Grad C); das Gemisch von gleichen Aequivalenten von Chlorsilber und Jod- 



1) Compt. rend. 1881. Bd. 93, S. 870; Phot. Corresp. 1882. S. 47. 

2) Annalen der Physik und Chemie 1882. Bd. 253, S. 642. 

Eder, Handbuch der Photographie. III. Thoil. 5. Aufl. 2 



18 Dritter Theil. Zweites Capitel. 

Silber schmilzt aber schon bei 260 Grad C. Chlor-, Brom- und Jodsilber leiten die 
Eiektricität oberhalb der Schmelzpunkte sehr gut. Am besten leitet dann Chlorsilber, 
am schlechtesten Jodsilber; Bromsilber steht in der Mitte. Der Widerstand von Chlor - 
und Jodsilber nimmt beim Erstarren derselben sehr stark zu (wobei sie aus der 
amorphen in die krystalliDische Modifikation übergehen) und steigt beim Abkühlen auf 
20 Grad C. bis zu mehr als dem Millionenfachen des Anfangswerthes. Jodsilber da- 
gegen ändert seinen "Widerstand beim Erstarren (540 Grad C.) absolut nicht, sondern 
zeigt ein rapides Anwachsen desselben erst bei derjenigen Temperatur (145 Grad C), 
bei der es aus dem amorphen in den krystallinischen Zustand übergeht. 

L. Chlorsilber ist gleichfalls in mehreren Modificationen von Stas 

beschrieben worden, welche sich wie jene von Bromsilber gruppiren 

lassen. 

Yon reinem Chlorsilber lösen sich 2 mg in 1000 ccm kochendem Wasser; Spuren 
von Salzsäure oder Silbernitrat fällen daraus Chlorsilber (Stas, dann Cooke 1 ). Es 
ist leichter im Wasser löslich als Bromsilber, und die heiss gesättigte Lösung scheidet 
beim Erkalten ein körniges Pulver aus, welches im Mikroskop sich als kleine Würfel 
darstellt. 

Chlorsilber löst sich in Chlorammoniumlösung ziemlich leicht, weniger in 
Chlorkalium oder -natrium. In concentrirtem Ammoniak ist es leicht löslich, nämlicb 
ungefähr 1 : 12. (Ueber Löslichkeit des Chlorsilbors in verschiedenen Lösungsmitteln 
vergi. Valenta, Eder's Jahrbuch f. Phot. 1895. S. 279.) 

Erhitzt man Chlorsilber mit Ammoniakflüssigkeit in einer geschlossenen Bohre, 
so löst es sich reichlich und scheidet beim Erkalten blattförmige Krystallnadeln von 
Chlorsilberammoniak aus (AgCl • 2NH 8 ), welche an der Luft und mit Wasser unter 
Ammoniakverlust sich zersetzen und sich am Lichte schwärzen 2 ). 

Es ist für das chemische Verhalten des Chlorsilbers nicht gleichgültig, ob es 
aus concentrirter oder verdünnter Silberlösung gefällt wird. Im ersteren Falle löst 
es sich leichter in Salzsäure 3 ). 

ML Jodsilber (AgJ) ist ein gelber Niederschlag, welcher sehr un- 
empfindlich gegen Licht ist, sobald er mit überschüssigem Jodkalium 
gefällt wird, dagegen weit lichtempfindlicher, wenn Silbernitrat in Ueber- 
schuss war. (Die Unterschiede kommen besonders im nassen und 
trockenen Collodionverfahren zur Geltung, wo man hauptsächlich mit 
Jodsilber arbeitet (s. den IL Band dieses „Handbuchs"). 

Man kennt Jodsilber im krystallisirten und amorphen Zustande. 

Jodsilber färbt sich mit Ammoniak blasser, indem es gebunden wird; in wässe- 
rigem Ammoniak löst es sich äusseret wenig, selbst in concentrirtem erst 1 : 2500. 
(Wallace und Lamont.) In Jodkaliumlösung, sowie Silbernitratlösung, löst es sich 
ziemlich reichlich unter Bildung von Doppelsalzen und wird durch viel Wasser wieder 
ausgeschieden (vergl. Bd. II, 2. Aufl. dieses „Handbuchs 44 , S. 234). 



1) Jahresber. f. Chemie 1881. S. 300; Chem. News. Bd. 44, S. 234. 

2) Terreil, Compt. rend. 1884. Bd. 98; Chem. Centralbl. 1884. S. 487. 

3) Ruyssen und Varenne, Jahresber. f. Chemie 1881. S. 301. 



Dia Eigenschaften und Zusammensetzung der Haloidverbindungen ete. 19 

II. Eigenschaften der wichtigsten löslichen Brom-, Chlor- 
und Fluorsnlze. 

A. Von Bromiden ist ausschliesslich das Bromkalium und Brom- 
ammooium in Anwendung. 

Das Bromkalium (KBr) ist ganz luftbeständig. Es krystallisirt in 
farblosen oder weissen Würfeln, welche im Wasser leicht löslich sind. 

Das Bromammonium (NH 4 Br) bildet kleine weisse Krystalle, welche 
an der Luft feucht werden. Es zersetzt sich beim langen Kochen mit 
Wassftr unter Verlust von Ammoniak und wird allmählich immer stärker 
sauer, wie der Verfasser nachgewiesen hat 1 ); beim Bromkalium ist eine 
derartige Spaltung nicht nachweisbar. 

Die Löslichkeit des Bromkaliums im Wasser ist so bedeutend, 
dass in dieser Richtung die Anwendung des Bromkaliums durchaus 
nicht beeinträchtigt wird. 1 Theil Bromkalium löst sich nämlich bei 
15 Grad C. in 1,62 Theilen Wasser; 1 Theil Bromammonium in 1,29 Theilen 
Wasser 2 ). 

Sobald man in irgend einer Vorschrift das Bromkalium an Stelle 
des Bromammoniums verwenden will, muss statt 1 Theil Bromammonium 
1,215 Theile Bromkalium genommen werden. 

Beim Brorokaliura hat man darauf zu sehen, dass es nicht alkalisch reagirt 
(in Folge einer Verunreinigung mit kohlensaurem Kali) und nicht stark mit Chlor- 
kalium verunreinigt ist. Reines Bromkalium für photographische Zwecke wurde auf 
Anregung des Verfassers zuerst von der chemischen Fabrik des Dr. Bchuchard in 
Görlitz, später auch von Schering in Berlin u. A. erzeugt und ist jetzt leicht zu 
beschaffen. 

Bromammonium und Bromkalium verhalten sich in der Gelatine-Emulsion im 
Allgemeinen ziemlich ähnlich, so dass man beide mit Erfolg verwenden kann. Das 
Bromkalium hat den Vortheil, dass es luftbeständig ist, leichter krystallisirt und das- 



1) Eder, Berichte der Akademie der Wissensch. in "Wien 1880. Phot. "Wocheubl. 
1881. S. 74. Das Bromammonium spaltet (dissoeiirt) sich beim Erhitzen wässeriger 
Losungen in Brom Wasserstoff, welches in der Flüssigkeit bleibt und in Ammoniak, 
welches entweicht (BrNH, = BrH + NH,); diese Spaltung ist schon bei 30 Grad C. 
merklich und steigert sieh beim Sieden. Jedoch bilden sich schon bei ',',• bis ein- 
stündigem Sieden nicht mehr als 0,4 g Brom Wasserstoff säure aus 100 g Brom- 
ammonium. 

2) Bekanntlich ist die Löslichkeit des Bromkaliums in Alkoholäther so gering 
(1:1200), dass dieses Salz in Collodion nicht verwendbar ist, worauf Verfasser 
in der Phot. Corresp. 1876. Bd. 13, S. 92 hinwies. Diese Thatsache mag ein Vor- 
nrtheil der Photographen gegen das Bromkalium überhaupt hervorgerufen haben, das 
bei der Benutzung wässeriger Lösungen ganz ungerechtfertigt ist. — (In der 
2. Auflage von Eder's Theorie und Praxis der Photographie mit Bromsüber-Gelatine 
sind bei den Lösli eh keits Ziffern dos Bromkalium und -ammonium Druckfehler unter- 
laufen, welche in die französische Ausgabe übergingen.) 



20 Dritter Theil. Zweites Capitel. 

selbe leichter rein herzustellen ist. Das Broniammonium gibt namentlich beim „Siede- 
process u klarere Emulsionen und verhindert besser das Entstehen von Verschleierungen, 
weil während des Kochens der Gehalt an Bromwasserstoffsäure zunimmt, welcher 
schleierwidrig wirkt. Beim Emulsionsverfahren mit Silberoxydammoniak zieht der 
Verfasser Bromkalium vor. 

Für Emulsionen, welche mittels Alkohol entwässert und zugleich von löslichen 
Salzen befreit werden sollen, ist die Anwendung von Bromammonium statt Brom- 
kalium empfehlenswerth, worauf Verfasser schon im März 1881 hinwies 1 ); die Am- 
moniumsalze sind nämlich viel löslicher in Alkohol als die Kaliumsalze; dies gilt so- 
wohl für die Bromide, als die Xitrate. Namentlich das salpetersaure Kali ist in 
Alkohol viel schwerer löslich als das salpetersaure Ammoniak: 1 Theil salpetersaures 
Kali löst sich in 100 Theilen Alkohol, 1 Theil salpetersaures Ammoniak ist aber schon 
in 2 bis 3 Theilen Alkohol löslich. 

Brom zink wurde versuchsweise verwendet; Brooks 2 ) erhielt gute Resultate, 
Abney 8 ) bald gute, bald schlechte. 

Verunreinigung der Bromsalze. Die Bromsalze kommen verunreinigt mit 
Chlorsalzen etc. im Handel vor. Jubert 4 ) fand Bromkalium, welches nur 83 Proc. 
KBr, und Bromammonium, welches nur die Hälfte NH 4 Br (neben schwefelsaurem 
Ammoniak) enthielt. AVay 6 ) fand Bromkalium, welches 3 Proc. Chlorkalium, Abney 6 ) 
sogar solches, welches 25 bis 30 Proc. Chlorkalium enthielt. Bromammonium kann auch 
mit salpetersaurem Ammoniak verunreinigt sein. Enthält Bromkalium bromsaures 
Kali, so entsteht nach Zusatz von Salzsäure Gelbfärbung durch Freiwerden des Brom. 

B. Chloride. Von den Chloriden ist zur Darstellung von Chlor- 
silber-Gelatine hauptsächlich Chlorammonium (NH 4 C1) und Chlornatriuni 
(NaCl), seltener Chlorkalium in Gebrauch. 

Beide sind leicht in reinem Zustande zu bekommen. Heines 
Chlornatrium ist auch das im Handel in grossen wasserhellen Krystallen 
vorkommende Edelsalz oder Sal gemmae. 

C. Jodide. Meistens wird nur das Jodkalium (KJ), welches am 
sichersten in reinem Zustande zu erhalten ist, für Gelatine-Emulsionen 
verwendet 7 ). 

D. Fluoride. Fluornatrium, neben Bromkalium zur Darstellung 

von Emulsion, wurde von Prof. Husnik empfohlen, um sehr kräftig 
arbeitende Emulsionen für Strichreproductionen zu erhalten, es fand 
jedoch keine weitere Verwendung. 



1) Bull, de l'Assoc. Beige Phot. 1883. Bd. 9. S. 134. 

2) Brit. Journ. of Phot. 1883. S. 203. 

3) Phot. News. 1883. S. 122. 

4) Bull, de l'Assoc. Beige Phot. 1884. S. 271. 

5) Chemiker- Zeitung. 1882. S. 1319. 
G) Phot. News. 1884. S. 337, 350. 

7) Jodbaiyum, statt Jodkalium, fügte Harris in kleiner Menge bei der Her- 
stellung von Bromjod- Emulsion bei (Eder's Jahrbuch f. Phot. 1899. S. 507). 



Die Eigenschaften und Zusammensetzung der Haloi'd Verbindungen etc. 21 



III. Das Ammoniak. 

Das Ammoniak (NH 3 ) kommt in wässeriger Lösimg („Aetzammo- 
niak, Ammoniakflüssigkeit oder Salmiakgeist 4 ') zur Anwendung. 

Die Stärke des Ammoniaks soll genau bekannt sein. Es ist 
dies ein Umstand von grosser Wichtigkeit. 

Ammoniak will sowohl in der Emulsion als im Entwickler subtil 
behandelt werden; etwas zu viel kann alles verderben. Man bedenke 
aber, dass der Gehalt des käuflichen Ammoniaks häufig um das Zwei- 
bis Dreifache differirt 

Verfasser benutzt nur Ammoniak von der Dichte 0,91 bei 17 Grad C, 
welches auch in den Apotheken officinell ist. 

Tabelle über den Gehalt an Ammoniak 
in der wässerigen Lösung und die specifischen Gewichte der 

letzteren bei + 14 Grad C. von Carius. 



Spec. 
Gewicht 


Proc. 
Am- 
moniak 


Spec. 
Gewicht 


Proc. 
Am- 
moniak 


Spec. 
Gewicht 


Proc. 
Am- 
moniak 


Spec. 
Gewicht 


Proc. 
Am- 
moniak 


0,8843 
0,8864 
0,8885 
0,8907 
0,8929 
0,8953 
0,8976 
0,9001 
0,9026 


36,0 
35,0 
34,0 
33,0 
32,0 
31,0 
30,0 
29,0 
28,0 


0,9052 
0,9178 
0,9106 
0,9133 
0,9162 
0,9191 
0,9221 
0,9251 
0,9283 


27,0 
26,0 
25,0 
24,0 
23,0 
22,0 
21,0 
20,0 
19,0 


0,9314 
0,9347 
0,9380 
0,9414 
0,9449 
0,9484 
0,9520 
0,9556 
0,9593 


18,0 
17,0 
16,0 
15,0 
14,0 
13,0 
12,0 
11,0 
10,0 


0,9631 
0,9670 
0,9709 
0,9749 
0,9790 
0,9831 
0,9873 
0,9915 
0,9959 


9,0 
8.0 
7,0 
6,0 
5,0 
4,0 
3,0 
2,0 
1,0 



Beim Stehen an der Luft entweicht aus der wässerigen Ammoniak- 
tlüssigkeit allmählich das gasförmige Ammoniak, namentlich bei höherer 
Temperatur. Deshalb sinkt der Ammoniakgehalt des in schlecht ver- 
schlossenen Flaschen aufbewahrten „Salmiakgeistes" allmählich und das 
Präparat verliert an Wirksamkeit. Die Bestimmung der Dichte gibt an 
der Hand der vorstehenden Tabelle ein sicheres Urtheil über die Stärke 
(Procentgehalt an Ammoniak) der wässerigen Ammoniakflüssigkeit. 



DRITTES CAPITEL. 

ENTSTEHUNG VON BROMSILBEK-, JODSILBEE- UND 
CHLORSILBER -EMULSION. — UNREIFE EMULSIONEN. 



Vertheilt man Bromsilber in geeigneter Weise in einer wässerigen 
Lösung von Gelatine, so bildet es hierbei eine anfangs fast klare, schwach 
opalisirende, später milchige Flüssigkeit, welche die Bromsilberpartikelchen 
in einem Zustande hoher Feinheit suspendirt enthält und durch poröse 
Filter, ja sogar mehrfache Schichten von Waschleder filtrirt werden 
kann, ohne dass das Bromsilber zurückgehalten würde. Diese Mischung 
von feinvertheiltem, suspendirtem Bromsilber mit Gelatine nennt man 
„Bromsilb er- Gelatine-Emulsion 44 . 

Die photographischen Eigenschaften, die Lichtempfindlichkeit, die 
Feinheit des Kornes, die Transparenz der Emulsion hängen von der 
molecularen Yertheilung des Bromsilbers, respective von dessen Her- 
stellungsart ab. Hierauf wurde schon bei der Besprechung der ver- 
schiedenen Modificationen des Bromsilbers hingewiesen (s. S. 14). 

Reines, ultraviolettempfindliches Bromsilber. Reines 
Bromsilber gibt photographische, entwicklungsfähige Bilder, wie 
V. Schumann gezeigt hat. Ueberzieht man Glasplatten mit ganz 
dünnen Gelatinelösungen und lässt darauf fein zertheiltes, frisch ge- 
fälltes Bromsilber absetzen, so gibt dieses eine genügend zusammen- 
hängende Schicht; diese gibt beim Belichten und Hervorrufen photo- 
graphische Bilder, indem die Unterlage von Gelatine als Sensibilisator 
wirkt. Diese Schichten haben allerdings nicht die Gleichmässigkeit und 
regelmässige Empfindlichkeit, wie Gelatine- Emulsionen (Bromsilber ein- 
verleibt in der Gelatinemasse) und finden keine Verwendung in der photo- 
graphischen Praxis. Dagegen leisten sie für die Spectrumphotographie 
vom brechbarsten Ultraviolett (jenseits l = 220) die grössten Dienste, 
weil Gelatine eine starke Absorption für das brechbarste Ultraviolett aus- 
übt und den Zutritt desselben zum Bromsilber hindert (V. Schumann 1 ). 

1) Sitzungsberichte d. K.. Akad. d. Wissensch. Wien. — Eder's Jahrbuch, f. 
Phot 1894. S. 07 u. 373; 1895. S. 198. 



Entstehung von Bromsilber-, Jodsilber- und Chloreilber- Emulsion atc. 23 

Colloldale Lösungen in Gelatine. — Collol'dales und 
„unreifes" Bromsilber in Gelatine-Emulsionen. 

Gelatine (auch Gummi) enthält viele amorphe Körper eolloidal 
gelöst. Lobry de Bruyns zeigte, dass gelöste Gelatine nicht nur 
Chlor-, Brom- und Jodsilber, sondern auch Silberchrom at, Bleijodid, 
Kupferferrocyanid , Sultäte und Hydroxyde der schweren Metalle etc. 
durchsichtig vertheilt erhält, und auch beim Abkühlen durchsichtige 
Gallerten gibt, die allerdings bei auffallendem Lichte eine innere Reflexion 
oder Fluorescenz zeigen. Es bilden sich hierbei wahrscheinlich mikro- 
skopisch unsichtbare Theilchen von äusserst geringer Grösse, zwischen 
derjenigen der Molecüle und der mit den stärksten Vergrösserungen noch 
sichtbaren Partifeelchen. Man darf annehmen, daes die Vertbeilung der 
Substanz in Gelatine sich der der gelösten Körper in Wasser nähert. 
Die Bildung von eolloidalem Silber (von Carey Lea in wässeriger 
Lösung zuerst hergestellt) findet in Gelatine mit Silbernitrat schon unter 
dem Einflüsse des Lichtes statt. — Krystallinisehe Körper kann man 
nicht in Gelatine eolloidal gelöst erhalten (Zeitschr. f. physik. Chemie 
1899. Bd. 29, S. 563). 

Mischt man Silbernitrat- und Bromkaliumlösung bei Gegenwart 
von Gelatine oder ähnlichen Substanzen (Eiweiss, Stärke, Agar, 
Gummi etc.), so verläuft der Fällungsprocess des Bromsilbers langsam 
(vergl. S. 14). Es entsteht anfangs kein Niederschlag von Bromsilber, 
sondern die Flüssigkeit wird nur opalisirend und ist in dünnen Schichten 
ganz durchsichtig '). Ist die Temperatur beim Mischen möglichst niedrig, 



1) Diese Beobachtung theilte zuerst Monckhoven (Phot. Mittheil. 1879. 
Bd. 10, S. 174), später Gaedicke (Photogr. Wochen bl. 1890. S. 413; Eder's Jahr- 
buch f. Phot. 1894. S. 388; 1895. S. 103 u. 208) mit; ältere Versuche hatteD schon 
gezeigt, dass Gelatine die Fällung des Brom- und Chlorsilbers, was Hardwich 1860 
wusste, beträchtlich hindert. Dies zeigen deutlich die Versuche, welche Hr. Hecht 
auf Veranlassung des Verfassers aostellte (Bull. Assoc. Belga Phot. 1881. S. 19). Es 
wurde reines Chlornatriura und Gelatine in Wasser gelöst und dann so viel SÜber- 
nitratlösung von bekanntem Gehalte zugefügt, bis eine Trübung entstand. Es er- 
gab sich : 
100 Th. einer Losung von 1 Proc. Chlornatriura lösten boi 35 ° C. 0,00954 Tb. Cblorsüber, 

100 „ „ . .('^'''Tm-"™! . - 35 «C. 0,59763 „ 

" " ■ " ( + 1 Proc. Gelatine ( ■ " ' " " 

100 „ „ „ 1 Proc. Bromkalium „ „ 35 °C. 0,01099 „ Bromsilber, 

,_- | 1 Proc. Brom ka!iu in | 

1UU * " " ■ \ + 1 Proc. Gelatine | 

Daraus geht hervor, dass Gelatine die Fällung beträchtlicher Mengen Chlor- oder 
Bromsilber hindert, welche somit eolloidal gelöst in .der Masse bleiben. Beim 
Abkühlen und langen Stehen scheidet sich eine minimale Quantität der gelüsten Silber- 
salze ab. 



, 35 °C. 0,05950 , 



24 Dritter Theil. Drittes Capitel. 

so dass die zugesetzte Gelatine gerade noch flüssig bleibt (ca. 30 Grad C), 
so bleibt die Emulsion in diesem Zustande ziemlich lange, wird aber 
nach 1 / i oder x / 2 Stunde allmählich undurchsichtiger und allmählich 
bildet sich eine milchige Trübung von immer gröber werdenden Brom- 
silberpartikelchen. 

Das unter günstigen Verhältnissen anfänglich nur sehr schwach 
trübe Gemisch von Silbernitrat, Bromkalium und Gelatine erweckt bei 
dem Beschauer den Anschein, als ob das Silber- und Bromsalz nicht 
sofort sich umsetzen, sondern beide nebeneinander (als Lösungen) existiren 
würden. Die langsam sich einstellende Trübung macht den Eindruck, 
als ob die Vereinigung von Brom mit Silber zu dem bekannten Brom- 
silberniederschlage nur verzögert erfolgen würde. Diese von J. Gaedicke 
in der That ausgesprochene Annahme wurde aber von E. Cohen 1 ) 
widerlegt; letzterer zeigte (auf Grund von Experimenten über die 
specifische elektrische Leitfähigkeit solcher Gemische), dass sich Silber- 
nitrat und Bromkalium auch bei Gegenwart von Gelatine sofort nach 

der Gleichung 

AgN0 3 + KBr = KN0 3 + AgBr 
umsetzen. 

Die bei niedriger Temperatur frisch gemischte, stark durch- 
scheinende (nur schwach opalisirende) Bromsilber- Gelatine-Emulsion 
enthält also quantitativ complet umgesetztes Bromsilber, welches colloidal 
gelöst ist. 

Diese Emulsionen sind die verhältnissmässig kornlosesten, in 
dünnen Schichten transparentesten Bromsilber-Emulsionen, welche man 
herstellen kann, und sind äusserst wenig lichtempfindlich (mehr als 
hundertmal bis tausendmal unempfindlicher als gewöhnliche photo- 
graphische Bromsilber- Gelatineplatten des Handels). 

Zusätze, wie Ammoniak, überschüssiges lösliches Alkalibromid , bringen übrigens 
auch einen geringen Theil des in Niederschlagsform bereits ausgeschiedenen Brom- 
silbers in wahrhaftige Lösung. Ammoniak löst bekanntlich etwas Bromsilber auf 
(S. 12). Die unter Zusatz von Ammoniak hergestellte Bromsilber - Gelatine enthält 
also gelöstes Bromsilber: sie gibt aber trotzdem an Wasser kein Silber ab, folglich 
scheint das gelöste Bromsilber von der Gelatine hartnäckig festgehalten zu werden 
und in der Emulsion zu verbleiben. Durch den Ammoniakzusatz wird die Empfindlich- 
keit um einen merklichen Grad, insbesondere aber die Intensität und Kraft der mit 
solcher Emulsion erzeugten Negative gesteigert (s. unten). 

Abney machte im April 1881 auf das Lösungs vermögen der Alkalibromide 
für Bromsilber aufmerksam; er vergleicht diese Wirkung sogar mit jener des 
Ammoniaks. Er bemerkt, dass wohl das Bromkalium nicht so viel Bromsilber löst 
als Ammoniak (vergl. S. 13). 



1) E der 's Jahrbuch f. Phot. 1895. S. 103. 



Entstehung von Bromsilber-, Jodsilber- und Chlorsilber- Emulsion etc. 25 

L Darstellung, Eigenschaften und Verwendung der feinkörnige*, 
wenig empfindlichen („unreifen 66 ) Brouisilber- Gelatine. 

Die erste Anregung zur photographischen Verwendung der fein- 
körnigen, unreifen Bromsilber- Gelatine rührt von J. Gaedicke her 
(Phot. Wochenbl. 1890. S. 413; E der 's Jahrbuch f. Phot. 1894. S. 388; 
1895. S. 208). Ganz frisch, bei thunlichst niedriger Temperatur 
gemischte Emulsion ist opalisirend, in durchfallendem Lichte rothgelb. 
Das Product enthält colloi'dales Bromsilber, welches aber allmählich zu 
sehr feinen Niederschlägen sich zusammenballt. Erwärmen auf 50 bis 
100 Grad C, Zusatz von etwas Ammoniak oder Ammoniakcarbonat bringen 
das Bromsilber zum rascheren Zusammenballen, indem es sich allmählich 
zu einem äusserst feinen Pulver oder feinen Körnchen zusammenballt 
(wahrscheinlich das „feinvertheilte pulverige, respective körnige Brom- 
silber" nach Stas, s. S. 15; vergl. ferner „Reifen der Emulsion" S. 55). 

Die nunmehr entstehende milchige, stark trübe Flüssigkeit ist in 
dünnen Schichten in der Durchsicht blutroth und weist sehr feine 
Bromsilberpartikelchen auf. Unterbricht man den Process durch Ab- 
kühlen und Erstarren der Gelatine -Emulsion, wäscht die Gallerte und 
überzieht (nach neuerlichem Schmelzen derselben) damit Glasplatten, so 
erhält man wenig empfindliche Schichten, welche aber sehr dichte 
Negative geben. Die Farbe des durch den Entwickler reducirten Silbers 
ist röthlich, entsprechend dem rothen Schein der Emulsion (Gaedicke). 
Das Korn ist sehr fein, und man kann solche Platten zur Herstellung 
von Diapositiven oder zur Reproduction von Strichzeichnungen ver- 
wenden. 

Weiteres Erwärmen oder Behandeln mit Ammoniak macht die 
Emulsion empfindlicher, das Korn gröber, und man erhält hochempfind- 
liche Emulsionen , welche den gewöhnlichen Trockenplatten des Handels 
entsprechen. 

Die feinstkörnigen, wenn auch höchst unempfindlichen Emulsionen, 
sogenannte „völlig unreife Bromsilber-Emulsionen u , verwendet 
man zu Lippmann's Methode der Photographie in natürlichen 
Farben 1 ), denn bei diesem Processe verlangt man vor allem Emulsions- 
schichten, welche zufolge der grössten Feinheit der Bromsilberpartikelchen 
thunlichst durchsichtige, homogene Schichten geben. Gute Vorschriften 
für die Herstellung derartiger Emulsion rühren von E. Valenta 2 ), 



1) Vergl. E. Valenta, Die Photographie in natürlichen Farben, 1894. — 
R. Neuhauss, Die Farbenphotographie nach Lippmann's Verfahren, 1898. — 
Schutt, Eder's Jahrbuch f. Phot. 1897. S. 421. 

2) Eders Jahrbuch f. Phot. 1894. S. 448; 1895. S. 504. 



26 Dritter Theil. Drittes Capitel. 

Lumiöre 1 ), Neuhauss 2 ), Lippmann (1899) und Gaedicke 

(i. unten) her. 

Nach Valenta bereitet man sich in der Wärme zwei Lösungen: 

A. 10 Th. Gelatine, 300 Th. Wasser und 6 Th. Silbernitrai 

B. 20 Th. Gelatine, 300 Th. Wasser und 5 Th. Bromkalium. 

Die Lösungen werden auf 35 Grad C. abgekühlt und in der Dunkelkammer 
die Lösung A allmählich in B gegossen, wobei eine schwach opalisirende Flüssigkeit 
entsteht. Die Flüssigkeit wird mit einem geeigneten Farbensensibilisator versetzt, 
z. B. auf je 100 ccm Emulsion 1 bis 2 ccm alkoholische Cyaninlösung (1 : 500) und 
1 bis 2 ccm Erythrosinlösung (1 : 800) (nach Valenta); dann durch Hanf filtrirt und 
auf Glasplatten dünn gegossen. Man lässt erstarren, wäscht während circa 10 Mi- 
nuten in fliessendem Wasser und trocknet. — Wird die Emulsion nicht rasch ver- 
arbeitet, so ballt sich das Bromsilber zusammen, die Emulsion wird trüber und liefert 
minderwerthige Platten, welche die Farben beim Li ppmann' sehen Photochromie- 
process nicht mehr genügend brillant wiedergeben. 

Lippmann stellt für seine Methode der Photochromie eine geeignete, ziemlich 
silberarme Bromsilber -Emulsion folgendermaassen her (Bull. Soc. franc. 1899. Nr. 4; 
Phot. Mitth. Bd. 36, S. 120): In 100 ccm Wasser werden 4 g Gelatine gelöst, dann 
0,53 g Bromkalium zugesetzt, dann 6 ccm einer alkoholischen Cyaninlösung (1 : 500) 
und 3 ccm einer alkoholischen Lösung von Chinolinroth (1 : 500) beigemischt. Das Ge- 
misch wird auf eine Temperatur von 40 Grad C. (nicht höher) gebracht und in der Dunkel- 
kammer 0,75 g gepulvertes trockenes Silbernitrat zugesetzt, 1 bis 2 Minuten lang ge- 
rührt, bis alles gelöst ist, durch Glaswolle filtrirt und auf Glasplatten, welche etwas 
lauwarm sein müssen, gegossen (ähnlich wie Collodion). Man lässt die Platten auf einer 
horizontalen Marmorplatte erstarren, befeuchtet sie mit Alkohol und wäscht eine halbe 
Stunde in fliessendem Wasser, wonach man trocknet. Die Platten sind lange haltbar. 

Vor dem Gebrauche wird dio empfindliche Schicht mit einer Lösung von 100 g 
Alcohol absolut., 0,5 g Silbernitrat und 0,5 g Eisessig Übergossen; man lässt abtropfen, 
trocknet und muss die Platte noch am selben Tage verbrauchen, weil sie sich bei 
Gegenwart von Silbernitrat nicht hält. — Nach der Belichtung wäscht man mit Wasser, 
entwickelt mit Pyrogallol - Ammoniak und fixirt mit Cyankalium. 

Fast kornlose opalisirende Bromsilber-Emulsion nach Gaedicke 

(Privatmittheilung). 

Gaedicke verwendet hierzu harte Gelatine von Stoess &Co. in Ziegelhausen 
bei Heidelberg. 

Die nachfolgenden Mengen beziehen sich auf ein Quantum von 2 Liter Emulsion. 

I. Wasser 400 ccm IL a) Wasser 280 ccm 

Gelatine 20 g Gelatine 20 g 

Bromkalium .... 13 g b) dest. Wasser . . . 120 ccm 

Chlorkalium .... 0,4 g Silbernitrat .... 20 g 

Die Gelatine wird nach dem Aufquellen Die Gelatine wird in dem Wasser ge- 

in dem Wasser gelöst, die Haloidsalze löst und auf 37 Grad abgekühlt. Die kalte 

hinzugefügt und auf 37 Grad C. abgekühlt. Silbernitratlösung wird unter Rühren in 

Man kann statt 14 g Bromkalium auch die Gelatine gegossen. Umgekehrt würde 

11,5 g Bromammonium verwenden. eine Ausscheidung erfolgen. 



1) Eder's Jahrbuch f. Phot. 1894. S. 450; 1897. S. 27. 

2) Neuhauss, Die Farben Photographie nach Lippmann's Verfahren. 1898. 



Entstehung von Bromsilber-, Jodsilber- und Chlorsilber -Emulsion etc. 27 

Die Mischung II wiid zu der Lösung I gegossen und gut geschüttelt Man 
lässt 24 Stunden stehen und drückt unter Wasser durch groben Tüll, so dass die 
Gallerte in Nudeln verwandelt wird. Die Nudeln werden 1 Stunde in fressendem 
Wasser gewaschen, bei 40 Grad C. geschmolzen und dann noch 60 g Gelatine, die vorher 
geweicht und geschmolzen ist, hinzugefügt. Man setzt nun 200 ccm Alkohol zu und 
verdünnt mit Wasser auf ein Volumen von 2 Litern , worauf filtrirt wird. Die Emul- 
sion ist nun gussfertig. 

Diese Emulsion ist eine reine Bromsilbor- Emulsion, da Bromkalium und Silber- 
nitrat genau im äquivalenten Verhältniss verwendet sind. Die kleine Menge Chlor- 
kalium ist nur zugefügt, um einen etwaigen Wägefehler beim Silbernitrat auszu- 
gleichen, so dass in keinem Falle ein Ueberschuss von Silbersalz vorhanden ist, weil 
dadurch Schleier entstehen würde. 

Diese Emulsion ist sehr unempfindlich gegenüber der gereiften körnigen Brom- 
silber-Emulsion, aber man kann ihre Empfindlichkeit ausserordentlich erhöhen und sie 
zugleich farbenempfindlich machen, wenn man ihr wenige Procente einer zweiprocentigen 
Erythrosinsilberlösung zusetzt. Immerhin ist auch nach diesem Zusatz ihre Empfind- 
lichkeit nur 1 / eoo von der einer hochempfindlichen Bromsilber- Emulsion. 

Die Emulsion, auf Glasplatten gegossen, trocknet ganz klar, nur mit einer 
leichten Opalescenz ein und ist vortrefflich verwendbar für das Lippmann'sche 
Farbenverfahren, wenn man der Emulsion noch etwas Cyaninlösung zusetzt. 

Die Lippmann'sche Photochromie kommt durch Wirkung von stehenden 
Lichtwellen zu Stande, welche sich beim Durchgange des Lichtes durch feinstkörnige, 
durchsichtige Schichten von Bromsilber -Gelatine oder dergl. und Reflexion von einer 
Quecksilberschicht bilden. Für das Zustandekommen stehender Lichtwellen ist aus- 
reichende Durchsichtigkeit, aber nicht vollkommene Kornlosigkeit der 
Schichte 1 ) nothwendig, wie Otto Wiener (Eder's Jahrbuch f. Phot. 1896. S. 59) 
gezeigt hat 

Für die Zwecke der Diapositiv- und Beproductions- 
Bromsilberplatten verwendet man wohl keine gänzlich unreifen 
Emulsionen, weil diese allzu geringe Empfindlichkeit besitzen, deshalb 
mischt man nicht bei ganz niedrigen Temperaturen, lässt absichtlich 
einige Zeit bei ungefähr 50 Grad C. stehen, bringt die Emulsion zum 
Erstarren, wäscht sie und schmilzt sie neuerdings, um damit Glasplatten 
zu überziehen. Bei diesen Operationen wird die Emulsion mehr opak, 
das Bromsilberkorn wird merklich grösser; Korngrösse und Empfind- 
lichkeit erreichen aber hierbei nur ein bescheidenes Maass. 

Gaedicke erwähnte zuerst (Phot. Wochenbl. 1890. S. 413), dass 
sehr unempfindliche, nahezu durchsichtige Emulsionen mit verschiede- 
nen Entwicklern grünschwarze, röthliche bis sepiabraune Bilder geben, 



1) Die in früherer Zeit von mehreren Seiten gestellte Anforderung der Korn- 
losigkeit der Schicht ist somit für die Theorie des Lippmann -Processes nicht maass- 
gebend; in der That gelingt mit Korngrössen von 0,0003 mm die Herstellung Lipp- 
mann' scher Photochromien , ohne dass man aus dieser Beobachtung einen Einwand 
gegen die Theorie der Photochromie nach Zenker-Lippmann herleiten darf. 
(Wiener, Eder's Jahrbuch f. Phot. 1896. S. 59.) 



28 Dritter Theil. Drittes Capitel. 

welche im Rhodangoldbade sich gut tonen lassen; er empfahl sie für 
Diapositive, Mikrophotographien etc. 1 ) 

Solche unreife Bromsilber -Gelatineplatten kommen für Zwecke der 
Scioptikonprojection in den Handel 2 ), obschon sich die Chlorbrom- 
silber-Gelatineplatten, sowie Chlorsilberplatten durch wärmere Töne und 
eine grössere Anzahl verschiedenartiger Farbennuancen auszeichnen. 

II. lieber die Bildung und das Verhalten 
der verschiedenen Modifieationen des Bromsilbers in reifer 

photographischer Emulsion. 

Die gewöhnlichen photographischen Emulsionen enthalten kein 
colloi'dales, durchsichtiges, sondern opakes, pulverig oder körnig 
zusammengeballtes ßromsilber in den von Stas beschriebenen Modi- 
fieationen. Bei Gegenwart von Gelatine oder anderen Substanzen, welche 
die Viscosität der wässerigen Lösungen erhöhen, verläuft der FäMlungs- 
process des Bromsilbers etwas anders, als aus rein wässerigen Lösungen. 
Fällt man wässerige Silbernitratlösung mit wässeriger Bromkaliumlösung, 
so entsteht ein grossflockiger Niederschlag (s. S. 15), welcher sich leicht 
zu Boden setzt. Dieser Niederschlag kann durch andauerndes Schütteln 
mit warmer Gelatinelösung zu einer feinen milchigen Emulsion ver- 
theilt werden. Wesentlich leichter gelingt die Emulsification, wenn gleich 
zu Beginn des Mischens von Brom- und Silbersalz Gelatine zugegen -war. 

Fällt man Bromsilber aus kalten wässerigen Lösungen ohne Gelatine etc., so 
erhält man einen compacten groben Niederschlag, welcher sich leicht auf dem Filter 
auswaschen lässt. Trägt man ihn in eine warme Gelatinelösung ein und schüttelt, so 
vertheilt er sich zu einer feinen Emulsion. Unter diesen Umständen verhält sich das 
Bromsilber verschieden, je nachdem es bei Gegenwart von überschüssigem löslichen 
Bromid oder von Silbernitrat gefällt wurde; der Unterschied ist bemerklich, selbst 
wenn das Bromsilber noch so sorgfältig gewaschen wurde. 

Das mit Silbernitratüberschuss gefällte und dann gewaschene Bromsilber ist 
nach seiner Emulsificirung in Gelatine ein wenig (allerdings unbedeutend) empfindlicher 
und etwas kräftiger arbeitend, als das mit Bromidüberschuss gefällte. Eine solche 
Emulsion wird beim fortgesetzten Erwärmen (Digeriren) auf 30 bis 40 Grad C. allmählich 
in ihren photographischen Eigenschaften verbessert, indem sie kräftigere Negative 
gibt. Die Negative sind nach 24 stündiger Digestion sehr dünn, nach zwei Tagen 



1) Vergl. auch Dr. Miethe, Ueber Anwendung feinkörniger Gelatine -Emulsion 
für Miniaturphotographie (Phot. Wochenbl. 1890. S. 182 u. 189; Phoi Nachrichten. 
1890. S. 425). Bemerkenswerth ist, dass Dr. Miethe Triäthylamin der Emulsion 
(an Stelle von Ammoniak) beimischt. 

2) In England erzeugte man zuerst Diapositivplatten für Projectionsapparate 
mittels unreifer Bromsilber- Gelatine; in Deutschland wendete C. Günther in Berlin 
dieses Verfahren mit Erfolg an (Eder's Jahrbuch f. Phot. 1898. S. 426). 



Entstehung von Bromsilber-, Jodsilber- und Chlorsilber -Emulsion etc. 29 

wesentlich besser, und die Intensität steigt bis zum sechsten Tage 1 ). Es scheint somit 
die Gelatine einen chemischen Einfluss auf den Reifeprocess des Bromsilbers auszu- 
üben. Zugleich wird das Korn vergröbert. Bis jetzt ist es auf diesem Wege nicht 
gelungen, so empfindliche Platten herzustellen, als es durch Emulsificirung bei Gegen- 
wart der Gelatine möglich ist. 

Fällt man ammoniakalische Silbernitratlösung mit Bromammonium in blosser 
wässeriger Lösung, so erhält man ein sehr feines Bromsilber, welches, zur Gelatine 
gefügt, wohl eine sahnige Emulsion gibt, aber weniger empfindlich als Bennett'sche 
Emulsion ist*). 

Das grossflockige Brornsilber ist photographisch unbrauchbar, weil 
es keine gleichmässigen Schichten gibt und höchst unempfindlich ist. 
Eder und Töth hatten ein derartiges grossflockiges Bromsilber in 
Glycerin sogar auf 100 Grad C. durch mehr als eine halbe Stunde 
erhitzt, und es war (nach Gelatinezusatz) bei einer mit Eisenoxalat ent- 
wickelten Probe noch viel unempfindlicher als die unempfindlichste 
„nicht gereifte 14 feinpulverige Emulsion 8 ). 

Erwärmt man das bei niedriger Temperatur erhaltene grossflockige 
Bromsilber mit Gelatine auf 50 bis 60 Grad C, so vertheilt sich das- 
selbe aber in den meisten Fällen und gibt eine sehr feine Emulsion. 
Reagirt das Gemisch sauer, so erfolgt (wie erwähnt) die feine Zerthei- 
lung langsamer, als bei Gegenwart von etwas Ammoniak. 

Ueber die Steigerung der Empfindlichkeit von Bromsilber-Gelatine 
durch das „Reifen" s. S. 53. 

III. Bildung von Jodsilber -Gelatine -Emulsion. 

Jodsilber emulsificirt sich in Gelatinelösungen nur dann befriedi- 
gend, wenn viel Gelatine zugegen ist; in dünnen Lösungen scheiden 
sich viel Flocken aus (vergl. das ähnliche Verhalten in Collodion, Bd. II 
dieses „Handbuchs"). Spritzt man jedoch die Silberlösungen mittels 
einer Spritzflasche in dünnem Strahl ein oder fügt sowohl zum Jod- 
kalium als auch zum Silbernitrat vor dem Mischen Gelatine, so erhält 
man feine Emulsionen. 

Nach Schumann ist der blassgelbe Niederschlag, wie er beim 
Fällen von Silbernitrat mit überschüssigem Jodkalium entsteht, lang- 
samer in Fixirnatron löslich, als der dunklere mit Silbernitratüberschuss 
gefällte; in Form von Gelatine -Emulsion sind jedoch beide gleich 
langsam löslich 4 ). 



1) Dr. Szekely, Phot. Corresp. 1880. Bd. 17, S. 46. 

2) Fabre, Phot. Mitth. 1880. Bd. 16, S. 254. 

3) 1880 in der ersten Auflage dieses Buches, S. 9, zuerst mitgetheilt. 

4) Phot. Woehenbl. 1884. S. 321. 



30 Dritter Theil. Drittes Capitel. 

Jodsilber- Gelatine ist gegenüber gewöhnlichem Tageslichte wenig 
empfindlich. Die brechbarsten ultravioletten Strahlen von der Wellen- 
länge circa 2000 bis 1850 wirken jedoch auffallend kräftig (Schu- 
mann, Eder's Jahrbuch f. Phot. 1897. S. 357). 

Jodsilber -Emulsionen finden in der Photographie keine Verwen- 
dung, wohl aber kleine Zusätze von Jodsilber zu Brom- oder Chlor- 
brom-Emulsionen (s. unten). 

IV. Bildung von Chlorsilber- Gelatine-Emulsion. 

Chlorsilber bildet bei Gegenwart vou Gelatine nicht selten flockige 
Niederschläge, und es bedarf ziemlich viel Gelatine, um die Flüssigkeit 
so dickflüssig zu machen, dass feine Emulsionen entstehen. Es emul- 
sificirt sich also schwerer als Bromsilber. 

Bei Gegenwart von Ammoniak bilden sich leicht feine Chlorsiiber- 
Emulsionen. 

Meistens sind Chlorsilber -Gelatineschichten nach dem Trocknen sehr 
stark transparent; trotzdem geben sie kräftige Bilder (s. unten). 



VIERTES CAPITEL. 

DIE EIGENSCHAFTEN UND WAHL DER GELATTNE- 

SORTEN. 



I. Einflnss und Wahl der Sorte der Gelatine für die Herstellung 
Ton Emulsionen. 

Die Gelatine übt einen entscheidenden Einflnss auf die Qualität 
der Emulsion aus; nicht aliein durch ihre Consistenz, sondern durch 
ihre ehemische Individualität selbst (vergl. Cap. VII, S. 72). 

Es verträgt das Bromsilber nicht mit jeder Gelatinesorle ein längeres 
Kochen oder Digeriren mit Ammoniak (s. S. 58, 61 u. 69), und es gibt 
gewisse schlechte Gelatinesorten, welche nach kurzer Digestion das 
Bromsilber zersetzen und Schleier hervorbringen 1 ). 

Aber es verhalten sich auch klar und gut arbeitende Gelatine- 
sorten verschieden. Hauptsächlich hängt dies davon ab, ob die Gela- 
tine „hart" ist, d. i. rasch erstarrt und eine feste Gallerte gibt, womit 
meistens langsameres Anquellen in wässerigen Flüssigkeiten verbunden 



1) Gelatinesorten, welcbe grössere Mengen von reducirenden Neben bestand- 
tbeilen enthalten, färben auch Silberoxydammoriiak beim Erwärmen dunkel (Feduetion 
von Silber). B. "W. Vogel empfahl ais Vorprobe: Auflösen der Gelatine in 10 Th eilen 
Wasser und Erhitzen mit Silberlösung 1 : 10, welcher bis zur WiederauHösiing des 
Niederschlages Ammoniak zugesetzt wurde. Farben sich die Gelatineproben damit gelb 
bis braun, so sind sie zur Herstellung ammoniakalischor Bromsilber -Emulsion unbrauch- 
bar, weil die Platten schleierig arbeiten und auch geringere Haltbarkeit besitzen 
(Eder's Jahrbuch f. Phot. 1896. S. 496. — [Diese Probe gibt nur einen approxi- 
mativen Anhaltspunkt zur Beurtheilung der Qualität der Gelatine für Emulsionszwecke, 
ist aber keineswegs entscheidend. Beim Arbeiten im Fabrik s betriebe muss man Stich- 
proben verschiedener Fabrikationsnummern aus den Gelatinelabriken kommen lassen, 
vergleichende Versuche mit der Bromsilber -Emulsioniruug selbst machen und von 
der besten Sorte grössere Vorräthe anschaffen, wie dies z. B. auch Lichtdruckanstalten 
für ihre Zwecke thun. E.l 



32 Dritter Theil. Viertes Capitel. 

ist, oder ob sie „weich" ist, d. b. also die entgegengesetzten Eigen- 
schaften hat 1 ). 

Eine harte Gelatine gestattet im Allgemeinen ein leichteres und 
rascheres Arbeiten, insbesondere im Sommer, weil die Emulsion selbst 
bei heissem Wetter auf den Platten rasch erstarrt, ferner weil die 
Schichten fester am Glase haften und nach dem Fixiren nicht so leicht 
abschwimmen, als wenn man weiche Gelatine nimmt. 

Diese Yortheile sind sehr belangreich. Erst seit der Erfindung 
sehr harter Gelatinesorten, welche die Gelatinefabrik zu Winterthur 
in der Schweiz (vormals G. Simeons) zuerst nach den Angaben Eder's 
im Frühjahre 1881 herstellte und auch von Heinrichs, Drescher u. A. 
in guter Qualität erzeugt wird, können in warmem Klima auch ohne 
besondere Vorsichtsmaassregeln Emulsionsplatten mit Sicherheit erzeugt 
werden. Die harte Gelatine fand zuerst in Deutschland, dann in Frank- 
reich und im Anfange 1882 in England allgemeinen Eingang. 

Die harte Gelatine hat aber neben ihren Vorzügen auch ihre Nach- 
theile, welche man genau kennen soll, sobald man mit ihr arbeitet. 

Die harte Gelatine gibt leichter Schlieren; weiche, z. B. Nelson - 
Gelatine, erlaubt leichter die Herstellung reiner Platten, auch in un- 
geübten Händen. Dieser Fehler verschwindet, wenn man die harte 
Gelatine verdünnter nimmt (s. Cap. „Fehler") oder ihr etwas weiche 
Gelatine zusetzt. 

Die mit harter Gelatine hergestellten Bromsilberplatten entwickeln 
sich langsamer. Der Einfluss der harten Gelatine ist jedoch nur ein 
mechanischer. Solche Platten lassen sich aber mit jeder gewünschten 
Intensität entwickeln , wenn man sie zuvor durch eine Viertelstunde in 
kaltem Wasser w r eicht und entweder dann wieder trocknet oder sofort 
entwickelt 2 ). Die langsame Entwicklung kann aber sofort durch den 
Zusatz einer in kaltem Wasser löslichen Substanz zur Gelatine-Emulsion, 
welche also dem Entwickler die Poren der Schicht öffnet, z. B. Zucker, 
ausgeglichen werden. 

In diesen Verhältnissen liegt der Grund, dass manche Praktiker 
zur Herstellung der Gelatine-Emulsion nicht ausschliesslich harte Gelatine 



1) Die Fabriken erzeugen „harte Gelatine" durch gute Wahl des Rohmaterials, 
sorgfältiges Behandeln beim Sieden der Gelatine, wobei man vermeidet, durch über- 
mässig langes oder schnelles Erhitzen die Gallerte zu zersetzen; mitunter findet man 
in „harter Gelatine 41 etwas Alaun, wodurch die Gallerte mehr Festigkeit erhält. Zu viel 
AJaun ist schädlich (s. Cap. IV, S. 46). Gelatine, welche während der kalten Jahres- 
zeit fabricirt wird, ist besser als die während heisser Witterung erzengte, auf 
welchen Umstand Eder zuerst im Jahre 1886 aufmerksam machte. 

2) Abney, Phot. News. 1881. S. 415; Fhot. Wochenbl. 1881. S. 274 n. 306. 



Die ] chatten und Wahl der Gelatinesorten. 33 

verwenden, sondern sie mit einem Theile (z. B. der Hälfte oder einem 
Drittel) weicher Gelatine abmischen. 

Bei Emnlsionen, welche mittels Aetzammoniak dargestellt werden 
(wo die Gelatine mehr als beim blossen Sieden leidet), sollte die harte 
Gelatine immer vorherrschen. 

Als harte Gelatinesorten sind zu nennen: Harte photographische 
Gelatine von der Gelatinefabrik inWinterthur in der Schweiz, welche 
besonders empfehlenswerth ist und auch in einer Filiale dieser Fabrik 
in Deutschland erzeugt wird; ferner harte Gelatine von Heinrichs in 
Höchst a. M., ferner von Drescher. Als mittelweiche Sorten können 
gelten: Die meisten Lichtdruck- Gelatinesorten (von Kreutz in Michel- 
stadt, Coignet in Paris, der Gelatinefabrik in Winterthur u. A.). 
Als weiche Sorten: Gelatine von Nelson (Nr. I und H). — Verfasser 
pflegt die harte Specialgelatine aus Winterthur zu verwenden. 

Auf Grundlage der oben erwähnten Untersuchungen ist bei der Wahl der 
Gelatine auf folgende Punkte Gewicht zu legen: 

1. Die Gelatine sei für die Methoden ohne Ammoniak sauer, nicht alkalisch; 
für Ammoniakmothoden bleibt dies gleichgültig. 

2. Manche Gelatinesorten enthalten reducirende Stoffe. Dieselben verursachen 
beim Sieden, Behandeln mit Ammoniak etc. eine Verschleierung der Emulsion. Man 
darf in diesem Falle nicht lange kochen und muss somit auf jenen Grad der Empfind- 
lichkeit verzichten, der erwünscht ist. 

Eine gute Gelatine muss */ 9 stündiges Digeriren einer Silberoxydammoniak - 
Emulsion bei 35 bis 40 Grad C. ohne Schieierbildung vertragen. 

3. Manche Sorten neigen besonders zur Bildung von transparenten Flecken 
oder Nadelstichen; die Gelatine aus "Winterthur, ferner von Drescher und andere 
der erwähnten Sorten sind in der Regel frei von diesem Fehler. 

Unbekannte Gelatinesorten soll man stets in dieser Richtung prüfen, bevor 
man grössere Quantitäten von Emulsion damit herstellt, jedoch ist nur ein praktischer 
Versuch hier entscheidend. 

4. Die Gelatine soll kein Fett enthalten, welches nach der Meinung vieler 
Photographen kleine Vertiefungen in der Schicht und helle Pünktchen mit unscharfem 
Rande im Negative verursacht (?). Man erkennt einen Fettgehalt, wenn man eine 
wässerige Lösung von 20 bis 40 g Leim ruhig bei gelinder Wärme stehen lässt; es 
zeigen sich dann auf der Oberfläche Fettaugen 1 ). 



1) Die hellen transparenten Punkte dürften selten auf einen Fettgehalt zurück- 
zuführen zu sein; die wahre Natur derselben ist nicht immer sichergestellt, allein 
wer den Grund in einem Fettgehalte sucht, wird in der Regel irre gehen, da auch 
ganz fettfreie Gelatinen den genannten Fehler zeigen. Deshalb ist auch Ausziehen 
der Gelatine vor der Verwendung mit Alkohol zwecklos (z. B. vorgeschlagen von 
Haars tick, Phot. Woehenbl. 1884. S. 422) und der Alkohol würde die Neutralfette 
auch nicht lösen. Ligroin oder Benzin (wie Mrs. Scola vorschlug, Phot. News. 1884) 
als Waschmittel sind bedenklich. — Ammoniak verseift das Fett (E. Vogel, Phot. 
Mitth. Bd. 36. S. 117). 

E der, Handbuch der Photographie. III. Theil. 5. Aufl. 3 



34 Dritter Theil. Viertes Capitel. 

5. Eine vierprocentige Gelatinelösung soll bei ungefähr 20 Grad C. völlig er- 
starren. Da diesem Erstarrungspunkte ein Schmelzpunkt von ungefähr 29 bis 30 Grad C. 
entspricht, so ergibt sich, dass man bei einer oberflächlichen Prüfung von Gelatine- 
sorten sich mit den sehr leicht auszuführenden Schmelzpunktbestimmungen begnügen 
kann; man kann annehmen, dass der Erstarrungspunkt um 8 bis 10 Grad C. niedriger 
liegt. Je höher der Schmelz- und Erstarrungspunkt, desto besser die Gelatine, voraus- 
gesetzt, dass sie in Wasser von 40 bis 50 Grad C. völlig löslich ist. 

6. Die Gelatine soll so fest („hart") sein, dass die damit hergestellten Brom- 
silber-Gelatineplatten fest am Glase sitzen und die photographischen Operationen (Ent- 
wickeln, Fixiren) aushalten, ohne sich vom Glase abzuheben. Tritt dies (bei sonst 
guter Qualität der Gelatine) dennoch ein , so soll ein geringer Zusatz von Chromalaun 
den Fehler beheben. 

II. Reinigung und Vorbereitung der Gelatine durch Waschen 

mit Wasser und anderen Substanzen. 

Mischt man Gelatine mit Eiweiss und erwärmt zum Gerinnen des 
letzteren, so wird dieselbe geklärt, verliert aber an Erstarrungsvermögen. 
Deshalb nun, weil solche Gelatine sich beim Emulsificiren anders ver- 
hält als gewöhnliche, ist man von dieser Reinigungsmethode abgekommen 
und verwendet lieber käufliche Gelatine. Mitunter wäscht man die 
Gelatine. 

Wenn man Gelatine in reinem Wasser einweicht, so lösen sich 
gummiartige Substanzen auf, welche mit dem mehrmals gewechselten 
Waschwasser entfernt werden. Manche Gelatinefabriken empfehlen so- 
gar den Abnehmern ihrer Emulsionsgelatine, man möge dieselbe durch 
eine oder mehrere Stunden in mehrmals gewechseltem Wasser waschen; 
hierauf sollte sie noch am selben Tage verwendet werden. 

Prof. H. W. Vogel 1 ) empfiehlt dieses Mittel warm und versichert, er habe 
damit manche Sorte schlechter Gelatine (welche heim ammoniakalischen Process 
Schleier und Unempfindliehkeit bewirkte) völlig brauchbar gemacht. Es soll Dach 
Henderson's 2 ) Ansicht gut sein, alle löslichen Bestandteile durch Baden der 
Gelatine in Bromkaliumlösnug (1 : 100) zu entfernen, mit Wasser zu waschen und zu 
verwenden. 

Der Verfasser hält das "Waschen der Gelatine für kein Uuiversalmittel; er 
fand es in vielen Fällen wirksam, jedoch war der Effect mitunter entgegengesetzt, 
so dass die Gelatine nach dem Waschen weniger kräftige Matrizen gab als zuvor. 

Waschen der Gelatine in verdünnten Alkalien oder Säuren wirkt energischer 
auf die Qualität derselben. 

Ammoniakwasser ist für die erzielbare Empfindlichkeit günstig (beim Process 
mit Silberoxydammoniak), wie dem Verfasser zuerst J. Plön er mittheilte. Baden 
durch zwei Stunden in verdünntem Ammoniak (1 Ammoniak auf 5 Wasser) und darauf 
folgendes Waschen mit Wasser gibt sehr empfindliche und klare Platten; die Empfind- 
lichkeitssteigerung kann durch diese Behandlung das Zwei- bis Dreifache betragen; 

1) Phot. Mitth. 1884. Bd. 21, S. 21. 

2) Phot. News. 1885. S. 203. 



Die Eigenschaften und Wahl der Gelatinesorten. 35 

jedoch verlieren die Platten an Kraft und löst sich die Gelatine leichter vom Glase 
ab. Auch Dawson 1 ) empfahl mehrstündiges Baden der Gelatine in verdünntem 
Ammoniak (1:18), bevor man sie zum Emulsifieiren verwendet. 

Baden während eines Tages in verdünnter Schwefelsäure (1 : 40) empfahl Hen- 
derson*); man wäscht dann mit Wasser und erhält damit sehr gute Emulsionen mit 
sehr klaren Schatten. Nach J. Plener macht Baden in einprocentiger Salpetersäure 
die Gelatine hart und lederartig, trotzdem neigen damit hergestellte Platten zum 
Blasenziehen und Kräuseln. 

Baden in Alaunlösung macht die Gelatine hart und erhöht den Schmelzpunkt 
und Erstarrungspunkt. Emulsion mit solcher Gelatine hergestellt, ist wenig empfind- 
lich, sehr klar und wenig kräftig (ammoniakalischer Process). 

Nach Henderson 8 ) enthält die Gelatine gasförmige Bestandteile, welche 
unter Aufschäumen entweichen, wenn man die geschmolzene Gelatine unter die 
Luftpumpe stellt; dies soll nach Henderson Kohlensäure (? ?) und Ursache der 
weissen Punkte sein. 

III. Veränderungen der Gelatine in der Emulsion. 

Bezüglich der im Emulsionsprocess so wichtigen Gelatine ist das 
Augenmerk auf die Feststellung des Schmelz- und Erstarrungspunktes 
und auf die Veränderungen derselben bei Zusatz von Alaun gerichtet, 
ferner auf die Veränderungen, welche die Gelatine beim Erwärmen er- 
leiden kann, auf den Verlauf der Fäulniss und den Einfluss der Zer- 
setzungsproducte der Gelatine auf die Brorasilber- Emulsion, endlich auf 
die Erscheinungen des Kräuseins und des Ausdehnens der Gelatine- 
schicht, indem diese Momente einen wesentlichen Einfluss auf die 
Photographie mit Bromsilber- Gelatine ausüben. 

1. Schmelzpunkt und Erstarrungspunkt. 

Die Bestimmung des Erstarrungspunktes, welche zuerst Dr.Lohse 4 ) 
bei einigen Sorten ausführte, ist schwierig, weil der Uebergang von der 
flüssigen in die gelatinöse Form nicht genau zu fixiren ist. 

Nach Eder beginnt vierprocentige Gelatinelösung, welche Concen- 
tration ungefähr einer gewöhnlichen Gelatine -Emulsion entspricht, im 
Mittel bei 22 Grad C. gelatinös zu werden. Das völlige Erstarren tritt 
im Mittel bei 20 Grad C. ein. Der Schmelzpunkt liegt im Mittel bei 
28,8 Grad C. 

Eine zehnprocentige Gelatinelösung schmilzt und erstarrt bei einer 
höheren Temperatur. Die Lösung beginnt im Mittel bei 24 Grad C. 
gelatinös zu werden. Das völlige Erstarren tritt im Mittel bei 22,3 Grad C. 
ein. Der Schmelzpunkt liegt im Mittel bei 32 Grad C. 



1) Pliot News. 1883. S. 94. 

2) Phot. News. 1884. S. 685. 

3) Phot. News. 1885. S. 203. 

4) Phot Archiv. 1880. Bd. 21, S. 50. 



36 Dritter Theil. Viertes Capitel. 

Daraus folgt, dass im Allgemeinen der Schmelzpunkt einer Gallerte 
um 8 bis 10 Grad C. höher liegt, als der völlige Erstarrungspunkt; dass 
ferner eine Gelatine -Emulsion bei um so höherer Temperatur schmilzt 
und erstarrt, je mehr sie Gelatine enthält. Es ist sehr bemerkenswert!), 
dass die Erstarrungspunkte verschiedener Gelatinesorten um 8 bis 9 Grad C. 
differiren, und es sich ähnlich mit den Schmelzpunkten verhält; man 
muss demnach diese Verhältnisse bei der Wahl einer Gelatine berück- 
sichtigen (Eder). 

Child Bayley fand in neuerer Zeit in Uebereinstünmung mit Eder' s früheren 
Untersuchungen, dass der Schmelzpunkt von Gelatinegallerten um 6 bis 10 Grad C. 
höher als der Erstarrungspunkt liegt. Z. B. schmilzt eine zweiprocentige Coignet- 
Gelatine (Goldmarke) bei 28 Grad C. , eine vierprocentige bei 32 Grad C. , eine acht- 
procenüge bei 34 Grad C. (Eder's Jahrbuch f. Phot. 1899. S. 506). 

Alaun und Chromalaun beeinflussen nicht nur das allgemeine Ver- 
halten der Gelatine gegen Lösungsmittel, sondern auch den Erstarrungs- 
punkt (s. S. 45). 

2. Veränderungen der Gelatine beim Erwärmen und Faulen. 

In dem Capitel über das Verhalten der Haloidsalze des Silbers in 
Emulsionen werden eingehend die Veränderungen behandelt, welche 
das Bromsilber beim Digeriren in der Gelatine -Emulsion erfährt; auf 
die Veränderungen, welche die Gelatine selbst erleiden kann, soll hier 
näher eingegangen werden. 

Die Veränderungen, welche die Gelatine bei der Darstellung und 
Aufbewahrung der Emulsion erleidet, sind (soweit man gegenwärtig den 
Sachverhalt überschauen kann) verschiedenartige, und zwar folgende: 

A. Spaltung der Gelatine beim andauernden Kochen in zwei Substanzen, 
wie die Untersuchungen Hofmeister's 1 ) zeigen: in Semiglutin (C ßß Hg ß N 17 0, 2 ), 
welches durch Platinchlorid fällbar, in Alkohol unlöslich ist und in Hemicollin 
(C 47 H 70 N 14 10 ), welches in Alkohol löslich und durch Platinchlorid nicht fällbar ist. 
Semiglutin reducirt beim Stehen Silbernitrat, ohne es zu fällen, Hemicollin fällt das 
Silbernitrat flockig. Der Verlust des Erstarrungsvermögens der Gelatine beim langen 
Kochen wird durch diese Spaltung, welche keine Fäulniss ist, bewirkt. Dieser Pro- 
cess tritt erst nach dem mehrtägigen Kochen in solchem Grade ein, dass der Leim 
sich verflüssigt; das 1 / 2 - bis einstündige Kochen ist jedoch ohne störenden Einfluss 2 ) ; 
nach zwei- bis dreistündigem Kochen bei 100 Grad C. verliert die Gelatine etwas von 
ihrem Erstarrungsvermögen, indem der Schmelzpunkt, sowie der Erstarrungspunkt um 
3 bis 5 Grad C. herabgedrückt werden (Eder). 

B. Beim andauernden Erwärmen auf 30 bis 50 Grad C. tritt ebenfalls der 
Verlust des Erstarrungsvermögens ein, aber später als im vorigen Falle, und 



1) Chem. Centralbl. 1879. S. 56 und 71. 

2) Die Annahme Goudoever's, dass die Verflüssigung des Leimes beim Kochen 
einfach durch die Aufnahme von 1 Mol. "Wasser auf 4 Mol. Gelatine erfolge, ist dem- 
nach veraltet. 

§ 



Die Eigenschaften und Wahl der Gelatinesorten. 37 

es ist sehr schwer die Grenze zu finden, wo die Zersetzung durch Fäulniss (durch 
Gasentwicklung und Entstehen von massenhaften Mengen gebundenen Ammoniak) 
von der oben erwähnten Spaltung zu unterscheiden ist. 

C. Kochen mit selbst geringen Mengen Ammoniak oder einer Säure be- 
raubt die Gelatine rasch des Erstarrungsvermögens, und es scheint dieselbe Spaltung 
vor sich zu gehen, da Eder die Bildung beträchtlicher Mengen von in Alkohol lös- 
lichen Producten, die durch Platinchlorid nicht fällbar sind, beobachtete. Erwärmt 
man Gelatine mit Wasser, welches 1 bis 2Proc. Ammoniak enthält, nicht über 40 Grad C, 
so ist selbst nach 3 Stunden die Abnahme des Erstarrungsvermögens und das Sinken 
des Erstarrungspunktes nicht beträchtlich. Bei einer vierprocentigen Gelatinelösung, 
welche mit 2 Proc. wässerigem Ammoniak versetzt ist, sinkt nach 5 Minuten langer 
Digestion bei 30 bis 40 Grad C. der Erstarrungspunkt um 0,5 bis 0,8 Grad C. , nach 
dreistündiger Digestion bei dieser Temperatur um ungefähr 1 Grad C. Der Erstarrungs- 
punkt ist also nicht in schädlicher Weise alterirt worden. Wohl aber wird die Ge- 
latine weicher und weniger widerstandsfähig, was mitunter unangenehm sein kann. 
In diesem Falle kann die gewaschene Gelatine -Emulsion mit Alaun oder Chromalaun 
gehärtet werden (Eder). 

Fixe Alkalien zerstören aber beim Kochen den Leim. Das Kochen der Emul- 
sion bei Anwendung von saurem Bromammonium nimmt der Gelatine viel rascher 
das Erstarrungsvermögen als neutrales Bromkalium, was nach dem Gesagten leicht 
erklärlich ist. 

D. Der Verlust des Erstarrungsvermögens der Gelatine durch andauerndes Er- 
wärmen bei 30 bis 40 Grad C. ist fast immer das Resultat eines Fäulniss pro coss es. 
Die Keime der Fäulnissorganismen sind überall in der Atmosphäre vorhanden, so 
dass man keines künstlichen Fermentes bedarf. 

Die Fäulniss der Gelatinesorten bei 30 bis 40 Grad C. verläuft verschieden , je 
nach der Qualität der Gelatine. 

Gelatine, welche gleich anfangs eine alkalische Reaction besitzt, gibt schon 
nach 3 bis 4 Tagen Ammoniakdämpfe ab, die sich dann rasch vermehren. Die meisten 
Sorten, welche sauer reagiren, geben erst nach 10 Tagen oder noch später Ammoniak- 
dämpfe ab. 

IV. Fäulnisswidrige Mittel. 

Man kann die Haltbarkeit der Gallerte durch gewisse Zusätze er- 
höhen, welche fäulnisswidrig wirken, z. B. durch Alaun, Carbolsäure, 
Thymol, Resorcin, Glycerin etc. 

Die Zusätze zur Emulsion haben jedoch nur dann einen Zweck, 
wenn man die Emulsion nach dem Waschen wieder schmilzt und er- 
starren lässt und in Form von Gallerte aufbewaliren oder in den Handel 
bringen will. Getrocknete Gelatineplatten sind der Fäulniss nicht unter- 
worfen, weshalb für diese der Zusatz von fäulnisswidrigen Mitteln wenig 
Bedeutung hat. 

Die erwähnten fäulnisswidrigen Mittel werden der Emulsion folgendermaassen 
zugesetzt: Auf je 100 ccm flüssiger gewaschener Emulsion setzt man 0,2 g Carbol- 
säure oder Thymol gelöst in 5 ccm Alkohol zu und mischt innig. Die Gallerte hält 
sich dann wochenlang an kühlen Orten. Salicylsäure ist nicht so wirksam. 



38 



Dritter Theil. Via 



a Capitel. 



Benzoesäure Im alkoholischer Lösung zui' Kniul-i"ii ^ofii.trti _il>t nach Hender- 
son') klare und diühte Bilder. 

Lagrange empfahl Jon Zusatz von salzsaurom Chinin; nämlich: etwa 10 Tropfen 
einer alkoholischen Lösung auf 100 cem Emulsion , welches Mittel er wirksamer als 
Carbolsaure fand'). Resorciu, auf dessen Verwendung in dieser Richtung zuerst 
Tütb und Eder B ) und später Warnerke*) aufmerksam machten, ist ein kräftiges 
Ariiisi'pliuuin. — Silbernitrat, bindert diu Fäulnis» der Gelatine. 

Quecksilberchlorid ist ein starkes Antisepticum, sahidigt aber die photo- 
grapbi scheu Eisen schatten der Emulsion*). 

Die ineisten Fabrikanten Kloben vor. die Emulsion ohne Zusatz eines fäul- 
nisswidrigeu Mittels herzustellen und rasch aufzuarbeiten. 

Alkohol. EntbÖt eine Gallerte Alkohol, so hält sie sich viel 
länger ohne zu faulen, als ohne diesen Zusatz. Schon der bei Emulsionen 
ge brauen Sic he Zusatz von 5 Proc. Alkohol conservirt die gallertartige 
Emulsion bedeutend. Noch besser hält sie sich unter einer Schiebt von 
Alkohol, welche übrigens allmählich das Wasser der Gallerte entzieht, sie 
lederig macht, so dass sie erst nach 24stündigem Waschen in messendem 
Wasser wieder ganz anquillt 

Ein Zusatz von ungefähr 5 Tlieilen Alkohol auf je 100 Theile 
flüssiger, fertiger Emulsion wurde namentlich in den früheren Jahren 
häufig empfohlen c ), um das Trocknen der damit begossenen Platten 
zu besolde im igen. Später kam man von diesem Zusätze zumeist wieder 
ab, da er in der Regel nutzlos ist; manche fanden jedoch, dass die 
EmuJsionsschicht weniger der Verunreinigung durch Entstellung von 
weissen Flecken ausgesetzt sein soll, sobald man Alkohol zusetzt 

Zu viel Alkohol bewirkt das Entstehen von bienonzellenartigen 
Flecken in der Platte. 10 Proc. Alkohol zur Emulsion ist meistens 
schon zu viel oder im günstigsten Falle als äusserste Grenze anzusehen. 
Darüber hinaus fliesst die Gelatine-Emulsion unregelmässig und gibt 
im Capitel „Fehler 11 genauer beschriebene zellenartige Flecken. 

Wird die Emulsion mit Ueberschuss von Alkohol versetzt, so wird 
sie in Flocken oder Klumpen gefällt (über die Verwerthting dieser Er- 
scheinung siehe unten); die Gelatine gewinnt dabei an Festigkeit (s. S. 39). 



1) Phot News. 1883. S.324. 

2) Phot. Wochenul. 1881. 8.213. 
3| Phot. CüXMep. ISBO. 8. 193. 

4) Journ. of Pliot Soo. 1881. S. ! 
e 209. 



1; ferner Brit. Jouru, Phot. Alinanac. 1882. 



5) Henderson (Phot. Corresp. 1885. S. 178). 

6) Alkohol in der Brotnsübsr-Oelaüne war 1873 zuerst durch den Anonymus 
..Ostondo nou osteuto" im Brit. Journ. empfohlen. Später war der Nutzen dieses Zu- 
satzes von Foxley im Brit. Journ. of Pbot, (1873 und 1878, 173) ferner von Taylor 
im Brit, Journ. Phot. Almanac pro 1878 u. A. beschrieben. 



Die Eigenschaften und Wahl der Gelatinesorten. 39 

V. Einfluss Ton Zersetzungsproducten der Gelatine auf die 

Eigenschaften der Emulsion. 

Die durch längeres Erwärmen und die Einwirkung der Salze ver- 
änderte Gelatine wirkt nicht nur nicht vortheilhaft auf die Qualität der 
Platten, sondern häufig sogar schädlich. Es kann nämlich vorkommen, 
dass die veränderte Gelatine sich vom Glase ablöst, kräuselt etc.; aus 
diesem Grunde pflegten viele Fabrikanten einen Theil der Gelatine erst 
nach beendigtem Kochen der abgekühlten Emulsion zuzusetzen. Wird 
eine Emulsion, welche zersetzten Leim enthält und in Folge dessen 
beim Fixiren Blasen bildet und sich vom Glase löst, mit Alkohol ent- 
wässert, so wird sie fester und haftet beim Wiederauflösen und Auf- 
tragen fest am Glase. Alkohol zieht aus der Emulsion eine gummiartige 
Masse aus, worauf Eder schon vor längerer Zeit hinwies. 

Alkohol zieht aus der zerkleinerten Bromsilbergallerte nebst dem 
Wasser auch die Reste der löslichen Bromide oder Nitrate aus. 

Man hat beobachtet, dass Bromsilber, in derartig zersetzter Gelatine eraulsionirt, 
dünne und schleierige Negative gab , dagegen mit frischer und guter Gelatine gemischt, 
klare und kräftige Bilder lieferte 1 ). Dagegen hat Dr. Lohse 2 ) bemerkt, dass eine 
Gelatinelösung , welche durch längeres Digeriren bei 30 Grad C. zersetzt war, für sich 
allein eine bemerkenswerthe Steigerung der Empfindlichkeit bewirkte (in Folge frei- 
gewordenen Ammoniaks?), sobald man sie zu einer mit frischer Gelatine dargestellten 
Emulsion hinzufügte, was Nicol 8 ) bestätigte. 

Die durch Ammoniak und Kochen veränderte Gelatine kann durch Auswaschen 
der zerkleinerten Emulsion grossentheils entfernt werden. Haddon zeigte, dass schon 
nach 30 Minuten langem Waschen 47 Proc. gummiartig gewordener Gelatine entfernt 
werden, wenn die betreffende Gallerte in Nudeln gepresst war 4 ). Durch Membranen 
(Gelaünemembranen oder Pergamentpapier) geht indessen nur ein kleiner Theil der 
löslich gewordenen zersetzten Gelatine mittels Dialyse hindurch. Daraus folgt, dass 
beim Waschen in kleinen Stückchen (Nudeln) die gummiartigen Zersetzungsproducte 



1) Diese Beobachtung machte zuerst J. PI en er mit seiner Centrifagalmaschine, 
wobei er das Bromsilber von der Gelatine separirt (Phot. Mitth. 1882. Bd. 19, S. 51 ; 
aus Phot. News); Verfasser kann diese Angaben aus eigener Anschauung bestätigen. 
— Man hat auch beobachtet, dass Emulsion, weiche in Folge langen Aufbewahrens 
gefault und verflüssigt war, das Bromsilber zu Boden fallen lässt; giesst man die 
darüberstehende klare Flüssigkeit ab und vertheilt sie in frischer Gelatine, so erhält 
man oft vortreffliche und viel empfindlichere Emulsion, als diese ursprünglich war 
(Brit. Journ. Phot. 1882. S. 745; Phot. Wochenbl. 1883. S. 36). — Burton fand, 
dass Bromsilber mit Gelatine lange gekocht, beim Entwickeln Grünschleier gibt; lässt 
man das Bromsiiber absetzen und emulsificirt es in frischer Gelatine, so erhält man 
klare hochempfindliche Platten (Phot. Journ. 1882. Bd. 7, S. 38). 

2) Phot. Archiv. 1880. S. 56. 

3) Phot. News. 1884. S. 415 und 447. 

4) Phot. News. 1883. S. 108; Brit. Journ. of Phot. 1883. S. 147; Phot. Wochenbl. 
1883. S. 126. 



40 



Dritter Theil. Vieites Capitel. 



der Gelatine vollständiger entfernt werden, als beim Waschen in grossen Stücken, 
weil in letzterem Falle nur die krystallisirenden Salze (in geringem Maasse aber sog. 
Colloide) durch Dialyse entfernt werden. 

VI. Verhalten ron Gelatine gegen Wasser. — Diffusion ron 

Flüssigkelten. 

Bringt man Gelatine in Wasser oder wässerige Lösungen, so nimmt 
sie zunächst unter Aufquellen Wasser auf, und zwar je nach ihrer 
Qualität und der Temperatur des Wassers, z. B. die drei- bis siebenfache 
Menge. Trockene Gelatinefolien dehnen sich in verschiedenem Grade 
beim Einweichen in Flüssigkeiten aus. Wird die Länge in trockenem 
Zustande = 1 gesetzt, so ergibt sich nach einstündigem Weichen nach 
Abney (Eder's Jahrbuch f. Phot. 1887. S. 299) folgende Länge: 



Wasser 



Ammoniak 



Kohlensaures 

Kali oder 

Natron 



Nelson Nr. 1 . . . . 
Heinrichs (Höchst a. M.) 
"Winterthur (Schweiz). . 
X Opaque, Nelson . . 



1 *> 

1,08 
1,05 
1,19 



1,39 
1,22 
1,14 
1.40 



1,29 
1,15 
1,09 
1,17 



Für die Beurtheilung der Eignung der Gelatine zu photographischen 
Processen ist die Kenntniss der Ausdehnung der verschiedenen Flüssig- 
keiten von Werth. 

Manche schlechte Gelatine-Emulsion dehnt sich beim Entwickeln 
und Fixiren so stark aus, dass sie sich von der Glasplatte ablöst und 
einen oder mehrere Centimeter weit über den Rand derselben hinausragt 
In ungünstigen Fällen kann man sogar eine Ausdehnung der Gelatine- 
schicht um 7ö beobachten. Beim Trocknen der losen, ausgedehnten 
Schicht wird das Bild sichtlich verzerrt, und durch einige Nachhilfe 
kann man sogar ganz entstellte Zerrbilder erhalten. 

Schon während der Absorption von Wasser, insbesondere nach 
der Vollsaugung, beginnt ein Diffusionsprocess, indem die Gelatine- 
stücke (Platten) wie poröse, undichte, semipermeable Membranen *) wirken. 
Sind Salze innerhalb der Gelatineschicht vorhanden 2 ) und legt man sie 



1) Ausführliche Betrachtungen über „Chemische Reactionen in Gallerten 11 , 
R. E. Liesegang (Selbstverlag, Düsseldorf), und die Besprechung dieser Angaben: 
Zeitschr. f. physik. Chemie 1899. Bd. 29, S. 562 u. 571. 

2) Das Alter der Bromsilber -Gelatine hat einen Einfluss auf die Quell barkeit 
der Schicht, was Pellet ziffernmässig feststellte. 100 Gew.-Th. trockener Emulsions- 
schicht nahmen 300 bis 700 Th. Wasser auf; nach l J / 2 Monaten sank das "Wasser- 
aufnahmevermögen auf beiläufig die Hälfte (Eder's Jahrbuch f. Phot. 1897. S. 401). 



Die Eigenschaften und Wahl der Gelatinesorten. 41 

in Wasser (z. B. Waschen der frisch bereiteten Emulsion, Waschen der 
Platten nach dem Fixiren etc.), so dringt (nach den bekannten Regeln 
der Diffusion, respective Osmose) allmählich Wasser ins Innere der 
Schicht, und die Salze wandern durch die Poren derselben nach aus- 
wärts in das umgebende Wasser. 

Die Kenntniss dieser Diffusionserscheinungen von Gelatineschichten 
ist namentlich für die Theorie der Entwicklung der Platten, sowie für 
das Waschen nach dem Fixiren etc. von Bedeutung. 

Sehr eingehende Versuche dieser Art stellte J. Gaedicke (Eder's Jahrbuch f. 
Phot 1897. S. 249) mit Gelatinefolien an. Gibt man den in Gelatineschichten ent- 
haltenen schweren Salzlösungen Gelegenheit, im Waschwasser nach abwärts zu sinken, 
so erfolgt naturgemäss das Auswaschen rascher, als wenn dies nicht der Fall ist; 
deshalb wäscht sich Fixirnatron aus aufrecht stehenden Trockenplatten, oder wenn 
man die Schicht nach unten schweben lässt, doppelt so schnell, als wenn die Schicht 
nach aufwärts liegt. Wäscht man fixirnatronhaltige Platten mit Kochsalzlösung, so 
erfolgt die Diffusion nach aufwärts rascher als in reinem "Wasser. Gelatine nimmt 
übrigens Fixirnatronlösung mit ungeänderter Concentration auf. 

Nicht nur das Auswaschen von Salzen aus Gelatineschichten, 
sondern auch das allmähliche Eindringen des Entwicklers beim Hervor- 
rufen des latenten Lichtbildes auf Bromsilber- Gelatine und der Austausch 
des (bei den Reductionsvorgängen des Bromsilbers) verbrauchten Ent- 
wicklers mit den frischen Lösungen der überschüssigen Entwickler- 
substanz gehört zu den Diffusionserscheinungen. 

Die Diffusionsvorgänge beim Entwickeln photographischer Gelatine- 
platten studirten Gu6bhard (Eder's Jahrbuch 1899. S. 252), Hurter 
und Driffield (ibid. S. 213), ferner Haddon (ibid. 1899. S. 478). 

Die Unterschiede, welche in dem Verhalten verschiedener Platten 
gegen denselben Entwickler hervortreten, rühren besonders von der 
Menge und Qualität der bei Herstellung der Platten verwendeten 
Gelatine her (Hurter und Driffield). Diese Unterschiede beschränken 
sich im Allgemeinen auf die Zeit, welche erforderlich ist, um auf einer 
correct exponirten Platte eine bestimmte Dichte zu erzielen. Die Ge- 
schwindigkeit der chemischen Veränderung, welche die Entwicklung 
ausmacht, hängt von der Leichtigkeit ab, mit welcher die Reagentien 
des Entwicklers an das Bromsilber in der Schicht heran und mit dem- 
selben in Berührung kommen können. Wenn die Gelatine rasch eine 
solche Menge der Entwicklerflüssigkeit absorbirt, dass dieselbe ausreicht, 
um den ganzen erforderlichen Betrag an reducirender Substanz zu liefern, 
so wird die Entwicklung schon in verhältnissmässig kurzer Zeit nach 
Beginn des Absorptionsprocesses beendet sein. Wenn dagegen die 
Gelatine nicht im Stande ist, an der reducirenden Substanz eine zur 
Durchführung der Entwicklung ausreichende Menge zu absorbiren, so 



42 Dritter Theil. Viertes Capitei. 

kann nur der Diffusionsprocess hinlängliche Mengen des Eeductions- 
mittels zuführen, um die Reduction zu Ende zu führen. Aus diesen 
Darlegungen geht hervor, dass es zum vollständigen Verständniss des 
Entwicklungsprocesses nothwendig ist, die Eigenschaften der Gelatine 
zu studiren. 

Während Gelatine von Wasser und verdünnten Lösungen, je nach der Länge 
der Zeit und nach der Temperatur, das Drei- bis Siebenfache ihres eigenen Gewichtes 
absorbirt, werden stärker concentrirte Lösungen nicht so leicht absorbirt. So fanden 
Hurter und Driffield, dass 1 g Gelatine in 15 Minuten die folgenden Mengen ver- 
schiedener Salzmengen absorbirte: 

1. Reines Wasser 3,8 bis 3,5 g, 

2. neutrales oxalsaures Kali 

concentrirte Lösung (36 Grad) 0,89 bis 0,75 g, 

verdünnte Lösung (11 bis 27 Grad) 2 bis 5 g, 

3. verdünntes Ammoniak 5,70 g, 

4. vierprocentiges kohlensaures Natron 5,70 „ 

5. unterschwefligsaures Natron 

concentrirte Lösung (33 Grad) 1,73 , 

verdünnte Lösung (17 Grad) 4,75 , 

6. Chlornatrium 

concentrirte Lösung (41 Grad) 1,91 , 

verdünnte Lösung (22 Grad) 5,40 , 

7. fünfprocentige Lösung von kohlensaurem Natron . . ^ « fi A 
fünfprocentige Lösung von schwefligsaurem Natron . / 

Ein Blick auf diese Tabelle lehrt uns, dass eine halbgesättigte 
unterschwefligsaurem Natron, zu Fixirzwecken verwendet, wirksamer als eine gesättigte 
Lösung ist; dass ein sehr wenig concentrirter Eisenoxalat- Entwickler schneller in die 
Gelatineschicht eintritt, und dass im Allgemeinen verdünnte Lösungen rascher Eingang 
finden als concentrirte. 

Eine starke Salzlösung wird einer feuchten Gelatineschicht das vorher absorbirte 
Wasser entziehen, wie folgender Versuch zeigt: 0,3139 g Gelatine, die man 15 Minuten 
lang in Wasser weichen liess, absorbirten 1,225 g Wasser, d.h. das 3,9fache ihres 
eigenen Gewichtes; nachdem die Gelatine dann in eine starke Lösung von oxalsaurem 
Kali gebracht war, enthielt sie 0,478 g der Lösung, oder nur das 1,5 fache ihres 
eigenen Gewichtes; es ging also eine ziemlich bedeutende Menge Wasser, wenigstens 
das Zweifache des Gewichtes der Gelatine, aus dieser in die Lösung von oxalsaurem 
Kali über. 

Weiter ist auch die Frage von Interesse, ob die von der Gelatine absorbirte 
Lösung dieselbe Zusammensetzung hat, wie diejenige, in welche die Gelatine eingelegt 
ist; der Versuch ergibt, dass in den Fällen, wo es sich um Lösungen von Kochsalz, 
Aetznatron und Ammoniak handelt, die von der Gelatine absorbirte Lösung hinsicht- 
lich der Zusammensetzung mit der die Gelatine umgebenden Lösung identisch ist. 

Diese Eigenschaften der Gelatine übertragen sich naturgemäss auf die photo- 
graphischen Platten, in der That nämlich erhält man durch die Absorption von 
Flüssigkeiten für sie fast genau dieselben Zahlen , wenn die auf der Platte befindliche 
Gelatinemenge bekannt ist. 

Das Verhältniss, in welchem irgend eine besondere Platte Wasser oder eine 
andere Flüssigkeit absorbirt, ist sehr verschieden, je nach der Qualität der Gelatine 



Lösung von 



Die Eigenschaften und Wahl der Gelatinesorten. 43 

und der von ihr auf der Platte befindlichen relativen Menge. Die weichen Gelatine- 
sorten absorbiren leicht, die harten dagegen sehr langsam. 

Platten, welche von 4,8 bis 6 g Wasser auf 1 g Gelatine in 15 Minuten ab- 
sorbiren , lassen sich rasch entwickeln , während die Entwicklung von Platten , welche 
nur 3 bis 4 g Wasser absorbiren, langsam vor sich geht. 

Wie Hurt er und Driffield ermittelten, absorbirt eine Bromsilber - Gelatine- 
platte stärkster Absorptionsfähigkeit in 15 Minuten auf 100 qcm Fläche 2,12 g Wasser, 
dass sie jedoch nur den vierten Theil dieser Menge von starker Oxalatlösung, d. h. 
etwa 0,53 g oder cem absorbiren würde. Da 1000 Theile des normalen Eisenoxalat- 
Entwicklers nur 61,5 Theile Eisensulfat enthalten, sind in 530 mg des Entwicklers 
32,5 mg Eisensulfat vorhanden. Es sind aber 31,1 mg Eisensulfat erforderlich, um 
eine Schwärzung 1 hervorzurufen ; es ist deshalb klar, dass die am stärksten absorbirende 
Platte durchaus nicht im Stande ist, innerhalb 15 Minuten eine solche Menge von 
Eisenoxalatlösung aufzunehmen, die ausreichend wäre, um bei einem Landschafts- 
negative eine Himmelsdichtigkeit 2 auch nur einigermaassen zu entwickeln. In diesem 
Falle hängt die Entwicklung von einem auf einem Diffusionsprocess beruhenden 
Wechsel von Substanzen zwischen der Schicht und der Entwicklermasse ab. 

Man sieht weiter, dass bei anderen Platten, die weniger als 2,12 g Wasser in 
15 Minuten absorbiren, das Entwickeln fast ganz auf der Diffusion der Reagentien 
aus der Masse des Entwicklers in die Gelatineschicht beruhen wird, und dass die von 
der Gelatineschicht absorbirte Menge von Entwicklerflüssigkeit völlig unzureichend ist, 
um solche Dichtigkeiten herbeizuführen, wie sie erforderlich sind. 

Beim alkalischen Pyrogallol- Entwickler liegt dies anders. Nach Hurt er und 
Driffield absorbirt die am schwächsten absorbirende Platte in 2 x / 2 Minuten 535 mg 
Wasser auf 100 qcm Fläche und ebensoviel oder noch mehr einer verdünnten 
alkalischen Lösung, wie man sie in Verbindung mit Pyrogallol verwendet. Da die 
Erzeugung einer Himmelsdichtigkeit (Schwärzung) 2 auf 100 qcm Fläche 7,14 mg 
Pyrogallol erfordert, ist es klar, dass ein Entwickler, welcher in 535 mg diese Menge 
enthält, selbst bei Benutzung der am schwächsten absorbirenden Platte in 2y 2 Minuten 
eine Dichtigkeit 2 hervorrufen wird. 

Alkalisches Pyrogallol unterscheidet sich auf diese Weise vom Eisenoxalat. 
Während das Erstere im Stande ist, die noth wendige Dichtigkeit ohne den Diffusions- 
process hervorzurufen, ist dies dem letzterwähnten Entwickler nicht möglich, so dass 
dieser wesentlich in seiner Wirkung bei Erzielung der Dichtigkeit von der Diffusion ab* 
hängig ist. Natürlich muss die Concentration des Pyrogallol - Entwicklers eine grosse sein, 
und es ist einleuchtend, dass man bei Verwendung von Entwicklern, welche weniger 
Pyrogallol enthalten, auch die Diffusion zur genügenden Pyrogallolzufuhr nothwendig 
ist. Diese Processe der Absorption und Diffusion vollziehen sich natürlich gleichzeitig. 

Hemmt man die Diffusionsvorgänge des Entwicklers beim Ein- 
dringen in eine Bromsilber-Trockenplatte durch Zusatz indifferenter colloi- 
daler Substanzen, welche den Entwickler dickflüssig machen oder sonst 
das Eindringen in die Gelatineschicht hemmen, so wird die Entwicklung 
verzögert, d. h. die Reduction des Bromsilberbildes erfolgt langsamer 1 ). 



1) Vergl. Abney, „Ueber physikalisch -mechanische Verzögerung beim Ent- 
wickeln* (Eder's Jahrbuch f. Phot. 1899. S. 477). — Auf die Existenz physikali- 
scher Verzögerer hatte zuerst Eder in den früheren Auflagen dieses "Werkes (z. B. 
Bd. m, 4. Aufl. S. 79) aufmerksam gemacht. 



44 Dritter Theil. Viertes Capitel. 

Wird die Gelatine durch Gerbemittel gehärtet, so verlaufen 
die Diffusionsvorgänge langsamer. Ist dagegen die Gelatine sehr weich, 
saugt Wasser rasch auf und lässt es rasch durchdringen, so gehen alle 
Yorgänge, welche in wässerigen Bädern sich abspielen, rascher vor sich. 

Hemmt man die Entwicklung von Trockenplatten durch 
Auflegen von Deckplatten auf die Schicht, so verläuft der Ent- 
wicklungsprocess nicht normal. Colson legte die Trockenplatte auf 
eine bis zwei Minuten in Wasser, dann in den Entwickler und bedeckte 
die Bildschicht sofort mit einer Glasplatte. Man beobachtet durch die- 
selbe den Entwicklungsvorgang. Sollte die zwischen beiden Platten 
eingeschlossene Entwicklermenge ungenügend sein, so lüftet man einen 
Augenblick die Platten und lässt neuen Entwickler dazwischen treten. 
Die Platten bleiben dabei im Entwickler liegen. Man kann hierbei auch 
bei stark überexponirten Platten den Hervorrufungsprocess gut controliren 
(Eder's Jahrbuch f. Phot. 1899. S. 527). 

VII. Verhalten der Gelatine gegen Gerbemittel. 

Viele Mineralsalze, wie z. B. Thonerde-, Chromoxyd-, Uranylsalze, 
auch Fernverbindung etc., gehen mit Gelatine Verbindungen ein, welche 
in Wasser weniger löslich und geringer aufquellbar sind ; ähnlich wirken 
Formalin, Gerbstoff, Pyrogallol etc. Diese Zusätze machen die Gelatine- 
gallerte härter und bewirken gewissermaassen eine Art Gerbung. Man 
nennt sie deshalb auch Härte- oder Gerbemittel der Gelatine. 

Alaun (wasserhaltiges Kaliumaluminiumsulfat), sowie Aluminium- 
sulfat (schwefelsaure Thonerde), ferner Chromalaun werden der Gelatine 
häufig zugesetzt, und zwar in der Absicht, die Gelatine zu härten, sie 
fester an der Platte haftend und widerstandsfähiger gegen Entwickler, 
Fixirer und Verstärker zu machen. Eine Gallerte mit Alaun versetzt 
widersteht überdies sehr lange der Fäulniss. 

Dieser Zusatz ist nur dann nöthig, wenn man weiche oder in Zer- 
setzung begriffene Gelatine vor sich hat. Bei Benutzung von harter 
Gelatine ist er gegenstandslos. 

Manche Fabrikanten benutzen regelmässig einen Zusatz von Chrom- 
alaun; derselbe wird dann unmittelbar vor dem Giessen gemacht und 
ist nur gering, weil er nur vorsichtshalber gemacht wird, z. B. auf 
1 Liter geschmolzener Emulsion 3 ccm Chromalaunlösung (1 : 50) oder 
5 bis 6 ccm. Ist die Gelatine aber schlecht oder zersetzt, so braucht 
man zehnmal mehr, um das Abkräuseln der Schicht zu vermeiden; dann 
ändert sich der Charakter der Platten (sie arbeiten dünn und geben 
glasige Schatten) und sie werden unempfindlicher. Grosse Mengen von 
Chromalaun machen die Emulsion dickflüssig, so dass man sie auf 



Die Eigenschaften und Wahl der Gelatinesorten. 45 

60 Grad C. erwärmen oder mit 1 / 5 Wasser verdünnen muss, wenn man 
Platten giessen will, oder sie bewirken eine klumpenartige Coagulirung 
der Gelatine -Emulsion und die fertigen Platten stossen den Entwickler ab. 

Fügt man zu einer vierprocentigen Gelatinelösung 5 Proe. vom Gewichte der 
trockenen Gelatine Chromalaun (d. i. 0,2 Proc. von der Gelatinelösung) hinzu , so erstarrt 
die Lösung leichter zur Gallerte. Der Erstarrungspunkt liegt um 1 his 2 Grad C. 
höher, als vor dem Alaunzusatze. Einmal erstarrt, schmilzt die Chromalaun -Gelatine 
nur schwierig und bei hoher Temperatur (60 bis 70 Grad C.) oder gar nicht mehr. 
Die getrocknete Schicht quillt im Wasser kaum mehr auf und würde die Entwicklung 
der Platten sehr erschweren. Man muss also mit dem Chroinalaunzusatze zur Gelatine - 
Emulsion vorsichtig verfahren 1 ). (Eder.) 

Zuviel Chromalaun in der Schicht ist also (wenn ohne besonderen 
Grund zugesetzt) sehr häufig von schädlicher Wirkung, worauf Bolton 2 ) 
und Andere aufmerksam machten. Er macht die Schicht hornartig, er- 
schwert dem Entwickler das Eindringen und drückt in Folge dessen die 
Intensität und Empfindlichkeit herab. Diese Mittel sollen deshalb nui 
mit Vorsicht und in kleiner Quantität angewendet werden. 

Viel weniger energisch wirkt gewöhnlicher Alaun. 

Setzt man zu einer vierprocentigen Gelatinelösung 5 Proc. vom Gewichte der trocke- 
nen Gelatine Alaun zu, so steigt der Erstarrungspunkt um 1 bis 2 Grad C, der Schmelz- 
punkt um ungefähr 10 Grad C., aber alle erstarrten Gemenge von 5 Proc. gewöhnlichem 
Alaun und Gelatine schmelzen in der Wärme noch vollständig. Mit 15 Proc. Alaun 
vom Gewichte der Gelatine erstarrt die Gelatinelösung um 5 bis 6 Grad höher (also 
im Mittel bei 25 bis 26 Grad C), und der Schmelzpunkt liegt um 15 bis 20 Grad höher 
(bei ungefähr 45 Grad C). Mit 30 Proc. Alaun steigt der Erstarrungspunkt bis auf 
33 Grad C. , ohne dass der Schmelzpunkt viel höher als 48 Grad C. steigen würde. 

Selbst die 30 Proc. gewöhnlichen Alaun enthaltende Gelatinelösung kann man 
wiederholt erstarren lassen und wieder schmelzen. Auch nach dem vollständigen 
Eintrocknen hat die 15 Proc. Alaun enthaltende Gelatine noch nicht das Aufsaugungs- 
vermögen für kaltes Wasser eingebüsst, obwohl es bedeutend geschwächt erscheint; 
die Schicht schwillt viel weniger stark auf, als vor dem Alaunzusatz. Sogar 30 Proc. 
Alaun machen die Gelatine noch nicht indifferent gegen Wasser. (Eder.) 

Nach Child Bayley erhöht Zusatz von 5 g Alaunlösung zu einem Liter fünf- 
procentiger Coignet- Gelatine den Schmelzpunkt um 7 Grad C, und 1,2 g Chloralaun 
hatte denselben Effect. Mehr Chloralaun darf man nicht zusetzen, weil sonst die 
Gelatine nicht mehr genug löslich bleibt. (Eder's Jahrbuch f. Phot 1899. S. 506.) 

Um Bromsilber- Gelatine -Emulsion zu härten, setzt man auf 1000 ccm Gelatine - 
Emulsion (unmittelbar vor dem Ueberziehen der Platten) */., bis 1 ccm von folgender 
Lösung zu: 50 Theile Wasser, 4 Theile gewöhnlichen Alaun und eventuell 4 Theile 
Glycerin. Stark verdorbene Gelatine 8 ) braucht mehr, andere weniger, als die an- 



1) Cowan bezeichet 1 g Chromalaun auf 2 Liter flüssiger Emulsion als Maximal- 
zusatz (Phot Corresp. 1885. S. 101); für gewöhnlich genügt die Hälfte oder ein 
Viertel davon. 

2) Bull. Soc. franc. Phot. 1880. S. 65. 

3) D. h. solche, welche sehr schwer erstarrt und stark dem Ablösen und der 
Kräuselbildung unterworfen ist. 



46 Dritter Tbeil. Viertes Capitel. 

gegebene Menge, um weiche Gelatine zu härten. Oft genügen schon mehrere Tropfen 
Alaunlösung. Zuviel Alaun ist ebenso schädlich, als ein Uebermaass von Chromalaun 
(s. S. 45). 

Man hat auch empfohlen, das erste Wasser zum Waschen der Emulsion 
mit 5 Proc. Alaun zu versetzen , um das Kräuseln zu hindern *). In diesem Falle 
nimmt die Gelatine Alaun auf und härtet sich; der Schmelzpunkt steigt. Da aber 
die Menge des aufgenommenen Alauns nicht genau festzustellen ist, so hält der Ver- 
fasser diesen Weg nicht für praktisch die Gelatine vor der Emulsification mit Alaun- 
lösung zu mischen, um sie zu härten. 

Die durch Alaunzusatz dicklich gewordene Gelatinelösung wird dann durch Zu- 
satz von Citronensäure wieder flüssig gemacht; solche Behandlung der Gelatine vor 
ihrer Verarbeitung zu Bromsilber -Emulsion soll die Empfindlichkeit der ammonia- 
kalischen Emulsion erhöhen. (A. Blanc. 2 ) 

Formaldehyd, auch Methanal genannt (COH 2 ), welches in 
circa 40procentiger Lösung unter dem Namen Formalin (auch r Tan- 
nalin") in den Handel kommt, gerbt Gelatine so ausgiebig, dass sie 
sogar dem heissen Wasser widersteht. Dies erfolgt nicht nur durch 
Zusatz von Formalin zur flüssigen Gelatinelösung (0,2 Theile Formalin 
machen 1 Theil Gelatine unlöslich) und durch Baden der Gelatine in 
einer wässerigen Lösung, sondern auch durch Einwirkung von Formal in- 
dampf auf die Gallerte. Formalin wird in der Photographie seit 1895 
verwendet 3 ). 

Gelatinefolien, gehärtet mit Formalin, kommen (statt Celluloid) 
als biegsame Unterlage für Bromsilber- Gelatine (sog. „Gelatoidfilms") 
in den Handel, welche aber vor Celluloidfilms keinerlei Vortheile bieten 
(Bohrer, Eder's Jahrbuch f. Phot. 1898. S. 33; daselbst ist auch die 
Darstellung von Gelatoidfilms genau angegeben 4 ). 

Gelatineplatten, welche nach dem Fixiren Neigung zum Ab- 
schwimmen, Blasenbilden oder Kräuseln zeigen, werden sofort gehärtet, 
wenn man sie nach dem Fixiren (ohne sie vorher abzuspülen) in eine 
Lösung von 1 Theil Formalin in 20 Theilen Wasser während 5 bis 10 Mi- 
nuten legt. Der Hauptvortheil des Formalins besteht darin, dass 
man es unmittelbar nach dem Fixiren anwenden kann (weil es sich 
mit Fixirnatron nicht zersetzt), was beim Alaunbad nicht möglich 



1) Warnerke, Phot. Archiv. 1885. S. 30. 

2) A. Blanc mischt 30 g Gelatine, welche eine halbe Stunde in Wasser ge- 
quollen und geschmolzen ist, mit 50 ccm gesättigter Alaunlösung, wonach die Lösung 
dicklich wird und durch Zusatz einiger Messerspitzen voll Citronensäure wieder flüssig 
wird. Diese Masse wird in eine Schale ausgegossen , nach dem Erstarren zerschnitten 
und gut gewaschen. Diese Gallerte dient zur Bereitung von Silberoxydammoniak - 
Emulsion. (Eder's Jahrbuch f. Phot. 1898. S. 405.) 

3) Die Patente der Firma Schering auf Verwendung von Formalin zum 
Härten von Gelatine datiren vom Jahre 1894. (Vergl. Eder's Jahrbuch f. Phot. 1898. 
S. 32 u. 406.) 

4) Vergl. auch Hauser, Eder's Jahrbuch f. Phot. 1898. S. 406. 



Die Eigenschaften und Wahl der Gelatinesorten. 47 

ist 1 ), worauf zuerst E. Vogel hinwies 2 ) und was später Bolton 8 ) noch- 
mals hervorhob. 

Werden Gelatine -Negative mit Formalin gebadet, so härtet sich 
nicht nur die Gelatineschicht, sondern verliert auch nach dem Trock- 
nen die Adhäsion zur Glasunterlage in so hohem Grade, 
dass das Ablösen der Gelatinehaut leicht gelingt. Diese Erscheinung 
wurde zu einer erfolgreichen Methode ausgearbeitet 4 ), um gewöhnliche 
Gelatine -Negative vom Glase abzuziehen (Herstellung verkehrter Haut- 
negative für Lichtdruckzwecke). 

Formalin ist ein Reductionsmittel und wirkt auf Silbersalze allmählich redu- 
cirend ein. Deshalb macht das Härten von Gelatine -Emulsion für Auscopirpapier 
(Aristopapier, welches Chlorsilber mit Silbernitratüberschuss enthält), Schwierigkeiten; 
man nennt solch gehärtete Gelatinepapiero „Gelatoid". Auch auf Bromsilber wirkt 
Formalin nicht günstig; es drückt beim Zusatz zu einer hochempfindlichen Bromsilber- 
Emulsion von 25 Grad W. die Empfindlichkeit auf 20 Grad W. herab und schädigt die 
Klarheit der Bildschichte (Bohrer, Eder's Jahrbuch f. Phot. 1898. S. 32). 

Wird Formalinlösung zu den Entwicklern photographischer Gelatineplatten 
(Pyrogallol, Hydrochinon, Metol, Eikonogen, Amidol) zugesetzt, so gerbt sich die 
Gelatine ähnlich wie in rein wässerigen Lösungen, jedoch färben sich die Entwickler 
stark (Lumiere und Seyewetz 5 ). 

Gerbende und färbende "Wirkung von oxydirten Ent- 
wicklersubstanzen (Pyrogallol etc.) auf Gelatine oder Gela- 
tine-Negative. Gewisse Entwicklersubstanzen, wie namentlich Pyro- 
gallol, gerben an und für sich die Gelatine, in noch höherem Grade 
aber wirken die Oxydationsproducte alkalischer Pyrogallollösungen , wie 
man sie als Entwickler verwendet. 

Dies tritt namentlich deutlich in die Erscheinung, wenn man ein 
Bromsilber- Negativ exponirt und mit alkalischem Pyrogallol entwickelt. 
In den vom Lichte getroffenen Stellen wird das in Gelatine eingelagerte 
Bromsilber reducirt und die Entwicklersubstanz entsprechend oxydirt, 
wobei vielleicht auch eine Wirkung des vom Bromsilber abgespaltenen 
Broms auf Gelatine sich zugesellen mag. Abgesehen von diesen ver- 
wickelten Nebenerscheinungen zeigt sich eine auffallende Gerbung der 



1) Weil sich Fiximatron und Alaun unter Schwefelausscheidung gegenseitig 
zersetzen. 

2) Eder's Jahrbuch f. Phot. 1897. S. 403. 

3) Eder's Jahrbuch f. Phot. 1899. S. 529. 

4) Zuerst angegeben von Mussat (1895), von Reeb im selben Jahre als Ge- 
heimmittel zur Erleichterung des Abziehens von Gelatineplatten in den Handel ge- 
bracht und von E. Valenta (Eder's Jahrbuch f. Phot. 1897. S. 56) und E. Ober- 
netter (ibid. S. 11), A. Lainer (Eder's Jahrbuch f. Phot. 1898. S. 186; 1899. 
S. 581) publicirt und ausführlich beschrieben. 

5) Eder's Jahrbuch f. Phot 1897. S. 35. 



48 Dritter Theil. Viertes Capitel. 

Gelatine an den entwickelten Bildstellen, welche zu einer starken Ke- 
liefbildung (die Bildstellen sind vertieft), sowie zu einer Färbung der 
Bildstellen durch die ausgeschiedene organische (oxydirte) Entwickler- 
substanz Veranlassung gibt. 

Dieses Anfallen von gefärbter Entwicklersubstanz an die Bildstellen 
photographischer Gelatine -Negative kann man zum Theile auf Absorption 
des Farbstoffs durch das feinvertheilte metallische Silber zurückführen, 
theils auf das Anfallen der Färbesubstanz im Status nascendi auf die 
Gelatine, in welche das reducirte Silber eingebettet ist Jedenfalls be- 
stehen die unter solchen Verhältnissen entstehenden photographischen 
Gelatine -Negative nicht nur aus metallischem Silber, sondern zum Theile 
aus einem Farbstoffbilde. Entwicklersubstanzen, welche keine gefärbten 
gerbenden Oxydationsproducte geben (z. B. Eisenoxalat), geben Gelatine - 
Negative, welche frei von solchen secundären Farbstoff bildern sind. 

Die durch zersetzte Entwicklersubstanzen gefärbten und zugleich 
gegerbten Bildstellen quellen im Wasser weniger auf, als die unver- 
änderten Stellen, so dass Reliefs entstehen (s. unten). 



FÜNFTES CAPITEL. 

ÜBEE DIE MISCHUNGSVERHÄLTNISSE BEI DER 

DARSTELLUNG VON GELATINE- EMULSION. 



I. Verhältniss yon löslichem Bromsalz etc. zum Silbernitrat. 

Wenn man Bromkalium und Silbernitrat bei Gegenwart von Gela- 
tine mischt, so pflegt man das erstere vorwalten zu lassen; freies Silber- 
nitrat ist in Berührung mit Gelatine zu sehr zersetzlich und würde in 
der Bromsilber- Emulsion beim Kochen Zersetzung bewirken, was Ver- 
schleierung beim Hervorrufen mit sich bringt. Ein absolut genaues 
Absättigen des Brom- und Silbersalzes ist wohl theoretisch, aber nicht 
praktisch möglich; man lässt deshalb das Bromsalz vorwalten. Dasselbe 
gilt von Chlor- und Jod- Emulsion. 

Zur genauen chemischen Umsetzung von 170 Theilen Silbernitrat 
in Bromsilber, beziehungsweise Chlor- oder Jodsilber, sind folgende 
äquivalente Mengen von Salzen noth wendig: 

119,1 Gewichtstheile Bromkalium (KBr), 
98 „ Bromammonium (NH 4 Br), 

166,1 „ Jodkalium (KJ), 

145 „ Jodammonium (NH 4 J), 

74,6 „ Chlorkalium (KCl), 

58,5 „ Chlornatrium (NaCl), 

53,5 „ Chlorammonium (NH 4 C1). 

Man beachte, dass aus Gemischen von Jod-, Brom- und Chlor- 
kalium bei Zusatz von Silbernitrat immer zuerst das Jod an das Silber 
gebunden wird, dann das Brom und erst zuletzt das Chlor (s. S. 8). 

II. Mischungsverhältnisse hei Bromsilber -Gelatine mit über- 

schüssigem Alkalibromid. 

Wie soll das Verhältniss von Bromkalium zum Silbernitrat in 
der Praxis sein? Eder hält in Folge zahlreicher Erfahrungen an 
dem Verhältnisse von 5 Theilen Silbernitrat auf 4 Theile Bromkalium 

Eder, Handbuch der Photographie. III. Theil. 5. Aufl. 4 



50 Dritter Theil. Fünftes Capitel. 

(= 3,3 Theilen Broraammonium) fest. Es waltet also ein beträchtlicher 
Ueberschuss von löslichem Alkalibromid vor. Es ist dies dasselbe Ver- 
hältniss, welches er im Jahre 1880 auf Grundlage seiner mit Hauptmann 
Töth vorgenommenen Versuche als das Beste erkannte. 

Ben nett empfahl auf 11 Theile Silbernitrat 7 Theile Bromammonium, 
was auch "Wilson annahm; Abney mischt beide im Verhältnisse von 
10:7V 3 und Burton wie 21:12y 2 . 

Daraus geht hervor, dass Verfasser mehr lösliches Bromid verwendete, als 
damals gebräuchlich war. Ihn bewogen folgende Gründe: 1. Bei beträchtlichen 
Mengen von überschüssigem Bromkalium tritt bei langem Kochen oder Behandeln 
mit Ammoniak nicht leicht Schleier ein; 2. kann das Reifen durch Kochen weiter ge- 
trieben werden, als bei geringem Ueberschusse; 3. wirkt das im Bromkalium in der 
Wärme gelöste und beim Erkalten, sowie beim Verdünnen mit Gelatinelösung und 
nachfolgendem Waschen ausgeschiedene, äusserst fein zertheilte Bromsilber günstig 
auf die Platten; 4. können durch unvorsichtiges Abwägen auf unempfindlichen Waagen 
nicht so leicht Missgriffe geschehen. 

Dass das überschüssige Bromkalium günstig wirkt, bestätigte Abney, lange 
Zeit nachdem das Verhältniss des Verfassers publicirt war. Er constatirte, dass das 
Verhältniss von 20 Theilen Silbernitrat auf 15 Theile Bromkalium eine viel empfind- 
lichere Emulsion (Siedemethode) gab, als das Verhältniss von 20:12 1 ). Das Ver- 
hältniss 20 : 15 ist aber fast identisch mit dem des Verfassers (nämlich 20 : 16). — 
Abney erklärt dies daraus, dass Bromsilber in Bromkalium löslich ist und sich beim 
Erkalten in gelblichen Krystallen ausscheidet, die beim Waschen grünes, hochempfind- 
liches Bromsilber geben. 

Nach Newberry ist das Verhältniss von 32,5 g Silbernitrat auf 28,5 g Brom- 
kalium (beim Siedeprocess) das Beste; weniger Bromkalium bewirkt geringere Empfind- 
lichkeit, mehr Bromkalium (z. B. 30 g) gibt gleichfalls eine weniger empfindliche und 
flaue Emulsion (Eder's Jahrbuch f. Phot. 1888. S. 469). Debenham, welcher zwei- 
mal mehr Bromsalz als Silbernitrat nimmt, dürfte zu weit gehen (Eder's Jahrbuch 
f. Phot. 1897. S.401). 

Enthält eine Emulsion Mengen von überschüssigem Bromkalium, 
welche obiges Verhältniss bedeutend übersteigt, so erhält man nach der 
Siedemethode flaue, ja sogar schleierige Emulsionen. 

III. Versuche mit überschüssigem Silbernitrat und anderen 
Silberoxydsalzen in der Bromsilber -Emulsion. 

Der Zusatz von überschüssigem Silbernitrat zur Emulsion während 
ihrer Darstellung ist sehr unvortheilhaft Es zersetzt sich nämlich beim 
längeren Erwärmen mit der Gelatine und gibt dann beim Entwickeln 
Rothschleier; beim Kochen erfolgt die Reduction momentan, unter Um- 
ständen bräunt sich dann die ganze Emulsion. 

Die Versuche über das Verhalten des freien Silbernitrates in der Gelatine - 
Emulsion sind alt. Weil man die günstige sensibilisirende Wirkung dieses Salzes in 



1) Phot. News. 1881. S. 198; Phot. Wochenbl. 1881. S. 161. 



Ueber die Mischungsverhältnisse bei der Darstellung von Gelatine - Emulsion. 5 1 

der Oollodion- Emulsion kannte, versuchte man es auch in der Gelatine -Emulsion, 
und der erste Versuch mit einer solchen Gelatine -Emulsion wurde 1871 von dem 
Entdecker des Verfahrens, Dr. Maddox, gemacht. Genauere Angaben machte Parr 
(1877 *). Er fand, dass gewaschene Bromsilber -Gelatine (mit Ueberschuss von lös- 
lichem Bromsalz hergestellt) klar arbeitet, aber weniger empfindlich war, als dieselbe 
Emulsion, die mit ganz wenig Silbernitratlösung vermischt wurde. Die letztere war 
viel empfindlicher, zersetzte sich aber nach einer Woche, indem sich beim Entwickeln 
Rothschleier über die Platte deckte. 

Auch andere Forscher beobachteten, dass eine Bromsilber -Gelatine -Emulsion 
empfindlicher wird, wenn sie etwas überschüssiges Silbernitrat enthält, sich aber rasch 
zersetzt und spätestens nach einer Woche beim Entwickeln mit Pyrogallol einen 
rothen Schleier gibt, namentlich, wenn der Silbernitratüberschuss nicht sehr gering 
ist (Berkeley*), Monckhoven 8 ). 

Stosch fand im Anschlüsse an diese Angabe, dass auch gewöhnliche Brom- 
silber-Gelatineplatten bedeutend empfindlicher werden, wenn man sie in einem Ge- 
misch von 100 Theilen Alkohol von 85 Proc. (Brennspiritus) , 1 bis 2 ccm einer Lösung 
von Silbernitrat in Wasser (1 : 15) und 10 ccm Ammoniak badet, nach 3 bis 4 Minuten 
herausnimmt und trocknet, was längstens 5 Minuten in Anspruch nimmt. Eine solche 
Platte war vier- bis fünfmal empfindlicher geworden 4 ). 

Sowohl Vogel als Stosch fanden, dass nach längerer Zeit (circa 12 Stunden) 
die Empfindlichkeit wieder auf das ursprüngliche Maass sinkt, indem das Silbernitrat 
allmählich sich freiwillig zersetzt. 

Nach Graeter 5 ) wird eine gewaschene gewöhnliche Emulsion (in Form von 
Gallerte) sehr empfindlich, wenn man sie in einer ziemlich concentrirton Lösung von 
Silberoxydammoniak badet und dann wäscht. Freilich geben dann die meisten 
Emulsionen Schleier. 

Eder und Toth wiederholten die Versuche mit hochempfindlichen Bromsilber-, 
sowie Bromjodsilber -Gelatineplatten 6 ) und fanden, dass die Empfindlichkeit derselben 
durch Baden in alkoholischer Silbernitratlösung (auch ohne Ammoniak) gesteigert 
wird. Aehnlich fanden dieselben die Wirkung von chlorsaurem Silberoxyd 7 ), 
citronensaurem Silberoxyd 8 ); essigsaures Silberoxyd verhält sich ähnlich 9 ). 



1) Yearbook of Phot. 1878. S. 93. 

2) Phot. News. 1879. S. 195; 1880. S. 202. 

3) Phot. Archiv. 1880. S. 195. 

4) Phot. Mitth. 1881. Bd. 18, S. 70. 

5) Phot. Corresp. 1883. S. 165. 

6) Phot. Corresp. 1883. S. 165. 

7) Phot. Corresp. 1881. S. 137. 

8) Man badet gewöhnliche Gelatineplatten durch 3 bis 5 Minuten in einer gut 
filtrirten Mischung von 100 ccm Alkohol und 7« bis l l / 9 ccm citronensaurer Silberlösung. 
Die citronensaure Silberlösung wird durch Lösen von 10 g Citronensäure und 10 g 
Silbernitrat in 100 ccm Wasser hergestellt. Die Platten werden auf Fliesspapier an 
einen völlig staubfreien Ort gestellt und getrocknet, was nach einigen Minuten be- 
endigt ist. Solche Platten sind sechs Tage haltbar; ohne Zweifel bleiben sie noch 
länger unverändert. 

9) Nach Ducos du Hauron, welcher die Platten in einer Lösung von 1 Liter 
Wasser, 5 ccm flüssigem essigsauren Ammoniak und 10 ccm Silbernitrat badet, dann 

4* 



52 Dritter Theil. Fünftes Capitel. 

Räuchern der gesilberten Platten mit concentrirtem Ammoniak unmittelbar vor 
der Exposition ist günstig. Die Platten werden dann etwas empfindlicher und ent- 
wickeln sich mit Kraft. 

Eosinsilber, sowie Erythrosinsilber und ähnliche Verbindungen be- 
wirken eine bedeutende Steigerung der Gelbempfindlichkeit der Bromsilber- Emulsion, 
ohne ihre Gesammtempfindlichkeit für weisses Licht herabzudrücken (s. orthochro- 
matische Platten). Neben Erythrosinsilber fügt man wohl auch noch kleine Mengen 
freien Silbernitrats zu der bestens (schliesslich mit destillirtem Wasser) gewaschenen 
und geschmolzenen Gelatine -Emulsion; das Silbernitrat hat in diesem Falle insbesondere 
die Aufgabe, Spuren von zurückgehaltenem Bromkalium in der Emulsion umzusetzen, 
weil letzteres sonst das Erythrosinsilber zerlegen würde (s. unten). 

Alkoholische Silbemitratlösungen werden auch (nebst Farbensibilisatoren) zur 
Steigerung der Empfindlichkeit von kornloser, unreifer Emulsion beim Lippmann- 
schen Photochromieprocess verwendet (s. S. 26). 



wäscht und trocknet; durch das Wasser sollen die Platten ihre Empfindlichkeit nicht 
einbüssen, aber haltbarer werden. (Phot. Archiv. 1881. S. 175.) 



SECHSTES CAPITEL. 
ÜBEE DAS KEIFEN DEE BEOMSILBEE- GELATINE. 



Sofort nach dem Mischen sind Bromsilber-Gelatine-Emulsionen in 
den meisten Fällen wenig empfindlich. Diese wenig empfindlichen, 
jedoch sehr feinkörnigen Emulsionen finden eine beschränkt specielle 
Verwendung, über welche wir bereits auf S. 25 dieses Werkes berichtet 
haben. Durch eine gewisse Behandlungsweise (längeres Stehen bei ge- 
wöhnlicher Temperatur, rascher beim Erwärmen in neutraler oder 
schwach saurer Lösung oder noch rascher bei Gegenwart von Ammoniak 
und gewissen anderen Präparaten) wird die Bromsilber- Gelatine empfind- 
licher. Dieses Wachsen der Empfindlichkeit nennt man das „ Reifen". 
Die Steigerung der Empfindlichkeit während des Reifens kann das 
Zwei- oder Dreifache, ja sogar das Fünfzig- bis Hundertfache betragen. 

In der Praxis der gewöhnlichen Photographie werden ausschliess- 
lich hochempfindliche, „gereifte 44 Bromsilber -Emulsionen verwendet und 
zu diesem Zwecke in grossem Maassstabe fabriksmässig hergestellt. 

Man kann annehmen, dass das „Reifen 44 der Bromsilber -Emulsion 
an die Umwandlung der pulverigen Bromsilbermodification von Stas 
in die körnige Modification gebunden ist. Nach dieser Ansicht würde 
die steigende Empfindlichkeit und das Wachsen des Kornes bei Brom- 
silber-Emulsion beim andauernden Reifen dem Entstehen von labileren 
grösseren Moleculcomplexen zuzuschreiben sein. 

Prof. Ostwald ist nicht dieser Ansicht, weil alle chemischen Verbindungen 
eine Neigung zeigen, in stabilere überzugehen. Ostwald glaubt, dass das Brom- 
silber langsam mit der Gelatine (beim Digeriren) eine Verbindung eingeht (Eder's 
Jahrbuch f. Phot. 1897. S. 402). Wenn auch die Bindung von Gelatine in der Emulsion 
eine Thatsache ist (welche, nebenbei bemerkt, zuerst von Eder experimentell gezeigt 
wurde), und wenn auch die gebundene Gelatine ohne Zweifel (nach Eder) die Rolle 
eines chemischen Sensibilisators spielt, so stimmt die Ostwald'sche Ansicht dennoch 
nicht genügend mit der von Stas bewiesenen Thatsache, dass Bromsilber auch beim 
Kochen mit reinem Wasser in eine lichtempfindlichere Form übergeht, weshalb die 
obenerwähnte Ansicht richtiger sein dürfte. 



54 Dritter Theil. Sechstes Capitel. 

L Reifen in der Kälte. 

Das Reifen (Empfindlicherwerden) von Bromsilber-Gelatine in der 
Kälte erfolgt sowohl in der gallertartig erstarrten Emulsion, als auch 
bei der flüssigen; der letztere Fall tritt ein, wenn der Gelatinegehalt 
so gering ist, dass die Flüssigkeit das Erstarrungsvermögen verloren 
hat. Auch Bromsilber, in Gummi arabicum emulsificirt, teift in der 
Kälte etwas nach. 

In trockenem Zustande steigert sich die Lichtempfindlichkeit von 
Bromsilber -Gelatineplatten noch längere Zeit bis zu einer gewissen Grenze 
schon beim Lagern bei gewöhnlicher Temperatur. 

A. Reifen von flüssiger Bromsilber -Gelatine in der Kälte. 

Ganz verdünnte Gelatinelösungen (z. B. solche von 7» Proc. Gelatinegehalt) er- 
starren in der Kälte nicht; mischt man diese mit Bromkalium und hierauf mit Silber- 
lösung, so bildet sich eine Emulsion, welche oft auch grossflockiges Bromsilber ent- 
hält. War auch Alkohol zugegen, so erfolgt ein feinerer Niederschlag. In neutraler 
oder saurer Lösung reift solche Emulsion bei 10 bis 20 Grad C. sehr schwer; rasch da- 
gegen bei Gegenwart von etwas Ammoniak oder kohlensaurem Ammoniak. 

Darauf gründeten Cowan, Henderson u. A. Methoden, um hochempfindliche 
Emulsion herzustellen. Gewöhnlich ist hierbei das Ammoniak schon während des 
Mischens vorhanden (s. weiter unten den Henderson 'sehen Process); jedoch kann 
man auch in neutraler Lösung mischen und dann erst das Ammoniak zusetzen 1 ). 

B. Reifen der gallertartig erstarrten Bromsilber -Gelatine 

in der Kälte. 

Eine zur Gallerte erstarrte Bromsiiber- Gelatine gewinnt beim Stehen bei ge- 
wöhnlicher Temperatur allmählich an Empfindlichkeit. Diese Beobachtung machte schon 
Monckhoven*). Abney wies zuerst mit Nachdruck darauf hin, dass eine gekochte, 
an und für sich schon hochempfindliche Bromsilber- Gelatine schon nach eintägigem 
Stehen in der Kälte eine Empfindlichkeitszunahme zeigte, welche mit dem zweiten 
und dritten Tag sich vergrösserte 8 ). In neutraler oder saurer Emulsion ist jedoch 
-das Reifen in der Kälte gering*) und kommt höchstens auf das Zweifache. Bei 
Gegenwart von Ammoniak, kohlensaurem Ammoniak oder Soda reift die Gallerte 



1) Burton mischte die Emulsion, welche sehr wenig Leim (1 : 800 Flüssigkeit) 
enthielt, bei 77 Grad C, kühlte möglichst schnell ab und versetzte mit 1 Proc. Am- 
moniak; schon nach 4 Tagen erhielt er die Empfindlichkeit einer gekochten Emulsion 
(Brit. Journ. of Phot. 1882. S. 18; Phot. Wochenbl. 1882. S. 31). 

2) Phot. Archiv. 1880. S. 197; aus Traite general de Phot. 

3) Phot. News. 1880. S.567; Phot. Mitth. Bd. 17, T.231. 

4) Lässt man gewaschene Emulsion durch 3 bis 8 Tage an einem kühlen Ort 
stehen und sorgt durch Besprengungen mit carbolsäurehaltigem "Weingeist, dass sie 
nicht fault, so wächst die Empfindlichkeit nur wenig; dagegen ist die Zunahme der 
Intensität (Dichte der Negative) sehr merklich. 



Ueber das Reifen der Bromsilber -Gelatine. 55 

bedeutender, was Eder schon 1880 publicirte 1 ) und Barton*) (1882) u. A. neuer- 
dings bestätigten. 

Emulsionen , welche aus Silberoxydammoniak hergestellt sind und in der Wärme 
bis zur Erzielung einer guten Empfindlichkeit digerirt sind, enthalten reichlich Am- 
moniak und reifen ungewaschen beim Stehen in Gallertform in flachen Schalen nach 
1 bis 2 Tagen (oder bei niedriger Temperatur nach längerer Zeit) sehr stark, wie 
Cowan 8 ) angab. Obige Angaben gelten für frisch gemischte, ungewaschene Emul- 
sionen. — Auch die gewaschenen Emulsionen reifen in gallertigem Zustande (selbst 
im Wasser) in einigen Tagen merklich; oft steigt die Empfindlichkeit um das Doppelte. 

C. Steigerung der Empfindlichkeit von fertigen Bromsilber -Gelatineplatten 

beim Aufbewahren in trockenem Zustande. 

Frisch bereitete Bromsilber -Trocken platten gewinnen beim Lagern während bei- 
läufig 6 Monaten merklich an Empfindlichkeit. Max Wolf constatirte bei Trocken- 
platten des Handels eine Empfindlichkeitszunahme in einzelnen Fällen sogar um das 
Drei- bis Vierfache. Die Empfindlichkeitszunahme steigert sich aber keineswegs un- 
begrenzt, sondern erreicht bald ein Maximum (z. B. nach 5 bis 7 Monaten), auf dem 
sie sich längere Zoit hält (Eder's Jahrbuch f. Phot. 1892. S. 258). 

Die Steigerung der Empfindlichkeit von Trockenplatten durch 
zweijähriges Lagern constatirte Schwarz, und zwar von 19 Grad auf 26 Grad 
"Warnerke, d. i. eine Steigerung der Empfindlichkeit um das Vier- bis Fünffache. 
Orthochromatische Platten waren zwei- bis viermal empfindlicher geworden, hatten 
aber Randschleier erhalten (Eder's Jahrbuch f. Phot. 1899. S. 509). 

II. Einfluss des Erstarren s der Bromsilber -Gelatine auf 
das Reifen. (Zweimaliges Schmelzen.) 

Ein zweimaliges Erstarren und Schmelzen der Emulsion übt einen 
günstigen Einfluss auf die Empfindlichkeit Henderson 4 ) constatirte, 
dass, wenn man eine gewaschene Emulsion in zwei Tbeile theilt und 
den ersten geschmolzen erhält, den zweiten aber abwechselnd eben 
schmelzen und gerade wieder erstarren lässt, diese letztere Hälfte weit 
empfindlicher ist (vergl. auch S. 58). Man benutzt in der Fabrikation 
von Emulsion diese Erscheinung, um eine wenig empfindliche schleier- 
lose Emulsion nach beendigter Emulsionirung und erfolgtem Waschen 
empfindlicher zu machen. Manche Fabrikanten verwenden stets nur 
eine Emulsion, welche nach dem Waschen geschmolzen und erstarren 
gelassen wird, worauf man sie am nächsten Tage verwendet, oder in 
einem Eisschranke durch 1 bis 2 Wochen aufbewahrt. — Eine Spur 
Soda (oder Ammoniak) in der Emulsion befördert hierbei das Beifen 
sehr (s. S. 60). 



1) Erste Auflage dieses Werkes S. 15. 

2) Phot. News. 1882. S. 281. 

3) Phot. News. 1882. S. 753. 

4) Phot. Wochenbl. 1883. S. 304. 



Dritter Tboil. Reellstes Capitel. 



III. Das Keifen der Emulsion durch Digerireit in der ffilrmc. 

A. Ungewaschene Emulsionen. 

Wird eine Gelatine -Emulsion von normaler Concentration 1 ), welche 
emulBiflcirtes Bromsilber nebst überschüssigem löslichen Bromid und 
den durch Doppelzersetzung von Silberoitrat und Bromsalz entstandenen 
Nitraten enthält, längere Zeit erwärmt, so bildet sich fein zertheiltes 
körniges Bromsilber, welches aber immer noch sehr feine Emulsionen 
gibt. Dünne Schichten erscheinen im auffällenden Lichte gelhlichgrün 
(Stich ins Olivengrüne), im durchfallenden blau- bis rot) i violett Dieses 
Bromsilber ist ausserordentlich lichtempfindlich und wird deshalb auch 
als „hochempfindliches" oder „gereiftes" Bromsilber bezeichnet (über 
den Zusammenhang zwischen Farbe der Emulsion und deren Empfind- 
lichkeit siehe auch weiter unten). 

Durch weiteres Erwärmen und andere Umstände, welche das Zu- 
sammenballen der Partikelchen begünstigen, kann das fein zerth eilte 
körnige Bromsilber grobkörnig werden. Es ist dann wohl noch immer 
hochempfindlich, aber das grobe Korn macht die Schichten photographisch 
schlecht verwendbar. Es wäre aber ein Irrthum, zu glauben, das grob- 
körnige Bromsilber müsse immer empfindlicher sein als das fein zer- 
theilte körnige. 

Mischt man Sübernitrat, Überschusses Brouikalium , Gelatine und Wasser und 
lässt os bei 30 bis 40 Grad C. im Wasserbade mehrere Tage lang stehen, so steigt die 
Empfindlichkeit um das Doppelte bis Zehnfache, worauf Bennett') zuerst im Jahre 
1878 eine Methode zur Herstellung ein |il in diu.- her Emulsion gründete, welche wegen 
ihrer Langwierigkeit und weil die Gelatine stark angegriffen wird, aber bald wieder 
aufgegeben wurde. — Bei diesen und ähnlichen li'eifiiiigsprucessen wächst das Korn 
des Bromsilbers (nauh 5 Togen) von 0,0008 mm auf 0,003 mm (Eder B ). 

Dum Angaben gelten insbesondere für Bromsilber mit überschüssigem lös- 
lichen Bromid. Das mit übeisi-hüssigem ^ilbciiiitrat prüparirte, sorgfältig gewaschene 
und dann in Gelatine emulsiomrtc Bromsilber erfahrt btim Digerircu bald eine Zer- 
setzung. Das mit überschüssigem ßromkalium digerirte Bromsilber nimmt laugsam, 
aber allmählich an Liohtempfindlichkeit zu und überholt in dieser Richtung bald das 

1} Unter Emulsionen von „normaler Concentration 1 - versteht Verfasser solche, 
bei welchen gleich von Anfang an alle Gelatine und Salze und das ganze Wasser 
beigemischt ist; also et^a 30 g Silbernitrat, 24 g Bromkalmm, 30 bis SO g Gelatine 
und ungefähr G00 g Wasser. (Unterschied von jenen Emulsionen , bei welchen nur 
mit einem Bruchthoil der Gesammtgelatine emulsificirt und der Rest erst nach be- 
endigter Digestion zugesetzt wird.) 

2) Phot. News. 1878. Auch Phot. Corresp. 1878. Bd. 15, S. 212 und 1879; 
Bd. 16, S. 87. 

3) Siehe Eder, „Mikroskopische Messungen bei Bromsilber-Gelatine-Emu!- 
sionen". Phot. Corresp. 1880. Bd. 17, S. 30. 



Ueber das Reifen der Bromsilber- Gelatine. 57 

Wird die Digestion der Bromsilber- Gelatine sehr lange (8 bis 14 Tage und 
darüber) fortgesetzt, so erleidet das fein zertheilte körnige Bromsilber meistens eine 
weitere beträchtliche Vergrösserung des Kornes. Es bilden sich Klumpen von etwa 
0,02 bis 0,04 mm. Diese sind schon dem freien Auge sichtbar und bestehen meistens 
aus zersetztem Bromsilber, welches sich auch bei Lichtausschluss mit dem Entwickler 
schwärzt. Man sagt in diesem Falle, die Emulsionsplatten zeigen „Schleier 41 . Ver- 
minderung der Gelatine, Abwesenheit von überschüssigem Bromkalium, sowie Er- 
höhung der Temperatur über 60 Grad C. begünstigt die Bildung dieser Klumpen; 
Anwesenheit von Bromkalium etc. verhindert sio lange Zeit. Es ist charakteristisch, 
dass die grösseren Bromsüberpartikelchen von fein zertheiltem körnigen Bromsilber 
sich leichter im Entwickler schwärzen, als die Theilchen des feinzertheilten pulverigen 1 ). 
Namentlich die erwähnten ganz groben Klumpen von Bromsilber werden von dem 
normalen Entwickler ohne jede vorausgegangene Lichtwirkung geschwärzt 2 ). 
Es wird beim Bromsilber die chemische Reducirbarkeit mit der Zunahme der 
Dichtigkeit des Bromsilbers, ebenso wie die Zersetzbarkeit im Lichte, vermehrt und 
erleichtert. Das entwickelte und fixirte Negativ zeigt im metallischen Silber ein 
mehr oder weniger feines Korn, welches ganz dem Korn des Bromsilbers entspricht. 

Bei 60 Grad C. ist die Emulsion nach einer Viertelstunde nur theilweise, nach 
1 bis 3 Stunden ziemlich vollständig in die empfindlichere Form umgewandelt. Sie 
lässt in der Durchsicht nur wenig rothes Licht durchfallen und ist nach 4 Stunden 
besser gereift, wie man es bei 40 Grad nach 4 Tagen nicht erreicht hätte. In 
siedendem Wasser (bei 100 Grad C.) geht die moleculare Umwandlung des Brom- 
silbers am raschesten vor sich. Schon nach 10 Minuten langem Sieden ist sie häufig 
vollendet und nach */, bis \ l j 2 Stunde fast immer vollkommen, wo man ungefähr 
dieselbe Empfindlichkeit erhält, wie nach dem sechstägigen Digeriren bei 35 bis 
40 Grad C. 8 ). 

Im Allgemeinen fand Eder, dass ein halbstündiges Erhitzen auf 100 Grad C. 
einer Bromsilber -Gelatine ungefähr gleichen Effect gibt, wie ein- bis zweistündiges 
Erwärmen auf 70 bis 80 Grad C. 

Nach Graeter gibt 1 / 4 stündiges Kochen in Papin's Topf bei 140 Grad C. 
(4 Atmosphären Druck) dasselbe Resultat, wie einstündiges bei 100 Grad C. 



1) Ueberzieht man mit solcher Emulsion Platten , so senkt sich das grobkörnige 
Bromsilber nieder, zur Glasseite zu; beim Entwickeln bleibt dann die Oberseite der 
Schicht klar, die Unterseite aber verschleiert rasch (vergl. S. 64). 

2) Diese Beobachtung machte Verfasser bei seinen mikroskopischen Messungen 
und Vergleichungen verschiedener Platten vor und nach dem Entwickeln (s. Phot. 
Corresp. 1880. Bd. 17, S. 30). 

3) Die Priorität der Entdeckung, dass die Bromsilber -Gelatine -Emulsion bei 
hoher Temperatur schneller als bei 30 bis 40 Grad C. in die hochempfindliche Modi- 
fication übergeht, gebührt zwei Engländern. Worthloy fand bekanntlich, dass 
Digeriren bei 60 Grad C. die Gelatine - Emulsion in wenigen Stunden ebenso empfindlich 
mache, als bei niedrigerer Temperatur durch viele Tage (Brit. Journ. of Phot. 1876. 
Bd. 23, S. 307; auch Phot. Mitth. 1876. Bd. 13, S. 173). Weniger bekannt ist es, 
dass Mansfield in der irländischen photographischen Gesellschaft am 13. August 1879 
(Brit Journ. of Phot. 1879. Bd. 26, S. 403) schon vorschlug, die Emulsion durch 
10 Minuten kochend zu erhalten, anstatt sie lange Zeit in lauwarmem Wasser zu 
digeriren. 



58 Dritter Theil. Sechstes Capitel. 

Bei länger als halb- bis einstündigem Sieden tritt häufig (aber nicht immer! !) 
Verschleierung der Bromsilber -Gelatine ein; es hängt dies von der Qualität der 
Gelatine ab. 

B. Reifen der gewaschenen Emulsionen in der Wärme. 

Wird eine gewaschene Bromsilber- Gelatine -Emulsion längere Zeit 
bei gelinder Wärme flüssig erhalten, so steigt die Empfindlichkeit der- 
selben merklich. Gut gewaschene Emulsionen, welche vollkommen 
neutral reagiren und vollkommen schleierlos sind, kann man 6 bis 
8 Stunden bei 38 bis 40 Grad C. erwärmen und dadurch die ursprüngliche 
Empfindlichkeit ungefähr um die Hälfte steigern; unmittelbar vor dem 
Giessen muss aber dann der Emulsion Chromalaun zugesetzt werden 
(s. diesen), um zu verhindern, dass die Gelatine sich vom Glase ablöst 

Emulsionen, welche Neigung zur Schleierbildung zeigen, werden 
bei dieser Procedur stark schleierig, ohne wesentlichen Empfindlichkeits- 
gewinn. 

Bei Gegenwart einer Spur Säure findet das nachträgliche Reifen der gewaschenen 
Emulsion nur in sehr geringem Grade statt. Bei geringer alkalischer Reaction der 
Emulsion aber ist die Empfindlichkeitssteigerung eine sehr bemerk enswerthe; besonders 
sind hier Ammoniak, kohlensaures Ammoniak oder Soda zu nennen (s. S. 60). Damit 
diese Alkalion bei der Digestion der gewaschenen Emulsion keine Schleier erzeugen, 
ist es vortheilhaft, eine Spur Bromammonium hierbei zuzusetzen (s. unten). 



IV. Einfluss der Coneentration der Flüssigkeiten auf die 

Empfindlichkeit der Emulsion. 

A. Reifen der Emulsion in gelatinereichen Lösungen. 
Es ist für das Resultat durchaus nicht gleichgültig, ob beim Mischen 
von Bromkalium und Gelatine mit der SilbernitraÜösung die Lösungen 
mit viel oder wenig Wasser verdünnt waren. Darauf hat Monckhoven 
schon vor längerer Zeit aufmerksam gemacht 1 ). Die mit wenig Wasser 
verdünnten Emulsionen reifen rascher. 

Eine concentrirte Emulsion gewinnt beim Sieden in 10 Minuten 
eine grössere Empfindlichkeit, als eine zwei- bis dreimal verdünntere in 
30 Minuten. Zu sehr concentrirte Emulsionen schieiern (unter sonst 
gleichen Umständen) oft schon nach 20 Minuten langem Kochen und 
sollen deshalb stark mit Salzsäure oder Salpetersäure eingesäuert sein, 
während die verdünnten 8 /* bis 2 Stunden aushalten. 

Wenn die concentrirten Emulsionen beim Sieden kein grobkörniges, 
sand- oder klumpenartiges Bromsilber ausscheiden sollen, so müssen sie 



1) Phot. Archiv. 1880. S. 192; aus Traite general du Photographie. 



lieber das Reifen der Bromsilber- Gelatine. 59 

ziemlich viel Gelatine (etwa 10 Froc.) enthalten. In gelatinearmen 
Lösungen ist eine bedeutende Concentration nicht von Vortheil begleitet, 
weil zuviel Bromsilber zu Boden fällt. 

B. Reifen der Emulsion in gelatinearmen Lösungen. 

Emulsificirt man Bromsilber mit dem normalen Quantum Wasser 
und reichlichem Gelatinegehalt (z. B. gleichviel Bromsilber und Gelatine), 
so erfolgt das Reifen in der Wärme ziemlich langsam. Vermindert man 
unter sonst gleich bleibenden Mischungsverhältnissen den Gehalt 
der Gelatine bedeutend (z. B. Yio vom Gewichte des Silbernitrates), so 
erfolgt das Reifen sowohl beim Sieden, als auch beim Digeriren mit 
Ammoniak rascher, und die Empfindlichkeit kann meistens höher ge- 
steigert werden. Es scheint in den gelatinearmen, sehr dünnflüssigen 
Lösungen das Bromsilber sich leichter in die empfindliche Modification 
umzusetzen. 

Man pflegt sehr häufig bei der Darstellung der Emulsion nicht 
den vollen Gelatinegehalt zu verwenden, sondern nur Y3 bis % 
derselben oder einen noch kleineren Bruch theil (z. B. bei -der Henderson- 
Emulsion) und fügt den Rest erst nach beendigter Digestion zu. Dadurch 
wird auch die Gallerte widerstandsfähiger. 

Am weitesten in dieser Richtung ging wohl Burton, welcher dem 
Wasser beim Emulsificiren nur Y 800 Gelatine zusetzte und die sehr stark 
wasserhaltige Emulsion nach dem Kochen absetzen liess; das sedimentirte 
Bromsilber wurde dann in genügend viel Gelatine neuerdings emulsificirt 
(s. Cap. Emulsionsbereitung). Die Methode fand Eder jedoch nicht prak- 
tisch, weil den damit hergestellten Bildern die Kraft und Brillanz mangelt. 

Ist das Wasserquantum der ganzen Mischung sehr klein und ausser- 
dem noch die Menge der Gelatine vermindert, so bildet sich wohl durch 
das Zusammenwirken der beiden .günstigen Umstände sehr empfindliches 
Bromsilber; allein die concentrirte Silbersalz- und Bromsalzlösung liefert 
bei Mangel von genügender Gelatine grobe und körnige (selbst flockige) 
Emulsionen von schlechten photographischen Eigenschaften. 

Ammoniakalische Emulsionen geben bei Gegenwart von wenig 
Gelatine rasch sehr empfindliche Emulsionen, jedoch entsteht leicht sog. 
Grünschleier beim Entwickeln des Bildes mit Pyro und Ammoniak 1 ). 
Die Schicht wird auch stark transparent, und die Gradation in den hohen 
Lichtern ist schlecht und die Platten fixiren langsam. Besser verläuft 
der Process in sehr gelatinearmen Lösungen, wenn gleichzeitig Alkohol 
zugegen ist (s. S. 54, ferner bei „Zusätzen zur Emulsion".) 



1) Mit dem Pottasche- oder Soda -Entwickler, ferner mit dem Eisenoxalat- 
Entwickler oder Hydrochinon kommt diese Art von Grünschleier nicht zum Vorschein. 



Dritter Tbeil. Sechstes Capitcl. 



1.85, 



Y. Einfluss der Wurme auf trockene ISromsilber-Gclatine. 

Vergl. hierüber S. 80 und 82; ferner Cap. VII. 

VI. Einfluss von Ammoniak und anderen Alkalien auf das Reifen 
der Bronisilbcr-Gelatine. 

Man niuss wohl unterscheiden zwischen dem Eiutluss des Ammoniaks 
und der Alkalien a) auf die Bromsilber- Gelatine während ihrer Darstellung 
und b) auf fertige Emulsionen oder Platten. 

A. Wirkung des Ammoniaks etc. auf nüssige ungewaschene Bromsir 
Gelatine während ihrer Darstellung, 

Schon Johnston schlug im Photographic Almanac für 1877. 
den Zusatz von etwas Ammoniak zur Emulsion vor, und Monckhoven 
inachte zuerst 1879 mit Nachdruck darauf aufmerksam 1 ), dass eine mit 
etwas Ammoniak erwärmte Emulsion in einigen Stunden dieselbe Em- 
pfindlichkeit erlangt, als wenn man sie in neutralem Zustande durch 
mehrere Tage erwärmt. Da das Ammoniak nur unter gewissen Be- 
dingungen gute, sonst aber schlechte Resultate (Schleier) gibt, so gab 
Monckhoven später das Ammoniak auf. Die Bedingungen, unter 
welchen das Ammoniak günstig wirkt, hat Eder zuerst 1880 genau 
festgestellt und damals veröffentlicht 2 ). Erst von da ab wurde mit 
Ammoniak vielfach mit Erfolg gearbeitet. * 

Ammoniak, kohlensaures Ammoniak oder kohlensaures Natron 
beschleunigen schon in der Kälte das Reifen der Bromsilber- Gelatine, 
was Eder schon 1880 veröffentlichte 3 ) und Burton und Andere be- 
stätigten (s. S. 54). Diese Substanzen vermehren auch die Intensität 
der Negative und machen die Emulsion sahniger. Gekochte Emulsion 
wird durch nachträglichen Zusatz dieser Substanzen wesentlich intensiver, 
und auch noch empfindlicher. 

Man kann zur flüssigen ungewaschenen Emulsion 1 bis 2 Proc. 
Ammoniak (d = 0,91) hinzufügen. Bei dem erwähnten normalen Am- 
moniakzusatz ist die Kornvergrüsserung eine massige, wie sie überhaupt 
beim Modificiren dos Bromsilbers eintritt, nnd für die Zartheit des Bildes 
in keinerlei Weise nachtheilig. Bei mehr Ammoniak aber bildet sich 
häufig ein störend grobes Korn, welches in der Copie für das freie Auge 
sichtbar wird. 5 Proc. Ammoniak greifen die Gelatine heim Erwärmen 
schon stark an, rauben ihr bei längerer Digestion das Erstarrungs- 

1) Phot Corresp. 1879. Ö. 107; aus Bull, de l'Assoc. Beige de Phot. 

2) Sitzungsbericht der Wiener Akademie der Wissj-iiscliafteii. 1880. Bd. : 
April-Heft Phot. Corresp. 1880. S. 143. 

3] Ente Auflage dieses "Werkes S. 15. 



TJeber das Keifen der Bromsilber -Gelatine. 61 

vermögen und verursachen häufig Sohleier. Bei einer längeren (12- bis 
24 stündigen) Digestion mit Ammoniak zersetzt sich jedoch das Brom- 
silber partiell und gibt Schleier. 

Bei höherer Temperatur als 50 Grad C. gibt eine ungewaschene 
Emulsion, welche 1 bis 2 Proc. Ammoniak (d = 0,91) enthält, häufig 
Schleier. Manche Gelatine verträgt wohl eine halbstündige Digestion 
mit Ammoniak bei 70 Grad C. , und Jodbrom -Emulsion ist viel widerstands- 
fähiger als reine Brom-Emulsion. Viele Gelatinesorten aber geben schon 
nach halbstündiger Erwärmung mit Ammoniak Schleier, weshalb Eder 
empfiehlt, für gewöhnlich die Temperaturgrenze von 40 bis 50 Grad C. 
nicht zu übersteigen und nicht länger als eine Stunde zu digeriren. 
Bapid- Emulsionen werden bei 50 bis 60 Grad C. hergestellt. 

Kocht man eine Emulsion und setzt nach dem Erkalten auf 30 bis 
40 Grad C. nur eine Spur Ammoniak zu, welche die Flüssigkeit alkalisch 
macht (z. B. 1 Tropfen 100 ccm Emulsion), so reift die Emulsion beim 
Stehen in der Kälte vor dem Waschen schon nach einem Tage ziem- 
lich stark (s. S. 54). 

Eine Methode der Emulsionsdarstellung beruht darauf, dass man 
eine schwach saure Emulsion kocht (z. B. */, Stunde), dann auf 40 Grad C. 
abkühlt, mit 1 bis 3 Proc. Ammoniak versetzt und bei dieser Temperatur 
noch y 2 Stunde stehen lässt 

In der mit Ammoniak hergestellten, dann vollkommen gewaschenen 
Emulsion ist kein Ammoniak mehr enthalten, was durch Bammels- 
berg's Beobachtung, dass das Ammoniak vom Bromsilber durch "Waschen 
vollständig zu entfernen ist, bestätigt wird 1 ) (vergl. auch S. 13). 

Die Anwendung des Aetzammoniaks als eines die Intensität steigern- 
den Mittels bringt mitunter folgende Uebelstände mit sich: 1. Die In- 
tensität ist häufig zu gross, d. h. die Negative für Portraits zu hart; 
2. die Emulsion gibt mit schlechter Gelatine Schleier und löst sich beim 
Fixiren von der Platte. Dennoch sind die Vorzüge, besonders mit 
Hinblick auf die Empfindlichkeit, so gross, dass die meisten Fabrikanten 
bei der Herstellung der Emulsion sich des Ammoniaks bedienen. 

Weniger energisch als Ammoniak wirkt das kohlensaure Ammoniak, 
auf dessen günstige Wirkung, welche dem Ammoniak ähnlich ist, 
Eder schon im April 1880 aufmerksam gemacht hatte 2 ). Später gab 
Forrest eine Methode an 3 ), welche darin bestand, dass er eine mit 



1) Rarameisberg, Gmelin's Handb. d. Chemie. 6. Aufl. 3. Bd., S. 961. 

2) Sitzungsberichte der Wiener Akademie der Wissenschaften. 1880. Bd. 81. 
Phot. Corresp. 1880. S. 143. 

3) Phot. Archiv. 1881. S. 38. 



62 Dritter Theil. Sechstes Capitel. 

kohlensaurem Ammoniak versetzte Bromsilber- Gelatine 10 bis 20 Minuten 
kochte. Eder erhielt günstige Resultate, wenn er eine in neutraler 
oder schwach saurer Lösung gekochte Bromsilber- Gelatine bei etwa 
40 bis 50 Grad C. mit 2 bis 5 Proc. einer Lösung von kohlensaurem 
Ammoniak (1 : 10) durch 1 / 2 bis 2 Stunden nachdigerirte, oder auch 
durch 48 Stunden kalt stehen Hess. Dadurch wird die Kraft der Nega- 
tive gesteigert, ohne Härten zu geben, und eine Verschleierung ist 
kaum denkbar. Zugleich wird die Emulsion . sahniger und undurch- 
sichtiger. Die Emulsionen werden aber nicht so empfindlich, als mit 
Ammoniak. 

B. Wirkung von Ammoniak und kohlensaurem Ammoniak auf 

Bromsilber im Entstehungszustande. 

Es ist für das Endresultat durchaus nicht gleichgültig, ob man das 
Bromsilber in neutraler oder saurer Lösung emulsificirt und dann erst 
zum fertigen Bromsilber Ammoniak hinzufügt oder ob das Ammoniak 
schon während des Mischens anwesend ist. Im letzteren Falle — wenn 
es während des Entstehens des Bromsilbers zugegen ist — ist die 
Wirkung bedeutender, d. h. es bewirkt eine raschere und höhere 
Steigerung der Empfindlichkeit als im ersteren Falle. 

Sehr rasch erfolgt das Keifen der Emulsion, wenn man das Silber- 
nitrat mit Ammoniak versetzt und die ammoniakalische Silberlösung 
(s. S. 10) in die Bromsilber- Gelatinelösung giesst. Die ersten Versuche 
in dieser Richtung sah Eder bei Hauptmann Pizzighelli 1880. Die 
durch Eder ermittelten und im selben Jahre publicirten günstigen Be- 
dingungen und Verhältnisse führten ihn zu seiner „Methode I mit 
Silberoxydammoniak" der ersten Auflage dieses Werkes (1881). 

Aehnlich wirkt eine Auflösung von citronensaurem Silberoxyd in 
überschüssigem Ammoniak (s. S. 12); diese Methode Eder's ist weiter 
unten ausführlich beschrieben. 

Ebenso rasch erfolgt das Reifen, wenn man Ammoniak zur Brom- 
kalium-Gelatinelösung fügt und die Silbernitratlösung wie gewöhnlich 
zusetzt. Auch hier wirkt das Ammoniak im Momente des Entstehens 
auf das Bromsilber ein. 

C. Ammoniak in der flüssigen gewaschenen Emulsion vor der 

Präparation der Platten. 

Alkalien wirken auf gewaschene Bromsilber- Gelatine sehr energisch, 
weil das verzögernde Bromammonium und salpetersaure Ammoniak etc. 
entfernt sind. Trotzdem kann man einen ganz geringen Ammoniak- 
zusatz machen, um nachträglich noch die Empfindlichkeit zu steigern, 
z. B. 1 Tropfen concentrirtes Ammoniak (d = 0,91) vermischt mit etwas 



lieber das Reifen der Bromsilber- Gelatine. 63 

Wasser auf 1 bis 2 Liter Emulsion; es ist wohl gerathen, in diesem 
Falle auch eine Spur Bromammonium zuzusetzen (s. unten). Hender- 
son 1 ) beschrieb sogar Fälle, wo man noch weit mehr Ammoniak, als 
hier angegeben ist, zusetzen kann. 

"Wurde eine gute, schleierlose Emulsion von 14 Grad Warnerke mit Ammoniak 
versetzt (1 Tropfen pro 30 g Emulsion) und bei gewöhnlicher Zimmertemperatur stehen 
gelassen, so stieg die Empfindlichkeit auf 21 Grad Warnerke nach 4 Tagen, das ist um 
das Fünffache; es zeigte sich aber schon der Beginn von Grünschleier, und einige 
Tage später war starker Rothschleier entstanden und die Empfindlichkeit wieder auf 
17 Grad 'Warnerke gesunken*). 

Gelatine -Emulsionen, welche mit Ammoniak dargestellt sind, halten oft in Folge 
mangelhaften "Waschens Ammoniak zurück; schmilzt man sie dann zum zweiten Male, 
so steigt dann die Empfindlichkeit bedeutend, z. B. in einem von Cowan beobachteten 
Falle auf das Achtfache 3 ). "Weil dann meistens auch Bromsalze zugegen sind, so wird 
dadurch der Verschleierung vorgebeugt (vergl. auch S. 50). 

Kohlensaures Ammoniak (einige Tropfen einer zehnprocentigen 
Lösung pro 1 Liter Emulsion) wirkt weniger heftig als Ammoniak und 
bringt auch weniger Gefahr der Verschleierung mit sich. 

Ueber Soda s. bei den „Zusätzen zur Emulsion". 

D. Wirkung von gasförmigem und flüssigem Ammoniak auf 

Bromßilber - Gelatineplatten. 

Auch auf fertige Bromsilber- Gelatineplatten hat Ammoniak eine 
Wirkung, welche nicht unähnlich jener ist, welche es während der 
Herstellung der Emulsion äussert. 

Badet man eine unempfindliche Gelatineplatte in einer schwachen 
Ammoniaklösung (z. B. 1 bis 10 ccm Ammoniak pro 100 ccm Wasser) 
und trocknet sie dann, so wird die Platte empfindlicher und entwickelt 
sich viel schneller und kräftiger, als vor dieser Behandlung. Jedoch 
muss man vorsichtig sein, da bei der Anwendung von zu starkem 
Ammoniak sich Schleier einstellen 4 ). 

Wenn man trockene Bromsilber -Gelatineplatten durch einige Minuten 
den Dämpfen von starkem Ammoniak — wie sie sich bei gewöhnlicher 
Temperatur freiwillig entwickeln — aussetzt und sofort in die Camera 
zur Exposition bringt, so werden sie ganz merklich empfindlicher. 

Feuchte Bromsilber- Gelatineplatten, welche man unter einer ge- 
schlossenen Glasglocke Ammoniakdämpfen aussetzt, werden empfindlicher 



1) Phot. News. 1883. S. 78. 

2) Phot. News. 1882. S. 753. 

3) Phot. News. 1883. S. 270. 

4) Phot. News. 1881. S. 97; Phot. Wochenbl. 1881. 8. 86. 



64 



Dritter Theil. Sechstes Capitel 



uDd grobkörniger, und mit der Zeit bildet sieh eine netzartige, theilweist 
transparente Ausscheidung von grobkörnigem Bromsilber, welche wie 
Eisblumen an Fenstern aussiebt (Eder). 

Dr. Lobse (Phot Archiv. 1888. S. 139) stellte eine feinkörnige, unempfind- 
liche Emulsion durch Misch' n ven Sil l>errii trat, Gelatine und Bromammonium her. 
welche er nach dem Wuschen auf Glasplatten auftrug und noch feucht Ammoniak- 
dämpfen aussetzte; die EmplliidlMikeit waohs, aber das Korn war zu grob. Er badete 
deshalb trockene rialteii in Alkohol (,j() l'roc), worauf er sie mit Ammoniak räucherte. 
Die Empfindlichkeit ist gering, aher dna Korn fein. 

Tränkt man Gelatine mit einer Lösung von Bromsilber in Ammoniak, 
so bemerkt man nach dem Trocknen niciit die Ausscheidung (Trübung) 
von Bromsilber. Die Schiebt gibt kein entwicklungsfähiges Bild im 
Oxalat-Entwickler, sondern eine allgemeine Rcduetion {Grünschleier '), 



VII. Vorkommen von Bromsilher in verschiedenen Reifest» dien 
in derselben Emulsion. 

Bromsilber- Gelatine enthält immer Bromsilber in verschiedenen 
Reifestadien emulsilicirt; der anfangs entstehende Theil des Bronisilbers 
entstellt zu Beginn des Mischens im grösseren Ueberschusse von Brom- 
ammonium etc. als der Knietet entstellende. Arbeitet man mit Süberoxyd- 
amnioniak, so wechselt auch die Quantität des Ammoniaks wahrend des 
Mischens. Ein Theil wird natürlich auch länger digerirt: gewisse Partien 
an der Flaschen wandung werden bei anderer Temperatur früher erhitzt 
als jene in der Mitte etc. 

Die Richtigkeit dieser Specnlationeu lässt sieh auch experimentell nachweisen: 
Kocht man eine verdünnte gelatinoarme Emulsion durch 3 Stunden, trennt dmvb 
Ab;-<dzenhs«on die Sedimente in verschiedene Partien, ja nachdem sie mehr oder 
weuiger rasch absetzen, so ergibt sich: das grobkörnige Bromsilbar, welches sich 
zuerst absetzt, gibt bei der neutralen Kinulsifiention in Gelatine eine transparente 
Emulsion, welche im 'Wariierke-iSciisitumeter 14 Grad nebst schwachem Schleier 
zeigt. Die zweite Partie gibt eine feine Emulsion und 24 Grad; die dritte Tarne (die 
feinste, welche zuletzt sedimentirtl gibt ".'1 Grad W. und ist schleierfrei *). 

Aehnliehe l.esiiit.ite ergaben Versuche J. Plener's 1 ) mit seiner Centrilugal- 
maschine (s. diese!, welchen Edor beiwohnte. Bei einer halbgereifteu ammotiiakaüscli 
hergestellten Kmulsion ist das feinste pulverige Brom.silbei das unempfindlichere; ila- 
etwas gröbere (dichtere), gleichwohl noch fein zu emulsiticirendo Bromsilber ist 
empfindlicher. Bei Emulsion, welche lauge gereift, ist und dem Maximum der Empfind- 
lichkeit nahe ist, erscheint das grubkörnige Gruinsilkr stark verschleiert. wiilii-..-ii'l 
die feinere Partie sehr empfindlich ist und klare Bilder gibt. 

Erstarrt eine Gelatine -Emulsion, welche auf Glasplatten gössen wurde, 
i kommt es oft vor, dass sich das Bromsilber entmischt Del grÖfel 

1) Vom Verfasser zuerst 1882 (Phot. Corresp. 1682. S. 148) angeg 

2) Phot. News. 1883. S. 81. 

3) Phot. Correap. 1882. S. 306. 



lieber das Reifen der Bromsilber- Gelatine. 65 

(sandige) Theil des Bromsilbers senkt sich zum Glase, während die Oberfläche arm 
an Bromsilber ist Dann kann der Fall eintreten, dass derartige langsam er- 
starrte Platten dünne, monotone Bilder geben und kräusein; nimmt man die 
Gelatineschicht weg, so bleibt am Glase ein dünneres Bild aus dem grobkörnigen 
Bromsilber zurück. In anderen Fällen geben die Platten an der Oberfläche schleier- 
lose, aber dünne Bilder; von der Glasseite aus erscheinen dagegen die Platten stark 
verschleiert, was von einer Abscheidung von zersetztem grobkörnigen Bromsilber 
herrührt 

Von "Wichtigkeit sind die Untersuchungen Schaum's über die Structur der Nega- 
tive. Auch dieser Forscher fand , dass die oberste Schicht — wohl in Folge einer Sedimen- 
tation — ärmer an Bromsilberkörnern ist. als die tieferen Schichten. Ebenso erscheinen 
bei der mikroskpoischen Untersuchung des fertigen Negativs im Bilde zuerst nur ver- 
einzelte Silberkörner scharf; beim Senken des Tubus zeigt sich alsdann eine kornreiche 
Schicht, welcher nach der Tiefe hin noch eine oder mehrere Silberkornschichten folgen. 
(Eder s Jahrbuch f. Phot. 1901. S. 281.) 

Wenn man eine Bromsilber- Gelatineplatte einmal von der Schicht aus, ein ander- 
mal durch das Glas (unter Ausgleich der Glasabsorption) exponirt, so entwickelt sich das 
erstere Bild kräftiger und die Silberkörner liegen auf der Oberfläche, im letzteren 
Falle ist das Bild schwächer und die Körner sind in allen Tiefen der Schicht fast 
gleichmässig vertheilt. Ab egg bringt diese seine Beobachtung mit der erschwerten 
Diffusion des durch Licht abgespaltenen Brom in Beziehung. (Eder's Jahrbuch f. 
Phot. 1901. S.9). 

Ueber absichtliches Abmischen von Emulsionen verschiedener Em- 
pfindlichkeit und verschiedener Intensität siehe in späteren Capiteln. 



VIII. Zusammenhang der Farbe von Bromsilber- Gelatine im 
auffallenden und durchfallenden Lichte mit ihrer 

Empfindlichkeit. 

Das Bromsilber erleidet beim Reifungsprocesse eine Farbenänderung. 
Die gelbweisse Farbe unreifer Emulsion geht im auffallenden Lichte 
in eine olivengrüne Nuance über (Uebergang der „weissen" Modification 
in die „grüne"). Diese Farbenänderung gab zuerst Monckhoven 1 ) an. 

Die Farbe der Bromsilber -Emulsion gestattet einen Rückschluss 
auf deren Empfindlichkeit. 

Es gilt für jede einzelne Bromsilber-Emulsion, dass die Nuance 
im auffallenden Lichte mehr grünlich und die im durchfallenden mehr 
violett oder blau wird, je länger sie reift 2 ). 

Aber diese Nuancen sind sehr verschieden bei Emulsionen , welche 
nach verschiedenen Methoden hergestellt sind. 



1) Phot Corresp. 1879. S. 140, aus Bull. Ass. Beige de Phot. 1879. 

2) Zusätze von Jodsilber und Chlorsilber ändern die Farbennuance. Es wird 
dann oft schwer, einen Rückschluss auf die Empfindlichkeit zu machen. 

Eder, Handbuch der Photographie. ITI. Theil. 5. Aufl. 5 



66 Dritter Theil. Sechstes Capitel. 

Eine mit Silberoxydammoniak bei 40 Grad C. hergestellte Emulsion 
(siehe unten) erscheint immer im durchfallenden Lichte ziemlich blau, 
selbst wenn sie unempfindlich ist; eine ohne Ammoniak gekochte 
Emulsion kann empfindlicher sein und erscheint im durchfallenden lichte 
noch rothviolett. 

Dies ändert aber nichts an der Thatsache, dass bei ein und der- 
selben Emulsion die Schichten bei fortgesetztem Digeriren immer mehr 
blauviolettes Licht durchlassen und zugleich empfindlicher werden. 

Im durchfallenden Lichte erscheinen dünne Schichten unreifer 
Emulsion gelbroth bis blutroth und ändern beim Reifen und zunehmender 
Empfindlichkeit ihre Farbe (im durchfallenden Lichte) in Rothviolett, 
Grauviolett bis Graublau oder Grünblau. 

Mit der fortschreitenden Aenderung der Farbe im durchscheinenden 
Lichte vergrössert sich das Korn der Emulsion und die Deckkraft (Opacität) 
der Emulsion wird im gleichen Maasse geringer. 

Unreife Emulsion (mit rothem Schein) ist in der Regel schleierlos, 
besitzt geringe Empfindlichkeit und liefert beim Entwickeln harte Negative 
jnit mangelnden Halbtönen. Die Emulsion mit graublauem Schein ist 
in der Regel normal gereift, jene mit grünblauem Schein aber überreif, 
schieiert, gibt grobkörnige, durchsichtige Schichten, welche sehr empfind- 
lich sind, aber flaue Negative ohne Contraste liefern. 

Bringt man nach Gaedicke 1 ) frischgemischte Emulsion zum Reifen, so trit 
zunächst ein Punkt ein, wo die opalisirende Flüssigkeit zu einer undurchsichtigen 
Milch von starker Deckkraft wird und in der Durchsicht roth ist. 

In diesem Stadium ist die Emulsion unempfindlich, gibt aber sehr dichte, 
feinkörnige Negative. Beim weiteren Reifen wird das Korn vergrössert, die Empfind- 
lichkeit vermehrt und die Deckkraft der Emulsion verringert. 



1) Eder's Jahrbuch f. Phot. 1895. S. 209. 



SIEBENTES CAPITEL. 

ALLGEMEINE EIGENSCHAFTEN DEK BEOMSILBEE- 
GELATINE. — DIEECTE FÄEBUNG DUKCH BLOSSE 
LTCHTWIEKUNG. — VEEHALTEN GEGEN LICHT, 
WÄBME, DEUCK, ELEKTEICITÄT ETC. UNTEE MIT- 
WIRKUNG VON ENTWICKLEESUBSTANZEN. 



I. Färbung von Bromsilber durch blosse Llehtwirknng 

(ohne Herrorrufung). 

Die Färbung (grauviolett) von Brom- und Chlorsilber- Gelatine im 
directen Lichte erfolgt ziemlich rasch , und zwar langsamer beim „unreifen" 
Bromsilber, schneller beim hochempfindlichen 1 ). Es bildet sich anfangs 
Silbersubbromid (nach dem hypothetischen Schema 2AgBr = Ag 2 Br+Br), 
später bei anhaltender Belichtung bis zur starken Färbung metallisches 
Silber. Diese Färbung ist jedoch nur oberflächlich und verschwindet 
beim Fixiren fast ganz. Nach dem Räuchern mit kohlensaurem Ammo- 
niak färben sich die Platten schneller und geben etwas dichtere Copien; 
badet man gewöhnliches Bromsilber- Gelatinepapier (z. B. Eastmanpapier) 
mit einer zehnprocentigen Lösung von salpetrigsaurem Kali durch 
10 Minuten, so wird es im Lichte rasch dunkel, und man kann matte 
Bilder auscopiren ohne Anwendung eines Entwicklers (0. Farrell, Eder's 
Jahrbuch f. Phot. 1888. S. 476). Sehr rasch schwärzt sich eine Emul- 
sion, welche mit überschüssigem Silbernitrat hergestellt ist, weil eben 

Silbernitrat ein sehr kräftiger chemischer Sensibilisator ist. 

Wird eine mit erheblichen Mengen von überschüssigem Silbernitrat dargestellte 
Emulsion mit kohlensaurem Ammoniak geräuchert, so steigt die Empfindlichkeit 
beträchtlich ; derartige Platten sind jedoch wenig haltbar. Besser zum directen Copiren 



1) Nach H. Vogel färbt sich das gereifte hochempfindliche Bromsilber im 
Lichte rascher, als das nicht gereifte (Phot. Mitth. 1882. Bd. 19, S. 91), während 
Monokhoven (Phot. Mitth. 1881. Bd. 16, S. 106) das Gegentheil behauptete. Ver- 
suche des Verfassers bestätigten Vogel's Angabe. 

5* 



68 Dritter Theil. Siebentes Capitel. 

eignet sich Chlorsilber 1 ) mit überschüssigem Silbernitrat oder ähnlichen Silbersalzen 
(s. Bd. IV). 

Emulsionen mit bemerkenswerthen Mengen von überschüssigem Siibernitrat 
sind der Fäulniss nicht unterworfen. Beim langen Aufbewahren wird aber bei 
völligem Lichtausschlusse das Silbernitrat von der Gelatine reducirt und es bräunen 
sich nach mehreren Wochen oder Monaten sowohl die in Wasser gelöste Emulsion, 
als auch die damit präparirten trockenen Platten. 

II. Verhalten des Bromsilbers gegen Lieht und andere Formen 
der Energie unter dem Einflüsse von Entwicklern. 

Die bei Lichtausschluss hergestellte Bromsilber- Gelatineplatte wider- 
steht in ihrem ursprünglichen Zustande ziemlich hartnäckig der Ein- 
wirkung gewisser starker Reductionsmittel (alkalisches Pyrogallol, Hydro- 
chinon,Kaliumferrooxalat und anderer sog. „chemischer Entwickler", s. d.) 
und bleibt selbst bei viertelstündiger Einwirkung derselben weiss und 
unverändert 2 ). Dagegen erleidet das durch Licht- oder Elektricitäts- 
wirkung, mechanischen Stoss oder starke Reibung etc. afticirte Brom- 
silber in diesen Reductionsmitteln schon binnen einigen Minuten eine 
starke Reduction zu metallischem Silber. 

Diese Reductionsmittel machen sehr schwache, an und für sich 
unmittelbar unsichtbar gebliebene physikalisch - chemische Affectionen 
des Bronisilbers (sog. „latente" Bilder) deutlich sichtbar, sie rufen 
dieselben hervor oder entwickeln sie. Derartige Reductionsmittel, 
welche das ursprüngliche Bromsilber unverändert lassen, aber das 
physikalisch oder chemisch afficirte Bromsilber reduciren oder dort 
Silber ausscheiden, nennt man „Entwickler" oder „Hervorrufer". 

Die gereifte Bromsilber- Gelatine -Emulsion ist eine Substanz, welche 
ein ganz besonders empfindliches Reagens auf verschiedene Formen von 
Energie ist Bromsilber-Gelatine-Trockenplatten erleiden sowohl durch 
Wirkung von Licht, als auch von Elektricität, Wärme, mechanischem 
Druck etc. sehr deutlich nachweisbare Veränderungen und reagiren 
auch auf zahlreiche chemische Substanzen in hervorragendem Maasse. 

Es gibt kaum eine andere Substanz, welche gegen so verschiedenartige 
Agentien theils physikalischer, theils chemischer Natur so ausgiebig reagirt 

1) De la Baume Pluvinel sucht einen Zusammenhang zwischen Atomgewicht, 
sowie der Bildungswärme mit der Lichtem ptindlichkeit des Chlor-, Brom- und Jod- 
silbers abzuleiten. (La formation des images photographjques. Paris 1891. S. 106.) 

2) Wird Bromsilber oder Jodsilber aus wässerigen Lösungen gefällt, so ist es viel 
leichter reducirbar als in Form von Emulsion (Abney, Thilos. Magaz. 1877. (5) Bd. 3, 
S. 46. — Lüppo-Cramer, Phot. Corresp. 1901. S. 1 und 564. — Schaum, Physika! 
Zeitschr. 1901. S. 554). — Den Einfluss schützender Ueberzüge (Albumin, Gelatine) 
auf reines Bromsiiber für die langsame und schleierlose Bildentwicklung, siehe Abney, 
„Mechanische Verzögerer der Entwicklung" (Edefs Jahrbuch f. Phot. 1898. S. 420). 



Allgemeine Eigenschaften der Bromsilber -Gelatine etc. 69 

Man vergleicht die Trockenplatte häufig mit der Netzhaut des 
Auges, weil sie an Schnelligkeit und Präcision der Aufnahme von 
Lichteindrücken mit dem menschlichen Auge wetteifert, ja in vielen 
Fällen dieses übertrifft So wie das menschliche Auge auf Licht- und 
elektrische Reize antwortet und sogar ein mechanischer Stoss als Licht- 
empfindung wahrgenommen wird, so reagirt das Bromsilber auf die 
verschiedenartigsten physikalischen und chemischen Reize durch ge- 
steigerte Reductionsfähigkeit gegen chemische Reductionsmittel. 

Da die Bromsilber- Gelatine auf die verschiedensten chemischen 
und physikalischen Einwirkungen in stets gleicher Weise, d. i. durch 
gesteigerte Reductionsfähigkeit in „Entwicklern", antwortet, so liegt die 
Ursache der Entstehung der entwicklungsfähigen latenten Bromsilber- 
bilder nicht immer klar zu Tage. 

Entwicklungsfähige Eindrücke auf Bromsilber können hervorrufen 

1. Licht von Roth bis in das äusserste Ultraviolett (eigentliche Photo- 
graphie); 

2. dunkle elektrische Entladungen (Elektrographie) ; 

3. Wärme, indem stark erwärmtes Bromsilber vom Entwickler leich- 
ter reducirt wird, als stark abgekühltes (Thermographie); 

4. Röntgenstrahlen, welche übrigens das Bromsilber wahrscheinlich 
nicht direct zu zersetzen vermögen, sondern von der Gelatine der 
Trockenplatte in Fluorescenzlicht umgewandelt werden und dann als 
Lichtwirkung secundär zur Geltung kommen (ferner: Uranstrahlen etc.); 

5. mechanischer Druck (Druckbilder); 

6. reducirend wirkende chemische Agentien, welche häufig nicht im 
Stande sind, das Bromsilber aus eigener Kraft zu Metall zu reduciren 1 , 
aber das Bromsilber in unsichtbarer Weise derart zersetzen, dass die 
„Entwickler" die unsichtbare Wirkung durch kräftige Reduction zu Silber 
sichtbar machen. — Solche beginnende Zersetzung kann das Bromsilber 
schon während der Emulsionsdarstellung erleiden (z. B. durch zu lange 
andauerndes Kochen der Flüssigkeit, Zusatz von zu viel Ammoniak, 
Anwesenheit schlechter, zersetzter Gelatine oder anderer, reducirend 
wirkender Substanzen). In diesem Falle wird totale Reduction der 
Bromsilberschicht erfolgen, wodurch die Platte mehr oder weniger ge- 
schwärzt wird, sog. „Schleierbildung" beim Entwickeln. Selbst- 



1) Natriumhypophosphit wirkt auf Bromsilber- Gelatine ähnlich wie eine 
schwache Lichtwirkung; es kann Bromsilber nicht bis zu Silber reduciren, aber die 
Reducirbarkeit durch chemische Entwickler veranlassen. Dieser Impuls zur Ent- 
wicklungsfähigkeit des Bromsilbers beruht wahrscheinlich auf Entstehung von Silber- 
subbromid, denn Salpetersäure hebt die Entwicklungsfähigkeit nicht auf, sondern ver- 
mindert sie bloss (Carey Lea). 



verständlich muss der Schleier nicht immer auf chemische Einüüss 
zurück zu füll reu sein, sondern er kann auch allen den von 1 bis 5 j 
nannten Einflüssen seine Existenz verdanken. 

III. Hervorrufuug des latenten Lichtbildes. 

Die Hervorrufung des durch kurze Licht Wirkung entstandene! 
latenten Broinsilberbihles geschieht am erfolgreichsten durch sog. che' 
mische Entwickler (s. Bd. II, S. 29, 2. Aufl.), welche energische ] 
ductionsmittel sind, das belichtete Bromsilber rasch zu metallischem 
Silber redueireu und hierdurch das Material zur Schwärzung der photo- 
graphischen Negative aus der Bromsilber- Emulsiousmasse selbst liefern. 

Nur mit dieser Art der chemischen Entwicklung lässt sich i 
Bromsilber- Gelatine -Verfuhren die höchste Empfindlichkeit als bes 
Gradation der photographi sehen Negative erzielen. 

Die physikalische Entwicklung besteht in der Anwendung 
von schwachen Keductionsmitteln, gemischt mit etwas Silbern itrat. 
Diese Gomische scheiden langsam fein verteiltes metallisches Silber 
aus, welches sich am Silbersubbromid früher anlagert als auf nor- 
malem Silherbromid; auch auf Partikelchen von metallischem Silbt 
geht die Anlagerung von Silberniederschliigen bei der physikalischer 
Entwicklung ziemlich gut vor sich — besser allerdings bei' Collodioi 
schichten (s. Collodionverfahren, Bd. II) als bei Gelatineplatten. 

Für die gesammte Praxis der Photographie mit Bromsilber-Gelatine 
kommt jedoch ausschliesslich die bei diesem Froeesse besonders 
leistungsfähige chemische Entwicklung in Betracht, weshalb wir 
uns zunächst nur mit dieser befassen wollen. Sie ist stets gemeint, 
man kurzweg vom „Entwickeln" von Bromsilher-Gehitineplatten spriel 

Es ist nachgewiesen, dass der Lichteiudruck auf eine Trockei 
platte erst eine gewisse Stärke erreichen inuss, ehe er durch den J 
Wickler sich hervorrufen lässt. Die Grenze, auch „Schwelle" genani 
muss überwunden werden. Lichteindrücke, welche unterhalb diese 
Schwelle liegen, können nicht entwickelt werden. 

IV. Lunge Dauer des unsichtbaren (latenten) Licliteindi-uckes 
auf BroinsIIber-tJelathk'platten vor der Hervorrufuiig. 

Die gewöhnlichen, im photographischen Negativ process verwendet 
Bromsilber- Gelatineplatten, welche alle mit überschüssigen!, löslichem 
Alkalilinunid präparirt sind, behalten das unsichtbare, entwicklungs- 
fähige Lichtbild monatelang, ohne dass dasselbe zurückgehen würde. 
Erst nach einem halben Jahre oder nach längerer Zeit entwickelt sich 
das Lichtbild weniger kräftig und nach mehreren Jahren ist eine beträcht- 



Allgemeine Eigenschaften der Bromsilber- Gelatine etc. 71 

liehe Abnahme der Intensität beim Entwickeln zu constatiren, ohne dass 
das latente Lichtbild ganz verschwinden wird (Gaedicke, Eder's Jahr- 
buch 1901. S. 392; Versuche einer französ. Commission ebenda S. 604). 
Demzufolge kann zwischen Belichtung und Entwicklung ein langer 
Zeitraum liegen, vorausgesetzt, dass die Platten vor Licht und schäd- 
lichen Dämpfen (s. S. 90) bewahrt geblieben sind. 

Ueber die Zeit, während welcher eine exponirte Platte aufbewahrt 
werden kann, lässt sich eine bestimmte Angabe nicht machen. Es 
wurde festgestellt, dass zwischen Exposition und Entwicklung mehrere 
Monate verstreichen können, ohne dass das Bild merklich leidet 
Diese Thatsache ist zur Genüge bekannt, und viele Forschungsreisende 
entwickeln ihre Bromsilber- Gelatineplatten erst nach vielen Monaten. 

H. W. Vogel fand, dass sowohl bei Broinsilber- Gelatineplatten, als Vogel' sehen 
Collodion- Gelatineplatten nach vier- bis achtwöchentlichem Aufbewahren nach der 
Exposition innerhalb eines halb offenen Kastens (der sich in einem finsteren Baume 
befand) das Bild wohl nicht an Details, doch aber an Intensität eingebüsst hatte 1 )* 

Noel fand 2 ), dass auf Bromsilber- Gelatine das unsichtbare Bild nach sieben 
Monaten völlig verschwunden war (auf Collodion- Emulsion sogar schon nach zwei 
Monaten). Auch Tunny beobachtete bei seinen Arbeiten in Neu -Seeland eine ziemlich 
kurze Haltbarkeit 3 ). Solche Falle kommen aber nur bei schlechter Verpackung vor. 

Andere Beobachtungen einer längeren Haltbarkeit sind folgende: 

"Wight exponirte eine Monckhoven'sche Gelatineplatte und entwickelte sie 
erst nach 3 Jahren; die Platte zeigte einige Zersetzungen, jedoch gab sie ein Bild. 
Die Plattenränder waren theilweise schwarz geworden 4 ). Berwick 6 ) entwickelte 
Platten 2 Jahre, Dr. Heid 6 ) Platten aus seiner Fabrik 1 Jahr nach der Belichtung, 
welche letztere Dr. Pol lack auf seiner Reise nach Persien und Dr. Langer in 
Arabien exponirt hatte; Henderson 7 ) konnte auf Platten 8 7» Monate nach der 
Exposition noch das Bild so gut entwickeln, wie am ersten Tage. Solche Beobach- 
tungen der langen Haltbarkeit des unsichtbaren Bildes bei guter Verwahrung der 
blatten wurden zahlreich gemacht. 

Wenn trotzdem widersprechende Angaben vorliegen, so erklärt sich das aus 
der Einwirkung der Atmosphäre auf die Platten bei schlechter Verpackung oder der 
DarstelluDg8 weise der Emulsion selbst. 

Einen kleinen Zusatz von löslichem Bromsalz fand der Verfasser günstig, sobald 
die Platten längere Zeit in heissen Gegenden aufbewahrt werden sollen, und er erprobte 
diesen Zusatz bei Platten, welche Prof. Dr. Simony bei seinen Reisen nach den 
Canarischen Inseln verwendete. 



1) Phot. Mitth. 1882. Bd. 19, S. 7. 

2) Phot. News. 1881. S. 533. Phot. TVochenbl. 1881. S. 293. 

3) Phot. News. 1882. S. 491. 

4) Phot. Mitth. 1882. Bd. 19, S. 16. 

5) Brit Jouro. Phot. 1882. S. 542 und 549. Phot. Wochenbi. 1882. ß. 340. 

6) Phot. Corresp. 1883. S. 16. Phot. Wochenbl. 1883. S. 51. 

7) Brit. Jouru. Almanac. 1882. S. 52. 



72 Dritter Theil. Siebentes Capitel. 

V. TJeber die Natur des entwicklungsfähigen (latenten) 

Lichtbildes auf Bromsilber. 

Die Wirkung des Lichtes auf Bromsilber in bindemittelfreien 
photographischen Schichten (bromirte Silberspiegel auf Glas) ist nach 
den Untersuchungen von Luther 1 ) als Reductionsprocess erwiesen; es 
ist höchst wahrscheinlich, dass das bei kurzer Belichtung entstehende 
latente entwickelbare, sowie das bei langer Belichtung entstehende sicht- 
bare Lichtbild durch Abspaltung eines kleinen Theils von Brom aus 
dem Molecul AgBr entsteht. Das Licht leistet eine den vorhandenen 
chemischen Kräften entgegenwirkende Arbeit und bewirkt vielleicht einen 
umkehrbaren photochemischen Process. Diese bromärmere Verbindung 
von Silber und Brom nennt man Silbersubbromid oder Silberphotobromid. 

Wahrscheinlich ist die Natur des latenten Bildes auf Bromsilber 
in bindemittelhältigen Schichten, wie bei Gelatine -Emulsionen, dieselbe, 
d. h. es dürfte gleichfalls durch Lichtwirkung zunächst Subbromid ent- 
stehen (Subhaloi'dtheorie). 

Die Annahme, dass das latente Bromsilberbild auf Silbersubbromid 
besteht, wird durch folgende Reactionen gestützt: 

Das latente Lichtbild wird zerstört durch Substanzen, welche ihm wieder Brom, 
Jod oder Chlor zuführen (z. B. Brom- und Jodtinctur, Eisenchlorid, Kupferchlorid, 
Quecksilberchlorid, Goldchlorid); ferner durch salpetrige Säure, Gemische von Brom- 
ammonium und Salpetersäure, durch oxydirende Substanzen, wie "Wasserstoffsuper- 
oxyd, Kaliumbichromat (siehe S. 49 und 53); durch Jodkalium, concentrirte Brom- 
ammoniumlösung, Ferricyankalium , Bromwasserstofifsäure (weniger wirkt Salzsäure) r 
oxalsaures Eisenoxyd. Nimmt man an, dass die Substanz des latenten Lichtbildes 
Silbersubbromid ist, so müssen die Reactionen, welche geeignet sind, dem letzteren 
wieder Brom (oder Chlor oder Jod, eventuell auch Sauerstoff oder Ferridcyan-Molecüle) 
zuzuführen, die normale Sättigung des Silber-Moleculs zu Bromsilber herbeiführen. 
Da das normale Bromsilber im Entwickler sich nicht nennenswerth reducirt, so ist 
die Zerstörung des entwicklungsfähigen Lichtbildes durch diese Reactionen erklärt*). 

Der Vorgang der Entstehung des latenten Bromsilberlichtbildes 
ist ein mikrochemischer Process (vergl. Bd.II, S. 28), welcher sich 
der Controle durch quantitative Gewichtsanalyse entzieht und nur durch 
qualitative Reactionen nachgewiesen werden kann. 

Die durch Licht im latenten Bromsilberbild nach der Subhaloid- 
theorie abgespaltene Menge Brom ist ausserordentlich klein. Man nimmt 
wohl allgemein für das im Lichte zersetzte Silbersubbromid die hypo- 



1) Zeitschrift f. physikal. Chemie. Bd. 30. S. 628. 

2) Lüppo-C ramer zeigte, dass Bromsilber an und für sich vor dem Be- 
lichten mit Halogen und Sauerstoff zuführenden Körpern so verändert wird, dass die 
Empfindlichkeit verringert wird, während bromabsorbirende Körper die Lichtempfind- 
lichkeit steigern (Phot. Corresp. 1901. S. 220). 



Allgemeine Eigenschaften der Bromsilber -Gelatine etc. 73 

thetische Formel Ag,Br an; allein diese Formel dient nur zur Auf- 
stellung schematischer Gleichungen. 

Das Endproduct Ag,Br entsteht nicht einmal beim tagelangen 
Aussetzen von Bromsilber ans directe Sonnenlicht Kommt ja sogar 
beim directen Copirprocess in stark geschwärztem Silbersubchlorid 
höchstens auf je 20 Molecüle AgCl 1 Mol. Ag 2 Cl, also auf 22 Atome 
Silber 21 Atome Chlor. Das am Lichte schwach grau gewordene 
Bromsilber hat eine relativ viel geringere Zersetzung erlitten als das 
stark geschwärzte Chlorsilber, und das latente Lichtbild braucht kaum 
Viooö der Lichtwirkung, die zur Erzeugung der ersten sichtbaien 
Schwärzung nothwendig ist Man wird somit dem Silbersubbromid die 
Formel Ag m Br n geben müssen, wobei m>n ist, und zu beachten ist, 
dass es wohl sehr verschiedene Subbromide des Silbers geben mag. x ) 

Unter der sehr wahrscheinlichen Annahme, dass nur die im Lichte 
veränderten Bromsilberkörner (nicht aber die benachbarten) durch die 
Entwicklung zu Silber reducirt werden (Eder, Englisch und Precht, 
Eder's Jahrbuch f. Phot 1901. S. 605), so könnte man wohl sehr com- 
plicirte Verbindungen, wie z.B. Ag 1000 Br 9J>9 oder darüber annehmen (Eder). 

Das Licht hat also das Bromsilber- Mol ecul in geringem Maasse 
durch Abspaltung von Brom zersetzt und das Spaltungsproduct (Silber- 
subbromid) wird von Entwicklern kräftig reducirt und gewissermaasen 
die vom Lichte begonnene geringe Zersetzung des Bromsilber -Moleculs 
bis zur völligen Zersetzung (Ausscheidung von metallischem Silber) 
energisch zu Ende geführt 

Zur Erklärung der Natur des latenten Lichtbildes wurde ausser 

1. der Subhaloid theo rie, welche die grösste "Wahrscheinlichkeit für sich hat 
und ungezwungen alle derzeit bekannten photochomischen Vorgänge zu erklären ge- 
stattet, noch 

2. die Silberkeimthoorie von R. Abogg aufgestellt 2 ). Nach dieser Theorie 
soll das Bromsilber im latenten Lichtbildo bis zu metallischem Silber (nicht zu 
Subbromid) reducirt worden (sog. „Silberkeime"), welches dann in Berührung mit 
Entwicklern und unzersetztem Bromsilber die durchgreifende Reduction zu photo- 
graphischen Negativen bewirke. 

Gegen die Silberkeimtheorie nahm insbesondere Eder (Phot. Corresp. 1899. 
S. 276, 332 und 403; 1900 S. 676), sowie Schaum (Physikal. Zeitschr. 1901. S. 538) 
Stellung. Metallisches Silber ohne Druck führt bei blossem Contact keine oder keine 

1) Lüppo-Cramer, Phot. Corresp. 1901. S. 362. — Allerdings kam R. Luther 
bei seinen Studien „über umkehrbare photochemischo Processe 14 bei bindemittel- 
freierem Chlor- und Bromsilber, namentlich auf Grund seiner Bestimmungen der 
Halogenconcentration, welche der Lichtwirkung das Gleichgewicht hält, zur Annahme, 
dass es wohl Verbindungen Ag 2 Br und AgBr, aber kein Zwischenproduct gebe 
(Zeitschr. f. physikal. Chemie. Bd. 30. S. 628). 

2) Phot. Corresp. 1899. Nr. 464. 



74 



IHM 



r Tbeil. Siebentes Capitel. 



genügend kräftige Schwärzung von Bromsilberplatten im Entwickler herbei, falls 
stärkerer Brack vermieden wird fvergl. S. 80). Lüppo-Cramer, fand dass fein 
vertbeiltos metallisches Silber in einer Bromsüber- Emulsion Leint' Rediiution einleitet, 
wälireud bei Collodion -Emulsion Keduction veranlasst wird (Pbot. Corresp. 11*01. S. 147; 
Eder's Jahrbuch f. Pbot. 1901. S. IUI); Abegg und Herzog hatten jedoch eine massige 
Wirkung von Silberpulver in Gelatine - Emulsion bemerkt, indem etwas mehr Schleier 
beim Entwickele auftrat (Areb. f. wiss. Pbot 1901. S. 114). Eder wies nach (a. a. 0.), 
dass unter gewissen Verhältnixseii ..1-ei Gegenwarl von Sillierüberscliuss) das latente 
Liehtbild von Salpetersäure nicht oder sehr langsam zerstört wird, während letztere 
metallisches Silber rasch auflöst. Er silberto Bromsnlz-Collodiun mit Silbernitrntbad"ni. 
welche mit Salpetersäure enorm stark sauer gemacht wurden, so dass die Flüssigkeit 
metallisches Silber in küiv.esier Zeit auflöste. Trotzdem entstund ein entwicklungsfähiges 
latentes Lichtbild In unmittelbarer Gegenwart dieses Bades, welches sowohl mit alka- 
lischem Entwickler (chemisch), als mit saurem Eisenvitriol-Entwickler (physikalisch) 
sich (wenn auch geschwächt) hervorrufen Hess. Brom.silher-Gelatincschiebten lassen ■ 
sich nicht mit gann so starken Salpetersäure hadern behandeln, weil die Gelatine als 
Bindemittel weniger widerstandsfähig gegen Salpetersäure ist, als Collodion. Neuer- 
dings gab auch V. Schumann wieder aa (Pbot. Corresp. 1699. S. 463), dass Salpeter- 
säure das latente Bild auf Bromsilber -Gelatine nicht zerstöre; auch C. H. Uothamlej- 
(Eder's Jahrbuch f. Plaut. 1891. S. 418) machte analoge Angaben. 

Lüppo-Cramer führte diese Versuche später mit zahlreichen Variationen 
durch und fand, dass das latente Lichtbild auf Bromsilber durch Salpetersäure 
schwieriger zerstört werde als fein verthciltes metallisches Silber, wenn es auch con- 
centrirter Salpetersäure nicht stand hält (Phot. Corresp. 1901. S. läö). 

Auch die geringere Zerstürbarkeit spricht gegen die Arinuhiue der Ent- 
stehung von metallischen Silberkeimen. Selbst wenn man annimmt, daSB ein Tlieil 
Silber wiire (?), so besteht ein anderer sieher aus widerstandsfähigerem Materials 
(Schaum). Uebrigens bewies Lüppo-Cramer durch synthetische Versuche, dass 
Subbromide des Silbers existiren, welche je nach dem Bromgehalts (Ag,Br t , Ote 
AgJ)!,! bald leichter, bald schwer von Salpetersäure angegriffen werden ill; i. 
Cones|>, ](KH, S. 362). 

:l Als dritte Theone der Natur des latenten Lichtbildes wurde die Struetiii- 
thurie aufgestellt, welche nur eine physikalische Aendorung des Bremsilhers zugibt. 

Hurter und Driffield') nahmen an, dass ein complexes liiomsilber-Molecul 
Agni Ihm sieh in einfache Molecule zerlegen, Bredig') discutirte die Theorie. dassBrom- 
silber im Licbto zerstäubt werde und dass dieses dann schneller mit Entwicklern reagirt 
als uu belichtetes . welche letztere geistreiche Erklärung viel für -ich hat. Mit der Aunahme, 
dass das Bromsilber -Molecul im latenten Lichtbildc nur physikalisch verändert sei, lasat 
sich aber die Zerstörbarkeit durch minimale Spuren von Brom und anderen auslugen 
chemischen Ageutien nicht gut in Einklang bringen, ebensowenig die Möglichkeit der 
Bildeutwieklung mit silbersal/lialtigcn Entwicklern nach vorausgegangener Fixtruog. 

Englisch, Schaum, Abegg sind der Ansicht, dass weder die Structur-, 
noch die Subhaloid-, noch die Silberkeimtheorie allein das Verhalten des latenten 
Lichtbildes völlig ciliaren können Abegg macht darauf aufmerksam , dass mau 
Kohl annehmen kann, dass das latente Lichtbild nicht stets dieselbe Natur haha 
(Eder'a Jahrbuch f. Phot. 1901. S. ÖÜ4). 



1) Eder's Jahrbuch f. Phot. 1S99. S. 200. 

2) Eders Jahrbuch f. Pbot. 1899. S. 36ü. 



Allgemeine Eigenschaften der Bromsilber -Gelatine etc. 75 

Da man die von einer Hefner'schen Normalkerze oder der ihr ziemlich 
ähnlichen Wallrath -Normalkerze die pro 1 Secunde nach allen Seiten hin aus- 
gestrahlten Energiemengen (ausgedrückt in jener Energiemenge, welche noth wendig 
ist, um 1 g um 1 cm zu heben) kennt, so kann man die Strahlungsempfindlichkeit 
Ton Gelatine -Trookenplatten in absolutem Maasse angeben '). Andererseits kann man 
aber auch annähernd berechnen, wie ausserordentlich wenig Lichtenergie noth wendig 
ist, um eine ausgiebige Entstehung eines kräftigen entwicklungsfähigen Silberbildes 
zu bewirken. 

Hurter und Driffieid (Eder's Jahrbuch f.Phot. 1899. S. 202) stellen folgende 
Berechnung an: „Eine Normalkerze verbraucht 120 Gran oder 7,77 g in der Stunde 
oder ungefähr 0,0021 g in der Secunde. Die durch die Verbrennung von 0,0021 g 
"Wallrath (1 g = 10000 Wärmeeinheiten) entwickelte Energie beträgt 21 Gramm- 
einheiten (kleine Calorien). Wenn diese gesammte Energie in Form chemisch wirksamen 
Lichtes producirt und gleichmässig über eine Kugel von 1 m Radius, d. h. 125663 qcm 
vertheilt würde, so würde auf 100 qcm der Oberfläche eine Energiemenge von 

21 x 100 

________ =0,016 Wärme -Grammeinheiten entfallen. — Nun wird aber auf einer 

1-5 boo 

lichtempfindlichen Platte mittels einer Exposition von 10 Meter -Secundeu- Kerzen und 
Hervorrufung ein Niederschlag von 26,5 mg metallischen Silbers auf einer Fläche 
von 100 qcm erzielt, was dem gewöhnlichen, photographischen Negativ verfahren ent- 
spricht Die durch die Kerze gelieferte, hier in Betracht kommende Energie macht 
aber nach der obigen Rechnung nur 10x0,016=0,16 Einheiten in 10 Secunden * aus. 
— Da nun die Zersetzung von Bromsilber in einer Menge, die 108 mg Silber ent- 
spricht, eine Energiemenge von 23 Grammeinheiten erfordert, und die für 26,5 mg 
Silber erforderliche Energie sich auf 5,6 Einheiten stellt, so folgt, dass die Kerze, 
selbst wenn die gesammte , durch die Verbrennung erzielte Energie bei der Zersetzuug 
des Bromsilbers zur Wirkung käme, durch directe Lichtwirkung nur 2,9 Proc. der 
Menge zersetzen könnte, welche, wie das Experiment zeigt, beim Hervorruf ungsprocess 
thatsächlich zu Metall reducirt wird. — Es wird somit nur ein kleiner Bruchtheil 
der Energie des Lichtes in strahlende Energie verwandelt, und weiter bildet nur ein 
sehr kleiner Bruchtheil der strahlenden Energie Aetherwellen, die von hinreichend 
kurzer Wellenlänge sind, um auf das Bromsilber einwirken zu können. — Auf diese 
Weise ist deutlich erwiesen, dass die Kerze nur einen unendlich kleinen Theil der 
Energie liefern kann, welche zur Erzeugung von 26,5 mg metallischen Silbers auf 
100 qcm Fläche der photographischen Bromsiber- Gelatineplatte bei einer Exposition 
von 10 Meter -Secunden -Kerzen erforderlich ist, und dass diese ganze Energie deshalb 
aller Wahrscheinlichkeit nach von dem Entwickler hergegeben wird.* 4 

Hurter und Driffieid schliessen aus diesen Versuchen, dass das latente 
Bromsilberbild keine Bromabspaltung erlitten habe, sondern nur eine moleculare Um- 
wandlung (physikalische Veränderung). Diese Ansicht ist jedoch nach unseren obigen 
Ausführungen nicht stichhaltig. Man wird wohl mit mehr Berechtigung annehmen, 
dass das latente Bromsilberbild dennoch eine minimale chemische Reduction durch 
Lichtwirkung erleidet, welche sich allerdings der quantitativen Analyse entziehen muss. 



1) REbert (Eder's Jahrbuch f. Phot. 1894. S. 14) drückt die Energiemenge 
in „Ergs" aus; die Energiemenge eines Erg kommt der mechanischen Arbeit gleich, 
welche geleistet wird, wenn das Gewicht von einem Milligramm um einen Centimeter 
emporgehoben wird. 



76 Dritter Theil. Siebentes Capitel. 

Da das durch den photographischen Hervorruf ungsprocess (chemische 
Entwicklung) entstandene metallische Silberbild in der Brom§ilber- Gela- 
tine das erforderliche Silber lediglich aus der Emulsionsschicht selbst 
bezogen hat, so muss die Emulsion genügend reich an Bromsilber sein. 

Ueber den Zusammenhang von Silbergehalt und Dichte der Negative liegen 
mehrfach Untersuchungen vor. 

100 qcm der im Handel befindlichen Bromsilber -Gelatineplatten sind (nach 
Eder) mit 0,15 bis 0.4 g trockener Emulsion überzogen. Aehnliche Zahlen fanden 
Hurter und Driffield. Die Emulsionen des Handels enthalten (nach Hurt er und 
Driffield) 26 bis 49 Proc. Bromsilber und den Rest Gelatine. 

"Während einige Platten so silberarm sind, dass 60 bis 70 Proc. des auf ihnen 
vorhandenen Silbers reducirt werden müssen, wenn man einen ausreichend dichten 
Himmel auf einem Landschaftsnegativ (von der Dichtigkeit 2) erhalten will, so sind 
andere derartig silberreich, dass nur 20 Proc. des vorhandenen Silbers zur Her- 
stellung der erforderlichen Dichtigkeit ausgenutzt werden (Eder's Jahrbuch f. Phot. 
1899. S. 218). 

Der moleculare Zustand (Grad des Reifens) der Bromsilber -Emulsion kommt 
aber für die Entstehung entsprechender Dichte (Schwärzung) beim Hervorrufen von 
Negativen gleichfalls in Betracht. Gaedicke schreibt hierüber (Eder's Jahrbuch f 
Phot. 1895. S. 210): 

Wenn wir nun eine sehr empfindliche grosskörnige Emulsion haben, so müssen 
wir dieselbe entweder sehr dick giessen, wenn wir ein gedecktes Negativ haben 
wollen, odor sie muss sehr silberreich sein, wenn wir sie dünn giessen wollen. In 
diesem Falle haben Grundy und Haddon Recht, dass die Dichte mit dem Silber- 
gehalt wächst. 

Haben wir aber eine sehr feinkörnige , also stark deckende Emulsion , so brauchen 
wir nur wenig davon auf die Platte zu giessen und werden es doch erreichen, dass 
man die Flamme einer Lampe mit rothein Cylinder nicht durch die Schicht erkennen 
kann, bekanntlich das Zeichen, dass die Platte genügend gedeckt ist. Wir können 
also hier, auch wenn wir ein normales Quantum auf die Platte giessen, mit einer 
silberärmeren Emulsion gute Dichtigkeit erhalten. In diesem Falle hat also Starnes 1 ) 
Recht, dass grosse Dichtigkeit auch mit verhältnissmässig wenig Silber zu erreichen 
ist (Gaedicke). 

Die Dichtigkeit eines Negativs hängt nach Gaedicke ab 

1. von der Silbennenge auf der Platte; 

2. von dem molecularen Zustande des Brom Silbers (der Deckkraft der Emulsion); 

3. von der Dicke der Schicht; 

4. von der Belichtung; 

5. von der Entwicklung, denn nicht jeder Entwickler reducirt alle belichteten 
Bromsilberpartikelchen zugleich. Einige Entwickler greifen zunächst die 
groben Bromsilberkörner an und lassen die feinen längere Zeit unbeein- 
llusst, sie geben dann dünne Negative, andere, z.B. Pyrogallol, greifen 
auch zugleich das feinkörnige Bromsilber an und geben demgemäss fein- 
körnigere Negative. 



1) Brit. Journ. 1894. S. 291. 



Allgemeine Eigenschaften der Bromsilber- Gelatine etc. 77 

Tl. Wirkung ron (Gelatine und der Feuchtigkeit in der 

Bromsilber-Emulsion. 

Da Gelatine ein sog. chemischer Sensibilisator ist (siehe 
Bd. II, S. 32) und Brom chemisch zu binden vermag, so wirkt die Ein- 
legung des Bromsilbers in Gelatine günstig auf die Entstehung des 
latenten Lichtbildes. Das vom Bromsilber durch Lichtwirkung ab- 
gespaltene Brom wird von der Gelatine gebunden, geht eine unlösliche 
Verbindung ein und kann somit durch Wasser nicht ausgewaschen 
werden 1 ). 

Es ist durchaus nicht gleichgültig, ob das Bromsilber iu einer indifferenten 
Substanz, wie Collodion, oder in einer leicht oxydablen, bromabsorbirenden 
organischen Substanz, wie Gelatine, vertheilt ist. 

Gelatine oder ähnliche Substanzen, wie Stärke, Agar-Agar, Albumin, befördern 
die Empfindlichkeit des Bromsilbers. 

Gelatine ist ein wirklicher Sensibilisator für Bromsilber. Dies haben vielfache 
Versuche mit Bromsilber- Collodion gezeigt; dieselbe wird merklich empfindlicher, sobald 
man sie mit einer dünnen Gelatinelösung überzieht (Anwendung eines „Gelatinepräser- 
vatives", s. Theilll, Heft 8, S. 314, 323). Gelatine ist auch (vergl. Bd. II, 2. Aufl., 
S. 37 und 529) ein chemischer Sensibilisator im wahrsten Sinne des "Wortes, weil 
Hausenblase und Leim, wie die Analysen Kuop's zeigen-), nach zwei- bis viertägiger 
Digestion mit Bromwasser bei gewöhnlicher Temperatur 20,5 bis 20,9 Proc. Brom 
chemisch binden, und bromirte organische Verbindungen als gelbes Pulver geben. 

Ohne Zweifel wirkt die unmittelbare Umhüllung des Brorasilbers durch 
einen oxydablen Körper (Gelatine etc.) sehr günstig auf die Lichtompfindlichkeit. 

Es scheint übrigens auch die beim Emulsionsprocess verwendete Gelatine vom 
Bromsilber chemisch gebunden oder durch Molecularattraction hartnäckig festgehalten 
zu werden. Separirt man nämlich aus Bromsilber- Gelatine - Emulsion mittels Centrifugal- 
maschinen das Bromsilber, sammelt es, wäscht es mit warmem "Wasser, centrifugirt 
es neuerdings, so kann man die Gelatine trotz mehrmaliger "Wiederholung dieses 
Processes nicht ganz vom Bromsilber trennen (Eder, Sitzungsbericht der k. Akad. 
d. Wissensch. Wien. Dec. 1885). 

Allerdings ist die sensibilisirende "Wirkung der Gelatine gegen die Empfindlich- 
keitssteigerung des Bromsilbers beim „Reifen* nicht die Hauptsache. So ist z. B. 
unreifes Bromsilber, wie man es zum Li ppmann' sehen Photochrom ieprocess benutzt, 
trotz der Gegenwart von Gelatine sehr wenig lichtempfindlich im Vergleich zu den 
analog gemischten, aber durch Sieden oder durch Ammoniakzusatz gereiften Rapidemul- 
sionen (Lüppo-Cramer). 

Ueber "Wirkung von anderen Sensibilisatoren neben Gelatine s. S. 51 und unter 
„Zusätze zur Emulsion", ferner bei Spectrum- Photographie. 

1) Es ist somit ein Fehlschluss Hinter und Driffield's, wenn sie folgern: 
weil nach der photochemischen Zersetzung von Bromsilber- Gelatine durch Licht 
mittels Wasser kein Brom oder Bromwasserstoff ausgewaschen werden kann, sei 
keine Bromabspaltung vor sich gegangen (Eder's Jahrbuch f. Phot. 181)9. S. 203). 

2) Chera. Centralbl. 1879. Noch früher war die Thatsache, dass Bromwasser 
in warmer Leimlösung einen flockigen Niederschlag erzeugt, bekannt (Weyl, Chom. 
CentralbL 1878. S. 198). 



78 Dritter Theil. Siebentes Capitel. 

Auch der Wassergehalt der Bromsilber-Gelatineplatte wirkt auf die 
Lichtempfindlichkeit zurück. 

Mit Wasser angefeuchtete (gequollene) Bromsilber- Gelatineplatten fand Ver- 
fasser beim nachfolgenden Entwickeln des Bildes durchaus nicht lichtempfindlicher 
als lufttrockene 1 ), im Gegentheil sind die Lichtbilder schwächer, wahrscheinlich weil 
die Lichtstrahlen durch das Wasser in ihrem Eindringen gehemmt werden. Nasse 
Gelatineplatten entwickeln und fixiren sich langsamer als trockene 2 ). Da sich die 
trockenen Platten von den nassen, namentlich in Bezug auf Kraft des Bildes, ver- 
schieden verhalten, so soll man niemals Gelatineplatten vor dem Trocknen auf ihre 
Eigenschaften prüfen, weil man sonst leicht Fehlschlüsse macht. 

Da die nasse Gelatineplatte fünf- bis sechsmal dicker ist, als in trockenem 
Zustande, so ragt die Oberfläche der nassen Schicht häufig über die scharfe Ein- 
stellebene hinaus; ausserdem ist die Oberfläche der gequollenen Gelatine bedeutend 
unegal, viel unebener als die der getrockneten Schicht. Aus diesen Gründen ist es 
einleuchtend, warum man auf nassen Gelatineplatten oft unscharfe und dünne Bilder 
bekommt. 

Es ist bemerkenswerth, dass die Bromsilber -Gelatineplatten im nassen Zustande 
undurchsichtiger sind, als nach dem Trocknen, während bei den Collodion- Emulsionen 
das umgekehrte Verhalten sich zeigt. 

Werden Bromsilber- Gelatineplatten in der Wärme bei ca. 93 Grad C. stark 
ausgetrocknet, so entwickeln sie sich etwas rascher und zeigen mehr Empfindlichkeit 
und Details (Farmer, Eder's Jahrbuch f. Phot. 1901. S. 647). 

VII. Absorption des Lichtes in Bromsilber -Gelatineschichten. 

Das auf Bromsilber- Gelatineplatten fallende und dieselben durch- 
setzende Licht erleidet (abgesehen von dem Lichtverlust durch Re- 
flexion) eine Absorption. Es wird beim Passiren der Schicht ge- 
schwächt, wenn auch nicht in so hohem Grade, als man vielleicht 
erwarten würde. Es dringt immer noch genügend viel Licht (bei einiger- 
maassen grosser Intensität) durch eine Bromsilberplatte, um auf einer 
hinterlegten zweiten Platte noch deutliche photographische Wirkungen 
hervorzubringen. 

Nach Schaum dürfte die mit der Korn vergröberung des Brom- 
silbers verbundene Erhöhung der Lichtabsorption mit der Steigerung der 
Empfindlichkeit zusammenhängen (Jahrbuch f. Phot. 1901. S. 280). 

Ueber die Wirkung des Lichtes, welches eine Bromsilber- Gelatine- 
schicht durchsetzt hat und dann noch eine zweite Bromsilberplatte trifft, 



1) Meistens sind reine Bromplatten (z.B. kurz gekochte saure Emulsion) nach dem 
Trocknen empfindlicher als vor demselben ; die Steigerung während des Trocknens kann 
das l ! / 2 — 2 fache betragen. — Jedoch hatte Verfasser Gemische von Jodsilber -Gelatine 
mit Bromsilber -Gelatine versucht, welche sofort nach dem Erstarren viel empfindlicher 
als nach dem Trocknen waren. 

2) Dies trifft wohl meistens zu. Manche Platten aber entwickeln sich im 
feuchten Zustande rascher als trockene , z. B. ist dies bei hochempfindlichen ammonia- 
kalischen Emulsionen nicht selten. 



Allgemeine- Eigenschaften der Bromsilber -Gelatine etc. 79 

oder über das Durchdringen des Lichtes durch mehrere Lagen von 
Bromsilber-Gelatine-Films wurden mehrfach Versuche angestellt. 

Harter und Driffield legten hinter eino Platte von massiger Empfindlich^ 
keit eine ebensolche und Hessen Licht auf erstere unter verschiedenen Belichtungs- 
zeiten einfallen. Die vordere Platte gab nach dem Entwickeln eine Schwärzung 
(8. Cap. X) von 0,5 bis 1,3, während die zweite Platte eine Schwärzung von 0,03 bis 
0,4 aufwies. Es hatte also das durch die erste Bromsilber- Gelatineplatte gegangene 
Licht auf die dahinter befindliche noch y iT bis l ' lt von der "Wirkung auf die erste Platte 
erzielt, welches Yerhältniss mit zunehmender Belichtungsdauer wächst. Ist die obere 
Platte wenig empfindlich, die darunter gelegte aber hochempfindlich, so schwärzt 
sich die letztere im durchgegangenen Lichte (ihrer grösseren Lichtempfindlichkeit ent- 
sprechend) stärker. Es kann dann z. B. die obere wenig empfindliche Platte im Ent- 
wickler die Undurchsichtigkeit = 0,93 bis 2,20 annehmen , während die darunter liegende 
empfindlichere Platte eine Dichte des Silberuiederschlages von 0,92 bis 1,82 erreicht, 
also nahezu ebenso sehr im Entwickler sich schwärzt als die obere Platte; bemerkens- 
werth ist die Beobachtung Hurte r und Driffield's, dass Opalglas (welches im 
Lichte keinerlei Zersetzung erleidet) bei entsprechender Dicke das Licht analog 
schwächt wie Bromsilber -Gelatine. Diese Versuche zeigen wieder, dass die Energie 
des Lichtes nach dem Durchgänge durch eine empfindliche Bromsilberplatte wider 
Erwarten wenig geschwächt wird (Eder's Jahrbuch f. Phot. 1893. S. 371). 

Legt man zwei Bromsilber- Gelatineplatten Schicht au Schicht und exponirt in 
der Camera einmal bei hellem Lichte durch kurze Zeit, dann bei zehnmal schwächerem 
Lichte zehnmal länger, so ergibt sich (nach Raphaels, Eder's Jahrbuch f. Phot. 
1897. S. 356) beim Entwickeln wohl in beiden Fällen auch ein Lichtbild auf der 
zweiten Platte, aber das intensivere Licht bringt eino viermal stärkere "Wirkung her- 
vor. Dieselbe Lichtmenge als intensiveres Licht verwendet, scheint also viel 
dickere Schichten zu durchdringen, als wenn sie lange Zeit als schwaches Licht ver- 
wendet wird. 

Man darf nicht übersehen, dass das Licht beim Durchgange durch 
Bromsilberschichten in seiner Zusammensetzung geändert wird. Unreife 
Emulsionen machen das durchfallende Licht röthlich, absorbiren also 
besonders das blauviolette (kurzwellige Licht), während stark gereiftes 
Bromsilber blaugrau erscheint (s. S. G5) und viel durchlässiger für blau- 
violettes Licht ist. Zusatz von Jodsilber bewirkt Gelbfärbung der Schicht 
und entsprechend stärkere Absorption für Blau. Selbstverständlich hängt 
die Stärke der Absorption auch von der Dicke der Schicht ab. 

Die Lichtdurchlässigkeit der gereiften Schicht von Bromsilber-Gelatine ist 
von Gaedicke (Eder's Jahrbuch f. Phot. 1900. S. 5) untersucht worden. Bei einer 
Serie von sechs übereinandergelegten Films, deren oberste eine Belichtung von 
120 Meter- Kerzen -Secunden erlitten hatte, drang zur zweiten Schicht nur mehr Licht 
von33M.-K.-S., zur dritten 9, zur vierten 2,6M.-K.-S., während die fünfte und 
seehste Schicht keinen nachweisbaren Lichteindruck empfangen hatte. Jede Schicht 
übsorbirte also 18 / i9 des sie treffenden Lichtes und Hess 6 / 18 durchgehen. Der „Ab- 
sorptionscoeracient" der untersuchten Schichten ist also = 13 / |8 = 0,722; der „Durch- 
lässigkeits- oder Penetrations-Coefficient* nach Gaedicke = 5 / l8 ~ 0,278. — Die 
Absorption ist abhängig von der Dicke der Schicht, der Korngrösse des Bromsilbers 
und dem Volnmverhältniss von Bromsilber zur Gelatine, das gewöhnlich 1:7 ist. — 



80 Dritter Theil. Siebentes Capitel. 

Etwas andere Zahlen fand Abney (Eder's Jahrbuch f. Phot. 1900. S. 302), welcher 
gleichzeitig die spectrale Durchlässigkeit der Bromsilber -Gelatine untersuchte , indem 
er sechs übereinandergelegte Films dem Spectrum aussetzte und entwickelte. Er 
fand und demonstrirte durch Spectrumphotographie , dass eine Bromsilber -Gelatine- 
schicht zunächst das Licht von der Grenze des Violett und Ultraviolett absorbirt, 
dagegen im Blau etwa die Hälfte und sehr wenig im Gelb. Es scheint danach, dass 
man hier nicht nur ein Mittel hat, den Absorptionsfactor des Bromsilberfilm zu be- 
stimmen, sondern auch einen "Weg zu zeigen, wie und warum die Maximalwirkung 
des Spectrums in einem dicken Film sich im Vergleich zu der Stelle, bei welcher sie 
in einem dünnen Film auftritt, vorschiebt. Je dicker das Film ist, um so wirkungs- 
voller ist es, den unteren Theil des Spectrums zu photographiren , während es, je 
dünner das Film ist, immer schwieriger wird, gegen das Gelb des Spectrums hin 
dasselbe aufzunehmen. Oft hat man ja auch beobachtet, dass man mittels eines dicken 
Film oder einer dick gegossenen Platte besser als mit einer dünn gegossenen die Auf- 
nahme gegen das Roth des Spectrums hin ausführen kann. 

Till. Einfluss mechanischen Druckes auf Bromsilber. 

Ueber den Einfluss starken mechanischen Druckes auf 
Bromsilber und die Entstehung entwicklungsfähiger Bilder durch Druck 
wurde bereits im IL Bande dieses Werkes (2. Aufl. S. 41) gesprochen. 

Hier soll nur in Kürze Folgendes erwähnt werden: 

Schreibt man mit einer feinen, polirten, an der Spitze etwas ab- 
gerundeten Stahlspitze unter Anwendung eines gewissen Druckes auf 
Bromsilber- Gelatineplatten und legt dann die Platte in den Entwickler, 
so schwärzt sich an den beschriebenen Stellen die Schicht; E. v. Got- 
hard beschrieb dieses Verhalten und benutzte es zur Herstellung von 
Aufschriften, welche im Entwickler hervortreten (Phot. Corresp. 1888. 
S. 139; Eder's Jahrbuch f. Phot. 1889. S. 382). An Stelle des Stahl- 
griffels wirken Elfenbein, Gold, Platin etc. mit genau demselben Erfolge 
(Lenard und Wolff, Phot. Mitth. 1889. Bd. 25, S. 298). 

(Auch Pressungen oder Striche, welche mit Glassplittern erfolgen, 
wirken analog, was beim Verpacken frisch geschnittener Trockenplatten 
zu beachten ist.) 

Beim Entwickeln einer Gelatineplatte, worauf man Buchstaben 
mit starkem Druck geschrieben hat, zeigen sich die Buchstaben anfangs 
dunkel, und später, falls die Platte bei langer Entwicklung schieiert 
(sich schwärzt), aber hell. 

Wenn man metallisches Silber ohne Druck auf eine Trockenplatte 
bringt, so erfolgt im Entwickeln keine Schwärzung. Wenn man aber eine 
angef euch tete Bromsilber-Gelatineplatte einerseits mit Silberpulver, Quarz- 
pulver oder Silberbromür einreibt, so kommt beim Entwickeln unter dem 
Quarz keine Schwärzung hervor, wohl aber unter dem Silber und noch mehr 
unter dem Silberbromür (R. Luther, Jahrbuch d. Chemie. 1901. S. 48). 



Allgemeine Eigenschaften der Bromsilber- Gelatine etc. 81 

IX. Elnfluss der Temperatur auf das latente Lichtbild und auf 

den Entwicklungsprocess. 

Temperaturunterschiede zwischen 5 Grad und 25 Grad C. fand 
Eder 1 ) auf die photochemische Zersetzung der trockenen Bromsilber- 
platten, beziehungsweise auf die Entstehung des latenten Lichtbildes 
ohne Einfluss, falls die Platten nach der Belichtung und während der 
Entwicklung auf ein und dieselbe Temperatur gebracht wurden. 

Nach A. Schellen 2 ) soll sogar innerhalb der Temperaturinter- 
valle von — 20 Grad C. bis -J-90 Grad C. die Empfindlichkeit der Brom- 
silber-Gelatine nicht geändert werden (?). Diese Angabe dürfto irrthüm- 
lich sein, da nach Abney's genauen Versuchen eine wenig empfindliche 
Trockenplatte bei — 18 Grad C. sich 2,3 mal unempfindlicher zeigte als 
bei 38 Grad C, und auch eine hochempfindliche Platte in der Kälte 
IM mal unempfindlicher war. Es sinkt also die Empfindlichkeit von 
Bromsilber- Gelatine bei wenig empfindlichen Emulsionsplatten stärker als 
bei hochempfindlichen. Chlorsilber- Collodionplatten erforderten sogar die 
4,5 fache Exposition in der Kälte (Eder's Jahrb. f. Phot. 1896. S. 440). 

Bei ganz niedrigen Temperaturen, z. B. bei der Temperatur 
siedender verflüssigter Luft, d. i. ca. — 200 Grad C, wird die Licht- 
empfindlichkeit der Bromsilber-Gelatineplatten stark herabgesetzt; nach 
Abney 3 ) auf den vierten Theil, nach Dewar 4 ) auf den fünften Theil. 
Hierzu muss bemerkt werden, dass alle anderen chemischen Wirkungen 
bei so grosser Kälte stark gehemmt werden oder ganz aufhören und 
auch galvanische Elemente keinen Strom geben. Die photographische 
Lichtwirkung wird aber bei so enorm niedrigen Temperaturen nur be- 
trächtlich vermindert, aber keineswegs aufgehoben. 

Wird eine Bromsilberplatte mit flüssiger Kohlensäure und A etiler gekühlt 
(ca. — 120 Grad C), so wirkt das Licht wesentlich geringer als bei (mit hoissem 
"Wasser) gewiirmten Platten. Orthochromatische Platten leiden mehr durch die Kälte; 
das Sensibilisirungsmaximum im Gelbgrün (von Eosin) wird durch die Kälte fast völlig 
zurückgedrängt (Joly 6 ). Prof. Steiuer 6 ) in Prag legte auf eine in flüssiger Kohlen- 
säure und Alkohol gekühlte Bromsilberplatte (Temperatur ca. — 100 Grad C.) im 
Finstem ein erwärmtes Geldstück, nahm es weg und belichtete bei Gaslicht sehr 
kurze Zeit. Die erwärmten Stollen empfingen einen Lichteindruck, die kalten aber 
nicht; die Methode gibt also eine Art Photographie der Wärmestrahlen. 

Die Brüder Lumiere stellten (181)9. Phot. Mitth. Bd. 30. S. 144) Versuche über 
den Einfluss sehr niedriger Temperaturen auf Bromsilber- Gelatine an und fanden eine 



1) S. die älteren Auflagen dieses Werkes. 

2) Eders Jahrbuch f. Phot. 1897. S. 3li4. 

3) Eder's Jahrbuch f. Phot. 1896. S. 440. 

4) Eder's Jahrbuch f. Phot. 1895. S. 415. 

5) Eders Jahrbuch f. Phot. 1S97. S. 304. 

6) Eder's Jahrbuch f. Phot. 1N97. S. 30.1. 

Eder, Handbuch der Photographie. III. Theil. 5. Autl. (; 



82 



Dritter Theil. Siebentes Capitel. 



weit stärkere Herabsetzung der I ^ i o ] » r f t n 7 ■ 1 1 u ■■ M i < ■ }i k l- i ( in grosser Kulte, als Abney und 
Dawar beobachtet hatten. Eine Kr'iinsilhi'vjihtte wurde in [1 i i s s i u; ■ ■ Luft, in welcher 
eine Temperatur von — 191 Grad C. herrschte, thedwoise eingetaucht, nach der üblichen 
Belichtungszeit wurde Sie Platte entwickelt, und es zeigte sich, dasa das Lioht ohne 
nachweisbaren Einöuss auf den eingetauchten Theil der Platte gewesen war. Erst hei 
längerer Einwirkung wurde eino photographische Wirkung des Lichtes erzielt, und 
zwar brauchte dieselbe Lichtquelle eine 3"i0 bis 400 mal lungere Ein wirk unguis eit bei 
— 191 Grad C., als bei gewöhnlicher Temperatur, um dieselbe Wirkung hervorzubringen. 
Um. diesen Versuch völlig eiuwaudsfrei v.n machen, wurde auch radigewiesen, dass 
die Absorption der chemisch wirksamen Strahlen durch flüssige Luft unbedeutend ist. 
Die niedrige Temperatur ist also die Ursache der Hemmung der Liehtwirkung. 

Den Eintluss von Lieht und Wanne auf Chlor-, Brom- und Jodsilber atudirte 
ferner Aoworth (Phot. Journal 1892. S. 20). Er fällte die Silbersalze aus Wann P i' 
Alkohol, trug den gewaschenen Niederschlag auf Glas theils mit, theils ohne Gelatine 
auf, trocknete und prülte die Silbersalzseliielii llieils kalt, theils nach dem Erhitzen nuf 
+ 50 Grad, 100 Grad, 1(50 Grad C. auf das Verhalten gegen Entwickler. Es zeigte sich, 
dass bei allou Silbersalzen das Erhitzen auf 50 Grad C. die Empfindlichkeit steigert; 
bei 100 Grad C. trat bei AgBr -\- Gelatine das Maximum der Empfindlichkeit ein, bei 
160 Grad C. zeigte sich kein Bild, sondern Schleier; hei 200 Grad C. wirkte der Ent- 
wickler aber gar nicht mehr. Jod- oder Chlorsilber verhielten sich ähnlich. 

"Wenn man eine Bromsilber-Gelatinephitte von hinten durch ein 
heisses Eisen erhitzt, so färbt sich die Schicht gelber, wahrend sie durch 
sehr starke Abkühlung grauer wird. Die Färbungen verschwinden, 
sobald die Temperaturen ausgeglichen sind. Exponirt man eine solche 
Platte, bevor die Ausgleichung eingetreten ist, so findet man, dass die 
erwärmten Stellen wesentlich empfindlicher sind, die abgekühlten dagegen 
unempfindlicher. Hat aber die Ausgleichung der Temperatur stattge- 
funden, so ist keine Wirkung bemerkbar. E,s ist gleichgültig, wann die 
Entwicklung stattfindet, wenn nur Temperaturdilleien/. und Exposition 
zusammenfiel. Bei Papier ist die Erscheinung dieselbe (Abney 1 ). 

Nach Töth*) steigt die Empfindlichkeit einer durch 7 Stunde» auf 100 Grad C. 
erhitzten trockenen Bromsilber-Gelatine ein wenig; sie liefert gute Bilder, nur wird 
die Gelatine schwerer in Wasser löslich. Erhitzen der Bromsilber-Gelatineplatten 
durch "1 Minuten auf 110 Grad C. macht dieselben im Allgemeinen empfindlicher, die 
Wirkung des Sonuenspectrums wuchst nach beiden Enden hin; auch nach dem Er- 
kaltea bleibt die KiiipJiiullii.liLoit etwas grosser, allein der Unterschied zwischen einer 
nicht erhitztet) ist geringer. Bei 130 Grad C. tritt Zersetzung ein; die Platte ver- 
schleiert beim Entwickeln (Schümann 11 ). 

Das Erwärmen der '"Mütineplattou vor oder bei der Exposition dürfte für die 
Praxis keinen namhaften Nutzen bringen. 

Henderson trocknete lii silber-Gelatiuoplatteu im Wasserbade, exponirte 

sie nach dem Erkalten und fand, dass die Platten empfindlicher waren und dichtere 
Bilder gaben*). 

1} Brit Journ. of Phot. 1884. S, 300; Phot. Wochenbl. Bd. 10, S. 214. 



2) Phot Corresp. 1SS4. S. 205. 

3) Phot Wochenbl. 1884. S. 



Allgemeine Eigenschaften der Bromsilber- Gelatine etc. 83 

Burton 1 ) bedeckte eine Bromsilber- Gelatineplatte zur Hälfte und setzte das 
Ganze kurze Zeit der Hitze eines heissen (kurz vor die Glühhitze erhitzten) Eisens 
aus; die unbedeckte Stelle schieierte im Entwickler. 

Nach Drescher soll mehrstündiges Erwärmen auf 40 Grad C. das unsichtbare 
Lichtbild auf Bromsilber zerstören 3 ); dagegen spricht die photographische Praxis, dass 
Platten in tropischen Gegenden das unsichtbare Bild Tage lang und Wochen lang bei 
ebenso hoher Temperatur festhalten. 

Oaedicke stellte Versuche über das Verhalten des latenten 
(unsichtbaren) Lichtbildes in Bromsilber- Gelatine beim Erhitzen 
an und fand, dass Temperaturen von 60 bis 70 Grad C. dem Bilde nicht 
schaden, dass höhere Temperaturen von 85 bis 90 Grad C. das Bild wohl 
nicht zerstören, aber Verschleierung desselben bewirken, während bei 
längerem Erhitzen auf 100 Grad C. allgemeine Reduction im Hervor- 
rufer eintritt (Phot. Mitth. Bd. 23, S. 191; Eder's Jahrbuch f. Phot. 
1897. S. 299). 

Temperaturen von 60 bis 100 Grad C. bewirken nach längerer 
Zeit (mehrere Stunden) ein allmähliches Zurückgehen (Abschwächen) des 
latenten Bildes auf Bromsilber- Gelatine (Gaedicke, Eder's Jahrbuch 
f. Phot 1898. S. 125). 

Im Vorhergehenden wurde das Verhalten des Bromsilbers bei 
verschiedenen Temperaturen während der Belichtung besprochen. 

Auch verschiedeneTemperaturen des Entwicklers während 
des Hervorrufens sind von grossem Einfluss auf die Schnelligkeit 
des Entwicklungsprocesses und die erzielte Schwärzung und bis zu 
einem gewissem Grade auch auf die Expositionszeit. 

Bei Grad C. ist es sehr schwierig, trotz langer Entwicklung 
mit Eisenoxalat kräftige Negative zu erhalten; dieselben Platten geben 
unter sonst gleichen Umständen bei 15 bis 20 Grad C. in kurzer Zeit 
grosse Dichte (Eder 3 ). 

Ein warmer alkalischer Pyrogallol -Entwickler wirkt energischer als 
ein kalter. Pyrogallol -Soda- Entwickler wirkt bei 25 Grad C. so energisch, 
dass er häufig sogar die ganze Plattenschicht zu schwärzen beginnt 
(Schleierbildung), wogegen man sich allerdings durch Zusatz eines Ver- 
zögerers (Bromkalium) schützen kann; bei 12 bis 16 Grad C. arbeitet 
derselbe Entwickler klar und schleierlos, bei noch niedrigerer Tempe- 
ratur bleiben die Details in den Schatten zurück. 

Verschiedene Entwicklersubstanzen verhalten sich gegen Temperatur- 
einflüsse verschieden. Manche derselben bleiben in ihrer Wirkung bei 



1) Brit Joura. Phot. 1882. S.369; Phot. Wochenbl. 1882. S. 237. 

2) Phot. Archiv. 1882. S. 126. 

3) Phot Corresp. 1883. S. 87. 



84 Dritter Theil. Siebentes Capitel. 

niedrigen Temperaturen (welche sich Grad C. nähern) stark zurück, 
arbeiten zwischen 10 und 20 Grad C. sehr gut und verschleiern die 
Platten bei Temperaturen um 25 Grad C. stark. Andere sind Temperatur- 
einflüssen weniger zugänglich. So kann man z. B. beim Pyrogallol die 
verminderte Wirkung bei niedrigen Temperaturen durch Vermehrung 
des Alkali compensiren, beim Eisenoxalat durch Zusatz von Spuren 
von Fixirnatron. 

Hvdrochinon-Entwickler von Grad C. arbeitet zwei- bis 
dreimal träger als bei 18 Grad C. Amidol-Entwi ekler braucht bei 
OGrad C. dreimal, bei 8 Grad C. zweimal längere Zeit als bei 16 Grad C. 
Glycin-Pottasche erfordert bei 12 Grad C. eine ungefähr zweimal so 
lange Entwicklungsdauer als bei 22 Grad C. Glycin-Entwickler 
braucht bei Temperaturen über 25 Grad C. einen kleinen Bromzusatz, 
um schleierlos zu wirken (Hübl 1 ). 

Bei 1 bis 2 Grad C. gibt Eikonogen noch brauchbare Bilder, Pyro- 
gallol wirkt schwach, Hydrochinon noch weniger. Bei 25 Grad C. hin- 
gegen gibt Hydrochinon gute Negative und arbeitet rasch, während 
Pyrogallol und namentlich Eikonogen zu Schleier neigt 2 ). 

Hydrochinon -Entwickler verliert hei niedrigen Temperaturen viel mehr von 
seiner Entwieklungskraft als Pyrogallol. Bei höheren Temperaturen (über 20 Grad C.) 
arbeitet Hydrochinon sehr schnell und gibt trotzdem kräftige Negative. Eikonogen 
(auch Rodinal) verliert in der Kälte wenig an seiner Wirksamkeit, wirkt aber bei 
starker Wärme so rapid, dass er ilauo uud schleierige Negative liefert. Metol ver- 
hält sich ähnlich wie Eikonogen, kann aber in der Wärme bosser durch Zusatz von 
Bromkalium regulirt w r erden 3 ). 

Die Entwicklung von Gelatineplatten in tropischen Gegenden 
bietet viele Schwierigkeiten, nicht nur weil die hohen Temperaturen 
die Entwicklung unregelmässig machen, sondern weil auch die Schicht 
der Gefahr des Auflösens unterworfen ist. Aber selbst Temperaturen 
von 30 Grad C. sind kein Hinderniss, wenn die Gelatine der Emulsions- 
schicht genügend hart (eventuell mit Alaun gegerbt) ist. 

X, Wirkung von Vorbei ichtung und beginnender Zersetzung 
des Bromsilbers auf seine Empfindlichkeit. 

Bei der Photographie mittels Bromsilber- Gelatine muss der Licht- 
eindruck so stark sein, dass die „Schwelle der Entwickelbarkeit a über- 
wunden wird (s. Sensitometer). Lässt man eine ganz schwache allgemeine 



1) Hübl, Eder's Jahrbuch f. Phot. 1899. S. 180. — Hübl, Die Entwicklung 
der photographischen Bromsilber- Gelatineplatte. 1898. S. 52. 

2) Trail Taylor, Eder's Jahrbuch f. Phot. 1893. S. 415. — Vergl. auch 
Miethe, Eder's Jahrbuch f. Phot. 1892. S. -100. 

3) Eder's Jahrbuch f. Phot. 1895. S. 466. 



Allgemeine Eigenschaften der Bromsilber- Gelatine etc. 85 

Lichtwirkung vor der eigentlichen Exposition (sog. „Vorbelichtung") 
auf die Platte kommen, so kann man bei späterer Exposition in der 
Camera noch schwache Lichteindrücke entwickeln, welche sonst unter- 
halb dieser Schwelle geblieben wären. 

Eine derartige minimale allgemeine Belichtung der Schicht vor der 
eigentlichen Exposition in der Camera, sog. „Vorbelichtung", nimmt auf 
alle Arten von photographischen Platten (nasse, wie trockene) einen gün- 
stigen Einfluss auf die Empfindlichkeitssteigerung. Da jedoch in Anbe- 
tracht der ausserordentlichen Lichtempfindlichkeit der Bromsilber- Gelatine 
die Dosirung der Lichtmenge bei der Vorbelichtung schwer zu bestimmen 
ist, und eine starke Vorbelichtung unfehlbar zu Schleier führt, so kann 
man in der Praxis von dieser Art der Empfindlichkeitssteigerung keinen 
Gebrauch machen; die Sache hat somit lediglich theoretisches Interesse 1 ). 

. Nachfolgendes Experiment Eder's boweist eine Steigerung der Empfindlichkeit 
bei Trocken platten um das Zwei- bis Dreifache. Eine Bromsilber- Emulsion, dar- 
gestellt mittels kohlensauren Silberoxydammoniaks durch 1 I \ 2 stüudiges Erwärmen auf 
40 Grad C. , gab 15 Grad "Warnerke. Nachdem eine solche Platte durch 2 Minuten in 
unmittelbarer Nähe einer dunkelrotheu Lampe (Kerzeuflamme) vorbelichtet worden 
war, gab sie Nr. 11) im "Warnerke -Sensitometer; nach i\ Miuuteu 11) bis 20 Grad "W., 
dann trat Schleier auf. — Auch andere Experimentatoren, z. B. Gae dicke-), be- 
stätigten die Wirkung der Vorbelichtung. 

Andauerndes Kochen der Bromsilber -Emulsion bei ihrer Dar- 
stellung veranlasst gleichfall« (ähnlich wie Vorbelichtung) eine be- 
ginnende Reduction des Bromsilbers (Wirkung der Gelatine), welche 
anfangs beim Entwickeln kaum nachweisbar, aber bei stärkerem Grade 
zu einer merklichen Schwärzung der ganzen Schicht (Verschleierung) 
führt. In der That ist die höchste Empfindlichkeit, welche man bei 
der Reifung des Bromsilbers erreichen kann, knapp neben beginnender 
Zersetzung (Schleierbildung) des Bromsilbers gelegen. 

Vielleicht trägt die beginnende schwache Reduction des Brom- 
silbers dazu bei, dass das Licht die „Schwelle* leichter überwindet, 
d.h. dass die Lichtempfindlichkeit gesteigert wird 3 ). 

Jedoch reicht diese Erklärung nicht zum Verständniss des Reifens 
aus, weil Emulsionen trotz beginnenden Schleiers sehr unempfindlich 
sein können, weshalb man wieder die Annahme der Existenz ver- 
schiedener Modilicationen als Hauptursache der gesteigerten Empfind- 
lichkeit betrachten muss. 



1) Ueber Vorbelichtung, Xachbelichtung und Xcbenbolichtuug bei verschiedenen 
photographischen Processen s. Bd. 1, Abth. I, S. 313 (2. Aufl. dieses Werkes). 

2) Eder's Jahrbuch f. Phot. 1898. S. 122. 

3) In der That ist fein zertheiltcs metallisches Silber ein Sensibiiisatur (siehe 
Abegg, Zeitschr. f. wissensch. Phot. 1S91M. 



ACHTES CAPITEL. 

CHEMISCHE ZERSETZUNG DES BROMSILBERS, WELCHE 

ZUR GESAMMTSCHWÄRZUNG IM ENTWICKLER FÜHRT. 

— SCHLEIERBILDUNG. — EINWIRKUNG VON DÄMPFEN 

UND GASEN AUF TROCKENPLATTEN. 



Unter „Schleier" beim Entwickeln photographischer Platten ver- 
steht man die Silberred uction, welche die nicht belichtete Schicht 
photographischer Platten beim Behandeln mit Entwicklersubstanzen er- 
leidet. „Schleierlose" Platten bleiben während der normalen Dauer der 
Entwicklung (z. B. 5 bis 10 Minuten) an den unbelichteten Stellen voll- 
kommen intact. Ein geringer Schleier, welchen die hochempfindlichen 
Bromsilber- Gelatineplatten des Handels fast immer aufweisen, gilt in 
der Praxis mit Recht als vollkommen unschädlich. Starke Schleier aber 
sind unzulässig und schädigen die Qualität der Negative, weil so das 
eigentliche Lichtbild mehr oder weniger zugedeckt wird. (Ueber ziffer- 
mässige Bestimmung des „Schleiers" s. unten.) 

Der Schleier kann entstehen, wenn auf die Platte aus Unvorsichtig- 
keit zu viel gelbes oder rothes Licht fiel oder wenn fremdes weisses 
Licht zugetreten war. Dies ist der sog. „Lichtschleier". 

Es kann aber auch durch zu langes Kochen, durch schlechte 
Gelatine, zu viel Ammoniak etc. die Zersetzung des Bromsilbers herbei- 
geführt worden sein (sog. „chemische Schleier"). 

Beide Arten von Schleier haben ihren Grund darin, dass das 
Bromsilber in geringem Grade reducirt wurde (zu Silbersubbromid) und 
dass es sich dann im Entwickler schwärzt. 

Beide lassen sich durch Zusatz von Brom, Jod, ferner von chrom- 
sauren Salzen (s. S. 90 und 124) zerstören. 

Es gibt ferner noch Schleier in Folge einer gelösten Silberver- 
bindung, welche nur mit Pyro -Entwicklung in verschiedenen Farben 
erscheinen (sog. „Grün- U oder „Rothschleier") und welche im Capitel 
Fehler" ausführlich behandelt werden. 



V 



Chemische Zersetzung des Bromsilbers etc. 87 

Eine eigene Art von Schleier ist der „Druckschleier", welcher 
entsteht, wenn Bromsilber sehr stark gepresst wird (vergl. S. 79). Man 
kann ihn beobachten, wenn das Bromsilber mit der Plener'schen 
Centrifugalmaschine auscentrifugirt wird und dabei die Geschwindigkeit 
zu gross ist, wodurch das Bromsilber eine zusammengepresste compacte 
Masse bildet, welche schwer emulsificirt und schleierige Bilder gibt. 
Diese Art von Schleier lässt sich nicht durcli Jod oder Brom zerstören. 
Auch sehr grobkörniges Bromsilber, welches nacli zu langem Kochen 
sich absetzt, ist schleierig und lässt sich nur schwer durch die ge- 
nannten chemischen Mittel wieder herstellen. 

Auch Röntgenstrahlen, welche Holz, Carton etc. (nicht aber 
Schwermetalle, wie Blei) durchsetzen, können verpackte Trockenplatten 
zum „Schleiern 41 bringen. — Ebenso gewisse Dämpfe und Gase (s. S. 90). 

I. Entstehung des chemischen Schleiers bei der Herstellung 

der Emulsion. 

Alle Wege, welche angegeben wurden, um hochempfindliche Emul- 
sionen zu erhalten, führen zum Schlüsse zur Entstehung von schieiernder 
Emulsion. 

Wird schwach saure Bromsilber- Gelatine bei 30 bis 40 Grad C. 
erwärmt, so steigt die Empfindlichkeit von Tag zu Tag. Ungefähr am 
siebenten Tage (bald früher, bald später) beginnt die Emulsion sich zu 
zersetzen; sie gibt dann im Entwickler Schleier, d. h. sie schwärzt sich 
auch an den unbelichteten Stellen. 

Bei höherer Temperatur reift die Emulsion rascher, und die Ver- 
schleierung tritt meistens schon nach 8 / 4 bis 2 Stunden ein, bald früher, 
bald später. Es verhalten sich nämlich nicht alle Gelatinesorten gleich. 

In neutraler Gelatinelösung erfolgt die Verschleierung beim langen 
Digeriren oder Kochen rascher, als in schwach saurer Lösung. Es 
genügt eine Spur Essigsäure, Salzsäure oder Salpetersäure, um die Emul- 
sion beim Kochen hinlänglich lange klar zu erhalten. Deshalb nehmen 
viele Photographen das Ansäuern der Emulsion in die Vorschrift zur 
Emulsionsbereitung mittels Siedens auf, weil sonst allzu leicht die Grenze 
zur Verschleierung überschritten wird; bei der Digestion in massiger 
Wärme erfolgt die Veränderung viel langsamer, so dass man sie (auch 
ohne Säure) leicht überwachen kann. Zu viel Säure ist schädlich und 
verzögert das Keifen (s. S. 58 und Cap. XIV). 

Bei Gegenwart von alkalisch reagirenden Substanzen reift die 
Emulsion schon bei einer niedrigeren Temperatur, und man darf die 
Hitze beim Reifungsprocesse nicht zu sehr steigern (s. S. 61), sonst tritt 
Schleier auf. 



88 Dritter Theil. Achtes Capitel. 

Bei gewöhnlicher Temperatur bewirkt 1 bis 2 Proc. flüssiges Am- 
moniak (d = 0,91) noch keinen Schleier; selbst nach 8 Tagen nicht 
Bei 30 bis 40 Grad C. mit Ammoniak digerirt, entstehen mitunter schon 
nach einer Stunde, meistens aber erst nach 3 bis 4 Stunden Schleier, 
mit Sicherheit aber nach 24 Stunden. Bei 60 bis 70 Grad C. ist die 
Bromsilber -Gelatine nach 6 Stunden total zu Grunde gegangen; bei 
100 Grad C. erfolgt die Zersetzung fast augenblicklich. 

Eine Spur Aetzkali bewirkt bei gewöhnlicher Temperatur keinen 
Schleier (s. Cap. XIV); bei 100 Grad C. zersetzt es aber die Bromsilber- 
Gelatine so energisch, dass sie sich bräunt und metallisches Silber aus- 
scheidet. Grosse Mengen Aetzammoniak (z. B. 10 Proc.) sind in der 
Emulsion sehr gefährlich; sie verursachen selbst bei 30 Grad C. häufig 
Schleier. 

Kohlensaure Alkalien, wie kohlensaures Ammoniak und Soda, 
wirken milder. Man kann eine Bromsilber- Gelatine mit V 4 bis 1 / 2 Proc. 
festem kohlensauren Ammoniak selbst 10 bis 15 Minuten sieden, ohne 
Verschleierung befürchten zu müssen. Eine Emulsion verträgt sogar 
1 Proc. Soda, ohne bei einstündiger Erwärmung auf 30 bis 40 Grad C. 
Schleier zu geben. Selbstverständlich stellt sich der letztere bei fort- 
gesetztem Erwärmen ein. 

Da sich die Gelatine -Emulsion bei Gegenwart eines Alkalis ganz anders, als bei 
schwach saurer Reaction verhält, so muss man auf die saure oder alkalische Reaction 
der Gelatine das Augenmerk lenken. Saure Gelatine wirkt auf das Bromsilber selbst 
bei der Siedetemperatur durch kurze Zeit nicht nachtheilig ein; alkalische verursacht 
leicht Schleier. Sobald mau also nicht absichtlich ein Alkali zusetzt und in Folge 
dessen seine seeundären zersetzenden "Wirkungen nicht in Rechnung zieht, wird eiu 
zufällig vorhandenes Alkali stören: so beispielsweise bei den Methoden, nach welchen 
die Emulsion gekocht wird. Ebenso störend wirkt das Auftreten von Ammoniak bei 
mehrtägiger Digestion bei 30 bis 35 Grad C. sein (Bennett 's Verfahren), denn man 
macht sich dabei nicht auf die unbeabsichtigte Nebenwirkung des Ammoniaks gefasst, 
welches beim langen Digerireu Schleier gibt. Man wird auch hier saure Gelatine 
nehmen, welche nach 10 Tagen noch kein Ammoniak zu entwickeln pflegt, während 
alkalische Gelatine schon nach 2 bis 4 Tagen Ammoniak abgibt. Alkalische Gelatine 
und alkalisches Bromkalium sind unschädlich , wenn man absichtlich gleich zu Beginn 
Ammoniak zusetzt, denu dann ist der ganze Arbeitsmodus für die alkalische Flüssig- 
keit angepasst. 

Der Verschleierung der Emulsion wirkt entgegen: 

1. Ein Zusatz von Jodsilber zum Bromsilber. Jodbrom -Emulsion 
verdirbt nicht so leicht beim Kochen und widersteht auch besser beim 
ammoniakalischen Processe. 

2. Uebersehuss von löslichem Bromid während des Erhiteens. 
Eine Emulsion, welche kein überschüssiges, lösliches Bromsalz enthält, 
verschleiert leicht; deshalb soll man eine gewaschene Emulsion beim 



Chemische Zersetzung des Bromsilbers etc. 89 

Wiederschmelzen nicht zu heiss machen, sondern unter 50 bis 60 Grad C. 
halten. 

3. Ueberschuss von löslichem Chlorid wirkt gleichfalls schleier- 
widrig während des Reifens; aber nicht in so hohem Grade wie das 
Broniid. 

4. Bei der Siede -Emulsion wirkt ein Zusatz von Säure schleier- 
widrig. Vergl. ferner Cap. XIV. 

Separat gefälltes und gewaschenes Bromsilber, mit Gelatine gekocht, gibt leichter 
Schleier als mit Glycerin und Gummi arabicum 1 ). 

Der Leim (Gelatine) verhält sich nicht nur gegen Silbersalze, sondern im All- 
gemeinen als Reducirer, was Bizio vor einiger Zeit erkannte: er fand, dass z. B. 
Quecksilberchlorid durch wässerigen Leim zu Chlorür, und Quecksilberoxyd durch 
alkalische Leimlösung zu Metall reducirt wird' 2 ). 

Durch die monateiange Einwirkung von wässeriger Gelatine auf Bromsilber in 
der Kälte, die tagelange bei 30 bis 40 Grad C. und minutenlange Digestion bei 
100 Grad C, wird eine geringe (durch Dunkelfärbung noch keineswegs ersichtlich 
werdende) Reduction zu Silbersubbromid eingeleitet. Es darf uns dann nicht Wuuder 
nehmen, dass alkalische Emulsionen rascher schieiern als saure. Auch Bromsilber- 
collodion schieiert, wenn es monatelang mit Tannin, Gallussäure etc. in Berüh- 
rung ist. 

In trockenem Zustande scheint die Gelatine nur einen verschwin- 
denden, äusserst schwachen reducirenden Einfluss auf das Bromsilber 
zu haben; wenigstens schieiert völlig trockene Emulsion selbst nach 
mehreren Jahren in der Regel nicht. 

Denselben Impuls zur leichten Reducirbarkeit des Bromsilbers 
zu Metall mittels chemischer Entwickler kann man demselben also 
durch kurze Belichtung oder auch durch Digestion mit sehr schwach 
reducirenden Körpern (mit bromabsorbirenden Substanzen) ertheilen; 
in beiden Fällen kann man die Reduction durch andauernde Ein- 
wirkung des Lichtes oder der erwähnten Substanzen bis zur Bräunung 
fortführen. 

Sehr interessant erscheint die Beobachtung, dass alle jene Körper, 
welche die Entstehung des latenten Lichtbildes verzögern, auch die 
analoge Verzögerung bei der Digestion mit schwach zersetzenden Sub- 
stanzen hervorbringen. Besonders die Einwirkung der löslichen Bromide 
ist in dieser Richtung beachtenswert!}. Bromkalium verzögert die photo- 
graphische Zersetzung um so mehr, ein je grösserer Ueberschuss vor- 
handen ist. Bei der Anwesenheit eines namhaften Ueberschusses von 
Bromkalium erhält die Bromsilber -Gelatine -Emulsion sowohl bei deren 
Digestion für sich, als mit etwas Ammoniak viel schwieriger die Neigung, 



1) British Journ. of Phot. Januar 18S1. 

2) Berichte der deutsch, ehem. Gesellsch. Bd. 9, S. 1438. 



90 Dritter Theil. Achtes Capitel. 

sich mit dem Entwickler zu schwärzen, als bei der Gegenwart einer 
geringeren Menge desselben. 

Die photographische Zersetzung des Bromsilbers, welche es beim 
kurzen Belichten in der Camera erleidet, erklärt sich nach dem Obigen 
nicht als ein eigenartiger Process, sondern als das Resultat einer 
partiellen, auch auf andere Weise zu erzielenden minimalen Brom- 
abspaltung. 

II. Substanzen, welche den chemischen Schleier der 

Bromsilber -Gelatine zerstören. 

Die Kenntniss dieser chemischen Agentien ist wichtig, weil manche 
Zufälligkeiten die Entstellung des Schleiers herbeiführen können. 

Das einfachste, unschädlichste Mittel, einen schwachen Schleier zu 
vermeiden (resp. zu zerstören), ist der Zusatz von etwas Bromammo- 
nium oder Bromkalium zur flüssigen gewaschenen Emulsion vor dem 
Giessen, was Cap. XIV ausführlich beschrieben wird. 

Radicaler wirkt Bromtinctur (s. Cap. XIV), weniger gut Jod oder 
Chlor (s. Cap. XIV), welche wohl nur in der geschmolzenen Emulsion 
zur vollen Wirkung gelangen. Kaliumbichromat schwächt das latente 
Lichtbild, aber zerstört es nicht völlig. Zusatz von Säuren zum Bi- 
chromat, wie Salzsäure (welche Chlor frei macht), Salpetersäure, Schwefel- 
säure, zerstören aber das Lichtbild, wie Eder zuerst angab. 

Als Bäder für trockene Platten, welche durch Lichtzutritt verdorben sind, 
können nach Eder 1 ) folgende Bäder dienen: 

1 Theil Kaliumbichromat, 3 Theile Salzsäure und 100 bis 150 Theile Wasser; 
oder: 1 Theil Kaliumbichromat, 3 Theile Schwefelsäure, 100 bis 150 Theile Wasser. 
Man lässt eine oder mehrere Stunden baden, wäscht mit Wasser stundenlang und 
trocknet. Die Empfindlichkeit solcher Platten sinkt immer erheblich, weshalb dieses 
und andere ähnliche Mittel wenig gebraucht worden. 

Auch ein Gemisch von Bromammonium und Salpetersäure zerstört das Licht- 
bild 2 ), jedoch nicht so vollkommen wie Chrombäder. 

III. Wirkung von Dämpfen. Grasen, Evaporationen von Metallen 
und anderen festen Körpern auf Brom silberplatten. 

Die photographische Bromsilber- Gelatineplatte ist ungemein sen- 
sibel gegen ganz schwache chemische Agentien, gegen Gase und Dämpfe, 
welche sich in einer unendlich kleinen, kaum nachweisbaren Menge 
ausscheiden. 



1) Phot. Archiv. 1881. S. 109. 

2) Von Shermann zur Restaurirung belichteter Platten empfohlen (Phot 
Almauac for 1877. S. 112; Thot. Mitth. 1877. Bd. 14, S. 182). — Ferner Juhl 
(Eder's Jahrbuch f. Phot. 1896. S. 478). 



Chemische Zersetzung des Bromsilbers etc. 91 

Colson (1896) fand, dass eine von Oxydschicht befreite Zink- 
platte oder Aluminiumplatte auf grössere Distanz Dämpfe abgibt 
(Evaporationen liefert), welche Bromsilber- Gelatine afficiren, so dass es 
sich im Entwickler schwärzt (Eder's Jahrbuch f. Phot. 1898. S. 407). 
W. J. Eussell führte aus. dass unzählige Gegenstände (metallischer oder 
nichtmetallischer Natur) „Strahlen" (richtiger „Dämpfe") aussenden, 
welche auf Bromsilberplatten wirken. So z. B. haben diese Wirkung 
Zinn, Oadmium, Blei, amalgamirtes Zink, viele Metalle (ausgenommen 
Gold, Platin und Eisen), organische Stoffe, wie Stroh, Druckerschwärze, 
Holz, besonders Fichtenholz und Holzstoffpapiere. Diese Wirkung dringt 
durch Guttapercha, Collodion, Celluloi'd und gewisse Papiersorten, 
während andere Papiere, Glas, Mineralien etc. sie aufhalten. Russell 
kann diese Erscheinungen nicht völlig erklären, meint aber, es sei ge- 
bildetes Wasserstoffsuperoxyd im Spiele (Eder's Jahrbuch f. Phot. 
1898. S. 246; 1899. S. 9 und 500). 

Auch Terpentinöl wirkt stark auf Bromsilber- Gelatine (Sperber, 
Eder's Jahrbuch f. Phot. 1899. S. 501), so dass dieselbe ohne voraus- 
gegangene Lichtwirkungen im Entwickler geschwärzt wird. 

Die Kenntniss der allmählich zersetzenden Wirkung von Dämpfen 
oder Strahlungen, welche von so verschiedenartigen Substanzen aus- 
gehen und die Bromsilberplatten verändert, ist von Wichtigkeit, weil 
sie Störungen im photographischen Processe mit sich bringen kann. 

Die oft gemachte Beobachtung, dass ganz neue Holzcassetten die 
darin aufbewahrten Trockenplatten nach 1 bis 2 Wochen schleierig 
machen, dass Schachteln und Papiere aus Holzstoff oder anderem un- 
günstigen Materiale Randschleier oder gänzlichen Schleier mit der Zeit 
hervorrufen, gehört hierher. (Ueber Prüfung von schwarzem Papier, 
welches zum Verpacken von Bromsilber- Gelatineplatten dienen soll, 
s. unten.) 



NEUNTES CAPITEL. 

UNTERSUCHUNG ÜBER ELEKTROLYTISCHE ODER 

CONTACTWIRKUNGEN BEI DER ENTWICKLUNG VON 

LICHTBILDERN. — PHYSIKALISCHE ENTWICKLUNG. — 

HERVORRUFUNG NACH DEM FIXIREN. 



I. Contactwirkung bei der Entwicklung. 

Es ist eine Thatsache, dass das fein vertheilte metallische Silber 
im innigen unmittelbaren Contacte mit Bromsilber bei Einwirkung 
photographischer Entwickler die Reduction des letzteren begünstigt. 
Wird (nach Abney 1 ) ein entwickeltes Lichtbild, aus metallischem Silber 
bestehend, mit Bromsilber-Emulsion überzogen und dann mit einem 
chemischen Entwickler behandelt, so wird das Bromsilber (ohne dass 
irgend eine Lichtwirkung vorausgegangen wäre) über den Bildstellen 
zu Metall reducirt und das Lichtbild reproducirt sich durch blosse Be- 
rührung. 

Legt man einen Draht von reinem Silber bei Lichtausschluss auf 
eine Bromsilberschicht und lässt Kaliumferrooxalat einwirken, so be- 
obachtete Eder an den Berührungsstellen mitunter eine schwache 
Reduction des Bromsilbers; genaue Versuche (Phot. Corresp. 1899) aber 
zeigten, dass bei Vermeidung von stärkerem Drucke diese Reduction 
nicht oder kaum nachweisbar auftritt. Dagegen ist die Reduction 
durch Contactwirkung nur bei sehr feiner Vertheilung und innigstem 
Contacte deutlicher nachweisbar. 

Abney variirte sein vorhin beschriebenes Experiment später (Eder's 
Jahrbuch f. Phot. 1899. S. 357) iu der Weise, dass er eine Bromsilber- 
Gelatineplatte kurz belichtete, theilweise Chlorbrom-Emulsion dar- 
übergoss und nach dem Trocknen mit alkalischem Entwickler hervor- 
rief. Es zeigte sich dann auf dem nicht belichteten Chlorbromsilber- 



1) Emulsious Processes in Photojrraphy. London, 1878. S. 11. 



Untersuchung über elektrolyt. oder Contactwirkungen bei der Entwicklung etc. 93 

Ueberznge ein deutliches Bild, während auf dem nicht überzogenen Theile 
das Entwicklungsbild schwächer war. Durch Abziehen der nachträglich 
aufgegossenen unbelichteten Chlorbrom -Emulsion Hess sich constatiren, 
dass diese ein deutliches, kräftigeres Bild als das belichtete Brom- 
silber zeigte. 

Diese Vorgänge fasste man früher (dies geschah auch im IL Bande 
dieses Werkes, 2. Aufl., S. 47 seitens des Verfassers) als elektrolytische 
Phänomene auf. G. Bredig 1 ) zeigte aber, dass höchst wahrscheinlich 
eine Contactwirkung in völliger Analogie mit dem Auskrystalli- 
siren übersättigter Lösungen bei Berührung mit Krystall- 
keimen gleicher Art vorliegt. 

Abegg ging so weit, die ganze Entwicklungstheorie des latenten Bildes mit 
chemischen Entwicklern auf die primäre Entstehung von „Sil herkeimen" durch 
Lichtwirkung im Bromsilber zu erklären, was aber ganz unhaltbar ist, weil das pri- 
märe Lichtbild unmöglich aus metallischem Silber bestehen kann 2 ) (vergl. S. 74). 

Bei der chemischen Entwicklung (das ist die gewöhnliche Art, 
photographische Trockenplatten zu entwickeln) ist die Contactwirkung 
von metallischem Silber und Bromsilber sicherlich nur eine ganz neben- 
sächliche. 

Anders liegt die Sache bei der physikalischen Verstär- 
kung von Silbernegativen mittels eines Gemisches von Pyrogallol 
und Silbernitrat, ebenso wie bei der physikalischen Entwicklung 
von belichteten Emulsionsplatten vor und auch nach dem Fixiren. Bei 
den Vorgängen genügen die vorhandenen, sogar unsichtbaren minimalen 
Partikelchen von metallischem Silber, um die physikalische Entwick- 
lung, also Silberabscheidung auszulösen, ebenso wie ein Krystallkeim 
die Krystallisation einer übersättigten Lösung einleitet. Wie klein ein 
solches Krystallfragment sein kann, welches noch auslösend auf den 
Krystallisationsvorgang wirkt, hat Ostwald gezeigt 3 ), der noch mit 
Krystallmengen von Viooooooo Milligramm solche Abscheidungen beim 
Krystallisiren von Salzen aus ihren Lösungen einzuleiten vermochte. 

II. Entwicklung von Gelatincplattcn mit physikalischer 

Entwicklung. 

Gewöhnliche Bromsilber- Gelatineplatten lassen sich mit saurer 
Pyro- oder Eisenvitriollösung und Silbernitrat (d. i. mit dem Ent- 



1) Eder's Jahrbuch f. Phot. 1899. S. 357. 

2) Siehe die Kritik dieser Silberkeimtheorie Prof. Abegg' s, welche auch 
Dr. Englisch vertheidigte , durch Eder (Phot. Corresp. 1S99. S. 276, 332 u. 463). 

3) Zeitschr. f. physik. Chemie, Bd. 22, S. 289. 



94 Dritter Theil. Neuntes Capitel. 

wickler für nasse Collodionplatten) nicht mit Vortheil entwickeln. Man 
erzielt nur geringe Empfindlichkeit und dünne Bilder. 

Es gelingt nicht, auf gewöhnlichen Bromsilber- Gelatineplatten 
mittels saurer Pyrogallus-, Gallus- oder Eisen vitriollösung und Silber- 
nitrat brauchbare Negative oder Diapositive herzustellen. 

Die Entwicklung gelingt aber sofort, wenn man die Bromsilber- 
Gelatine, oder noch besser eine Jod-, Chlor-, Jodbrom- oder Jodchlor- 
Emulsion in einer Silbernitratlösung badet, trocknet, belichtet und 
nun mit den bekannten Entwicklern, z. B. Pyrogallol, Citronensäure 
und Silbernitrat, entwickelt. Dadurch erhält man schleierlose, schöne, 
brillante Bilder. Die Farbe der Bilder lässt sich beliebig abstimmen, 
und zwar z. B. durch Aenderung der Säure (Citronensäure, Essigsäure, 
Weinsäure) oder Mischen von Pyrogallus mit Gallussäure etc. 

Auf Papier lassen sich auf diese Weise Schnellcopien herstellen, 
welche nicht schlecht sind. Allerdings muss man viel länger belichten, 
als mit alkalischem Entwickler. 

III. Fixiren des latenten Bildes und nachfolgendes 

Hervorrufen. 

Erzeugt man durch kurze Belichtung in der Camera ein latentes 
Lichtbild und fixirt es in Fixirnatronlösung ohne es zuvor zu ent- 
wickeln, so kann das Auge keine Spur eines Lichtbildes wahrnehmen. 

Legt man die Platte in chemische Entwickler (alkalischen Pyro- 
gallol etc.), so erscheint gleichfalls kein Lichtbild. 

Behandelt man aber die belichtete und fixirte Platte mit 
physikalischen Entwicklern, so entwickelt sich allmählich ein nega- 
tives Bild, indem sich an den vom Lichte getroffenen Stellen metalli- 
sches Silberpulver aus der Entwicklerflüssigkeit anlagert 

Dieses Phänomen der Hervorrufung des Bildes nach dem 
Fixiren ist keineswegs neu (vergl. Bd. II, S. 43, 2. Aufl.); es war bei 
Collodionplatten schon lange bekannt. Bei Gelatineplatten wurde man 
erst in neuerer Zeit wieder darauf aufmerksam. 

F. Kogelmann 1 ) machte aufmerksam, dass das latente Lichtbild in Brom- 
silber-Gelatine sich nach dem Fixiren mittels saurem Eisenvitriol oder Pyrogallol und 
Silbernitrat entwickeln lasse. Es muss also in den fixirten Theilen (ohne Hervor- 
rufung) der Bromsilberschicht ein Körper (unsichtbar) enthalten sein, welcher ein 
An zieh ungs vermögen gegen Silberpulver in statu nascendi hat. Sterry*) zeigte, dass 
eine belichtete und fixirte Bromsilber- Gelatinetrockenplatte bei Tageslicht entwickelt 



1) Kogelmann (1894); Eder's Jahrbuch f. Phot. 1895. S. 418. 

2) Eder's Jahrbuch f. Phot. 1899. S. 289 und 470. 



Untersuchung über elektrolyt. oder Contactwirkungen bei der Entwicklung etc. 95 

werden könne, was Neuhauss bestätigte (Eder's Jahrbuch f. Phot. 1899. S. 476). Es 
hängt jedoch (nach Neuhauss) viel von der Art des Entwicklers ab. Es eignen 
sich Lösungen von Silberrhodanid oder -thiosulfat, gemischt mit Entwicklersubstanzen 
(Rodinal oderMetol), welche sich sehr langsam unter allmählicher Silberausscheidung 
zersetzen. Gut entspricht ein Entwickler aus: 100 ccm Wasser, 24 g Rhodanammonium, 
4 g Silbernitrat, 24 g Natriumsulfit, 5 g Fixirnatron, 6 Tropfen Bromkaliumlösung 
(1 : 10); von dieser Lösung mischt man 6 ccm mit 54 ccm Wasser und 2 ccm Rodinal. 
— Haschek verwendete eine ähnliche Mischung, jedoch setzte er Metol statt Rodinal 
zu (Eder's Jahrbuch f. Phot 1899. S. 476). Die Entwicklung dauert sehr lange 
(stundenlang). Das Bild ist dünn, meistens nicht besonders schön abgestuft und 
muss mit Quecksilberchlorid verstärkt werden. 

Bringt man eine unfixirte, belichtete Bromsilber- Gelatineplatte in einen der- 
artig gemischten physikalischen Entwickler, so entwickelt sich das Bild gleichfalls und 
die gleichzeitig vorhandenen Fixirmittel fixiren es aus (Haschek a. a. 0.). 

Man kann auch eine Bromsilber- Gelatineplatte anfangs chemisch entwickeln, 
dann (vor dem Fixiren) mit obigem physikalischen Entwickler weiter entwickeln oder 
verstärken (Haschek, Phot Rundschau 1899. S. 196), was aber nach Neuhauss 
(Phot Rundschau 1899. S. 196) keinerlei Vortheile bietet 

Die von mancher Seite an diese Phänomene geknüpfte Hoffnung, brauchbare 
Processe zur Erzeugung photographischer Negative durch Fixiren und darauf- 
folgendes Entwickeln zu gewinnen, haben sich bisher durchaus nicht erfüllt; die 
Resultate sind vielmehr mangelhaft 

Nach der Silbersubbrornid -Theorie erklärt sich dieses Phänomen 

ungezwungen durch die Annahme, dass im latenten Lichtbilde Sub- 

bromid (von der schematischen Formel Ag 2 Br) vorhanden ist, welches 

beim Behandeln mit Fixationsmitteln (Fixirnatron, Rhodaniden etc.) sich 

spaltet 

Ag 2 Br = AgBr + Ag. 

Das Bromsilber löst sich auf, und feine Partikelchen von Silbermetall 
bleiben in minimaler Menge zurück — zu gering, um als Schwärzung 
wahrgenommen zu werden, aber gross genug, um Attractionscentren 
für ausgeschiedenes nascirendes Silber (aus physikalischen Entwicklern) 
zu bilden. 

Chemische Entwickler sind auf belichtete fixirte Trockenplatten 
ohne Wirkung. Halbfixirte belichtete Platten aber geben an den 
unteren (nicht fixirten) Bromsilberschichten noch deutliche Bilder 
(Vidal 1 ). Manche Entwickler vertragen ohne Schaden für ihre ent- 
wickelnde Kraft Zusatz von viel Fixirnatron; sie fixiren und ent- 
wickeln dann gleichzeitig, wie zuerst Punnett 2 ) für Ortol-Ent- 
wickler, Hanneke 8 ) für Brenzcatechin-Entwickler angab. Solche ge- 



1) Eder's Jahrbuch f. Phot. 1899. S. 477. 

2) Eder's Jahrbuch f. Phot. 1899. S. 477. 

3) Phot Mitth. 1899. 



96 Dritter Thoil. Neuntes Capitel. 

mischte Fixir- und Entwicklerbäder wurden von Ellon (Berlin) 1899 
in den Handel gebracht, sind aber nicht vortheilhaft (Eder, Phot. 
Corresp. 1899. S. 469). 

Behandelt man ein mit chemischem Entwickler hervorgerufenes, 
fixirtes und gewaschenes Bromsilber- Gelatine-Negativ mit solchem „physi- 
kalischen Entwickler", so verstärken sich die Negative allmählich und 
ziemlich ausgiebig. Darauf hat man versucht eine Verstärkungsmethode 
mit Silber zu gründen, welche aber bei Gelatine - Negativen nicht 
sehr erfolgreich verwendbar ist. Dies ist erwähnenswerth, weil nasse 
Collodionplatten die Silberverstärkung sehr gut annehmen, bei weitem 
besser als Gelatineplatten, was damit zusammenhängen mag, dass bei 
Collodionplatten die Silberpartikelchen mehr an der Oberfläche liegen 
und die Collodionschicht ein dünnes indifferentes Bindemittel darstellt, 
während die dicken und gequollenen Gelatineschichten den Zutritt der 
Silberverstärkung zu den Silberpartikelchen nicht so gut gestatten, und 
deshalb den physikalischen Anlagerungsprocess ungünstig beeinflussen; 
bei rein chemischen Verstärkungsmethoden (z. B. der Quecksilber-, Uran- 
Verstärkung etc.) kommt dies nicht in Betracht. 



ZEHNTES CAPITEL. 

CHEMISCHE ZUSAMMENSETZUNG DES ENTWICKELTEN 
NEGATIVS. — SCHWÄEZUNG IM ENTWICKLER — UN- 
LÖSLICHWEEDEN VON GEL ATINE - EMULSION DUECH 
LICHTWIEKUNG. — MIKEOSKOPISCHE BEOBACHTUNGEN 
ÜBEE KOEN ETC. BEI BKOMSILBER- GELATINE. 



Wird eine Bromsilber- Gelatineplatte belichtet und mittels chemi- 
scher Entwickler ein photographisches Negativ erzeugt, so schwärzen 
sich die belichteten Stellen unter Ausscheidung von reducirtem metallischen 
Silber, welches je nach der Natur des verwendeten Entwicklers eine 
grauschwarze, bräunliche (gelb- oder rothstichige), selten grünbraune 
Färbung aufweist. Die überwiegende Hauptmasse der dunklen Bild- 
substanz im photographischen Negative ist feinzertheiltes metallisches 
Silber, welches beiläufig die körnige Structur des Bromsilbers, von 
dem es stammt, aufweist. 

Bestand der Entwickler aus Eisenoxalat, Hvdroxvlamin, 
hydroschwefliger Säure (resp. deren Salze), kurz, wurden Roductions- 
mittel verwendet, deren Reactionsproducte beim Entwickeln (Oxydations- 
producte) wenig oder nicht gefärbt sind, oder besser gesagt kein Tin- 
girungsvermögen (färbende Kraft) für Gelatine oder feinzertheiltes Silber 
besitzen, so wird die Bildsubstanz aus reinem, grauschwarzem metal- 
lischen Silber gebildet. 

Manche Entwicklersubstanzen, wie z. B. alkalisches Pyrogallol und 
andere Körper, deren Oxydationsproducte intensive (meist braune) Färbung 
aufweisen, färben das Bromsilber bräunlich, indem insbesondere an den 
Bildstellen sich nicht nur an den Silberpartikelchen Farbstoffnieder- 
schläge anlagern, sondern auch an der Gelatine, in welche die Silber- 
körnchen eingebettet sind. Man kann durch Lösungsmittel das Silber- 
bild entfernen, und dann bleibt ein schwaches Farbstoffbild deutlich 

Eder, Handbach der Photoirraphie. NT. Thoil. ö. Aull. 7 



98 Dritter Theil. Zehntes Capitel. 

zurück, wie insbesondere Liesegang 1 ) gezeigt hat. Man kann deshalb 
von einem anorganischen und einem nebensächlichen organischen 
Bild im photographischen Negativ sprechen. 

Alle Zusätze, welche die Entstehung gefärbter Producte im ge- 
brauchten Entwickler hintanhalten, z. B. Natriumsulfit, bewirken die 
Bildung von grauschwarzen Silberreductionen. Lässt man Natriumsulfit 
(von Pyrogallol, Pyrocatechin, Eikonogen etc.) weg, so werden die 
Negative mehr braun. 

Die bräunlich gefärbten Negative zeigen beim photographischen 
Copirprocesse häufig eine stärkere Deckkraft, als man mit dem Auge 
abschätzt Die optische Durchlässigkeit ist in solchen Fällen nicht 
völlig maassgebend für die Durchlässigkeit gegenüber den chemisch wirk- 
samen Strahlen (blauviolett beim Copirprocess). — Alaun, schwache 
Säuren, Oxydationsmittel etc. bleichen unter günstigen Verhältnissen 
das Farbstoffbild aus und lassen grauschwarzes Silber zurück. 

Dominirend und ausschlaggebend im photographischen Negative 
ist stets das ausgeschiedene Quantum von metallischem Silber. 

Nach Hnrter und Driffield werden beim Auffallen von Licht 
auf photographische Trockenplatten ungefähr 2 1 / 2 bis 3 Proc. durch- 
gelassen, 20 bis 30 Proc. Licht werden absorbirt und ca. 67 bis 77 Proc. 
Licht retlectirt. Es lässt sich ein Einfluss der Menge des eintretenden 
Lichtes auf die Menge des Bromsilbers in der Platte nachweisen. (Eder's 
Jahrbuch f. Phot. 1899. S. 209.) 

Der Silberniederschlag einer entwickelten photographischen Platte 
ist um so dichter (undurchsichtiger, schwärzer im durchfallenden Lichte), 
je weniger Licht er durchlässt, d. h. je mehr metallisches Silber auf 
die Flächeneinheit der Schicht niedergeschlagen ist. Man bezeichnet 
als „Dichtigkeit einer Platte" (oder wie wir es auch besser nennen 
können: „Schwärzung" oder „Opacität") den Logarithmus ihrer 
Undurehlässigkeit für das Licht. Diese Zahl, welche das Maass der 
„Schwärzung" repräsentirt, ist dem Gewichte des metallischen Silbers 
auf der Flächeneinheit proportional und entspricht dem auf das Auge 
hervorgerufenen Lichteindrucke 2 ). 

Die „Schwärzung" gewöhnlicher guter Negative liegt bei Portrait- 
aufhahmen (Studienköpfen) vom Schatten bis zum hellsten Lichte zwischen 
bis 1,5, bei Landschaften oder kräftigen Negativen bei 2 bis höch- 
stens 2,5, welche letztere Dichtigkeit nur besonders contrastreichen 
Negativen mit intensiver Schwärzung der hellsten Lichter zukommt 



1) Eders Jahrbuch f. Phot. 1896. S. 11 u. 477. 

2) Hurter und Driffield, Eder's Jahrbuch f. Phot. 1899. S. 219. 



Chemische Zusammensetzung dos entwickelten Negativs etc. 



99 



Die „Schwärzung 2" gibt an, dass die Undurchsichtigkeit der Platte 
an den dichtesten Stellen so gross war, dass sie durchfallendes Licht 
von der Intensität 1 auf 1 / l00 schwächt, d. h. die Undurchlässigkeit ist 
= 100; der Logarithmus von 100 ist -= 2, also ist, kurz gesagt, die 
Schwärzung « 2. 

Die „ Schwärzung l a entspricht einem kräftigen Mittelton des 
photographischen Negativs, sie entspricht einer Undurchlässigkeit gegen 
Licht « 10 (der Logarithmus von 10 ist = 1). Geht Licht von der 
Helligkeit 1 ungeschwächt (also mit derselben Helligkeit 1) durch, so 
ist der Logarithmus von 1=0, also die „Schwärzung 11 der Schicht =* 0. 

In Form einer kleinen Tabelle ergibt sich: 





Logarithmus der 




Logarithmus der 


Undurchlässig- 
keit der Schicht 


Undurchlässigkeit 

= Schwärzung 

1 


Undurchlässig- 
keit der Schicht 


Undurchlässigkeit 
= Schwärzung 


1,0 l ) 


0,0 


25,1 


1,4 


1,26») 


0,1 


31,0 


1,5 


1,6 


0,2 


40,0 


1,6 


2,0 


0,3 


50,0 


1,7 


2,5 


0,4 


63,0 


1,8 


3,2 


0,5 


79,5 


1,9 


4,0 


0.6 ! 


100,0 


2,0 


5,0 


0,7 : 


126,0 


2,1 


6,3 


0,8 


160,0 




8,0 


0,0 


200,0 


O 9 
-1° 


10,0 


1,0 


250,0 


-',4 


12,6 


1,1 


316,0 


2.5 


15,9 


1,2 


500.0 


2,7 


20,0 


1,3 


1000,0 


3,0 



Man kann die Silbermenge quantitativ bestimmen, welche, auf eine 
gewisse Plattenfläche vertheilt, die „Schwärzung" = 1 hervorruft. Nach 
Hurter und Driffield 3 ) bewirkt eine Menge von 0,0131 g metal- 
lischen Silbers auf eine Plattenfläche von 100 qcm die „Schwärzung" 
(„Opacität") = 1, falls das Bromsilberbild mittels Eisenoxalat ent- 
wickelt war. Die „Opacität u der Platte ist jedoch je nach der Farbe 



1) D. h. Licht von der Intensität 1 passirt ungeschwächt, mit derselben Inten- 
sität, die Schicht. 

2) D. h. Licht von der Intensität 1 wird in der Schiebt auf zp>- geschwächt. 

Die Undurchlässigkeit der Schicht ist der reeiproke Werth der Schwächung des sie 
durchsetzenden Lichtes. 

3) Eder's Jahrbuch f. Phot. 1899. S. 221. 

n * 



100 Dritter Thcil. Zehntes Capitel. 

des gefällten Silbers eine verschiedene, indem Negative, welche mit 
Pyrogallol entwickelt sind, zur Erzielung derselben optischen Opacität 
weniger Silber erforderlich machen. Z. B. entsprechen 0,0104 g mittels 
Pyrogallol reducirten Silbers pro 100 qcm der Opacität (Schwärzung) = 1. 

Nimmt man an, dass durchschnittlich 0.012 g metallisches Silber 
pro 100 qcm Platteufläche noth wendig sind, um die Schwärzung = 1 
zu geben, so erfordert die 



Schwärzung 


Metallisches Silber 
pro 100 qcm Fläche 


0,5 


O,00(> g 


1,0 


0,012 „ 


1,5 


0,018 „ 


2,0 


0.024 „ 


2,5 


0,030 „ 


3,0 


0,3()3 „ 



Es ist also wirklich das Maass der Schwärzung dem Gewichte des 
auf die Flächeneinheit ausgeschiedenen metallischen Silbers proportional. 

In der Periode der sehr kurzen Belichtung (Periode der 
Unterexposition) erfolgt bei Bromsilber- Gelatineplatten mit Eisen- 
oxalat-Entwickler oder dergl. die „Schwärzung" des Negativs pro- 
portional der Belichtungszeit. In der Periode der correcten 
Aufnahmezeit und Entwicklung ist die Schwärzung zufolge der 
Silberreduction im Entwickler annähernd proportional den Logarithmen 
der Expositionszeiten. In der Periode der Ueberexposition (neu 
traler Zustand Janssen's 1 ) verschwinden die Unterschiede zwischen 
schwächerer und stärkerer Lichtwirkung fast vollständig, und in der 
Periode der Solarisation geht die Lichtwirkung wieder zurück. 

Die Messung der Schwärzung des entwickelten Lichtbildes auf 
Bromsilber- Gelatine im Zusammenhange mit der einwirkenden Licht- 
intensität führt zur Sensitometrie der photographischen Platten (s. d.) 
und Construction der Schvvärzungs-Curve (s. d.). 

Der Silbergehalt einer Trockenplatte (Verhältniss von Bromsilber 
zur Gelatine), sowie die Dicke der Emulsionsschicht beeinflussen die 
Dichte (Schwärzung) der Negative. Es ist ohne weiteres einleuchtend, 
dass in der sensiblen Schicht hinlänglich Mengen von Silbersalz zugegen 

1) Si«-he Bd. II (2. AulL). S. 78 dieses TTandbuchs. 
: '. :" ... .♦. : :2> Si.die Bd. I. Abth. I. (2. Aufl.). S. 308. (Hurter und Driffield.) 

• v . • i • • : ■* 

• • - . ••• %.• 



Chemische Zusammensetzung des entwickelten Negativs etc. 101 

sein müssen, um nach dem Entwickeln genügend deckende Schichten 
reducirten Silbers zu liefern (vergl. S. 77 und 78). 

Jedoch ist der Silbergehalt der Bromsilber-Gelatineplatte 
allein nicht ausschliesslich maassgebend für die Dichte des re- 
sultirenden Negativs, denn es kann eine Platte ein sehr dichtes Negativ 
geben, während eine andere, die ebensoviel Silber enthält, ein dünnes 
Negativ gibt (s. S. 66 und 78). 

Mikroskopische Beobachtungen über das Korn, die Verziehung 
und Strich Verengung bei Bronisilber-Oelatineplatten. 

Das Korn der Emulsionsnegative. 
Die Emulsionsnegative zeigen unter dem Mikroskope ein Korn, 
welches verschieden gross ist, je nach der Herstellung der Emulsion, 
worüber bereits auf S. 56 Angaben gemacht wurden. 

Im Allgemeinen kann man sagen, dass die entwickelten und 
fixirten Negative unter dem Mikroskope annähernd dieselbe Korngrüsse 
der Silberpartikelchen aufweisen, welche die Bromsilberkörner hatten, 
aus welchen sie durch Reduction entstanden sind. Dies gilt nament- 
lich für gereifte Trockenplatten, welche man zu gewöhnlichen photo- 
graphischen Aufnahmen verwendet. Hierauf hat zuerst Eder hingewiesen 
(Phot Corresp. 1880. S. 310). Jedoch besteht die Bromsilber- Emulsion 
aus Partikelchen von verschiedener Grösse und Reductionsföhigkeit, so 
dass die Dauer der Belichtung und Entwicklung die Durchschnittsgrösse 
des Kornes beeinflussen kann. Das leichter reducirbare, hochempfind- 
liche (aber auch gröbere) Bromsilber deckt bei kurzer Belichtung und 
entsprechend langer Hervorrufung fast allein den Bedarf an Silber im 
Negativ, und dieses wird gröberes Korn zeigen, als reichlich belichtete 
Bromsilberplatten, bei welchen auch feinkörniges (weniger empfindliches) 
Bromsilber zur Bilderzeugung beitrug. 

Das feinste Korn erhält man, wenn das Bromsilber bei Gegenwart 
von viel Leim und in grosser Verdünnung gefällt wird. Die Partikel- 
chen besitzen dann (nach Eder) einen mittleren Durchmesser von 
0,0008 bis 0,0015 mm. Beim Sieden der sauren Emulsion oder Er- 
wärmen der ammoniakalischen wird meistens das Korn bis auf 0,003 
bis 0,004 mm vergrössert. Die Emulsion gibt dann immer noch tadel- 
lose feine Negative. Häufig wird das Korn der Bromsilber- Gelatine in 
Folge allzu langer Digestion oder Sieden mit zu wenig Leim zu grob 
(0,035 bis 0,01 mm), und dann lassen die hiermit hergestellten Silber- 
negative schon ein unerwünschtes und beim Copiren mitunter störendes 
Korn erkennen, welches namentlich beim Vergrössern stark hervortritt. 



102 Dritter Tkeil. Zehntes Capitel. 

Ueber die Feinheit des Kornes bei anderen Processen, sowie 
Figuren, welche das Silberkorn mikroskopisch vergrössert zeigen, 
s. Bd. II (2. Aufl.), S. 45. 

Gewisse photographische Processe, namentlich solche, bei welchen 
die Negative mit dem Mikroskope betrachtet werden müssen (Astro- 
photographie, Spectrographie etc.), verlangen feinkörnige Emulsionen. 

Auch Abney fand, dass das Silberkorn im Negativ von annähernd der gleichen 
Grösse ist, wie das Bromsilber. Er beobachtete, dass bei kurzer Belichtung die Mehr- 
zahl der Partikel an der Oberfläche der Schicht liegt; erst bei zunehmender Belich- 
tung findet sie sich auch mehr im Innern der Schicht. Bei langer Belichtung wird 
das Korn jedoch etwas feiner als bei kurzer (Phot. Rundschau. 1899. S. 28; Eder's 
Jahrbuch f. Phot. 1898. S. 392 und 1899. S. 509). Soiarisation beginnt nach 
Abney (a. a. 0.) an der Oberfläche der Schicht, indem hier bei fortgesetzter Belich- 
tung das Silberkorn sich an Umfang mehr und mehr verringert, während die tiefer 
liegenden Partikel ihre ursprüngliche Grösse beibehalten. Ferner erklärt Abney 
(a. a. 0.) die Ansicht, dass ein reichlicher Bromkaliumzusatz zum Entwickler ein 
grobes Korn veranlasst 1 ), für irrig. Das Verstärken mit Quecksilberchlorid vergrössert 
den Durchmesser des Kornes von 1 : 1.2. 

Eine Commission des Antwerpener Photographen Vereins prüfte die Frage, ob 
die gebräuchlichsten Entwickler einen directen Einfluss auf die Bildung des Kornes 
bei Bromsilber- Gelatineplatten ausüben und fand, dass Eisenoxaiat-, Pyrogalloi-, Hydro- 
chinon- uud Amidol- Entwickler eine gleichmässig belichtete Platte mit analog gleichem 
Korne reducirt. Die fixirten und getrockneten Platten zeigten unter dem Mikroskope 
gleichgrosses Korn (Gife, Eder's Jahrbuch f. Phot. 1895. S. 417). 

Nach Dr. C. Kaiserling beträgt die Korngrösse bei Bromsilber -Gelatine- 
platten vor dem Entwickeln (also AgBr-Korn) bei gewöhnlichen Handelssorten im 
Mittel 0,0013 mm; die Körner sind unregelmässig zerstreut. Nach dem Entwickeln 
erscheint das Korn des fixirten Bildes meistens länglich, flaschenförmig in mannig- 
facher Gestalt, fast niemals mit scharfen Ecken. Sie sind meistens 0,001 bis 0,0034 mm 
lang und 0,00003 bis 0,002 mm breit, also länglich geformt. Durch die Belichtung 
wird das Plattenkorn auch in seiner Gestalt verändert, was nicht auffällig ist, weil 
auch die chemische Zusammensetzung verschieden ist. — Beim Vergrössem von 
Bromsilbernegativen erleidet das durchfallende Licht durch die wie ein unregelmässiges 
Netz vertheilten Silberpartikelchen Interferenz- und Beugungserscheinungen; das 
sog. Korn bei Vergrösserungen stammt von diesen Lichterscheinungen, während 
das wirkliche Plattenkoni (die Silberpartikelchen) kaum sichtbar wird. Das „Zer- 
rissensein u der Schwärzen bei Vergrösserungen ist kein eigentliches Korn, sondern 
eine Folge der netzartigen Structur der Silberuiederschläge. Beim Verstärken mit dem 
Uran Verstärker wächst die Dimension der Silberpartikelchen um das Zwei- bis Vier- 
fache. Die Quecksilberverstärkung liefert Veränderungen des Kornes von anderer 
Form; das Centruin der Körner ist schwarz, die Ränder sind weniger dunkel und 



1) Nach R. E. Liesegang soll das Korn der Bromsilber -Gelatineplatten sich 
durch Zusatz von Bromkalium zum Entwickler vergrössem (Phot. Arohiv. 1897. 
S. 1); nach Busch bock aber wirkt ein Vorbad einer überexponirten Platte in Brom- 
kaliumlösung und darauffolgendes Entwickeln mit Pyrogalloi -Ammoniak (Edward's Ent- 
wickler) günstig für die Entstehung feineren Kornes (Eder's Jahrbuch f. Phot. 
1891. S. 454). 



Chemische Zusammensetzung des entwickelten Negativs etc. 103 

schwammartig (wahrscheinlich partielle Auflösung durch Natriumsulfit). — Nasse 
Collodionplatten geben noch unregelmässigeres Korn von 0,0014 mm mittlerer 
Grösse und manche Haufen haben 0,008 mm. Collodion-Bromsilber-Emulsions- 
platten sind feiner und regelmässiger im Korn (0,00094 mm), zeigen aber auch 
Klumpen (0,005 mm). — Mit Glycin entwickelte Chlorbrom platten liefern Koni 
von 0,00079 mm (Phot. Mitth. Bd. 35, S. 29; Eder's Jahrbuch f. Phot. 1899. S. 509). 

Fr. Kogelmann nimmt an, dass ein Bromsilberkorn in gereifter Bromsilber- 
Gelatine vom Durchmesser 0,001 mm 1000 Millionen Molecüle AgBr enthält 1 ), welche 
beim „ Reifen u zu einem grösseren Complex (mehr oder weniger grossen Körnern) 
zusammentreten . 

Wahrscheinlich wird das (aus vielen Moleciilen bestehende) Bromsilberkorn 
während der Belichtung zuerst an der Oberfläche zersetzt 2 ) und das Lichtbild nimmt 
zunächst an Dicke zu. Die Anschauung, dass die Substanz des latenten Bildes auf 
der Oberfläche des Kornes liegt, wurde insbesondere durch H. Luggin 3 ) vertreten 
und begründet. Diese Annahme stimmt sehr gut mit den Beobachtungen der Solari- 
sationserscheinungen überein. 

Die feinkörnigen, unreifen Emulsionen (wie man sie zu Lippmann's 
Photochromie verwendet) haben immerhin ein messbares Bromsilberkorn. Die Grösse 
der Partikelchen vor der Entwicklung ist = 0,0001 bis 0,0003 mm. Unter der 
Einwirkung des Ammoniak vergröbert sich das Bromsilber (s. S. 60), und wenn man 
den für Photochromie gebräuchlichen Pyrogallol- Ammoniak -Entwickler benutzt, so ist 
der Durchmesser der Silberkörnchen nach dem Entwickeln = 0,0005 bis 0,0015 mm 
(Neuhauss, Eder's Jahrbuch f. Phot. 1895. S. 186). 

Aehnliche Zahlen fand Schutt 4 ) für Li pp mann ? sehe Photochromien. Jedoch 
ist zu beachten, dass bei diesen Photochromien stehende Lichtwellen das Bild erzeugen 
und dass die Körner nicht als Ganzes, sondern in Schichten redueirt werden 
[Gaedicke 5 ), Schutt 6 )], was besonders Neuhauss weiter studirte 7 ). 

Eignung der Gelatineplatten zu Präcisionsarbeiten für Messungszwecke 

an Negativen. 

Es drängt sich nun die Frage auf, ob die normalen Gelatineplatten, 
welche anscheinend unverändert fest am Glase sitzen, nicht vielleicht 
dennoch eine Ausdehnung oder Verzerrung erleiden, die freilich nicht 
mit dem freien Auge, sondern nur durch mikroskopische Messungen 
nachweisbar sein müsste. 

Die Versuche aber zeigen unzweifelhaft, dass Bromsilber- Gelatine- 
platten zu genauen Messungen vollkommen geeignet sind, und die moderne 



1) Eder's Jahrbuch f. Phot. 1895. S. 418. 

2) Nach R. E. Liesegang wird insbesondere die dem Lichte zugekohrte Seite 
der Bromsilberkörner zersetzt (Eder's Jahrbuch f. Phot. 1895. S. 212). 

3) Eder's Jahrbuch f. Phot. 1898. S. 157. 

4) Eders Jahrbuch f. Phot. 1897. S. 421. 

5) Phot. Wochenbl. 1894. S. 399. 

6) Eder's Jahrbuch f. Phot. 1897. S. 422. 

7) Neuhauss, Die Farbenphotographie. 1898. S. 00. 



104 



Dritter Thfiil. Zehntes Capitel 



Speetralanalyse, Astrnphotnyraphio 1 ), Photogrammetrie etc. bedient ; 
seit Jahren iIlt ("ielatineplatte als exactestes Beobachtungshilfsmittel, 
welches an Exactheit der Ocularbeobachtung nicht nur gleichkommt, 
sondern dieselbe in vielen Fällen weitaus übertrifft. 
Vergl. Bd. II (2. Aufl.) dieses „Handbuchs*. 






Beobachtungen über die Strich Verengungen bei auf Gelatineplatten 
aufgenommenen Negativen. 
Beim andauernden Behandeln einer Bmuisilber-Geiatineplatte mit 
dem Eisonoxalat- oder dem Pyrogallol- Entwickler wächst die Silbei 
reduction nicht nur an den vom Lichte getroffenen Stellen fort, sondei 
es werden auch die dem metallischen Silbi 
benachbarten Stellen reducirt (Vergl. Bd. II, 
S. 90.) 

Nimmt man ein System von feine: 
schwarzen Linien auf weissem Grunde auf. 
zeigt sich an den Rändern des entwickeil 
Bildes stets eine schwache Verschleierung 
Dasselbe Phänomen stellt sieb ein, wenn 
ein glatt geschnittenes Dreieck aus völlig Ol 
durchsichtigem Panier auf eine Trockeoplatte 
legt, belichtet und entwickelt. An den Rän- 
dern des kräftig dunklen Grundes und dfla 
Dreiecks geht eine (unter dem Mikroskope 
sichtbare) Punktiriiiig von reducirten Silber- 
fjl,-, 8. kornchen aus, während die Mitte glasklar blieb, 

wie Fig. 3 zeigt. Dieses TT ebergreifen des Bildes 
ändert sieb mit der Belichtung, Entwicklung und Art der photographi- 
schen Platten; es ist geringer bei „lichthoffreien Platten" (Sandell-Platti 
und noch geringer bei feinkörnigen Diapositivplatten, deren Bü< 
mit Aurantiacollodion bekleidet ist, um die Lichthöfe zu 
(H. Krüss"). 

Es liegen hier sogenannte Irradiation serscheinnngen 
welche in Bd. Tl ('2. Aufl.) dieses „Handbuchs", S. 90 ausführlich« 
sprochen wurden. 

Unter gewöhnlichen Verhältnissen ist das Zuwachsen von 
liegenden Strichen durch seitliche Irradiation für die praktische l'lu 




en, 



li Vergl. Seh einer, HatnrwiBsezuduiUiohe Randsolun 
PUot WwhenM. 1888. B. 288. 

2) Hübl, Eder's Jalirbuoh f. Phot. 1896. B. 122. 

3) Eder's Jahrbuch f. Phot 1806. B. 124. 



[888. Hr. 28, 



■»^ 



Chemische Zusammensetzung des entwickelten Negativs etc. 105 

grapbie viel zu. unbedeutend, um Besorgnisse über die Brauchbarkeit 
der Resultate zu veranlassen. 

Wird das optische Bild scharfer, enggedrängter, heller Linien- 
systeme völlig correct und präcise auf die photographische Platte 
geworfen, wie dies z. B. bei Spectren des Eisens, Stickstoffs etc. mittels 
guter Concav-Diffractionsgitter der Fall ist, dann erhält man prächtig 
scharfe Photogramme. 

Feinkörnige und transparente (nicht dick gegossene) Bromsilber- 
Gelatineschichten geben scharfe Striche mit besserer Schärfezeichnung 
als stark opake, dick gegossene Schichten; deshalb empfahl Burton 
feinkörnige, wenig reife und dünn gegossene Jodbrom -Gelatineplatten für 
Reproductionen 1 ), was Grebe später weiter ausführte 2 ). 

Dies drängt die Vermuthung auf, dass das Auftreten seitlicher 
Irradiation nicht eine absolute Notwendigkeit beim Arbeiten mit photo- 
graphischen Platten ist und dass auch intermoleculare elektrochemische 
Phänomene nur eine kleine, verschwindende Rolle spielen 3 ). 



1) Eder's Jahrbuch f. Phot. 1891. S. 453. 

2) Phot. Mitth. 1899. Bd. 36, S. 237. 

3) Früher nahm der Verfasser einen viel bedeutenderen Einfluss elektro- 
chemischer Wirkung beim Entwickeln von Trockenplatten au. Auf Grund seiner 
späteren Arbeiten auf dem Gebiete der Spectruinphotographie hält er die elektro- 
chemischen Einflüsse für ganz unwesentlich. 



ELFTES CAPITEL. 

UNLÖSLICHWEEDEN VON GEL ATINE - EMULSION DUECH 
LICHTWIKKUNG. — EELIEFBILDUNG AN ENTWICKELTEN 
BEOMSII^EE- GELATINEPLATTEN. — VEEWENDUNG ZUM 

LICHTDEUCK. 



Man muss die hierher gehörigen Erscheinungen in zwei Classen 
theilen; nämlich das Unlöslichwerden der Gelatine -Emulsion durch blosse 
Lichtwirkung (ohne Entwicklung) und durch Lichtwirkung mit darauf- 
folgender Entwicklung. 

I. Unlösllchwerden von Gelatine -Emulsion durch blosse Licht- 

wirkung (ohne Entwicklung). 

Bromsilber-Gelatine-Emulsion, in Form von Gallerte dem Sonnen- 
lichte ausgesetzt, verliert ihre Löslichkeit in Wasser, wird zäh und fault 
weniger leicht. Auch trockene Emulsion wird nach mehrstündiger Be- 
sonnung unlöslich; erwärmt man solche Platten im Wasserbade, fixirt, 
wäscht und trocknet, so zeigt das Negativ ein deutliches Relief und 
feines Korn; auch beim blossen Einweichen in Wasser (ohne zu fixiren) 
erscheint ein Relief (Schumann 1 ). 

II. Unlösllchwerden durch kurze Belichtung und darauffolgende 

Entwicklung. 

Warnerke machte 1881 die Beobachtung, dass die belichteten 
und entwickelten Theile der Gelatine-Emulsion in warmem Wasser un- 
löslich sind 2 ), und gründete darauf die Verwendung von Bromsilber- 
Gelatine an Stelle von Pigmentpapier. Man überzieht ein Blatt Papier 
gleichmässig mit gewöhnlicher Gelatine-Emulsion, lässt trocknen, 



1) Phot. WochenM. 1834. S. 347. 

2) Phot. News. 1881; Phot. Archiv. 1881. S. 85 u. 119; Phot. Mitth. Bd. 18, 
S. 65, 98 u. 235. 



Unlösiichwerden von Gelatine - Emulsion durch Lichtwirkung etc. 107 

exponirt und entwickelt wie gewöhnlich mit Pyrogallussäure (nicht mit 
Eisenoxalat). Das Bild wird entweder fixirt oder besser nicht fixirt 
und dann getrocknet, indem die Unlöslichkeit der belichteten Stellen 
durch das Trocknen erhöht wird. Da die Entwicklung nur in den 
höchsten Lichtern durch die ganze Schicht geht, nicht aber in den 
Halbschatten, so geht es nicht an, das Blatt in warmes Wasser zu legen, 
um die löslich gebliebene Gelatine aufzulösen, denn die Halbschatten 
würden fortgeschwemmt (analog wie beim Pigmentdruck). Das Bild 
nius8 also wie ein Pigmentbild übertragen werden. 

Nachdem diese Uebertragung (wie beim Pigmentdruck) auf eine 
wasserdichte Fläche erfolgt ist, kann man das Bild mit warmem Wasser 
entwickeln. Da aber das Bild bei der einfachen Uebertragung verkehrt 
erscheint, so lässt es sich nicht verwenden. Besser ist daher die doppelte 
Uebertragung auf eine collodionirte Glasplatte etc. 

Warnerke schreibt: „Ein Stück Papier wird mit Gelatine -Emulsion überzogen 
und getrocknet. Hauptsache ist, dass die Schicht recht gleichmässig ausfallt, und dass 
das Papier nach dem Trocknen flach bleibt. Das Papier wird in der Camera exponirt; 
die Empfindlichkeit der Emulsion ist genau dieselbo, als ob sie sich auf einer Glas- 
platte befände. Nach der Exposition wird das Papiornegativ, genau wie eine Glas- 
platte, mit Pyrogallus alkalisch entwickelt, mit Alaun gegerbt, gewaschen, fixirt oder 
auch uicht fixirt und getrocknet. Dies Trocknen ist nöthig, um dio Gelatine vollständig 
unlöslich zu machen; sie wird dies zwar schon im feuchten Zustande, aber nicht so 
vollständig; auch das Gerben mit Alaun wird dadurch wirkungsvoller. Wir haben 
nun ein Papier mit einer Gelatineschicht vor uns, deren Oberfläche, wie bei einem 
exponirten Pigmentblatt, an den vom Lichte getroffenen Stellen unlöslich geworden 
ist, und zwar dringt diese Unlöslich keit je nach der Stärke der Licht Wirkung mehr 
oder weniger in dio Schicht ein; sie darf aber nie die ganze Schicht durchdringen, 
so dass also zwischen Papier und coagulirter Gelatine immer noch eine Schicht lös- 
licher Gelatine bleibt, was sehr wichtig ist, da wir das Negativ wie ein Pigmentbild 
vom Papiere auf Glas zu übertragen haben. Dieses Uebertragen geschieht genau wie 
bei einem Pigmentbilde. Ist das Bild nicht fixirt, so sehen wir die in warmem AVasser 
aufgelöste, unveränderte Emulsion als eine milchige Flüssigkeit vom Glase horunter- 
fliessen. Fixirt man die eine Hälfte des Bildes und lässt die andere Hälfte unfixirt, 
so wird man bemerken, dass die unfixirte Hälfte weit intensiver ist: man wird also 
in vielen Fällen vorziehen, das Negativ nicht zu fixiren; ein schädlicher Einfluss 
des Lichtes auf solche Platten scheint nicht stattzufinden. 

„Natürlich könnte man das Bild auch auf jeden beliebigen anderen Körper über- 
tragen, doch wo man Negative herstellen will, wird man in der Regel Glas wählen. 
Man braucht letzteres gar nicht zu präparireu, kann es aber auch mit Collodion-, 
Dam mar- oder anderem Lacke oder AVachs überziehen, wie beim Pigmentproeesse 1 ). 
Man legt das Papier mit der Bildseite unter "Wasser auf eine Glasplatte und quetscht 
es an. Ist das Glas präparirt, so legt man das Ganze noch ein paar Minuten in warmes 
"Wasser; ist es nicht präparirt, so muss man damit warten, bis das Papier vollständig 



1) Siehe Handbuch des Pigmentverfahrons von Vogel und Sawyer, Berlin bei 
Oppenheim. 



108 Dritter Theil. Elftes Capitei. 

trocken ist. Nachdem es so eine kurze Zeit in warmem "Wasser gelegen hat, zieht 
mau das Papier ab; die unlöslichen Theile der Emulsion, welche eben das Negativ 
bilden, bleiben auf dem Glase, alles Lösliche wascht sich fort.. Nun wäscht man mit 
kaltem Wasser, und das Negativ ist fertig. 

„Natürlich ist so ein Negativ verkehrt. Will man ein richtiges haben, so kann 
man dies auf verschiedene Weise erreichen , z. B. durch doppelte Uebertragung. Man 
überträgt in diesem Falle nicht direct auf Glas, sondern zuerst auf Uebertragungs- 
papier, wozu sich das von der Autotype - Company unter dem Namen „Flexible Support" 
(Entwicklungspapier) gelieferte vortrefflich eignet. Man kann es sich auch selbst her- 
stellen, indem man Papier wasserdicht macht und fettet. Von dort überträgt man 
dann auf Glas. 

,,Ebenso kann man das Glas mit Talg einreiben, mit Collodion übergiessen, dann 
das Negativ von dem Originalpapiere in oben beschriebener Weise darauf bringen und 
in bekannter Weise wieder davon abziehen, indem man ein Blatt Gelatine darauf- 
quetscht oder mittels eines Uebergusses von Collodion oder Gelatine. Die so erhaltene 
Haut kann man dann auf ein anderes Glas übertragen oder so als Haut aufbewahren 
und verwenden. Ich ziehe in der Regel letzteres vor. 

„Das fertige Negativ bildet ein Gelatine -Relief, gerade wie ein Kohlenegativ; man 
kann hier also dieselbe Verstärkung anwenden wie dort, nämlich eine Färbung, zu 
welchem Zwecke sich das übermangansaure Kali als sehr tauglich gezeigt hat. Auf 
diese Weise kann man auch derartig hergestellten Diapositiven, etwa Laterna magica- 
Bildern, jede beliebigo Farbe geben, und wenn er nicht sehr intensiv ist, so bemerkt 
man den Silberniederschlag als solchen kaum, und das Diapositiv scheint dann rein 
aus der Farbe zu bestehen. 

„Man kann die Färbung auch in der Weise bewirken, dass man die Emulsion 
von vornherein mit einer beliebigen Farbe vermischt, welche natürlich so gewählt 
werden muss, dass ihre- chemischen Eigenschaften nicht stören. An den nicht vom 
Lichte afficirten Stellen wäscht sie sich dann mit der Gelatine fort und bleibt nur da, 
wo Zeichnung ist. Man kann auch ein so gefärbtes Diapositiv auf Papier oder einen 
anderen Stoff übertragen und erhält so ein positives Bild. 

„Nun noch einige nicht unwichtige Anwendungen meines Verfahrens: 
„Mein Bild, gleichgültig ob Positiv oder Negativ, bildet ein Relief und sogar 
ein ziemlich starkes, besonders wenn man auf diese Eigenschaft hinarbeitet. Die 
Emulsion muss zu diesem Zwecke auf dem Papiere eine recht starke Schicht bilden, 
aber nicht zu undurchsichtig sein, damit das Licht tiefer eindringt. Dieses Relief ist 
sehr gut für Woodbury- sowie auch für verschiedene andere photomechanische Druck- 
verfahren zu verwenden; dass es verkehrt herum steht, ist für die meisten derartigen 
Verfahren gerade erwünscht. Vor einem Chromgelatine- Relief hat es den Vortheil, dass 
es schnell, selbst bei künstlichem Lichte, hergestellt werden kann. Wo Korn erforder- 
lich ist, bringt man dasselbe hervor, indem man die Emulsion mit geeigneten Stoffen 
vermischt. 

„Ebenso eignet sich mein Verfahren sehr gut für eingebrannte Photographien. 
Man vermischt die Emulsion mit Schmelzfarben und hält den Guss möglichst dünn, 
denn während es l>eim Vorigen darauf ankam . recht viel Gelatine im Bilde zu haben, 
kommt es hier darauf an, recht wenig zu haben. Das Bild wird nun auf Porzellan 
oder Glas übertragen und mit demselben iu den Brennofen gebracht. Sobald nun das 
Bild zuviel Gelatine enthält, h«'bt sich dieselbe im Schmelzofen in Blasen von der 
Unterlage ab, und das Einbrennen ist unmöglich. Mein Verfahren ist daher insofern 



Unlöelichwerden von Gelatine -Emulsion durch Lichtwirkung etc. 109 

hier zu empfehlen, weil die so hergestellten Bilder, wenn man das oben Gesagte be- 
rücksichtigt, die denkbar wenigste Quantität Gelatine enthalten. 

„Da die auf diese Weise coagulirte Gelatine fettige Druckfarbe ebenso gut an- 
nimmt, wie coagulirte Chromgelatine, so liegt die Anwendung dieses Verfahrens für 
Photolithographie etc. ziemlich nahe. 11 

Vidal glückte Warnerke's Methode nicht, als er die Bromsilber- Gelatineplatten 
von der Glasseite aus exponirte und nach dem Entwickeln mit warmem Wasser be- 
handelte 1 ). 

Warne rke erklärt diesen Misserfolg daraus, dass die Pyrogallussäure in diesem 
Falle sehr lange auf die Schicht wirkte und zuerst auf die am wenigsten afficirten 
Stelleu*). Manchmal gelingt die Auflösung mit warmem Wasser überhaupt nicht. 
Warnerke setzt dann Essigsäure zu. Es taugt auch nicht jede Gelatine. 

In einer späteren Abhandlung beschreibt Warnerke weitere Ver- 
suche über „Photogravure mittels Silbersalzen" (Eder's Jahrbuch 
f. Phot. 1899. S. 587). 

III. Relief bildung beim Entwickeln von Bromsilber- Gelatine. 

Fixirte Gelatine-Negative zeigen (sowohl nach dem Entwickeln 
mit Eisenoxalat, aber insbesondere mit Pyro) ein deutliches Relief, 
welches unter Umständen das Bild sehr schart' und modellirt wieder- 
gibt; man kann dasselbe mit Gyps etc. abgiessen. Besonders deutlich 
wird das Relief, wenn man mit Pyro und reichlichem Zusätze von 
Alkali (z. B. Pottasche) entwickelt; ferner, wenn man eine fixirte Matrize 
mit Kaliumchromat und Salzsäure in Chlorsilber überführt und dann 
mit Hydrochinon und Aetznatron (oder Pottasche) oder Gallussäure und 
Aetzkali oder dergl., reducirt. Vielleicht lässt sich hierauf eine Methode 
der Heliogravüre gründen, ähnlich wie es Scamoni mit Collodion- 
negativen versucht hat (Eder 3 ). 

Verschiedene Entwickler erzeugen bei Bromsilber- Gelatine ver- 
schieden starke Reliefs: Pyrogallol-, Eikonogen- sowie Hydro- 
chinon-Entwickler verleihen den Negativen ein starkes Relief, Metol 
und Amidol ein geringes, Glycin und Rodinal bringen gar kein Relief 
hervor. Jene Oxydationsproducte der Entwickler, welche Gelatine stark 
gerben, erzeugen starke Reliefs; Mittel, welche die Oxydation hintan- 
halten (wie Sulfit), wirken der Reliefbildung' entgegen 1 ). 

R. Ed. Liesegang entwickelt Diapositive auf Bromsilber- Gelatine mit 0,5 g Pyro- 
gallol, 10 g Soda und 200 cem Wasser. Sie zeigten nach dem Fixiren und Waschen 



1) Phot. Mitth. Bd. 18, S. 08. 

2) Phot Mitth. Bd. 18, S. 235. 

3) Die Beobachtung der Relief bildung wurde zuerst mitgethoilt in der eng- 
lischen Ausgabe der 1. Auflage von Eder's Buch über Bromsilber- Gelatine. 

4) Haddoc und Grundy (Eder's Jahrbuch f. Phot. 1S97. 8.40). — Liese- 
gang (Phot. Archiv. 1*92. S. 295). 



HO Dritter Theil. Elftes CapiteJ. 

ein starkes Relief (die geschwärzten, silberhaltigen Stellen sind vertieft). Sie werden 
für Lichtdruck tauglich, wenn man sie mit einer Lösung von salpetersaurem 
Kalk (1:2) bestreicht, denn dieser bildet mit der Gelatine eine starke Körnung. 
Fette Druckfarbe wird dann nur von den Bildstellen angenommen, und man kann 
Lichtdrucke herstellen (Eder's Jahrbuch f. Phot. 1809. S. 586). 

Fertig entwickelte und fixirte Bromsilber-Gelatinebilder (auch Copien auf 
Aristopapier, d. i. Chlorocitratpapier, verhalten sich ähnlich) bleichen in gesättigter 
Ammoniumporsulfatlösung aus; in lauwarmem Wasser lösen sich die belichteten 
(also silberhaltigen) Stellen mitsammt der Gelatine, und es entsteht ein Belief, in 
welchem die unbelichteten Stellen am höchsten sind (R. E. Liesegang, Eder's Jahr- 
buch f. Phot. 1890. S. 538). Das Verfahren ist unsicher. 

Ein analoger Process, welcher aber sicherer verläuft, besteht in der Anwen- 
dung von schwach angesäuertem Wasserstoffsuperoxyd. Diese Reliefbilder zeigen 
auch nach dem Trocknen ein wohl ausgeprägtes Relief (Audresen, Eder's Jahrbuch 
f. Phot. 1800. S. 538). 

IV. Die Verwendung von Bromsilber- Gelatine zu Druckplatten 
für Lichtdruck durch Combination mit Dichromat. 

Ueber die Verwendung von Gelatine -Emulsionsnegativen zum 
Drucke in der Lichtdruckpresse machte Hauptmann Pizzighelli An- 
gaben. Das entwickelte und nicht fixirte Gelatine-Negativ wird in 
Kaliumbichromatlösung (1 : 30) gebadet, freiwillig trocknen gelassen 
und dann im Copirrahmen von rückwärts belichtet, bis auf einem dar- 
unter gelegten gesilberten Albuminpapier ein schwacher Abdruck be- 
merklich wird. Dann wird gewaschen, fixirt und das metallische Silber 
durch Salzsäure und chromsaures Kali in Chlorsilber übergeführt und 
neuerdings fixirt. Es liegt nun eine fertige Lichtdruckplatte vor, welche 
gar kein Silber enthält, sondern nur reine durchsichtige Gelatine, auf 
welcher die Zeichnung, wie bei einer Lichtdruckplatte, nur durch deren 
Korn sichtbar wird. Die Platte kann nun nach dem Waschen und 
Trocknen wie eine gewöhnliche Lichtdruckplatte zum Drucke mit fetter 
Schwärze verwendet werden. 

Dieses Verfahren eignet sicli für Strichzeichnungen und speciell 
zu dem Zwecke, um von Negativen nach sehr feinen Zeichnungen Um- 
drucke für den lithographischen Stein zu erzeugen. 



ZWÖLFTES CAPITEL. 

DIE SOLAKISATION, DEREN UKSACHEN UND 
VEKWERTHUNG. — LICHTHÖPE. 



I. Solarisation. 

Wird eine Bromsilber- Gelatineplatte stufenweise mehr und mehr 
belichtet, so nimmt sie in immer höherem Grade die Eigenschaft an, 
sich im Entwickler zu schwärzen (s. S. 100). Bei weiter fortgesetzter 
Belichtung kommt die Bromsilberplatte in ein Stadium, wo die Schwär- 
zung im Entwickler nicht mehr zunimmt (s. S. 100). Bei noch längerer 
Belichtung verliert die photographische Platte allmählich ihre Entwick- 
lungsfähigkeit, indem sie beim Entwickeln einen geringeren Schwärzungs- 
grad erreicht, als andere weniger belichtete Bromsilberplatten. Diese 
Erscheinung nennt man Solarisation 1 ). Sie äussert sich bei Auf- 
nahmen in der Camera bei sehr starkem Lichte und langer Expositions- 
zeit, wonach die hellsten Stellen sich im Entwickler weniger schwärzen, 
als die dunklen; somit entwickelt sich ein directes (mehr oder weniger 
vollständiges) Positiv, anstatt eines Negativs. 

Man kann die Solarisationserscheinung sehr leicht demon- 
striren, wenn man mittels eines gewöhnlichen photographisc! en Apparates 
und massig abgeblendeten Objectives auf einer Bromsilber- Gelatineplatte 
direct das Sonnenbildchen mit mehreren Secunden Expositionszeit photo- 
graphirt und wie gewöhnlich entwickelt. Das Sonnenbildchen erscheint 
im Negativ viel durchsichtiger als der Himmel und der die Sonne um- 
gebende Lichthof 2 ); es entsteht somit ein Positiv. Im Copirrahmen bei 
Contactcopien auf Bromsilber-Gelatine kann man auch bei Tages- oder 



1) Siehe Bd. I, Abth. I (2. Aufl.), S. 178, 261 u. 309 und Bd. II (2. Aufl.), 
S. 78 dieses "Werkes. — Ausser den dort angeführten Quellen wäre noch zu erwähnen, 
dass der Janssen 'sehe zweite Zustand der Solarisatiou (siehe a. a. 0.) auch von 
Brebner (Eder's Jahrbuch f. Phot. 1891). S. 4S9) sowie von Krone (Eder's Jahrbuch 
f. Phot. 1895. S. 83) bestätigt wurde. 

2) Ueber Lichthofbilduug oder Irradiation siehe Bd. II (2. Aufl.), S. 90. 



112 Dritter Theil. Zwölftes Capitel. 

bei Lampenlicht bei reichlicher Belichtung ohne Schwierigkeit solari- 
sirte Copien erhalten. 

Bei Interieuraufnahraen gegen das Licht zeigen die Fenster häufig 
Solarisationserscheinungen , indem die Fenster im Entwickler weniger 
Deckung annehmen als die benachbarten Stellen (abgesehen vom Licht- 
hofe, welcher häufig gleichfalls mehr Schwärzung annimmt). Entwickelt 
man solche Platten mit starken Entwicklern, so wird die Solarisation 
meistens deutlich. Ruft man aber ganz kurz hervor, spült den Ent- 
wickler gut ab, lässt das Wasser gut abtropfen, bepinselt die grell be- 
leuchteten Partien mit Bromkaliumlösung (1 : 10), lässt etwas antrocknen 
und entwickelt dann zu Ende, so kann man die Solarisation, ebenso 
wie die Lichthöfe, zurückdämmen. 

Hat eine Emulsionsplatte zuvor schwaches, zerstreutes Licht be- 
kommen, so genügt eine viel kürzere Belichtung, um sie zu solarisiren, 
als wenn sie ganz intact war. Unter Umständen zeigt eine vorbelichtete 
Platte schon nach einer 10 Secunden langen Belichtung bei Lampen- 
licht deutliche Solarisationserscheinungen. 

Ebenso tritt das Solarisationsphänomen auf, wenn man die normal 
belichtete Platte im Laufe der Entwicklung wirksamem Lichte aussetzt. 

Bromsilber- Gelatineplatten, welche mit Cyanin gefärbt (sensibilisirt, für Orange 
siehe unten) sind, zeigen starke Solarisationserscheinungen, wenn man die Platte wäh- 
rend der Entwicklung, bevor das Bild ganz heraus ist, einige Minuten kräftigem rotheu 
oder gelben Lichte aussetzt. Die Eigenthümlichkeit der Bildufnkehrung wird noch 
weiter gefördert, wenn man der Emulsion kurz vor dem Giessen auf 100 ccm acht 
Tropfen Jodkaliumlösung (1:10) zusetzt (Schumann 1 ). 

"Waterhouse fand, dass Bromsilber -Gelatineplatten, welche mit blauen Farb- 
stoffen gefärbt waren, im Allgemeinen weniger zur Solarisation neigen, als gelb ge- 
färbte oder ungefärbte (Eder's Jahrbuch f. Phot. 1890. S. 481)). [Dies dürfte jedoch 
nicht allgemein gültig sein, sondern in erster Linie davon abhängen, ob die Farbstoffe 
als Sensibilisatoren oder als Lichtschirme wirken, und wie concentrirt sie sind. E.] 

Man erklärt die Solarisation svorgünge als Oxydations- 
erscheinung 2 ), indem man annimmt, dass bei kurzer Lichtwirkung 
aus dem normalen Bromsilber AgBr sich Subbromid Ag m Br n (wo n 
kleiner als m ist) bildet, welches gesteigerte Keductionsfähigkeit im Ent- 
wickler besitzt. Bei weiterer Belichtung, namentlich bei Gegenwart 
oxvdirender Substanzen, nimmt das Subbromid Sauerstoff auf und bildet 
ein Oxybromid von der schematischen Formel Ag m Br n O x , welches das 
Silbermolecul wieder sättigt und es schwerer reducirbar macht, so dass 
das übermässig belichtete Bromsilber sich im chemischen Entwickler 



1) Eder's Jahrbuch f. Phot. 1SU8. S. 391. 

2) In diesem llandbuche Bd. I. Abth. I (2. Aufl.), S. 206, Zeile 20 von unten 
steht durch Druckfehler „wird nicht herbeigeführt* 1 statt „wird meist herbeigeführt*. 



Die Solarisation, deren Ursachen und Verwerthang. — Lichthöfe. 113 

weniger schwärzt, als das massig belichtete. Diese Theorie wurde von 
Abney begründet 1 ) und von H. Luggin 2 ) weiter ausgeführt 

Nach R. E. Liesegang zeigen solarisirte Trocken platten an den überbelichteten 
Stellen einen weisslichen Schleier von der Glasseite, was er darauf zurückzuführen 
sucht, dass die Stellen stärkster Lichtwirkung schwerer durchdringlich für Fixirbäder 
werden. Er meint, dass aus demselben Grunde der Entwickler weniger eindringen 
könne und diese Partien dünner bleiben (Eder's Jahrbuch f. Phot. 1897. S. 384). 

Wie bereits auf S. 101 erwähnt wurde, nimmt man an, dass das 
Bromsilberkorn in einer gereiften Emulsion aus einem Complex von 
zahlreichen Bromsilbermolecülen besteht und dass die Lichtwirkung zu- 
nächst an der Oberfläche stattfindet. Bei der Solarisation wird also 
auch die Bildung des „solarisirten" Bromsilbers zunächst an der Ober- 
fläche erfolgen und nur langsam ins Innere des Kornes dringen. Die 
genaue Untersuchung eines solarisirten , entwickelten und fixirten Brom- 
silberdiapositives lehrt, dass die transparenten Stellen nicht glasblank 
sind, sondern stark durchsichtig, aber immerhin noch mit reducirten 
Silberpartikelchen dicht bedeckt sind. 

Abney 's mikroskopische Messungen zeigten, dass der Durchmesser 
der solarisirten Partikelchen kleiner, als jener der normal entwickelten 
Silberkörnchen ist 3 ). Ferner findet man an der Oberfläche der Platten- 
schicht mehr feine Partikelchen als an den unteren Bildstellen. Dies 
spricht dafür, dass zunächst die Flächen des Bromsilbers, welche am 
stärksten dem Lichteinfluss ausgesetzt waren (zufolge des Oxydations- 
Processes), der Solarisation ausgesetzt sind. 

Bei kurzen Expositionen kommen keine Solarisationen vor. Je 
unempfindlicher im Allgemeinen eine Platte ist, um so länger kann man 
belichten, bevor die Solarisation eintritt. Man muss ungefähr mehrere 
tausend Mal 4 ) (durchschnittlich 1 0000 mal) länger exponiren, als zur Er- 
zeugung eines Negativs nöthig ist, um eine mehr oder weniger voll- 
ständige Solarisation zu erzielen. Jedoch ist diese Ziffer nicht für alle 
Plattensorten constant 

Gelatineplatten solarisiren im Allgemeinen viel rascher als Col- 
lodion -Trockenplatten mit Präservativen, wobei wahrscheinlich die viel 
grössere Empfindlichkeit der Gelatineplatten für Licht eine Hauptlirsache 
ist Jodbromsilber- Gelatine solarisirt etwas weniger leicht als reine Brom- 
silber-Gelatine. 



1) Siehe dieses Handbuch Bd. I und Bd. II a. a. O. 

2) Eder's Jahrbuch f. Phot. 1898. S. 156. 

3) Eder's Jahrbuch f. Phot. 1898. S. 393. 

4) Nach Kogelmann 18000mal (Eder's Jahrbuch f. Phot. 1S94. S. 379). 
Eder, Handbach der Photographie. III.Thoil. 5. Aufl. 8 



114 Dritter Theil. Zwölftes Capitel. 

Die Entwicklung ist nicht ohne Einfluss auf die Soiarisations- 
erscheinung. Je stärker der Entwickler ist und je länger man ent- 
wickelt, um so leichter solarisirt die Platte. In manchen Fällen 
hängt es demzufolge nur vom Entwickler ab, ob die Platte solarisirt 
oder nicht. 

In sehr verdünnten Entwicklern (Stand- Entwicklern) kommen Sola- 
risationserscheinungen in der Kegel massiger als bei Anwendung von 
Rapid -Entwicklern vor. 

Stark bromkaliumhaltiger Oxalat -Entwickler lässt die Solarisations- 
erscheinungen weniger gut aufkommen, als solcher ohne diesen Yer- 
zögerer. Zusatz von Fixirnatron zum Eisenoxalat dagegen begünstigt 
das Entwicklungsphänomen bei überexponirten Bromsilber -Gelatine- 
platten; die solarisirten, stark transparenten Stellen solcher Matrizen 
zeigen eine andere Färbung (röthlich) als die nicht solarisirten (schwärz- 
lich) [Eder]. 

Metol mit viel Ammoniak, sowie Amidol mit Ammoniak gibt leicht 
solarisationsähnliche Umkehrung beim Entwickeln von Bromsilber- Gela- 
tine (Kogelmann 1 ). Metol-Entwickler in verdünnter Lösung mit 
viel Alkali und Zusatz von Thiocarbamid (Waterhouse 2 ), Eikonogen- 
Entwickler mit Thiocarbamid, Allylthiocarbamid oder besonders Phenyl- 
thiocarbamid wirkt in demselben Sinne, so dass Waterhouse sogar 
darauf eine Methode der Herstellung directer Diapositive in der Camera 
gründete (s. Bd. II, 2. Aufl., S. 74). 

Wird eine überexponirte Bromsilber- Gelatineplatte, weiche bei ge- 
wöhnlicher Entwicklung starke Solarisationserscheinungen zeigen würde, 
mit einer Mischung von 100 ccm Wasser, 3 ccm Fixirnatronlösung (1 : 20) 
und 3 ccm verdünnter Schwefelsäure (3 : 100) behandelt, nach 15 Minuten 
gewaschen und entwickelt, so soll die Entwicklung normal verlaufen 
oder das solarisirte in normal entwicklungsfähiges Bromsilber übergeführt 
werden (Kogelmann, Eder's Jahrbuch f. Phot. 1895. S. 419). Das Ver- 
fahren ist sehr unsicher. 

Solarisationserscheinungen treten auch bei physikalischer Entwick- 
lung des Bromsilberbildes auf, ja auch beim Entwickeln nach dem 
Fixiren (s. S. 94), wie Sterry 3 ) nachgewiesen hat. 

Die Solarisationserscheinungen sind vom Photographen sehr gefürchtet, weil 
durch sie bei heilem Lichte gar manche Platte zu Grunde gerichtet wird. Man sucht 
sie so viel als möglich zu vermeiden. Erst in neuerer Zeit versuchte man, die Sola- 
risation der Praxis nutzbar zu machen. 



1) Eder's Jahrbuch f. Phot. 1899. S. 379. 

2) Eder's Jahrbuch f. Phot. 1894. S. 405. 

3) Eder's Jahrbuch f. Phot. 1899. S. 289. 



Die Solarisation, deren Ursachen und Verwerthung. — Lichthöfe. 115 

Haack sprach in der Plenarversammlung der Wiener photographischen Gesell- 
schaft vom 12. Mai 1880 die Ansicht aus 1 ), dass diese Methode in dieser Form un- 
vollkommen sei, aber vielleicht zur Vervielfältigung von Negativen brauchbar 
gemacht werden könne. 

Belichtet man eine Gelatiue- Emulsionsplatte unter einem Negativ mit dem zer- 
streuten Tageslichte, so steigt die Intensität nur in den ersten 1 bis 2 Secunden. Nach 
V, bis '/ 4 Minuten entsteht beim Entwickeln ein Positiv, an den hellsten Stellen aber 
wird die Copie durch Solarisation negativ. Bei längerer Belichtung wird die Um- 
wandlung in ein Positiv vollkommener. Nach 3 bis 5 Minuten langer Belichtung am 
zerstreuten Tageslichte ist die Umkehrung am vollkommensten; später wird das Bild 
unklar und verschwindet (Bennett, Haack), was sich aus Janssen 's Beobachtungen 
über Solarisation und neutrale Zustände (s. Bd. I und Bd. II dieses Werkes) erklart. 

Durch Copiren von Negativen im Copirrahmen kann man bei starker Ueber- 
belichtung (3 bis 10 Minuten Tageslicht) Duplicatnegative erhalten, wenn man die Rück- 
seite der Glasplatte mit Aurantia-Collodion überzieht, um sie lichthoffrei zu machen; 
als Entwickler kann Metol -Pottasche dienen (Brown 2 ). Diese Methode liefert aber 
selten ganz tadellose Duplicatnegative, weil einzelne Partien sich der Umkehrung ent- 
ziehen (wo das Licht schwächer wirkte). 

Bolas beobachtete, dass die Herstellung von directen Positiven viel besser ge- 
lingt, wenn man die Brom silber- Gelatineplatte mit einer oxydirenden Substanz, z. B. 
Ealiumbichromat, imprägnirt 3 ), trocknet und belichtet. 

Unter dem Einflüsse des Entwicklers kehrt sich das Bild um; es entsteht ein 
gut ausgearbeitetes und genügend kräftiges Duplicatnegativ, welches fixirt wird. 
Zu kurze Belichtung gibt bei diesem Verfahren flaue, rasch sich entwickelnde Bilder, 
zu lange Belichtung gibt harte und langsam hervorkommende Bilder. 

Nach den Versuchen von Pizzighelii und dem Verfasser 4 ) stellt es sich 
heraus, dass hierbei die Solarisation eine ganz untergeordnete Rolle 
spielt und dass die Hauptursache dem partiellen Unlöslichwerden der 
Chromat-Gelatine zuzuschreiben ist. Es entsteht auf der mit Kaliumbichromat 
imprägnirten Gelatine -Emulsionsplatte ein modulirtes, mehr oder weniger unlösliches 
Leimbild; beim Behandeln mit dem Entwickler dringt dieser nur an den unbelichteten 
Stellen ein und kommt deshalb auf den verschiedenen Bildstellen in ungleicher "Weise 
zur Wirkung. Man bemerkt in der That, dass ein nach Bolas' Methode entwickeltes 
Negativ ein mehr oder weniger stark gequollenes Relief zeigt und dass der Entwickler 
an gewissen Stellen ganz abgestossen wird. 

Ganz dieselbe Methode publicirte sammt den eben gegebenen Erklärungen Biny 
fast ein Jahr später, ohne seiner Vorgänger Erwähnung zu thun. 

Ueber die Verwendung dieser Methode zur Herstellung verkehrter Duplicat- 
negative siehe unten. 

II. Lichthöfc. 

Auf lange belichteten Platten zeigen sich hell beleuchtete Gegen- 
stände durch einen nebeligen Lichtsaum (Lichthof) vergrössert. Negative, 
welche Lichthöfe zeigen, kommen namentlich bei Interieur- und Land- 

1) Phot. Corresp. 1880. S. 101. 

2) Eder's Jahrbuch f. Phot. 1898. S. 391. 

3) Phot. News 1880. Bd. 24, S. 304. 

4) Phot Corresp. Februar 1881. S. 45. 

8* 



116 Dritter Theil. Zwölftes Capitel. 

schaftsaufnahnien gegen das Licht vor. Diese Phänomene, ihre Ursachen 
und die Mittel sie zu beseitigen wurden bereits im IL Bande (2. Aufl.), 
S. 90 dieses „Handbuchs" besprochen. Die Lichthöfe sind häufig Be- 
gleiter der Solarisationserscheinungen, weil sie eben beide Folgen von 
zu starker Licht Wirkung sind; im Uebrigen haben sie in ihrem Wesen 
nichts miteinander gemein. 

Die Lichthöfe sind Irradiationserscheinungen, welche insbesondere 
durch Reflexion des auf die Platte fallenden Lichtes von der Platten- 
rückwand entstehen. Sie können durch Hinterkleiden der Platten mit 
schwarzen oder rothen Schichten, oder durch Anwendung von specieli 
präparirten „ lichthoff reien Platten" (welche mehrere Schichten besitzen, 
vergl. Bd. II, S. 99 und weiter unten) etc. beseitigt werden. 



j 



DREIZEHNTES GAFITEL. 

ZUSATZ VON JOD- UND CHLOESILBEE ZUR 

BROMSILBER-GELATINE. 



Man muss sich immer gegenwärtig halten, dass Jodsilber durch 
Entwickler schwerer als Bromsilber reducirt wird, Chlorsilber dagegen 
leichter. Bromsilber steht also bezüglich seiner Reducirbarkeit in der 
Mitte zwischen beiden. Chlorsilber für sich allein gibt mit den für 
Bromsilber gebräuchlichen Entwicklern starke Schleier; Jodsilber da- 
gegen äusserst schwache und dünne Bilder. 

Jodsilberzusatz zu Bromsilber- Gelatine wurde zuerst von Penny 
(1877) empfohlen 1 ) und von Abney (1880) genauer studirt 2 ). 

Die Vorzüge des Jodsilbers in der Bromsilber- Gelatine sind: Es 
hält die Emulsion klar, verträgt ein längeres Kochen der Emulsion ohne 
Schleier zu geben etc. (s. S. 30 u. 88). 

Jodsilber wirkt jedoch in der Bromsilber- Emulsion sowohl bei 
der Spectrumphotographie als in der photographischen Praxis ganz ver- 
schieden, je nach Art und Weise, wie es derselben einverleibt wird, 
welche wichtige Thatsache zuerst V. Schumann 3 ) erkannte und Eder 
bestätigte 4 ). 

I. Mischungen von fertiger Jodsilber- und Bromsilber -Gelatine. 

Stellt man Jodsilber- und Bromsilber-Gelatine-Emulsion separat dar 
und mischt beide nach dem Waschen, so ist diese Jodbrom -Emulsion 
im Allgemeinen und Speciellen gegen das rothe und gelbe Licht weniger 



1) Yearbook of Phot. for 1878; s. Phot. News. 1883. S. 61. (Prioritätsstreit 
Penny's mit Abney.) 

2) Phot News. 1880. S. 174 u. 196; Abney, Photography with Emulsions. 
1882. S. 21. 

3) Phot. Wochenbl. 1882, 1883 u. 1884. 

4) Phot. Corresp. 1884. S. 95. 



118 Dritter Theil. Dreizehntes Capitel. 

empfindlich, was Abney 1 ) und H. "W. Vogel 2 ) als sehr wichtig hervor- 
hoben, weil man helleres Licht beim Entwickeln verwenden kann; es 
verträgt eine längere Exposition, ohne zu solarisiren, als reines Brom- 
silber 3 ). 

Bei der Untersuchung im Spectralapparat erkennt man die An- 
wesenheit des Jodsilbers neben dem Bromsilber durch die Anwesenheit 
von zwei Maximalwirkungen (s. Cap. XV). 

Manche fanden eine Jodbrom »Emulsion weniger empfindlich als eine reine 
Brom -Emulsion, z. B. H. W. Vogel, unter Umständen Burton 4 ), Bark er 5 ), Reid 6 ), 
sobald der Jodsilbergehalt 1 / 60 vom Bromsilber überstieg; nach Eis den 7 ) macht der 
Jodsilberzusatz die Negative dünner, hält die Schatten zurück und macht sie glasig 
und die Farbe der Negative mehr bräunlich. 

Arbeitet die reine Bromsilber- Emulsion nicht ganz klar, so thut es häufig die 
Jodbromsilber -Emulsion, selbe gestattet dann längere Entwicklung und erscheint in 
diesem Falle sogar empfindlicher. Die Vermehrung der Dünnheit der Matrizen ge- 
reicht je nach der Natur der ursprünglichen Emulsion bald zum Vortheil, bald zum 
Nachtheil. 

Platten, welche reich an Jodsilber sind, fixiren nicht nur lang- 
samer als reine Bromplatten, sondern behalten auch häufig in einem 
mehrmals gebrauchten Fixirer einen schwachen milchigen Schleier, der 
in alten Bädern erst nach mehrstündigem Baden, in einem frischen 
Bade aber sehr schnell verschwindet 8 ). 

Digerirt man solche gemischte Emulsionen in der Wärme, so 
steigt deren Empfindlichkeit und die Eigenschaften nähern sich all- 
mählich denen der sub II beschriebenen, was zuerst Schumann fand. 
Emulsionen, welche man durch Mischen von gewaschenem Jod- 
silber mit Bromsilber- Gelatine herstellt, werden gegenwärtig selten prak- 
tisch verwendet. 

II. Jodbrom -Emulsionen, welche durch Zusatz von Silbernitrat 
zu gemischtem Jod- und Bromkalium dargestellt werden. 

Löst man Jod- und Bromkalium (oder die Ammoniumsalze) mit 
Gelatine etc. in Wasser und fügt zu diesem Gemische das Silbernitrat, 
so erfolgt die Bildung von Jodbromsilber auf einmal; es scheint sich 



1) Phot. News. 1880. S. 190: 1881. S. 8 u. 20. 

2) Phot. Notizen. 1881. 

3) Abney, Brit Journ. of Phot. 1881. S. 528. 

4) Phot. News. 1882. S. 71. 

5) Phot. Mitth. Bd. 17, S. 90. 

6) Phot. News. 1882. S. 71. 

7) Phot. News. 1883. S. 358 u. 534. 

8) Schumann (Phot. "VVoehenbl. 1884. S. 319). Der Verfasser kann diese An- 
gabe bestätigen. 



Zusatz von Jod- und Chloreil her zur Bromsilber -Gelatine. 119 

eine Art Doppelverbindung zu bilden, wenigstens ist das Verhalten. 

solchen Jodbromsilbers ein anderes als das von getrennt dargestelltem 

und dann erst gemischtem Jodsilber und Bromsilber (vergl. Cap. XV). 
Es wird auch empfohlen, das Jodsalz in der starken Silbernitratlösung aufzu- 
lösen und dann, womöglich mit Zusatz von Gelatine, zur Gelatine -Bromsalzlösung zu- 
zufügen; man soll so hohe Empfindlichkeit erhalten (Eder's Jahrbuch f. Phot. 1891. 
S. 452 u. 454). 

Eine genügend lange digerirte Jodbrom -Emulsion ist sowohl gegen 
Lampen- als Tageslicht empfindlicher als eine reine Brom -Emulsion 1 ). 

Gegenwärtig werden viele gute Emulsionen des Handels aus Brom- 
jodsilber hergestellt, wobei die Fabrikanten 1 bis 5 Proc. Jodsilber vom 
Gehalte des Bromsilbers anwenden und auch Eder empfahl diesen Zu- 
satz für Siede- Emulsionen schon in der früheren Auflage dieses Werkes. 

Jedoch haben sich angesehene Fabriken für die Erzeugung reiner 
Bromsilber-Emulsion entschieden, welche sie vorzogen, weil man damit 
schön durchgearbeitete Portraits herstellen kann, die sich rasch ent- 
wickeln und schnell fixiren. Die Frage, ob reine Brom- oder Jod- 
brom-Emulsion besser für Portraits taugt, ist heute noch nicht definitiv 
entschieden. In Deutschland, Oesterreich und Frankreich werden mehr 
die reinen Brom -Emulsionen fabricirt, in England vielleicht mehr Jod- 
brom-Emulsionen, allerdings mit geringem Jodsilbergehalt, welcher trotz- 
dem die Platten stark dottergelb macht. Emulsionen mit 10 Proc. Jod- 
silber finden sich nicht im Handel, weil sie in der Regel dünne Matrizen, 
welche sich schwer hervorrufen lassen, geben. 

Für Landschaften sind Jodbrom- Emulsionen (mit 3 bis 4 Proc. Jodsilber) ent- 
schieden besser als reine Brom - Emulsionen , weil die Lichthöfe in ersterem Falle 
leichter zu vermeiden sind und scharf begrenzte , dünne Aeste sich vom Himmel besser 
abtrennen. 

Im Allgemeinen kann man sagen, dass eine Emulsion mit geringem Jodgehalt 
einen grösseren Spielraum der Exposition erlaubt. Bei grossem Jodgehalt kann die 
Empfindlichkeit durch andauernde Digestion der Emulsion stark erhöht werden, die Bilder 
aber werden in den Lichtern monoton und weisen Mangel an Kraft und Brillanz auf. 

Da der Jodgehalt schleierwidrig wirkt, kann man solche Jodbrom -Emulsion 
länger digeriren, ohne Schleier befürchten zu müssen. 

Der praktisch zulässige Jodgehalt in der Bromsilber -Emulsion schwankt von 
1 bis 6 Proc, d.h. auf je 100 Theile Bromsilber können 1 bis 6 Theile Jodsiiber 
enthalten sein. 

Dies gilt sowohl für Silberoxydammoniak -Emulsion, als auch für Koch -Emulsion. 

In der Silberoxydammoniak -Emulsion ist für gewöhnliche Portrait -Emulsion 
kein Jodzusatz oder höchstens ein Zusatz von 1 bis 2 Proc. Jodsiiber*) zu empfehlen, 
wodurch die Platten klar gehalten weiden. Ueber 5 Proc. ist selten ein Nutzen zu 



1) Zuerst von Schumann im Phot. Archiv. 1882. S. 121 veröffentlicht. 

2) Scolik empfahl zuerst 2 bis 3 Proc. Jodsilber zum Verhindern von Schleier 
für Portrait -Emulsion mit Silberoxydammoniak (Phot. Corresp. 1888. S. 265). 



120 



Dritter Tbeü. Dreizehutes t_'npit< 



beobachten, weil schon die Brillanz und Plastik der Platten leidet. In Proc. Jndsilber 
fand der Verfasser schon als zu hoch, weil die Bilder sehr dünn werden, sich mit 
Oxalat gar nicht and mit Pyro nur schwer kräftig entwickeln lassen. Da so jod reiche 
Emulsionen aber selbst hei SO bis 60 Grad 0. digerirt worden kennen, so erhält man 
dann grosso Empfindlichkeit und Scolik 1 ) sowie Burton 5 ) stellten auf diesem Wege 
Rapid- Emulsionen her. 

In dein sauren Koehprocesse ist ein kleiner Jodgehalt günstig, obsehon auch 
hior Manche die reine Brom - Emulsion beibehalten. Der Verfasser empfiehlt 3 bis 
5 Froc. Jodsilber. 

Jodsilber in der „Koch -Emulsion- bewirkt iu geringer Menge (*/ M bis '/») eine 
Steigerung der Spitzlicbter und zartere Abstufung der Negative. befördert die Klar- 
heit, verzögert die Entwicklung und gibt bei genügend langer Entwicklung dieselben 
oder mehr Details in den Schatten; in grösserer Menge (bei '/h) tritt ein bedeutender 
Verlust an Kraft ein, was mehr beim Oxalat -Entwickler, weniger heim Pyrogalius- 
Eutwickler bemerklieb ist. Der I'yro- Entwickler lässt sich einer j od reichen Emulsion 
besser als der Oxalat-Eutwiekler anpassen. 

Beim kalteu ammuuiakali scheu rjnulsiiicationsjo'i.jcesse nach IT Anderson isr 
ein grösserer Jodgehalt als 1 bis 2 Proc. schädlich. 

Obsehon Jod bromsilber- Gelatine im Specfcralapparate eino hedentenrl ^r..--. i, 
Empfindlichkeit für Gelb und Grün aufweist als reines Bromsilber, so ist dennuch die 
Empfindlichkeit bei der Photographie von l'i^mcnieu mit der Camera bei beiden glei« 
desgleichen gegen gelbe Gläser im Entwickluugsraum*}. 

III. Wie soll man das Jodsnlz zusetzen? 

Wichtig ist die Art, wie man das Jodsalz zur Herstellung einer 
Jodbrom -Emulsion zusetzt. Am besten ist es, Bromknlium und Jod- 
kalium zusammen nebst Gelatine aufzulesen und dann mit der Sill 
liisung zu miseben (vergl. unten). 



1] Scolik mischt: A. 24 Bromkalium, 24 Bromammonium, 5 Jodkalii 
Wasser, Sil Gelatine: li, <i0 Silbernitrat in .~>0n Wasser gelöst und mit Ammoniak ver- 
setzt, bis der entstandene braune Niederschlag -ich wieder aufgelöst hat. Man erwärmt 
A. bis die Gelatine gelöst ist (411 Grad C), trägt B. in kleinen Portionen ein, stellt 
durch ", Stunden in Wasser von 60 bis 85 Grad C, wobei man häufig schüttelt 
Hierauf lässt man erstarren und wäscht. Als Entwickler taugt am besten Pyro-Ent- 
wickler, z.B. Pottnsche-Eutwickler (Phot. CorreBp. 1882. S. 37.">). 

2) Burton gibt folgende Vorschrift zur Darstellung hochempfindlicher Gelatine- 
Emulsion: I. 2tl Theile Silbernttrat, Hm Theilo Wasser und so viel Ammonuiak. als im 
Lösung des anfangs entstehenden Niodcrsi'hhigi's nöthig ist. — II. 16 Theile Brom- 
kalium, 1 Theil Jodkalium, 4 Theile Nelson-Gelatine N, und 200 Theila Wasser. — 
III. GOThnla trockene (lelaliue. — Man erhitzt die Losung II auf 70 Grad C- nnd 
trägt die kalte lisung i unter Schütteln ein. Man stellt 20 Minuten in ein Wasserbad 
von 50 Grad C, lässt langsam abkühlen, trägt III ein, lässt diese durch 20 Minuten 
quellen, stellt in Wasser, bis das Schmelzen erfolgt, worauf man erstarren lässt. — 
Noch höhere Empfindlichkeit erhält man, wenn man im Wasserhade bei 70 Grad 
digorirt, häufig schüttelt und nach der Auflösung der Gelatine die Emulsion mit Alko- 
hol fallt trbot. News. 1886. S. 177; Eder's Jahrbuch f. Phot. 1887). 

3) Sawyer und später auch Dehenham (Phot. News. 1884. S. 374). 



: 



Zusatz von Jod- und Chlorsilber zur Bromsilber -Gelatine. 121 

Abney mischte in früherer Zeit Gelatine, Bromkalium und Silbernitrat zu einer 
Emulsion, dann setzte er Jodkalium zu; das letztere führt das fein zerth eilte Brom- 
silber in Jodsilber über, ohne dass sich Flocken ausscheiden. Solche Emulsion muss 
aber viel länger in der Hitze reifen , als wenn das Jodsalz (7 26 ) gleich zu Beginn der 
Gelatine zugesetzt war und gibt immer dünnere Bilder, als wenn man nach A. oder 
nach B. vorgeht Fügt man zu Silberoxydammooiak- Emulsion (aus reinen Bromsalzen) 
nach beendigter Emulsification etwas Jodkalium, digerirt und lässt erstarren, so ist 
das Resultat ein schlechtes, da die Bilder kraftlos werden. 

Ein Versuch zeigte dem Verfasser 1 ), dass Jod kalium das fertig gebildete Brom- 
silber bei Gegenwart von überschüssigem Bromkalium nur langsam in Jodsilber über- 
führt; dass nach x /» stündigem Kochen nicht unbedeutende Mengen Jodkaliums vor- 
handen waren und diese den Reifungsprocess verzögern. Dass Jodkalium in der 
Emulsion (namentlich in schwach saurer Lösung) die Empfindlichkeit wirklich herab- 
mindert, zeigte der Gegenversuch. Eine in */ 2 Proc. Jodkaliumlösung gebadete hoch- 
empfindliche Jodbromplatte (mit 1 / &0 Jodsilber) büsste an Empfindlichkeit ein. 

Jedenfalls werden die letzten Reste von Jodkalium beim längeren Digeriren der 
Umsetzung nicht entgehen. 

Besser ist jedoch der umgekehrte Weg, nämlich in die Silbornitrat- Gelatinelösung 
zunächst Jodkalium und dann erst das Bromsalz zu geben. 

Abney selbst gab diese Methode später auf und löste Silbernitrat mit Gelatine 
in Wasser, worauf er das Gemisch von Jodkalium und Bromkalium zusetzte. 

Eine fertige, gewaschene, stark schleierig arbeitende Brom -Emulsion wurde 
kurze Zeit mit Jodkalium erwärmt und nochmals gewaschen. Der Schleier verschwand 
grösstentheils, die Emulsion war aber weniger empfindlich*). 

IV. Erklärung der Wirkung des Jodsilbers in der Bromsilber - 

Gelatine. 

Jodsilber -Emulsion zu fertiger Bromsilber -Emulsion gemischt, wirkt als schwacher 
Verzögerer und hält die Platte während des Entwickeins klar. 

Warum wird Bromsilber langsamer vom Entwickler reducirt, wenn Jodsilber 
zugegen ist? Warum ist also für eine Bromsilber -Emulsion das Jodsilber ein Ver- 
zögerer beim Entwickeln und für eine Chlorsilber -Emulsion das Brom- und Jodsilber? 

In Gemischen von fertiger Jod- und Bromsilber -Gelatine bildet sich keine Doppel- 
verbindung, und man muss die Gründe der schleierwidrigen verzögernden Wirkung 
des Jodsilbers in der chemischen Statik suchen. Es ist bekannt, dass z. B. Silber 
aus den Gold- oder Platinlegirungen durch Salpetersäure nicht mehr ausgezogen (auf- 
gelöst) wird, sobald der Gehalt der letzteren eine gewisse Grenze übersteigt. Ver- 
dünnte Salzsäure oder Schwefelsäure, welche mit gewissen indifferenten Substanzen, 
z. B. Glycerin, Gummi, Kienruss vermischt sind, wirken viel langsamer auf Eisen, 
Zink, Ultramarin etc., und demnach ist diese Verzögerung, wie Lunge s ) zeigte, bloss 



1) Fällt man solche Emulsionen mit Alkohol, so geht das Jodkalium in die 
Losung und kann nach dem Verdunsten desselben leicht qualitativ nachgewiesen werden. 

2) Jodkalium gibt an Silber so leicht Jod ab, dass es sogar metallisches Silber 
in Jodsilber umwandelt, indem Aetzkali frei wird (Dike, Compt. rendus. Bd. 93, 
8. 415; Jahrber. f. Chem. 1881. S. 303). Offenbar wird Silbersubbromid gleichfalls 
durch Jodkalium umgewandelt. 

3) Berichte der deutsch, chem. Gesellschaft. 1876. Bd. 9, S. 1315. 



122 Dritter Theil. Dreizehntes Capitel. 

physikalischer Natur. Ohne Zweifel gehören viele „Vorzögerer" bei photographischen 
Processen hierher, worauf Ed er bereits in den früheren Auflagen dieses Werkes auf- 
merksam machte. 

Das zwischengelagerte, schwer reducirbare, photographisch nahezu indifferente 
Jodsilber hemmt die Reduction des Bromsilbers im Entwickler, ja selbst blosse Ver- 
mehrung des Gelatinegehaltes wirkt im selben Sinne, aber nicht so energisch. Dass 
das Jodsilber das Bild dünner macht, ist wohl zum Theile der inactinischen Farbe 
desselben (weiche das Eindringen des Lichtes hemmt) zuzuschreiben. Ein gelber 
Farbstoff wird das Jodsilber nur in der letzten , aber nicht in der ersten "Wirkung er- 
setzen können. 

Zucker, Glycerin, Dextrin im Entwickler wirken gleichfalls verzögernd, werden 
aber das Jodsilber nur in der ersten Wirkung ersetzen und die Bilder kräftig 
machen. 

Wenn diese Ansicht richtig ist, so muss irgend ein anderes schwer reducir- 
bares Silbersalz, der gekochten Bromsilber- Emulsion zugesetzt, gleichfalls schleier- 
widrig sein, ferner in passendem Zusätze die Entwicklung verzögern, ohne der Empfind- 
lichkeit zu schaden. 

In der That wirkt auch unreife, sehr klar arbeitende Bromsilber -Gelatine als 
Zusatz zu hochempfindlicher, schwach schleieriger Emulsion ähnlich. 

Das abweichende Verhalten einer zusammendigerirten Jodbrom -Emulsion (die 
grössere Farbenempfindlichkeit etc.) erklärt sich am einfachsten durch die Annahme 
einer Doppelverbindung von Jod- und Bromsilber (vergl. unten), da in der That sich 
das spectroskopische Verhalten gänzlich ändert. 

V. Chlorbromsilbcr- Emulsionen. 

Zusatz kleiner Mengen Chlorsilber zum Bromsilber ertheilen dem- 
selben die Eigenschaft, dass das Negativ sich rascher durcharbeitet; 
Partien in den Schatten, welche sich bei reinem Bromsilber nur schwach 
und glasig, und erst bei fortgesetzter Entwicklung mit copirfähigen 
Details entwickeln, erhalten durch Chlorsilber mehr Details. Grosse 
Mengen von Chlorsilber bewirken mit den für Bromsilber gebräuch- 
lichen Entwicklern Verschleierung 1 ). 

Nach Elsden 2 ) gibt Brom -Emulsion gemischt mit Chlor-Emulsion 
immer mehr Schleier (besonders mit Pyro- Entwickler) und dünnere Bilder 
als reine Brom-Emulsion. 

Bolton 3 ) gab 1881 an, dass eine schwach salzsaure Chlorbrom- 
Emulsion empfindlicher sei, als eine ebenso lange erwärmte reine Brom- 
Emulsion, sie sei zu Negativaufnahmen gut verwendbar, jedoch nicht 
so gut wie Jodbromchlor-Emulsion. 



1) Abney fand, dass Gemische von gleichen Theilen Brom- und Chlorsilber 
sich mit seinem Oxalat - Citratentwickler (s. unten) sehr gut entwickeln lassen (Photo- 
graphy with Emulsions. 1882. S. 120). 

2) Phot. News. 1&S3. 8. 358 u. 534. 

3) Phot. Almanac for 1882. S. 25. 



Zusatz von Jod- und Chlorsilber zur Bromsilber -Gelatine. 123 

Davis empfiehlt zusammendigerirte Bromchlor-Emulsion wegen 
der Zartheit der Bilder und dem Reichthume der Mitteltöne 1 ). 

Chlorbrom-Emulsionen haben, soweit dies dem Verfasser bekannt 
ist, keine praktische Verwendung zur Herstellung von Negativen in der 
Camera gefunden, wenn man von einzelnen Versuchen absieht. 

Dagegen hat man mit Chlorbrom im positiven Copirverfahren auf 
Papier oder zu Glasdiapositiven gute Resultate erzielt. Chlorbrom - 
Emulsion zu diesem Zwecke war zuerst vom Verfasser im Jahre 1883 
empfohlen worden 2 ) und später von Wellington zu demselben Zwecke 
als sehr brauchbar befunden worden. Näheres darüber siehe Copir- 
verfahren mit Chlorsilber- Gelatine weiter unten. 

VI. Chlorjod -Emulsionen. 

Chlorjod-Emulsionen arbeiten mit Oxalat- und anderen Entwicklern 
klarer als reine Chlor -Emulsion. Schumann 8 ) fand, dass eine ge- 
kochte Chlorjod-Emulsion mit hinlänglichem Jodgehalt 4 ) neben reiner 
Bromsilber- Gelatine (was Empfindlichkeit und Klarheit anbelangt) bei 
Aufnahmen in der Camera wohl einen Rang zu behaupten vermag; sie 
lässt sich mit dem Pyro- Pottasche- als auch Eisenoxalat- Entwickler 
hervorrufen. 

' VII. Chlorjodbrom -Emulsion nebst Cyan- und Fluorsilber. 

Das Zusammenmischen fertiger Brom-, Jod- oder Chlorsilber- 
Emulsion gibt den sichersten Anhaltspunkt über die Rolle der einzelnen 
Silbersalze. Jodsilber bewirkt immer grössere Klarheit, Dünnheit und 
langsameres Entwickeln der Bromsilber -Emulsion. Diesen Effect zeigt 
noch Y50 Jodsilber. 

Das Vermischen einer fertigen Brom- oder Jodbromsilber-Emulsion 
mit einer fertigen Chlorsilber-Emulsion führt weniger leicht zu Schleier, 
als das Einverleiben des Chlorsalzes während der Darstellung. Es muss 
nämlich in einer Chlorbromsilber-Emulsion das lösliche Chlorid (z. B. 
Chlorammonium) vorherrschen. Lösliche Chloride wirken aber bei der 
Kochmethode weniger schleierwidrig als Bromide. 



1) Davis emul8ificirt 300 Gelatine, 10 Chlorammonium, 150 Bromkalium, etwas 
Salzsäure, 200 Silbernitrat und 4800 Wasser (in der ganzen Emulsion) eine Stunde 
bei 70 Grad C; Empfindlichkeit 15 bis 17 Grad Warnerke (Brit. Journ. of Phot. 1884. 
Seite 147). 

2) Phot. News. 1883. S. 98; Phot. Mitth. Bd. 19, S. 313. 

3) Phot. Wochenbl. 1884. S. 357. 

4) Z. B.. 6,4 Chlorammonium , 1,5 Jodkalium , 1 6,5 Silberuitrat oder 6,4 Chlor- 
ammonium, 6,4 Jodkalium und 21,4 Silbernitrat nebst der nöthigon Menge Gelatine 
und Wasser. 



124 Dritter Theil. Dreizehntes Capitel. 

Eine halbstündig gekochte Bromchlor -Emulsion mit 1 / 20 Chlorsilber arbeitete 
flau und schleierig, während eine analog bereitete Brom -Emulsion klar arbeitet. 
"Wenn aber hinterher zur fertigen reinen Brom -Emulsion 1 / l0 bis 1 / 20 einer fertigen 
halbstündig gekochten Chlor -Emulsion gefügt wird, entwickeln sich die Platten klar 
und dichter als reine Bromplatten. Daraus geht hervor, dass unter Umständen das 
Bromsilber einer Chlorbrom -Emulsion beim Kochen leichter sich zersetzt, als bei einer 
reinen Brom -Emulsion (Eder). 

Dünn arbeitende Jodbrom - Emulsionen werden durch 1 / l0 Chlorsilber corrigirt 
und arbeiten dichter. Emulsion, welche zu Schleier neigt, wird durch Chlorsilber 
verschlechtert. 

Nach Eis den 1 ) arbeiten Jodbromchlor -Emulsionen, welche aus den drei 
einzelnen Emulsionen gemischt sind, klar und gut, wenn mehr Jodsilber als Chlor- 
silber vorhanden ist; aber dann sind die Bilder dünner als mit Bromsilber allein. Ist 
aber mehr Chlorsilber vorhanden , so ist die Dichte dieselbe wie mit Bromsilber. Ist 
zu wenig Jodsilber zugegen, so tritt leicht ein Schleier auf; mit Pyro- Sulfit und 
Ammoniak entsteht bei Gegenwart von Chlorsilber oft Grünschleier. 

Wilde 2 ) fügt der Bromsilber -Gelatine schon seit längerer Zeit etwas Chlor- 
jodsilber bei und erhält Schichten , auf welchen die Negative gut gedeckte und durch- 
gezeichnete Schattenpartien haben; auch die Wiedergabe der Tonabstufungen ver- 
schiedener Farben ist nach Wilde in den Negativen auf solchen Schichten besser. 

Bolton theilte 1881 mit, dass Jodbromchlor -Emulsion mit einer Spur Salz- 
säure gekocht anfangs gleich empfindlich . nach dem Stehen aber empfindlicher sei als 
reine Brom- oder Chlorbrom -Emulsionen 8 ). 

Goldin g nahm auf 4800 Theile Emulsion: 240 Theile Silbernitrat, soviel Brom- 
kalium, als zur Umsetzung des Silbernitrates hinreicht (d. i. 168 Theile), dann 10 Theile 
Chlorammonium und 4 Theile Jodammonium; auf diese Weise hergestellte Koch- 
Emulsion enthält kein Chlorsilber (da das Chlorammonium nicht mehr zur Umsetzung 
des Silbernitrates benutzt wird), soll jedoch sehr empfindlich sein 4 ). 

Eine von „Ajax tt gepriesene kalte Jodbrom chlor -Emulsion, ungefähr nach He n - 
derson's kaltem Processe (s. diesen) dargestellt 6 ), gibt nach Scolik 6 ) eine klare, 
weiche Emulsion mit schönen Lichtern und eine Empfindlichkeit von 18 Grad W., 
welche keine Vortheile vor der ursprünglichen Henderson- Emulsion (d.i. Bromsilber 
mit sehr wenig Jodsilber) bietet. 

Nach Barker ist nicht nur Chlor- und Jodsilber in der Bromsilber -Emulsion, 
sondern ausserdem noch ein Zusatz von Cyansilber und Fluorsilber neben den obigen 
von guter Wirkung, da die beiden letzteren hochempfindliche, klare und brillante 
t Emulsionen geben 7 ). 



1) Phot. News. 1883. S. 358 u. 534. 

2) Phot. Corresp. 1884. S. 176. 

3) Brit. Journ. Phot. Almanac for 1882. S. 25. Bolton mischte 59 1 /, Theile 
Bromammonium, 5 Theile Jodammonium, 5 Theile Chlorammonium, 10 Theile Gelatine 
und 120 Theile Silbernitrat nebst der nöthigen Menge Wasser. 

4) Phot. News. 1882. S. 558. 

5) Phot. Corresp. 1884. S. 252. 

6) Ebendaselbst. 

7) Brit. Journ. of Phot. 1883. S. 264; Phot. Wochenbl. 1883. S. 17a 



VIEEZEHNTES CAPITEL. 

WIRKUNG VON ZUSÄTZEN FEEMDEK SUBSTANZEN 

ZUE BEOMSILBEK-GELATINE. 



Viele fremde Substanzen mineralischer und organischer Abstam- 
mung, allerlei Salze, Säuren, Basen, Gummi- und Zuckerarten etc. 
wurden versucht der Emulsion einzuverleiben. 

Diese Zusätze erfolgen entweder während der Emulsionirung, oder 
man fügt sie zur fertigen, gewaschenen Emulsion oder imprägnirt damit 
fertige Plätten. Man bezweckt hierbei Steigerung der Empfindlichkeit, 
Verminderung oder Zerstörung der Schleierbildung, Beeinflussung der 
Kornbildung des Bromsilbers, Mattirung der Bildschicht etc. 

1. Alkohol. Man kann zur Lösung von Bromammonium und 
Gelatine in Wasser Alkohol zusetzen, bevor man die Silbernitratlösung 
einträgt Dieser Zusatz wurde insbesondere beim Silberoxydammoniak - 
Processe empfohlen, sobald man bei höherer Temperatur digerirt und 
deshalb die Entstehung von grobem Korne befürchten muss. 

Ein Gehalt der wässerigen Gelatinelösung an Alkohol (5 bis 20 Proc.) 
bewirkt die Entstehung von feinerem Bromsilber, verzögert jedoch das 
Reifen, sobald gleichzeitig viel Gelatine zugegen ist; dagegen wird dieser 
Zusatz mit Erfolg versucht, sobald nur sehr wenig Gelatine zugegen ist 

Von wahrem Nutzen erwies sich der Zusatz von Alkohol während 
der Emulsification bei Henderson's kaltem Processe (s. diesen). 

Alkohol verhindert nach den Versuchen des Verfassers die Auf- 
lösung des Bromsilbers in Ammoniak wesentlich; die Emulsionen werden 
sahniger. 

Thatsächlich kann man beim kalten Henderson-Processe bei 
Gegenwart von 70 bis sogar 80 Proc. Alkohol die Empfindlichkeit un- 
gefähr zehnmal höher steigern als ohne diesen Zusatz. 

Bei der sauren Emulsion oder beim Kochprocesse hat Alkohol- 
zusatz keinen Vortheil geboten, sondern wirkt als Verzögerer. 



126 Dritter Theil. Vierzehntes Capitel. 

Burton machte wohl zuerst (1882) darauf aufmerksam, dass der Silberoxyd- 
ammoniak -Process sehr empfindliche Emulsionen gibt, wenn man bei der Emulsification 
den Gelati negelialt auf Vio herabsetzt und ausserdem Alkohol zufügt, wodurch eine 
feine rubinrothe Emulsion entsteht. Er mischte: A. 336 "Wasser, 40 Silbernitrat mit 
Ammoniak bis zur Auflösung des Niederschlages versetzt. B. 8 Gelatine (gequollen). 
28 Bromammonium, 2 Jodammonium, 240 Wasser; nach dem Lösen setzt mau 2Salicyl- 
säure in 100 Alkohol zu, digerirt 8 / 4 Stunden bei 50 Grad C, fügt 40 Gelatine zu und 
lässt erkalten. Gibt 20 bis 23 Grad Warnerke. 

Henderson gab 1885 eine ähnliche Vorschrift (s. Phot. Corresp. 1885). 

Obernetter mischt Silberoxydammoniak- Emulsion mit vollem Gelatinegehalt»?, 
aber bei Gegenwart von Alkohol: Man löst 10 Gelatine, 80 Wasser, 20 Alkohol, 
14 Bromammonium durch Erwärmen. Andererseits löst man 10 Gelatine in 60 Wasser, 
fügt 22 Silbernitrat gelöst in 25 Wasser und in Silberoxydammoniak umgesetzt auf 
einmal zu (Temperatur beider Lösungen 50 Grad C), spült mit 25 Wasser und 20 Al- 
kohol nach; das Gemisch stellt man in Wasser von 37 Grad C, digerirt höchstens 
7 2 Stunde, lässt erkalten und wäscht. 

Diese Emulsion gibt empfindliche Platten von 17 bis 18 Grad Warnerke, jedoch 
tritt bei dieser Vorschrift mitunter ein leichter Schleier ein. 

Alkoholische Lösungen von Bromsilber-Gelatine-Emul- 
sion lassen sich nur schwierig herstellen, weil die gewöhnliche, reine 
Gelatine in Alkohol unlöslich ist. Zusatz von Alkohol zu wässerigen 
Gelatinelösungen bewirkt sogar das Ausfällen der Gelatine in Klumpen. 

Bei Gegenwart von Säuren aber vermag Alkohol die Gelatine 
aufzulösen. Man kann durch derartige Mittel die fertige Bromsilber- 
Gelatine in alkoholische Lösung bringen, ähnlich wie Collodion auf Glas- 
platten giessen und rasch trocknen. Diese Methode erleichtert das 
Selbstpräpariren von Platten, ist aber für den Fabrikbetrieb ungeeignet 
und kostspieliger als das Verarbeiten wässeriger Gelatine-Emulsionen. 

Im Mai 1880 machte Eder zuerst aufmerksam, dass mit Salpetersäure erwärmte 
Gelatine nach dem Abdampfen in starkem Alkohol zum grossen Theil löslich geworden 
ist 1 ); 'sie ist jedoch auch in kaltem Wasser löslich geworden und daher auch zum 
Präpariron von Platten für sich allein unbrauchbar. — Nach Herschell*) löst 
Alkohol, dem man 2 Vol. -Procent Königswasser zugesetzt hat, fast jede Quantität von 
Gelatine, wenn man ihn schwach erwärmt. 

Nach Professor Vogel 3 ), welchem wir die ersten gelungenen Versuche in dieser 
Richtung verdanken, lassen sich Lösungen von Gelatine in organischen Säuren mit 
Weingeist verdünnen, ohne dass sich Gelatine niederschlägt 4 ). Unter den Säuren 
sind, wie Obernetter weiter auseinandersetzte 5 ), die geeignetsten: Borsäure, Essig- 



1) Phot. Corresp. 1880. Bd. 17, S. 100. 

2) Phot. Archiv. 1880. S. 117 u. 172. 

3) Phot. Mitth. 1880. Bd. 17, S. 50. 

4) Versetzt man gewöhnliche Gelatine -Emulsion mit etwas Essigsäure, so er- 
starrt sie schwieriger und schmilzt leichter. Mitunter lassen sich durch den Zusatz 
von einigen Tropfen Essigsäure zur Emulsion jene Fehler beseitigen , welche von allzu 
raschem Erstarren der Gelatine herrühren (z. B. kleine Grübchen in der Schicht). 

5) Zeitschr. für prakt. Phot. 1880. Bd. 2, S. 54. 



Wirkung von Zusätzen fremder Substanzen zur Bromsilber -Gelatine. 127 

säure, Ameisensäure, Citronensäure, Aepfelsäure, Milchsäure, Oxalsäure, Bernstein- 
säure, Benzoesäure etc. Eine zehnprocentige wässerige Lösung von Oxalsäure oder 
Bernsteinsäure löst beim Erwärmen leicht die Hälfte ihres Gewichtes an Gelatine auf 
und lässt sieb mit dem dreifachen Volumen absoluten Alkohols verdünnen. Man 
erhält dann eine Lösung, die über 19 Grad C. eine Flüssigkeit von Collodionconsistenz 
bildet, unter 19 Grad C. erstarrt und sich noch weiter mit 80procentigem Weingeist, 
der 1 bis 2 Proc. Säure enthält, verdünnen lässt. 

H. W. Vogel ging von der Beobachtung aus, dass sich Gelatine in Gemischen 
von Essigsäure und Alkohol etc. löst, ohne ihr ErstaiTungsvermögen einzubüssen; da 
in diesen Gemischen auch Collodionwolle löslich ist, so konnte er gemischte Collodion- 
Gelatine-Emulsion herstellen. 

Am häufigsten wurde versucht, nach Vogel's Methode trockene Gelatine - Emul- 
sion in Alkohol -Eisessig zu lösen. Laoureux 1 ), Fabre 2 ) und Andere setzten der 
Lösung kein Pyroxylin zu. 

Am besten gelingt Vogel's Methode, wenn man 30 g trockene Bromsilber - 
Gelatine in 30 cem Eisessig und 30 cem Alkohol löst, dann CO g Collodionwolle gelöst 
in 30 cem Eisessig und 50 cem Alkohol zusetzt (Husnik). 

Die Glasplatten bedürfen behufs festeren Haftens der Emulsion eines Ueber- 
zuges und als solcher dient Chrom -Gelatine. 

Man giesst wie Collodion auf und lässt den Ueberschuss abfliessen; man trocknet 
in senkrechter Lage. (Dauer eine Stunde.) Entwickler: Pyrogallol - Soda. 

Bromsilbercollodion in Essigsäure -Alkohol gelöst und mit Gelatine vermischt 
gibt bei weitem weniger empfindliche Platten, als wenn man von Bromsilber -Gelatine 
ausgeht 8 ). 

Bier wurde von Palmer 4 ) und Houlgrave 6 ) zur Emulsion gemischt und wird 
wohl nirgends mehr angewendet. 

2. Aceton. Störk theilt mit 6 ), er habe eine wässerige, nicht 
faulende (jedenfalls rasch trocknende) Bromsilber- Gelatine dadurch er- 
halten, dass er der fertigen, gewaschenen und in der Wärme geschmol- 
zenen Emulsion 50 Proc. Aceton zumischte. 



1) Laoureux lässt die trockene Gelatine -Emulsion in Wasser durch mehrere 
Stunden ganz aufquellen, giesst dann das Wasser ab, übergiesst mit einem Gemisch 
von 100 Theilen Alkohol und 1 Theil Eisessig und erwärmt auf 40 bis 50 Grad C. 
Dadurch wird die Lösung bewirkt. Die Schicht lässt man in horizontaler Lage er- 
starren. Dauer des Trocknens 3 Stunden bei 16 bis 18 Grad C. (Bull, de l'Assoc. 
Beige de Phot. 1880. Bd. 7, S. 298 und Bd. 8, S. 1). 

2) Fabre fand, dass ein Zusatz von 12 Proc. Eisessig genügt, um die Lösung 
der Gelatine zu bewirken. Jedoch ist die nöthige Menge Eisessig verschieden, je nach 
der Qualität der Gelatine. Z. B. braucht man nur 3 g Eisessig pro 100 cem Alkohol, 
damit 10 g mit Nelson -Gelatine I. hergestellte Bromsilber -Gelatine gelöst werden. 
Hausenblase und harter Leim erfordern 12 Proc. Eisessig. 

3) Auch das spectroskopische Verhalten zeigt die charakteristische Verschieden- 
heit der Grund -Emulsion (Vogel, Phot. Mitth. Bd. 19, S. 33, 94 u. 108). 

4) Brit. Journ. Phot. Almanac. 1877. S. 87; Phot. Archiv. 1876. S. 91. 1877. S. G2. 

5) Brit Journ. Phot. Almanac. 1881. S. 78. 

6) Phot. Wochenbl. 1881. S. 148; aus Monitour de la Phot. 1881, S. 63. 



128 Dritter Theil. Vierzehntes Capitel. 

3. Glycerin, Zucker, Dextrin, Gummi arabicum und ähnliche in 
kaltem Wasser leicht lösliche Substanzen wurden der fertigen, ge- 
waschenen Emulsion beizumischen empfohlen (ungefähr l / 2 bis l 1 / 2 g 
pro 100 ccm Emulsion), um die Entwicklung der Emulsionsplatten zu 
beschleunigen. Alie diese Mittel geben den Negativen mehr Kraft, 
steigern die Contraste und fördern die Klarheit beim Entwickeln. 

Da die Meinungen über den Nutzen dieser Zusätze noch getheilt 
sind, so verwende man sie mit Vorsicht und lasse nicht aus dem Auge, 
dass sie nur dann von Nutzen sein können, wenn die Platten nicht 
rasch und brillant genug entwickeln. 

Hendorson empfahl 1881 den Zusatz von Gummiarten und in der Folge ins- 
besondere den Zusatz von Dextrin 1 ). 

Scolik*) versuchte Zucker mit gutem Erfolge. Der Verfasser fand aber weder 
im Dextrin-, noch im Zuckerzusatze einen besonderen Vortheil. 

Glycerinzusatz während der Emulsification hält beim ammoniakalischen 
Process die Emulsion klar, erleichtert das Waschen, vermindert aber etwas die 
Empfindlichkeit. 

Ein geringer Zusatz von Glycerin zu gewaschener Emulsion macht die- 
selbe klarer und wirkt als ganz schwacher Vorzögerer. Glycerinhaltige Gelatineplatten 
arbeiten nach Abney 3 ) in frischem Zustande häufig sehr gut, verderben aber rasch, 
wenn sie in einer bald trockenen, bald feuchten Atmosphäre aufbewahrt werden. 

Man hat auch vorgeschlagen , sehr viel Glycerin zur Emulsion zu geben, damit 
sie nach dem Erstarren nicht mehr austrocknet; sie fault dann auch niemals (ähnlich 
wie Heetographenmasse). 

Giesst mau die Glycerin -Gelatine -Emulsion auf eine nivellirte Spiegelglasplatte 
1 2 cm hoch (nachdem man den Kand mit einem Papierrand versehen hat) und schneidet 
sie in Streifen, so kann man je nach Bedarf einen oder mehrere Streifen auswaschen 
und die Emulsion dann auftragen 4 ). 

4. Gummi arabicum allein zur Emulsification (anstatt Gelatine) zu 
verwenden, war Ende der siebziger Jahre vorgeschlagen worden, hat 
sich aber nicht bewährt. 

Mawdsley 5 ) emulsificirte Bromsilber bei Gegenwart von Gummi arabicum, 
fügte dann Gelatine zu, lioss erstarren und wusch. Man versprach sich Ende der 
siebziger Jahre viel von dem Processe, bei welchem das beständigere Gummi die ver- 
änderliche Gelatine ersetzte und Ritchie 6 ) hatte sogar ein Patent auf gereinigtes 
„Arabin* zur Emulsification genommen. 

Eder erhielt mit Gummi klar arbeitende, aber unempfindliche Emulsionen, 
welche meistens dünne Bilder gaben und keinerlei Vortheil vor den mit Gelatine 
enmlsificirten aufwiesen. 



1) Phot. Corresp. 1&S2. S. 57. 

2) Phot. Corresp. 1882. 

3) Phot. Journ. 18S2. S. 130. 

4) Brit. Journ. of Phot. 1S84. S. 177; Phot. Wochenbl. 1884. S. 132. 

5) Phot. Corresp. 1879. S. 183; aus Brit. Journ. of Phot. 1007. S. 398. 
(>) Phot. News. 1880. S. S.">. 



Wirkung von Zusätzen fremder Substanzen zur Bromsilber -Gelatine. 129 

Nach As hm an soll ein Zusatz von Gummi zur Gelatine -Emulsion vor dem 
Waschen weisse Flecken verursachen 1 ). 

5. Stärke. Pauli und Ferrau stellten Bromsilber- Emulsion bloss 
mittels Stärke her 2 ) statt mit Gelatine. 

Lloyd 8 ) setzte der fertigen Gelatine -Emulsion Stärke zu, um die Entwicklung 
derselben zu beschleunigen (besonders bei harter Gelatine). 1 Theil Stärke wird mit 
etwas Wasser fein gerieben und 250 Theilen der Emulsion vor dorn Kochen beige- 
mengt Beim Sieden quillt sie auf und vermehrt die Consisteuz der Emulsion, die 
dann wie sonst behandelt wird. Sie entwickelt sich nun viel schneller und wird, wenn 
einmal trocken, sehr hart und widerstandsfähig. 

Wilde 4 ) macht aufmerksam, dass Zusatz von Stärke der Gelatineschicht eine 
Körnung ertheilt, welche für manche Zwecke recht brauchbar ist. Prestwich 6 ) 
mischt 3 Theile Gelatine und 1 Theil Stärke gleich beim Emulsioniren, um matte 
Schichten bei Trockenplatten (für Transparentbilder und als Mittel gegen Lichthöfe) 
zu erhalten. G. J. Junk G ) kam wieder auf Paul's und Ferrau's Methode zurück und 
emulsificirte Bromsilber (ammoniakalische Methode) in verkleisterter Stärke, um 
damit Papier, Leinwand u. dergl. zu überziehen; die Schicht ist matt und wird wie 
gewöhnlich entwickelt (Mattpapier); oder es wird eine wenig gelatinehaltige Brom- 
silber-Emulsion in eine Stärkekleistermasse eingetragen. 

Auch die Eastman Company und andere Firmen erzeugen Bromsilber- 
Mattpapiere, auch „Platino-Bromide-Paper" genannt, welche Stärke enthalten; 
hierbei besteht die Hauptmasse der Schicht aus Bromsilber -Gelatine (Gelatine als Binde- 
mittel), während der fertigen Emulsion Stärke (in unverkleistertem Zustande) zuge- 
setzt ist. Trotzdem dieser Vorgang vom photographischen Standpunkte aus ein anderer 
als der Junk'sche ist, wurde dennoch bei einem Patentstreite der Eastman -Kodak - 
Gesellschaft (mit Rücksicht auf Junk's Patent) in Deutschland verboten, Bromsilber - 
Gelatinepapiere mit Stärkezusatz zu verkaufen 7 ). 

6. Casei'n löst sich • in alkalischen Lösungen und kann zur Her- 
stellung von Emulsion (statt Gelatine) dienen. Bartlett 8 ) versuchte 
solche Emulsionen, fand aber die Empfindlichkeit nicht gross. 

7. Albumin wurde von Obernetter 9 ) und Spink 10 ) der fertigen 
Gelatine -Emulsion zugesetzt. Es soll grössere Reinheit der Schicht und 
Vermeidung von Flecken und Narben bewirken. 

Obernetter fügt seiner auf kaltem Wege dargestellten Gelatine - Emulsion 
nach dem "Waschen und Schmelzen auf je 10O Theile: 5 Theile Alkohol und 2 bis 
5 Theile geschlagenes Eiweiss zu 11 ). 

1) Phot. News. 1883. S. 03. 

2) Phot. Corresp. 1870. S. 183; aus Phot. News. 1879. S. 430. 

3) Brit. Journ. of Phot. 1882. S. 118; Phot. Wochenbl. 1882. S. 118. 

4) Eders Jahrbuch f. Phot. 1893. S. 4(K). 

5) Eder's Jahrbuch f. Phot. 1895. S. 458. 

6) Eder's Jahrbuch f. Phot. 1890. S. 482; 1898. S. 408. 

7) Eder's Jahrbuch f. Phot. 1899. S. 514. 

8) Phot. News. 1884. S. 12; Phot. Wochenbl. 1884. S. 60. 

9) Phot. Mitth. 1879. Bd. Iß, S. 2. 

10) Phot. News. 1882. S. 383. 

11) Phot. Archiv. 1883. S. 254. 

Eder, Handbuch der E'hotogTaphie. III. Theil. 5. Aufl. 9 



130 Dritter Theil. Vierzehntes Capitel. 

Emulsion, welche früher matte Flecken gab, die im Entwickler schwarz werden, 
soll nach diesem Zusatz tadellose Schichten geben. 

Nach einem Artikel im Brit. Journ. of Phot. (1884. S. 465) soll der Zusatz 
von 1 Theil geschlagenem Ei weiss zu 3 Theileu Gelatine -Emulsion folgenden Effect 
haben: Die Schicht erstarrt langsamer, trocknet aber schneller zu einer sehr harten 
Schicht, welche sich ungemein schnell entwickelt. Lloyd wollte grössere Haltbarkeit 
der Platten durch Baden derselben in einer Albuminlösung erzielen 1 ). 

Der Verfasser fand sich auf Grund seiner Versuche bis jetzt noch nicht ver- 
anlasst, den Zusatz von Albumin zur Gelatine -Emulsion zu verwenden. 

E. H. Farmer und H. K. Tompkins in London nahmen ein 
englisches Patent (Nr. 15 727 vom 16. Nov. 1887) auf Herstellung einer 
Emulsion in reinem Albumin, anstatt Gelatine oder Collodion. Sie 
lösen ein Haloidsalz in Albumin und fügen ein Silbersalz hinzu; für 
Copirverfahren (Auscopiren ohne Entwicklung) kann das Silbersalz im 
Ueberschusse sein, für Entwicklung aber das Haloidsalz. 

Als eine gute Vorschrift wird empfohlen: 18 Unzen Eiweiss, 128 Gran Brom- 
kalium, 190 Gran Silbemitrat , 20 Unzen Wasser. Man kann auch etwas kohlensaures 
Amnion zusetzen. Mau übergiesst damit Papier, trocknet und macht mit Alkohol oder 
Chromalaun unlöslich; als Eutwickler kann dienen: 12 Pyro, 100 Natriumsulfit, 
24 Ammoncarbonat, 20 Chlorkalium, 9600 Wasser. Soll auscopirt werden, so mischt 
man 48 Theile Silbernitrat, 20 Citronensäure, 10 Ammoniumchlorid, 480 Wasser. — 
Oefter mischen F. und T. Albumin mit einer Lösung von harter Gelatine. Die 
Emulsion soll auch zur Herstellung von Bildern auf Glas verwendet werden können. 
(Eder's Jahrbuch f. Phot. 1889. S. 387.) 

8. Agar-Agar, ein vegetabilischer Leim, welcher sich vor der ge- 
wöhnlichen Gelatine durch ausserordentliches Erstarrungsvermögen aus- 
zeichnet, wurde zur Darstellung von Gelatine-Emulsion versucht. 

Nach Mi tschell soll Agar-Agar in heisseu Klimaten, wo gewöhnliche Gelatine 
nicht mehr erstarrte, mit Vortheil angewendet worden sein 2 ). 

Dr. Stolze erhielt damit keine befriedigenden Resultate 8 ). Allerdings gibt eine 
einprocentige Agar-Agarlösung eine sehr rasch erstarrende Gallerte, welche sich lange 
Zeit ohne Fäulniss unzersetzt erhält. Eine */ 4 procentige }m ^ e i ne noch stärkere 
Lösung gibt wohl eine feine Emulsion, welche sich aber beim Wiederschmelzen ent- 
mischt und das Bromsilber nicht suspendirt hält, sondern es flockig fallen lässt Als 
er einer Gelatine -Emulsion 1 Proc. Agar-Agar zusetzte, schieden sich beim Erkalten 
durchsichtige Klümpchen von Agar-Agar aus, während das Bromsilber in der um- 
gebenden Flüssigkeit blieb. Selbst \ 2 g Agar-Agar zu 1 Liter Gelatine -Emulsion 
entmischte sie beim Erkalten. 

Rebikow versuchte Agar-Agar für Brom- und Chlorsilber- Emulsion ver- 
wendbar zu machen 4 ). 



1) Thot. Wochcnbl. 1884. S. 304 u. 306. 

2) Thot. Wochenbl. 1882. S. 04; aus Phot. News. 1882. S. 67. 

3) Phot. Wochenbl. 1882. S. 129 u. 138. 

4) Eder's Jahrbuch f. Phot. 1892. S. 241 u. 386. 



Wirkung von Zusätzen fremder Substanzen zur Bronisilber- Gelatine. 131 

9* Isländisches, Moos soll (der Bronisilber- Gelatine bei der Dar- 
stellung zugesetzt) die Empfindlichkeit etwas beeinträchtigen, aber die 
Emulsion haltbarer machen (Wilde 1 ). 

10. Seife. Grand setzte der Emulsion 1 / 2 Proc. Seife zu, um eine 
bessere, von hellen Fettflecken freie Schicht zu erhalten. Dadurch soll 
das Fett vollständig und gleichmässig vertheilt werden und keinen 
Schaden zufügen 2 ). 

11. Ochsengalle in der fertigen Gelatine- Emulsion soll nach Foxlee 
die Entfernung etwa vorhandener Fetttheilchen und der dadurch ent- 
standenen Fettflecken bewirken 3 ). Brooks fand diesen Zusatz un- 
wirksam 4 ). 

12. Harz. Ein Zusatz von Harz wurde von Wilde empfohlen 5 ). 
Er vermischte Gelatine- Emulsion vor dem Erstarren und Waschen mit 
etwas von einer Lösung gebleichten Schellacks in Alkohol. Die mit 
solcher Emulsion gegossene Schicht erstarrt (nach Wilde) und trocknet 
rascher als ohne diesen Zusatz und hat ein mattes Aussehen. Die 
Empfindlichkeit bleibt unverändert. Die Negative sehen aus, als ob sie 
auf feinmattirtes Glas gemacht wären; die Schicht haftet sehr fest. (Trotz- 
dem scheint dieser Zusatz keine praktische Verwendung gefunden zu haben.) 

13. Thierische oder pflanzliche Fette. Die „ Neue Photographische 
Gesellschaft" in Berlin Hess sich ein Verfahren zur Erzeugung von Brom- 
silber- Gelatine -Mattpapier patentiren, bei welchem das Mattiren der 
Schicht durch Zusatz von Milch, fein vertheiltem Ricinusöl oder andere 
thierische oder pflanzliche Fette in Form einer Emulsion bewirkt 
wird 6 ). 

14. Säuren. Mineralsäuren wirken nicht nur während der Dar- 
stellung der Emulsion als Verzögerer, sondern noch mehr in der ge- 
waschenen Emulsion. Z. B. Salzsäure schädigt die Empfindlichkeit sehr, 
wenn man sie der Emulsion vor dem Giessen zusetzt. Essigsäure ver- 
mindert gleichfalls die Kraft und Empfindlichkeit, jedoch nicht bei allen 
Emulsionen in gleichem Grade; sie wirkt auf geschmolzene Silberoxyd- 
ammoniak-Emulsion sehr ungünstig 7 ), jedoch schadet sie nur wenig 
einer sauer dargestellten Siede -Emulsion. 



1) Eder's Jahrbuch f. Phot. 1893. S. 400. 

2) Phot. Wochenbl. 1884. S. 304 u. 306. 

3) Bull. Soc. Franc. 1880. S. 33. 

4) ibid. 

5) Phot. Corresp. 1881. S. 100. 

6) Eder's Jahrbuch f. Phot. 1899. S. 514. 

7) Es sollen Fabrikanten die erstarrte ungewaschene Silberoxydammoniak -Emul- 
sion den Dämpfen von Eisessig aussetzen, bevor sie dieselbe waschen. 

9* 



132 Dritter Theil. Vierzehntes Capitol. 

Bei der Siede -Emulsion fügt man kleine Mengen von Säuren der 
Mischling vor dem Sieden zu, um vor Schleier beim Kochen zu be- 
wahren. Salzsäure oder Salpetersäure verzögert in geringer Menge 
(1 bis 5 Tropfen pro 1000 g Emulsion) das Reifen nicht; in grösserer 
Menge (z. B. 10 bis 30 Tropfen pro 1000 g Emulsion) bewirken sie 
Unempfindlichkeit und Mangel an Kraft. Kurzes Nachdigeriren mit 
Ammoniak vermehrt die Intensität derselben aber wieder. — Brom- 
wasserstoff wirkt energischer als Salzsäure; der erstere zerstört sogar 
das Lichtbild 1 ). 

Essigsäure wirkt nicht sehr energisch, wohl aber Citronensäure. 
Viel Citronensäure in der Emulsion hindert das Reifen und ertheilt der 
Emulsion (namentlich Chlorbrom- Emulsion) die Eigenschaft, dünne, zarte 
Bilder zu geben, welche sich mit Eisencitrat etc. stark röthlich ent- 
wickeln, was für positive Copirprocesse erwünscht ist (s. das betreffende 
Capitel weiter unten). 

15. Chloracetyl wurde von Colby als Zusatz zur Bromsilber- 
Gelatine-Emulsion während des Reifens empfohlen ; es soll die Empfind- 
lichkeit wesentlich (?) steigern (Eder's Jahrbuch f. Phot. 1896. S. 475 
und 1897. S. 401). 

16. Brom. Freies Brom wird von der Gelatine absorbirt; es drückt 
in grösserer Menge die Empfindlichkeit der Emulsion herab, macht sie 
klarer und zerstört einen vorhandenen Schleier, worauf Eder schon in 
der vorigen Auflage dieses Werkes 2 ) aufmerksam gemacht hatte. Brom- 
dampf wirkt auf trockene Platten nur sehr langsam. Viel günstiger 
wirkt Bromwasser, d. i. Wasser, welches durch Schütteln mit Brom ge- 
sättigt ist; es hat dann etwa i ; 80 Brom aufgelöst 

Brom wasser ist ein vortrefflicher Zusatz zur fertigen Emulsion, 
um Schleier zu zerstören. 

Nach der Photographic News n ) zerstört ! 2 bis 2 com Bromwasser auf 500 cem 
Emulsion den Schleier völlig. Der Verfasser fand, dass jedoch diese Menge zu gross 
ist und dass häufig schon 1 Tropfen Bromwasser pro 100 cem Emulsion genügt. 

Am besten wirkt Bromwasser in der gewaschenen geschmolzenen Emulsion. 
Ammoniak darf nicht zugegen sein, weil dieses, sowie die Ammoniaksalze , sich mit 
dem Brom gegenseitig zersetzt 1 ). 

Der Verfasser fand folgenden modus operandi als den besten: 



1) Davis, Phot. Journ. 1882. S. 135. 

2) Eder, Theorie und Praxis der Photographie mit Bromsilber -Gelatine. 1883. 
Seite 63. 

3) Phot. News. 1884. S. 225; Phot. Wochenbl. 1884. S. 164; Phot Mitth. 
Bd. 21, S. 27 u. 63. 

4) Ammoniak und Brom bildet Bromammonium unter Entwicklung von Stickstoff. 



Wirkung von Zusätzen fremder Substanzen zur Bromsilber- Gelatine. 133 

Am gunstigsten wirkt Brom bei Gegenwart von Alkohol auf Bromsilber- Gelatine. 
Es zerstört dann den Schleier des Bromsilbers und zersetzt sich dann mit dem Alkohol, 
in dem es in unschädliche Producte umgewandelt wird. Man kann bei Gegenwart 
von Alkohol ohne Schaden mehr Bromwasser nehmen, als ohne diese Beimischung. 

Man schmilzt die gewaschene Emulsion, fügt auf je 100 ccm Emulsion 2 bis 
3 ccm Alkohol hinzu, rührt um und setzt vorsichtig unter beständigem Umrühren bei 
starkem Schleier 8 bis 10 Tropfen Bromwasser, bei schwachem Schleier nur 1 Tropfen zu. 

Man bedeckt das Glas mit einer Glasplatte und lässt die Emulsion i / A Stunde 
lang warm stehen, damit das Brom einwirken kann. Es verbindet sich ziemlich rasch 
mit dem Silbersubbromid und wandelt es in normales Silberbromid um. Der Ueber- 
schuss von Brom verbindet sich nicht mit der Gelatine, sondern setzt sich mit dem 
Alkohol in verschiedene Producte um, worunter sich wohlriechende Aetherarten be- 
finden; nach y, Stunde wird der unangenehm stechende Bromgeruch einem angenehmen 
Gerüche nach Fruchtäther gewichen sein. 

Man giesst dann die Emulsion auf die Platten aus und erhält klar arbeitende, 
haltbare Platten. 

Die Empfindlichkeit sinkt durch den Bromzusatz nicht, ausser man hat zu viel 
davon zugesetzt; immer aber zeichnet solche Emulsion sehr schön. 

In der Gelatine -Emulsion verschwindet nach dem Stehen in der Wärme der 
Geruch nach Brom in einigen Minuten. Das Brom verflüchtigt sich zum Theil; zum 
andern Theil bildet es mit der Gelatine und andern organischen Substanzen Bromirungs- 
producte und Bromwasserstoffsäure. Bleibt Brom gebunden an Gelatine in der Emulsion, 
so stört es die Empfindlichkeit. 

Weniger radical , jedoch gleichfalls schleierwidrig, wirkt der von Roux empfohlene 
Zusatz von „Bromalkohol", welcher durch Mischen von 1 Theil Brom auf 200 Theile 
Alkohol hergestellt wird 1 ). Von demselben werden etwa 2 1 / i ccm auf 100 ccm der 
gekochten Emulsion beigemischt und dann das Ganze y 4 Stunde warm erhalten ; hierauf 
wird gewaschen. 

17. Jodtinctur. Dieselbe bewirkt, dass die Emulsion kräftige Bilder 
gibt; sie wird aber viel unempfindlicher (z. B. durch 8 Tropfen Lösung 
pro 1 Liter Emulsion 2 ). 

Nach A. Spiller zerstört Jod das Lichtbild, aber die mit Jod be- 
handelten Platten geben beim Exponiren in der Camera leicht umgekehrte 
(positive) Bilder 3 ). 

Der Verfasser fand Jodtinctur nicht so wirksam zur Zerstörung 
von Schleier als Bromtinctur. 

18. Chlor und Mischungen, welche Chlor frei machen, wirken 
ähnlich wie Brom und Jod. 

19. Bromkalium und Bromammonium. Enthält eine Bromsilber- 
Gelatine- Emulsion — sei es in Folge von schlechtem Waschen oder 



1) Roux, Manuel Operatoire pour l'emploi du procede au Gelatino-Bromure 
d'argent. 1881. 8. 7. Die Mischung wird 24 Stunden vor der Verwendung hergestellt 
und ist unbegrenzt lange haltbar. 

2) Scolik, Phot. Corresp. 1882. S. 276. 

3) Phot. News 1884. S. 23«. 



134 Dritter Tlieil. Vierzehntes Capitel. 

von einem absichtlichen Zusatz — Bromkalium oder Bromammonium, 
so entwickeln sich die Bilder darauf langsamer, brillanter, resp. hart 
und in den Schatten glasig. 

Ein starker Gehalt an diesen Salzen ist schädlich, ein ganz kleiner 
dagegen in den meisten Fällen von Nutzen, weil der Verschleierung 
im Entwickler vorgebeugt wird und das Bild nach und nach (die hohen 
Lichter zuerst, dann die Halbschatten etc.) hervorkommt 

Es ist immer nothwendig, die Emulsion sehr gut zu waschen, 
damit kein lösliches Bromsalz zurückbleibt, und lieber später ein wenig 
davon zuzusetzen, sonst sind Unregelmässigkeiten unvermeidlich. 

Bei Emulsionen, welche hart und glasig arbeiten, ist der Zusatz 
von Bromkalium immer nachtheilig. Dagegen bei solchen, welche flau 
arbeiten und Spuren von Schleier zeigen, ist er vortheilhaft. In manchen 
Fabriken wird ein kleiner Zusatz von Bromammonium- oder Bronikalium- 
lösung regelmässig gemacht. Z. B. auf 1 Liter Emulsion 1 ccm bis (bei 
stärker schleierndor Emulsion) 10 bis 30 ccm einer Lösung von Brom- 
ammonium (1 : 100). Der Verfasser wendet in der Regel einen Zusatz 
von 10 ccm Bromammoniumlösung (1 : 100) an, sobald es sich, um eine 
recht schloierlose Emulsion handelt; dieser Zusatz erfolgt, selbst wenn 
eine Probe der Emulsion keinen merklichen Schleier zeigt 

Nach Brown 1 ) wird eine schleierige Emulsion sofort klar, wenn man ihr vor 
dem Giessen l 1 /., g Bromkalium pro 1 Liter zusetzt. Jedoch ist dies Maximal- 
quantität, und die Empfindlichkeit leidet durch solche Menge unter normalen Verhält- 
nissen häufig so, dass sie nur 1 / A der ursprünglichen beträgt. 

Emulsion, welche eine Spur löslichen Bromsalzes enthält, bleibt 
beim Aufbewahren viel länger unverändert als eine völlig gewaschene. 

Gelatine-Emulsion unter bromammoniumhaltigem Weingeiste auf- 
bewahrt, arbeitet nach mehreren Monaten klarer als früher. Sie lässt 
sich über ein Jahr lang ohne Gefahr der Schleierbildung aufbewahren. 

20. Jodkalium in der fertigen Emulsion bewirkt die Dünnheit der 
Bilder. Auf exponirten Platten zerstört es das Lichtbild fast gänzlich. 

Es befördert bei Cyaninplatten die Solarisationserscheinungen 
(s. S. 112). 

21. Cyankalium bewirkt in der Emulsion grosse Klarheit, verzögert 
aber die Entstehung des Bildes, wenn auch nur geringe Spuren im 
Ueberschusse sich vorfinden. 

22. Metall -Perchloride, wie Eisenchlorid, Kupferchlorid, sind 
der Empfindlichkeit schädlich, sobald sie der Emulsion bei der Dar- 

1) rhot. News. 18S3. S. 78. 



Wirkung von Zusätzen fremder Substanzen zur Bromsilber- Gelatine. 135 

stellang zugesetzt und in derselben auch während der Exposition ent- 
halten sind. Sie zerstören nämlich das Lichtbild. 

Kupferchlorid und Eisenchlorid zur Emulsion beim Mischen gegeben, 
verzögern das Reifen der Emulsion beim Kochen. Ein kleiner Zusatz dieser Salze 
macht eine schleierige Emulsion klar arbeiten; eine nach dem Kochen mit Kupfer- 
chlorid versetzte Emulsion gibt klare, wenig empfindliche, aber sehr dicht arbeitende 
Platten 1 ). 

Nach Cowan*) soll Baden der Emulsionsgallerte in einer Lösung von Kupfer- 
chlorid (1 : 480) nach wenigen Minuten Griiuschleier zerstören. 

23. Oxalsaures Eisenoxyd. Tränkt man Gelatine- Emulsion vor 
der Exposition mit einer Lösung von oxalsaurem Eisenoxyd, so wird 
die Empfindlichkeit herabgesetzt. 

24. Urannitrat, von Worthley als Zusatz zur fertigen Gelatine- 
Emulsion empfohlen 3 ), ist ohne auffallige Wirkung, ausser dass es etwas 
schleierwidrig ist. In der flüssigen Emulsion bewirkt es das Gerinnen 
der Gallerte (Eder). 

25. Wasserstoff- Superoxyd in Dampfform bewirkt Entstehung von 
Schleier auf Bromsilberplatten (s. S. 91). Vergl. auch bei den Ent- 
wicklern. 

26. Kaliumbichromat während der Emulsification wirkt (ebenso 
wie das Ammoniumbichromat) im Allgemeinen als Yerzögerer: Es gibt 
grössere Klarheit und häufig geringere Empfindlichkeit 

Edwards benutzte die unempfindlich machenden Eigenschaften des Kalium- 
bichromats, um Emulsion und Platten bei Tageslicht zu präpariren. Er mischte Brom- 
kalium, Gelatine und ammoniakalisches Silbernitrat (ungefähr wie bei der Methode des 
Verf., s. unten), und setzte dann auf je 100 ccm Emulsion etwa 3 g Kaliumbichromat zu. 
Diese Operation , sowie das Ueberziehen der Platten nahm er am Tageslichte vor. Die 
mit der ungewaschenen Emulsion überzogenen Platten sollen erst empfindlich werden, 
wenn man sie mit Wasser wäscht 4 ). Der Verfasser fand jedoch diesen Process nicht 
sicher. Brown empfahl, der schwach sauren Emulsion nach dem Sieden 8 / 4 Proc. 
Kaliumbichromat zuzusetzen, dann erstarren lassen und waschen, die Emulsion arbeitet 
dann sehr klar 5 ). 

In ammoniakalischer Lösung wirken die chromsauren Salze viel geringer als 
bei Gegenwart von Säuren; selbst eine Spur Salzsäure bringt die schleierwidrige Kraft 
des doppelt chromsauren Kali zur Geltung. 

Audra 6 ) fügt zu der gekochton (neutralen oder schwach sauren) Emulsion 
20 ccm doppelt chromsaure Kalilösung (1 : 50) auf je 500 ccm flüssiger Emulsion, um 



1) Abney, Photography with Emulsion. 1882. S. 229 u. 239. 

2) Phot. Corresp. 1882. S. 46. 

3) Phot Archiv. 1876. S. 121. 

4) Phot Archiv. 1882. S. 137; aus Phot. News. 

5) Phot News. 1882. S. 297; Phot. Wochenbl. 1882. S. 207. Brown arbeitete 
nicht am Tageslicht, sondern in der Dunkelkammer. 

6) Phot Corresp. 1882. S. 303. 



136 Dritter Theil. Vierzehntes Capitel. 

den etwa vorhandenen Schleier zu zerstören, schüttelt und lässt erkalten; hierauf 
wird gewaschen. Burton setzte 1 Theil chromsaures Kali zu 500 Theilen gekochter 
Emulsion, ohne einen Empfindlichkeitsverlust zu beobachten 1 ). 

Alle diese Methoden haben wenig Eingang in die Praxis gefunden. Am meisten 
hat noch das Waschen der erstarrten Emulsion in einer Lösung von doppelt chrom- 
saurem Kali Anwendung gefunden 2 ). Man gibt in das erste "Waschwasser UDgefähr 
V 2 Proc. dieses Salzes und lässt die erstarrte und zerkleinerte Emulsion (saure Koch- 
Emulsion) durch eine Stunde darin liegen, wonach man in fliessendem "Wasser wie ge- 
wöhnlich wäscht. 

Wird eine fertige, gewaschene Bromsilber- Gelatine mit oxydiren- 
den Substanzen, wie Kaliumbichromat, versetzt und ohne dieselben 
auszuwaschen exponirt, so sinkt die Empfindlichkeit bedeutend (Abney). 
Sobald das Kaliumbichromat ausgewaschen wird, ist mitunter wohl ein 
Empfindlichkeitsverlust gegenüber einer gewöhnlichen Emulsion zu be- 
merken 3 ), häufig aber nicht. 

Kaliumbichromat zerstört eine schwache Lichtwirkung und schwache 
Schleier 4 ). Man kann sogar eine schleierige Gelatine - Emulsion restauriren, 
w r enn man nach Abney's Vorschlag dieselbe durch ein grobmaschiges 
Gewebe (Canevas) in eine ungefähr i / 2 - bis zweiprocentige Lösung von 
Kaliumbichromat presst, darin durch 2 bis 5 Stunden liegen lässt und 
eine Stunde oder länger mit Wasser wäscht, um das anhaftende Chro- 
mat zu entfernen. Wird letzteres nicht gut ausgewaschen, so sinkt die 
Empfindlichkeit der Emulsion um 1 / s . Durch Zusatz von 1 bis 3 Proc. 
Bichromat zu der Emulsion kann man gut die durch zu langes Kochen 
entstandenen Schleier zerstören. Jedoch wird der Schleier nur dann gut 
zerstört, wei*n etwas Alaun zugegen war (Ammoniak hemmt die Wirkung). 

"Werden schleierige Gelatineplatten in zweiprocentige Kaliumbichromatlösung ge- 
taucht, so vermindert sich der Schleier, aber die Platten, selbst wenn sie sehr gut 
gewaschen sind, werden unempfindlicher; klar arbeitende Platten, ebenso behandelt, 
verlieren gleichfalls etwas von ihrer Empfindlichkeit Stark schleierige Platten werden 
nicht gänzlich vom Schleier befreit. 

Viel energischer schleierzerstörend, als eine reine Lösung von 
Kaliumbichromat, wirkt eine mit Mineralsäuren angesäuerte. Unter 
diesen wirkt besonders günstig die Salzsäure, wie E der im April 1881 
publicirte 5 ) (nämlich 1 Kaliumbichromat, 3 Salzsäure und 150 Wasser). 



1) Phot. Mitth. Bd. 20, S. 6. 

2) Zuerst in die Praxis von Wilson 1881 eingeführt (Phot. Archiv. 1881. S. 145). 

3) Eder und Pizzighelli, Phot. Corresp. 1880. . 

4) Diese Angabe war z. B. schon in der 4. Aufl. dieses "Werkes S. 69 vom 
Verfasser gemacht. — Auch Vidal fand später, dass Bichromate das latente Lichtbild 
nicht zu zerstören, wohl aber zu schwächen vermögen. Ueberexponirto Platten geben 
durch Baden in schwachen Bichromatbädern , Waschen und Entwickeln gute Negative 
(Eder's Jahrbuch f. Phot. 1897. S. 367). 

5) Phot. Archiv. 1881. S. 109. 



Wirkung von Zusätzen fremder Substanzen zur Bromsilber -Gelatine. 137 

Eine eigentümliche kataly tische Wirkung übt feinzertheiltes me- 
tallisches Silber auf Ammoniumbichromat und andere Bichro- 
mate; es bildet sich Chromoxyd (resp. chromsaures Chromoxyd). Taucht 
man ein mit Eisenoxalat entwickeltes, dann fixirtes und gewaschenes 
Gelatine -Negativ während kurzer Zeit in eine 20 procentige Lösung von 
Ammoniumbichromat, so reducirt das Silberbild das Chromat zu Chrom- 
oxyd, welches die Gelatine an allen Bildstellen unlöslich macht. Die 
Bilder zeigen nach dem Waschen ein starkes Relief; die Bildstellen 
nehmen (wie Lichtdruckplatten) fette Farbe an und lassen sich wie 
Pigmentdrucke mit warmem Wasser entwickeln (Farmer, Eder's Jahr- 
buch f. Thot. 1894. S. 67 und 1895. S. 419). 

27. Wird zu einer mit* etwas Salzsäure angesäuerten Emulsion 
etwas chlorsaures Kali gegeben, so entwickeln sich während des Kochens 
Spuren von Chlor, welche klar halten, aber der Empfindlichkeit nichts 
weniger als forderlich sind. 

28. Chlorsäure hatte Debenham der ammoniakalischen Emulsion 
als Mittel gegen Grünschleier zugesetzt; Cowan fand, dass Chlorsäure 
die Empfindlichkeit etwas herabdrücke, aber klare Schatten gebe, Hen- 
derson erklärte sie für nutzlos. Nach Burton bewirken 3 Tropfen 
Chlorsäure auf je 7 g Silbernitrat beim sauren Kochprocesse grosse 
Klarheit neben guter Empfindlichkeit (Phot. Corresp. 1885. S. 178). 

29. Rothes Blutlaugensalz wirkt ziemlich ähnlich dem Kupfer- 
chlorid. Es ist in der flüssigen Emulsion nur mit Vorsicht anzuwenden, 
weil es mit der Zeit den Leim unlöslich macht. 

30. Alaun während der Emulsification in grosser Menge zugesetzt, 
macht die Emulsion weniger empfindlich; die Bilder lassen sich klar, 
aber nicht kräftig entwickeln (für den Silberoxydammoniak -Process). 

31. Ammoniak und kohlensaures Ammoniak als Zusatz, welcher das 
Keifen der Emulsion bei der Darstellung beschleunigt, s. S. 60. 

32. Triäthylamin s. S. 28. 

33. Kohlensaures Natron. Macht man eine gewaschene Gelatine- 
Emulsion durch Zusatz von Soda bleibend alkalisch, so wird sie dadurch 
empfindlicher, was Verfasser schon im April 1880 veröffentlichte 1 ); 
ähnlich wirkt kohlensaures Kali oder Ammoniak. Jastrembski fand 
später, dass die Empfindlichkeit durch Soda sogar um das Vierfache 
gesteigert werde, wenn man auf 1 Liter Emulsion 5 g Soda zusetzt. 
Jedoch leidet durch eine so grosse Menge Soda die Festigkeit der Schicht. 

Schon eine geringe Menge Soda (z. B. 0,1 g kryst. Soda pro 1000 ccm 
Emulsion) bewirkt, dass Platten empfindlicher werden und mehr Details 



1) Vergl. Phot. Corresp. 1881. S. 204. 



138 Dritter Theil. Vierzehntes Capitel. 

in den Schatten geben, ohne dass die Gelatine angegriffen wird (Plener 
in Eder's Jahrbuch f. Phot. 1887. S. 200). Yergl. weiter unten Capitel 
„Nachreifen". 

Pottasche, basische Phosphate oder andere alkalische Salze 
wirken ähnlich. 

34. Aetzkali. Stosch rühmt die sensibilisirende Wirkung des 
Aetzkali. Er löste V/ 2 bis 8 g Aetzkali in 100 ccm Alkohol (87 bis 
90 Grad), badete darin die Platten durch 4 bis 5 Minuten und trocknete 
sie. Dadurch war die Empfindlichkeit auf das Vierfache gestiegen 1 ). 

35. Citronensaures Kali wirkt beim Reifen des Bromsilbers während 
der Emulsification (in der Wärme) wenig; das Ammoniaksalz dagegen 
stark als Verzögerer (Wellington 2 ). 

Citronensaures Ammoniak wirkt beim Silberoxydammoniak-Processe 
schleierwidrig und kann mit Vortheil verwendet werden (s. S. 12). 

36. Salpetersaures Ammoniak wird wohl nie absichtlich zugesetzt, 
bildet sich aber bei der Doppelzersetzung von Silbernitrat und Brom- 
ammonium. Bei grosser Concentration hindert es das feste Erstarren 
der Gallerte, nach dem Auswaschen des Salzes erlangt die Gallerte 
wieder ihr Erstarrungsvermögen (H. W. Vogel). 

37. Schwefligsaures Natron in der Emulsion (bei gleichzeitiger 
Anwesenheit von Ammoniak) reducirt das Bromsilber und scheidet 
metallisches Silber an den Wänden spiegelglänzend ab 8 ). Auch soll 
Grünschleier entstehen 4 ). Nach anderen Angaben soll ein Zusatz von 
Natriumsulfit zur fertigen Emulsion vor dem Giessen die Emulsion em- 
pfindlicher machen und die Platten beim Entwickeln klar halten. 

Bronisilber- Gelatineplatten, welche mit Natriumsulfit gebadet und dann ge- 
trocknet sind, schwärzen sich im Lichte rascher und geben auch in der Camera mit 
Entwicklung sehr dichte Bilder (Redding 6 ). 

38. Salpetrigsaures Kali (Kaliumnitrit) in der fertigen Emulsion 
wirkt nach Abney 6 ) der Solarisation entgegen. 

39. Arsenigsaures Natron wendete Maddox in seinen ersten 
(nicht in der Wärme digerirten) Emulsionen an; es soll die Farbe der 
Negative dunkler machen. 



1) Phot. Mitth. 1882. Bd. 18, S. 271. 

2) Phot. News. 1884. S. 79. 

3) Wellington (Phot. News. 1885. S. 223). 

4) Henderson (Phot. News. 188."). S. 224). 

5) Eder's Jahrbuch f. Phot. 1891. S. 435. 
f>) Phot. Mitth. 1879. Bd. 13, S. 304. 



Wirkung von Zusätzen fremder Substanzen zur Bromsilber- Gelatine. 139 

40. Harnstoff soll nach Scheers 1 ) als Zusatz bei der Darstellung 
ammoniakalischer Emulsion die Wirkung des Ammoniaks massigen und 
regelmässiger machen. In gewaschener Emulsion soll das Reifen in der 
Kälte begünstigt werden. 

41. Gallussäure, welche im Collodion-Trockenprocesse so vortheil- 
haft wirkt, steigert nicht die Intensität der Gelatine-Emulsion und bietet 
nach Davis 2 ) keine Vortheile. 

42. Tannin wurde als gerbender Zusatz gegen Ablösen der Schicht 
vorgeschlagen 3 ), dürfte aber kaum verwendet werden. 

Wenn diese Substanzen in der Emulsion vorhanden sind, darf 
sie niemals alkalisch reagiren, sonst entsteht Schleier. 

43. Hydrochinon wurde als Zusatz zu Bromsilber- Gelatineplatten 
empfohlen, und Biering in Odense brachte so präparirte Platten in den 
Handel (Phot. Archiv. 1886. S. 230; Eder's Jahrbuch f. Phot. 1887. 
S. 298). In der That scheint Hydrochinon mit Zusatz von Natrium - 
sulfit die Haltbarkeit nicht zu schädigen, indem sich solche Platten bei 
Biering's Versuchen über ein Jahr hielten (Phot. Archiv. 1888. S. 121; 
Eder's Jahrbuch f. Phot. 1889. S. 381). — Aehnlich verhalten sich andere 
haltbare Entwicklersubstanzen. 

44. Pyrogallol. Burton Jones setzte der Emulsion 1 / soo ihres 
Gewichtes Pyrogallol zu, um ihre Empfindlichkeit zu steigern 4 ), was 
aber H. W. Vogel bei gewöhnlicher Gelatine -Emulsion als nutzlos er- 
klärt 5 ), während Collodion- Gelatine dadurch fast doppelt so empfind- 
lich wurde 6 ). 

Jedoch sollen englische Plattenfabrikanten Pyrogallol zusetzen , um das Ablösen 
der Schicht zu hindern, weil sie gerbend wirkt. Beachtenswerth ist aber die Mit- 
theilung Dr. Stolze's im Photographischen Wochenblatt 1885, S. 318 und 327, nach 
welcher man die Bromsilber- Gelatine mit Pyrogallol und Natriumsulfit versetzen kann ; 
trocknet und belichtet man diese Platten, so entwickeln sie sich in blosser Sodalösung. 
Es wäre somit möglich, dass der Fabrikant die Emulsion gleich bei der Zubereitung 
mit der nöthigen Menge Pyrogallol versetzt, was eine grosse Ersparniss und Bequem- 
lichkeit für reisende Photographen wäre. Ausserdem soll nach Meydenbauer (da- 
selbst 1880. S. 74) die Empfindlichkeit der Platten durch diesen Zusatz gesteigert 
werden. Ueber die Haltbarkeit solcher Emulsionen liegen keine längeren Beobachtungen 



1) Eder's Jahrbuch f. Phot. 1896. S. 475. 

2) Phot. News. 1884. S. 350. 

3) Jarman löst 1 Theil Tannin in 10 Theilen Alkohol und fügt 2 bis 2 l / 2 ccm 
dieser Lösung zu 600 ccm Emulsion. (Yearbook of Photography for 1882. S. 137 ; 
Phot Corresp. 1882. S. 64.) 

4) Phot Mitth. 1880. Bd. 16, S. 280. 

5) Phot Mitth. 1880. Bd. 16, S. 280. 

6) Phot Mitth. 1882. Bd. 18, S. 303. 



140 Dritter Theil. Vierzehntes Capitel. 

vor, da erst eine Beobachtung von über sechswöchentlicher Dauer stattfand (Eder's 
Jahrbuch f. Phot. 1887. S. 304). 

45. Farbstoffe. Bei Gelatine -Emulsion wird durch den Zusatz 
von Farbstoffen häufig die Empfindlichkeit des Bromsilbers für gewisse 
Farben des Spectrums gesteigert, und dieses Verhalten dient dazu, die 
Platten für gewisse Farben (Grün , Gelb, Roth) empfindlicher zu machen, 
für welche die gewöhnliche Emulsion sehr unempfindlich ist Darauf 
gründet sich die Herstellung „orthochromatischer 41 oder „isochromati- 
scher" Platten, und die Wirkung der einzelnen Farbstoffe ist in einem 
speciellen Capitel (Wirkung des Sonnenspectrums) und ferner bei der 
Herstellung orthochromatischer Platten beschrieben. 



FÜNFZEHNTES CAPITEL. 

ÜBER DIE WIRKUNG DES SONNENSPECTEUMS 
AUF VERSCHIEDENE EMULSIONEN UND DER EINFLUSS 
VON FARBSTOFFEN UND ANDEREN ZUSÄTZEN AUF 

DIE FARBENEMPFINDLICHKEIT VON 
GELATINEPLATTEN. 



Die Wirkung des Sonnenspectrums auf die verschiedenen Silber- 
Emulsionen hat praktische Bedeutung, weil bei diesen Untersuchungen 
allein die Wirkung der Farbe klar und rein zu Tage tritt. Ueber die 
Ausführung und die Apparate wurde im I. Bd., 1. Abth. (2. Aufl.) 
dieses Werkes gesprochen. 

I. Wirkung des Sonnenspectrums auf Brom- und Chlorsilber - 

Oelatine ohne Entwicklung. 

Belichtet man Bromsilber und Chlorsilber- Gelatine -Emulsion im Sonnenspectrum, 
bis es sich bräunt (ohne Benutzung eines Entwicklers), so zeigt sich (bei Anwendung 
von Glasprismen) folgendes: 

Unreifes Bromsilber, sowie hochempfindliches, zeigt im Allgemeinen denselben 
Verlauf der Zersetzung im Spectrum, wie dies auf S. 142 bezüglich des Bildes mit 
Anwendung eines Entwicklers beschrieben wurde; nur muss man viel länger belichten. 
Bei hochempfindlichem Bromsilber erstreckt sich dann eine schwache "Wirkung bis 
ins Roth (Abney). 

Chlorsilber- Gelatine (ohne Entwicklung) wird am stärksten an der Grenze des 
Violett ins Ultraviolett afficirt, ähnlich wie dies beim Entwicklungsprocesse (S. 143) 
der Fall ist. 

"Während bei reinem Chlorsilbor die Wirkung des Spectrums gegen Blau sehr 
rasch auf Null herabsinkt, macht eine Beimengung von citronensaurem Silberoxyd 
das Chlorsilber viel empfindlicher für Blau , Grün und Gelb. Ein Gemisch von Chlor- 
silber und citronensaurem Silberoxyd wird deshalb von einer grösseren Anzahl ver- 
schiedenartiger Lichtstrahlen afficirt, was für Copirprocesse günstig ist. In der That 
finden solche Gemische im Copirprocesse auf Glas etc. Anwendung. [Vergl. hierüber 
I. Bd., 1. Abth. (2. Aufl.), S. 241 und IV. Bd. (2. Aufl.), S. 42.] 



142 Dritter Theil. Fünfzehntes Capitel. 

II. Bromsilber in Form von Gelatine -Emulsion mit 

Entwicklung. 

• Bromsilber verhält sich gegen das Sonnenspectrum verschieden, 
je nachdem es in Collodion oder Gelatine emulsificirt ist, worauf schon 
im I. Bd., 1. Abth. (2. Aufl.) dieses Werkes S. 241 aufmerksam gemacht 
und die Curve der Spectral Wirkung abgedruckt wurde. Aehnliche Ver- 
schiedenheit zeigt Chlor- und Jodsilber, je nachdem es in der einen 
oder der andern Substanz emulsificirt ist. 

H. W. Vogel 1 ) hob hervor: 

1. Bromsilber -Collodion zeigt das Maximum der Empfindlichkeit immer bei G 
(Wellenlänge 410 bis 438). 

2. Bromsilber- Gelatine, gleichviel ob in der Kälte oder in der Wärme gebildet, 
gleichviel ob gekocht oder nicht gekocht, digerirt oder nicht digerirt, zeigt das Maxi- 
mum der Empfindlichkeit im Hellblau (Wellenlänge 450; Schwankungen von 420 bis 
400'). Kochen, Digeriren oder Behandeln mit Ammoniak hat bei der Bromsilber - 
Gelatine nur die Folge, dass die Empfindlichkeit für die übrigen Farbenstrahlen Violett, 
Ultraviolett und für Grün und Roth erheblich wächst (für die schwach brechbaren 
Strahlen in massigem Grade). 

3. Das sogenannte grüne Bromsilber, welches man in Collodion -Emulsion durch 
Zusatz von Ammoniak erhält, ist mit dem grünen Bromsilber der gereiften Emulsion 
nicht identisch, sondern hat das Maximum der Empfindlichkeit wie 1. 

4. Chlorsilber- Collodion zeigt das Maximum der Empfindlichkeit um die beiden 
Fraunhofer'schen //- und K- Linien (Wellenlänge 309 bis 403). 

Mit Rücksicht darauf, dass die Bezeichnung des Bromsilbers nach der Farbe 
(weiss oder grün etc. , s. Cap. II u. VI) keinen sicheren Anhaltspunkt über seine wahre 
Natur gewährt, zumal schon Ueberschuss von Bromalkali oder Silbernitrat die Farbe 
beeinflusst, nennt Vogel das Bromsilber in der Gelatine -Emulsion nach der Stelle 
seiner stärksten Empfindlichkeit für das Spectrum blauempfindliches Bromsilber, 
und das der Collodion - Emulsion indigoempfindliches Bromsilber. 

Uns interessirt hier zunächst die Bromsilber- Gelatine-Emulsion, 
deren Verhalten in ihren verschiedenen Reifungsstadien gegen das Sonnen- 
spectrum Eder in einer grösseren Abhandlung („Sitzungsberichte der 
kaiserl. Akademie der Wissenschaften in Wien", 4. December 1884, 
Bd. 90, Abth. II, Decemberheft) genau beschreibt 3 ). 

Mischt man Silbernitratlösung mit überschüssigem Bromammonium 
bei Gegenwart von Gelatine, so bildet sich „feinzertheiltes pulveriges 
Bromsilber", welches in der Durchsicht roth erscheint Mit dieser 



1) Phot. Mitth. 1882. Bd. 19, S. 33, 94 u. 108. 

2) Nach 0. Lohse liegt das Maximum der Wirkung des Sonnenspectrums 
(Glasspectrograph) auf Bromsilber- Gelatineplatten zwischen X = 440 bis 430; im 
Cyanblau (nächst F) bei A = 470 ist nur mehr */ 4 dieser Wirkung vorhanden, bei 
X = 452 aber schon s / 4 derselben (Eder's Jahrbuch f. Thot. 1894. 8. 271). 

3) Abgedruckt auch in Phot. Corresp. 1885. 



TJeber die Wirkung des Sonnen spectrums e 



143 



Emulsion 1 ) überzogene und getrocknete Platten zeigen nach kurzer 
Exposition an das Sonnenspectrum (Spectralapparat mit Glasprismen) 
and Entwicklang mit Eisenoxalat oder alkalischem Pyrogallol eine 
Wirkung von Violett bis Blaugrün (H bis nahe zu F) mit dem Maximum 
der Wirkung von O l / s F 2 ), also ungefähr bei l — 440. Bei längerer 
Belichtung schreitet die Wirkung beiderseits (bis M und E) vor. Die 




des Bromiilbers. 
oinsiluer-Üelatiiie. — (> auf u 
n Judsilber uni Chlotsillwr-Ii. 



Curve 1 (Fig. 4) gibt ein Bild von den Intensitätsverhältnissen der Wirkung 
des Spectrums, bezogen auf die Fraunhofer'schen Linien (die punktirte 



1) Folgender Vorgang zur Herstellung solcher Emulsion erweist sich als prak- 
tisch: 30 g Silbe mitist werden in 250 etnj Wasser gelöst uud soviel Ammoniak zu- 
gesetzt, bis der anfangs entstandene Niederschlag sich wieder klar auflöst. Anderer- 
seits werden 20 g Broinammoniuin und 30 bis 4"i g Gelatine (harte Gelatine für 
Emulsionen von der Gelatinefabrik in Wintert hur) in der Wärme gelost und hierauf 
beide Lösungen bei 30 bis 35 Grad C. gemischt, indem man die Silborlösung in kleinen 
Portionen in die Brom Salzlösung eintrügt und heftig schüttelt. Die Emulsion wird 
dann in eine flache Schale (welche in kaltem Wasser steht) gegussen, nach dem Er- 
starren in kleine Stücke zerschnitten und mit Wasser gewaschen. 

2) Das heisst ein Drittel der Distanz der Fraunhofer'schen Liuio von nach F. 



144 Dritter Theil. Fünfzehutes Capitel. 

Linie die Schwärzung nach kurzer, die voll ausgezogene nach langer 
Belichtung). 

Digerirt man die oben erwähnte ammoniakalische Emulsion bei 
30 bis 40 Grad C. durch eine halbe Stunde, oder kocht sie, falls man 
das Ammoniak wegliess und die Reaction sauer war, eine halbe Stunde, 
so geht das Bromsilber in die „feinzertheilte körnige Modification" über; 
das Korn des Bromsilbers vergrössert sich hierbei, lässt in dünner Schicht 
blaues Licht durch, und die Gesammtempfindlichkeit gegen weisses Licht 
steigt, was bereits auf S. 53 beschrieben wurde. Zugleich rückt die 
Empfindlichkeit gegen Violett und Grün im Spectrum vor; das Maximum 
der Empfindlichkeit geht etwas weiter gegen F (G 1 / 2 F). Die Wirkung 
erscheint aber zwischen G und F nicht mehr so intensiv; die Curve 
der Spectralwirkung verflacht sich und erstreckt sich bei längerer Ex- 
position einerseits bis A r , andererseits bis D und darüber hinaus (Curve 2 
mit kurzer und längerer Exposition). Diese Curve entspricht dem spectro- 
graphischen Verhalten der meisten Trockenplattensorten des Handels. 

Bei einer drei- bis zehnmal längeren Digestion als zur Erzielung 
des erwähnten Resultates nothwendig ist, nähert sich das Öromsilber 
der Zersetzung; zugleich ändert sich die Curve der Spectralwirkung. 
Sie verflacht sich immer mehr, liefert kein scharf erkennbares Maximum; 
dem photographischen Bilde mangelt die Intensität. Es steigt die Em- 
pfindlichkeit gegen weisses Licht, sowie gegen die weniger brechbaren 
Strahlen (Curve 3). 

Curve 3 entsteht bei längerer Digestion der soeben erwähnten 
Emulsion, aber noch sicherer, wenn man den Gelatinegehalt der Flüssig- 
keit während der Digestion sehr vermindert, z. B. auf l / 2 Proc. von der 
Flüssigkeit, und erst nach beendigter Digestion noch Gelatine zusetzt 
Aehnliche Resultate liefert auch die unter dem Namen „Henderson's 
kalte Emulsion" bekannte Darstellungsmethode. Die Gesammtempfind- 
lichkeit solcher Emulsionen ist sehr gross, die Wiedergabe der Details 
in den schwach erleuchteten Stellen gut, dagegen verschwimmen die 
hellen Lichter 1 ) (Eder). 



1) Photo metrische Versuche in einem Scalenphotometer zeigen, dass solche 
Bromsilber - Gelatineschichten schon nach sehr kurzer Belichtung ein photographisches 
entwicklungsfähiges Bild geben, jedoch steigt die Intensität des Bildes nicht proportional 
mit der Licht Wirkung, sondern erreicht bald ein Maximum, welches bei stärkerer Licht- 
wirkung nicht übersch ritten werden kann. Es mangelt deshalb solchen Bildern die 
Plastik in den hell erleuchteten Partien. — Diese in der 4. Aufl. (1890. S. 151 , Fuss- 
note) mitgetheilte Beobachtung lässt sich präciser ausdrücken, wenn man den Begriff 
der „charakteristischen Curve 44 heranzieht. Man kann nämlich mit Bestimmt- 
heit sageu, dass die charakteristische Curve nicht nur durch die Hervorrufung etc., 



Ueber die Wirkung des Sonnenspectrums ete. 145 

Diese Angaben beziehen sich auf Olasspectrographen und 
Sonnenlicht und sind mit den üblichen Methoden der Photographie (Be- 
nutzung von Glaslinsen) vollkommen in Einklang zu bringen. 

Benutzt man Bergkrystall- (Quarz), Flussspath- oder Kalk- 
spath linsen und Prismen (vergl. Bd. I, Abth. 1 dieses „Handbuchs"), 
welche für Ultraviolett weitaus durchlässiger sind als Glas 1 ), so erstreckt 
sich die Wirkung des Spectrums vom Blaugrün mit grosser Gleich- 
mässigkeit bis ins äusserste Ultraviolett (bis X — 2200 oder 2000); 
ebenso verhalten sich Concavgitter 2 ). Für Ultraviolett sehr kurzer 
Wellenlänge (X kleiner als 2000) sind gewöhnliche Bromsilber- Gelatine- 
platten schlecht brauchbar, weil die Gelatineschicht dasselbe zu sehr 
absorbirt und den Zutritt zum Bromsilber hindert (Schumann). Reines 
Bromsilber aber ist für Strahlen kürzester Wellenlänge sehr empfind- 
lich (s. S. 22). 

Auch absorbirt die atmosphärische Luft das kurzwellige Licht, so dass man 
mit gewöhnlichen Gelatineplatten an der Luft nur das Ultraviolett höchstens bis 
X z> 1850 photographiren kann 3 ). Für kürzere Wellenlängen muss man ultraviolett- 
empfindliches Bromsilber (s. S. 22) und Vacuumspectrographen (nach Schumann) 
benutzen. 

III. Jodsilber in Form von Gelatine-Emulsion 

mit Entwicklung. 

Jodsilber mit überschüssigem Jodkalium gefällt, ist viele hundert 
Mal weniger lichtempfindlich als Bromsilber. Bei sehr langer Belich- 
tung erhält man nach dem Hervorrufen mit alkalischem Pyrogallol ein 
schwaches Bild bei Ö, welches sich noch bei längerer Belichtung bis 
gegen H und gegen F ausdehnt und ein Maximum bei O x / B F oder 
G l j 2 F hat (Curve 4) (Eder). Es ist dagegen für das äusserste Ultra- 
violett bei A=1900 gut empfindlich (Schumann, Eder's Jahrbuch f. 
Phot 1897. S. 357). 

Wird fertige gewaschene Bromsilber- Gelatine mit 10 bis 50 Proc. 
gewaschener Jodsilber- Gelatine gemischt, so sinkt die Empfindlichkeit 



sondern auch durch die Modification des der Emulsion incorporirten Bromsilbers 
beeinflusst wird, und dass das Verhalten im Spectrographen auch damit zu- 
sammenhängt. 

1) Durchlässigkeit verschiedener Glassorten verglichen mit Quarz s. Eder und 
Valenta (Eder's Jahrbuch f. Phot. 1895. S. 310); ferner IL C.Vogel (Eder's Jahr- 
buch f. Phot. 1897. S. 279). 

2) Vergl. Bd. I, Abth. 1 dieses „Handbuchs". 

3) Vergl. Eder und Valenta, Normalspectren einiger Elemente zur Wellen- 
längen -Bestimmung im äussersten Ultra violett. (Denkschriften d. Kais. Akad. d. 
Wissensch. in Wien , 1899. Bd. 68.) 

Eder, Handbuch der Photographie. III. Thoil. 5. Aufl. 10 



146 Dritter Theil. Fünfzehntes Capitel. 

des Gemisches um etwas gegen weisses Licht und die Intensität des 
Bildes vermindert sich meistens stark, dagegen wächst die Klarheit, und 
die Platten neigen weniger zur Bildung von Lichthöfen. Im Spectrum 
erscheinen dann zwei Maxima: Eines zwischen O und i?, worauf ein 
Minimum folgt 1 ), und ein anderes Maximum (meistens stärkeres) zwischen 
G und F, welch' letzteres durch das Jodsilber bewirkt wird. Dadurch 
wird eine aus Jodsilber- und Bromsilber- Gelatine gemischte Emulsion 
quantitativ empfindlicher im Blau als reine gereifte Bromsilber- Gelatine, 
deren Spectrumbild in Curve 2 und 3 repräsentirt wird. Curve 5 (Fig. 4) 
kommt dem fertigen gemischten Jodsilber und Bromsilber in Form 
von Gelatine-Emulsion zu; die Ausdehnung der Curve nach Ultraviolett 
und Grün liegt gewöhnlich zwischen Curve 1 und 2. 

Während dieses von Abney gefundene Verhalten von gemischtem 
Jodsilber und Bromsilber übereinstimmend anerkannt wurde und auch 
bei E der 's Versuchen, wie erwähnt, deutlich zum Vorscheine kam, 
blieb die Frage zu entscheiden , ob bei langer Digestion solcher Emulsion 
diese beiden Maxima aufrecht erhalten bleiben oder in einander über- 
gehen, wie Schumann angegeben hatte, was von anderer Seite an- 
gezweifelt wurde. 

Bei E der 's Versuchen gingen thatsächlich die getrennten Maxima 
von Brom- und Jodsilber bei halb- bis einstündigem Erwärmen in ein 
einziges über, desgleichen, wenn Silbernitrat zu einem Gemische von 
Jodkalium und Bromkalium gegeben wurde, so dass die Fällung und 
nachfolgende Digestion von Jod- und Bromsilber gleichzeitig erfolgte. 
Die Empfindlichkeit einer solchen Emulsion gegen die weniger brech- 
baren Strahlen war grösser als die von reiner Bromsilber- Emulsion, 
und das Maximum der Wirkung war etwas gegen F vorgeschoben, und 
eine deutliche Wirkung erstreckt sich noch über F, so dass sich die 
Richtigkeit der Schumann 'sehen Angaben vollkommen bestätigt Die 
Curve 8 zeigt das Verhalten von Jodbromsilber. Am günstigsten wirkte 
ein Gemisch von 1 Mol. Jodsilber auf 8 bis 20 Mol. Bromsilber. Wenn 
auch die jodsilberreicheren Emulsionen empfindlicher gegen Grün sind, 
so geben doch die jodsilberärmeren kräftigere, hübschere Bilder, z. B. 
sobald das Bromsilber nicht mehr als 5 Proc. Jodsilber enthält 

Das photographische Verhalten vou Jodbromsilber - Emulsionen dringt die 
Vermuthung auf, dass sieh eine Art Doppel Verbindung von Jod- und Bromsilber 
bildet , was nicht unmöglich erscheint, da ja auch ein Gemisch von. Chlor- und Jod- 
silber zu gleichen Molecülen eine auffallende Erniedrigung des Schmelzpunktes zeigt 

(s. S. 17). 



1) Dieses Minimum tritt auch auf, wenn man zu reiner Bromsilber -Gelatine 
etwas Jodkalium hiuzufügt und damit Platten übergiesst, ohne lange zu digeriren. 



Ueber die Wirkung des Sonnenspeotrums etc. 



147 



IT. Chlorsilber In Form von Gelatine -Emulsion mit Entwicklung. 

Chlorsilber- Gelatine (mit Ferrocitrat- Entwickler oder Ferrooxalat 
und Bromkalium entwickelt) ist weniger empfindlich gegen weisses Licht 
als Bromsilber. Das Maximum der Empfindlichkeit liegt weiter gegen 
Violett, resp. Ultraviolett, als bei Jod- und Bromsilber. Fig. 5, Curve 8 
zeigt das Spectrumbild auf Chlorsilber -Gelatine im Glasspectrographen. 
(Vergl. Bd. I, Abth. 1 (2. Aufl.), S. 220 u. 247 dieses „Handbuchs* 1 .) Das 
Maximum liegt an der Grenze des sichtbaren Violett und des Ultra- 
violett bei KH\ die Wirkung reicht bis X und F (bei kurzer Belich- 
tung nur bis L und O), Chlorsilber- und 10 bis 30 Proc. Jodsilber - 
Gelatine -Emulsion geben zwei getrennt erkennbare Maxima: Eins bei 
H (dem Chlorsilber angehörig), das andere bei G 1 / 2 F (dem Jodsilber 
angehörig), wie Curve 7, Fig. 4 zeigt. Beim Digeriren oder Kochen 
solcher Emulsionen gleichen sich die beiden Maxima ähnlich wie beim 



M 



KH 



G 



E 



D C B A 






8 und 9 



Fiff. 5. 
Spoctrnmbild auf Chlorsilber- Gelatine. 

Jodbromsilber aus, allerdings schwieriger. Chlorjod -Emulsion verträgt 
stärkere Entwickler, ohne verschleierte Bilder zu geben, als Chlorsilber- 
Emulsion, und die Lichtempfindlichkeit nähert sich mehr jener des Brom- 
silbers, ohne das letztere zu erreichen. 

Bromchlorsilber gibt ein Spectrumbild, welches der Combination 
beider entspricht. Auf Jodbromchlorsilber erhält man ein Spectrum, 
das ähnlich dem des Jodchlor oder Jodbrom ist, aber etwas weiter gegen 
Roth reicht. 



V. Einfluss ungefärbter Substanzen auf die Farbenempflndllchkeit 

der Bromsilber- Gelatine. 

Badet man Bromsilber- Gelatineplatten durch einige Minuten in 
verdünntem Ammoniak (z. B. 2 cem Salmiakgeist mit 100 com Wasser) 
und trocknet, so erscheinen die Platten ungefähr zweimal empfindlicher 
gegen weisses Licht und geben intensivere Bilder. Gegen das Sonnen- 
spectrum erweisen sich solche Platten im Allgemeinen empfindlicher, 
ohne dass eine Vermehrung der Empfindlichkeit gegen einzelne Farben- 
gattungen besonders hervortreten würde. Die Wirkung des Ammoniaks, 
welches sich während des Trocknens verflüchtigt, kann nur auf eine 
moleculare Aenderung des Bromsilbers zurückzuführen sein (vergl. S. 13). 

10* 



148 Dritter Theil. Fünfzehntes Capitel. 

Ammoniak wirkt übrigens auch auf die Wirkung von Farbstoffen 
als Farbensensibilisatoren günstig (s. unten). 

Badet man Bromsilber -Gelatineplatten in schwachen Silbernitrat- 
lösungen (s. S. 50) und prüft sie im Spectrographen, so kann man zu- 
nächst eine Vermehrung der Gesammtempfindlichkeit beobachten; bei 
genauerer Betrachtung aber findet man v dass auch die relative Empfind- 
lichkeit gegen die weniger brechbaren Strahlen etwas gestiegen ist. Viele 
Farbstoffe (namentlich Eosinfarben u. A., welche organische Silberver- 
bindungen geben, resp. mit Silbernitrat sich nicht zersetzen) sind bei 
Gegenwart von Spuren Silbernitrat als Farbensensibilisatoren kräftiger 
wirksam (Eder, Dec. 1885; später zur Fabrikation von Eosinsilberplatten 
von Vogel und Obernetter benutzt). 

Die als Gelbrothsensibilisatoren von Barlett empfohlene Stechapfeltinctur, 
sowie das von Schien dl empfohlene Salicin, welche farblos erscheinen, sind als 
Sensibilisatoren nichts werth (Eder's Jahrbuch f. Phot. 1897. S. 382). 

VI. Einwirkung von Farbstoffen als optische Sensibilisatoren 

auf Bromsilber- Gelatine bezüglich der Steigerung der Ltcht- 

empflndlichkeit gegenüber grünen, gelben und 

rothen Strahlen. 

Obwohl Bromsilber bei langer Belichtung eine Wirkung im Spectral- 
gelb und darüber hinaus zeigt, ist sie doch so gering, dass die damit 
erhaltenen Bilder dünn und verschwommen sind. Prof. H. W. Vogel 
entdeckte im Jahre 1873 die Thatsache, dass beigemengte Farbstoffe 
das Bromsilber-Collodion für grüne, gelbe und rothe Lichtstrahlen 
empfindlich machen (sensibilisiren), wenn sie selbe absorbiren *). Das 
Verhalten von Brom-, Chlor- und Jodsilber in Collodion gegen solche 
„optische Sensibilisatoren" wurde von ihm, sowie Waterhouse, Bec- 
querel u. A. weiter verfolgt 2 ) und von Ducos du Hauron 8 ) und Croä 4 ), 
sowie Eder u. A. praktisch verwerthet. 

Anfangs erzielte man nur mit Collodionschichten Erfolg, weil das 
Collodion an und für sich für die meisten Farbstoffe indifferent sich 
verhält und somit die Reaction von Farbstoff auf Bromsilber rein zu 
Tage treten kann. Die bei diesen damals üblichen Farbensensibilisatoren 



1) Berichte d. deutsch, ehem. Gesellsch. 1873. S. 1305 u. ff. Jahrgänge; Phot. 
Mitth. Bd. 9, S.230u. ff. 

2) Eine vollständige Uebersicht s. Eder's Ausführliches Handbuch der Photo- 
graphie Bd. I, Abth. I (2. Aufl.), S. 251 uud Bd. II (2. Aufl.), S. 442. 

3) Phot. Corresp. Bd. 1(5, S. 193 u. 229; auch Eder's Handbuch der Photo- 
graphie, Heft 7. 

4) Phot. Corresp. Bd. IG, S. 107; auch Eder's Handbuch der Photographie, 
Heft 7. 



• Uober die Wirkung des Sonnenspectruras etc. 149 

erwiesen sich bei Bromsilber- Gelatine anfangs von so zweifelhafter Wir- 
kung, dass H. W. Vogel die Trägheit der Bromsilber- Gelatine gegen 
optische Sensibilisatoren als Merkmal dieser „Modification" des Brom- 
silbers ansah, obschon ihm die schwache sensibilisirende Wirkung 
z. B. von Anilinroth bekannt war. Da traten die Firma Attout (ge- 
nannt Tailfer) und Clayton mit einem französischen Patente hervor 
(Brevet 152.645 vom 13. December 1882, resp. 29. März 1883), nach 

* 

welchem Bromsilber- Gelatine durch Eosin stark gelbempfindlich gemacht 
wird; sie nannten diese Platten „ isochromatisch tt und verwendeten sie 
zum Photographiren von farbigen Geweben etc. 

Mit der Untersuchung der Farbensensibilisatoren befassten sich 
namentlich H. W. Vogel, Schumann und insbesondere die Wiener 
Photochemiker. Es lieferte von diesen zuerst Eder 1 ) systematische 
Untersuchungen dieser Farbstoffe und des Zusammenhanges ihrer Con- 
stitution mit der Sensibilisirung, welche Arbeiten später von ihm in 
Gemeinschaft mit Valenta 2 ), dann von letzterem allein 8 ) fortgesetzt 
wurden und woran sich die Arbeiten von Eberhard, Eckhard, 
Hinterberger und Ruh 4 ) anschlössen. 

Soll eine photographische Platte die Farben mit demselben 
Helligkeitseffect reproduciren, wie sie dem menschlichen Auge er- 
scheint, so soll das Orange (bei C) und Hellblau (bei F) im Sonnen- 
spectrura ungefähr gleich wirken, Gelb (bei D) achtmal und Gelbgrün 
(bei D) ungefähr zehnmal, Grün (bei E) etwa dreimal stärker als Hell- 
blau wirken, Violett aber nur den zehnten Theil der Wirkung des 
letzteren haben. Bis jetzt ist kein Verfahren mit Bromsilber- Gelatine 
beschrieben worden, welches diesen Anforderungen völlig entspricht; wohl 
aber gelingt es, durch Einschalten von gelben Gläsern oder Farbstoffen 
das Blau soweit abzuschwächen, dass dann auf gefärbten Brom- 
silberplatten das Gelbgrün viel kräftiger als Blau und Violett auf der 
Platte erscheint, wie dies z. B. Fig. 9, Curve 17 (Eosinplatte belichtet 
durch gelbes Glas) zeigt. Hier fehlt jedoch noch die Wirkung im Roth 
oder Orange. Für solche Platten, welche durch optische oder chemische 
Hilfsmittel alle Farben mit demselben Helligkeitseffect (Helligkeitswerth), 
wie ihn das menschliche Auge empfindet, photographisch wiedergeben, 
schlug Eder den Namen „orthochromatische Platten" vor, welcher 
sich neben der Bezeichnung isochromatische oder farbentonrichtige 



1) Sitzungsber. d. Kais. Akad. d. Wissensch. in Wieo, 1884. 1885. 1886; Phot. 
Corresp. 1891. ß. 313; 1894. S. 457; 1895. S. 92. 

2) Phot. Corresp. 1894. S. 227. 

3) Phot. Corresp. 1897. S. 129 u. 185; 1898. S. 198 u. 314; 1899. 

4) S. Eder's Jahrbücher f. Phot. 



150 Dritter Theil. Fünfzehntes Capitel. 

Platten eingebürgert hat 1 ). Bekanntlich geben die jetzt gebräuchlichen 

photographischen Platten das Orange und Gelb viel dunkler (fast schwarz) 

als das Dunkelblau und Violett, welche fast wie Weiss wirken. 

Die orthochromatischen Platten des Handels sind meistens für Gelbgrün 
sensibilisirt, d. h. sie weisen — ausser der Eigenempfindlichkeit des Bromsilbers im 
Violett bis Blau — eine gesteigerte Empfindlichkeit für Grün bis Gelb (zwischen den 
Fraunhofer'schen Linien E und D) auf und gestatten noch die Photographie der 
Natriumlinie (D) mit hinlänglicher Kraft. Diese Platten sind zumeist mit Erythrosin, 
seltener mit Eosin oder Chinolinroth oder anderen Farbstoffen gefärbt; sie sind zur 
Aufnahme von Gemälden und farbigen Objecten aller Art, sowie zu Landschaf ts- 
aufnahmen im Hochgebirge und zur "Wolkenphotographie befriedigend geeignet, trotz- 
dem ihnen die eigentliche Rothempfindlichkeit maugelt. Die meisten orangerothen, 
sowie auch rothcn Pigmente reflectiren so viel Gelb, dass diese Farbencomponente 
genügt, um eine pbotographische "Wirkung auf solchen Erythrosin platten hervor- 
zubringen. Reinere rothe Farbsioffe, wie Zinnober, wirken aber auf Erythrosin nur 
gering: sie erscheinen in der Photographie schwarz. Da solche Farbstellen für ge- 
wöhnlich in Gemälden oder dergl. nur vereinzelt vorkommen, so kann man sich durch 
Retouche helfen. Wird die exacte rein photographischo Wiedergabe des Roth verlangt, 
so muss man andere Sensibilisatoren anwenden, welche wir weiter unten boschreiben 
wollen. Derartig rothempfiudliche Platten bringen Lumiero in Lyon in den Handel. 
Platten, welche zugleich roth-, gelb- und grünempfindlich sind, nennt man pan- 
chromatische; sie leisten meistens weniger für jede einzelne Farbe, als die be- 
sonders für einzelue Farbenzonen sensibilisirten Platten, welche namentlich für T Drei- 
farbendruck" von Bedeutung sind. 

VII. Theorie der Wirkung der Sensibilisatoren. 

Ueber die Theorie der Wirkung der Farben -Sensibilisatoren wurde 
bereits im I. Bande (1. Abth.) und IL Bande, S. 36 gesprochen. 

Es sei hier in Kürze wiederholt, dass viele (aber nicht alle!) Farb- 
stoffe die Eigenschaft besitzen, in gewisser Verdünnung das Broinsilber 
(und Chlorsilber, wenig aber das Jodsilber) für jene Strahlen em- 
pfindlicher zu machen, welche der Farbstoff oder richtiger das mit 
dem Farbstoffe gefärbte Bromsilber absorbirt. Diesen Zu- 
sammenhang kann man mit dem Spectralapparate constatiren*). 

Im Absorption sspectrum des mit Eosin gefärbten und dann durch Centrifugiren 
gewaschenen Bromsilbers ist deutlich das Absorptionsband des Eosin erkennbar, nur 
ist dasselbe weiter gegen das rothe Ende des Spectrums verschoben, als dies beim 

1) Zu den bereits in der photographischen Praxis eingebürgerten Namen für 
^orthochromatische 44 oder „isochromatische" oder „farbenempfindliche 
Platten 44 wurden neuerdings noch andere Namen vorgeschlagen, z.B. „orthoskia- 
graphisch 44 , „orthophotisch 44 , „oithoactinisch 44 . Jedoch fanden die letzteren 
Namen keinerlei Verbreitung, was uns auch besser erscheint; die allgemein übliche 
Bezeichnung ist „orthochromatische 44 oder „farbenempfindliche Platte* geblieben. 

2) S. Eder, Sitzungsber. d. Kais. Akad. d. Wissensch. in Wien, 1884 (auch 
Phot. Corresp. 18S5) und 1886. 



Ueber die Wirkung des Sonnenspectrums etc. 



151 



reroen Farbstoff oder auch bei einer damit gefärbten Gelatinefolie der Fall ist: Curve a 
in Fig. 6 zeigt diese Verschiebung. 

Die Mitte des Absorptionsbandes liegt bei 562 bis 564///* Wellenlänge, das ist 
an der Stelle, wo auch die Mitte der gesteigerten Empfindlichkeit der photographischen 
Eosin -Bromsilberplatte (=563////) liegt. 

Es fällt also die optische Absorption der gelbgrünen Strahlen des Spectrums 
durch Eosin -Bromsilber mit der Lage des Sensibilisirungsmaximums örtlich zusammen. 

Damit ist erstens der Nachweis geliefert, dass das Bromsilber (als gefärbtes 
Medium gedacht) den Absorptionsstreifen des Farbstoffes sehr stark gegen Roth zu 
verschiebt, und zweitens wird gezeigt, dass hierbei das Absorptionsmaximum genau 
an jene Stelle fällt, wo das Sensibilisirungsmaximum liegt. 

Rothe Farbstoffe, wie Eosin, Erythrosin, Chinolinroth, Anilin- 
roth, Magdalaroth etc., zeigen in der Regel ein deutliches starkes Ab- 
sorptionsband im Grün bis Gelb; färbt man damit Bromsilber- Gelatine- 
platten und prüft deren Farbenempfindlichkeit im Sonnenspectrum, so 
zeigt sich eine auffallende Steigerung der Empfindlichkeit (Sensibilisirung) 
im Gelbgrün bis Gelb, mitunter (falls die Farbstoffe violette Nuancen 
zeigen) bis gegen Orangeroth. Gelbe Farbstoffe, welche blaugrün 



H 



O 



F E 



D OB Ä 













• 










a ^^"v 








6 


•'~\ 


^^ ■■-- 


— 





Fipr. 6. 

a) Absorption des Spectrums durch mit Eosin gofUrbtes Brom- 

silber. — b) Absorption durch mit Eosin gefärbte Gelatine. 



absorbiren, bewirken häufig Sensibilisirung für Grün; violette Farb- 
stoffe, sowie blaue für Gelb bis Orangeroth, während man unter den 
grünen Farben Rothsensibilisatoren findet, entsprechend ihren Absorptions- 
bändern im Roth. Unter den blauschwarzen oder bräunlichen Farb- 
stoffen findet man häufig gleichfalls Roth- und Gelbsensibilisatoren, in 
der Regel in breiteren Streifen und Bändern. Jedoch gestattet die 
Farbennuance des Farbstoffes (falls dieser überhaupt als Sensibilisator 
wirksam ist!) nur einen ganz beiläufigen, keineswegs genauen Rück- 
schluss auf die Lage des Farbenbezirkes, für welchen er die gefärbten 
Trockenplatten farbenempfindlich macht. Es ist hierfür das Absorptions- 
spectrum des Farbstoffes (genauer gesagt: des mit dem Farbstoff ge- 
färbten Bromsilbers) maassgebend. 

Das Maximum der Farbensensibilisirung liegt ungefähr an der- 
selben Stelle im Spectrum, an welcher das Maximum der Absorption 
des Farbstoffes sich befindet. Jedoch fallen beide Maxima nicht völlig 
zusammen, sondern das Sensibilisirungsmaximum ist stets (mit wenig 
Ausnahmen) etwas mehr gegen das rothe Ende des Spectrums zu ver- 



152 



Dritter Theil. Fünfzehntes Capitel. 



schoben (durchschnittlich um 170 bis 270 Angstrüm'sche Einheiten, 
Eder). Zeigt der Farbstoff mehrfache Absorptionsbänder, wie dies z. B. 
beim Chlorophyll, Blou Coupier, Diazoresorufin , Nigrosin (s. unten) etc. 
der Fall ist, so weist die damit sensibilisirte Bromsilberplatte analoge 
8ensibilisirungsbänder auf. Schmale, intensive Absorptionsbänder geben 
meistens schmale? Sensibilisiniiigsbünder, und breite, verwaschene Bänder 
verhalten sich analog. Die Lebhaftigkeit der Färbung des Farbstoffes 
ist ohne entscheidenden Einfluss. Man findet wohl die meisten Farben- 
sensibilisatoreu unter den feurigen, brillanten Theerfarbstoffen (?„ B, 
Farbstoffe der Eosinreihe etc.), aber auch schwärzliche, unansehnlich« 
tintenartige Farbstoffe können vortreffliche Sensibilisatoren sein, 
Eder zuerst bei der Reihe der Indulin- und Nigrosinfarbstofft 
gezeigt hatte (188ti). Auch die Lichtechtheit oder Uneehtlieit, 
Fliiorescenz des Farbstoffes ist ohne Einfluss auf die Sensibilisining. 

Die erste Forderung, welche an jene Farbstoffe zu stellen ist, di>_- 
auf SilberhaloVdsalze sensibilisirend wirken sollen, ist nach Eder 1 ): 

„Die Farbstoffe müssen das Bromsilberkorn färben," 
Ferner: „Die Farbstoffe, welche kräftig sensibilisiren, sind auch aile 
sogenannte Substantive S'arbstt.ffe 1 *, d.h. sie färben die Substanzen un 
mittelbar, und zwar wahrscheinlich durch Molecularattracüon. 

Daraufhin entwickelte Eder seine Theorie der Sensibilisatoren auf Grund der 
Mulecidariibration der gefärbten Holecule und machte diese zum Gegenstände der 
Festrede gelegentlich der Daguerre-Feier der Wiener Photographiaohen Gesellschaft 
am 15. Ootober 1889 (Phot. Corresp.}. 

Die obeo erwähnte Anforderung un einen sciisihilisirendeii Farbstoff war 
dahin wissenschaftlich noch niemals piiieisirt werden, sondern man legte den Hain 
werth darauf, dass der Fiirbstofl Brom chemisch binden soll oder — falls dursei 
diese Eigenschaft Dicht besitzt - irgend ein anderer „chemisch« Seosibi 
(]!i-'im;iljsn|liirer) zugegen sei. Die viirt liedhafte "Wirkung der chemis 
bilisatoren bebt! orthochromatischen Verfuhren ist anerkannt, aber sie genügt 
um einen Farbstoff zum Hensibilisator zu machen, sondern es iimss ein Farbstoff 
erster Linie das Bromsilberkorn, dos BroitiBtlbermolecul selbst färben, um i 
iihütoiiraolnsrhen Wirkung zu gelangen. 

Dass diese Theorie mit der Praxis zusammenhängt, ergibt sieh aus den spi 
Untersuchungen anderer Forseber; insU-sonderi' lieferten Harun Ilübl's ne 
jierimental- Untersuchungen (s. Kder's Jahrbuch f. Phot 1894) Resultate, we 
Bestätigung der von Eder im Jahre 1881 ausgesprochenen Ansichten ergabi 




Till. Quantität fies zugesetzten Farbstoffes. 

Um sensibilisirende "Wirkungen durch Farbstoffzusatz zur 1 
silber- Gelatine zu erzielen, ist die richtige Concentration des Fai 



1) Zuerst ausgesp rechen Sit/iini r -l.'-t 
1884; und spater Phot. Corresp. 1691. S. 41 



d. Kais. Akad d. Wis 



Ueber die Wirkung des Sonnenspectrums eto. 153 

Stoffes das erste Erforderniss des Gelingens. Zuviel drückt die Gesammt- 
empfindlichkeit herab, indem allzu dicke Farbstoffschichten über dem 
Bromsilber den Zutritt des Lichtes zu sehr hemmen; oft verwischen 
sich dann die Maximalwirkungen *). Zu wenig Farbstoff lässt die Wir- 
kungen des optischen Sensibilisators zu sehr hinter die Eigenempfind- 
lichkeit des Bromsilbers zurücktreten. 

Die beste Concentration ist je nach der Natur des Farbstoffes ver- 
schieden. Man versuche am besten zuerst einen Zusatz von 2 bis 4 mg 
pro 100 ccm Emulsion oder dieselbe Menge gelöst in Wasser, welche 
Lösung man dann als Bad für die getrockneten Platten (durch 2 bis 5 Mi- 
nuten) anwendet. Farbstoffe von starkem Tingirungsvermögen muss man 
verdünnter, andere schwach tingirende zehnmal concentrirter anwenden. 
Von Eosin genügt z. B. schon 1 / 10000 Proc, um die Emulsion bemerklich 
im Gelbgrün mit dem charakteristischen Streifen zu sensibilisiren, ob- 
schon das Auge keine röthliche Färbung wahrnimmt. Der Farbstoff kann 
aus solchen Gelatine-Emulsionen durch viele Stunden hindurch schein- 
bar ganz ausgewaschen werden, und trotzdem ist seine sensibilisirende 
Wirkung im Spectrographen deutlich nachweisbar. 

IX. Einfluss des Reifungsstadiums der Bromsilber -Gelatine auf 
die FShigkcit, durch Farbstoffe sensibilisirt zu werden. 

Im Allgemeinen ist sowohl colloi'dales, unreifes pulveriges, als 
gereiftes hochempfindliches Bromsilber (in Form von Gelatine -Emulsion, 
noch mehr in Form von Collodion-Emulsion) der Sensibilisirung durch 
Farbensensibilisatoren zugänglich. Man darf jedoch nicht übersehen, 
dass gereiftes hochempfindliches Bromsilber schon an und für sich eine 
bessere (allerdings nur schwache) Empfindlichkeit für die weniger brech- 
baren (gelben und rothen) Farbstoffe besitzt, als unreifes Bromsilber 
(s. S. 144). Solches Bromsilber lässt sich etwas besser für Roth sensi- 
bilisiren, als unreifes Bromsilber. Es ist überhaupt eine mehrfach ge- 
machte Beobachtung, dass nicht alle Trockenplatten des Handels in 
gleichem Grade die Sensibilisatoren annehmen 2 ). Es sind dies noch 
nicht genügend aufgeklärte Nebenumstände. 



1) Die obige Angabe über die Hemmung des Lichtzutrittes und Verschiebung 
der Sensibilisirungsmaxima durch zu dicke Farbstoffschichten machte zuerst Eder 
(Sitzungsber. d. Kais. Akad. d. Wissensch. in Wien, 4. Dec. 1884). Später machte 
namentlich Baron Hübl (Eder's Jahrbuch f. Thot. 1896. S. 289), sowie Eberhard 
(Phot. Rundschau) mehrfach Angaben über die sogenannte „Schirmwirkung 44 der 
übergelagerten Farbstoffe. 

2) Verfasser bedient sich zu seinen Versuchen entweder der Bromsilberplatten 
von Schleussner in Frankfurt a. M. oder von Schattera in Wien. 



154 Dritter Theil. Fünfzehntes Capitol. 

X. Einfluss Ton Brom-, Jod- und Chlorsilber auf die Farben- 
sensibilisirnng. — Einfluss von Bromkalium. 

Die Natur des Silbersalzes in der photographischen Platte ist von 
Einfluss auf die sensibilisirende Wirkung der Farbstoffe. Im Allgemeinen 
kann man annehmen, dass reine Bromsilberplatten für Sensibilisirungs- 
versuche die geeignetsten sind; gut verwendbar sind auch Chlorbrom- 
platten, welche aber im gewöhnlichen photographischen Negativverfahren 
wegen geringerer Empfindlichkeit weniger beliebt sind, wenn auch die 
relative Empfindlichkeit der Sensibilisirung oft jene der Bromplatten 
übertrifft (Eder). Reine Jodsilber- Gelatine ist durch Farbstoff, z. B. das 
bei Bromsilber so kräftig wirkende Eosin, fast gar nicht zu sensibili- 
siren, und Jodbrom -Emulsionen mit beträchtlicherem Jodgehalt (d. i. über 
2 Proc.) sind den Farbensensibilisatoren auch weniger zugänglich als 
reino Bromsilber- Emulsionen. Jedoch kann man Emulsionen, welche bis 

5 Proc. Jodsilber enthalten, noch praktisch mit Farbensensibilisirungen 
verarbeiten, und für spectra [analytische Zwecke sind solche Platten wegen 
der starken Wirkung um die Linie F mitunter erwünscht 

Einfluss der Gegenwart von Bromkalium auf die Wir- 
kung der Farbstoffe. Die Gegenwart grösserer Mengen von Brom- 
kalium oder ähnlichen Yerzögerern in der Emulsion beeinträchtigt die 
sensibilisirende Wirkung der Farbstoffe. Das Sensibilisirungsband wird 
auffallend schwächer , und die orthochromatische Wirkung der Platten leidet. 

XI. Wahl und Prüfung der Farbstoffe für Sensibilisirungen. 

Welche Farbstoffe als gute Farbensensibilisatoren für Bromsilber- 
Gelatine wirken, darüber entscheidet am besten das Experiment im 
Spectrographen; es ist leicht anzustellen, z. B. mit einem kleinen Spectro- 
graphen ä vision directe 1 ) (s. Bd. I, Abth. 1, 2. Aufl. dieses Werkes). 
Solche Spectrographen stellen Steinheil in München oder Schmidt 

6 Haensch in Berlin her. 

Der Speetrograph besteht aus einom Spectralapparate , welcher an einer photo- 
graphischen Camera angebracht ist und das farbige Band des Spectrams auf die zu 
prüfende photographische Platte fallen lässt. Als Lichtquelle dient meistens das directe 
Sonnenlicht, welches zufolge der in seinem Spectrum auftretenden schwarzen Fraun- 
hofer'schen Linien ein«» gute und sichere Orientirung der Photographie gestattet. 

Man exponirt bei engem Spalte zuerst eine gewöhnliche Trockenplatte bei ver- 
schiedenen Belichtungszeiten (z. B. von V, bis 3 Secunden), dann die mit Farbstoffen 



1) Die Natur der Glaskörper (ob Flint- oder Crownglas), die Anwendung von 
Quarz, Fhissspath, von Spiegeln, die Art der Lichtquelle beeinflussen die Helligkeits- 
vertheilung der Farben im Spectrum. Die Vorsuchsergebnisse sind also nur relativ 

vergleichbar. 



Ueber die Wirkung des Sonnenspectra 



155 



Bensibilisirta Platte unter analogen Verhältnissen und entwickelt beide. Erstore wird 
eine kräftige Wirkung im Blaugrün, namentlich im Blau, Violett und Ultraviolett 
zeigen, letztere aber überdies noch eine Wirkung im Gelbgrüa, Orange oder Rotb, 
je nachdem ein Grün-, Orange- oder Rotbsensibüisator verwendet worden war. 

Als Beispiel sei bier die Photographie des Sonnenspectrnms auf einer mit Eosin 
oder dem ähnlich wirkenden Erythrosin sensibilisirten Bromsillwr- Gelatineplatte (Auf- 
nahme im Glasspectrographen) angeführt (Fig. 7, I). Man sieht, dass die Wirkung 
sehr stark im Blau und Violett auftritt (entsprechend der Eigenem pfindlichkeit des 
reinen Bromsilbers in Form von Gelatine-Emulsion); hinter der Fraunhofer' sehen 



L H 



G 



b E 



D 



1 



ZH 



Linie F folgt eino Stelle verminderter Empfindlichkeit (ein Minimum der Wirkung), 
dann folgt das Maximum der Farbonsonsibilis innig im Gclhgriin zwischen E und D; 
Rothempfindlichkeit mangelt diesen Eosin- und Erythrosin platten. 

Schaltet man vor diesen Platten eine gelbe Glasscheibe, oder ein Häutchen von 
Aurantia-Collodion, oder eiue mit einer gelben Flüssigkeit (z.B. Kaltumbichromat- 
lösnng) gefüllte Glaswanne ein, so verschluckt diese stark das violette Licht und ziem- 
lich stark das Blau und dampft diese Farben derartig 1 ), dass sie nunmehr schwach 
auf die photographischen Platten wirken, während das Grün, Gelb und Orange uu- 
geschwächt durchdringen und deshalb relativ zu stärkerer Wirkung gelangen, wie dies 
in Fig. 7, II ersichtlich ist. 

Dm sich über die Höhe der Empfindlichkeitssteigening des Bromsilbers durch 
i orientiren und über die relative Empfindlichkeit gegen ver- 
n Urtheil bilden zu können, ist es bequem, sich eines Gas- 
■r Petroleumlampe zu bedienen, weil diese Lieb tquellen leicht 
a beschaffen sind. Man kann einen Bunxon'schcn Gasbrenner 



Farben sensibilisaturen z> 
schieden farbiges Licht e 
Argandbrenncrs oder eil 
und genügend constant z 



zwischen Lichtquelle und S pect ralap parat einschalten und in die Buuseubrennerflamme 

1) Um so stärker, je dunkler gelb der vorgeschaltete Schirm ist. Es dämpft 
das orangegelbe Kalium bichromnt das Blau starker als hellgelbes Kaliummonochnimat 
oder Martrasgelb oder die noch heller gelbe Pikrinsäure. 



156 



Dritter Tlieil. Fünfzehntes Capitel. 



einen mit K(idi>:il;'. ^etraukteii Asbi'sl.biisehel bringen, damit eine helle Natrium 
entsteht, welche die gelbe So- Linie (bekanntlich identisch mit der Fraunhofer schea 
Linie D) in der Speetrmnphotographia erzeugt; nach dieser kann die Orientirung im 
SpeotnuD erfolgen. — Manche Farbstoffe, welche im Sonnouspeetrum ein kräftiges 
Sensibilisirongsband geben, zeigen bei dem weniger intensiven Gaslichte relativ viel 
geringeren Effect, selbst wenn man entsprechend Linker exponirt; andere Seasibili- 
satnren brauchen nur schwache Anfangswiikung, sie erscheinen demzufolge bei 
schwächerem Lichte empfindlicher als jene. 

Die in Fig. 7 ausgeführte Art der bildlichen Darstellung der Wir 
kung des Speetrums auf verschieden sensibilisier Platten ist zu 
ständlich, und man schlügt deshalb einen einfachen graphischen Wes 
ein, um mittels Curven die Wirkung des Spectmms (bezogen auf t 
Fraunhofer'schen Linien) darzustellen (vergl. Bd. I, Abtli. 1). 



XII. Wirkung verschiedener Farbstoffe auf ßromsiibcr-Gelatfi 

Wenn man das Verhalten der mit Farbensensibilisatoren behan- 
delten Bromsilber- Gelatineplatten gegen die Farben des Sonuenspeetrums 
prüft, so fallt zunächst die mehr oder weniger beibehaltene Eigenempfind- 
lichkeit des Bromsilbers gegen Violett und Blau auf. Danebeu aber 
macht sieh eine gesteigerte Empfindlichkeit für Strahlen geringerer 
Brechbarkeit (Grün, Gelb, Roth) geltend, deren Lage im Spectrum mit 
der Natur des Farbstoffes und seines A bso rp tionss pect nun s variirt. 

Von der grossen Anzahl der untersuchten Farbstoffe erwies 
nur ein Theil als optische Sensibilisatoren für Bromsilber-Gelatine, 
der Wirkung derselben muss man unterscheiden: 

1. Den Einfluss auf die Gesnmmtempfindlichkei t der 
färbten Bromsilber-Gelatineplatte. Mitunter wird nämlich 
Lichtemptimllk-hkeit für den blauen und violetten Theil des Spectri 
herabgedrückt, so dass sie nur z. B. J /io der ursprünglichen besitzt (i 
meisten der violetten und grünen und viele andere Farbstoffe zeigen 
diese Eigenschaft). Gute Sensibilisatoren (z. B. Erythrosin) drücken aber 
die Gesamnitempfindlielikcit gegen weisses Licht nicht oder nur wenig 1 ). 
Cyanin setzt die Gesammtemptindlichkeit aber auf beiläufig '/io uei 
Nigrosin B nur auf circa a /., etc. 

2. Den Einfluss auf die relative Empfindlichkeit 
Gelb, Orange etc. Unabhängig davon, ob die Empfindlichkeit der 
gefärbten Bromsilber-Gelatine für den blauen Theil des Spectrums sinkt 
oder nicht, steigt dieselbe oft in Folge der Wirkung des Farbstoffes für 



1) Nur mit solchen Platten lassen sieh MomeutaulnaUmep von Laodschftften, 
bewegten Scenen, Portraits etc. herstellen. Man kann die relative Empfindlichkeit 
der gewöhnlichen Bromsilberplatte und der sensibilisirten in der Camera bei i 
passend gewählten Tages liehtauf nähme prüfen. 



Ueber die Wirkung des Sonnenspectrums etc. 



157 



Gelb, Orange etc. Z. B. sinkt bei Bromsilber- Gelatineplatten durch den 
Zusatz von Böse bengale die Empfindlichkeit für Blau auf 7s oder %, 
während die Empfindlichkeit für Gelbgrün (in der Nähe der Linie D) 
viel grösser wird als bei ungefärbten Platten. Hier sinkt die Gesammt- 
empfindlichkeit und steigt die relative Gelbgrün -Empfindlichkeit, so dass 
solche gefärbte Platten z. B. drei- bis sechsmal länger belichtet werden 
müssen, um ein photographisches Bild im Tageslichte zu geben, wobei 
dann allerdings gelbgrüne Pigmente kräftiger, blaue dagegen gleich 
kräftig wie bei ungefärbten erschienen sind. 

Fasst man nun die Stelle des Sensibilisirungsmaximums ins Auge 
und vergleicht die Empfindlichkeit dieser Bezirke nach Anwendung ver- 
schiedener Farbstoffe, so kann man sich ein zuverlässiges Urtheil über 
den Werth der einzelnen Sensibilisatoren und die relativen Expositions- 
zeiten (bei Einschaltung passender farbiger Gläser, welche die wirk- 
samen Farbenbezirke durchlassen) bilden. 

Nachstehende Tabelle gibt eine Zusammenstellung der Wirkung einiger Sensi- 
bilisatoren (nach Ruh): 



Farbstoff 


Lage des 
Sensibilisirungsbandes 


Relative Empfindlichkeit 

an der Stelle der Sensi- 

bilisirung auf Erythrosin 

= 1 bezogen 




von 


bis 


Erythrosin 

Eosin 

Kose bengale 

Octojodfluorescein .... 

Bromnaphtofluorescein . . 

Naphtofluorescein .... 

Dibromnitrofluorescein . . 

Methyleosin 

Monochlorfluorescein . . . 
Acridingelb 

Benzylfluorescein .... 
Tetranitrofluorescein . . . 


D 
D l / 2 E 
C*/<D 

D 
D\' t E 

D 

{ C%D 

{ D*UE 

D'UE 

I) 
D*/ A E 
D*UE 

( Vom Blau 

\ D*I A E 
b 

Vom Blau 

C*j t D 

( a 

l D 

D'UE 
D 


D»/ t E 

E 

D%E 

D'I.E 
&UE 

D*l t E 

" } 

&UE 
D^E 
&/sE 
D*l h E 
D x j A E \ 
D*j A E f 

G 

F 
D\UE 

D l /,E ) 

E'UF 
V-UE 
D%E 


1 

7< 
V, 

l U 

i/ 

7. 

7, 
'/* 

1' 

,2 

7, 

7,5 

1' 

/7 

h .8 
1 / 

/4 

/go 

weniger als y iß 

71 7) /l6 

n 7» /i& 



158 



Dritter Theil. Fünfzehntes Capitel. 



Fig. 8 zeigt die sensibilisirende Wirkung verschiedener Farbstoffe 
bei Bromsilber- Gelatine in Form einer graphischen Darstellung. 

Von den in Fig. 8 erwähnten Farbstoffen haben Cyanin als Sensi- 
bilisator für Orangeroth, Eosin für Geibgrün, Rose bengale für 
Gelbgrün, Gelb bis Orange in der Praxis Anwendung gefunden; die 
Lage der durch Erytbrosin bewirkten Sensibilisirungsbänder liegt 




ir-Gelatino gefärbt mit MethylWolett, Violett d* Pui%, Beoiyl- 
mtiun-iolett , KHuroviulett. — 12. Duselbe mit SiuragrOn, Solidgrtn, 
- IB. Mit Judgrün. — 14. Mit Cyjuiin. — 16. Mit Btom-Eoein. — 
IG. Mit Rose boiigal* und Ammoniak. 



ungefähr in der Mitte zwischen jenen vom Eosin und Rose bengale; 
somit sensibilisirt Erytlirosin für Grün (Geibgrün) und Gelb. Schaltet 
man vor die photographische Platte oder vor den Apparat eine Gelb- 
scheibe, so verläuft die Curve geschwächt im Blau, zeigt ein Minimum 
im Blaugrün und erbebt sich im Geibgrün zu einem starken Maximum 
(Fig. 9, Nr. 17). 



XJeber die Wirkung des Sonnenspectrums etc. 



159 



Orange- und* rothempfindliche Farbstoffe wirken meistens nur 
mittelmässig sensibilisirend, so dass das Blauviolett weitaus dominirt. 
Um in solchen Fällen das Roth im Negative kräftig zum Ausdrucke 



N 



M L KH 



Q 



E 



D 



CB A 




17. Spectrumbild auf Bromsilber - Gelatine gefHrbt mit Erythrocin (durch gelbes Glas). — 18. Dassolbe mit 
Cyanin und Eosin. — 11*. Anilinroth. — 2*>. Fluorescein und Ammoniak (ausgezogene Curvo : nass; punk- 
tirto Corro: trocken). — 21. Resorcinblau. — 22. Rothes Corallin. — 2H. Naphthalinroth. — 21. Bleu 

Coupier. — 25. Safranin. — 2«J. Chrysanilin. 

bringen zu können, ohne das Blauviolett zu überexponiren , schaltet man 
Rothscheiben (z. B. Kupferrubinglas oder Anilinfarben) vor den Apparat. 
Das Coerulein ist z. B. ein schwacher Rothsensibilisator und erstreckt 
seine Wirkung von Gelbgrün bis über A im Dunkelroth (Eder) (Fig. 10, 



160 



Dritter Theil. Fünfzehntes Capitel. 



Nr. 27); schaltet man eine Rothscheibe vor und belichtet viel länger, 
so kommt die Wirkung im Gelb bis Roth viel besser zur Geltung. 

Isomerien machen sich durch verschiedenes Verhalten beim Sensibilisiren 
von Bromsilber geltend. 

Von zwei isomeren Farbstoffen des Benzopurpurin zeigt derjenige aus ar-Naph- 
thylaminsulfosäure eine etwas besser sonsihilisirende "Wirkung als jener aus /3-Säure. 
Aehnliches ist bei Orange B (Geigy) und Säureorange (Geigy) zu beobachten. 
Ersteres ist aus Di az oben zolsulfo säure und a-Naphthol hergestellt und sensibilisirt 
das Bromsilber zwischen E und D (ähnlich wie Congo, aber schwacher). Das isomere 
Säureorange ist hergestellt aus Diazobenzolsulfbsäure mit /i-Naphthol und sensibilisirt 
merklich schwächer für Grün und Gelb. Es liegt somit an zwei isomeren Farbstoffen 
die interessante Beobachtung vor. dass sie sich im Spectrographen als Sensibilisatoren 
deutlich verschieden verhalten, und zwar weniger durch die qualitative als quanti- 
tative Sensibilisirung '). 



;V 



ML K S 



C B A 



























-'" 


\ 








..■ 














































— ^ 


--, 




— . 









Bild des Komir'iispecüTjms 



. mof BnunsUbec gafltiM m 



Manche Farbstoffe geben an und für sich getrennte Sensibili- 
sirungsmaxima, wie z. B. Bleu Coupier (Fig. 10, Nr. 29), Diazoreso- 
rufin (Fig. 10, Nr. 29) und viele andere. 

In ähnlicher Weise sind zwei getrennte Maxima in frisch ge- 
mischten Jodbrom-Emulsionen vorhanden; kommt noch ein Sen- 
sibilisirungsmaximum hinzu, so findet man noch ein drittes Maximum, 
wie Fig. 11, Nr. 32 für Eosin-Jodbromsilber andeutet 

Sensibilisirt man Chlorsilberplatten mit Eosin, so liegt das 
Maximum der Sensibilisirung im Golbgrün ungefähr an derselben Stelle 
wie beim Bromsilber oder Jodbromsilber, aber die Wirkung im Blau- 
violett bleibt die dem Chlorsilber an und für sich eigenthünüiche (siehe 
Fig. 11, Nr. 33). 



1) Diese Beobachtung theilte zuerst Ed 
Wissenseh. in Wien, 10. Juni 1886) mit. 



(Sitzungsber. d. 1 



id. d. 



lieber die Wirkung des Sonnenspectrums e 



161 



Gemische von fertiger Jodsilber- Gelatine and Bromsilber -Gelatine geben, wie 
oben erwähnt wurde, ein Spectrumbild, welches zwei (durch ein Minimum getrennte) 
Maiima zeigt; nämlich das eine im Violett, das andere im Blau, färbt man solche 
Schichten mit Eosin oder einem anderen Farbstoff, so kommt noch ein drittes Maxi- 
mum im Qelbgriin oder an der für die optische Sensibilisirung charakteristischen Stelle 
dazu. Curve 32 (Fig. 11) zeigt das Spectrum faild auf Jodsilber -f- Bromsilber, gefärbt 
mit Eosin. Das Maximum der Eosinwirkung liegt zwischen E und I), genau an jener 
Stelle, wo es bei reiner Bromsilber -Gelatine sich befindet, und zwar ist nur ein 
einziges Band, welches nirgends durch ein Minimum unterbrochen ist, an der Stelle 
der optischen Sensibilisirung vorhanden; daneben tritt das charakteristische Spectrum- 
bild auf Jodsilber -j- Bromsilber im blauen Theil auf, so dass im Ganzen drei Maiima 
vorhanden sind. Aehnlicb verhalten sich die anderen Farbstoffe. 



.V 



M 



K H 



D 



C B A 















\ 






























































A 







SO. Spectrombild auf Bromsilbor-Ge: 

Belichtung. — DL Dasselbe mit HIma 

Silber getobt mit l 



■ ','1. Jodsiltiw tmd Brom - 



Jodbromsilber-Gelatine, bei welcher durch Digestion die beiden Maiima 
ineinander übergegangen sind (s. S. 143, Curve 5 und 6, Fig. 4), hat das Maximum 
der durch Farbstoffe bewirkten optischen Sensibilisirung gleichfalls an derselben Stelle 
als Bromsilber -Gelatine. Bei einem Gohalt des Bromsilbers von 1 bis 3 Proc. Jod- 
silber wird die Wirkung der Farbstoffe nicht merklich modificirt. Steigt aber der 
Jodsilbergehalt auf 10 bis 30 Proc, so sensibilisiren die Farbstoffe nicht mehr so 
kräftig für die weniger brechbaren Strahlen. Jodbroinsilber-Emulsion mit 5 Proc. 
Jodsilber kann z. B. mit Erythrocin noch gut sensibilisirt werden. Es zeigt das Ben- 
sibilisirungsmaximum an derselben Stelle (aber etwas schwächer) als reines Bromsilber, 
dagegen ist das Minimum zwischen F und E weniger ausgedehnt, weil die Eigen- 
empfindlichkeit des Jodbromsilbers weiter über F hinaus reicht, als bei reinem Brom- 
silber. Dies kann für Zwacke der Spectrum Photographie verwerthet werden, während 
die praktische Photographie gefärbter Gegenstände wenig Nutzen daraus ziehen kann. 

Chlorsilber-Gelatine wird durch Eosin, Cyanin und andere beim Brom' 
silber wirkende Farbstoffe kräftig sensibilisirt. Auch in diesem Falle liegt das Maxi' 

Eder, Handbuch der Photographie. III. Thoil. 5. Aufl. 11 



1Ö2 



Dritter Theil. Fünfzehntes l 



mum der Farbstoff Wirkung an derselben Stelle wie bei BionHÜber- Gelatine. Daneben 
kommt das Spectrum im violetten Theil in der für Chlorsilber charakteristischen Weise 
zur Wirkung. Curve33 (Fig. 11) zeigt Chlorsüber-Gelatine mit Eosin gefärbt. Bei 
kurzer Bßliohtung (punktirte Curia .13 1 erscheint ein Maximum bei FT am Beginne 
dos Ultraviolett; im Blau und Grün ist keion Wirkung bemerklich, dagegen tritt bei 
E'I,D die Eosin Wirkung kräftig auf. Rei längerer Belichtung lauft eine schwache 
Wirkung durah Blau und Grün bis Gelb, wo mitunter ein Maximum erscheint, welches 
jenes im Violett übertrifft. — Gemische von Jodsilber- mit Chlors über- Gelatine, 
sowie Broinsilber- mit Chlorsilber-Gelatine verhalten sieh gegen Farbstoffe in 
analoger Weise wie Jodsilber mit rimmrilbcr irciiuäclit. Chlorsilber mit 10 bis 20 Proc. 
Jodsilber gibt nach Eosiuzusatz klare und kraftige Bilder mit sehr starker relativer 
Empfindlichkeit im (ielbgnin, Wh-Ielie meistens das gcfiirbtu Iiruiusilhei' übertrifft (Eder|. 

Mischt man zwei verschiedene Furhstiifle, deren Absorptionsbänder 
an verschiedenen Stellen des Spectrums liegen, so bewirken diese Ge- 
mische in der Regel zwei Seiisibilisinmgsmaxirna, wie man dies z. B. 
bei Gemischen von Eosin und Cyanin |Fig. 8, Nr. 18) beobachten 
kann. Je nach der Menge des einen oder des anderen Farbstoffes 
dominirt dann das Maximum des einen oder anderen Farbstoffes. Die 
Curve Fig. 8, Nr. 20 (punktirt) entspricht überwiegendem Eosingehalt; 
die ausgezogene Curve überwiegendem Cyaningelialt. 

Es erscheint auf den ersten Blick als eine naheliegende [eichte Sache, durch 
Combination verschiedener Farbstoffe eine Reihe von verschiedenen Sonsibilisirungs- 
maximas neben einander üu legen nri'l d^lurvii ein vrillb'innieu :.■■■■ ■■!,!■.-■■ . !;.,■ . 
der Farbenempfindlichkeit von Blauviolett über Grün und Gelb nach OlMge und Bett 
zu legen, welche allgemein rarbenemprindlichai Platten man als „panchromatische* 
bezeichnet. Diese von Eder'), H.W. Vogel'), Eberhard, Valenta u. A. mehrfach 
versuchten Experimente Blossen in der Praxis auf grosse Schwierigkeiten, weil ein 
Farbstoff oft die sensibilisireode Wirkung des anderen schädigt, ja sogar aufhebt, 
ferner weil bei verschieden reichlicher Belichtung die Wirkungen (hesser gesagt „die 
charakteiis tischen Curven'l der einzelnen Farbstoff« selten parallel laufen, sondern 
bald die eine, bald die andere Comp onente zurückbleibt. Trotzdem ist dieses Problem 
keineswegs unlösbar, und es kommen Platten, welche mit Farbgeuii sehen sensibilistrt 
sind, in den Handel. 

Eine grosse Anzahl von Farbstoffen wirken gar nicht 
sensibilisirond; sie wirken dann nur als farbige Schirme, welche 
den Zutritt des Lichtes zum Bromsilber hemmen (wenn sie starker 
concentrirt sind) und dann die Empfindliclikeitscurve etwas ändern, 
z.B. Säure, Fuchsin, Resorcinblau (Fig. 11, Nr. 30); viele gelbe oder 
orangegelbe Farbstoffe wirken nur als Schirme, z. B. Pikrinsäure (Hitro- 
phenol), Martiusgelb (Dinitronaphthol) etc. und dämpfen das Blauviolett. 
sobald sie in beträchtlicher Menge in die Schicht der photographieahen 
Platten gebracht werden. 



. Kais. Akad. d. Wissenscb. in Wien, Dec. 18S5. 
2) G. W.Vogel brachte zuerst ein Cyaoin-Chiuolinrotb-Gemiseh als S 
satoren für Gelbgrün und Orange „als Azalie platten * in deu Handel. 



lieber die 'Wirkung des Sonnenspoctrums etc. 



163 



Pikrinsäure mm Erythrosinbade 1 ) oder Erythrosiusilberbade *) wird in der 
Absieht zugesotzt, um die Blauwirkimg (im Sinne gelber Lichtfilter) in drücken. 
Pikrinsäure haftet jedoch hartnackig in der Gelatine'}, kann schlecht ausgewaschen 
werden, weshalb andere gelbe Farbstoffe, welche intensiv färben und sich leicht aus- 
waschen lassen, geeigneter sind. 

Unter der grossen Anzahl der in verschiedenster Weise als Sen- 
sibilisatoren wirkenden Farbstoffe erzeugen manche sehr kräftige, schmale 
Sensibilisirungsniaxima (z.B. die meisten Kose bengale- Arten s.S. 175), 
andere geben breitere Sensibilisimngsbänder (z.B. Erythrosin, Glycin- 
roth etc.), welche nichtsdestoweniger schon bei geringer Belichtungszeit 
recht kräftig auftreten ; das letztere ist überhaupt ein Charakteristikon guter, 
praktisch erfolgreich verwendbarer Sensibilisatoren.') Heben diesen Maxi- 
mal Wirkungen, welche mit dem Maximum der Absorption zusammen- 



r ml 


KR FE D C B Ä 

























































34. Spectnusbild auf Hruinai] 



iromsilber gefärbt mit gewissen Indulinaorten. 



.-Naphtholroth Ute. — 3i 



hängen, finden sich {meist in unmittelbarer Nachbarschaft, nicht selten 
aber auch davon völlig getrennt) Bezirke schwächerer Sensibilisirung, 
in welchen das farbige Licht erst nach längerer Exposition eine deut- 
liche Wirkung hervor-bringt. In den hier abgebildeten Curven sind 
diese Bänder ausgedehnterer Wirkung durch punktirte Linien angedeutet 
Bei manchen Farbstoffen mit breiten, verwaschenen Sensibilisirungs- 
bändern erfolgt dieses seitliche Anwachsen der Wirkung bei verlängerter 
Belichtung ziemlich ausgiebig, z. B. bei verschiedenen Arten von Congo- 

1) Vidal (Eder's Jahrbuch f. Phot 1892. S. 393). 

2) Duchochois {Eder's Jahrbuch f. Phot 1895. S. 437). 

3) Bei Collodiou platten wirkt Pikrinsäurezusatz ganz gut, wie dies wohl zuerst 
E. Albert praktisch bei seiner orthochromatischen Collodion- Emulsion verwei+hete 
(früher als bei Gelati Deplatten). 

4) Man beachte, dass die zur Auslösung des photo chemischen Processes erforder- 
liche Anfangs Wirkung bei verschiedeneu Sensibilisatoren schwankt. Es gibt Farbeu- 
senaibiliaatoren, welche bei grosser Lichtintensität sehr grosse relative Empfindlichkeit 
aufweisen, bei schwachem Lichte aber ganz versagen und solche, welche auch in letzterem 
Falle bei verlängerter Belichtung gute Negative geben, was günstiger ist. 



164 



Dritter Theil. Fünfzehntes Capitel. 



rotb, Benzopurpurin (Fig. 12. Nr. 34), hei gewissen Indulinsorten 
(Fig. 12, Nr. 35) und vielen anderen Farbstoffen. 

Manche Farbstoffe zeigen eine kaum nachweisbare, äusserst (lach verlaufend'.' 
Hoiisiliilisirungscurve im weniger brechbaren Theil des Spectruma, z.B. II. 
lin, liislit;hos Berliner Blau und viele andere Farbstoffe; sie sind in 
clmiiiKit.LHelieii Pliotograpliii' srhlnnht verwendbar. 

Für die Praxis der Photographie, namentlich wenn man gezwängt 
ist, im zerstreuten Tageslichte die Aufnahmen zu inachen, sind nur jene 
Farbstoffe von Werth, welche für gelbgrüne, respective orangerothe 
Strahlen schon bei schwachen Lichtwirkungen eine kräftige Sen- 
sibilisirung bewirken. Es gibt viele Sensibilisatoren, welche eine sehr 
starko Anfangswirkung von intensivem Sonnenlicht erfordern, 
um in dem betreffenden Farnenbezirke eine kräftige Wirkung hervor- 
zubringen; diese Farbstoffe können nur bei der Spectrum Photographie 
des directon Sonnenlichtes, elektrischen Bogen lichtes von einigem Werthe 
sein, sind aber unverwendbar zur Aufnahme farbiger Oelgemälde im 
Atelier mit stärker geblendeten Objectiven. Es ist also das Verhalten 
der Sensibilisatoren nicht nur bei intensivem Liebte in kurzer Belichtungs- 
zeit;, sondern auch bei schwachem Lichte und längerer Exposition zn 
prüfen, respective die „charakteristische Curve" zu ermitteln. Nur 
jene Sensibilisatoren, welche eine geringe Anfangswirkung schwächt 
Lichtes erfordern, sind für die photographische Praxis werthvoll 1 ). 



fände 

; 

Qgen 



XIII. 



Elnfluss der Lichtquelle auf den Verlauf der 
Sensibilisirungs- Erscheinungen. 

Die vorhin erwähnten graphischen Darstellungen der Wirk' 
von Furbeusonsibilisatorcn beziehen sich auf directes Sonnenlicht, 
dessen Anfangswirkung vermöge seiner grossen Intensität in der Kegel 
sehr günstig ist (s. Fussnote 4 auf S. 163). Aber auch die relative 
qualitative Zusammensetzung der farbigen Stralilencomponenten der ver- 
schiedenen Lichtquellen kommt in Betracht. Schultet man gelbe Schirme 
vor, so wird aus dem Bonnenlichte ein Theil der violetten und blauen 
Strahlen verschluckt, und naturgemäss tritt die Wirkung der nunmehr 
geschwächten blauvioletten Strahlen hinter jene der gelben (grünen und 
rothen) zurück, was bereits oben erwähnt und in Fig. 7 dargestellt wurde- 

Aehnliche Wirkungen erhält man, wenn man statt des weissen Sonnen- 
lichtes gelblieb gefärbte Lichtquellen, z. B. Kerzen-, Petroleum- oder Gas- 
licht (Argandbrenner) benutzt. Auer'schos Gasglühlicht, Jlagnesiumlicht. 
Drunimond'sclies Kalklicht nähern sich in der Farbe mehr dem Sonnenlicht-:-. 






1) Eder, Zusammenhang von Orthoehromasie und charakteristischer Curve 
photographiseber Flatteu (i'hot. Coiresp. 1S99. S. 535). 



Ueber die Wirkung des Sonnenspectnuns etc. 



165 



Die Verschiedenartigkeit der spectralen Beschaffenheit dieser Licht- 
quellen verursacht auch eine andere relative Wirkung der verschieden- 
farbigen Spectralzonen auf ein und dieselbe Plattengattung. 

Eder photographirte (Sitzungsber. d. Kais. Akad. d.Wissensch. in Wien, 23. April 
1885) das Spectrum von Kerzenlicht (Hefner'sche Amylacetat -Lampe) im Stein - 
heil' sehen Glasspectrographen und verglich die Intensität der einzelnen Theile dieses 
Spectrams mit derjenigen des Sonnenlichtes, des blau phosphorescirenden Schwefel- 
Calciums und des Magnesiumlichtes. 

Die photographischen Aufnahmen zeigen die in Fig. 13 abgebildeten Resultate, 
wenn die Intensität der Wirkung im Blau gleich stark ist. Nr. 1 in Fig. 13 zeigt 
das Bild des Sonnenspectnuns auf Bromsilber -Gelatine, welches das Maximum der 
Wirkung bei O x j 2 F hat. Die Wirkung erstreckt sich noch kräftig, aber allmählich 
abnehmend weit über das sichtbare Violett hinaus ins Ultraviolett gegen M. Nr. 2 
stellt das Spectrumbild des brennenden Amylacetates dar. Dieses erstreckt sich nicht 
so weit ins Ultraviolett, ja ist sogar im sichtbaren Violett (0 bis ff) schon sehr 
schwach. Das Maximum der Wirkung liegt weiter gegen Hellblau, viel näher gegen 



N M L 



KU 



O 



F E 



D 



CB A 




He' 










Hjii 












Fig. 13. 
1. Spectrum des Sonnenlichtes, auf Bromsilber - Gelatine photographirt. — 2. Spectram des 
brennenden Amylacetates, auf Bromsilber - Gelatine photographirt. — 3. Spectrum des blau 

phosphorescirenden Schwefelcalciums. 

F als im vorigen Falle. Bei längerer Belichtung wächst die Intensität des Spectrum- 
bildes des Amylacetates bei F und weiter gegen Grün bedeutend an Intensität, jedoch 
bleibt die Wirkung im Violett und Ultraviolett immer relativ sehr schwach. Daraus 
geht hervor, dass das brennende Amylacetat relativ sehr arm an violetten und ultra- 
violetten Strahlen (im Vergleich mit dem Sonnenlichte) ist und dass die relative 
Helligkeit im Blau sehr überwiegt. Sehr stark ist auch die Helligkeit im Grün , Gelb 
und Roth, was bei orthochromatischen Platten sehr zur Geltung kommt. 

Die Photographie des Spectrums einer gewöhnlichen leuchtenden Gasflamme 
gleicht sehr derjenigen des Amylacetates. 

Es ist deshalb durchaus nicht gleichgültig, ob man die relative Farbenompfind- 
lichkeit orthochromatischer Platten gegen Blauviolett einerseits und gegen Grün, Gelb 
und Roth andererseits bei Sonnenlicht oder Gaslicht, Kerzenlicht oder elektrischem 
Glühlichte prüft. 

Die schwankende relative Empfindlichkeit nicht sensibilisirter und 

verschiedener sensibilisirter Platten gegen verschiedenartige Lichtquellen 

(Tages-, Petroleum-, elektrisches Bogenlicht etc.) hängt hiermit zusammen. 

Ueber das differente Verhalten von Eosin- oder Cyanin- Bromsilberplatten etc. 
gegen das Spectrum von Lampenlicht machte Eder (Sitzungsber. d. Kais. Akad. d. 
Wissensch. in Wien, 17. Dec. 1885) genauere Angaben. 



166 



Dritter Theil. Fünfzehntes CapiteL 



Eder dehnte die photometrischen Versuche auf Bromsilber-, Jodbromsilber-, 
Chlorsilber- Gelatine, nasses Jodbrom- Co llodion und gefärbte (eosinhaltige) Bromsilber - 
Gelatine aus und bezog Tageslicht, Gaslicht, Amylacetatlicht, blaues Phosphores- 
cenzlicht (von "Warnerke's Sensitometer) und Magnesiumlicht in seine Unter- 
suchungen ein 1 ). 

Die Resultate sind übersichtlich in nachstehender Tabelle geordnet. 



Die Lichtempfindlichkeit 


Lichtempfindlichkeit 




für die Lichtquelle 


von 


von 






Bromsilber- Gelatine ver- 


nassem Jodbrora-Collo- 






hält sich zur. . . . 


dion wie .... 


1 : IV, 


Tageslicht 


desgl. 


desgl. 


1 : IV.. 


blaues Phosphores- 
cenzlicht 


desgl. 


desgl. 


1 : V« 


Amylacetatlicht 


desgl. 


Chlorsilber - Gelatine 








■wie 


1 • */. bis 7, 


Tageslicht 
Amylacetatlicht 


desgl. 


desgl. 


1 : Vi. bis V*o 


desgl. 


desgl. 


1 : 3 / 4 bis 1 


Magnesiumlicht 


desgl. 


eosinhaltiger Bromsil- 








ber-Gelatine wie . 


1 : V. ^8 7xo 


Tageslicht. 


desgl. 


desgl. 


1:1 bis 1 


Amylacetatlicht 


desgl. 


desgl. 


1 : 10 bis 60 


Natriumlicht*). 


desgl. 


Jodbro in -Gelatine (fer- 
tige Bromsilber- Ge- 
latine mit 10 bis 
20 Proc. Jodsilber - 








Gelatine gemischt) . 


1:7, bis7 8 


Tageslicht 


desgl. 


desgl. 


1:17, bis 2 


blaues Phosphores- 
cenzlicht 



Daraus folgt deutlich, dass das Verhältniss der Empfindlichkeit verschiedener 
lichtempfindlicher Substanzen sehr bedeutend schwankt, je nach der Qualität der Licht- 
quelle. Diese Schwankungen sind so bedeutend, dass sie beim ungefärbten Brom- 
silber und beim eosinhaltigen Bromsilber das Hundertfache ausmachen können, je 
nachdem man es bei Tageslicht oder gelbem Natriumlicht prüft. Auch bei Gaslicht 
ist der Unterschied auffallend. 

Bei Brom- und Chlorsilber - Gelatine schwankt z. B. das Verhältniss der 
Empfindlichkeit beider um das Zehnfache, bei Bromsilber- und Jodbromsilber- Gelatine 
um das Zwei- bis Vierfache, je nachdem man bei Tageslicht oder Amylacetatlicht 
(oder was ungefähr dasselbe ist, bei Gas- oder Kerzenlicht) die sensitometrische Ver- 
gleichung vornimmt. 

Der Schlüssel zu dieser Erscheinung liegt selbstverständlich in der verschiedenen 
Farbenempfindlichkeit der einzelnen photographischen Präparate. Andererseits zeigen 
auch die Spectra verschiedener Lichtquellen eine abweichendo Helligkeit in den ver- 
schiedenen farbigen Theilen ihres Spectrums. Z. B. ist das Licht des brennenden 



1) Sitzungsber. d. Kais. Akad. d. Wissen seh. in Wien. H. Abth. 1885; Monats- 
hefte für Chemie. 1885. 

2) Eine nicht leuchtende Gasflamme, in welche Chlornatrium eingeführt wurde. 



TJeber die Wirkung des Sonnenspectrums etc. 



167 



Amylaoetates, ferner Gas- und Kerzenlioht, relativ sehr reich an rothen, gelben, grünen 
und hellblauen Strahlen, dagegen sehr arm an dunkelblauen, violetten und ultra- 
violetten; von diesen letzteren aber enthält das Tageslicht eine reichliche Menge. Das 
Speotrum des blauen Phosphorescenzlichtes 8. 8. 165. Weiter folgt daraus, dass weder 
die photoraetrischen Bestimmungen bei Gas- oder Amylacetatlicht, noch jene bei 
blauem Phosphorescenzlicht oder Magnesiumlicht auch für Tageslicht Geltung haben. 
In einigen Fällen nähern sich die Resultate des Amylacetatlichtes mehr dem Tages- 
lichte, als das Phosphorescenzlicht; in anderen Fällen aber nicht Arbeitet man da- 
gegen mit ein und derselben Silberverbindung (z. B. Bromsilber) in verschiedenen 
Graden, der Reife, so sind die Resultate nicht so abweichend. Wenn die Empfind- 
lichkeit einer durch Digestion „gereiften" Bromsilber -Gelatine bei der Probe in 
Warnerke's Sensitometer (Phosphorescenzlicht) sich als zweimal so empfindlich als 
vor dem Reifen erwies, so fand Edor ungefähr dasselbe Resultat beim Tageslichte. 

AuchAbney 1 ), Giffard*) U.A. stellten Versuche über Wirkung verschieden- 
farbiger Lichtquellen an. 

Noch auffallender werden die Unterschiede, wenn man die rela- 
tive Empfindlichkeit der gewöhnlichen orthochromatischen Platten hinter 
farbigen Gläsern prüft; die Gläser sollen annähernd reine Spectral- 
bezirke durchlassen, wie man es z. B. für Dreifarbendrucke von den 
Blau-, Grün- und Kothscheiben verlangt 

Unter Benutzung farbiger Gläser stellte Eckhard 3 ) Versuche an. 

Relative Empfindlichkeit der verschiedenen Plattensorten hinter blauen, grünen 
oder rothen Scheiben, bezogen auf eine gewöhnliche Bromsilberplatte ohne Filter = 1. 

Lichtquelle : Benzinkerze. 



Plattenso r te 



Gewöhnliche Bromsilberplatte . 

Eosin 

Cyanin 

Coerulein S 

Nigrosin B 



Filter 



Blau 



Grün 



Roth 



/ISO 

7« 
7,. 



1, 

'176 



V, 



84 



V 

7: 



17G 



137 



Spur 

/348 
/lOt 



Aus dieser Tabelle geht hervor, dass das Vorschalten des blauen Glases die 
Lichtwirkung auf ein Achtel herabdrückt, dass die Eosinplatte gegen blaues Licht 
dieselbe Empfindlichkeit aufweist wie die ungefärbte Platte und dass die Nigrosin - 
und Coeruleinplatte für die blauen Strahlenbezirke an Empfindlichkeit merklich, wenn 
auch nicht bedeutend gelitten haben. Die Cyaninplatten waren dagegen bedeutend 
unempfindlicher geworden. 

Die Eosinplatte weist, wie zu erwarten war, von den geprüften Plattensorten 
die grösste Grünempfindlichkeit auf; sie erforderte aber immerhin eine elfmal längere 
Belichtungszeit als eine gewöhnliche Platte hinter der Blauscheibe. 



1) Edef s Jahrbuch f. Phot. 1896. S. 128. 

2) Eder's Jahrbuch f. Phot. 1896. S. 173. 

3) Phot Corresp. 1897. S. 124. 



168 Dritter Theü. Fünfzehntes Capitel. 

* Au Rothempfindlichkeit ist die Nigi-osiujilatfe allen anderen Platten überle- 

indem bei Anwendung von Heuxiuli'.'lit die 1 ifäic-htuogszeit hinter dorn Ruthfilter 
ungefähr 13 mal länger genommen werden musste als Tür die Blauplatte. 

Die Oyaninplaite eigah bei dieBen Versuchen die schlechtesten Resultate 
lieh kaum eine Bildspur, was dadurch zu erklären ist, dass die benutzte RoÜlBchi 
Gelb und Orange stark absch neidet, so dass die Orange - Empfindlichkeit der Cyi 
platte gar nicht zur Geltung kommen konnte. 

Geändertes "Verhalten sensibilisier Platten bei elektris. hem 
Licht. Die unter Benutzung der Benzinkerzo als Lichtquelle erhaltenen relativun 
Empfindlichkeiten der beschriebenen rinttousorten stimmen bei den Aufnalimea von 
Gemälden mittels elektrischen Lichtes dun haus nicht mit den thatsächlichen Expositions- 
zeiten überein. Der Grund liegt darin, dass die HelligkeitgverthBilnng der Farben 
bei Kerzenlicht und elektrischem Licht bedeutend anders ist, und zwar muss die Be- 
lichtung hinter der Rethselieil'O bei Anwendung von elektrischem Licht viermal länger 
genommen werden, als nach den Versuchen mit der Benziukerze berechnet; das 
elektrische Licht ist nämlich an rothen Strahlen relativ ärmer und an blauen Strahlen 
reicher als das Beuxinkerzenlicht. 

Bei elektrischem Liebt muss eine gewühiili'-iie Bromsilliei-phitto hinter blauen 
Glasern die Belichtungszeit = 1 bekommen ; Kusinplatten hinter grünem Glas benöthigen 
dann die Exposition = 8 und Nigrerin Ä-Flatten (8,8.185) die Exposition -= 50 
(Eckhard). 



XIV. Heber die Art, Bromsilber- Gelatine zu färben, 

Die Sensibilisatoren erweisen sich als ausserordentlich verschieden 
bezüglich der Empfindlichkeit, welche sie den Bromsilberplatten gegen die 
weniger brechbaren Strahlen (Roth, Gelb) zu crtheilen vermögen; ai 
die Art und Weise, wie man mit ihnen Bromsilberplatton färbt, ist 
Einfluss auf das Resultat. 

Das Färben der Bromsilber-Gelatine kann in zweifacher Weise 
geschehen: entweder durch Zusetzen von Farbstoff zur flüssigen Emul- 
sion oder Baden der fertigen trockenen Platte in der wässerigen oder 
auch alkoholischen Losung (letztere wirkt in der Regel weniger günstig 
als eine wässerige Lösung, da Alkohol in die Gelatine schlecht eindringt). 

Bei der Fabrikation von Trocken platten pflegt man den Fiirliciisensiliilisatur d>-i 
gewaschenen, medergeeehmoLceaeo Emulsion zuzufügen und dieselbe dann auf die 
Glasplatten mittels der Giessmasehine zu giessen. Erythros)!!- oder Eosinplatten etc. 
kann man auch erfolgreich dadurch herstellen, dass man die Farbstoffe bei der Her- 
stellung (meistens Siltaroxydamnioniak -Emulsion 1 ) vor dem Mischen (also entweder 
zum Bromsalz oder zur Silberoxydammoniak-Losung) zusetzt; die Quantität des Farb- 
stoffs muss dann reichlich sein, weil Iwim nachträglichen Wasehungsprocess wieder 
viel (aber niemals aller) Farbstoff entzogen wird. 

Bei der Herstellung im Kleinen (für Versuchszwecke) ist 
Sensibilisiren durch Baden käuflicher Trockenplatten in der Farl 



l 

& 

- 



1) In diesem Falle muss der Farbstoff beständig gegen Ammoniak sein. 



TJeber die Wirkung des Sonnenspectmms etc. 169 

lösung bequemer. Es wirken sogar die gebadeten Platten häufig besser, 
besonders wenn man Ammoniak zusetzt, in welchem Falle jedoch vor- 
ausgesetzt wird, dass der Farbstoff durch Ammoniak nicht zerstört 
wird. Diese Vortheile der „Badeplatte" äussern sich in grösserer Farben- 
empfindlichkeit 1 ). 

Günstig wirkt ein Vorbad der Platte mit wässerigem Ammoniak. 
V. Schumann 1 ) empfiehlt zur Herstellung orthochromatischer Platten ein Vorbad von 
100 ccm "Wasser und 0,25 bis 2 ccm Aetzammoniak, worin sich die Schicht lockert; 
nach 2 Minuten nimmt man sie heraus, lässt abtropfen und badet in einer Cyanin- 
lösung (100 Theile Wasser, 1 bis 2 Theile Ammoniak, 5 bis 10 Theile Alkohol, 2 bis 
5 Theile alkoholische Cyaninlösung 1 : 500) durch 2 bis 4 Minuten und trocknet 

Analoges günstiges Verhalten gegen ein derartiges Ammoniakvor- 
bad zeigen viele andere Farbstoffe, z. B. Eosin und Erythrosin 8 ), Nigro- 
sin 4 ), Glycinroth etc. Mitunter wird auch Zusatz von Alkohol zum 
Ammoniakvorbade empfohlen (80 ccm Wasser, 20 ccm Alkohol und 
2 ccm Ammoniak nach P. Kuh 5 ), um rascheres Trocknen zu be- 
wirken; in diesem Falle ist es gut, auch dem darauffolgenden Farbbade 
entsprechend Alkohol zuzusetzen, um die Bildung von Schlieren zu 
verhindern. 

Es genügt ein oberflächlicher Contact des Farbstoffs mit der Bromsilber -Gela- 
tine, um eine nachweisbare Farbeasensibilisirung zu erzielen. Man kann z. B. Brom- 
silber-Gelatineplatten durch Ueberziehen mit gefärbtem Collodion oder alkoholischen 
Lösungen (welche nicht tief eindringen) sensibilisiren , worauf zuerst Abney 8 ), dann 
Ives 7 ) aufmerksam machten; jedoch ist diese Art der Sensibilisirung in den meisten 
Fällen ganz ungenügend 8 ), man erhält sehr unempfindliche Platten, weil der Farb- 
stoff am besten wirkt, wenn er innig mit dem Bromsilber vermischt ist 9 ). Dennoch 
gibt es einzelne Fälle, wo rein alkoholische Farbstoff lösungen zum Sensibilisiren er- 
folgreich verwendet werden können, z.B. gibt alkoholische Cyaninlösung, auf Brom- 
silber- Gelatineplatten aufgetragen und getrocknet, allerdings eine schlechte Sensibili- 



1) Fertige Emulsionsplatten in Eosinlösung gebadet, sind viermal mehr empfind- 
lich für Gelbgrün, als dieselbe Emulsion (in geschmolzenem Zustande) mit der Farbe 
gemischt (Schumann, October 1885). Aehnlichcs gilt für Erythrosin und alle 
Farben der Eosin- und Cyaningruppe. 

2) Phot Wochenbl. 1885. S. 395;-, 1886. S. 49. 

3) Mallmann und Scolik (Phot. Corresp. 1886. S. 140). 

4) W. Eckhardt (Phot. Corresp. 1897. S. 124). 

5) Phot Corresp. 1898. S. 243. 

6) Phot. News. 1888. 

7) Ives machte den Vorschlag, die Gelatineplatten mit einer alkoholischen 
Farbstofflösung (1:1700) zu überziehen, wonach getrocknet, dann mit Wasser ab- 
gewaschen und getrocknet wird (Eder's Jahrbuch f. Phot 1890. S. 59), was Botham- 
ley ohne Nutzen fand (a. a. O.). 

8) Wellington, Prinzle (Phot News. 1888. S. 415). 

9) H. W.Vogel (Phot. Mitth. 1888. Bd. 25, S. 117). 



170 



Dritter Tneil. Fünfzehntes Capite!. 



einiDg; legt man aber die Platten schliesslich noch für kurze Zeit in "Wasser, so 
quillt die Emulsion nuf, es löst sich etwas Cyanin und dringt oberflächlich ob, und 
die Platte zeigt in nassem Zustande gute Orange -Empfindlichkeit (s. S. 182). 

Ein deutlicher Beweis, wie Farbstoffe je nach ihrer Behandlung beim Seosi- 
bilisiren vod T rocke d platten verschieden wirken können, liefert z.B. das Cyaoin, 
welches H. Hinterberger') genau studirte. 




Er äussert Bioh hierfLbeE f^Igöndermaassen : 

Weissenberger empfahl die Broinsilber-Oclatiueplattcn in sehr v 
Cjaninlösung (1:5000000), welche mit einer Spur Essigsaure farblos gemacht war, 
ku baden und dann zu trocknen; die Essigsäure verdampft und lässt das Cyaoin 
wieder mit blauer Farbe zurück, welche bei dieser geringen Co i iccut ratio n wenig sen- 
sibilisirt (Fig. 14, Nr. 1), so dass das Orange karnn wirkt. Nr. 2 zeigt den Effect 
eines 10 mal, Nr. 3 eines 100 mal und Nr. 4 eines 1000 mal eoncentrirtaten Farb- 
bades nach Weissenherger's System (Essigsaurezusatz). 



1) Eder's Jahrbuch f. Phot. 1897. 



:. 379. 



TJeber die Wirkung des Sonnenspectrums etc. 171 

1. Bei Steigerung des Cyaningehaltee nimmt die Blauempfindlichkeit ab und 
die Empfindlichkeit für Orange, Gelb, Gelbgrün und Roth zu. 

2. Die Empfindlichkeit für letztere Farben mit Ausnahme des schmalen Stückes 
bei A wird bei sehr hohem Cyaniogehalte in Folge von Schirmwirkung abgeschwächt. 

Die beste Variante der "Weiss enb er ger* sehen Methode war: Baden in einem 
Gemisch von 1 Liter Wasser, 2 cem alkoholischer Cyaninlösung (1 : 500) und Zusatz 
von einem Tropfen Essigsäure; Badedauer 1 bis 2 Minuten, dann Trocknen. 

Debenham empfahl: Baden der Platte in rein alkoholischer Cyaninlösung 
(1:2000), Trocknen an der Luft in absolut finsterem Räume (was einige Minuten 
dauert), Baden in reinem Wasser (2 bis 3 Minuten lang) und Exponiren in nassem 
Zustande. 

Die Schlussergebnisse der Hinter berger 'sehen Yergleichung waren: 

1. Schumann's Methode (s. S. 169) ist unsicher, gibt meist unreine und ver- 
schleierte Platten. 

2. Weis 8 enb erger 's Methode ist sicher; die Platten arbeiten sehr klar, sind 
ziemlich empfindlich, jedoch erstreckt sich ihre Empfindlichkeit nur auf Blau und 
einen schmalen Bezirk im Orange zwischen C und D. 

3. Debenham' s Methode ist sicher; die Platten sind ziemlich rein und sehr 
empfindlich. Die Farbenempfindlichkeit erstreckt sich über Roth, Orange, Gelb, Gelb- 
grün und Blau bis Dunkelblau und ist nur durch Minima im Roth bei a und Grün 
zwischen E und F unterbrochen (Fig. 14, Nr. 5). Als Nachtheil derselben ist anzu- 
führen, dass sie feucht exponirt werden müssen. 

Gemische von Cyanin und Chinolinroth (sog. „Azalin") können sowohl 
in neutraler, als ammoniakalischer, als essigsaurer Lösung angewendet werden. 

XV. Praktisch rerwerthbare Sensibilisatoren für Blaugrün 

und Grün. 

Die gewöhnlichen Bromsilber -Gelatineplatten besitzen neben ihrer 
enormen Empfindlichkeit für Ultraviolett, Violett und Blau eine geringe 
Empfindlichkeit für Hellblau an der Grenze gegen Grün. Schon nächst 
der Fraunhofer'schen Linie F vermindert sich die Wirkung des Sonnen- 
spectrams auf Bromsilber- Gelatine stark. 

Nur wenige Farbstoffe bewirken eine Sensibilisirung, welche sich 
an die Eigenempfindlichkeit des Bromsilbers im Blaugrün eng an- 
schliesst und auf diese Weise ein geschlossenes Band der Sensibili- 
sirung gegen Grün gibt Für spectralanaly tische Zwecke, bei welchen 
der Bezirk um die Fraunhofer'sche Linie F zu photographiren ist, leistet 
nach den Erfahrungen des Verfassers immer noch Jodbromsilber-Emulsion 
(Silberoxydammoniak -Methode) mit 5 Proc. Jodsilber (höchstens 10 Proc. 
Jodsilber) die besten Dienste, weil diese Platten immerhin ein ganz 
erhebliches Stück weiter gegen Grün empfindlich sind als reine Brom- 
silber- Gelatineplatten. 

Eine weiter gegen Grün fortschreitende Wirkung kann man mittels 
Sensibilisatoren erzielen, welche aus den Keihen der gelben oder 



172 



Dritter Tlieil. Fünfzehntes Capitel. 



orangefarbigen Farbstoffe entnommen werdon. Diese besitzen im 
Allgemeinen Absorptionsbänder im Blau bis Blaugrün, und zwar um 
so weiter vorscbreitend gogen Grün, je mebr die Nuance des Farb- 
stoffs sich dem Orange niibert. Dementsprechend findet man unter 
ihnen Farbstoffe, welche für Blaugrün bis Grün das Bromsilber sensi- 
bilisiren. 

Von gelben Farbstoffen kommen einige als Sensibilisatoren 
für Dunkelgrün und Grün in Betracht. Zu den brauchbaren dieser 
Art gehören die Acridinfarbstoffe. Zuerst wurde als Grünsensibili- 
sator dieser Gruppe das Chrysanilin (Nitrat des Diamidophenyi- 
acridin) entdeckt. Es wirkt sowohl in neutraler als ammoniaka lisch er 
Lösung. 

Nach Lohse 1 ) und Eder s ) verändert Chrysanilin die Wirkung 
des Sonnen speetrums auf damit gefärbte I'romsilher- Gelatine iu merk- 
würdiger Weise: Die Wirkung dos Violett und Ultraviolett sinkt, im 
Blau (bei G 2 / 3 F) zeigt sich eino intensive Schwärzung, welche gegen ff 
allmählich abnimmt, durch das Grün fortläuft und vor D verschwindet 
(Curve 26, Fig. 9). Dadurch erscheint die Curve, verglichen mit jener 
des reinen Bromsilbers, weiter nach Grün verschoben (Fder). Chry- 
sanilin (bezogen von Schuchard in Görlitz) wird als Bad benutzt, 
welches man durch Mischen von 2 cem der warm gesättigten alko- 
holischen Lösung von Chrysanilin auf je 100 cem Wasser herstellt 
Darin werden die Trockenplatten 2 bis 3 Minuten lang gebadet. Ein 
stäikerer Zusatz der Farbstofflösung bewirkt zwar eine unscheinbare 
Verbreiterung des Sensibilisirungsbandes, doch wird die Gesamnit- 
empfindlichkeit bedeutend herabgesetzt. Ammoniakzusatz wirkt ni 
theilig (Ruh 3 ). 

Grössere Empfindlichkeit weisen Badeplatten mit Aeridingel 
von der Firma A. Leonhard in Mühlheim (Hessen) auf. IKt >'; 



1) 0. Lohse fand in i.'iner Com.«ntration von 0,004 g Farbstoff, 
moniak und 100 com "Wasser als Sensibilisatoren für Gelbgrün und Grün: Chrysanilin, 
salpetersaures Chrysanilin, sal/.sam -es lliainiijiiazok-tizol. Dagegen nicht oder wenig 
wirksam folgende gelbe Farbstoffe: Orthonitroplienül, Ürthünitroanilin, ParanitroanBia, 
Metanitroauilin, Tuymochinon, Phenantlirochinon, Chrysoph ansäure, Tropäobn 00, 
Quercitrio, Gelbholzextract, Aloe, Diamidobeuzol , Amidoazobemol, N'itrosodimelbyl- 
aniliu, Ficraniiusäure, Martiuagelb, Diamantgelb, Tropäolin J (Phot. Archiv. ISfii. 
S. 221; auch Phot. Mitth. Bd. 21, S. 130). 

2) Sitzungsber. ü. Kais. Akad. d. Wissensch. in Wien, Deoeraber 1884. 

3) Phot. Corresp. 1898. S. 243. 

4) Acridiugelb und Orange wurden von Eder und Valenta als gute 
sensibilisatoren erkannt (Phot Corresp. 1894. S. 227}. 



unit- 



Ueber die Wirkung des Sonnenspectrums etc. 173 

Stoff ißt das Chlorhydrat des Diamido-Dimethylacridins; er ist 
in Wasser schwer, in heissem Alkohol leichter mit gelber Farbe und 
intensiv grüner Fluorescenz löslich. Man muss zur Sensibilisirung ge- 
sättigte wässerige Lösungen verwenden, oder besser gesättigte alkoho- 
lische Lösungen mit gleichen Theilen Wasser verdünnen. Acridingelb- 
Bromsilber-Gelatineplatten zeigen die günstigste Grünempfindlichkeit 
indem beim Photographiren des Spectrums (im Sonnenspectrographen) 
ein geschlossenes Band von D 1 / 2 E bis gegen das Violett auftritt Aus 
diesem Grunde wird das Acridingelb nicht nur für die Spectrumphoto- 
graphie, sondern auch zu Zwecken des polychromen photographischen 
Druckes brauchbar sein. 

Die beste Wirkung gibt nach Ruh ein Bad (Dauer der Ein- 
wirkung 2 Minuten) von 30 bis 50 ccm einer alkoholischen, heiss ge- 
sättigten filtrirten Acridingelblösung mit 100 ccm Wasser. Dabei tritt der 
Uebelstand auf, dass die photographische Platte ziemlich intensiv gelb 
gefärbt wird und nach dem Fixiren die Gelatine erst wieder mit Alko- 
hol entfärbt werden muss. Ammoniakhaltiges Vorbad oder Zusatz von 
Ammoniak zum Farbbade ist zu vermeiden, da Zersetzung des Farb- 
stoffs eintritt. 

Auch Acridinorange (Eder und Valenta), dann Acridin- 
orange NO (bezogen von Leonhardt in Mühlheim), sowie das ver- 
wandte Benzoflavin II (von der Farbenfabrik Oehler in Offenbach) 
wirken günstig im Grün bis um D ins Gelb (Eberhard 1 ); der letzt- 
genannte Farbstoff gibt eine schöne Wirkung continuirlich von Blau- 
violett bis E) bei Concentration tritt ein Maximum bis E bis F auf. 

Tropäoline wirken im Allgemeinen schwach, jedoch zeigen nitrirte Tropäo- 
line, z. B. Helianthin, etwas bessere Wirkung (Eder). 

Salzsaures Diazoamidobonzol sensibilisirt in schwach ammoniakalischer 
Lösung für Grün. 

Fluorescein ist ein gelber Farbstoff, welcher in ammoniakalischer Lösung 
Bromsilber- Gelatineplatten für Grün massig sensibilisirt (vergl. Curve 20, Fig. 9, 
wo auch ersichtlich ist, dass die nassen Fluorescein platten andere Sensibilisirungs- 
verhältnisse zeigen als die trockenen); die geringe Wirkung des Fluoresceins hindert 
seine Verwendung in der Praxis 2 ). Das Benzylfluorescein (Chry solin) wirkt 
ähnlich, nur erstreckt sich die Wirkung weiter ins Gelb. Auch das Chlor fluores- 
cein, ferner Binitrofluorescein, Tetranitrofluorescein, Chlornaphthalin- 
säure, Nitrobenzylfluorescein sind schlechte Sensibilisatoren mit geringer Wir- 
kung im Grün. 



1) Phot. Corresp. 1899. S. 142; Eder's Jahrbuch f. Phot. 1899. S. 103. 

2) Es ist bemerkenswerth , dass Fluoresceinsilber für Bromsilber -Collodion ein 
kräftiger Sensibilisator ist, dagegen wirkt Fluorescein für Gelatineplatten nur 
wenig. 



174 Dritter Theil. Fünfzehntes Capitel. 

XVI. Sensibilisatoren für Orfin Ms Gelb. 

Während Fluorescei'n auf Bromsilber- Gelatine nur ein schwacher 
Sensibilisator ist 1 ), erweisen sich die höher bromirten oder jodirten Ab- 
kömmlinge desselben als ganz gewaltige Sensibilisatoren für Grün bis 
Gelb. Der Hauptrepräsentant dieser Gruppe lebhaft rother Farbstoffe 
ist das Eosin (Natriumsalz des Tetrabromfluorescein 2 ). Die Sensibili- 
satoren der Eosingruppe schliessen ihr Sensibilisirungsband allerdings 
nicht an das Band der Eigenempfindlichkeit des Bromsilbers an, sondern 
lassen zwischen Hellblau und Blaugrün ein Minimum der Wirkung er- 
kennen, so dass die Farbensensibilisirung erst für Grün, Gelbgrün und 
mehr oder weniger weit bis Orangegelb deutlich wird. Je mehr violett 
die Nuance der Eosinfarbstoffe ist, desto weiter ins Orange reicht das 
Sensibilisirungsband. Jedoch wirken die verschiedenartigen Farbstoffe 
in ganz variabler Weise auf die Gesammtempfindlichkeit der gefärbten 
Platte ein, so dass ihre praktische Verwendbarkeit hierdurch in hohem 
Grade beeinflusst wird. 

Die bedeutendste Wirkung als Sensibilisator für Grün bis Gelb 
hat das Erythrosin (Natriumsalz des Tetrajodfluorescei'n), welches von 
Eder als mächtigster Sensibilisator dieser Gruppe erkannt und in die 
Photographie (1884) eingeführt wurde 3 ). 

Das Eosin zeigt das Maximum der Sensibilisirung zwischen E 
und D mehr im Grün, ohne die Fraunhofer'sche D zu erreichen, 
während Erythrosin das Sensibilisirungsband weiter gegen Gelb (bis 
ins Orangegelb über D hinaus) hinausrückt. Letzteres gibt bei farben- 
tonrichtigen Aufnahmen besser den Helligkeitswerth von Gelb als das 
erstere und ertheilt den Bromsilber- Gelatineplatten im Allgemeinen eine 
höhere Empfindlichkeit für Gelbgrün als Eosin. Allerdings fehlt den 
Erythrosinplatten die Rothempfindlichkeit, sie sind aber die beliebtesten 
orthochromatischen Platten des Handels, sobald es nicht speciell auf 
Rothempfindlichkeit ankommt. 

Für Dreifarbendruck ist mitunter Eosin vorzuziehen, weil es sich 
besser auf die Wiedergabe des Grün allein beschränkt und die Nega- 
tive contrastreicher werden, als bei Anwendung von Erythrosin. Es 
ist die Empfindlichkeitssteigerung durch Erythrosin im Grüngelb viermal 
grösser als bei Eosin. 



1) Fluorescei'nsilber ist für Bromsilber- Collodiou aber ein kräftiger Grünsensi- 
bilisator. 

2) Es ist bomerkenswerth , dass Monobromfluorescein schwach wirkt 

3) Yergl. „Zur Geschichte der orthochromatischen Photographie mit Erythrosin" 
(Phot. Corresp. 1890. S. 455). 



Ueber die Wirkung des Sonnenspectrums eto. 175 

Durch Eintritt von 2 bis 4 Atomen Chlor in das Eosin erhält man 
das Phloxin, welches eine rothe Farbe mit Blaustich ist; durch Ein- 
tritt von Chlor in Erythrosin steigt der Blaustich noch mehr. Diese 
letzteren bläulichrothen Farben heissenRose bengale, wovon es mehrere 
Sorten gibt Das Rose bengale, welches dem Dichlortetrajodfluorescein 
entspricht, untersuchte Eder 1 ); ein anderes Rose bengale, das dem 
Tetrachlortetrajodeosin entspricht, geben Eder und Valenta 2 ) als jenen 
Sensibilisator der Eosingruppe an, welcher besonders weit für Orange 
(Dy^C) sensibilisirt, aber an Gesammtempfindlichkeit weit hinter dem 
Erythrosin zurückbleibt 

Bei Gegenwart von Ammoniak tritt die Wirkung bei Erythrosin und Eosin be- 
deutend kräftiger hervor und erstreckt sich dann — reichliche Belichtung voraus- 
gesetzt — weiter gegen die weniger brechbaren Strahlen. Zwischen der Hauptwirkung 
im Blau und dem schwächeren Maximum im Gelbgrün tritt bei Erythrosin und ähn- 
lichen Farben noch ein weniger deutliches bei E auf, welches den Uebergang der 
"Wirkung im Gelb und Blau vermittelt. 

Auch die anderen Eosinfarben erwiesen sich als optische Sensibilisatoren für 
Gelbgrün und Gelb, nämlich: Methyleosin (Methylerythrin), Aethyleosin, 
Phloxin (Kalisalz des Tetrabrom dichlorfluorescein), Cyanosin (Methyläther des 
Phloxin) und Saf rosin (Bromnitrofluorescein). Das Band der Sensibilisirung liegt 
zwischen jenem von Eosin und Rose bengale, je nach Lage des Absorptionsstreifens. 
Die erzielbare Lichtempfindlichkeit ist jedoch nicht bei allen gleich (vergl. S. 157). 

Lässt man das Sonnenlicht durch gelbes Glas oder eine Lösung von Kalium- 
bichromat (1:1000) fallen, bevor es in den Spalt des Spectralapparates eintritt, so 
wird das Ultraviolett, der grösste Theil des Violett und Blau bedeutend geschwächt 
Dadurch steigt die relative Helligkeit des Spectrums im Gelbgrün, Gelb und Orange. 
Durch Eosin in richtiger "Weise gefärbte Bromsilber -Gelatine gibt dann ein Spectrum- 
bild, in welchem die Schwärzung im Gelbgrün diejenige im Blau etc. weitaus überwiegt. 

Sowohl bei Erythrosin als bei Eosin steigt die Gelbempfindlich- 
keit mit der Concentration 8 ) der Sensibilisirungsflüssigkeit bis zu einem 
gewissen Grade. 



1) Phot. Corresp. 1884. S. 95 und später (Sitzungsber. d. Kais. Akad. d. Wissensch. 
in Wien. Dec. 1885). 

2) Ueber neuere Arten von blaustichigem Rose bengale s. Eder und Valenta 
(Phot Corresp. 1894. S. 227). 

3) V. Schumann badete Bromsilberplatton in ammoniakalischen Erythrosin- 
lösungen von folgender Concentration: a) 1:170 000, b) 1:85 000, c) 1:28 000, 
d) 1 : 14 000, e) 1 : 7000; es erschien: 

das Blau das Gelb also Blau Gelb 

bei a mit 13 bis 14 Secunden, mit 5 bis 6 Secunden wie 1 : 2 bis 2 1 / 9 

» b , U „ 4 bis 5 „ „ 1 : 3 bis 3 1 /, 

„ c „ 12 bis 13 „2 „ , 1 : ö 1 /, 

„ d und e „ 6 bis 8 „ „1 „ „ 1 : 6 bis 8. 

Die Emulsion gewann also mit Vermehrung des Farbstoffs an Gesammt- und Gelb- 
empfindlichkeit; auch gewann der Beleg im Gelb an Intensität, und konnte die Zunahme 
der Kraft noch bei den beiden stärksten Lösungen bemerkt werden (Phot. Corresp. 1889). 



176 Dritter Theil. Fünfzehntes Capitel. 

0. Ruh bestimmte über Anregung von Eder an der k. k. Graphi- 
schen Lehr- und Versuchsanstalt in Wien die günstigsten Sensi- 
bilisirungsarten einiger Eosinfarbstofie und verwandter Substanzen, 
sowie ihre relative Wirkung. 

Als beste Vorschrift für Erythrosin -Badeplatten wurde gefunden: 
Erythrosin (Tetrajodfluoresceinnatrium) wirkt in rein wässeriger 
Lösung schwächer als bei Zusatz von Ammoniak; am günstigsten je- 
doch mit Ammoniakvorb'ad mit folgenden Concentrationen: 

Vorbad: 

Wasser 100 ccm, 

Ammoniak 2 „ 

Darin werden die Platten während 2 Minuten gebadet und dann 
in das Farbstoffbad von 

Wasser 100 ccm, 

Ammoniak 2 „ 

Erythros! nlösung 1 : 500 6 „ 

während 2 Minuten gebracht. Dann wird im Finstern getrocknet. Das 
Vorbad wirkt sehr günstig ein und steigert die Empfindlichkeit be- 
deutend. Der Ammoniakzusatz von 2 ccm auf je 100 ccm Wasser ist 
als Maximum anzusehen; darüber hinaus entsteht häufig Schleier; manche 
Platten vertragen sogar nur 1 ccm Ammoniak. 

Die nach obigem Recepte hergestellten Platten zeigen hohe Empfind- 
lichkeit und ein breites intensives Sensibilisirungsband von D bis in 
das Grün (D 3 / A E); dasselbe ist breiter und besser gegen Blau an- 
schliessend, als bei anderen Arten der Sensibilisirung. Die Blauempfind- 
lichkeit erscheint etwas gedrückt. Derartige Erythrosinplatten wurden 
als Normalplatte für die vergleichenden Spectrumphotographien mit den 
folgenden Farbstoffen benutzt 

Ein wesentlich gesteigerter Zusatz von Erythrosin ist nicht zu 
empfehlen, da die Gelbempfindlichkeit bis zu einer gewissen Grenze 
zwar dieselbe bleibt, das Sensibilisirungsband im Gelbgrün jedoch schmäler 
wird, da die allzu grossen Farbstoffmengen in der Schicht den Zutritt 
von Licht, entsprechend ihrer Absorption, hindern und sogen. „Schirm- 
wirkung" veranlassen. Bei Ueberladung mit Farbstofflösung wird die 
Gesammtempfindlichkeit namhaft herabgesetzt. 

Eine nach dem gleichen Recepte 1 ) mittels Eosinlösung (Tetra- 
bromfluorescei'nkalium) hergestellte Eosinplatte zeigt sich im gelbgrünen 

1) Von Eosin kann man übrigens dio doppelte Menge Farbstoff als wie beim 
Erythrosin nehmen, denn es tingirt schwächer. 



Uober die "Wirkung des Sonnenspectrums etc. 177 

Bezirke viermal unempfindlicher als die Erythrosinplatte. Auch ist das 
Sensibilisirungsband schmäler und schroff ansteigend. 

Günstiger wirksam als gewöhnliches Eosin erwiesen sich Aethyl- 
eosin (Kalisalz des Tetrabromfluoresceinäthyläthers) und Methyleosin 
(Kalisalz des Tetrabromfluoresceinmethyläthers), bezogen von Monnet 
& Co., die ein breiteres Band und ein wenig schrofferes Maximum 
zeigten. Auch ist die Empfindlichkeit der beiden letztgenannten Farb- 
stoffe eine höhere als die des gewöhnlichen Eosins. Da das Sensibili- 
sirungsmaximum dieser Farbstoffe annähernd an derselben Stelle liegt, 
wie beim gewöhnlichen Eosin (oder nur unbedeutend weiter gegen Gelb 
zu), so könnte für eventuelle praktische Arbeiten das Eosin durch 
Aethyl- oder Methyleosin ersetzt werden 1 ). Phloxin (Tetrabromdichlor- 
fluorescei'n) wirkt ähnlich. 

Eose bengale (Tetrajodtetrachlorfluoresceünkalium) erreicht wohl 
auch im günstigsten Falle nie die Empfindlichkeit des Erythrosins, sensi- 
bilisirt aber weiter gegen Orange (bis etwas über D). Es muss dreimal 
verdünnter als das Erythrosinbad angewendet werden 2 ). 

Eosinsilbef ist ein rother Niederschlag, welcher sich beim Mischen von Eosin 
mit Silbernitrat bildet. Die Farbe ist mehr bläu! ich roth als jene des Eosins; in Am- 
moniak löst sich der Niederschlag unter Zersetzung, indem sich Eosin und Silberoxyd- 
ammoniak bildet; beim Verdunsten bildet sich wieder Eosinsilber und bleibt zurück. 
Auch in Essigsäure löst sich Eosinsilber. Der Absorptionsstreifen liegt weiter gegen 
Orange, als jener von Eosin. 

Eosinsilber ist für sich allein lichtempfindlich, wie Robert Amory im Januar 
1878 bekannt machte (Journ. Phot. Society of Great Britain, Juni 1884). H. "W. Vogel 
theilte mit, dass Bromsilber- Gelatine sehr stark für Gelb sensibilisirt und gab an, 
dass Eosinsilber in Gelatine -Emulsion eine etwa zehnmal grössere Gelbempfindlichkeit 
bewirkt als Eosin allein. Auch wird das Sensibilisirungsmaximum weiter gegen das 
rothe Ende des Spectrums vorgeschoben (Phot. Mitth. Bd. 23, S. 74). 

Obernettor stellte auf diese AVeise orthochromatische Platten bereits im Juni 
1886 her;*) H. W. Vogel (mittels Eosinsilber oder Rose bengale -Silber) im Juni 1886, 
oder mit Erythrosinsilber im November 1880 (Eder, Phot. Corresp. 1887. S. 36). Man 
mischt entweder den Farbstoff unmittelbar mit Silberuitrat und Ammoniak oder fällt 
nach Mallmann und Scolik (Nov. 1886; Phot. Corresp. 1887. S. 37) Erythrosin- 
silber, wäscht es und löst es in wässerigem Ammoniak; dieselben fällen 50 ccm einer 
Erythrosinlösung (1 : 1000) mit Silbemitrat, waschen den Niederschlag und lösen ihn 
in 2 bis 4 ccm Ammoniak und 20 ccm Wasser, worauf man die Flüssigkeit mit Wasser 
auf 200 bis 300 ccm verdünnt und die Platten darin badet (Phot. Corresp. 1886. 
S. 589; Eder's Jahrbuch f. Phot. 1887. S. 312). Diese Platten arbeiten jedoch häufig 
schleierig. 

Ueber Obernetter's und VogeTs Vorschrift s. unten. 

1) Entscheidend ist die charakteristische Curve in der Region der Sensibilisirung 
für die jeweilige praktische Verwendung (s. S. 173 und folgendes Capitel). 

2) Ruh, Phot. Corresp. 1898. S. 243. 

3) Vergl. Obernetter, Eder's Jahrbuch f. Phot. 1889. S. 139. 
KU er, Handbuch dor Photographie. III. Theil. 5. Aufl. 12 



178 Dritter Theil. Fünfzehntes Capitel. 

Dr. E. Zettnow fand (Phol. Corresp. 1889), dass Erythrosinsilber bei Gegen- 
wart von Bromkalium zersetzt wird (in Bromsilber und Erythrosin), dass jedoch der 
Farbstoff das Bromsilber in Lösung hält und zwar ungefähr das 2 1 /, bis 7 fache seines 
Gewichtes. Aehnlich verhält sich Chlor- und Jodsalz. 

In reinem Wasser löst sich Erythrosinsilber im Verhältnisse von 1 : 60 000 bis 

1 : 80 000, je nach der Sorte des Erythrosins. 

Methyleosinsilber löst sich in 1125 Theilen Wasser; Rose bengale- Silber dagegen 
erst in 100 000 Theilen Wasser. 

Bei Eosinsilber und Methyleosinsilber ballt sich der in Wasser vertheilto Nieder- 
schlag nach 6 bis 8 Tagen zusammen und setzt sich am Boden fest, bei Rose bengale - 
Silber und Erythrosinsilber lässt sich der Niederschlag tadellos noch nach Monaten 
aufschütteln. 

Dr. Zettnow untersuchte Eosin, Erythrosin, Methyieosin und Rose bengale 
sowio derou Silberverbindungen im Spectrum und fand: 

1. Dass Erythrosin und Erythrosinsilber den anderen Eosinen so ausserordent- 
lich überlegen ist, dass nur dieser Farbstoff in Betracht kommen kann, wenn es sich 
darum handelt, eino Platte von starkor Gelb- und hoher Gesammtempfindlichkeit her- 
zustellen. 

2. Es zeigte sich, dass der Unterschied zwischen der mit dem reinen Farb- 
stoff und seiner Silberverbindung gefärbten Emulsion sehr gering ist; durchschnittlich 
zeichnet die Silbervorbindung eine Wenigkeit brillanter. Unter Umständen genügt 
schon der Bromkalium- oder Chorgehalt des in der gewaschenen Emulsion zurück- 
gehaltenen Wassers, um die Silberverbindungen umzuwandeln. Nach Zettnow hat 
man in solchen Fällen bei Gelatine -Emulsionen die schliesslicho Wirkung nicht der 
Silberverbindung zu verdanken, sondern dem freien Erythrosin 1 ). Versetzt man ab- 
sichtlich Erythrosin - Emulsion mit einer löslichen Silber Verbindung, so dass dieselbo 
vorherrscht, so erhält mau je nach der Menge des leicht reducirbaren Silbersalzes 
schwachen oder starken dichroitischen Rothschleier. 

3. Die Eosine und die wässerigen Lösungen ihrer reinen Silberverbindungen 
zeigen dasselbe Spectrum, dagegen die festen Silbervorbindungen ein anderes; be- 
sondere auffallend ist der Unterschied bei Rose bengale -Silber. 

Zur Herstellung von Erythrosinsilber -Emulsion stellt Zettnow eine Bromsilber- 
Muttor- Emulsion her, welche 2 Proc. Jodsilber enthält; diese ist im Allgemeinen 
empfindlicher als reine Brom -Emulsion und schädigt die orthochromatische Wirkung 
nicht. Die Emulsion (z. B. Edor's Silberoxydammoniak -Emulsion) muss sehr gut 
gewaschen werden, schliesslich in vielmal gewechseltem destillirtem Wasser, um alle 
Spuren löslicher Bromide zu entfernen. Das Erythrosinsilber wird hergestellt aus 

2 g reinem Erythrosin (von Schuchard in Görlitz oder aus Höchst a. M.), welches 
in 250 cem destillirtem Wasser gelöst und filtrirt wird. Die Lösung wird auf 70 bis 
80 Grad C. erwärmt, mit 1 g Silbemitrat gelöst, in 20 cem Wasser versetzt; der 
rasch sich absetzende Niederschlag von Erythrosinsilber wird auf einem Riter ge- 
sammelt, mit der Spritzflasche ein- bis zweimal gewaschen und dann der Niederschlag in 
einen Glaskolben oder ein Messgefäss von 200 cem gebracht (genaue Marke bei 200 cem!). 
1 cem der gut aufgeschüttelten Flüssigkeit entspricht also 10 mg des ursprünglich ver- 



1) Auch nach E. Vogel ist nicht nur Erythrosin (Tetrajodfluoresceinnatrium), 
sondern auch Erythrosinsilber ein kräftigerer Sensibilisator, sowohl für Gelatine - 
als Collodionplatten, als Eosin und Eosinsilber (Phot. Mitth. Bd. 34, S. 218). 



Ueber die Wirkung des Sonnenspectrunis etc. 179 

wendeten Erythrosins. Vor dem Gebrauche fügt man zu 10 com dieser Erythrosinsilber- 
Flüssigkeit tropfenweise verdünntes Ammoniak (1 : 10), soweit um den rothen Nieder- 
schlag gerade aufzulösen (unter Vermeidung jedes Ammoniaküberschusses). Man ver- 
setzt dann 1 kg geschmolzener Bromsilber -Gelatine -Emulsion mit 10 com Silbernitrat- 
lösung (1 : 500) und fügt dann 10 ccm der ammoniakalischen Erythrosinsilberlösung zu. 
Der Zusatz von Silbernitrat soll lediglich Reste von Alkali -Bromiden oder Chloriden 
zersetzen. 

Derartige Erythrosinsilberplatten haben dieselben Sensibilisirungsbänder, wie die 
mit Ery th rosin gefärbten; ihre Gesammtempfindlichkoit ist gleich jenor der Mutter - 
Emulsion, während reine Erythrosinplatten (ohne Silbernitrat) in der Substanz ge- 
färbt nur beiläufig die halbe Empfindlichkeit gegen Tageslicht aufweisen, als die 
Mutter -Emulsion; allerdings letztere haltbarer ist als erstere (Zettnow, Eder's Jahr- 
buch f. Phot. 1890. S. 170). 

Erythrosin- oder Erythrosinsilberplatten weisen bei der Prüfung im Spectrum 
gegenüber Petroleumlicht eine achtmal grössere Empfindlichkeit gegen Gelb als gegen 
Blau auf. Im Sonnenspectrum ist die Anfangs Wirkung im Blau und Gelb gleich 
gross, bei längerer Belichtung nimmt aber die Deckung im Gelb rascher zu, so dass 
man immerhin die Gelbempfindlichkeit zwei- bis dreimal grösser als die Blauempfind- 
lichkeit setzen kann. Trotzdem werden bei der Photographie von farbigen Pigmenten 
mittels der Camera die gelben Stellen nicht genügend kräftiger als die blauen repro- 
ducirt (Zettnow, Eders Jahrbuch f. Phot. 1890. S. 173). 

In der Eeihe der Eosirtfarbstoffe finden wir also vortreffliche, allen 
Anforderungen der Praxis entsprechende Sensibilisatoren für Grün, ins- 
besondere Gelbgrün und Gelb. Dies gilt nicht nur von den Farbstoffen 
der Eosingruppe im engeren Sinne des Wortes, sondern auch von ent- 
fernteren Verwandten der Eosinfarbstoffe, welche gleichfalls Fluorescei'n 
zum Ausgangspunkte haben. 

Naphtofluoresce'in (von Bayer & Co. in Elberfeld) ist ein guter Sensibilisator, 
dessen Sensibilisirungsband drei Maxima aufweist, und zwar liegt das stärkste Maximum 
bei D, während die beiden schwächeren Maxima im Orange und gegen Roth zu liegen. 
Pas Band wächst mit steigendem Farbstoffgeh alt des Sensibilisirungsbades in Bezug 
auf Breite und Intensität und es ergab sich als bestes Recept das folgende: 

Vorbad: 

"Wasser 100 ccm 

Ammoniak 2 „ 

Man badet darin die Trockenplatte durch 2 Minuten , lässt hierauf gut abtropfen 
und bringt dieselbe ins 

Farbstoffbad: 

"Wasser 100 ccm 

Ammoniak 2 „ 

Naphtofluoresceinlösung 1 : 500 12 „ 

Die Platte wird 2 Minuten darin belassen und hierauf getrocknet. Bei Ueber- 
ladung mit Farbstoffzusatz (z. B. 24 ccm Farbstofflösung auf 100 ccm "Wasser) leidet 
das Band in Bezug auf Breite. Die Blauwirkung ist nicht so stark herabgedrückt 

12* 



180 Dritter Theil. Fünfzehntes Capitel. 

wie bei Rose bengale oder Erythrosin, so dass sich bei der Photographie farbiger 
Objecto mit viel Blau die Anwendung einer dunkleren Gelbscheibe empfehlen dürfte. 

Bromnaphtofluoresceiu (von Bayer & Co. in Elberfeld) gibt ein schmales Sensi- 
bilisirungsband. Steigender Farbstoffgehalt des Sensibilisirungsbades macht das Band 
zwar breiter und intensiver, doch ist dasselbe selbst bei dem günstigsten Farbstoff - 
zusatzo von 12 com der Lösung 1 : 500 auf je 100 ccm Wasser und 2 Proc. Ammoniak 
nicht befriedigend (Ruh 1 ). 

Die Rhodaminfarbstoffe sind in chemischer Beziehung verwandt mit den 
Eosinfarbstoffen und wirken auch sensibilisirend für Gelbgrün*), ohne an "Wirksam- 
keit bei der Herstellung orthochromatischer Platten das Erythrosin zu erreichen. 

Das Rhodamin wurde zuerst von Water house 3 ) als Sensibilisator angegeben, 
dann von Bothamley 4 ) versucht und gute Sensibilisirung für Grüngelb mit einem 
Maximum nächst D und einer schwachen Orangewirkung bis über D gefunden; der 
Farbstoff verträgt Ammoniak. Seine Wirkung wird aber von Erythrosin übertroffen. 
Später untersuchten Eder und Valenta 5 ) eine Anzahl von verschiedenen Rhodamin- 
farbstoffen von der badischen Anilin- und Sodafabrik, von welchen Rhodamin 2B 
(d. i. Tetraäthylrhodaminäthylester) ein Sensibilisirungsband von E*/ A D bis D 1 /, C liefert. 
Auch Rhodamin 10 O (von Bindschedler in Basol) sensibilisirt von E bis 2>, aber 
Erythrosin ist überlegen (Eberhard 6 ). 

Die Sachareine sind Farbstoffe, welche sehr gut als Sensibilisatoren wirken; 
das Saccharoeosin steht bezüglich seiner Constitution dem Eosin nahe und sensi- 
bilisirt fast wie dieses (Valenta 7 ). 

Cyclamin, welches gleichfalls zu den Fluoroscei'nderivaten gehört 8 ), wirkt 
noch weiter ins Orange als Rose bengale. Bei hoher Concentration [100 ccm Wasser, 
10 ccm Farblösung (1 : 500), 2 ccm Ammoniak, 1 ccm Silbernitrat (1 : 50)] reicht das 
Sensibilisirungsband von C 1 /.^ bis E (Eberhard ). 

Pyronin (von Leonhard in Mühlheim) ist verwandt den Rhodaminfarben. 
Es sensibilisirt massig (weniger als Eosin) für Grün bei E*I S D (Weissenberger 10 ). 
Acridin Scharlach, ein Gemisch von Pyronin und Acridinorange, gibt ein kräftiges 
Sensibilisirungsband im Grün (Valenta). 

Aber auch unter der Reihe anderer rother Farbstoffe, welche mit dem Eosin 
gar nicht verwandt sind, finden sieh gute Sensibilisatoren. 

Chinolinroth ist ein rother Farbstoff, welcher schön fluorescirt und ein guter 
Sensibilisator für Grün und Gelb ist (II. W. Vogel). Dio Wirkung des Spectrums ist 
beiläufig jener auf Erythros in platten ähnlich, jedoch gibt letzteres kräftigere Bilder 



1) Phot. Corresp. 1808. S. 243. 

2) Eder und Valenta, Phot. Corresp. 1K94. S. 227. — Vergl. auch Eberhard, 
Phot. Corresp. 1899. S. 84. 

3) Eder's Jahrbuch f. Phot. 1891. S. 423. 

4) Eder's Jahrbuch f. Phot. 1892. S. 392. 

5) Phot. Corresp. 1894. 8. 227. 

6) Phot. Corresp. 1899. S. 84. 

7) Phot. Corresp. 1899. Januarheft. 

8) Es ist Thiodichlortetrabromfluorescein. — Das ähnlich zusammengesetzte Rose 
des alpes wirkt analog. 

9) Phot Corresp. 1899. S. 83. 

10) Eder's Jahrbuch f. Phot. 1894. S. 513. 



Ueber die Wirkung des Sonnenspectrums etc. 181 

und ist viermal empfindlicher im Gelbgrüo. Es wird gegenwärtig für sich allein 
nicht als Sensibilisator verwendet, wohl aber in Gemischen mit Cyanin. 

Ghinolinroth. Das Sensibilisirungsband liegt beiläufig zwischen jenem des 
Erythrosin und Rose bengale, jedoch zeigt letzteres eine intensivere Sensibilisirung 
im Orangegelb. Als bestes Recept ist anzusehen: Wasser 100 ccm, Chinolinrothlösung 
1:500 1 bis 2 ccm, worin die Platten gebadet werden (ohne Ammoniak -Vorbad). 

Höherer Farbstoffzusatz drückt die Allgemeinempfindlichkeit herab und hat auf 
die Verbreiterung des Sensibilisirungsbandes keinerlei Einfluss. Die Empfindlichkeit 
der sensibilisirten Stelle im Gelbgrün ist viermal geringer als die des Erythrosins (Ruh). 

Die Benzidinfarbstoffe, deren Hauptrepräsentant das Congoroth ist, und 
wozu Benzopurpurin, Bordeaux extra, a-Naphtolroth gehören, sind orange- 
rothe bis violettrothe Farbstoffe , welche für Gelbgrün bis Gelb (zwischen E und D) sen- 
sibilisiren. An diesen Farbstoffen stellt Eder zuerst den Einfluss von isomeren Farb- 
stoffen auf Bromsilber fest 1 ). Das hierher gehörige Congo, Benzopurpurin, 
Benzopurpurin 42?, dann Orange R, Orseiiline, Bordeaux extra, Rougo Suisse, 
a-Naphtholroth sind orangerothe bis violettrothe Farbstoffe, welche chemisch ver- 
wandt sind. Die Lichtempfindlichkeit des Bromsilbers im Sonnenspectrum wird durch 
diese Farbstoffe um ein breites Band im Grün bis Gelb oder Orange (E bis über D) 
erhöht Die Sensibilisirung schliesst enge an das normale Spectrumbild auf Brom- 
silber an; ein scharf ausgeprägtes Maximum ist bei geringem Farbstoffzusatze nicht 
zu beobachten, sondern die AVirkung des Lichtes setzt sich von E bis D (oder bei 
Benzopurpurin 42?, Congo und den mehr tiefrothen Farben mitunter bis über C) fort. 
Bei stärkerem Farbstoffzusatze trennt sich die Wirkung im Gelbgrün von jener im 
blauen Theile des Spectrums durch eino Stelle schwächerer Empfindlichkeit, oder die 
Empfindlichkeit gegen die Strahlen von E bis D wird in höherem Grade gesteigert, 
als für Strahlen von E bis F (s. Curvo 4; die punktirte Curve stellt den Verlauf 
des Spectrumbildes bei längerer Belichtung dar. Als Sensibilisatoren wirken diese 
Farbstoffe weniger als Eosinfarben. 

Congorubin (von der Berliner Actiengesellschaft für Anilinfabrikation) sensi- 
bilisirt im breiten Bande von Gelbgrün bis Orange (C bis D i / i ^)\ am besten in der 
Mischung I: 10 ccm Farblösung (1 : 500), 2 ccm Ammoniak und 200 ccm Wasser 
(Valenta*). 

Safran in ist ein mittelmässig guter Sensibilisator für Grün. Seine Wirkung 
erstreckt sich bei genügend langer Belichtung bis etwas über D. Die Wirkung im 
Grün stieg bei Eder 's Versuchen zu keinem starken Maximum an, sondern verläuft 
bis E, wonach die Curve der Wirkung gegen Blau rasch aufsteigt (Curve 25). Auch 
gewisse Arten von Po nee au bewirken einen ähnlichen Effect, z. B. Ponceau 3Ä, 
Phenolponceau, Bibericher Scharlach (die letzteren wohl nur in geringem 
Grade), sowie Grenadin (ein Abfallsproduct bei der Anilinroth -Erzeugung), welches 
bei kurzer Belichtung das Spectrumbild an beiden Enden verkürzt und kräftiger macht, 
bei längerer aber bis D sensibilisirt (Eder 3 ). 

Anilinroth sensibilisirt schwach für Gelbgrün (E 2 j 3 D), Säurefuchsiu aber 
gar nicht Rothes Corallin wirkt ziemlich schwach (im Gelb) und zwar bei Gegen- 
wart von Ammoniak. Naphthalinroth (Magdalaroth) gibt ein Maximum bei D 
im Gelb, aber die Empfindlichkeit ist nicht gross. 



1) Sitzungsber. d. Kais. Akad. d. Wissensch. in Wien, Juni 1880. 

2) Phot. Corresp. 1897. S. 129 u. 185. 

3) Sitzungsber. d. Kais. Akad. d. Wissensch. in Wien, December, 1884. 



182 Dritter Theil. Fünfzehntes Capitel. 

XVII. Sensibilisatorcii für Orange und Roth. 

Der älteste ziemlich gute Orangerothsensibilisator ist Cyanin. Da 
Cyanin durch lange Zeit der einzige bekannte, praktisch verwendbare 
Orangesensibilisator war, so gewann er ziemliche Verbreitung und wird 
noch ab und zu im Dreifarbendruck benutzt. Die besten Methoden der 
Verwendung des Cyanins s. S. 170. Cyanin ist durch mehrere andere 
Roth- und Orangesensibilisatoren aber nicht nur erreicht, sondern über- 
holt worden. 

Cyanin ist bei Bromsilber -Gelatine ein ziemlich gutor Sensibilisator für Orange 
und Roth, wie Eder gleichzeitig mit Schumann fand. Dies gilt in erster Linie vom 
Jodcyanin, das ist das gewöhnliche Cyanin (Chinolinjodcyanin). Bei kurzer Exposition 
erhält man neben der kräftigen Blauwirkung auch eine weniger starko Wirkung 
zwischen D und C (D l / a C bis D l / 2 C) 1 während im Grün und Gelb nur wonig von 
einer Schwärzung bemerkbar ist (Curve 14). Bei längerer Belichtung erstreckt sich 
die Wirkung vom blauen Theil continuirlich bis nach B im Roth. Dabei tritt ein 
Minimum der Wirkung vor E auf (F*/ a E); dann folgt ein schwaches, nicht immer 
leicht erkennbares Maximum vor D (E 3 / A D) und das erwähnte stärkere bei D l / 9 C. 
Die überwiegende Hauptwirkung erfolgt aber, falls man kein gelbes Glas vorschiebt, 
im Blau (Curve 14). Ganz ähnlich vorhält sich Chior-Cyanin, Sulfat-Cyanin 
und Nitrat-Cyanin, jedoch wirkt das Jod -Cyanin betreffe der Empfindlichkeit der 
damit gefärbten Platten am günstigsten , bei allen vier Cyaninarten liegt das Maximum 
der Orangeempfindlichkeit an derselben Stelle. Die Gesammtempfindlichkeit der Cyanin- 
platten gegen weisses Licht ist geringer als die von ungefärbten Platten (vielleicht 
V 10 oder Vß)* die relative Orangeempfindlichkeit jedoch mehr als ICO mal grösser 
(Eder). 

Gemische von Cyanin mit Chinolinroth verwendete H.W.Vogel zur Er- 
zeugung seiner Azalinplatten, welche Obernetter und Perutz in München fabri- 
cirten. Chinolinroth Ist ein guter Sensibilisator für Grün und Gelb, während die Roth- 
empfindlichkoit durch einen Zusatz von Cyanin erreicht wird. Mallmann und Scolik 
analysirten das Azalin und machten dessen Zusammensetzung bekannt; sie fanden, 
dass das Mischungsverbältniss von Chinolinroth und Cyanin, welches dem Azalin ent- 
spricht, 10:1 ist. Sie empfehlen 1 g Chinolinroth in 500 cem Alkohol zu lösen und 
eine Lösung von 0,1 g Cyanin in 50 cem Alkohol zuzusetzen. Die Bromsilberplatten 
können in einer Mischung dieser Farbstoff lösungen mit 100 Th. Wasser und etwas 
Ammoniak gebadet werden (Eder's Jahrbuch f. Phot. 1888. S. 310; Phot. Corresp. 
1886. S. 335). 

Gemische von Cyanin mit Eosin oder Ery th rosin wurden öfter verwendet, 
um die mangelnde Rotbempfindlichkcit der letzteren durch Cyanin zu corrigiren. 
Curve 18, Fig. i) zeigt das Spectrumbild auf Cyanin -Eosin platten; die punktirte Curve 
entspricht einem Ueberschuss von Eosin , die ausgezogene oinem Uoberschuss von Cyanin. 
Diese Farbstoffgemischo zeigen jedoch nicht die reine Wirkung eines jeden einzelnen; 
der eine beeinträchtigt den andern. Bei schwachem Lichte dominirt die Eoain- oder 
Erythrosinwirkung unverhältnissmüssig stark. Man verwendet diese Gemische derzeit 
wohl wenig in der Praxis. 

Giffard combinirte Cyanin mit Phosphin (Phosphin ist = Chrysanilin s. 
S. 172), um Orange- mit Grünempfindlichkeit zu voreinigen (Eder's Jahrbuch f. Phot 
1896. S. 173); Dr. Neuhaus mit Glycinroth (Eder's Jahrbuch f. Phot. 1900. S. 188). 



Uflber die Wirkung des Sonnen 5 yeotr ums etc. 183 

Unter den violetten Theerfarbstoffen finden wir Orange- 
sensibilisatoren, welche in der Regel ihr Sensibilisirungsmaximum mehr 
im Gelb bis Orangegelb besitzen, während die blauen Farbstoffe meistens 
weiter gegen Roth zu sensibilisiren ; dies geht z. B. aus den Curven 
Fig. 8, S. 158 hervor, wo die Sensibilisirungsmaxima von Methylviolett 
etc. nach Eder's Spectrumphotographie (1884; s. S. 142) skizzirt sind. 
Neuere, stärker sensibilisirende Sorten von Anilinviolett, nämlich Aethyl- 
violett von der Badischen Anilin- und Sodafabrik, welches bei Gelatine- 
platten ein kräftiges Maximum zwischen C und D und ein zweites 
schwächeres bei D l j t E gibt, ferner Formylviolett S, iß, von Cassella 
ABC D E F k H 




in Frankfurt a. M-, untersuchte E. Valenta'). Das Formylviolett wirkt 
selbst bei sehr kurzen Belichtungen kräftig. Es ist das saure Natrium- 
salz der Tetraäthyldibenzylpararosanilindisulfosäuro, und bildet 
ein blauviolettes Pulver, welches sich in Wasser leicht mit blauvioletter 
Farbe löst Die wässerige Lösung färbt neutrales Bromsilber leicht an. 
Der Farbstoff gibt, in der Verdünnung 1:50 000 mit 1 bis 2 Proc. 
Ammoniak als Badeflüssigkeit angewandt, eiu kräftiges Band von Cbis 
2), mit deutlichem Maximum bei C l / 3 D. Bei längerer Belichtung tritt 
noch ein zweites, von D bis Z) 3 / 4 .E reichend, hinzu, so dass das Sen- 
sibilisirungsband bei langer Belichtung von C bis fast nach E reicht, 
wobei es der Blauwirkung an Kraft nicht viel nachsteht. Fig. 15 zeigt 
die Spectrumphotographie (Gaslicht; kleiner Spectrograph ä viridi directe) 
auf einer Formylviolett- Badeplatte nach E. Valenta. 

1) Phot. Corrttsp. 1900; Eder's Jahrbuch f. Phot 1900. 



184 Dritter Theil. Fünfzehntes Oapitei. 

Unter den blauen Alizarinfarbstoffen finden sich gleichfalls 
Rothsensibilisatoren. 

Die Gruppe der Alizarinfarbstoffe ist von Eberhard 1 ) genau 
untersucht worden. Als Rothsensibilisator wirkt z. B. Alizarinblau, 
oder noch besser Alizarinblaubisulfit 2 ) (Eberhard). Die Mischung des 
Farbstoffes mit Ammoniak zersetzt sich aber rasch und muss stets frisch 
bereitet werden. 

Badet man ca. 3 Minuten eine hochempfindliche Schleussner- Platte in folgen- 
der Mischung: 

Alizarinblaubisulfit, Wasserlösung 1:500 . . . 4 com, 

Ammoniak 1 „ 

Wasser 100 „ 

trocknot (das Trocknen muss möglichst rasch erfolgen!) und belichtet sie im Spectro- 
grapbon, so zeigt sich die hohe Empfindlichkeit für die Gegend C bis A, und zwar 
tritt etwa zwischen B bis G eine stärkere, zwischen B bis a eine etwas schwächere, von 
a bis über A eine kräftige Wirkung auf; die Intensitätsunterschiede zwischen diesen 
drei Bezirken sind übrigens nicht gross. Bei längerer Belichtung ist noch ein grosses 
Stück Infraroth wirksam. Die Sensibilität fällt von Blau, wo die Wirkung sehr stark 
ist, bis E langsam, dann rascher, bat bei D ein Minimum, steigt dann bei C rasch 
wieder an und verläuft in der oben beschriebenen Weise. Die Rothempfindlichkeit 
zwischen C bis A ist gut. Bei Zusatz einiger Tropfen Sübernitratlösung ist die Wir- 
kung eine noch viel kräftigere, die Empfindlichkeit noch viel weiter in das Ultraroth 
gehend. Verwendet wurde folgendes Bad während 3 Minuten: 

Alizarinblaubisulfit, in Wasser golöst (1 : 500) . 4 com, 

Ammoniak 1 „ 

Silbernitratlösung (1 : 40) 6 bis 10 Tropfen, 

Wasser 100 ccm. 

Solche Platten müssen natürlich möglichst bald verwendet werden und sind 
nur kurz haltbar. Das Maximum um die A- Linie herum hebt sich noch kräftiger 
ab (Eberhard 3 ). 

Anthracenblau (Schuchard) steigert die Rothempfindlichkeit 

Anthracenblau WOG in Toigform (von der Badischen Anilin- und Sodafabrik) 
gibt in Mischungen von 100 ccm Wasser, 6 ccm Farblösung (5 : 1000) und 2 ccm 
Ammoniak eine kräftige Sensibilisirung von Roth bis Gelb (B l / i C bis über D) (Valenta). 

Die mit dem Magdalaroth verwandten blauen und violetten Farbstoffe: Naph- 
tylblau, Naphtylviolott, Azocarmin, Azindonblau sind mittelmässige Roth- 
sensibilisatoren ( Va 1 e n t a *). 

Die besten Orange- und namentlich Rothsensibilisatoren wurden 
in den letzten Jahren unter grossen Gruppen wenig brillant gefärbter, 
sondern mehr oder wenig blauschwarzer, grauvioletter und dunkel- 



1) Phot. Corresp. 1896. S. 375. 

2) Zuerst von Waterhouse (Eder's Jahrbuch f. Phot. 1890. S. 309 und 1891. 
S. 432), dann von Rayleigh und Higgs (ebond. 1892. S. 392) empfohlen. 

3) Eder's Jahrbuch f. Phot. 189(3. S. 447. 

4) Phot. Corresp. 1897. S. 129 u. 185. 



Ueber die Wirkung des Sonnenspectrums etc. 185 

brauner Farbstoffe gefunden, welche unausgesprochene, ja sogar tinten- 
artig getrübte Farbennuancen aufweisen. 

Die erste Angabe, dass unter dieser Kategorie von Farben gute 
ßothsensibilisatoren sind, machte Eder, nachdem er die unter den Namen 
„Induline" sowie „Nigrosine" in den Handel kommende schwärz- 
lichblauen oder grauvioletten Farbstoffe untersucht hatte. Er theilt mit 1 ), 
dass jene Induline oder Nigrosine, darunter das „Bleu Coupier", welche 
aus Nitrobenzol und salzsaurem Anilin hergestellt sind, gut im Orange 
sensibilisiren, ebenso Indulin aus Nitrophenol. 

Bleu Coupier bewirkt eine Sensibilisirung für die weniger brechbaren Strahlen, 
welche dadurch bemerkenswerth ist, dass sich zwei Maxima geltend machen: Eines 
im Grün, das andere im Orange bei D l / t C 9 ). 

Wird dieser Farbstoff als wässeriges Bad (2 bis 6 ccm einer Lösung 1 : 400 
auf 100 ccm Wasser nebst '/» l" s 1 Proc. Aetzammoniak) angewendet, so tritt das 
Maximum im Orange stärker hervor (die Mitte des Maximums auf dem photographi- 
schen Spectrumbilde liegt bei X = 623 mm Wellenlänge). Jedoch ist eine schwach 
sensibilisirende Wirkung für die gesammten weniger brechbaren Strahlen bis über A 
bemerkbar, was besonders bei Anwendung gelber Schirme (z. B. Chrysoidinlösung) 
hervortritt; die Partie vou D bis G (oder B) prägt sich besonders deutlich aus, da- 
gegen ist die Wirkung im äusseren Roth schwächer (dio Wirkung dieses Farbstoffes 
bei kürzerer und längerer Belichtung zeigt Curve 3). Natürlich verhalten sich andere 
Handelssorten des nach dem „Nitrobenzol verfahren" hergestellten Indulin im Spectro- 
graphen analog. Immer tritt das charakteristische Maximum zwischen Cund D auf 3 ). 

Beim Indulin aus Nitrophenol und salzsaurem Anilin fand 
Eder (1884 a. a. 0.), dass es bei genügend langer Belichtung eine sen- 
sibilisirende Wirkung vom Grün bis ins äusserste Roth gibt Bei dieser 
Sorte bemerkt man eine schwache Steigerung dieser sensibilisirenden 
Wirkung gegen das rothe Ende (a bis A). Diese selbe Sorte von Farb- 
stoff stellt die Farbenfabrik von F. Bayer in Elberfeld als „Nigrosin B u 
her und wurde unter dieser Bezeichnung auch von Eberhard besonders 
empfohlen. 4 ) Dieser Farbstoff war (nebst Alizarin blaubisulfit, s.d.) der erste 
Rothsensibilisator, welcher gut bis ins dunkle Roth von B bis A wirkte 
und überdies seine Wirkung über Orange, Gelb und Grün erstreckte; aller- 
dings ist die Orangeempfindlichkeit nicht so bedeutend wie beim Cyanin 6 ), 



1) Sitzungber. d. Kais. Akad. d. Wissensch. in Wien, 1884. 

2) Eder, Ueber das Verhalten der Haloid Verbindungen des Silbers etc. siehe 
Sitzungsber. d. Kais. Akad. d. Wissensch. in Wien, II. Abth., Bd. 90, Dec.-Heft 1884. 

3) Bei reichlicher Belichtung verbreitet sich das Maximum und verschwimmt 
mit dem Maximum im Grün. 

4) Eder's Jahrbuch f. Phot. 1897. S. 165 u. 382. — Eberhard untersuchte noch 
viele Nigroßinfarbstoffe (Phot. Corresp. 1896. S. 116 bis 124) und bezeichnete das 
Nigrosin B als einen der besten Eothsensibilisatoren. 

5) Eberhard versuchte Nigrosin mit Cyanin und anderen Farbstoffen zu com- 
biniren, jedoch mit geringerem Erfolge (Eder's Jahrbuch f. Phot. 1897. S. 165). 






186 Dritter Theil. Fünfzehntes Capitel. 

aber die Rothempfindlichkeit des Nigrosins ist grösser. Bei mittlerer 
Concentration fand Eberhard fünf Sensibilisirungsmaxima zwischen 
E und A. Beim Arbeiten hinter rothen Gläsern, wie man es beim 
Dreifarbendruck benöthigt, ist die Nigrosinplatte der Cyaninplatte ent- 
schieden überlegen, falls man alles blaue, grüne und gelbe Licht bis 
über D hinaus durch genügend dunkelrothes Glas absperrt. Das durch- 
fallende Orangeroth bis Roth gibt mit Cyaninplatten meistens nur flaue 
Negative, mit Nigrosin aber bei kürzerer Belichtung kräftige Matrizen. 

Nach W. Eckhardt 1 ) orgab die spectrographische Prüfung der Nigrosinplatten 
drei Sensibilisirungsmaxima. Das ersto, sehr kräftige Sensibilisirungsband beginnt vor 
der Fraunhofer' sehen Linie A, steigt steil an und fällt bei B steil ab; das zweite, 
schwache Band liegt in C und das dritte reicht von C l / t D bis wenig über D mit 
einem Maximum bei G 7 / 8 D. Ferner stellt Eckhardt sehr interessante sensito- 
motrische Versuche über die Empfindlichkeit von gewöhnlichen Bromsilberplatten, 
dann Eosin-, Cyanin- und Nigrosinplatten hinter Blau-, Grün- und Roth-Licht- 
filtern an. 

Nach Ruh 2 ), welcher sich mit demselben Gegenstande weiter beschäftigte, ist 
die beste Receptur für Nigrosin B die folgende: Die Gelatine -Trockenplatten werden 
in einem Vorbade von 80 com Wasser, 20 cem Alkohol und 2 cem Ammoniak während 
2 Minuten gebadet, dann in das eigentliche Farbbad gebracht, welches aus 

Wasser 70 cem, 

Alkohol 20 „ 

Ammoniak 1 „ 

Nigrosinlösung in Wasser (1 : 500) 10 „ 

besteht; hierin badet man 4 Minuten lang und spült eventuell noch in einem zweiten 
(ganz ebenso zusammengesetzton) Bade ab. Diese Nigrosinplatten zeigen nicht nur 
das Maximum bei a bis B im Duukelroth, sondern auch die beiden anderen Maxima 
im Orange und im Gelbgrün deutlich. Bei Aufnahmen hinter Rothscheiben (für Drei- 
farbendruck) ist helles Licht erforderlich. 

Die weitere Suche nach Rothsensibilisatoren unter den schwärz- 
lichen, bräunlichen oder schmutzig gefärbten Farbstoffen wurde nament- 
lich von Valenta und Eberhard fortgesetzt und sie fanden Sensibili- 
satoren, welche an Kothempfindlichkeit das Nigrosin B übertreffen. 

Unter den schwarzen und braunen Theerfarbstoffen sind besonders 
gute Rothsensibilisatoren (nach Talen ta 3 ) das Diazoschwarz J3JLV, 
ferner das Benzonitrol braun (von der Anilinfarbenfabrik Beyer in 
Elberfeld) und das Wollschwarz 4/J und 6 7*. 

Das Diazoschwarz gibt unter Verwendung des Ruh'schen Am- 
moniakvorbades (80 cem Wasser, 20 cem Alkohol und 2 cem Ammoniak) 
und 50 cem Farbstofflösung 1 : 500 auf 700 cem Wasser, 200 cem Al- 

1) Tbot. Corresp. 1897. S. 124; Eder's Jahrbuch f. Phot. 1898. 8. 388. 

2) Eder's Jahrbuch f. Phot. 1899. S. 482. 

3) Eder's Jahrbuch f. Phot. 1899. S. 485. 



Ueber die Wirkung des Sonnenspectrums etc. 187 

kohol, 10 ccm Ammoniak als Farbstoffbad unter Einhaltung des oben 
geschilderten Vorganges der Plattenbehandlung, ein sehr kräftiges Band 
von B bis D 1 / i E^ dessen Maximum bei C l / 3 D liegt 

Ein Vergleich mit Ni grosin B derselbon Fabrik (s. o.) ergab, dass 
Diazoschwarz BHN viermal so empfindlich im Roth ist als dieser Farb- 
stoff. Das Diazoschwarz ist somit sehr gut mit Rothfiltern für Drei- 
farbendruck - Negative verwendbar. 

Noch grössere Empfindlichkeit bei grosser Kraft der Sensibilisirung 
erreicht man mit dem von derselben Firma in den Handel gebrachten 
Benzonitrolbraun. Dieser Farbstoff, in gleicher Weise wie das Diazo- 
schwarz zur Präparation von Trockenplatten verwendet, gibt ein breites 
Sensibilisirungsband von C l / 2 D bis über E mit dem Maximum D 1 / 2 E. 
Es reicht nicht so weit in den rothen Theil des Spectrums hinüber, als 
dies beim Diazoschwarz und beim Nigrosin der Fall ist, aber genügend 
weit für farbentonrichtige Aufnahmen von Gemälden, indem es für die 
orangerothen und gelben Strahlen relativ sehr empfindlich ist (sechsmal 
so empfindlich als Nigrosin). 

Wollschwarz 4 B von der Berliner Actiengesellschaft für Anilin- 
fabrikation ist nach E. Valenta (Phot. Corresp. 1900. Bd. 37) ein sehr 
kräftiger Sensibilisator, der schon bei kurzer Belichtung kräftig wirkt 
Man erhält in diesem Falle bereits ein breites Band von A bis über 1) 
reichend, mit einem undeutlichen Maximum bei B. Bei längerer Be- 
lichtung kommt ein zweites verwaschenes Band von D 1 / i E bis fast 
nach E reichend, dessen Maximum verschwommen ist, hinzu. Dieser 
Farbstoff ist für praktische Zwecke sehr gut verwendbar 1 ). Zur Her- 
stellung von Badeplatten mit Wollschwarz taucht man die Bromsilber- 
Gelatine -Platten zuerst in eine verdünnte Ammoniaklösung (2 ccm Am- 
moniak und 100 ccm Wasser) während 2 Minuten und bringt dann in 
ein Gemisch von 5 ccm Wollschwarzlösung (1 : 500), 100 ccm Wasser 
und 1 ccm Ammoniak während 2 Minuten und trocknet die Platten in 
massig erwärmten, absolut finsteren Räumen über Nacht 2 ). Fig. 15 
zeigt die Wirkung des Spectrums (Gaslicht) auf eine mit Wollschwarz 
sensibilisirte Platte. Setzt man Wollschwarz direct der geschmolzenen 
Bromsilber- Gelatine -Emulsion vor dem Giessen auf die Platten zu, so 
wirkt weder Wollschwarz noch Diazoschwarz so günstig, wie beim 
Bade verfahren. 



1) Wollschwarz platten hinter Rothfilter erfordern ungefähr dieselbe Belichtuugs- 
zeit bei Tageslicht, als Eosin platten hinter Grünscheibon. 

2) Allzurasches Trocknen mit Ventilatoren scheint die Wirkung der Farbstoffe 
anders zu beeinflussen, als langsameres Trocknen an freier Luft. 



188 Dritter Theil. Fünfzehntes Capitel. 

Unter den schwärzlichen oder bräunlichen Farbstoffen befinden sich noch viele 
andere Farbstoffe, welche Beachtung in hohem Grade verdienen, und deren Anwen- 
dung insbesondere bei Spcctralaufnahmen sich sehr nutzlich erweisen dürfte. Zu er- 
wähnen sind nach Yalenta folgende: 

Farbstoffe von Dahl in Barmen: Alkalirothbraun QR, Band von C 
bis E reichend, Maximum bei D kräftig — beste Concentration 4 ccin der Lösung 
1 : 500 auf 100 ccm Wasser und 2 ccm Ammoniak. Alkaligranat gibt ein kräftiges 
Band von B bis E reichend mit einem Maximum bei D. Beste Concentration 10 ccm 
der Lösung 1 : 500 auf 100 ccm Wassor und 2 ccm Ammoniak. 

Farbstoffe von Meister, Lucius und Brüning in Höchst a. M.: Dianil- 
schwarz O gibt ein kräftiges Band von C\/ 4 D bis D a / 4 E reichend mit einem Maxi- 
mum bei D liegend. Die beste Concentration ist 3 ccm der Lösung 1 : 500 auf 100 ccm 
Wasser und 2 ccm Ammoniak. Ein Ammoniakvorbad wirkt günstig. 

Dianilschwarz R gibt bei längerer Belichtung ein klüftiges Band von Cbis E 
reichend, welches zwei Maxima: eines bei C*/ 4 D und ein zweites verwaschenes nach 
D erkennen lässt. Bei Verwendung der eingangs beschriebenen Methode mit Vorbad 
unter Anwendung von 5 ccm Farbstoffiösung auf 100 ccm Farbbad erhält man Platten, 
welche jene mit Nigrosin- Präparation bezüglich Empfindlichkeit im Roth viermal über- 
treffen. 

Farbstoffe der Farbwerke Leopold Cassella in Frankfurt a. M.: Dia- 
mineralblau wirkt kräftig, Bänder von C l / 6 D bis D und von D bis D l / t E. Dia- 
mintiofschwarz Cr 1 ) gibt zwei Bänder B l / Q C bis D und bei D l / t E f das lotztere 
ist schwach und tritt erst bei längerer Belichtung hervor. Wirkt kräftig. 

Baumwolionschwarz B (von der Badischen Anilin- und Sodafabrik) gibt 
selbst bei geringer Concentration kräftige Wirkungen ; bei 3 bis 4 ccm auf 100 ccm 
Wasser und 2 ccm Ammoniak erhält man ein kräftiges Band von B bis C 8 /«A 
Maximum C l / 3 D. Ein Ammoniakvorbad wirkt günstig. Diazoschwarz 3B ist ein 
Benzidinfarbstoff; er wirkt bereits in Verdünnungen von 0,5 ccm auf 100 ccm Wasser 
und 2 ccm Ammoniak als kräftiger Sensibilisator. Die Wirkung reicht von B bis 
D 3 / 4 E (bei längerer Belichtung), Maximum C l / a D. Palati nsch war z 42? wirkt als 
Sensibilisator für die rothon Strahlen des Spectrums; es gibt bei längerer Belichtung 
ein kräftiges Band von A bis D reichend (Maxima bei a und B). 

Benzonitroldunkol braun wirkt sehr kräftig im orangegelben, gelben und 
gelbgrünen Theile des Spectrums, das Sensibilisirungsband reicht von C l / t D bis über 
D*/ 4 E mit eiuom Maximum bei D 1 /« E. Neu-Toluylenbraun wirkt ebenfalls günstig. 
Die beste Wirkung wurde mit der Marke M erzielt. Dieselbe gibt eine kräftige Sen- 
sibilisirung im rothen und gelbrothon Theile des Spectrums. Es traten zwei Maxima, 
und zwar bei C l /.,D (kräftiges Band von B bis D reichend), und bei D l / 4 E (schmales, 
schwaches Band) auf. Die Gosam unempfindlich keit der Platten wird wenig gedrückt 

Plutoschwarz gibt oin sehr kräftiges Band von B bis D*/ 4 E mit den beiden 
Maxima G l / a D und D l / 3 E. Plutoschwarz R wirkt ebenfalls sehr kräftig und gibt 
unter Anwendung der eingangs gegebenen Vorschrift mit 5 ccm Farbstofflösung 1 : 500 
auf je 100 ccm Bad viermal so empfindliche Platten als Nigrosin B. Das Band von 
B bis D S / 4 E mit den beiden Maxima C l / 9 I) und D l / 3 E tritt scharf hervor, und dürfte 
dieser Farbstoff praktisch verwendbar sein (Valenta). 



1) Ist ein Triazofarbstoff der Diaminschwarzgruppe. Die Farbstoffe der Diamin- 
schwarzgruppe sind zumeist Sensibilisatoren. Concentration: 2 ccm Farbstoffiösung 
1 : 500, 2 ccm Ammoniak und zweiprocentiges Ammoniakvorbad. 



Ueber die Wirkung des Sonnenspectrums eto. 189 

Verschiedene Nigrosine, sowie Carbidschwarz, welche gute 
Both8ensibilatoren sind, untersuchte Eberhard 1 ). 

Carbidschwarz BO (von der Gesellschaft für chemische Industrie 
in Basel) bewirkt (100 ccm Wasser, 5 ccm Farblösung (1 : 500) und 
2 ccm Ammoniak) gute Sensibilisirung für Roth (^4 bis B schwach, 
B bis E sehr kräftig, Maximum der Sensibilisirung C bis B) und über- 
trifft sogar Diazoschwarz BHN. Auch Toluiylenschwarzblau 5, 
sowie Azomauve (von Oehler in Offenbach) wirkt ähnlich, wenn auch 
nicht so stark (Eberhard 2 ). 

Olycinroth und Glycincorinth (von Kinzlberger in Prag) 
wurden von Eberhard 8 ) und Valenta 4 ) als Sensibilisatoren für Gelbgrün 
bis Roth erkannt Speciell Glycinroth sensibilisirt von Grün 2? bis B l / 2 C 
ins Roth ziemlich gleichmässig (mit Ammoniakvorbad analog dem Diazo- 
schwarz, s. S. 185), eignet sich zu farbentonrichtigen Aufnahmen, 5 ) Spec- 
trumphotographie und wird von Valenta, sowie Neuhauss auch 
zum Sensibilisiren von kornlosen Emulsionen für Lippmann 's Process 
empfohlen. 

Malachitgrün, Methylgrün, Jodgrün (schwaches Sensibilisirungsband 
bei C im Roth) sind schwach wirkende Sensibilisatoren; auch Chlorophyll wirkt 
schwach (Eder). 

Coerulein ocler besser Coeruleinsulfit, ein grünlicher Farbstoff, sensibilisirt 
bei Gegenwart von Ammoniak für Roth (Eder), wird jedoch von anderen, neueren 
Rothsensibilisatoren , z. B. Nig rosin, Diazoschwarz, übertroffen. 

Das Tetrabrom resoruf in (Ammoniaksalz) kommt als Irisblau von der 
Badischen Anilin- und Sodafabrik in den Handel, gibt zwei schmale, aber kräftige 
Sensibilisirungsbänder bei C und C l / d D (Valenta 6 ). 

Diazoresorufin ertheilt dem Bromsilber zwei Maxima der Sensibilisirung, 
eines im Grün (bei A==560), das andere im Orange (bei A. = 614); die Wirkung ist 
nicht unähnlich dem Bleu Coupier (Eder). 

Sehr gut verwendbare Sensibilisatoren finden sich nach Valenta 7 ) unter den 
Oxaminfarbstoffen der Farbwerke Friedrichsfelde, z. B. Oxam in schar lachl?, Band von 
C 4 / ft Z>bis D\ Oxaminviolett QR, Band von D bis E; Ox am in seh w ar z BR, Band 
von C bis E mit zwei Maxima bei C*/ 3 D und D i / 9 E 1 welche sehr kräftig wirken. 

Diese Angaben geben sichere Anhaltspunkte zur Herstellung von 
farbenempfindlichen Platten mittels des Bade Verfahrens, welche gegen 



1) Phot. Corresp. 1899. S. 84. 

2) Phot Corresp. 1899. S. 84; Eder's Jahrbuch f. Phot. 1899. S. 102. 

3) Phoi Corresp. 1899. S. 84; Eder's Jahrbuch f. Phot 1899. S. 102. 

4) Phot. Corresp. 1899. S. 539. Man fügt 12 bis 14 ccm Glycinrothlösung 
(1 : 500) auf 100 ccm der flüssigen Emulsion. 

5) Die damit erhaltenen Negative leiden mitunter an Kraft und haben massige 
Deckung (hinter Rothscheiben). 

6) Eder's Jahrbuch f. Phot. 1899. S. 487. 

7) Eder's Jahrbuch f. Phot. 1899. S. 184. 



190 Dritter Theil. Fünfzehntes Capitel. 

verschiedene Farbenbezirke des Spectrums in befriedigender Weise sen- 
sibel gemacht werden können und dann sowohl für die praktische 
Photographie 1 ) als für die Spectralanalyse werthvolle Dienste leisten 
(vergl. Cap. „Orthochromatische Photographie", sowie „Sensi- 
tometrie" weiter unten). 



XVIII. Vcrglcichung der Farbcnempflndlichkelt verschiedener 
Platten sortcn mit und ohne Senslblllsatorcn. 

Einen klaren Ueberblick über die Farbenempfindlichkeit ver- 
schiedener Plattensorten gegenüber dem farbigen Spectrum geben die 
Fig. 16 — 18. Es sind dies Roproductionen von Spectrumphotographien, 
welche bei Gaslicht mittels eines kleinen Olasspectrographen erhalten 
wurden; zur Orientirung sind die Positionen der Fraunhofer'schen Linien 
eingetragen. Es ergiebt sich zunächst die in diesem Werk wiederholt 
hervorgehobene Blauviolettempfindlichkeit des nassen Jodsilbercol- 
lodion (I); das Jodbromcollodion zeigt zwei Maxima der Em- 
pfindlichkeit, eines für Jodsilber, das andere für Bromsilber (II). Bei 
kurzer Belichtung reagirt die Bromsilber-Gelatineplatte für Hell- 
blau bis Blauviolett (III), während bei verlängerter Belichtungszeit die 
Wirkung gegen Violett sich rasch weiter fortsetzt, dagegen in der Nähe 
von E (d. i. gegen Grün) sich sehr wenig bemerklich macht In der 
Spectralregion zwischen E bis A (d. i. Grün, Gelb, Orange, Roth) 
kommt die Wirkung der Farbensensibilisatoren höchst auffallend zur 
Geltung. Das Fluorescein und einige seiner Abkömmlinge zeigen IV 
bis VIII. Man erkennt ganz deutlich, wie beim Eosin die Grün- 
empfindlichkeit (ein Gaslicht) gegenüber der Blauempfindlichkeit eine 
massige ist, während beim Erythrosin die Gelbgrünempfindlichkeit weit 
grösser ist; ferner geht klar aus den Spectrumphotographien hervor, 
wie die Sensibilisirungsmaxima beim Eosin, Erythrosin, Cyclamin und 
Sulferei'n schrittweise gegen Orangeroth vorgeschoben sind. 

Die präcisen Sensibilisirungsbänder der genannten Eosinfarben 
fallen gegen das rotho Ende des Spectrums schroff ab. Das Glycinroth 
dagegen liefert sanft und breit verlaufende Sensibilisirungsbänder (IX), 
welche sich von Orangeroth über Gelb bis ins Grün erstrecken, aber 



1) Die zahlreichen Drei- und Vierfarbendrucke, welche die E. E. graphische 
Lehr- und Versuchsanstalt in "Wien bei der Pariser "Weltausstellung 1900 ausstellte 
und die sohr correcte Farbonwirkung aufwiesen, waren mittels der hier geschilderten 
Sensibilisatoren hergestellt; die Platten hinter dem Rothfilter waren mittels Nigrosin, 
Wollschwarz oder Diazoschwarz sensibilisirt. 



Udber die Wirkung des Soiinenspectrams eto. 



191 



auch (wie fest alle Senaibilisatoren) ein Minimum der Wirkung zwischen 
E und F lassen. 

Forroylviolett(X) verlegt die Empfind liclikeit mehr gegen Orangeroth. 



ABC Eb F 



G h H 




Brom sil bor mit Krain. 



Ueber die Wirkung des Sonnenspsotnuns etc. 193 

PlDtoschwarz gibt sich , ebenso wie Diazoschwarz , als Sensibilisator für 
Orangerotli zu erkennen, während Wollschwarz ein ausgesprochener Roth- 
A BC D Eb F G h H 




BromsilUor mit Wollschwara *B. 
Fig. 18. 

sensibilisator ist, dessen Wirkung sich bis an die Grenze des sichtbaren 
Spectrums im äussersten Roth bei der Fraunhofer 'sehen Linie A erstreckt 

Eder, Handbuch du Photographie. 111. Theil. 5. Aufl. 13 



194 



Dritter Theil. Fünfzehntes Capitel. 



XIX. Einflnss von farbigen Schirmen (Lichtfilter) auf dl« 
relative Farbeneiupfindlichkeit »hotograuhlsclicr Platten. 

Die relative Empfindlichkeit einer photographischen Platte gc 
Blau, Grün, Gelb 11. s. w. hängt nicht nur von der Beschaffenheit der 
sensiblen Schicht ab, sondern naturgemäss von der spectralen Zusammen- 
setzung (Farbenmischung) der Lichtstrahlen, mittels welcher die phol 
graphische Platte belichtet wird (s. S. 165). 

Die meisten orthochromatischen Platten des Handels bleiben 
relativer Gelb-, Grün- und Rothempfindüchkeit stark hinter dem opti- 
schen Helligkeitseindrucke zurück, welchen das Augo empfindet, dagegen 
ist die photographische Blauempfindlichkeit der ersteren verhältnissmässig 
übertrieben gross; demzufolge erscheint in der photographischen Copie 
nach einem bunten Originale das Blau häufig viel zu hell. 

Dämpft man die blauen Strahlen des elektrischen Bogenlichtes 
oder Tageslichtes durch Vorschalten von entsprechenden gelben oder 
grÜDcn Gläsern, so kann man diesen Fehler bei der Wiedergabe des 
Farbton werthes farbiger Objecto corrigiren. Gelbes Lampenlicht (vergl. 
S. 164 u. 166) braucht diese Correctur nicht, oder in anderem Sinne. 
Nimmt man farbige Objecto bei gewöhnlichem Gas- oder Lampen- 
licht mittels Eryth rosin platten auf, so kommt das Gelbgrün enorm stark 
gegenüber der Blauwirkung zur Geltung, weil in der Lichtquelle das 
Blau relativ schwach vorkommt. Dasselbe Object gibt mit derselben 
Plattensorte aber bei Tageslicht oder elektrischem Bogenlicht eine weit 
stärkere Blauwirkung, weil eben die Lichtquelle reicher an blauen 
Strahlen ist. Die Anwendung von farbigen Schichten (Lieb tfil lern) 
dem Objectiv, der Lichtquelle oder dem Originale ist deshalb ein wii 
tiger Behelf zur Abstimmung der photograpbischen Farben wiedergal 
im richtigen Helligkeitswerthe. Bei manchen photographischen Pro- 
cessen (Drei- und Vierfarbendruck) werden im Negativprocess gewisse 
Farben gänzlich unterdrückt und man nmss die Farbonsensibilisirung 
der photographischen Platten und Art der Lichtfilter in Einklang 
bringen. 

Lies soll an einem Beispiele erörtert werden. Fig. 19 (1) zeigt 
die Photographie dos farbigen Spectrum ban des einer Oaslampe 1 ) auf 
einer Erythrosinplatte. Die Wirkung ist im Gelbgrün (D — E) sehr 
stark; bei E—F zeigt sieh ein kleines Minimum der Empfindlichkeit; 
bei F — O die eigene Blauempfindlichkeit des Bromsilbers, wie sie bei 
kurzer Belichtung sich äussert. Schaltet man eine Lösung von Kaliuni- 



1) A cimlich wirkt eise Petroleumlampe. 



W • die Wirkung des Boiiiieiwpectnims eto. 1 ' 

bichromat (1 : 100 bis 1 : 400 in 1 cm dicker Flüssigkeitsschicht) vor 
den Apparat, so wird mehr oder weniger das blauviolette licht ver- 
schluckt, so daas die Wirkung im Gelbgrün viel stärker als im Blau 
wird, ja die Blauwirkung kann ganz vernichtet werden (vergl. S. 155); 
Säuregrün dämpft das Orangeroth und Gelb, so dass ein ziem- 
lich schmaler Streifen der Wirkung bei E bis D übrig bleibt, wenn 
man beide Substanzen (z. B. im Verhältnisse von 10 ccm Säuregrün 
[1 : 10000], 10 ccm Kaliumbichromatlösung [1 : 100] und 25 ccm Wasser 




Pin. 19. 

Spoctramphoiosraphie iaf einer Erythros in p] alle (Gaslicht, kleiner Glasipectrognph). 

1. Kreier Apparat. 2. Vorschftltang einer Lflsung von Kaliambicbromat and SSaiegrun. 

3. Losung von Kupforoxydemmoniak. 4. Übung von Slothyliiolott. 

in 1 cm dicker Schicht) mischt (Fig. 19, 2). — Schaltet man blaue 
Flüssigkeiten, z. B. eine Losung von Kupferoxydammoniak (30 g 
Kupfervitriol, 1000 ccm Wasser und Ammoniak bis zur Bildung von 
Kupferoxydammoniak), vor den Apparat ein, so wird das Roth, Orange, 
Gelb und Gelbgrün verschluckt und das Grün so gedämpft, dass auch 
bei Anwendung einer Erythrosinplatte nur noch die Wirkung von Blau 
und Blauviolett nebst ganz wenig Grün zur Geltung kommt, ungefähr 
in der Art, wie dies bei einer gewöhnlichen Bromsilber -Gelatineplatte 
ohne Iichtfilter der Fall ist (Fig. 19, 3). Wünscht man die Farbenwirkung 



196 Dritter Theil. Fünfzehntes Capitel. 

mehr gegen die violette Seite des Spectrums zu drängen, so muss 
man Lichtfilter einschalten, welche einen Theil des weniger brechbaren 
Endes des Spectrums absorbiren und nur blauviolettes Licht durchgehen 
lassen; in diesem Sinne wirken Methylviolett, Pyoctanin und andere 
violette Farbstoffe. Fig. 19 (4) zeigt die Wirkung eines solchen Violett- 
filters (in einer Concentration 1:10000 in 1 cm dicker Schichte) unter 
Anwendung einer Erythrosinplatte; eine gewöhnliche Bromsilber- Gelatine- 
platte würde sich ganz ebenso verhalten. 

In der Regel stellt man die absorbirende Wirkung verschiedener 
Farbstoffe (resp. Farbstofflösungen) durch Curven dar und markirt die 
Fraunhofer'schen Linien (s. Fig. 20). Mit veränderter Concentration 
der Farbstofflösung oder Vermehrung der Dicke der absorbirenden 
Flüssigkeitsschicht ändert sich die Zusammensetzung des durchgelassenen 
Lichtes; bei der schematischen Darstellung der Absorptionsspectra deutet 
man dies Verhalten durch Einzeichnen mehrerer Curven an, wobei 
die niedrigeren Curven den geringeren Concentrationen entsprechen. 
Ein gut brauchbares Filter zur Dämpfung von Violett und Indigo ist 
die hellgelbe Pikrinsäure (Fig. 20, Curve 1); oder das etwas dunkler 
gelb gefärbte pikrinsaure Ammoniak; 1 ) oder Martiusgelb oder 
Naphtolgelb. Energischer wird Violett bis Hellblau von Kalium- 
bichromatlösung absorbirt, welche orangegelb gefärbt erscheint und 
durch verschiedene Concentration 2 ) gut regulirt werden kann (Fig. 20, 2). 
Das Ammoniumbichromat ist etwas dunkler orange gefärbt und 
auch leichter in Wasser löslich als das Kaliumsalz, so dass es zur 
kräftigeren Absorption verwendet werden kann. Kaliummonochroniat- 
lösung (1:25) erscheint dagegen sehr hellgelb, ähnlich wie Pikrin- 
säure. Sehr gute orangegelbe Lichtfilter liefern viele Theerfarbstoffe, 
namentlich Aurantia, Methylorange, ferner das in neuerer Zeit von 
Andresen empfohlene Auramin 0; das letztere ist leicht löslich, so- 
wohl in Wasser als Alkohol, ist in chemisch reiner Form herzustellen 
(Amido-tetra-methyl-diamido-diphenylmethan) und wird von der Ber- 
liner Actiengesellschaft für Anilinfabrikation erzeugt. Die Absorptions- 
spectra dieser orangegelben Farbstoffe sind in Fig. 20,3 angedeutet 

Je mehr man die Dämpfung der Blauwirkung bei der Wiedergabe eines farbigen 
Originals wünscht, desto dunkler orange muss das Lichtfilter sein; es wird dann bei 
hinlänglich langer Belichtungszeit das Gelb, Grün und Roth bunter Objecto genügend 



1) Bei Eosinplatten wirkt ein Lichtfilter von Ammoniumpikratlösung (1 : 200) 
für Dreifarbendruck günstig, für das Negativ zum Druck der Rothplatte. 

2) Man kann mit einer Bichromatlösung von der geringen Concentration 1 : 1000 
in 1 cm dicker Schicht den Versuch beginnen und stärkere Concentration, wie 1 : 500 
und 1 : 200 folgen lassen. 



Heber die Wirkung des Sunnenspectrums etc. 



197 



Zeit finden, tun ein entsprechendes photographisches Bild zu erzeugen. Bei guten 
„orthochromatischen" Platten wird, diese Verlängerung der Belichtungszeit eine massige 
sein (z. B. die drei- bin zehnfache), bei schlecht sensibilisirten Platten wird aber die 
Belichtungszeit allzusehr verlängert, was unvorthetlhaft ist und unter anderem in 
der Hegel auch zu flauen Negativen führt (vergl. unten). 

Die Verwendung von Gelbscheiben mit gewöhnlichen photographischen 
Platten hat keinen Zweck, weil kein genügender „orthochromatischer" Effect dadurch 
erzielt wird. Wenn man auch das Blau des einfallenden Lichtbildes durch die vor- 
geschaltete Gelbscheibe dämpft, so hilft dies doch nicht über den Mangel einer ge- 
nügenden Gelbgrünempfindlichkeit hinweg, welcher Mangel allen gewöhnlichen 
Bromsilber- Gelatineplatten eigen ist Der kleine Antbeil an Lichtempfindlichkeit für 









/^ 


—^ 














/ 


<■ 
















/- 


\ 


\ 


/^Z- 


























t 


b 


^ 





Conc. Knpfer- 



Methy] violett, Pv- 



Absorptionsspectra gefärbter Flüssigkeit 



ir Couoentratinn bei Sopuenli 



gelbe Strahlen und die benachbarten weniger brechbaren, langwelligen Lichtstrahlen 
hindert die Entstehung eines kräftigen Lichtbildes hinter Gelbscheiben auf gewöhnlichen 
Platten; nur bei unmässig verlängerter Belichtung kommt ein (in der Kegel sehr 
flaues) photographisches Bild zu stände, welches nicht mit demjenigen auf einer ortho- 
chromatischen Platte in 'Wettbewerb treten kann. Farbiges licht muss eine für das- 
selbe sensibilisirte photographische Platte vorfinden, wenn es zu einer kräftigen, prak- 
tisch hinlänglichen Lichtwirkung kommen soll. 

Grüne Lichtfilter verwendet man beim Dreifarbendruck. Meistens 
lassen dunkelgrüne Farbstoffe viel blaues Licht durchfallen und man 
muss eine sorgsame Wahl treffen, Wenn man die durchgehende Spectral- 
zone auf die Gegend des eigentlichen Grün beschränken will. 



198 Dritter Theil. Fünfzehntes Capitel. 

Concentrirte Kupferchloridlösung lässt nur einen schmalen Strei- 
fen von Grün durch (Fig. 20,4). Das Säuregrün lässt bei genügender 
Concentration einen schmalen Streifen im Blaugrün durch (Fig. 20, 5) 
und man kann durch Mischen desselben mit Kaliumbichromat die Lage 
dieses Streifens nach Belieben mehr gegen das Blaugrün oder Gelb ver- 
schieben, was namentlich für Dreifarbendruck (meistens combinirt mit 
Eosinplatten) von Wichtigkeit ist. 

Die absorbirende Wirkung des Methylviolett zeigt Fig. 20(6), 
jene des blauen Kupferoxydammoniak Fig. 20(7). Den Zusammen- 
hang mit dem in Fig. 19 reproducirten Facsimile der Spectrumphoto- 
graphie mittels dieser absorbirenden Schichten macht die Darstellungs- 
weise mittels gezeichneter Curven klar. Das Absorptionsspectrum einer 
Eosinlösung zeigt Fig. 20(8); es geht daraus hervor, dass diese schön 
roth gefärbte Substanz nur ein schmales Absorptionsband besitzt und 
den grössten Theil des farbigen Spectrums passiren lässt. 1 ) 

Die farbigen Lichtfilter wendet man in verschiedener Anordnung an: 

1. In planparallelen Glaswannen, welche mit der Lösung des Farbstoffes gefüllt 
sind. Man benutzt wässerige Lösungen (NB. alkoholische Lösungen eines Farbstoffes 
zeigen einen anderen Verlauf des Absorptionsspectrums, weil bekanntlich das letztere 
vom Lösungsmittel beeinflusst wird). Die Glaswanne wird vor dem Objective, seltener 
hinter demselben angebracht. 

2. Gefärbte Glasplatten oder Collodion- oder Gelatinefolien, welche man ent- 
weder knapp vor oder hinter dem Objective, oder an Stelle der Blende oder unmittel- 
bar vor der photographischen Platte in der Cassette anbringt. 

Die farbigen Lichtfilter spielen bei orthochromatischen Aufnahmen, Mikrophoto- 
graphie gefärbter Bacillen, Schnitte etc. eine grosse Rolle; am wichtigsten aber werden 
sie für den Dreifarbendruck. Für orthochromatische Aufnahmen von Gemälden, Land- 
schaften, Wolken etc. bevorzugt man hell- oder dunkelgelbe Scheiben mit ansteigender 
Absorption gegen Blauviolett; seltener werden grüne Gläser benutzt. Für Dreifarben- 
druck benutzt man rothe, grüne und blauviolette Lichtfilter; die von den einzelnen 
Gläsern durchgelassenen Farbenzonen stossen entweder aneinander oder man wählt die 
Farbenfilter derartig, dass die rothen, grünen und blauen Farbenstreifen im Spectrum 
durch einen gewissen Abstand getrennt sind, sich also im Spectrum nicht oonträuir- 
lich aneinander schliesseu, sondern kleine Lücken (nächst der Fraunhofer'schen Linie 
D und an den Grenzen zwischen Grün und Blau) lassen. Die Wahl oorrecter Farben - 
filter schwankt je nach der Natur der farbenempfindlichen Platte und des ganzen 
Arbeitssystemes. (Vorgl. S. 168.) 



1) Ueber flüssige Straklenfilter vergl. ferner Eder's Jahrbuch t Phot 1900. 
S. 552. 



SECHZEHNTES CAPITEL. 

ALLGEMEINES ÜBEE PRÜFUNG DER EMULSION 
BESTIMMUNG IHRER EMPFINDLICHKEIT 

UND GRADATION. 



I. Prüfung Ton Gelatineplatten im Allgemeinen. 

Es ist schwierig, für die Prüfung von Gelatineplatten eine all- 
gemein gültige Norm aufzustellen. 

Folgende Skizze mag Anhaltspunkte hierfür geben. 

a) Man besichtige eine Platte am Tageslichte und beachte, ob sie 
gleichmässig gegossen ist, 1 ) ob die Schicht im auffallenden Lichte keine 
matten Flecken oder Schlieren zeigt, 2 ) ob sie glänzend oder matt ist, 3 ) 
ob der Emulsions-Ueberzug überall bis an den Rand reicht und ob 
man erkennen kann, dass grosse Platten zu kleineren zerschnitten 
wurden. Die Farbe gestattet einen Schluss, ob Jodsilber zugegen ist 
(Farbe: mehr oder weniger gelb), oder ob reines Bromsilber vorliegt 
(Farbe: weisslich). 

b) Man entwickele eine Probeplatte und achte insbesondere auf die 
Schleierfreiheit und Reinheit der Schicht. Ob sich die Platten langsam 
oder rasch entwickeln, ist von geringerer Bedeutung. 

Verfasser nennt eine Platte dann schleierlos, wenn sie im Oxalat- 
Entwickler oder Pyrogallol-Soda-Entwickler ohne jeden Brom- 
zusatz bei mittlerer Zimmertemperatur von beiläufig 17 bis 18 Grad C. 
ein schleierloses Bild gibt, was im nächsten Capitel genauer präcisirt 
ist. Damit ist nicht gesagt, dass Platten, welche erst mit Bromzusatz 
klare Bilder geben, schlecht sein müssen. 



1) Manche Platten sind an einer Seite durchscheinend, an der anderen völlig 
undurchsichtig; dies ist schlecht. 

2) Dieselben treten fast immer im Entwickler hervor. 

3) Dieser Punkt gestattet keinen sicheren Rückschluss. Meistens geben wohl 
Emulsionen, welche viel Silber auf wenig Gelatine enthalten, matte Schichten, andere 
glänzende; jedoch trügt dies. 



202 Dritter Theil. Sechzehntes Capitel. 

Gelatineplatten machen, weil die Empfindlichkeit dieser und der getrockneten 
Platten in keinem constanten Verhältnisse steht. 

Man beachte die Abstufung (Gradation) der Sensitometer- Felder; die Dichte soll 
allmählich verlaufen (s. unten). 



III. Einfluss verschiedener Lichtquellen auf die relative 
Empfindlichkeit der Gelatine -Emulsionen. 

Für die Vergleichung der Lichtempfindlichkeit verschiedener Platten kann auch 
Gas-, Kerzen-, Magnesiumlicht dienen oder das Licht von brennendem Amylacetat. 
Das letztere wird in einer Lampe mit Baumwolldocht von 8 mm Dicke und in einer 
Flammenhöhe von 40mm gebrannt. Hefner-Altenek 1 ) schlug 1883 diese Lampe 
für optische Zwecke vor, Abney,*) Schumann, 8 ) der Verfasser und Andere für 
sensitomctrische. In der That ist das Licht sehr gleichmässig und übertrifft in dieser 
Richtung das Gas- oder Kerzenlicht, dem es im übrigen sehr nahe kommt (Eder). 

Es fragt sich nur: Sind die Empfindlichkeits-Verhältnisse mehrerer lichtempfind- 
licher Präparate constant, sobald man sie bei verschiedenen Lichtquellen bestimmt? 

Darüber liegen vereinzelte Angaben vor: Abney 4 ) fand, dass Bromsilber - 
Gelatineplatten beim blauen Phosphorescenzlicht vor Warnerke's Sensitometor viel 
empfindlicher als nasse Jod brom-Collodion platten erscheinen, während die Differenz 
bei Tageslicht oder Gaslicht nicht so gross ist. Pickering 6 ) untersuchte 15 ver- 
schiedene „Bromsilber -Gelatineplatten" des Handels, welche entweder reines Brom- 
silber oder Bromsilber neben Jod- und Chlorsilber enthielten. Es schwankte dasVer- 
häitniss der Lichtempfindlichkeit je nach der verwendeten Lichtquelle bedeutend. Z. B. 
wiesen einige Platten, welche bei Gaslicht gleich empfindlich waren, bei Tageslicht 
eine 2 bis 30 fache Verschiedenheit der Empfindlichkeit auf. 

Eder dehnte die photometrischen Versuche auf Bromsilber-, Jodbromsilber-, 
Chlorsilber -Gelatine, nasses Jodbrom -Collodion und gefärbte (eosinhaltige) Bromsilber- 
Gelatine aus und bezog Tageslicht, Gaslicht, A in ylace tatlicht, blaues Phosphorescenzlicht 
(von Wa merke 's Sensitometer) und Magnesiumlicht in die Untersuchungen ein« 9 ) Er 
fand, dass das Verhäitniss der Empfindlichkeit verschiedener lichtempfindlicher Sub- 
stanzen sehr bedeutend schwankt, je nach der Qualität der Lichtquelle. Diese 
Schwankungen sind so bedeutend, dass sie beim ungefärbten Bromsilber und beim 
eosinhaltigen Bromsilber das 100 fache ausmachen können, je nachdem man es bei 
Tageslicht oder gelbem Natriumlicht prüft. Auch bei Gaslicht ist der Unterschied 
auffallend. Bei Brom- und Chlorsilber- Gelatine schwankt z. B. das Verhäitniss der 
Empfindlichkeit beider das um 10 fache, bei Bromsilber- und Jodbromsilber- Gelatine 
um das 2 bis 4 fache, je nachdem man bei Tageslicht oder Amylacetatlicht (oder 
was ungefähr dasselbe ist, bei Gas- oder Kerzenlicht) die sensitometrische Ver- 
gleichung vornimmt. 



1) Elektretochnische Zeitschrift. Bd. 5, S. 20. 

2) Phot. News. 1884. S. 787. 

3) Phot. Wochenbl. 1885. S. 34. 

4) Phot. News. 1882. S. 230. 

5) Phot. Journ. 1885. S. 71. 

6) Sitzungsber. d. Kais.' Akad. d. "Wissensch. in Wien. IL Abtheilung. 1885. 
Monatshefte für Chemie. 188."). 



Allgemeines üb. Prüfung der Emulsion , Bestimmung ihrer Empfindlichkeit etc. 203 

Gegenwärtig haben sich diese Verhältnisse insofern geändert, als fast alle 
Trockenplatten des Handels reines Bromsilber oder Bromsilber mit sehr wenig Jod- 
silber enthalten, welohe wenig Abweichungen der Empfindlichkeit bei Lampen- und 
Tageslicht aufweisen. 



IV. Bestimmung der Gradation ron Gelatineplatten. 

Bei der Herstellung von brauchbaren Trockenplatten handelt es ßich nicht nur 
um grosse Empfindlichkeit, sondern in noch höherem Grade um die correcte Wieder- 
gabe von Licht, Halbschatten und Schatten. Mit anderen Worten, es soll im Negativ 
die Scala der Abschattirungen richtig wiedergegeben werden; diese Scala soll harmo- 
nisch abgestuft oder gut graduirt sein (s. nächstes Capitel). 

Unreife Silberoxydammoniak -Emulsion ist (wenn man sie mit vollem Gelatine- 
gehalt bei 35 Grad C. mischt und nur einige Minute digerirt) wenig empfindlich (12 





Fig. 21. Sensitometerprobe einer zu harten Platte. 



Fig. 22. Sensitometerprobe einer zu flauen Platte. 



bis 15 Grad W.). Sie arbeitet hart, weil die Lichter sich kräftig bis zur Undurch- 
8ichtigkeit entwickeln lassen, aber die Halbschatten immer ganz dünn werden. Mit 
anderen Worten : Die Scala der Gradation sinkt von der Ulidurchsichtigkeit sehr rasch 
zur sehr geringen Dichte auf Null. 

Fig. 21 zeigt als Beispiel die War nerke- Sensitometerprobe einer solchen Platte. 
Nummer 1 ist ganz schwarz; die folgenden Nummern werden deutlich rasch lichter 
und bei 10 bis 15 sinkt die Wirkung rasch. 

Uebermässig lange digerirte hochempfindliche Emulsion verhält sich ganz anders. 
Die hellsten Lichter und mittelstarken Lichter bewirken nahezu gleich starke Schwär- 
zung im Entwickler, welche schwer bis zur völligen Undurchsichtigkeit zu bringen ist. 
Deshalb mangeln die Spitzlichter im Porträt und der hellerleuchteten Partie des Ge- 
sichtes mangelt die Zeichnung. Der Uebergang zu den schwächeren Lichtern erfolgt 
sehr langsam; die tiefen Schatten zeichnen sich aber vollständig durch. Mit anderen 
Worten: Der Scala der Gradation mangelt die völlig undurchsichtige Schwärze. Die 
starken und mitteischwachen Lichtwirkuugen geben eine gleichmässige mittlere Schwär- 
zung, z. B. Fig. 22 von 1 bis 7. Dann sinkt die Dichte sehr langsam, so dass 8 bis 



204 Dritter Theil. Sechzehntes Capitel. 

10 oder 15 noch ziemlich dicht sind und die Abstufung bis 20 verläuft. Solche Emul- 
sionen geben sehr empfindliche Platten, welchen die Spitzlichter mangeln und welche 
hellerleuchtete Gegenstände häufig monoton wiedergeben. Je reichlicher man be- 
lichtet, desto schlechter wird die Gradation; bei Momentaufnahmen dagegen bewähren 
sich diese Platten gut. Entwickelt man mit Pyrogallol, so decken die hohen Lichter 
besser als bei der Entwicklung mit Eisen, und machen die Scala scheinbar (beim 
Copiren) rascher zur Intensität ansteigen; darum zieht man in der Praxis für solche 
Platten den Pyro- Entwickler vor. 

Bei der sauren Siede - Emulsion verhält es sich umgekehrt Hier arbeiten die 
unreifen Emulsionen dünn und erst nach der Digestion in der Wärme erhält man 
kräftige Bilder. 

Es ist unendlich wichtig, eine Emulsion darzustellen, welche eine gute Gra- 
dation gibt. Nach manchen Angaben ist es leichter, mit dem sauren Siedeprocesse 
gut graduirto Emulsionen zu erzielen. 1 ) 

Bei den ammoniakalischen Emulsionen fällt häufig bei gewissen Nummern der 
Sensitometerscala plötzlich die Dichte. 

Eine ammoniakalische Emulsion gibt jedoch eine sehr schöne Abstufung der 
Mitteltöne (sog. Gradation), wenn die Digestion nicht übermässig lange fortgeführt 
wurde, um hohe Empfindlichkeit zu erzielen. Ueberreife ammoniakalische Emulsionen 
geben monotone flache Bilder, denen die Zeichnung in den Lichtern fehlt. Bei einer 
sauren Siede -Emulsion ist dies, wie auch Cowan angibt, 9 ) weniger zu fürchten, und 
Abney schreibt der Siede -Emulsion eine bessere Wiedergabe der Schattenabstufungen 
zu, als der ammoniakalischen Emulsion; 8 ) dieses ist aber nach des Verfassers Er- 
fahrungen gewiss nicht allgemein gültig und man kann mit beiden Arten von Emul- 
sion Resultate ersten Ranges erzielen. Gewöhnlich mischt man harte (unempfindliche) 
und weiche (hochempfindliche) Emulsion, wie nachstehend gezeigt wird. 

V. Das Mischen mehrerer Emulsionen von verschiedener 

Empfindlichkeit und Intensität. 

Mischt man Emulsion, welche von Nummer 1 bis 8 oder 10 des Warnerke- 
Sensitometers sehr kräftig und rasch sinkend graduirt sind (wie z. B. Fig. 21), mit 
einer anderen, welche von Nummer 1 bis 10 zu dünn und zu langsam sinkend gra- 
duirt ist, dagegen von 10 bis 20 gut abgestuft erscheint (wie z. B. Fig. 22), so erhalt 
man eine von Nummer 1 bis 19 oder 20 continuirlich und gut abgestufte Scala. Es 
haben sich die entgegengesetzten Fehler der Emulsion compensirt 

Mischt man eine hochempfindliche, aber nicht mehr ganz klar arbeitende Emul- 
sion mit nicht gereifter Bromsilbor- Gelatine, so ist, wie der Verfasser zuerst im Jahre 
1882 angab, 4 ) der Erfolg sehr befriedigend. Schon 7, bis Vto der letzteren bewirkt 
völlige Klarheit sowie geringere Kraft und schadet der Empfindlichkeit nicht merklich. 
Im Gegentheil, es sind mehr Details durch längeres Entwickeln herauszubringen. 
Ein Zusatz von gleichviel ungereifter Emulsion drückt die Empfindlichkeit herab. 

Mit Hilfe dieser und ähnlicher Mischungserfahren lässt sich die Undurch- 
sichtigkeit einer Emulsion bedeutend erhöhen, ohne dass die Empfindlichkeit leidet 



1) Abney, Warner ke (Phot Journ. 1S82. Bd. 7, S. 35). 

2) Phot. News. 1882. S. 765. 

3) Ebendaselbst. 

4) Phot. Corresp. 1882. S. 149. 



Allgemeines üb. Prüfung der Emulsion , Bestimmung ihrer Empfindlichkeit etc. 205 

Mischt man Emulsionen von verschiedener Empfindlichkeit und ungefähr gleichem 
Silbergehalte, so wird das Gemisch empfindlicher als das Mittel der Empfindlichkeit 
beider, wie zuerst Burton veröffentlichte 1 ) und der Verfasser gleichfalls wiederholt 
beobachtete. Y. Schumann beobachtete einen Fall, in welchem eine wenig empfind- 
liche Emulsion durch eine hochempfindliche zehnmal empfindlicher wurde, wenn 
auch nur Vio der letzteren beigemischt wurde (Eder's Jahrbuch f. Fhot. 1889. S. 298). 

Der Fabrikant kann sich durch Abmischen von weich und hart arbeitender 
Emulsion jede beliebige Zwischenstufe herstellen. 

Wilde bemerkt ganz richtig*): „Bei aller Aufmerksamkeit fallen die Emul- 
sionen doch oft recht verschieden aus. — Um eine Emulsion zu gewinnen, die mir 
Platten von stets gleichen Eigenschaften liefert, fertige ich stets drei bis vier Partien 
gleichzeitig an, in welchen die Verhältnisse des Silbers zum Bromkalium verschieden 
sind und bei welchen zum Reifen auch verschiedene Temperaturgrade angewendet 
werden. Jede derselben wird allein versucht. Aus den gewonnenen Resultaten wird 
dann der Schluss gezogen, in welchen Verhältnissen dieselben zu mischen sind. — 
Dieses Verfahren dürfte für stark beschäftigte Photographen zu zeitraubend, für 
weniger beschäftigte zu kostspielig sein, sollte aber von denen befolgt werden, die, 
wie ich, Platten und Emulsion zum Verkauf anfertigen, um ihre Abnehmer stets 
gleichmässig bedienen zu können. Auf diese Weise ist es auch leicht, den Anforde- 
rungen der Einzelnen Rechnung zu tragen. Der Eine will sehr kräftige Negative, 
der Andere weiche oder dünne, zarte. Die Ansprüche an den Charakter der Negative, 
also auch an die Eigenschaften der Gelatine -Emulsion, sind sehr verschieden/ 

Nach Burton 8 ) mischen englische Fabrikanten Koch -Emulsion mit Silberoxyd- 
ammoniak-Emulsion, was schon früher der Verfasser in der 2. Auflage seines Werkes 
empfohlen hatte; 4 ) Cowan 6 ) in England mischt mehrere Quantitäten von Koch- 
Emulsion. Sehr gut eignet sich nach den Versuchen des Verfassers auch eine 
Mischung von kräftiger Silberoxydammoniak -Emulsion (siehe unten) mit dünner sehr 
empfindlicher Henderson -Emulsion (siehe unten) oder anderer Rapid -Emulsion 
(siehe unten). 



1) Brit Journ. of Phot. 1884. Nr. 1252. Phot. Archiv. 1884. S. 181. 

2) Phot. Corresp. 1881. S. 101. 

3) Phot. News. 1883. S. 286. 

4) Eder's Theorie und Praxis der Photographie mit Bromsilber -Gelatine. 1883. 
Seite 99. 

5) Phot. News. 3883. S. 131. 



SIEBZEHNTES GAPITEL. 

SYSTEM DEE SENSIT0METE1E PHOTOGRAPHISCHEK 

PLATTEN. 



Folgendes System der Sensitometrie gestattet die Lösung der wich- 
tigsten Fragen betreffs Empfindlichkeit und Gradation der Platten. Es 
wurde von Eder, unter Zugrundelegung des Scheinor'schen (etwas 
geänderten) Sensitometers ausgearbeitet und in den Sitzungsberichten 
der Kais. Akad. der Wissensch. in Wien, mathem.-naturwissensch. Classe 
(Bd. 108; Abth. IIa; vom 9. Nov. 1899), dann in der Phot. Corresp. 
(1900) publicirt. 

Die Lichtmenge, welche noth wendig ist, um einen eben bemerk- 
lichen photographischen Effect (z. B. erste Spur der Schwärzung einer 
Bromsilber- Gelatineplatte im Entwickler) hervorzurufen, nennt man den 
Schwellenwerth einer photographischen Platte. Die Höhe des 
Schwellen werthes des zur photographischen Bilderzeugung nöthigen Licht- 
reizes für Bromsilber- Gelatineplatten lässt sich am besten in Secunden- 
Meter- Kerzen ausdrücken. Diese Grösse liegt knapp über der oberen 
Grenze der zulässigen „Vorbelichtung" einer photographischen Platte, 
welche man vornehmen kann, ohne eine Bildspur („ Beiich tungs- 
schleier tt ) zu erzielen. 1 ) 

Wenn auch dieser Schwellenwerth keine ganz constante Grösse ist 
(siehe unten bei „Abweichungen von der Reciprocitätsregel" und „Effect 
von intermittirender Beleuchtung"), so charakterisirt er doch in gewissen 
Grenzen die Lichtempfindlichkeit photographischer Platten. 



1) Da das Belichten einer Platte bis zum Vorbelichtungsmasdmum mitunter 
ihre Empfindlichkeit günstig (wenn auch nur beschränkt und nicht in hohem Grade) 
beeinflusst (Eder, Handbuch der Photographie, 2. Aufl., I. Bd., Abth. 1, 8.313), so 
ist die Kenntniss dieses Seh wellen werthes auch in dieser Richtung erwünscht. — 
Lieber den Einfluss der Vorbelichtung auf die „photographische Photometrie dar Ge- 
stirne 44 s. Schwarzschild (Publicationen der Kuffner'schen Sternwarte in Wien, 
1900, C. S. 35). 



System der Sensitometrie photographischer Platten. 207 

Während langer Zeit war die Messung der Lichtempfindlichkeit photo- 
graphischer Präparate (die sogenannte Sensitometrie) nur auf der 
Bestimmung dieses Schwellenwerthes des zur photographischen Bild- 
erzeugung eben zureichenden Lichtreizes basirt, und dieser Vorgang 
entspricht auch zunächst den Bedürfnissen der praktischen Photographie. 
In neuerer Zeit wurden die Methoden der Sensitometrie wesentlich 
weiter ausgedehnt und bedürfen besserer Beobachtungsmittel, auf welche 
hier näher eingegangen werden soll. 

Im Allgemeinen nimmt man an, dass innerhalb weiter Grenzen 
den gleichen Producten aus Lichtintensität (J) und Belich- 
tungszeit (t) dieselben photographischen Wirkungen entsprechen 
(Bunsen-Koscoe-Gesetz 1 , auch photographische Reciprocitätsregel 
genannt). 

Nach dieser Regel, welche bekanntlich beschränkte Wirksamkeit 
hat, muss bei photographischen Processen um so kürzer belichtet werden, 
je grösser die Lichtintensität ist, und in der That wird dieser Vorgang 
in der Praxis gewöhnlich eingehalten. 

Das Product J- 1 giebt die auf die Flächeneinheit einfallende 
Lichtmenge, welche bei photographischen Processen in Betracht kommt. 

Die Lichtempfindlichkeit von photographischen Platten 
wird entsprechend diesen einfachen Voraussetzungen umgekehrt pro- 
portional der bis zur Erreichung des ersten (schwächsten) Lichteindruckes 
erforderlichen Lichtmenge. 

Bei der Bestimmung der Lichtempfindlichkeit (Sensitometrie) 
von Bromsilber-Gelatineplatten mit Hervorrufung kommt ihre 
Schwärzung im Entwickler in Betracht Die Schwärzung photogra- 
phischer Bromsilberplatten hängt ab: 

1. von der Intensität und Wellenlänge des einwirkenden Lichtes; 

2. von der Belichtungsdauer; 

3. von der Lichtempfindlichkeit der Platte und der Dicke der 
sensiblen Schicht; 2 ) 

4. von der Art (chemischen Zusammensetzung, 3 ) Zeitdauer, Tem- 
peratur etc.) der Entwicklung. 

1) Pogg. Annalen. 1862. Bd. 117, S. 529. 

2) Vergl. ,Ueber den Einfluss der Dicke der photographischen Emulsions- 
schicht 41 : Baylay (Eder's Jahrbuch für Phot. 1895, S. 408) und Abney (Edor's 
Jahrbuch f. Phot. 1899). 

3) Die chemische Zusammensetzung und die damit innig verbundene ent- 
wickelnde Kraft des Entwicklers übt einen entscheidenden Einfluss auf die Licht- 
erapfindlichkeit photographischer Platten. Es sei besonders hervorgehobon, dass die 
verschiedenen photographischen Entwickler keineswegs die gleiche entwickelnde Kraft 
besitzen, wie J. Precht irrthümiich angab (Phot. Corresp. 1899. S. 22), sondern viel- 



208 Dritter Theil. Siebzehntes Capitel. 

Die sensitometrischen Methoden sind für die Beurtheilung der 
Lichtempfindlichkeit der photographischen Platten wichtig, und zwar so- 
wohl aus wissenschaftlichen Gründen, als auch bezüglich ihres Handels- 
werthes. Jedoch kommt bei Beurtheilung der Eignung photographischer 
Platten nicht nur die Lichtempfindlichkeit allein, sondern auch ihre 
Fähigkeit, die Abstufung von Licht und Schatten (sogenannte Gra- 
dation) annähernd richtig wiederzugeben, in Betracht, ferner die so- 
genannte Schleierbildung etc. 

Dieselben Methoden, welche zur Sensitometrie photographischer Plat- 
ten dienen, können auch zur photometrischen Bestimmung der Helligkeit 
zweier Lichtquellen benutzt werden. Man nimmt an, dass Licht- 
quellen in jenem Falle als photographisch gleich hell zu bezeichnen 
sind, wenn sie auf denselben photographischen Platten in gleicher Zeit 
und unter sonst gleichen Umständen gleiche Schwärzungen erzeugen. 

Für die Durchführung sensitometrischer Untersuchungen ist in 
erster Linie die Wahl einer constanten Normallichtquelle not- 
wendig. Auch wurde auf Grund meines Keferates am III. Internatio- 
nalen Congresse für angewandte Chemie 1898 *) für die Verwendung der 
Normallichtquelle das Princip acceptirt: „Die Strahlen der Normal- 
lichtquelle sollen direct auf die photographische Schicht 
wirken, ohne dass absorbirende oder reflectirende Schichten 
eingeschaltet werden." 2 ) 

Als Normallichtquelle ist für die Zwecke der praktischen Sen- 
sitometer photographischer Schichten die Hefner'scüe Amylacetat- 
lampe sowohl vom Pariser „Congrös de Photographie", 1889, 8 ) als auch 
vom genannten Congresse für angewandte Chemie in Wien 1898 an- 
genommen worden. 4 ) Man blendet die Flamme der Hefner- Lampe für 
Zwecke der Sensitometrie von Bromsilber- Gelatineplatten mitunter durch 
vorgeschaltete Schlitzblenden ab, einerseits um die Helligkeit der Flamme 
zu verringern, andererseits um grössere Constanz zu erzielen, und be- 
rechnet die Helligkeit der geblendeten Flamme auf die Hefner'sche 



mehr unter sich verschieden sind, wie M. Andresen (Phot. Corresp. 1899. 8.206) 
bewies. Die im Handel vorfindlichen Entwicklerpräparate zeigen allerdings in der 
Regel nur massige Unterschiede in ihrer Wirksamkeit. 

1) Phot. Corresp. 1898. S. 470; Eder, Jahrbuch für Photographie und Repro- 
ductionstechnik. 1899. S. 37. 

2) Es sind also bei der Construction von Normal -Sensitometern BOgenannte 
Scalenphotometer mit staffeiförmig geschichteten transparenten Papierschichten etc. 
für sehr genaue Arbeiten nicht zulässig. 

3) Eder's Ausführliches Handbuch der Photographie, 2. Aufl. 1892. Bd.1, 
Abth. 1, 8. 355. 

4) Phot. Corresp. 1898; Eder's Jahrbuch f. Phot. 1899. S. 37. 



System der Sensitometrie photographischer Platten. 209 

Originallampe. Oder man benützt eine Benzinkerze 1 mit einem seit- 
lich ausgeschnittenen Glascylinder, welche Flamme ruhiger brennt und 
sich spectroskopisch sehr ähnlich der Amylacetatflarame verhält und 
deshalb leicht auf diese letztere Normalflamme reducirt werden kann. 2 ) 
Beide Arten von Normalflaramen sind leider viel ärmer an Blauviolett 
als das diffuse Tageslicht, was Störungen verursachen kann, wenn 
man aus der bei Benzinlicht gefundenen Empfindlichkeit photographi- 
scher Platten unmittelbar auf ihr Verhalten gegen Tageslicht Schlüsse 
ziehen will. 

Trotzdem ist die Benzin-, sowie Amylace tatflamme zur Prüfung 
der Empfindlichkeit von Brorasilber- Gelatine, sowie Jodbrom- Gelatine- 
platten sehr geeignet. Sie liefern völlig constante, unter sich sehr 
gut vergleichbare und für die Expositionszeit der praktischen Photo- 
graphie völlig befriedigende Resultate, indem die experimentellen Unter- 
suchungen ergaben, dass die relative Empfindlichkeit bei gewöhnlichen 
Bromsilberplatten für Amylacetat- und Tageslicht annähernd parallel 
läuft Orthochromatische Platten geben aber abweichende Resultate, 8 ) 
und bei der Photometrie von Lichtquellen mit stark differirender spec- 
ialer Zusammensetzung, wie auch bei Sternphotographien scheinen sich 
Abweichungen geltend zu machen. 

Bei sensitometrischen Versuchen muss eine Scala von regelmässig 
und in genau bekannter Progression ansteigenden Lichtmengen auf die 
photographische Schichte einwirken. Als besonders bequem erweisen 
sich die bei optisch-photometrischen Untersuchungen schon lange mit 
Erfolg angewandten rotirenden Scheiben mit Ausschnitten, und als beste 
Variante dieses Sensitometerprincips erscheint dasScheiner'sche Sensi- 
tometer (ausgeführt vom Mechaniker Töpfer in Potsdam). Ueber 
dieses Instrument wurde bereits früher ausführlich berichtet (dieses 
Handbuch Bd. II, 2. Aufl.) und später wurden vom Verfasser einige kleine 
Abänderungen, welche Scheiner acceptirte, daran angebracht. 4 ) 

Scheiner's Universalsensitometer besteht aus einer rotirenden 
Scheibe S mit dem Ausschnitte a (Fig. 23); sie wird durch ein kleines 



1) D. i. eine mit Petroleum -Benzin gespeiste und mit einem runden, verstell- 
baren Baumwolldocht versehene Lampe mit regulirbarer Flammenhöhe. Man beachte, 
dass etwas flüssiges Benzin in dem mit einem Schwämme gefüllten Lampenkörper 
vorhanden sein muss, wenn die Flamme mit constanter Helligkeit brennen soll. 

2) Die Benzinkerze wird von AVeber, sowie Seh ein er und anderen als Ver- 
^leichsflamme für photometrische Zwecke benützt. 

3) Zuerst erwähnt von Eder, Sitzungsberichte d. Wiener Akad. d. Wiss. 1885. 

4) Beseitigung von allen vorgeschalteten durchsichtigen Medien; genaue Ab- 
stufung der aneinander stossenden, gleichmässig beleuchteten Felder an Stello der 
anfänglich von Scheiner vorgeschlagenen continuirlich abgestuften Scala. 

Eder, Handbach der Photographie. III. Theil. 5. Aufl. 14 



208 Dritter Theil. Siebzehntes Capitel. 

Die sensitometrischen Methoden sind für die Beurtheilung der 
Lichtempfindlichkeit der photographischen Platten wichtig, und zwar so- 
wohl aus wissenschaftlichen Gründen, als auch bezüglich ihres Handels- 
werthes. Jedoch kommt bei Beurtheilung der Eignung photographischer 
Platten nicht nur die Lichtempfindlichkeit allein, sondern auch ihre 
Fähigkeit, die Abstufung von Licht und Schatten (sogenannte Gra- 
dation) annähernd richtig wiederzugeben, in Betracht, ferner die so- 
genannte Schleierbildung etc. 

Dieselben Methoden, welche zur Sensitometrie photographischer Plat- 
ten dienen , können auch zur photometrischen Bestimmung der Helligkeit 
zweier Lichtquellen benutzt werden. Man nimmt an, dass Licht- 
quellen in jenem Falle als photographisch gleich hell zu bezeichnen 
sind, wenn sie auf denselben photographischen Platten in gleicher Zeit 
und unter sonst gleichen Umständen gleiche Schwärzungen erzeugen. 

Für die Durchführung sensitometrischer Untersuchungen ist in 
erster Linie die Wahl einer constanten Normallichtquelle not- 
wendig. Auch wurde auf Grund meines Referates am III. Internatio- 
nalen Congresse für angewandte Chemie 1898 x ) für die Verwendung der 
Normallichtquelle das Princip acceptirt: „Die Strahlen der Normal- 
lichtquelle sollen direct auf die photographische Schicht 
wirken, ohne dass absorbirende oder reflectirende Schichten 
eingeschaltet werden." 2 ) 

Als Normallichtquelle ist für die Zwecke der praktischen Sen- 
sitometer photographischer Schichten die Hefner'scüe Amylacetat- 
lampe sowohl vom Pariser „Congrös de Photographie", 1889, 8 ) als auch 
vom genannten Congresse für angewandte Chemie in Wien 1898 an- 
genommen worden. 4 ) Man blendet die Flamme der Hefner- Lampe für 
Zwecke der Sensitometrie von Bromsilber- Gelatineplatten mitunter durch 
vorgeschaltete Schlitzblenden ab, einerseits um die Helligkeit der Flamme 
zu verringern, andererseits um grössere Constanz zu erzielen, und be- 
rechnet die Helligkeit der geblendeten Flamme auf die Hefner'sche 



mehr unter sich verschieden sind, wie M. Andresen (Phoi Corresp. 1899. 8. 208) 
bewies. Die im Handel vorfindliehen Entwicklerpräparate zeigen allerdings in der 
Regel nur massige Unterschiede in ihrer Wirksamkeit. 

1) Phot. Corresp. 1898. S. 470; Eder, Jahrbuch f ür Photographie und Repro- 
ductionstechnik. 1899. S. 37. 

2) Es sind also bei der Construction von Normal -Sensitometern sogenannte 
Scalenphotometer mit staffeiförmig geschichteten transparenten Papiersohiohten etc. 
für sehr genaue Arbeiten nicht zulässig. 

3) Eder' s Ausführliches Handbuch der Photographie, 2. Aufl. 1892. Bd.1, 
Abth. 1, S. 355. 

4) Phot. Corresp. 1898; Eder's Jahrbuch f. Phot. 1899. S. 37. 



System der Sensitometrie photographischer Platten. 209 

Originallampe. Oder man benützt eine Benzinkerze 1 mit einem seit- 
lich aasgeschnittenen Glascylinder, welche Flamme ruhiger brennt und 
sich spectroskopisch sehr ähnlich der Amylacetatflarame verhält und 
deshalb leicht auf diese letztere Normalflamme reducirt werden kann. 2 ) 
Beide Arten von Normalflammen sind leider viel ärmer an Blauviolett 
als das diffuse Tageslicht, was Störungen verursachen kann, wenn 
man aus der bei Benzinlicht gefundenen Empfindlichkeit photographi- 
scher Platten unmittelbar auf ihr Verhalten gegen Tageslicht Schlüsse 
ziehen will. 

Trotzdem ist die Benzin-, sowie Araylacetatflamine zur Prüfung 
der Empfindlichkeit von Bromsilber-Gelatine, sowie Jodbrom- Gelatine- 
platten sehr geeignet. Sie liefern völlig constante, unter sich sehr 
gut vergleichbare und für die Expositionszeit der praktischen Photo- 
graphie völlig befriedigende Resultate, indem die experimentellen Unter- 
suchungen ergaben, dass die relative Empfindlichkeit bei gewöhnlichen 
Bromsilberplatten für Amylacetat- und Tageslicht annähernd parallel 
läuft Orthochromatische Platten geben aber abweichende Resultate, 8 ) 
und bei der Photometrie von Lichtquellen mit stark differirender spec- 
ialer Zusammensetzung, wie auch bei Stern Photographien scheinen sich 
Abweichungen geltend zu machen. 

Bei sensitometrischen Versuchen muss eine Scala von regelmässig 
und in genau bekannter Progression ansteigenden Lichtmengen auf die 
photographische Schichte einwirken. Als besonders bequem erweisen 
sich die bei optisch -photometrischen Untersuchungen schon lange mit 
Erfolg angewandten rotirenden Scheiben mit Ausschnitten, und als beste 
Variante dieses Sensitometerprincips erscheint dasScheiner'sche Sensi- 
tometer (ausgeführt vom Mechaniker Töpfer in Potsdam). Ueber 
dieses Instrument wurde bereits früher ausführlich berichtet (dieses 
Handbuch Bd. II, 2. Aufl.) und später wurden vom Verfasser einige kleine 
Abänderungen, welche Scheiner acceptirte, daran angebracht. 4 ) 

Scheiner's Universalsensitometer besteht aus einer rotirenden 
Scheibe S mit dem Ausschnitte« (Fig. 23); sie wird durch ein kleines 



1) D. i. eine mit Petroleum -Benzin gespeiste und mit einem runden, verstell- 
baren Baumwolldocht versehene Lampe mit regulirbarer Flammenhöhe. Man beachte, 
<iass etwas flüssiges Benzin in dem mit einem Schwämme gefüllten Lampenkörper 
vorhanden sein muss, wenn die Flamme mit constanter Helligkeit brennen soll. 

2) Die Benzinkerze wird von AVeber, sowie Seh ein er und anderen als Ver- 
.gleichsflamme für photometrische Zwecke benützt. 

3) Zuerst erwähnt von Eder, Sitzungsberichte d. Wiener Akad. d. Wiss. 1885. 

4) Beseitigung von allen vorgeschalteten durchsichtigen Medien; genaue Ab- 
stufung der aneinander stossenden, gleichmässig beleuchteten Felder an Stelle der 
Anfänglich von Scheiner vorgeschlagenen continuirlich abgestuften Scala. 

Eder, Handbuch der Photographie. III. Theil. 5. Aufl. 14 



210 



Dritter Theil. Siebzehntes Capitel. 



Kurbelrad K mit Schnurlauf durch Handbetrieb in Rotation versetzt 
(ein- bis zweimalige Kurbeldrehung pro 1 Secunde bewirkt Rotation der 
Scheibe 400 — SOOnial 1 pro 1 Minute). Hinter der Scheibe ist die Cas- 
sette C mit der photographischen Platte angebracht. Die Belichtung 
erfolgt also intermittirend. Als Normallicht dient eine Benzinkerze; es 
wird die Flamme durch eine 1 mm breite horizontale Spaltblende ab- 
geblendet und die Flammenhöhe durch einen Metallring markirt. Ein 
rother Glascylinder scliliesst die Flamme ein und lässt nur vorne durch 
eine runde Oeffnung das Licht frei auf die Sensitometerscheibe fallen; 
diese Lichtquelle wird gegenüber der Mitte der pbotographisehen 
Platte (Mitte der Scala) aufgestellt. Für unsere Zwecke ist der ge- 
zähnte Ausschnitt der Scheibe empfehlenswert!!. 




Bei Scheiner's Tjniversalsensitometer kommen Intertsitäteuntw 
schiede = 1 : 1,27 zur Wahrnehmung, und zwar heim grossen Modell 
innerhalb der Grenze von 1 bis 200. Der Ausschnitt hei Nr. 1 bei 
Scheiner's Sensitometer bat 100 Grad Winkelöffnung; dun ■ 
Aufschnitten entsprechen die Nummern a, fr, c, den kleinen die Num- 
mern 1 bis 20, welche letztere, an der Peripherie der Scheibe liegend, 
am wenigsten Licht empfängt. 

Fig. 23 zeigt die auf Eder's Vorschlag angebrachte neue Form der 
Scheibe mit eckigen Ausschnitten. 

Die Scalenfelder der entwickelten Phitte stosseu unmittelbar an- 
einander (Fig. 24). Durch diese Anordnung kann man ungemein deut- 



1) Die Anzahl der Umdrehungen 
Resultat keineswegs (Scbeiner). 



beeinflusst innerhaib dieser Grenien • 



System der Sensitometrie photographischer Platten. 



211 



lieh erkennen, bei welcher Intensität des einwirkenden Lichtes die einzel- 
nen Felder sich noch unterscheiden , respective oh die Dichtigkeitsdifferenz 
verwischt erscheint oder nicht Jene Phasen der Ueber- und Unter- 
exposition, in welchen die zu prüfende Bromsilberplatte keine Trennung 
der benachbarten Felder erkennen lässt, sind für die Charakteristik der 
Platte und die Ermittlungsperiode der correcten Expositionszeit von 
Wichtigkeit. Daneben befinden sieb aber in der Sensitometereassette 
auch in Blech geschnittene Ziffern und Streifen, welche die Controle 
erleichtern, bis zu welchem Sensitometerfelde 
die schwächste Lichtwirkung sich erstreckte. 
Eine zweite Cassette enthält schmale gitter- 
förmige Einlagen, um die Felder zu trennen, 
was bei der Ablesung der schwächsten sicht- 
baren Nummern die Beobachtung erleichtert 
(Fig. 25). 

Die normale Distanz der Benzinlampe 
(mit Cylinder und Blende) von der rotirenden 
Scheibe ist™ 1 m, die Anzahl der Umdrehungen 
der letzteren 400 bis 800 pro Minute, die 
Belichtungsdauer = 1 Minute. 

Die photometrische Reduction der Schei- 
ner'schen Benzinlampe auf die Hefner'sche 
Amylacetatlampe hatte Eder bereits im Jahre 
1898 vorgenommen, 1 ) und zwar durch Ermitt- 
lung des Lichtabstandes beider Lichtquellen, 
welche bei gleicher Belichtungsdauer den glei- 
chen photographiseben Effect ergeben. Die da- 
maligen Befunde wurden von demselben neuer- 
dings revidirt und dieselben Werthe gefunden. 
Es ergab sich nämlich die chemische Hellig- 
keit (für Bromsilber-Gelatine) der abgeblendeten Scheiner'schen Benzin- 
lampe = 0,076 (-= l / )W ) der Hefner'schen Amylacetatlampe, wobei die 
erstere mit Petroleumbenzin des Handels*) vom speeifischen Gewichte 
0,704 bei 15 Grad C. mit einer Siedegrenze von 60 bis 100 Grad C. be- 
nützt wurde. 8 ) Mittelst dieser Zahlen ist eine Reduction dieser Werthe 




1) Phot. Corresp. 1898. S. 469. 

2) Gewöhnliches Petroleumbenzin für „Ligroiolampeu", bezogen von der Petio- 
lenmraffinerie Wagenmann in Wien. 

3) Ueber den Einfluss verschiedener Benzinsorten auf die Helligkeit der Lampe 
(siehe Eder's Ahhandiung Phot. Corresp. 1899. S. 714 und 1900). 

14* 



212 Dritter Theil. Siebzehntes Capitel. 

und Umrechnung der Wirkung auf „Secunden-Meter-Kerzen tf leicht 
möglich. 

Aus der Verhältnisszahl 1 Scheiner'sche Benzinkerze = 7i3>2 
Hefner-Kerzen resultirt für die erste Nummer des Scheiner'schen Sensi- 
tometers bei der Normalexpositionszeit von 60 Secunden eine Licht- 
wirkung von 1,263 Secunden - Meter - Kerzen. Zur Bestimmung des 
Seh wellen werthes oder der Empfindlichkeitszahl werden die entwickelten, 1 ) 
fixirten und getrockneten Platten mit der Schichtseite auf weisses Schreib- 
papier gedrückt und die letzten (schwächsten) Nummern derart abgelesen; 
bei Beurtheilung kräftigerer Niederschläge betrachtet man die Platten 
gegen den hellen Himmel in der Durchsicht. 

Beim Scheiner'schen Sensitometer (grosses Modell) kommen In- 
tensitätsunterschiede der Lichtabstufungen der 23 Felder (a, 6, c, 1 bis 
20) von 2,614 bis 0,013 Secunden -Meter -Kerzen zur Wirkung. Dies 
genügt bei Bromsilber- Gelatineplatten für die Bestimmung der zur Er- 
zielung des ersten entwickelbaren Lichteindruckes erforderlichen Licht- 
menge. 

Mitunter benöthigt man grössere Lichtintensitäten, z. B. um inten- 
sivere Schwärzungen der zu prüfenden Platten beim Entwickeln zu 
erzielen (namentlich bei unempfindlichen Plattensorten). Die Vermehrung 
der Lichtintensität (unter Beibehaltung derselben Benzinkerze) kann man 
durch Nähern der Lichtquelle erreichen. (Man benützt dann am besten 
die in Fig. 26 angedeutete Cassettenform.) 

Während bei normaler Anwendung des Scheiner'schen Sensi- 
tometers der Lichtabstand = 1 m ist, kann man zur Vermehrung der 
Lichtintensität die Benzinkerze — 72,94 m zu nähern. Es entspricht dann 
Nummer 1 der normalen Anordnung nach der Rechnung genau Num- 
mer 10 bei genäherter Lichtquelle. 2 ) 

Nummer c bei genäherter Lichtquelle (wir wollen kurz von rund 
y 3 m sprechen) erhält 8,84 mal mehr Licht als Nummer c bei normaler 
Distanz der Lichtquelle (1 m). Bei Vornahme zweier Sensitometer- 
bestimmungen im Scheiner'schen Sensitometer — einmal mit dem 
Lichtabstand = 1 m, das zweitemal 1 / 3 m Abstand (genauer = 1 / 1 , 94 m) — 
kann man also die Wirkungen von Intensitätsunterschieden von 1 bis 



1) Man entwickelt bis zur beginnenden Verschleierung, also reichlich und lange. 

2) Bei der Rechnung der Distanz 72*94 ^ st berücksichtigt, dass bei genäherter 
Lichtquelle ein umso grösserer Theil der Flammen von einem Punkte der Platte durch 
das Diaphragma hindurch sichtbar wird. Genaue Correctionstabellen für beliebige 
Näherung der Lichtquelle beim Scheiner'schen Sensitometer gab Sohwarxschild 
(Publicationen der Ku ff n er' sehen Sternwarte in AVien. Bd. 5. 1900. C. 8. 20i Aach 
Eder's Jahrbuch für Phot. 14. Jahrgang). 



System der Sensitometrie photographisoher Platten. 213 

1830 zur Wahrnehmung bringen, was bei den Bromsilbergelatine- 
Trockenplatten vollkommen ausreicht, um ihre Empfindlichkeit und die 
Zunahme der Schwärzung von der ersten wahrnehmbaren Bildspur bis 
zur tiefsten Schwärzung zu verfolgen. 

Eine weitere Näherung der Lichtquelle ist nicht thunlich, wes- 
halb man bei besonders unempfindlichen photographischen Platten zur 
Verlängerung der Belichtungszeit greifen muss. 

Nummer a bei normalem Lichtabstande (1 m) und der normalen 
Belichtungszeit (1 Minute) entspricht derselben berechneten Lichtmenge 
wie Nr. 10 bei 72#4 m Lichtabstand und einer Exposition von 14 Mi- 
nuten 24 Secunden. 

Nach diesen Voraussetzungen lässt sich folgende Tabelle I einer 
sehr ausgedehnten Scala abgestufter Lichtwirkungen berechnen, welche 
den Lichtmeogen 1 bis 26400 entsprechen. 

Um sensitometrische Bestimmungen leicht durchführen und auf das 
Normalmaass von Secunden-Meter-Kerzen (d. s. Hefner-Kerzen) zurück- 
führen zu können, sind die betreffenden AVerthe in die nachstehende 
Tabelle I aufgenommen. Darnach erhält man auf weniger (höchstens 
drei) Sensitometerproben alle notwendigen Daten bequemer, als es bis- 
her möglich war. 

Zunächst wird eine Sensitometerprobe im Scheiner'schen Sensi- 
tometer bei 1 m Lichtabstand und 60 Secunden Exposition gemacht; 
dann wird bei y 2 ,9 4 m Lichtabstand während 60 Secunden und schliess- 
lich (bei sehr unempfindlichen Platten) bei einem Liebtabstande von 
Ys** m während 14 Minuten 24 Secunden exponirt und alle Platten in 
völlig gleicher Weise (am besten mit Eisenoxalat- Entwickler 1 )) bei der 

1) Als Normalentwickler für Bromsilber- Gelatineplatten verwendet Eder ebenso 
wie Hurter, Driffield, Rae, Andresen u. A. den Eisenoxalat-Entwickler. 
Derselbe reducirt das Silberbild mit grauer Farbe; die Bildstellen besteben nach dem 
Fixiren aus metallischem Silber, welches frei von Farbstoffen ist (die mit Pyrogallol 
entwickten Platten sind z. B. durch gelbbraune Oxydationsproducte gefärbt). Zur Her- 
stellung dieses Entwicklers löst man 

A. Neutrales Kaliumoxalat 1 Theil, 

Wasser 4 Theile. 

B. Eisenvitriol 1 Theil. 

Citronensäure 0,01 Theil, 

Wasser 3 Theile. 

Man mischt unmittelbar vor dem Gebrauche 100 cm 8 der Oxalatlösung A und 
25 cm 8 der Eisenlösung B. Zusatz von Bromkai iumlösung soll beim normalen Eisen- 
oxalat-Entwickler unterbleiben, weil schleierlose Platten auch ohne diesen Zusatz sich 
klar entwickeln lassen. Schleierige Platten benöthigen den Zusatz von Bromkaliumlösung 
(1:10) z.B. im Ausmasse von lern 3 auf 100 cm 3 des Eisenoxalat -Gemisches. Man 
verwende reine (nicht angesäuerte) Fixirnatronlösung. 



214 Dritter Theil. Siebzehntes Capitel. 

mittleren Temperatur von 18 Grad C. entwickelt und fixirt. Die Sensi- 
tometemummern können dann leicht abgelesen werden. Die Colonnen 
1 , 2 und 3 geben die Nebeneinanderstellung der correspondirenden Sensi- 
tometernummern, z. B. soll Nr. 20 bei y 3 m Abstand identisch sein mit 
Nr. 11 bei Im Lichtabstand u. s. w. 

Setzt man die schwächste Lichtmenge in diesem Systeme — 1, so 
ergibt die zweite Rubrik der Tabelle I die relativen Lichtmengen, welche 
den betreffenden Sensitometernummern entsprechen. Da man zur Con- 
struction der charakteristischen Schwärzungscurve (siehe unten) den 
Logarithmus dieser relativen Lichtmengen braucht, so sind die ent- 
sprechenden Logarithmen der relativen Maasszahlen der Lichtmengen in 
der dritten Rubrik dieser Tabelle beigegeben. Die Bestimmung der 
Schwellenwerthe ersieht man am besten in Secunden -Meter- Kerzen 
(Hefner-Einheiten), welche Werthe in der vierten Rubrik angeschlossen 
sind. Die relative Lichtempfindlichkeit einer Platte kann aus der fünften 
Rubrik entnommen werden (reciproker Werth der Lichtmengen die 
grösste Empfindlichkeit = 100 gesetzt); liegt z. B. die schwächste, eben 
sichtbare Sensitometernummer (Schwelle) einer Plattensorte bei 0,143 
Secunden -Meter -Kerzen (<= 10 Grad Scheiner), dagegen bei einer anderen 
Sorte bei 0,013 Secunden -Meter -Kerzen (== 20 Grad Scheiner), so ist 

letztere Plattensorte im Verhältniss von — — lichtempfindlicher als erstere. 

Nach Eder's Versuchen zeigen photographische Bromsilber -Gelatine- 
platten guter mittlerer Empfindlichkeit (wie sie zu Porträtaufnahmen 
verwendet werden) die Empfindlichkeit von 10 Grad Scheiner — 0,143 
Secunden- Meter -Kerzen Seh wellen werth; rapide Platten für Moment- 
aufnahmen zeigen die Empfindlichkeit von 16 bis 17 Grad Scheiner = 
0,03 Secunden -Meter- Kerzen Schwellenwerth, in günstigen Fällen noch 
etwas mehr, während unempfindliche Bromsilber- Gelatine-Trockenplatten 
(feinkörnige für Reproductionszwecke) circa 4 Grad Scheiner = 2,0 Se- 
cunden -Meter-Kerzen Schwellenwerth besitzen. Knapp unter diesem 
Schwellenwerthe muss man sich halten, wenn man „Vorbelichtungen* 
vornehmen will, welche eben noch unter der Grenze der nachweislichen 
photographischen Bilderzeugung (Lichtschleier) stehen. 

Die in der Praxis meistens übliche Angabe der Empfindlichkeit 
durch Angabe des geringsten Schwärzungsgrades gibt für bestimmte 
Entwickler ziemlich constante Zahlen, wenn man die zu prüfenden 
photographischen Platten jedesmal bis zur beginnenden Verschleierung 
entwickelt. Die Bestimmungen verschiedener Beobachter differiren in 
der Regel nur um 1 Grad des S c hei ner' sehen Sensitometera, selten um 
2 Grade. Da diese Differenzen in der praktischen Photographie für die 



System der Sensitometrie photographischer Platten. 





Juinmer 




Relative 


Logarithmus 


Licht- 
in töDäität 


Relative 
Lichtempfind- 


Sclieiner ■• Sensitometers 


Liehtmenge 


Liehtmenge 


Secunden- 


lichkeit der 












Meter- Kerzen 


Platten 






20 


1 


0,00 


0,013 


100 






19 


1,27 


0,10 


0,016 


78,5 






18 


1,62 


0,21 


0,021 


61,6 






17 


2.07 


0,32 


0,026 


48.3 






16 


2,64 


0,42 


0,033 


37,9 






15 


3,36 


0,53 


0,042 


29,8 






14 


4,28 


0,63 


0,054 


23,4 






13 


5,45 


0,74 


0,069 


18,3 






12 


6,95 


0.84 


0,058 


14,4 


o 


20 


11 


8.86 


0,95 


0,112 


11,3 


in 


19 


10 


11,3 


1,05 


0,143 


8,9') 


S M 


18 


9 


14,4 


1,16 


0.182 


7,0 


*i 


17 


8 


18,3 


1,26 


0,232 


5,5 


sB* 


16 


7 


23,4 


1,37 


0,295 


4,3 


«2 


15 


6 


29.8 


1,47 


0,376 


3.4 


1 


14 


5 


37,9 


1,58 


0,478 


2,6 


13 


4 


48,3 


1,68 


0,610 


2,1 


| g 


12 


3 


61,6 


1,79 


0,779 


1,6 


ää 


11 


2 


78,5 


1,89 


0,994 


1,3 


10 


1 


100,0 


2,00 


1,263 


1,00 


~~ 20~ ' 


9 


Q 


127 


2,10 


1,604 


0,79 


19 


8 


6 


162 


2,21 


2,046 


0,62 


18 


7 





207 


2,32 


2,614 


0,48 


17 


e 


— •» 


264 


2,42 


3,3 


0,38 


16 


5 


<D 


336 


2,53 


4,2 


0,30 


16 


4 


Fi ° 


428 


2,63 


5.4 


0,23 


14 


3 


-5 


545 


2,74 


6.9 


0,18 


13 


2 




695 


2,84 


83 


0,14 


12 


1 


jj g 


886 


2,96 


11,2 


0,11 


11 


a 


■13 


1130 


3,07 


143 


0,089 


10 


b 


2 I. 


1440 


3,17 


18,2 


0,070 


9 


e 


«3w 


1830 


3,29 


23,2 


0,055 


8 


' " 




2340 


3,37 


29,5 


0,043 


7 


B& 




2980 


3,47 


37,6 


0,034 


6 


Sa 




3790 


3,58 


47,8 


0,026 


5 


StS 




4830 


3,68 


61,0 


0,021 


4 


'S -- 




6160 


3,79 


77,9 


0,016 


3 


Ig 




7850 


3,89 


98,4 


0,013 


2 


3'i 




10CO0 


4,00 


126 


0,010 


1 




12700 


4,10 


160 


0,0079 


o 


ad 




16200 


4,21 


205 


0,0062 


ft 






20700 


4.32 


261 


0.0048 


f 






26400 


4,42 


330 


0,0038 



1) Mittlere Empfindlich teit von Bromsilber-Gelatmeplatten. 



216 Dritter Theil. Siebzehntes Capitel. 

Beurtheilung der Empfindlichkeit und Verwendbarkeit einer Plattensorte 
nicht stark ins Gewicht fallen, so kann die Fehlergrenze von 1 bis 
höchstens 2 Grade des Scheiner'schen Sensitometers bei praktischen 
photographischen Arbeiten als zulässsig erklärt werden, worauf Eder 
schon früher hingewiesen hat 1 ) 

Die Empfindlichkeit einer Trockenplatte (Angabe des Schwellen- 
werthes) allein ist nicht maassgebend für deren photographische Ver- 
wendbarkeit. Die Platten sollen auch frei von Schleier sein und 
überdies die Licht- und Schattenabstufungen gut wiedergeben, d. h. 
gute „Gradation" zeigen. 

Ein Diapositiv wird gut und richtig graduirt sein, wenn die von 
den verschiedenen Stellen durchgelassenen Lichtintensitäten annähernd 
in demselben Verhältnisse zu einander stehen, wie die wirklichen Licht- 
intensitäten an den betreffenden Stellen des photographirten Objectes. 

Zur Ermittlung des Umstandes, ob eine photographische Platte 
fähig ist, bei gewisser Belichtung eine richtige Gradation zu geben, 
muss man den Schwellenwerth und überdies die Zunahme der photo- 
graphischen Schwärzung bei zunehmender Lichtwirkung kennen. 

Eine genügend umfassende Scala der fortschreitenden Schwärzung 
wird bei Bromsilber- Gelatineplatten am besten erhalten, wenn man im 
Scheiner -Sensitometer Lichtmengen von 0,112 bis 23,2 Secunden- Meter- 
Kerzen einwirken lässt. Dies erreicht man nach Eder's Versuchen am 
besten bei einem Abstände der Benzinkerze vom Scheiner- Sensitometer 
= Y 2 . 94 m und 1 Minute Expositionszeit. Die Schwärzungsscala umfasst 
dann meistens die schwächsten und stärksten, eben noch mit Sicherheit 
messbaren Nummern, welche für die Schwärzungscurve (siehe unten) 
maassgebend sind. 



I. Methoden zur Bestimmung verschiedener Schwärzungsgrade 

hei Bromsilher-Grelatineplatten. 

Die exaete Bestimmung der Schwärzung photographischer Platten 
(im Hervorrufer) kann durch directe absolute Messung der Lichtundurch- 
lässigkeit des Silberniederschlages erzielt werden. 

Bei der absoluten Messung der Schwärzung der einzelnen Felder 
einer solchen Normalscala ging Eder folgendermaassen vor: Es wurde 
mit dem grossen Scheiner- Sensitometer eine Scala progressiver photo- 
graphischer Schwärzungen auf einer Bromsilberplatte (mit Eisenoxalat- 
Entwickler) hergestellt und deren verschieden geschwärzte Felder in 



1) Phot. Corresp. 1898. S. 657. 



System der Sensitometrie photographischer Platten. 217 

einem Weber'schen Photometer (von Schmidt und Haensch in Berlin) 
auf ihre TJndurchlässigkeit gegen Licht untersucht; es wurde das Inten- 

sitätsverhältniss des auffallenden zum durchgelassenen Lichte (-7;) be- 
stimmt, indem die photographische Platte unmittelbar an die durch- 
scheinende Milchglasplatte des Web er' sehen Photometers gelegt wurde. 
Diese Verhältnisszahl gibt das Maass der Lichtundurchlässigkeit 
der photographischen, mehr oder weniger geschwärzten Schichten. 

Derartige Messungen wurden an mehreren Streifen von Bromsilber- 
gelatine, welche im Scheiner- Sensitometer eine allmählich steigende 
Schwärzung erlitten hatten, wiederholt und dadurch Normalscalen x ) von 
genau gemessener, gradatim steigender Lichtundurchlässigkeit erhalten. 

Die Undurchsichtigkeits-Messungen photographischer Platten im 
Weber'schen oder ähnlichen Photometern sind in hohem Grade zeit- 
raubend und werden nur durchgeführt, um möglichst genau bestimmte 
Schwärzungsscalen zu erhalten, welche als Standards für die weitaus 
expeditiveren und höchst genauen Undurchlässigkeitsmessungen mittels 
Hartmann's Mikrophotometer dienten. Das von J. Hartmann con- 
struirte Mikrophotometer 2 ) ist ausserordentlich gut geeignet, um die 
Schwärzung grosser oder auch sehr kleiner Stellen zu ermöglichen , setzt 
aber eine genau gemessene Scala von allmählich steigender Undurchsich- 
tigkeit voraus. 

In Fig. 26 ist ein verticaler Durchschnitt desselben gegeben. 
Parallel zu einer horizontalen Grundplatte U wird von vier Säulen Z 
ein in der Mitte durchlochter runder Tisch von 25 cm Durchmesser, 
auf welchen die photographische Platte gelegt wird, getragen. Senkrecht 
über der Tischöffnung befindet sich das Objectiv eines gebrochenen 
Mikroskopes ABC, welches ein scharfes Bild des Plattenkornes in der 
Mitte der Basis des rechtwinkligen Reflexionsprismas B entwirft und 
mit dem Ocular A beobachtet werden kann. 

Das Prisma besitzt die von Lummer und Brodhun 3 ) angegebene 
Einrichtung. 

In D befindet sich ein zweites, genau gleiches Mikroskopobjectiv 
G, welches mittels des Triebes E auf die Schicht einer in befind- 
lichen Platte so eingestellt werden kann, dass das Bild ebenfalls in der 
Mitte des Doppelprismas liegt. In das Ocular A sehend, wird man dem- 
nach in der Mitte des Gesichtsfeldes ein kleines Stück der auf den 



1) Dieselben sind grauschwarz, weil als Entwickler Eisenoxalat dient. Bei 
solchen Scalen geht die optische und photographische Dichtigkeit annährend parallel. 

2) Eder's Jahrbuch f. Phot. 1899. S. 106. 

3) Vergl. „Zeitschrift für Instrumantskunde", 9, 1889. S. 23. 



218 



Dritter Theil. Siebzehntes Capitel. 



Tisch L gelegten Platte erblicken, während rings das übrige Gesichts- 
feld vom Bild der Platte erfüllt wird. 

Die Platte ist der eigentlich messende Theil, man kann sie als 
einen auf photographischem Wege hergestellten Photometerkeil bezeich- 
nen, welcher in der Längsrichtung der Platte eine gleichmässig zu- 
nehmende Schwärzung zeigt. 

Diese Keile stellte Eder nach Hartmann's Vorschlag mittels des 
früheren Scheiner'schen Sensitometers her, dessen rotirende Scheibe 
eine ununterbrochene Curve enthielt. Der Keil wird in einem Schieber 
N befestigt, der innerhalb des Rahmens M durch den Zahntrieb G senk- 
recht zur Mikroskopaxe verschoben werden kann. Die Stellung des 
Schiebers im Rahmen wird an einer Millimetertheilung abgelesen. 




Fig. 26. 
Mikrophotometor von J. Hartmann. 

Als Lichtquelle diente eine Lampe, die ihr Licht direct senkrecht 
auf die Platte R wirft. Schwankungen der Helligkeit der Lichtquelle 
sind auf die Messungen ohne jeden Einfluss. Die Spiegel 8 und T 
können zur Reinigung bequem aus den Rohren herausgezogen werden. 
Um alles Seitenlicht ferzuhalten, sind über die Objectivenden der Mikro- 
skope noch Hülsen F und K geschoben. 

Auf den Tisch L legt man zuerst die zu prüfende Platte und ver- 
schiebt den Keil so lange, bis diese Stelle in der Mitte des Prismas 
genau dieselbe Schwärzung zeigt, wie ihre Umgebung. 

Durch Vergleich des Scalenwerthes von Eder's Photometerkeiles 
im Hartmann'schen Mikrophotometer mit dem thunlicbst genau auf 
ihre Lichtundurchlässigkeit im Web er' sehen Photometer gemessenen 
Normalstreifen (entwickelten Bromsilber- Gelatineplatten) wurde die Scala 



.'..j.^.wm.j,l 



System der Hanaitometrie photographischer Platten. 



319 



des Mikrophotometer geeicht Tabelle II zeigt den Werth der Scalen- 
theile an dem Mikrophotometer auf Grund der Messungen der Licht- 
nndurchlässigkeit 1 ) mehrerer Normalstreifen. 



Tabellen. 
Werth dar Soalenthalle u dem von Eder benutzton Mikrophotometer. 





Opacitat 






Opacitat 




Liebt- 


oder 




Licht- 


oder 




en durch - 


Schwärzung 


Scalen theile 


Undurch- 


Schwärzung 


Seal fintheile 


lässigkeit 


(Logarithmus 

der Undurch- 

lässigkeit) 




lässigkeit 


(Logarithmus 

der Undurch- 

läasigkeit) 




1000 


3,0 


74 


15,9 


1,2 


52,2 


500 


2,7 


72 


14,1 


1,15 


51,6 


316 


2,5 


70,0 


12,6 


1,1 


50,9 


200 


2,4 


69,0 


11,2 


1,05 


50,1 


200 


2,3 


68,0 


10,0 


1,0 


49,3 


160 


2,2 


66,7 


9,0 


0,95 


48,5 


141 


2,15 


66,0 


8,0 


0,9 


47,7 


126 


2,1 


65,4 


7,1 


0,85 


46,5 


112 


2,05 


64,7 


6,3 


0,8 


45,5 


100 


2,0 


64,0 


5,6 


0,75 


44,5 


89 


1,95 


63,3 


5,0 


0,7 


43,5 


79,5 


1,9 


62,5 


4,5 


0,65 


42,5 


70,8 


1,85 


61,8 


4,0 


0,6 


41,5 


63 


1,8 


61,0 


3,5 


0.55 


40,5 


56,3 


1,75 


60,2 


3,2 


0,5 


39.5 


50 


1,7 


59,5 


2,8 


0,45 


38,4 


44,7 


1,65 


58,8 


2,5 


0,4 


37,2 


40 


1,6 


58,0 


2,2 


0,35 


36,0 


35,5 


1,55 


57,3 


2,0 


0,3 


34,5 


31,6 


1,5 


56,5 


1,8 


0.25 


32,9 


28,2 


1,45 


55,7 


1,6 


0,2 


31,0 


25,1 


M 


55,0 


M 


0,15 


29,0 


22,4 


1,35 


54,2 


1,26 


0,1 


25.5 


20,0 


1,3 


55,3 


1 


0,00 


— 


17,8 


1,25 


52,9 









Die nunmehr mittels des Mikrophotometers ablesbare Undurch- 
lässigkeit photographischer, entwickelter und fixirter Platten geben mit 
geringer Mühe Zahlen von sehr hoher Genauigkeit, welche wohl die 
bisher gemachten Messungen dieser Art an Sicherheit übertreffen. 



1) Das ist das Verhiiltniss d 



: auffallenden Lichtes z 



[i durch die Schichte 



220 Dritter Theil. Siebzehntes Capitel. 

Mit Hilfe dieser expeditiven und genauen Methode stellte der 
Verfasser eine Reihe von Untersuchungen an, welche für die Kennt- 
niss der photographischen Verfahren (Hervorrufungsprocesse auf Silber- 
schichten) von Interesse sind. 



II. Die Schwärzung photographischer Platten. 

Der Silberniederschlag einer entwickelten photographischen Platte 
erscheint um so dichter, undurchsichtiger, schwärzer im durchfallenden 
Lichte, je weniger Licht er durchlässt, d. h. je mehr metallisches Silber 
auf die Flächeneinheit der Schicht niedergeschlagen ist; hierbei übt 
jedoch der moleculare Zustand, Korngrösse und Kornzahl des Silber- 
niederschlages einen bemerkenswerthen Einfluss. 1 ) 

Ist a für eine gewisse Schwärzung das Intensitätsverhältniss vom 

auffallenden zum durchgelassenen Lichte (— ,), so setzt man (analog den 

bei dem Durchgange des Lichtes durch verschieden dicke, durchlässige 
Medien beobachteten Erscheinungen): 

a = e D , 

worin e die Basis der natürlichen Logarithmen ist, und betrachtet die 
der Dicke der durchlässigen Medien analoge Grösse D als Dichtigkeit 
der photographischen Platten. 

In diesem Sinne ist die Dichtigkeit einer Platte oder, wie man 
auch sagt, ihre Schwärzung somit der Logarithmus ihrer Un- 
durchlässigkeit gegen Licht. Die Einführung dieser Grösse hat 
sich in der Sensitometrie bewährt, entsprechend den sensitometrischen 
Untersuchungen von Hurter und Driffild, 2 ) sowie von Schwarz- 
schild. 3 ) 

Aus praktischen Gründen entschied sich der Verfasser für gewöhn- 
liche Brigg'sche Logarithmen, da mit natürlichen Logarithmen 
schlecht zu rechnen ist. Es empfiehlt sich für die Zwecke der prak- 
tischen Sensitometrie 

a=lO s 



1) Es handelt sich hier um sogenanntes feinvertheiltes „nioleculaxes* Silber, 
d. i. Silber, dessen Molecule durch irgendwelche andere Theilchen von einander ge- 
trennt sind; zum Unterschiede von cohärentem metallischen Silber (vergL Wernicke, 
Wied. Ann. Physik u. Chemie, 1894, Bd. 52 S. 523; ferner 0. Wiener, Wied. Ann. 
1899, Bd. 69, S. 499). 

2) Eders Jahrbuch f. Phot. 1899. 

3) Phot. Corresp. 1899. 



Vi itf'-ir'Jirti 



(r-) 



System der Sensitometrie photographisoher Platten. 221 

zu setzen und S als praktisches Maass der Schwärzung zu benutzen, wie 
dies in vorliegender Abhandlung geschieht S ist dann der gewöhnliche 
Logarithmus von a, und es besteht die Gleichung 

S=D\oge = 0,4343 2). 

R. Luther schlägt zur Bezeichnung der für ein photographisches Nogativ 
charakteristischen Grössen folgende Nomenclatur vor (Zeitschr. f. physikal. Chemie 1900. 
Bd. 33. 8. 252), welche sehr entsprechend erscheint: 

1. Der Bruchtheil des auffallenden Lichtes, welcher von einer planparallelen 

Schicht durchgelassen wird, also der Bruch J^r-. — 5 — =-r-r — ( — | wird mit dem 

auffallendes Licht \*/ 

Namen Transparenz bezeichnet. Die Transparenz ist stets ein echter Bruch und 

hat für eine absolut durchsichtige Schicht den Werth 1, für eine absolut undurchsichtige 

den Werth 0. Die Transparenz mehrerer hintereinander gelagerten Schichten ist gleich 

dem Producte der Transparenzen jeder einzelnen. 

2. Das Reciproko der Transparenz, also der Bruch — ; — : = — =— 

durchgelassenes Licht 

wird mit Opacität bezeichnet. Der numerische Werth der Opacität ist stets 

grösser als 1 und beträgt für absolut durchlässige Schichten 1, für absolut undurch- 
lässige oo. Die Opacität mehrerer hintereinander geschalteter Schichten ist gleich dem 
Producte der Opacitäten der einzelnen. 

3. Der dekadische Logarithmus der Opacität wird von Luther mit Extinction 
bezeichnet und entspricht völlig dem Begriffe „Schwärzung" in Eder's „System der 
Sensitometrie* und Schwarzschild's Abhandlung und andererseits der „Dichtig- 
keit" nach Hurter und Driffield. Die Weithe der Extinction (= Schwärzung) 
einer absolut undurchsichtigen Schichte können zwischen und oo liegen. Die Ex- 
tinction (Schwärzung) einer absolut durchsichtigen Schicht ist 0; einer Platte, welche 
y, des auffallenden Lichtes durchlässt = 1 u. 8. w. Die Extinction mehrerer Schichten 
hintereinander ist gleich der Summe der Eiozelextinctionen. Das Reciproke des Ex- 
tinctionwerthes gibt an , wieviel der betreffenden Schichten übereinandergelagert werden 
müssen, damit das durchgelassene Licht Vio des auffallenden beträgt. Die wissen- 
schaftliche Bedeutung der Extinction (= Schwärzung photographischer Platten) liegt 
darin, dass ihr numerischer Werth proportional der Menge des Licht schwächenden 
Stoffes ist, welcher vom Strahlenbündel von bestimmten Querschnitt durchsetzt werden 
muss (s. weiter unten S. 222). 

Die Zahl, welche das Maass der „Schwärzung" einer ent- 
wickelten und fixirten photographischen Platte repräsentirt, ist bei ein 
und derselben Plattensorte und Entwicklungsart dem Gewichte des 
metallischen Silbers auf der Flächeneinheit proportional und entspricht 
dem auf das Auge hervorgerufenen Licht-, respective Dunkelheits- 
eindrucke. 1 ) 

Die „Schwärzung" gewöhnlicher guter Negative liegt bei Porträt- 
aufnahmen (Studien köpfen) vom Schatten bis zum hellsten Lichte zwi- 



1) Hurter und Driffield, Eder's Jahrbuch f. Phot. 1899. S. 219. 



222 



Dritter Theil. Siebzehntes Capitel. 



sehen bis 1,5, bei Landschaften oder kräftigen Negativen zwischen 
2 bis höchstens 2,5, welche letztere Dichtigkeit nur besonders con- 
trastreichen Negativen mit intensiver Schwärzung der hellsten Lichter 
zukommt. Die Schwärzung = 1 entspricht einem kräftigen Mittelton des 
photographischen Negatives und einer Undurchlässigkeit gegen Licht = 10 
(vergl. S. 219, d. h. Licht von der Intensität 1 wird beim Durchgang 
auf 7io geschwächt (log 10 = 1). 

Man kann die Silbermenge quantitativ bestimmen, welche, auf eine 
gewisse Plattenfläche vertheilt, die „Schwärzung 41 « 1 hervorruft. Nach 
Hurter und Driffield bewirkt eine Menge von 0,0131 g metalli- 
schem Silber auf eine Plattenfläche von 100 cm 2 die „Schwärzung 
(„Extinction") = 1, falls das Bromsilberbild mittels Eisenoxolat ent- 
wickelt war. 

Um die Angaben zu controliren, belichtete Eder mehrere photo- 
graphische Trockenplatten vom Flächenausmaasse 18x24 cm verschieden 
lang und entwickelte mit Eisenoxalat. Es resultirten gleichmässig ge- 
schwärzte Platten, welche beim Untersuchen im Mikrophotometer die 
mittlere Schwärzung von 0,5, 0,8, 1,0, 1,5 und 2,0 zeigten. Diese Platten 
wurden mittels eines Gemisches von Chromsäure und Salzsäure in Chlor- 
silber übergeführt, gewaschen, das Chlorsilber in Ammoniak gelöst und 
mit Salpetersäure gefällt; bei anderen Proben wurden die Gelatine- 
schichten in warmem Wasser gelöst, die Lösung mit Salpetersäure ge- 
kocht, das Silber mit Salzsäure gefällt und das Chlorsilber gewogen. 
Es ergab sich für verschiedene Opacitäten bei Schattera- und Schleussner- 
Gelatineplatten untenstehendes Quantum von metallischem Silber. Nasse 
Jodbrom -Collodionplatten (mit Eisenvitriol -Entwickler und Cyankalium- 
Fixirung) wurden in analoger Weise analysirt. 







Bromsilber- 


Nasse 






Gelatineplatte 


Collodionplatte 


Schwärzung 


0,5 . 


. 0,0057 g 




7) 


0,8 . 


. 0,0070 „ 




7) 


1,0 . 


. 0,0109 „ 


0,0070 g 


1) 


1,5 . 


. 0,0160 „ 


0,0097 „ 


7) 


2,0 . 


. 0,0195 „ 


0,0130 „ 



Die Zahlen für Bromsilber- Gelatine („ Porträtplatten a ) stimmen mit 
Hurter und Driffield's Angaben befriedigend überein. Ferner zeigt 
es sich, dass wirklich das Maass der Schwärzung dem Gewichte des 
auf die Flächeneinheit ausgeschiedenen metallischen Silbers annähernd 
proportional ist. 



_.-• * „h.- 



System der 8ensitometrie photographischer Platten. 223 

Bei anderen Proben wurde die Platte mittels Rodinai, Glycin, 
Hydrocbinon entwickelt und im sauren Fixirbade fixirt, und Eder fand 
pro 100 cm* Fläche die Silbermenge von 0,0110 g für die Schwärzung 
— 1. Diese Zahl nähert sich also sehr dem Befunde für Eisenoxalat- 
Entwickler. 

Bei nassen Collodionplatten werden dieselben Schwärzungen mit 
geringeren Quantitäten Silber erzielt, als bei Bromsilber- Gelatineplatten 
(siehe Tabelle). Cohärentes Silber in Form von versilberten Glasspiegeln 
ist relativ noch undurchlässiger gegen Licht; denn nach Eder's Analysen 
wird die Opacität 1,5 bereits durch 0,0039 g Silber, die Opacität 2,0 
durch 0,0052 g Silber bewirkt Der moleculare Zustand der metalli- 
schen Silberschichte ist also von Einfluss auf die Schwärzung (Ex- 
tinction). 

Besteht das photographische Silberbild nicht aus reinem metalli- 
schen Silber, sondern fallen die Oxydationsproducte des Entwicklers 
(z. B. bei Pyrogallol) als braungelbes FarbstofiFbild an die Silberbild- 
stellen an, so ist zur Erzielung derselben optischen Extinction weniger 
Silber erforderlich, als beim Eisenoxalat; z. B. entsprechen 0,0104 g 
mittels Pyrogallol reducirten Silbers pro 100 cm 2 der Extinction (Schwär- 
zung) — 1, nach Hurter und Driffield. 

III. Empfindllchkeitsbestimmnng einer Platte nach dem System 
des Pariser photographischen Congresses 1889 nach ßeduction 

auf absolute sensitometrisehe Maasse. 

Es genügt nicht, dass eine Bromsilberplatte bei sehr schwacher 
Lichtwirkung (Momentaufnahmen) schwache, gerade noch nachweisbare 
Schwärzungen im Entwickler gibt, denn diese liefern beim Copiren un- 
genügende Deckung. Wenn die Sensitometerprobe aber eine Schwär- 
zungsscala liefert, bei welcher auf die schwächsten Nummern bald besser 
deckende, merklich stärker geschwärzte Nummern folgen, so gibt ein 
bei kurzer Belichtungszeit hergestelltes Negativ genügend kräftige, copir- 
fähige photographische Matrizen. In den gewöhnlichen Fällen der Photo- 
graphie erscheint jene Bromsilberplatte als empfindlichere, deren schwä- 
cheres Ende der Schwärzungsscala (unter sonst gleichen Verhältnissen} 
die grössere Schwärzung aufweist. 

Aehnliche Erwägungen bewogen den Internationalen photogra- 
phischen Congress, 1889, 1 ) bei der Sensitometrie der photographischen 



1) Congres International de Photographie, Paris 1889; Brüssel 1891. Die 
Congressprotokolle erschienen Paris 1892 (Auszug der Sensitometrie -Methode siehe 
A. Londe, La Photographie moderne, Paris 1896, p. 226). 



224 Dritter Theil. Siobzehntea Capitel. 

Trockenplatten nicht die schwächste, letzte, eben noch sichtbare Sensito- 
meternuramer als Maass der Empfindlichkeit anzunehmen, sondern eine 
etwas dunklere Schwärzung, welche als Normal ton bei der Ablesung 
der Empfindlichkeit acceptirt wurde. Zur Ermittlung solcher Tonscalen 
wird folgendes Princip eingehalten. Man lässt z. B. die Hälfte einer 
rein weissen Scheibe vor einem schwarzen Hintergrunde rotiren. Diese 
Nuance erhält man auch, wenn man schwarze Linien auf weissem 
Papier derartig zieht, dass die weissen und schwarzen Stellen gleich 
breit sind. Diese Nuance wird in dem Congress -Beschlüsse 1889 als 
mittlerer Normalton Nr. 5 bezeichnet. Nach ähnlichen Principien erhält 
man auch andere grauschwarze Töne, welche den Congress -Protokollen 
in Kupferdruck beigegeben sind. Die relative Empfindlichkeit zweier 
Platten wird bestimmt, indem man beim Lichte einer abgeblendeten 
Amylacetat- Normallampe (1 m Abstand) Streifen von Bromsilber- Gela- 
tine stufenweise (von 5 zu 5 Secunden) exponirt, entwickelt, fixirt und 
dann vergleicht, welche Lichtmenge erforderlich ist, um im gegebenen 
Falle die Normalschwärzung zu erzielen. 

Mittels einer Originalscala des Pariser Congresses 1889 stellte Eder 
genaue Messungen über die entsprechende Schwärzungszahl an, um das 
(übrigens in der Praxis nirgends acceptirte) Pariser System mit dem 
Scheiner'schen System in Beziehungen zu bringen. Zu diesem Zwecke 
wurde bei 16 Sensitometerstreifen jene Stelle bestimmt, welche (auf 
weisses Papier gelegt) identisch mit der Schwärzung des Normaltones 
des Pariser Congresses sich zeigte. Die Schwärzung dieser Stellen 
wurde mittels des Mikrophotometers (s. oben) genau bestimmt und es 
ergab sich, dass der Pariser Normalton einer mit Eisenoxalat entwickelten 
Bromsilber- Gelatineplatte (auf weisses Pap ; er gelegt) dann vorliegt, wenn 
die Schwärzung = 0,35 beträgt. 

Obiges System der Bestimmung eines grauen Normaltones bringt 
die grosse Schwierigkeit mit sich, dass etwa auftretende „Schleier der 
Platte (s. d.) die Schwärzung stark beeinflussen und dass bei stark 
schleierigen Platten die Ablesungen ganz werthlos werden, wenn man 
nicht die „Schleierschwärzung" in Abrechnung bringt, was dann keine 
einfache Sache mehr ist. 

Deshalb bleibt man in der photographischen Praxis mit Recht 
dabei, die mit grösserer Sicherheit ablesbare letzte, schwächste Sensito- 
meternummer als Empfindlichkeitsmaass (Schwellen werth, Empfindlich- 
keit) anzugeben. 



System der Sensitomotrie phutographischei- Platten. 



IV. Prüfung der Ueberelnstlmmung der corrcspond Iren den 

Sensltometernnmmeni mit Schciner's Sensltoinetcr bei 

verschiedenem Llchtabstande. 

Unter dar Voraussetzung der strengen Gültigkeit der Reciprocitäts- 
regel sind in der Tabelle I auf S. 215 drei correspondirende Beob- 
achtungsreihen beim Scheiner'schen Sensitonieter angegeben und die 
bei 1 ra, ferner die bei 1 / 3 m Lichtabstand mit 60 Secunden Expositions- 
zeit und bei */« m Lichtabstand und 14 Minuten 24 Secunden Expositions- 
zeit erhaltenen gleichwertigen ') Sensitometernummern gegenüber gestellt 

Es wurden nun vom Verfasser unter sonst gleichen Verhältnissen 
(gleichartigen Brom silberplatten, gleichzeitiger Hervorrufung etc.) that- 
sächliche Schwärzungsmengen an den verschiedenen Serien mittels des 
Mikrophotometers angestellt 

Es ergab sich aber bei der Messung der Schwärzung der Brom- 
süberplatten keineswegs eine völlige Uebereimmung, sondern 
nur eine ziemliche Annäherung der bei 1 m Lichtabstand und l j t m 
Abstand correspondirenden (gleichen Lichtmengen entsprechenden) Sen- 
sj tometern umn? ern . 

Die nachstehende Tabelle III zeigt den photographischen Effect 
(Schwärzung der Bromsilberplatte im Entwickler) ein und derselben 
„Lichtmenge" bei verschiedenem Lichtabstande und entsprechend variirter 
Expositionszeit; die nebeneinander stehenden horizontalen Zahlenreihen 
entsprechen dem gleichen Producte *■/, aber die dazu gehörigen Schwär- 
zungen sind nicht gleich. 

Aus diesen Beobachtungen geht hervor, dass beim Scheiner- 
schen Sensitometer es nicht ganz einerlei ist, ob man die Bestimmung 
der Empfindlichkeit oder der Schwärzungscurve bei 1 m Lichtabstand 
und 1 Minute Expositiönszeit oder wesentlich grösserem oder kleinerem 
Lichtabstand und entsprechend kürzerer oder längerer Expositionszeit 
vornimmt Es stellen sich mitunter Differenzen von ungefähr 1 Grad 
Scheiner (in einzelnen Fällen 2 Grad Scheiner) ein. 

Um denselben Betrag differiren auch die berechneten Sensito- 
meterangaben bei '/s m Abstand und 1 Minute Expositionszeit (ver- 
glichen mit den correspondirenden Sensitometerzahlen bei 1 m Abstand 
und 1 Minute Exposition). Nach der Rechnung soll 1 Grad Scheiner bei 



1) Das sind die derselben berechneten Lichtmenge entsprechenden Sensitometer- 
nummern. 

h der Photographie. III. Thoil. ö. Aufl. 15 



226 



Dritter Theil. Siebzehntes Capitel. 



1 m Abstand und 1 Minute Exposition mit 10 Grad Scheiner bei 1 /„ 94 m 
Abstand und 1 Minute Exposition übereinstimmen. Es traf dieser Fall 
bei Rapidplatten annähernd ein, aber in mehreren Fällen blieb die 
Sensitometerangabe bei VW m Abstand um eine Nummer des Scheiner- 
schen Sensitometers zurück. 

Tabelle EI. 

Schwärzung einer Bromsilber -Gelatineplatte im Soheiner-Sensitometer 

bei verschiedenem Lichtabstande. 









Bei 4 m 










Bei 1 m Kerzenabstand 


Kerzen- 


Bei V s ra Kerzenabstand 








und 


abstand und 




und 




Secunden - 
Meter - 
Kerzen 


1 Minutt 


i Belichtung 


16 Minuten 
Belichtung 


1 Minute Belichtung 




Sensito- 


• 




Sensito- 








meter- 


Schws 


irzuug 


meter- 


Schwärzung 






nummer 






nummer 






2,6 


c 


0,89 


0,70 


7 


0,85 




2,0 


b 


0,78 


0,57 


8 


0,74 


3 HS 


1,6 


a 


0,68 


0,50 


9 


0,65 


08 & 

ET* ■*■» 

U* es 


1,3 


1 


0,59 


0,46 


10 


0,94 


• 2 Z 
3 .2 

ja 


1,0 


2 


0,51 


0,42 


11 


0.48 


0,70 


3 


0,41 


0,40 


12 


0,39 


0,61 


4 


0,38 


0,37 


13 


0,36 




0,48 


5 


0,35 


0,35 


14 


0,34 




2,6 


c 


85 


0,72 






' 


2,0 


b 


0,71 


0,57 






9 


1,6 
1,3 


a 

1 


0,57 
0,48 


0,50 
0,41 






1 


1,0 


2 


0,38 


0,36 






• a 


0,79 


3 


0,33 


0,33 






1 


0,61 


4 


0,31 


0,29 






3 


0,48 


5 


0,29 


0,25 


• 




& 


0,38 


6 


0,26 


0,23 






i 


2,6 


c 


1,37 




7 


1,35 


• 


1,3 

0,61 


1 
4 


0,79 
0,53 




10 
13 


0,84 
0,55 


il 


0,3 


7 


0,36 




16 


0,35 


~ a 
© 


2,6 


c 


0,90 




7 


0,88 




1,3 


1 


0,56 




10 


0,55 


11 


0,61 


4 


0,41 




13 


0,40 


3 5 


0,3 

1 


i 


0.29 




16 


0,29 


tm 
© 



Immerhin wird es für die Praxis vollkommen genügen, wenn mm 
die bei 1 / 2 ^ i m Abstand und 1 Minute Expositionszeit im Scheiner- 



^ .*:..-äj^ 



System der Sensitometrie photographischer Platten. 227 

sehen Sensitometer ermittelte Schwärzungscurve als normale gelten 
lässt und die absolute Empfindlichkeit oder der Schwellenwerth 
(letzte sichtbare Nummer in der Periode der Unterexposition) in der 
Distanz von 1 m Lichtabstand und 1 Minute Expositionszeit bestimmt. 

Die Beobachtungsfehler von 1 bis 2 Grad Scheiner können bei dem 
gegenwärtigen Stand der praktischen Sensitometrie vielleicht vernach- 
lässigt werden oder man kann entsprechende Correcturen vornehmen, 
wozu diese Tabellen alle Behelfe darbieten. 

Für wissenschaftliche Untersuchungen, bei welchen grösstmögliche 
Genauigkeit verlangt wird, sind diese Abweichungen zu be- 
rücksichtigen. Sie haben ihren Grund darin, dass die Recipro- 
citätsregel nicht strenge gültig ist und auch das Verhalten photo- 
graphischer Platten gegen intermittirende Belichtung spielt hierbei eine 
Rolle. 

Belichtet man Bromsilber - Gelatineplatten unter dem Einflüsse 
gleicher Lichtmengen (constantem i-t) bei geändertem Lichtabstande, so 
macht sich ein Einfuss der Lichtintensität auf die photographische 
Wirkung geltend. 

Die mikrophotometrischen Messungen zeigen deutlich die Abwei- 
chungen von der Reciprocitätsregel, wobei allerdings auch noch die 
Phänomene der intermittirenden Beleuchtung eine Complication herbei- 
führen. 

Exponirt man z. B. in Seh ein er' s Sensitometer bei einer Kerzen- 
distauz von 1ml Minute lang, bei 4 m Distanz 16 Minuten und bei 
1 / 3 m entsprechend kürzer, so soll man gleiche Schwärzungen der Brom- 
silberplatte im Entwickler erwarten. Das Experiment zeigt aber bei 
den Versuchen mit Lumiöre-, Schleussner- und Schattera-Platten, 1 ) 
dass bei schwachen Lichtintensitäten (4 m Lichtabstand und 16 Minuten 
Exposition im Scheiner- Sensitometer) die photographische Schwärzung 
des Bromsilbers im Entwickler meistens um 1 Grad bis höchstens 2 Grad 
Scheiner zurückbleibt (in den Halbtönen bleiben die Schwärzungszahlen 
um 0,15 zurück, 2 ) d. h. um diesen Betrag kleiner ist, als wenn man 
bei 1 m Lichtabstand 1 Minute lang belichtet. 

Steigert man die Lichtintensität durch Annäherung der Kerze auf 
Y 8 m Abstand, so war bei vereinzelten Versuchsreihen die photogra- 
phische Schwärzung stärker als bei 1 m Abstand (Lumiöre- Platten), 
während bei der Mehrzahl der Fälle auffallenderweise die Schwärzung 



1) Durchwegs reine Broinsilber- Gelatineplatten. 

2) In einigen Fällen waren bei beiden Fällen die Schwärzungen nahezu constant. 

15* 



228 Dritter Theil. Siebzehntes Capitel. 

bei Vs m Abstand um 1 Grad Scheiner geringer war, als bei 1 m (bei 
constantem Product i-t). 

Diese Differenz ist wohl im Mikrophotometer messbar, aber in der 
Praxis kaum bemerkbar. 

Diese ohne Zweifel vorhandenen Abweichungen von der Recipro- 
citätsregel, welche am genauesten Dr. Schwarzschild 1 ) bei seinen 
Versuchen an der K. K. Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt in Wien 
und an der Kuffner'schen Sternwarte in Ottakring feststellte, erfolgen in 
folgendem Sinne: Bei Verringerung der Lichtintensität muss man zur 
Erzielung einer bestimmten photographischen Schwärzung von Bromsilber- 
Gelatineplatten im Entwickler unverhältnissmässig länger belichten, als 
die Keciprocitätsregel verlangt, oder wie Schwarzschild (a. a. 0.) zu- 
erst präcise ausdrückte: Die Bromsilber- Gelatine hat die Eigenschaft, 
von der einstrahlenden Lichtenergie um so weniger für den 
photographischen Zweck zu verwenden, je langsamer die 
Energie zuströmt. Dazu kommt, dass eine gewisse Anfangswirkung 
zur Auslösung des photochemischen Processes nothwendig ist; sie ist je 
nach der Natur der lichtempfindlichen Schicht variabel, was nament- 
lich bei dem Sensibilisirungsmaximum verschiedener Farbstoffe bei 
orthochromatischen Platten bemerkbar ist 

Gilt das Reciprocitätsgesetz, so ist die erzeugte Schwärzung S 

eine Function der eingestrahlten Lichtmenge. Nennt man letztere /, 

so ist also 

S = <p(l), l = it. 

In beiden Fällen, wo das Reciprocitätsgesetz nicht gilt, hat 
Schwarzschild nachgewiesen, 2 ) dass gleiche Schwärzung auf einer 
bestimmten Platte immer dann eintritt, wenn das Product 

X = itP 

denselben Werth hat; l ist hierbei die Lichtmenge, i die Lichtintensität, 
t die Belichtungsdauer und p eine innerhalb weiter Grenzen der Inten- 
sität und der Expositionszeit für die betreffende Platte charakteristische 
Constante. Es ist also das Reciprocitätsgesetz nur ein specieller Fall 
obiger Formel, aus der es entsteht, wenn man p = 1 setzt Die Con- 
stante wechselt von Platte zu Platte, sie ist im Allgemeinen kleiner als 
1; Schwarzschild fand bei einer Handelssorte von rapiden Bromailber- 



1) Phot. Corresp. 1899; s. auch Eder's Jahrbuch 1900. Ferner Untersuchungen 
von Michalke, Aboey, Miethe (Eder's Handbuch der Photogr. 2. AulL, Bd. II, 
S. 3); Precht (Eder's Jahrbuch f. Phot. 1899. S. 457) und Englisch (Archiv f. 
wiss. Phot.). 

2) Phot. Corresp. 1899. Publicationen der Kuffner'schen Sternwarte in "Wien, 
Band V. 



SyBtem der Sensitometrie photographisoher Platten. 229 

Gelatineplatten 1 ) und einer Schwankung der 1- bis 1000 fachen Be- 
lichtungszeit, dass p = 0,86 ist, während der kleinste bisher bei Labo- 
ratoriumsexperimenten beobachtete Werth p — 0,78 sich aus Versuchen 
von Abney 2 ) für ein Bromsilberpapier ergibt. 

Die Wirkung intermittirender Beleuchtung auf Brom- 
silber-Gelatine ist stets etwas geringer als die Wirkung derselben 
Lichtmenge bei continuirlicher Beleuchtung. Diese Thatsache beob- 
achtete Abney, dann R Englisch und wurde in neuerer Zeit von 
K. Schwarzschild 8 ) genau studirt. 

Nach Schwarzschild's 4 ) eingehenden Untersuchungen hängt die 
Wirkung des Intermittirens bei der Belichtung von Bromsilberplatten 
von zwei Grössen ab: 

1. Von dem Verhältnisse der Pause zur Dauer der Einzelbelich- 
tung, je länger im Verhältnisse die Pause, um so stärker die Ab- 
schwächung; 



1) Für Scbleussner- Platten war der "Werth des Exponenten p = 0,89; für 
Lumiere- Platten 0,96; für Schattera-Platten 0,86; für Platten der Berliner Anilinfabrik 
0,86; für wenig empfindliche Smith -Platten 0,97 und für wenig empfindliche Wrat- 
ten'sche Platten 0,82 (Schwarzschild, Publicationen der Kuffner'schen Sternwarte 
in Wien, 1900). 

2) Photographic -Journal 1893—1894, S. 58. 

3) Phot. Corresp. 1899. S. 111. 

4) K. Schwarzschild (Phot. Corresp. 1899. S. 171) variirte die intermittirende 
Belichtung von Bromsilber- Gelatineplatten durch Aenderung: 

1. des Verhältnisses der Pausenlänge zur Dauer der Einzelbelichtung q\ 

2. der Dauer von Einzelbelichtung und darauffolgender Pause zusammen- 
genommen t\ 

3. der wirksamen Lichtintensität «7; 

4. der Oesammtversuchsdauer von der ersten bis zur letzten Belichtung T. 

Mit diesen vier Grössen, die aus Gründen der Darstellung gerade so gewählt 
wurden, sind auch alle anderen gegeben, die eventuell interessiren könnten, z. B. die 
Dauer der Einzelbelichtung: 



die Dauer der Pause: 



die Summe der Belichtungszeit: 



die Zahl der Unterbrechungen: 



',= 



31 = 



1+9' 

t'q 
1 + 9' 

T 

1 + 9' 



T 



Die Wirkung des Intermittirens wird aber nicht von den vier genannten Grössen, 
sondern nur von dem sub 1. genannten Verhältnisse und von der Lichtmenge, welche 
die Einzelbelichtung auf die Platte sendet, abhängen. 



230 



Dritter Theil. Siebzehntes Capitel. 



2. von der Iichtmenge, welche die Einzelbelichtung auf die Platte 
sendet. Ein bestimmtes Verhältniss der Pause zur Dauer der Einzel- 
belichtung schwächt um so mehr, je weiter diese Iichtmenge unter dem 
Schwellenwerthe liegt. Von geringem Einflüsse ist hingegen der Grad 
der Schwärzung und die absolute Grösse der Belichtungszeit oder der 
Lichtintensität für sich genommen. 

Um das verschiedene Verhalten der Platte gegen continuirliches 
unter intermittirendes Licht zu bestimmen, genügt ein einfacher Versuch 
und Benutzung derselben Normallichtquelle beim Abstände von 1 m. 

Da 1 Scheiner -Kerze = ^^0 Hefner -Normalkerzen entspricht, so 

muss man die in der Tabelle I, vierte Rubrik angegebenen Zahlen für 
Secunden- Meter -Kerzen mit 13,2 multipliciren, wenn man die Be- 
lichtungszeiten finden will (Lichtabstand der Scheiner'schen Kerze 
= lm), welche den zugeführten Lichtmengen, ausgedrückt in Secunden- 
Jleter- Kerzen, entsprechen. Belichtet man ruckweise durch Aufziehen 
des Cassettenschiebers eine photographische Platte im Abstände von 1 m 
mit einer Scheiner'schen Bezinkerze während der so gefundenen Be- 
lichtungszeit, so kann man eine Scala der Schwärzungen bei conti- 
nuirlicher Beleuchtung erhalten, welche mit den Lichtmengen der 
intermittirenden Beleuchtung mit der Seh ein er' sehen rotirenden Scheibe 
correspondirt 

Tabelle IV. 



SensitometernummerD 
bei einem Abstände der 
Scheiner'schen Benzinkerze 
= y 8 m und einer Belich- 
tungsdauer von 1 Minute 
(intermittirende Beleuch- 
tung des normalen Scheiner- 
Sensitometers) 



Entsprechende Sensitometer- 
nummer bei 1 m Kerzen- 
abstand und 1 Minute 
Belichtungsdauer 



Entsprechende Belichtungs- 
dauer einer frei und con- 

tinuirlich einwirkenden 

Scheiner'schen Benzinkerze 

bei 1 m Abstand 



20 


11 


0,11x13,2= 1,45 See. 


18 


9 


0,18x13,2-» 2,38 „ 


16 


7 


0,30x13,2= 3,96 „ 


13 


4 


0,61x13,2= 8,05 w 


10 


1 


1,26x13,2= 16,63 , 


7 


c 


2,61x13,2=- 34*45 „ 


4 




5,4 xl3,2= 71,28 , 
11,2 x 13,2 — 147,84 „ 
23,2 x 13,2 »=306 , 


1 




c 









Es genügt, in Intervallen von je zwei bis drei Nummern des 
Scheiner'schen Sensitometers Stichproben zu machen, und awar ent- 



System der Sensitoinetrie photographischer Platten. 231 

sprechen die Scheiner'schen Sensitometernunimern bei Vs Lichtabstand 
und 1 Minute Belichtungsdauer den in vorheriger Tabelle IV daneben- 
gestellten berechneten continuirlichen Belichtungen bei einem Abstände 
der Scheiner'schen Benzinkerze von 1 m. 

Beschränkt man sich auf die Sensitometernummern für x / 3 m Abstand 
c, 1, 4, 7, 10, 13, 16 
im Scheiner- Sensitometer (mit rotirender Scheibe), so kann man die- 
selben berechneten Lichtmengen 1 ) erhalten, wenn man die Scheiner- 

sche Benzinkerze (= ^öö Hefner- Kerzen J in 1 m Abstand auf eine 

photographische Cassette (mit photographischer Platte) einwirken lässt 
(Lichtquelle gegenüber der Mitte der Platte) und den Cassettenschieber 
ruckweise aufzieht; die nachfolgenden Belichtungen addiren sich hier- 
bei zu den vorhergegangenen. Man muss demzufolge die Schieber in 
folgenden Zeitabschnitten von der Platte ruckweise wegziehen: 

158 s , 77 s , 37 s , 18 s , 8 S , 4 S , 4 S . 

Somit wird das erste Stück durch die Summe aller dieser Theil- 
exposition belichtet werden (= 360 Secunden), das letzte Stückchen 
aber nur 4 Secunden lang, was der Sensitometernummer 16 bei V 8 m 
Lichtabstand genügend genau entspricht 

Eine Reihe derartiger Versuche stellte Eder an, um die Richtig- 
keit der folgenden Schwarzschild'schen Angaben zu prüfen: 

„Der Unterschied in der Wirkung continuirlicher und inter- 
mittirender Belichtung hat aber noch zur Folge, dass mit der rotirenden 
Scheibe dieses Sensitometers nicht ganz die ursprüngliche Absicht er- 
reicht wird, eine genaue Scala der Expositionszeiten bei constanter 
Lichtintensität zu bilden. Die höheren Nummern sind durch die relativ 
längeren Belichtungspausen zu sehr geschwächt Wenn man aber statt 
einer Scala der Expositionszeiten eine Scala der Intensitäten durch 
Schwächung des Lichtes in bestimmten Verhältnissen, wie z. B. beim 
Vogerschen Papierscalen- Photometer oder Warnerke'schen Sensito- 
meter herstellen würde, so würde dieselbe im gleichen Sinne von der 
genauen Scala der Expositionszeiten abweichen, wie die Scala des 
Scheiner'schen Sensitometers. Denn in Folge der früher nachgewie- 
senen Abweichungen vom Reciprocitätsgesetze wird eine Verringerung 
der Intensität eine geringere Schwärzung erzeugen, als eine Verkürzung 
der Expositionszeit im selben Verhältniss, und die höheren Nummern 
der Intensitätsscala würden wieder schwächer als die der genauen Zeit- 
scala ausfallen. 14 



1) Hierbei sind die Lichtverluste durch schräges Auffallen des Lichtes an den 
entfernteren Plattenenden nicht berücksichtigt; sie sind gering (circa 0,2 Grad Scheiner). 



232 



Dritter Tlieil. Siebzehntes Oapitel. 



Zur Prüfung dieser Frage und zur Feststellung der Beziehungen 
einerseits zwischen dem Effecte continuirlicher Beleuchtung photogra- 
phischer Trockenplatten und andererseits der Wirkung intermittirender 
Beleuchtung im Scheiner 'sehen Sensitometer stellte Eder folgende 
Versuchsreihe an. Es wurden Belichtungen in Scheiner's Sensito- 
meter bei 2 m und 1 / s m Abstand und verschiedenen Belichtungszeiten 
gemacht und die Schwärzung der einzelnen Felder gemessen. In der 
folgenden Tabelle Y sind die gleichen Lichtmengen entsprechenden Sensito- 
meternummern (intermittirende Beleuchtung) in den horizontalen Reihen 
nebeneinander gestellt und mit der correspondirenden continuirlichen 
Lichtwirkung verglichen. 







Tabelle V.*) 






IntermittireDde Beleuchtung 


; im Scheiner -Sensitometer 


Licht- 


Continuirliche 
Beleuchtung 


1 m Lichtabstand, 
1 Minute Beiich tu Dg 


, / 8 m Lichtabstand, 
1 Minute Belichtung 


menge 

in 

Secunden- 

Meter- 


durch dieselben 
Lichtmengen bei 
1 m Lichtabstand 


Sensito- 




Sensito- 




mit Scheiner's 


meter- 


Schwärzung 


meter- 


Schwärzung 


Kerzen 


Benzinkerze 


nummer 




nummer 






Schwärzung 






c 


2,09 


23,2 








b 


1,95 


18,2 








a 


1,90 


14,3 








1 


1,74 


11,2 


1,76 






2 


1,55 


8,8 








3 


1,42 


6,9 








4 


1,23 


M 


1,24 






5 


1,11 


4,2 








6 


0,94 


3,3 




c 


0,86 


7 


0,83 


2,6 


0,88 






8 


0,70 


2,0 








9 


0,63 


1,6 




1 


0,56 


10 


0,54 


1,3 


0,62 






11 


0,48 


0,99 








12 


0,42 


0,78 




4 


0,40 


13 


0,36 


0,61 


0,42 






14 


0,32 


0,48 








15 


0,29 


0,38 




7 


0,29 


16 


0,27 


0,30 


0,32 



1) In Tabelle Y und VI sind diejenigen Sensitometernunimern und oontinuiriiehen 
Belichtungszeiten in den horizontalen Reihen nebeneinander gostellt, für welohe die 
Rechnung gleichen Werth (gleiche Lichtmengen) ergibt Die thatsächlich beobachteten 
Schwärzungen ergeben für continuirliches Licht Abweichungen von durchschnittlich 
1 Grad Scheiner, höchstens 2 Grad Scheiner. 



der Sensitometrie photographisoher Platten- 



233 



Tabelle VI. 



Intermittirende Beleuchtung im Scheiner -Sensitometer 


i 

5 


ng durch 
m Licht- 
Ben zin- 










© 

i 


1 m Licht- 


1 m Licht- 


V 8 m Licht- 


Va m Licht- 


abstand, 
1 Minute 


abstand, 
14 Mio. 24 See. 


abstand, 
1 Minute 


abstand, 
14 Min. 24 See. 




© 

§ 


uchtu 
b bei 1 
ner's 


Belichtung 


Belichtung 


Belichtung 


Belichtung 


» in See 
Kerzen 


^S bO ffi n 

® o S •■• 




bo 




(MD 




tüO 




feO 




•** h* 


9 
1 


•+* »* 


c 


♦-» »i 


c 


-*j &* 


§ 


s* 


.s o •»■* 


i§ 


© « 


8 


© © 
£ E 




s s 


ÖD 

c 

03 


?3 2 

3 © »ö 


*! 


3 s 


£ 


2 S 


:ä 


3 s 


:S 


s 


* 


'55 2 


£ 


•53 2 


£ 


« g 


fc 


-M 


a o 




o o 


jd 


s fl 


M 


Ö o 


jd 


.S 


S SR «5 




1 




o 
CO 


© 
GQ 


CG 


£ 


o 
GQ 


a 


ög-s 



Erste Versuchsreihe 







c 


2,7 










37,6 








b 


2,4 










29,5 








a 


2,16 


e 


2,4 






23,2 


2,42 






1 


1,94 


b 


2,20 






18,2 








2 


1,76 


a 


1,94 






14,3 








3 


1,60 


1 


1,75 






11,2 


1,76 


« 




4 


1,35 


2 


1,54 






8,3 








5 


1,06 


3 


1,29 






6,9 











0,90 


4 


1,00 






5,4 


1,02 


1 




7 


0,75 


5 


0,87 






4,2 








8 


0,57 


6 


0,70 






3,3 




c 


0,53 


9 


0,49 


7 


0,55 






2,6 


0,60 


6 


0,41 


10 


0,36 


8 


0,40 






2,0 




a 


0,32 


11 


0,29 


9 


0,31 






1,6 




1 


0,27 


12 


0,26 


10 


0,25 






1,3 


0,33 


2 


0,22 


13 


• 


11 


0,19 






1,0 




3 


0,18 


14 


• 


12 


• 






0,8 





Zweite Versuchsreihe 















8 


2,70 


29,5 












c 


2,50 


9 


2,25 


23,2 


2,70 










b 


2,16 


10 


1,91 


18,2 












a 


1,83 


11 


1,65 


14,3 












1 


1,70 


12 


1,45 


11,2 


1,80 










2 


1,45 


13 


1,08 


8,3 












3 


1,24 


14 


0,86 


6,9 












4 


0,95 


15 


0,66 


5,4 


1,10 










5 


0,75 


16 


0,52 


4,2 












6 


0,56 


17 


0,35 


3,3 












7 


0,41 


18 


0,30 


2,6 


0,57 










8 


0,30 


19 


0,22 


2,0 












9 


0,25 


20 


« 


1,6 












10 


0,18 


• 


• 


1,3 


0,25 



234 Dritter Theil. Siebzehutes Capitel. 

Aus den Zahlen in Tabelle V kann man die Abweichungen, welche 
bei der Sensitometrie mit continuirlichem Lichte und bei verschiedener 
Anwendung des Scheiner'schen Sensitometers (intermittirende Beleuch- 
tung) entstehen, erkennen. 

Wenn man dieselbe Lichtmenge bei constantem Lichtabstande dem 
Scheiner- Sensitometer zuführt, so geben die höheren Nummern (mit 
kleinen Belichtungsdauern und grossen Ruhepausen) etwas niedrigere 
Zahlen, als ihnen nach der Reciprocitätsregel zukommt; z. B. geben die 
hohen Nummern (an der Peripherie der rotirenden Scheibe gelegen) bei 
14 Minuten langer Belichtung einen geringeren photographischen Effect 
(geringere Schwärzung), als die correspondirenden niederen Nummern 
bei 1 Minute langer Belichtung. Der hierbei auftretende Fehler (Ab- 
weichung nach der Reciprocitätsregel) beträgt nach meinen Messungen 
(siehe Tabellen) */ 2 bis 1 Grad Scheiner; die für die verwendeten Platten- 
sorten geltenden Correctionszahlen sind aus den Tabellen V und VI er- 
sichtlich. 

Es ist durch diese Versuche die Schwarzschild'sche Ansicht 
bestätigt, dass für die Praxis der Photographie sich am besten ein 
Mittelding zwischen Zeitscala und Intensitätsscala eigne, da man es hier 
weder mit constanten Intensitäten, noch constanten Expositionszeiten zu 
thun hat und z. B. hochempfindliche Platten bald für Momentaufnahmen 
heller Gegenstände, bald für Daueraufnahmen lichtschwacher Objecte 
sucht. Das Scheiner'sche Sensitometer wird daher gerade durch sein 
Hinneigen von der Zeitscala zur Intensitätsscala, das die intermittirende 
Belichtung bewirkt, im Allgemeinen für die Praxis geeignete Empfind- 
lichkeitsangaben liefern. 

V. Bestimmung des Schleiers photographischer Platten. 

Unter „Schleier tt beim Entwickeln photographischer Platten ver- 
steht man die Silberreduction, welche die nicht belichtete Schicht 
photographischer Platten beim Behandeln mit Entwicklersubstanzen er- 
leidet „Schleierlos e tt Platten bleiben während der normalen Dauer 
der Entwicklung (z. B. 5 bis 10 Minuten) an den unbelichteten Stellen 
vollkommen intact. Ein geringer Schleier, welchen die hochempfindlichen 
Bromsilber- Gelatineplatten des Handels fast immer aufweisen, gilt in 
der Praxis mit Recht als vollkommen unschädlich. Starke Schleier aber 
sind unzulässig und schädigen die Qualität der Negative. 

Um einen Maassstab für die ziffernmässige Bestimmung der Stärke 
des Schleiers zu gewinnen, bestimmte Eder mittels des Mikrophotometers 
die Opacität (Schwärzung) von unschädlichen geringen Schleiern und 



System der Sensitometrie photographischer Platten. 235 

mehr oder weniger starken Schleiern. Eine vollständig schleierlose Platte 
zeigt die Schwärzung « 0. 

Nach diesen Messungen ist ein Schleier, welcher die Schwärzung 
0,1 aufweist (durchschnittlich ganz unschädlich in der Praxis) als sehr 
gering zu bezeichnen. Auch Schleier von der Schwärzung = 0,2 ist 
noch nicht störend und die Platten können immer noch als genügend 
klar arbeitend bezeichnet werden, während Platten mit einer grösseren 
Schwärzung als 0,3 schon als mittelmässig schleierig zu bezeichnen wären 
und Schwärzungen von 0,6 und 0,7 schon sehr starke Schleier reprä- 
sentiren, welche die Copirdauer, sowie die Gradation der Negative schon 
stark beeinflussen. 

Die Schleierbildung ist nicht nur von der Art der photographi- 
schen Bromsilberschicht abhängig, sondern ist auch eine Function der 
Art des Entwicklers, der Zeitdauer seiner Wirkung und der Temperatur. 

Zum Beispiel gab eine gute Handelssorte einer für Porträt- 
aufnahmen beliebten rapiden Trockenplatte, welche der Praktiker als 
„ein wenig schleierig" bezeichnen würde, folgende Messungsergebnisse 
des Schleiers: Eisenoxalat nach 3 Minuten langer Einwirkung erzeugte 
Schleier mit der Schwärzung 0,13, nach 5 Minuten 0,22, nach 10 Mi- 
nuten 0,25 bei einer Temperatur von 17 bis 18 Grad C. — Adurol 
(Brom- oder Chlorhydrochinon) gab nach 1 Minute den Schleier (Schwär- 
zung) = 0,13, nach 2 Minuten 0,25, nach 4 Minuten 0,3, nach 5 Minuten 
0,4 bis 0,5. — Hydrochinon (mit Pottasche, siehe das Gutachten in 
der Photographischen Correspondenz, 1899, S. 465 u. s. f.) gab in äqui- 
valenter Zusammensetzung nach 2 Minuten den Schleier 0,12, nach 
4 Minuten den Schleier 0,4, nach 5 Minuten den Schleier 0,6 und nach 
8 Minuten 0,9. 

Es lassen sich auf Grund dieser Angaben charakteristische Schleier- 
curven mit Berücksichtigung der Temperatur und Entwicklungsdauer 
construiren (siehe unten). (Eder, Phot. Corresp. 1899. S. 529; Andre- 
sen, Phot. Corresp. Novemberheft 1899.) 

VI. Construction der charakteristischen Curve oder 

Schwärzungscurve. 

Um die Beziehungen zwischen Belichtungszeiten, respective Licht- 
mengen und der hierdurch bedingten Reduction photographischer Platten 
im Entwickler übersichtlich auszudrücken, wird am besten der Weg der 
graphischen Darstellung eingeschlagen, und zwar in der von Hurt er 
und Driffield angegebenen Art und Weise. Man ertheilt einer photo- 
graphischen Platte mit der Normallampe eine Reihe verschieden starker 
Belichtungen, wobei die successive einwirkenden Lichtintensitäten eine 



236 Dritter Theil. Siebzehntes Capitel. 

geometrische Reihe bilden, und trägt in ein Coordinatennetz die Loga- 
rithmen dieser Intensitäten (respective der Lichtmengen) als Ab- 
scissen, die entsprechenden Schwärzungszahlen (Logarithmen der 
Undurchlässigkeit der Silberschichten gegen Licht = dem numerischen 
Werth der Extinction s. S. 220) als Ordinaten ein und verbindet die 
gefundenen Punkte durch eine Curve. Die so erhaltene Curve nennt 
man „charakteristische Curve" oder „Schwärzungscurve" einer 
photographischen Platte. Das steilere oder massigere Ansteigen dieser 
Curve repräsentirt die „Gradation" der Platte. 

Das vorhin erläuterte Sensitometersystem gestattet ebenso bequem 
als präcise die Construction der Schwärzungscurve, wenn man das 
Coordinatennetz Tafeln I — IX 1 ) benutzt. Als Abscissen sind die Grade 
des Seh ein er' sehen Sensitometers eingetragen beim Benzinkerzen- 
abstand 1 m und 1 Minute Exposition im Scheiner'schen Sensitometer, 
ferner bei ^m m Lichtabstand und 1 Minute lange, sowie 14 Minuten 
24 Secunden dauernde Belichtung. In der Regel findet man mit einer 
Belichtung von 1 Minute bei V 2 , 94 m Lichtabstand vollkommen das 
Auslangen. Man misst die Schwärzung der Felder Nr. c, 6, a, 1 bis 
20, und trägt an den bezeichneten Stellen die ermittelten Schwärzungs- 
zahlen als Ordinaten auf. 

Auf diese Weise ist z. B. in Tafel I dargestellt, wie eine Brom- 
silber-Gelatine-Trockenplatte des Handels (Schattera- Platte) nach 3 bis 
10 Minuten langer Entwicklung im Eisenoxalat- Entwickler progressiv 
geschwärzt wird. Ganz ähnlich verhielten sich Schleussner- Platten. 

Man ersieht aus dem Beginne der Curven, dass die Plattensorte, 
deren Schwärzungscurve in Tafel I dargestellt ist, sich etwas schleierig 
entwickelt, während z. B. die in Tafel II und III gezeichnete Curve auf 
grosse Klarheit (Schleierlosigkeit) der Schichte deutet 

Tafel IV zeigt das Verhalten einer guten Bromsilber- Plattensorte 
des Handels, welche mit Hydrochinon-Pottasche-Entwickler*) hervor- 
gerufen war. Es ist eine Erfahrungstatsache, dass dieser Entwickler 
viel mehr zu Schleier neigt, als z. B. Oxalat- Entwickler. Schon bei 
4 Minuten langer Entwicklung war bei meiner Versuchsplatte der Schleier 

1) In diesen, vorliegender Abhandlung beigegebenen Tafeln wurde wegen des 
Platzersparnisses mit Sensitometernnmmer 12 (links) begonnen; bei meinem Original- 
Coordinatennetz ist mit 20 Grad Scheiner bei 1 m Abstand (im Nullpunkte dea Coordi- 
natennetzes) begonnen worden. 

2) Hydrochinon- Pottasche wurde hergestellt durch Lösen von a) 10 g Hydro- 
ohinon, 40 g Natriumsulfit, 400 cem Wasser; b) 20 g Pottasche und 200 oom Wasser. 
Man mischt gleiche Theile der Lösungen a und b (Eder's Recepte und Tabellen für 
Photographie und Reproductionstechnik , welche an der K. E. Graphischen Lehr- und 
Versuchsanstalt in Wien angewendet werden. 1896. S. 12). 



Systmn der Seositometrie photographischer Platten. 237 

merklich, nach 10 Minuten aber schon sehr stark. Die vollausgezogenen 
Cnrven (Tafel IY) repräsenüren die gemessenen Schwärzungen inclusive 
Schleier. 

Da der Schleier die ganze Platte gleichmässig bedeckt, so muss 
berücksichtigt werden, dass diese Schwärzung jedes Sensitometerfeldes 
in einem gewissen Verhältnisse durch die Schwärzung des Hintergrundes 
(Schleier) beeinflusst wird. Sei die Schwärzung des Schleiers =» s' und 
jene eines Sensitometerfeldes s", so muss man die Ordinate s" um s' 
vermindern und erhält dann die Schwärzungscurve exclusive 
Schleier. Dies ist in Tafel IV durch die gestrichelten Curven gezeigt. 

Es geht daraus hervor, dass die exclusive Schleier construirten 
Schwärzungscurven naturgemäss nicht parallel den inclusive Schleier 
ermittelten Schwärzungscurven verlaufen, wenn man Parallelcurven 
solche nennt, die in der ihnen senkrechten Sichtung überall gleichen 
Abstand haben. Ferner geht unmittelbar hervor, dass bei gleichmässiger 
Entfernung einer homogenen Silberschicht (Wegschaffung durch chemische 
oder mechanische Mittel) von der gesammten photographischen Matrize 
eine Schwärzungscurve resultiren müsste, welche keineswegs parallelen 
Verlauf zeigt. 

Da der Verlauf der Schwärzungscurve bei progressiver Belichtung 
die Gradation (Verlauf der Schwärzung von Licht gegen Schatten) 
einer photographischen Platte bezeichnet, so ist bei schleierigen Platten 
die Construction dieser Curve sowohl inclusive, als auch exclusive 
Schleier empfehlenswerth. 

Tafel V zeigt die Schwärzungscurven von Adurol-Entwickler 
(Adurol- Pottasche); die Versuche wurden an genau derselben Platten- 
sorte, wie jene mit Hydrochinon, angestellt. Die voll ausgezogenen 
Linien zeigen die Schwärzung inclusive, die punktirten aber exclusive 
Schleier bei verschiedenen Entwicklungszeiten. 

Nasse Jodbrom-Collodionplatten mit saurer Eisenvitriol- 
Hervorrufung zeigten bei Benzinlicht den Schwellenwerth von circa 
15 Secunden -Meter -Kerzen, Eosin-Bromsilber-Collodion mit alka- 
lischer Entwicklung (Albert'sche Emulsion) aber circa 4 Secun- 
den-Meter-Kerzen. Die drei sich kreuzenden Curvensysteme Tafel X 
repräsenüren- die Schwärzungscurve des nassen Jodbrom -Collodion mit 
verschieden langer Entwicklungsdauer; die beiden links liegenden, stark 
gekrümmten Curven zeigen den etwas unregelmässigen Gang der Eosin- 
Bromsilber- Collodion -Emulsion in verschieden dick gegossenen Schichten. 



238 Dritter Theil. Siebzehntes Capitel. 

Die Schwärzungscurve photographischer Platten besteht aus 
drei deutlich unterscheidbaren Theilen: 

1. Das untere, anfangs stark gekrümmte und dann allmählich der 
Horizontalen sich nähernde Stück repräsentirt die Periode der kurzen 
Belichtungen oder die Periode der Unterexposition. In dieser 
Periode erfolgt bei Bromsilber- Gelatineplatten mit Hervorruf ung (als 
Normal -Entwickler dient Eisenoxalat) die Schwärzung annähernd pro- 
portional der einwirkenden Lichtmenge. 1 ) 

2. Das nahezu geradlinige Mittelstück der Schwärzungscurven ent- 
spricht im Allgemeinen der Periode der richtigen Exposition 
oder correcten Aufnahmezeit. In dieser Periode ist die Schwärzungs- 
zunahme der Bromsilberplatten im Entwickler annähernd proportional 
der Zunahme des Logarithmus der einwirkenden Lichtmenge. 

3. Das obere gekrümmte Ende der Curve stellt die Periode 
der Ueberexposition vor, bei welchor weitere Licht Wirkung keine 
merkliche Zunahme der photographischen Schwärzung herbeiführt, 2 ) was 
namentlich auf unserer Curve der Collodionplatte sichtbar ist, während 
bei den anderen Platten dieses Stück nicht gezeichnet wurde. 

Bei den Bromsilber- Gelatineplatten mittlerer Empfindlichkeit tritt 
nach Eder's Beobachtungen die Periode der Unterexposition zwischen 
0,1 und beiläufig 1 bis 3 Secunden- Meter- Kerzen und darüber ein. 

Dann kommt ein annähernd gerades Stück der Curve (Periode der 
normalen Exposition), welche bis 20 Secunden -Meter- Kerzen sich er- 
streckt; dann biegt sich die Curve (nähert sich der Periode der Ueber- 
exposition). Diese Zahlen sollen nur als Beispiel gelten, haben aber 
keine absolute Gültigkeit, weil sie mit der Entwicklungsart schwanken. 

Die nachfolgende Tabelle VII gibt einige Messungsbefunde bei 
einer gangbaren englischen (A) und österreichischen (B) Bromsilber- 
Gelatineplatte und der Periode der Unterexposition und normalen Be- 
lichtung. 

Setzt man die Schwärzung bei Nr. 10 als Einheit und berechnet 
daraus die Schwärzungen der anderen Nummern proportional der ein- 
wirkenden Lichtmenge, so ergibt sich: 

1. dass die geringen Schwärzungen (an den Stellen gering- 
ster Lichtwirkung) so ziemlich im geraden Verhältnisse mit 
der einwirkenden Lichtmenge wachsen (Periode der sehr kurzen 
Belichtung, sogenannte Unterexposition). 

1) Zuerst angegeben von Ilurter und Driffield (Eder's Jahrbuch fiir Phot 
1893. S. 20. 

2) Daran schliesst sich die Periode der Solarisation (s. Eder's Handbuch, Bd. II, 
2. Aufl., S. 72), auf welche an dieser Stelle nicht weiter eingegangen werden 8olL 



System der Sensitometrie photographisoher Platten. 



239 



Tabelle VII. 

Bromsilber-QelatiiieplatteiL (Belichtet im Scheiner -Sensitometer bei V 8 m Kerzenabstand 

durch 1 Minute. 5 Minuten lang im Eisenoxalat- Entwickler entwickelt). 



cq 2 

CS 



Secunden 
Meter - 
Kerzen 



Relative 
Lichtmenge 



Beobachtete 
Schwärzung 



Schwärzung 
berechnet proportional 



der Lichtmenge 



dem Logarithmus 
der Lichtmenge 1 ) 







Erste Versuchsreihe 








13 


0,61 


48 


0,09 


0,13 


0,12 




12 


0,78 


62 


0,13 


0,17 


0,19 


o 


11 


0,99 


79 


0,20 


0,22 


0,26 


CS 


10 


1,26 


100 


0,28 


0,28 2 ) 


0,33 


£4 


9 


1,60 


127 


0,35 


0,36 


0,41 


CO 
*13 


8 


2,05 


162 


0,47 


0.45 


0,48 




7 


2,61 


207 


0,55 


0,58 


0,55 


^3 


6 


3,3 


264 


0,69 


0,74 


13 

a 
o 


0,62 


W 


5 


4,2 


336 


0,77 


0,94 


B 

a 


0,69 


13 


4 


5,4 


428 


0,81 


1,20 


■-3 


0,76 


C 

© 


3 


6,9 


545 


0,89 


• 


2 

o 


0,84 


© 


2 


8,3 


695 


0,92 


• 


-4J 


0,91 


C8 


1 


11,2 


886 


0,95 


• 


0** 


0,98 




a 


14,3 


1130 


1,00 


• 


■3 


1,04 


© 


b 


18,2 


1440 


1,06 


• 


es 

TS 


1,11 




c 


23,2 


1830 


1,10 


• 


a 
o 

> 


1,19 









Zweite Versuchsreihe 








14 


0,48 


38 


0,10 


0,10 




m 


© 


13 


0,61 


48 


0,11 


0,13 




m 


-4-> 

"3 


12 


0,78 


62 


0,16 


0,17 




• 


1«, 


11 


0,99 


79 


0,20 


0,22 




0,17 


© 


10 


1,20 


100 


0,28 


0,28 *) 




0,26 


9 
© 


9 


1,60 


127 


0,32 


0,36 




0,36 


© 


8 


2,05 


162 


0,47 


0,45 




0,45 


08 


7 


2,61 


207 


0,52 


0,58 




0,55 


^3 


6 


3,3 


264 


0,60 


0,74 




0,64 


© 

-4-> 


5 


4,2 


336 


0,77 


0,94 i 


I 


0,73 


§ 


4 


5,4 


428 


0,85 


1,20 


£ 


0,83 


CO 

c 


3 


6,9 


545 


0,95 


• 


2 


0,92 


© 


2 


8,3 


695 


1,04 


• 




1,02 


73 

a 

»-3 


1 


11,2 


886 


1,10 


• 


f e s 

s 


1,11 




a 


14,3 


1130 


1,19 


• 


08 (0 
93 


1,21 


-4-J 


b 


18,2 


1440 


1,25 


• 


-o 
c 


1,30 


W 


C 


23,2 


1830 


1,36 


• 


o 
> 


1,39 





1) Berechnet nach den Formeln: Schwärzung = 0,68 log 2T + 0,26 (1. Reihe), 

Schwärzung = 0,89 log ÜT+ 0,17 (2. Reihe), 
wobei K die Secunden -Meter -Kerzen bedeutet. Die Constanten sind so gewählt, dass 
die Schwärzungen für ein möglichst grosses Stück der Schwärzungscurven angenähert 
dargestellt werden. 

2) Als Ausgangspunkt für die Berechnung der proportionalen Schwärzung gewählt. 



240 Dritter Theil. Siebzehntes CapiteL 

2. An den Stellen stärkerer Lichtwirkung, d. i. bei den 
stärker geschwärzten Nummern des Sensitometers, wächst die Schwär- 
zung der Bromsilberplatten im Entwickler annähernd proportional 
dem Logarithmus der einwirkenden Lichtmenge (Periode der 
richtigen Exposition). Bei sogenannten weich (zart) arbeitenden Trocken- 
platten ist dabei der Proportion alitätsfactor klein, bei hart, kräftig und 
contrastreich arbeitenden Platten ist er grösser, die Curve steigt steiler 
auf. Dies geht aus den in Tabelle VII mitgetheilten Opacitätsmessungen 
klar hervor. 

Es gibt Plattensorten, welche ziemlich lange sich in der Periode 
der Unterexposition bewegen. 

Diese werden mit verlängerter Belichtung nur sehr langsam die 
im photographischen Negativprocess nöthige Schwärzung erlangen. Solche 
Platten geben bei kurzen Belichtungen nur dünne, flaue Negative. Die 
hohe Sensitometerempfindlichkeit entspricht in diesem Falle keineswegs 
einer guten Lichtempfindlichkeit bei der Herstellung photographischer 
Halbtonbilder in der Camera. Diese Eigenthümlichkeit verschiedener 
Sorten von photographischer Gelatine -Emulsion hängt in erster Linie 
von der molecularen Form des Bromsilbers (dem Keifezustand) ab und 
steht auch in Beziehung zu seinem Verhalten gegen das Spectrum; alle 
Formen von Bromsilber oder Jodbromsilber, welche in Eder's Abhand- 
lung: „Ueber das Verhalten der Silberhaloidverbindungen gegen das 
Sonnenspectrum" (Sitzungsber. d. Kais. Akad. d. Wissensch. in Wien, 1884, 
auch dieses Handbuch Bd. III) durch flachgezeichnete, wenig ansteigende 
Curven der Spectralwirkung (Sonnenspectrum) gekennzeichnet wurden, 
weichen auch stark von der normalen Schwärzungscurve ab; sie haben 
die Tendenz, im Stadium der Unterexposition zu bleiben, trotzdem ihr* 
Schwellenwerth klein oder das, was man gewöhnlich als „Lichtempfind- 
lichkeit" bezeichnet, ziemlich gross ist 

VII. Hurter und Driffield's Methode der Bestimmung 

der „Inertia". 

Hurter uüd Driffield leiten die Empfindlichkeit der Platte aus 
der Schwärzungscurve ab. Sie führen das gerade Stücke der Corve 
nach unten fort, bis es die untere Scala, welche die wirkenden Secunden- 
Meter- Kerzen angegeben enthält, schneidet. Die Zahl, welche man in 
diesem Schnittpunkt abliest, wird „Inertia" 1 ) (Trägheit, Beharrungs- 
vermögen) genannt. 



1) Hurter und Driffield construirten einen Aktinograph (Apparat rarBe- 
mg der Expositionszeit) mit gewissen Constanten und Berüokaohtigang von 




System der Sensitometrie photographischer Platten. 



241 



Die Inertia kann mit Hilfe des Scheiner -Photometers und des 
Coordinatennetzes unter Benützung der Tabelle I leicht bestimmt werden. 



Objectivblenden, Plattenempfindlichkeit, Helligkeit des Tageslichtes etc. Diese empi- 
rische „aktinographische Zahl* zu ihrem Aktinographen finden Hurte r und D rief- 
fiel d, indem sie mit der Inertia -Zahl in 35 dividiren. Also ergeben z. B. Rapidplatten 
von der Inertia 0,7 den Werth 35 : 0,7 = 50 als aktinographische Zahl (vergl. Rae, 
Eder's Jahrbuch f. Phot. 1899. S. 58). 

Die aktinographische Zahl wird in Phot. News. 1896. 463, auf das War- 
nerke'sche Sensitometer (s. Eder's Handbuch der Phot. und Reprod. Bd. I. 1. Hälfte. 
S. 429. 2. Aufl.) bezogen. Eder's Untersuchungen ermöglichen die Reduction der 
Warnerke'schen Grade auf Grade des Scheiner'schen Sensitometers (s. Eder's Jahrbuch 
f. Phot. 1899. S. 44), soweit überhaupt bei der Verschiedenheit der Principien diese 
Arten der Sensitometerreductionen möglich sind. Leider sind die Scalen des War- 
nerke- Sensitometers durch Fabrikation sungenauigkeit ungleichartig. In folgender Ta- 
belle sind Warnerke - Scalen von mittlerer Transparenz einbezogen. Die englischen 
Trocken platten tabrikanten benutzen, wie Eder durch Parallelversuche feststellte, War- 
nerke -Sensitometer, welche mit den stärker transparenten käuflichen Scalen 
dieser Art ausgestattet sind, so dass man eine um circa 3 bis 4 Grad Warnerke höhere 
Sensitometeranzeige enthält; z.B. zeigen die «extrarapiden Films der Eastman - Comp, 
in London 15 bis 16 Grad Scheiner, was bei Eder's Warnerke -Sensitometer circa 25 
Grad Warnerke entspricht, während sie an dem von der Eastman -Comp, verwendeten 
Sensitometer 30 Grad Warnerke zeigen. — Um annähernde Reductionstabellen der Em- 
pfindlichkeitsangabe nach aktinographischen Zahlen auf Scheiner- und Warnerke -Grade 
in der erwähnten Grenze zu ermöglichen, dient folgende Tabelle: 





Tabellle VIII. 








"Warnerke - Grade 


C 1_ -^' — ^ ~1 _ 


Hurtera. Driffield's 






Schemer - Grade 


aktinographische Zahl 


Scalen mittlerer 


Scalen grösserer 






Transparenz 


Transparenz 


e 


3,2 


8 


11 


b 


4,0 


9 


12 


a 


50 


10 


13 


1 


6,5 


11 


14 


2 


8 


12 


15 


3 


10 


13 


16 


4 


13 


14 


17 


5 


16 


15 


18 


6 


20 


16 


19 


7 


26 


17 


20 


8 


32 


18 


21 


9 


40 


19 


22 


10 


52 


20 


23 


11 


60 


21 


24 


12 


80 


22 


25 — 26 


13 


100 


23 


26—27 


14 


130 


24 


27 — 28 


15 


160 


25 


28 — 29 


16 


200 


26 


29-30 


17 


260 


27 


30—31 


18 


320 


28 


31 — 32 



Eder, Handbuch der Photographie. III. Theil. 6. Aufl. 



16 



242 Dritter Theil. Siebzehntes Capitel. 

Sie ist (nach Eder) z. B. bei gewöhnlichen Bromsilber- Gelatineplatten 
des Handels 0,7, bei unempfindlichen 1,5 bis 2 Secunden- Meter-Kerzen, 
jedoch ergaben sich bei der Bestimmung der Inertia grosse Schwan- 
kungen und Unsicherheiten. 

Diese Unsicherheit ist befremdend, denn auf die Bestimmung der 
Inertia legen Hurter und Driffield den grössten Werth; sie geben 
an, dass der Schnittpunkt der Verlängerung des geraden Theiles der 
Schwärzungscurve mit der Abscisse (Logarithmus der Lichtraenge) con- 
stant sei und praktisch unabhängig von der Länge der Entwicklungs- 
dauer; nach Hurter und Driffield soll der geradlinige Theil der Curve, 
welche Neigung er auch immer gemäss der variabeln Entwicklungszeit 
haben mag, in seiner Verlängerung die Abscisse im selben Punkte 
schneiden. 

Die Experimente, welche Hurter und Driffield (a. a. 0.) be- 
schrieben, scheinen diese Ansicht zu bestätigen. Nach Eder's Versuchen 
ist die Lage der Inertia aber keineswegs constant, 1 ) wenn man die 
Entwicklungsdauer innerhalb der- in der praktischen Photographie üb- 
lichen Grenze von 3 bis 10 Minuten variirt. Dies ergibt sich aus der 
Besichtigung der in beigegebenen Tafeln reproducirten Schwärzungs- 
curven unmittelbar und kann an denselben leicht ausconstruirt werden. 

Da die Inertia nicht nur bei geänderter Entwicklungszeit, sondern 
auch bei anderen Temperaturen eine variable Grösse ist, so kann man 
der Eruirung derselben nicht jene Bedeutung für die Sensitometrie zu- 
erkennen, welche ihr Hurter und Driffield zuschreiben. 

Till. Die Entwicklungsconstaiite. 

Die Schwärzungscurve wird von Hurter und Driffield auch be- 
nützt, um zu bestimmen, wie lange man eine Bromsilberplatte ent- 
wickeln muss, um eine bestimmte Neigung des geraden Theiles 
der Schwärzungscurve zu erzielen. 

Die Neigungswinkel (a) des geraden Stückes der Schwärzungs- 
curve zur Abscisse bestimmt die Gradation der Platte. Bei correcter 
Wiedergabe des Helligkeitswerthes bei einer Halbtonphotographie ist 
a = 45 Grad oder tanga =1, die Schwärzung wächst für jeden Scheiner- 
Grad um log 1,27 = 0,105 (vergl. S. 39). 



1) Die Abweichung vou Eder's Befund von jenem Hurter and Driffield's 
dürfte darin liegen, dass Hurter und Driffield's Methode zur Bestimmung der 
Schwärzungscurve weniger genau als die von erstcrem eingeschlagene Methode ist, so- 
mit die existireuden Abweichungen von Hurter und Driffield nicht bemerkt worden. 



System der Sensitomotrie phetographischer Platten. 243 

Die Tangente des Neigungswinkels nennen Hurter und Drif- 
field „Entwicklungsconstante" oder „Entwicklungsfaktor". Ist 
dieselbe grösser als 1, so sind die Contraste gesteigert, d. h. die Platte 
arbeitet härter. Auf diese Weise kann man die Gradation schätzen und 
es genügt die graphische Gonstruction zur Ermittlung des Entwicklungs- 
factors. 

Kennt man diese Coustante (den Entwicklungsfactor) für eine Ent- 
wicklungszeit, so kann mau mittels einer Näherungsformel Hurter 
und Driffield's 1 ) annähernd die Zeit bestimmen, welche zur Erreichung 
einer anderen Constante nöthig ist. 1 ) Wir wollen hier zunächst von 
dieser Anwendung des Entwicklerfactors absehen und erwähnen bloss 
seine Bestimmungsmethode, weil sie in englischen Fachkreisen bei Be- 
gutachtung von Plattensorten mitunter angegeben wird. 

IX. Vollständige Empfindllchfccltsbestimmu.il!; einer photo- 
graphischen Platte. 
Die vorhin geschilderten Methoden liefern alle Daten, welche zur 
vollständigen Empfindlichkeitsbestimmung nach Schwarz- 

schild's Vorschlag 3 ) erforderlich sind. Man muss zunächst die Schwär- 
zungscurve bestimmen; femer muss man die Abweichungen vom 
Reciprocitätsgesetze für die betreffende Plattensorte bestimmen, indem 
man ermittelt, bei welchen Expositionszeiten zwei verschieden helle 
Lichtquellen von bekanntem Helligkeitsverhältnisse auf der Platte gleiche 
Schwärzungen hervorbringen (Bestimmung des Exponenten p aus der 
auf S. 228 erwähnten Formel X = itr). 

Um zu jeder Lichtintensität i die zugehörige Zeit, welche zur 
Erzeugung einer bestimmten Schwärzung erforderlich ist, und umgekehrt 
berechnen zu können, bedarf man der Kenntnis« der Abscisse a a der be- 
treffenden Schwärzung in der Schwärzungscurve und des Exponenten p. 

1) Eder'a Jahrbuch f. Phot 1893. S. 21 und 1899. S. 194. Vergl. auch Eder'a 
Ausf. Hsndbnch d. Phot Bd. II (2. Aufl.) S. 5. 

2) Hurtor und Driffield führen an, dass das photographische Bromsilber- 
bild im Allgemeinen bei lacgan dauern der Entwicklung einer oberen Dichtigkeits- 
grenze (Maximal Schwärzung) zustrebt. Das Gesetz über den Zusammenbang der ver- 
schiedenen Schwärzungen und der länge der Entwicklungszeit (() wurde von Hurter 
und Driffield durch die Formel 

Df=D(l-at) 
ausgedrückt, worin Bf die Schwärzung nach einer f Minuten langen Entwicklung, D 
die mögliche Maximalschwärzung und a eine Constante bezeichnet, welche für die von 
den Genannten benutzten englischen Bromsilber-Uelatineplatten den Zahlenwerth 0,9015 
hatte (Eder's Jahrbuch f. Phot. 1899. S. 194). 

3) Phoi Corresp. 1899. S. 399. 

16* 



244 Dritter Theil. Siebzehntes Capitel. 

Sind beide bekannt, so lassen sich beide Aufgaben lösen durch die 
Schwarzschild'schen Formeln 

log* -(7 — --logi 

und 

logi =po — plogtf . 

Hierbei ist angenommen, dass die Wirkungsweise des Entwicklers 
eine genau bekannte und keinen Schwankungen unterworfene ist. 

Würden alle Bromsilberplattensorten sich beim Herrorrufungs- 
process gleichmässig verhalten, so wäre die Aufgabe mit einer Hervor- 
rufungsart (z. B. einem normalen Eisenoxalat- Entwickler bei 18 Grad C. 
und bestimmter Entwicklungsdauer, z. B. 5 Minuten), zu lösen und in 
der That wird dieser Vorgang von Hurter und Driffield empfohlen. 

Leider entwickeln sich aber die Bromsilber- Gelatineplatten selbst 
in einem und demselben Entwickler verschieden rasch, was von der 
Härte der Gelatineschicht (Qualität der Gelatine, Gehalt an Alaun, Grad 
des Austrocknens beim Aufbewahren), sowie dem Zustande des Brom- 
silbers abhängt. Man erreicht bei manchen Platten nach 7 Minuten 
langer Entwicklung genau dieselbe Schwärzungscurve und Empfindlich- 
keit, wie bei anderen Platten in 5 Minuten. Deshalb erscheint es er- 
forderlich, dass bei der Prüfung der Platten mindestens vier Entwick- 
lungszeiten versucht werden, z. B. 2y 2 , 5, 7 1 / 2 und 10 Minuten; die 
dazugehörigen Schwärzungscurven sind zu construiren. 

X. Untersuchung von Verstärkung - und Abschwächungsmethodcn 
photographischer Schichten auf Grund mikrophotomctrischer 

Messungen. 

Durch Anlagerung von Niederschlägen auf die Silberschicht der 

Negative können mittels chemischer Doppelzersetzungen Verstärkungen 

erzielt werden; z. B. bewirkt Quecksilberbromid folgende Reaction mit 

dem Silberbilde 

HgBr 2 + Ag = AgBr + HgBr, 

wobei die Bildschicht gebleicht wird. 1 ) Behandelt man sie mit Natrium- 
sulfit, 2 ) so entsteht metallisches, grauschwarzes Quecksilbef und ein 
Theil des Bromsilbers wird gelöst; der Schlusseffect ist eine massige 
Verstärkung. Ausgiebiger ist die Schwärzung mit Ammoniak 9 ) (Bildung 
schwarzer Mercurammonium-Verbindungen), am ausgiebigsten die Total- 



1) Quecksilber Verstärker: 100 Th. Wasser, 2 Th. Bromkalium, 2 Th. Queck- 
silberchlorid. 

2) Lösen von 1 Th. neutralem krystallisirten Natriumsulfit in 10 Th. Wi 

3) Ammoniak verdünnt mit 10 bis 20 Th. Wasser. 



Syßtera der Sensitometrie photographisoher Platten. 



245 



reduction mit starken Reductionsmitteln (z. B. Diamidophenol [Amidol] 
und Natriumsulfit 1 ). 

Tabelle IX gibt die Uebersicht der Wirkungsweise dieser Ver- 
stärker. 

Tabelle IX. 





Opacität einer Bromsilber- Gelatineplatte vor 


und nach dem Verstärken, 


J3 
O 






respective Abschwächen 






a 


c 

2 

e 


mit 
Quecksiiber- 


mit Quecksilber völlig 


verstärkt 


p CS 

.2 E 




** 

m* 








2 ö 


o 


bromid 








'S o 


ü 5 


ensitometerzah 
abstand 


<D 

S CM 

ex, 


wenig ver- 
stärkt, mit 
Natrium- 
sulfit 
geschwächt 


mit 
Natrium- 
sulfit 
geschwärzt 


mit 
Ammoniak 
geschwärzt 


mit Amidol - 
Entwickler 
geschwärzt 


■a B 

O s-i ö 

'ö "S : 5 


^4 co 

a 

k» o , 

'S -£ -ö 

+, R CO 


oa 


O 










B 


s 


11 


— 


— 


0,16 


0,15 


0,22 


— 


— 


10 


0,15 


0,2 


0,19 


0,22 


0,27 


— 


— 


9 


0,21 


0,24 


0,27 


0,33 


0,35 


0,13 


— 


8 


0,27 


0,35 


0,42 


0,52 


0,47 


0,18 


— 


7 


0,38 


0,55 


0,59 


0,71 


0,65 


0,29 


0,17 


6 


0,51 


0,78 


0,79 


0,90 


0,83 


0,36 


0,23 


5 


0,66 


0.95 


1,02 


1,30 


1,01 


0,53 


0,38 


4 


0,81 


1,25 


1,31 


1,56 


1,26 


0,70 


0,50 


3 


0,91 


1,50 


1,61 


1,92 


1,57 


0,85 


0,60 


2 


1,05 


1,70 


1,38 


2,35 


1,84 


1,00 


0,75 


1 


1,19 


1,91 


2,25 


3,00 


2,12 


1,15 


0,85 


a 


1,43 


2,12 


2,70 


1 ganz un- 


2,60 


1,30 


0,96 


b 


1,55 


2,30 


3,00 


\ 

/ durch- 

1 sichtig 


3,00 


1,37 


1,06 


e 


1,65 


2,70 


total 
undurchsichtig 


andurchsichtig 


1,47 


1,20 



Die Schwärzungscurve vor und nach der Verstärkung (Tafel VI) 
geben ein völlig klares Bild dieser Phänomene. 

Die voll ausgezogene Curve Tafel VI(1) zeigt die Gradation der 
ursprünglich benutzten unverstärkten Broinsilberplatten. Curve 2 und 3 
zeigt den Effect der Quecksilber- Natriumsulfit -Verstärkung. Die Curve 
steigt steiler an, derEntwicklungsfactor(tanga s. S. 242) wächst, die Platte 
zeichnet mit gesteigertem Contraste. Noch etwas mehr ist das bei Am- 
moniakschwärzung der Fall; in beiden Fällen werden die zartesten Bild- 
stellen weniger verstärkt, als die dichten Stellen. Merklich günstiger in 
dieser letzteren Beziehung wirkt die Schwärzung der durch Quecksilber- 
bromid gebleichten Platte mit dem Amidol -Entwickler; die Wirkung 



1) 500 Th. "Wasser, 20 g Natriumsulfit, 2 g Amidol (== salzs. Diamidophenol). 



246 



Dritter Theil. Siebzehntes Capitel. 



kommt zwar der Natriumsulfitschwärzung nahe, aber die zarten Bild- 
stellen kommen besser zur Geltung. 

Ferner verglich Eder in einer anderen Abhandlung (Phot Corresp. 
1900) die Wirkung des Verstärkens mit Quecksilberbromid (1 Th. Queck- 
silberchlorid, l Th. Bromkalium und 50 Th. Wasser) und darauffolgende 
Schwärzung mit Natriumsulfit; die Verstärkung mit Quecksilberchlorid 
(ohne Bromkalium) mit Natriumsulfitschwärzung; die Lumidre'sche Ver- 
stärkung mit Quecksilberjod und darauffolgende Behandlung mit Pyro- 
gallol -Entwickler und der Agfa- Verstärker (Quecksilberrhodanid) der 
Berliner Actiengesellschaft für Anilinfabrikation. 

Folgende Tabelle gibt die Schwärzungszahlen der verstärkten 
Plattenstreifen. 







Tabelle X. 






Bestimmung der Schwärzung von Trockenplatten in verschiedenen Verstärkern. 








Verstärkung 






Belichtung 
der Platte 

in 

Secunden - 

Meter- Kerzen 


Schwärzung 

des 

Original- 

negatives 

(unverstärkt) 


Verstärkung 

durch 
Quecksilber- 
chlorid und 
Natrium sulfit 


durch Queck- 
silberchlorid 
-|-Brom- 

kalium und 
Behandlung 
mit Natrium- 


Lumiere's 
Verstärkung 

mit Jod- 
quecksilber 1 ) 


Andresen's 
Agfa -Ver- 
stärker mit 
Quecksilber- 
rhodanid 








sulfit 






1,0 


0,36 


0,32 


0,33 


0,37 


0,37 


1,26 


0,41 


0.35 


0,39 


0,43 


0,43 


1,60 


0,47 


0,40 


0,45 


0,52 


0,55 


2,05 


0,51 


0,45 


0.57 


0,63 


0,72 


2,61 


0,64 


0,57 


0,71 


0,75 


0,90 


3,3 


0,73 


0,68 


0,87 


0,93 


1,10 


4,2 


0,80 


0,77 


1,07 


1,18 


1,31 


5,4 


0,87 


0,87 


1,27 


1,40 


1,50 


6,9 


0,97 


0,97 


1,47 


1,65 


1,70 


8,8 


1,07 


1,09 


1,69 


1,89 


1,85 


11,2 


1,18 


1,20 


1,85 


2,03 


1,94 


14,3 


1,32 


1,34 


1,98 


2,15 


2,00 


18,2 


1,41 


1,47 


2,07 


2,27 


2,19 


OQ 9 


1,48 


i li55 


2,12 


2,33 


2,28 



Aus diesen Beobachtungen geht hervor, dass die Verstärkung mit 
Quecksilberchlorid und Sulfit sehr wenig ausgiebig ist; Quecksilberbromid 
(Gemisch von Quecksilberchlorid und Sulfit) gibt viel stärkere Deckung; 
beide Arten der Verstärkung aber bewirken Verlust der Deckung in 
den zartesten Schatten, offenbar infolge auflösender Wirkung vonNatrium- 



1) Nach Abzug eines geringen Schleiers. 




System der Senaitonietrie photographischer Platten. 



247 



sulfit auf Chlor- und Ammoniaksilber; die Jodquecksilber-Verstärkung 
ist die ausgiebigste, aber der Agfa-Verstärker erreicht dieselbe nahezu. 

In ähnlicher Weise stellte Eder auch die Wirkung der ge- 
bräuchlichen Abschwächer fest Tafel VII zeigt die Schwächung 
durch das Gemisch von Ferridcyankalium und Fixirnatron bei geringerer 
und stärkerer Concentration. Es geht daraus hervor, dass hierbei die 
zarten Bildstellen weggeätzt werden und verloren gehen; die übrig- 
bleibenden Bildtbeile aber weisen fast dieselbe Gradation auf, wie die 
ursprüngliche Platte. Dies ist nur dadurch möglich, dass an den ganz 
dichten Stellen relativ etwas mehr Silber aufgelöst wird, als an den 
dünneren Bildstellen. Bei gleichartiger Auflösung (Abtragung) der 
Silberschichten müsste sich die Schwärzungscurve nach der Abschwä- 
chung asymptotisch stark nähern, was aber thatsächlich nicht der Fall 
ist Diese Verhältnisse sind bisher unbekannt gewesen. 

Das von Lumiöre zuerst als Abschwächer empfohlene Ammonium- 
persulfat soll merkwürdigerweise die zarten Bildstellen schonen und nur 
die dichten Silberpartien auflösen. In derThat geht dies aus den Gurven, 
Tafel VI, klar hervor. Die Platten werden durch das Abschwächen 
weicher und zarter. Die dichten Stellen verflachen sich aber rasch und 
verlieren an Abstufung. Die Opacitätsmessungen (siehe folgende Ta- 
belle XI) geben klaren Aufscbluss. 

Tabelle XL 
Wirkung des Ammoriiiimpersulfat-AuachwächerB auf Emutolonsnegatlve. 



Scheiner-Grade 

bei Vi m Lichtabstanc 

und 1 Minute 




Schwärzung 


Schwächung 


Ursprüngliche 


nach kurzer Be- 


□ach dem Trocknen 


Schwärzung der 
Schichte 


bau dlung mit 
dreiprocentigom Per- 


und nochmaligem 
Abschwächen der 


Belichtung 




sulfat 


vorigen Platte 


10 


0,22 


0,20 


0,19 


9 


0,25 


0,23 


0,23 


8 


0,30 


0,28 


0,27 


7 


0,40 


0,40 


0,30 


6 


0,53 


0,50 


0,50 


5 


0.07 


0,62 


0,60 


4 


0.81 


0,t>5 


0,05 


3 


0,91 


0,78 


0,74 


2 


1.05 


0,88 


0,77 


1 


1,19 


0,93 


0,79 


a 


1,43 


0,99 


0,83 


b 


1,55 


1.00 


0,84 


6 


1,65 


1,15 


0,85 



248 



Dritter Theil. Siebzehntes Capitel. 



Diese Tabelle XI zeigt die ursprüngliche Dichte (Schwärzung) eines 
Streifens von Bromsilber- Gelatine, welcher im Sensitometer belichtet, 
entwickelt, fixirt und getrocknet wurde. Die dritte Colonne zeigt die 
Abnahme der Schwärzung in dreiprocentiger Ammoniumpersulfatlösung; 
es wird an den dünneren Stellen fast gar kein Silber gelöst; erst bei 
der Schwärzung 0,5 bis 0,7 beginnt stärkere Wirkung, welche bei den 
stärkeren Schwärzungen unverhältnissmässig stark auftritt Bei den 
dichtesten Stellen (Nr. a bis c) sind bei längerer Einwirkung des Per- 
sulfates sogar die anfänglich sehr starken Schwärzungsunterschiede nahezu 
ganz zum Verschwinden gebracht und statt gut graduirten Abstufungen 
macht sich Monotonie in der Gradation geltend. 





Tabel 


lle XII. 




Wirkung des Blutlaugensalz -Abschwächere auf ein stark schieieriges Negativ, 


dessen Schleier die Opacität 0,67 hatte. 








Schwärzung 




Scheiner -Grade 


Schwärzung 
der ursprünglichen 
schleierigen Platte 


nach dem Abschwächen 


Differenz 


bei Vs^^chtabstand 

und 1 Minute 

Belichtung 


mit Ferridcyankalium 

und Fixirnatron 
bis zum Verschwinden 


der Schwärzung 
vor und Dach dem 
Abschwächen 






des Schleiers 




19 


0,75 


— 


— 


18 


0,77 


— 


— 


17 


0,80 


— 


— 


16 


0,83 


0,23 


0,60 


15 


0,85 


0,29 


0,56 


14 


0,88 


0,34 


0,54 


13 


1,00 


0,37 


0,63 


12 


1,05 


0,46 


0,59 


11 


1,22 


0,60 


0,62 


10 


1,36 


0,73 


0,63 


9 


1,60 


0,87 


0,53 


8 


1,83 


1,00 


0,83 


7 


1,99 


1,16 


0,83 


6 


2,20 


1,36 


0,84 


5 


2,6 : 1,57 


1,03 


4 


3.0 1,76 


1,24 


3 


1 ' 1,89 


— 


<> 




2,10 


— 


1 




2,30 


_ 


a 


[ undurchsichtig 


2,60 


— 


b 




3,00 


— 


r. 


. 


undurchsichtig 





System der Sensitometrie photographischer Platten. 



249 



XI. Beseitigung des Schleiers durch AhschwBchungsmlttel. 

Nach dem Gesagten ist unmittelbar klar, dass Persulfat zur Be- 
seitigung des Schleiers von photographischen Platten nicht gut dienen 
kann, weil es die Gradation an den dichten Stellen zerstört, ohne den 
schwächeren, über die ganze Plattenfläche sich erstreckenden Schleier 
rechtzeitig zu zerstören. 

Das Ferridcyankalium und Fixirnatron dagegen ist sehr geeignet 
Es hinterlässt nach dem Wegbeizen des Schleiers ein Silberbild, welches 
eine genügend correcte Gradation aufweist 

Vorstehende Tabelle Xu zeigt, dass der Ferridcyan- Abschwächer 
thatsächlich geeignet ist, übermässig dichte und schleierige Stellen eines 
photographischen Negatives so abzuschwächen, dass ein gut graduirtes 
Bild zum Vorschein kommt. Ferner ergibt sich die bisher unbekannt 
gewesene Thatsache, dass auch Ferridcyankalium an den dichtesten 
(schwärzesten) Stellen des Silberbildes verhältnissmässig etwas mehr 
Silber auflöst, .als an den dünneren Stellen; eine schleierige Platte wird 
demzufolge nach dem Abschwächen grössere Weichheit aufweisen. 



XII. Einfluss der Temperatur des Eisenoxalat- Entwicklers 

auf die Schwärzungscurve. 

Der Eisenoxalat-Entwickler, welcher als Normalentwickler für 
Bromsilber- Gelatineplatten verwendet wird, hängt in seiner Wirkung 
(wie alle Entwicklersubstanzen) von der Temperatur ab. In der Regel 
benützt man ihn bei einer Normaltemperatur von 18 Grad C. 

Die Abweichungen der Wirkung mit steigender und sinkender 
Temperatur sind bisher noch niemals an der Hand von Schwärzungs- 
messungen studirt worden. Der Effect des Entwicklers hängt selbst- 
verständlich von der Plattensorte ab; Eder studirte sie an Platten von 
Schleussner (Frankfurt am Main), Schattera (Wien), welche sich in 
dieser Hinsicht analog verhalten. Von den umfassenden Messungen ist 
hier die complete Beobachtungsreibe für die ersteren mitgetheilt, da sie 
typisch sind. Die Schwellenwerthe waren bei: 



Grad C. 



10 Grad C. 



2 x / 2 Minuten 


3 Grad Scheiner, 


5 

7 Vi » 
10 


4= ii ii 

7 

• ii ii 

" ii 'i 


2 l / 2 Minuten 


5 Grad Scheiner, 


5 

?Vi » 

10 


6 ii ii 

" 11 M 



250 



Dritter Theil. Siebzehntes Capitel. 



18 Grad C. 



1) 
?5 



25 Grad C. 



Die vollständige 



2 1 /, Minuten 
5 

7 Vi 
10 

2 1 / 2 Minuten 

o » 

7 Vi „ 
10 



7 Grad Scheiner, 

9 
10 
11 






}1 

n 



7 Grad Scheiner, 

9 

10 
11 









Jebersicht der erhaltenen Schwärzungszahlen für 
Eisenoxalat-Entwickler bei verschiedenen Temperaturen enthält Tab. XIII. 

Mittels derselben Methode untersuchte Eder die Wirkung der iso- 
meren Entwicklersubstanz Brenzcatechin, ferner Hydrochinon, so- 
wie des Monobromhydrochinon, welches letztere alsAdurolin den 
Handel kommt. Von diesen drei Substanzen wurden äquivalente Mengen 
zu Entwicklerflüssigkeiten gelöst *) (Tabelle XIV, XV, XVI). 

Es ergibt sich daraus, dass beim Hydrochinon -Entwickler Tem- 
peratureinflüsse sich sehr stark bemerkbar machen; bei Grad C. ist 
er sehr wenig wirksam, bei 25 Grad C. wirkt er übermässig und erzeugt 
ziemlich starken Schleier. Brenzcatechin wird von Temperatureinflüssen 
weniger tangirt, gibt aber immerhin kräftige, contrastreiche Negative. 
Ferner zeigen die Messungen, dass Monobromhydrochinon entschieden 
charakteristisch andere Entwicklungseigenschaften besitzt, als Hydrochinon, 
d. h. dass es rascher und kräftiger als letzteres entwickelt 

Pyrogallol (Tabelle XVII) wurde in der allgemein üblichen Form 
(mit Soda) verwendet, 2 ) Glycin (p-Oxyphenylglycin C 6 H 4 (OH)-NH- 
CH 2 COOH) wurde mit Pottasche 8 ) combinirt (Tabelle XVIII). Metol- 
Entwickler, 4 ) welcher der rapidestwirkende der modernen Entwickler 

1) Als Mischungsvorhältnis9 wird benützt: 900 ccm Wasser, 75 g Natrinmsulfit, 
150 g kry stall isirte Soda und 10 g Hydrochinon (siehe Eder's Recepte und Tabellen 
für Photographie und Reproductionsverfahren , welche an der K. K. Graphischen Lehr- 
und Versuchsanstalt in Wien angewendet werden, 5. Aufl., 1900, S. 12). Für Brenz- 
catechin - Entwickler wurde dieselbe Menge von Hydrochinon, von Monobromhydro- 
chinon die äquivalente Menge eingesetzt. 

2) Pyrogallol-Soda -Entwickler: A. 500 ccm "Wasser, 4 g Pyrogallol, 
6 Tropfen conc. Schwefelsäure. — B. 50 g krystallisirte Soda, 500 ccm Wasser. 

Man mischt 1 Volumen von A , 1 Volumen von Z?, 1 Volumen Wasser. 

3) Glycin -Entwickler: 25 g krystallisirtes Natriumsulfit werden in 4 ccm 
Wasser warm gelöst, 10 g Glycin zugesetzt, bis zum Kochen erhitzt, 50 g Pottasche 
zugesetzt und schliesslich auf das Volumen von 75 ccm gebracht Zum Gebrauche 
verdünnt man 1 Volumen dieses Breies mit 12 Volumen Wasser. 

4) Metol- Soda -Entwickler: A. 1000 ccm Wasser, 100 g Natrinmsnlfit, 
10g Metol. — 11 1000 ccm Wasser, 100 g krystallisirte Soda. 

Gemischt zu gleichen Theilen A und B. 



System der Sensitoinetrie photographischer Platten. 251 

ist, wurde gleichfalls einbezogen (Metol ist das Sulfat des Methyl-p- 
Amidophenol, C 6 H 4 OHNH.CH 8 ) (Tabelle XIX) und nebst dem in 
neuerer Zeit mit vielem Erfolge verwendeten Ortol (Gemisch oder 
Doppel Verbindung von Molecülen Methyl - Orthol - Amidophenol und 
Hydrochinon) Tabelle XX, verglichen, 1 ) ferner Amidol (salzsaures oder 
essigsaures Diamidophenol), weil diese Substanz (zum Unterschiede von 
der vorhin erwähnten) mit Natriumsulfit allein (ohne Alkalicarbonat) 
einen kräftigen Entwickler von guter Arbeitsleistung liefert 2 ) (Tab. XXI). 

Ein gleichfalls in der Praxis vorfindlicher guter Entwickler ist ßo- 
dinal 8 ) (p-Amidophenolnatrium) (Tabelle XXII). 

Tabelle XXII zeigt das Verhalten desRodinal 4 ) (1:25). Es geht 
daraus hervor, dass es mindestens zweimal so rasch entwickelt als 
Eisen Oxalat; während letzteres bei Grad C. sehr träge entwickelt und 
es schwierig ist, gute Deckung zu erhalten, gelingt dies bei ßodinal, 
Metol und anderen Rapidentwicklern noch gut. Dagegen erzeugt Ro- 
dinal bei 25 Grad C. starken Schleier, während Eisenoxalat noch klare 
Negative liefert. 

Selbstverständlich gelten die Resultate strenge nur für die unter- 
suchten Sorten von Bromsilber- Gelatineplatten; jedoch kann man immer- 
hin über den allgemeinen Charakter der verschiedenen Entwickler- 
substanzen mit grosser Sicherheit Rückschlüsse machen. 

Es sei hier nur erwähnt, dass diese Ergebnisse ein für allemal 
die irrthümliche ursprüngliche Ansicht Hurter und Driffield's (welche 
dieselbe in ihrer letzten Abhandlung über Entwicklung des latenten 
Bildes [Eder's Jahrbuch f. Phot. 1899. S. 193] nicht mehr aufrecht er- 
halten konnten) zu Falle bringen; Hurter und Driffield hatten in 
ihren ersten Publicationen geglaubt, dass die Gradation des entwickelten 
Bildes nur von der Belichtungsscala, nicht von der Entwicklerart ab- 
hängig sei, welche Ansicht sicherlich unhaltbar ist. 



1) Ortol-Entwickler: 

A. 7,5 g Ortol, 3,75 g Kaliumbisulfit (pyroschwefligsaures Kali). 

B. 60 g krystallisirte Soda, 60 g Natriumsulfit, 500 ccm "Wasser. 
Gemischt zu gleichen Theilen A und B. 

2) Amidol-Entwickler: 1000 ccm Wasser, 200 g Natriumsulfit, 20g Amidol. 

3) In concentrirter Lösung von der Berliner Actiengesellschaft für Anilin- 
fabrikation in den Handel gebracht (100 Theile Wasser, 30 Theile Kaliummetabisulfit, 
10 g salzsaures Paramidophenol und Aetznatronlauge bis zur "Wiederauflösung des 
entstandenen Niederschlages). 1 Volumen der concentrirten Rodinallösung wird vor 
dem Gebrauche mit 25 Volumen "Wasser verdünnt. 

4) Bezogen von der Berliner Actiengesellschaft für Anilinfabrikation. Rodinal 
ist eine alkalische Lösung von Paramidophenol mit Zusatz von Natriumsulfit (siehe 
Eder's Jahrbuch f. Phot. 1892. S. 33 und 1893. S. 412). 



Dritter Tlieil. Siebzehntes Capitel. 



Tabelle XIII. 
Schwärzung für Eisen Oxalat- Entwickler bei verschiedenen Temperaturen. 



3 g 


Temperatur 




Grad Celsius 


10 Grad Celsius 


18 Grad Celsius 


25 Grad Celsius 


■3-S 
5* 


Eiitwickluogsdauer in Minuten 


i i 


2'/, 


5 


*V, 


10 


2'/, 


B 


TU 


10 


27, 


5 


?7, 


10 


*'/. 


5 


7' 


10 


20 
10 

18 
17 






























3,24 


0,26 
0,29 


1« 






























125 


0,35 


15 
























0,35 






0,27 


1.30 


14 
























0,40 


— 


1,39 


0,30 


0,42 
















0,27 


0,33 


— 


0,33 


0,33 


0,45 


- 


0,33 


0,36 


0,49 


12 


— 


— 


— 


O.i' r 


— 


■ >,:::_■ 


0,34 


0,87 


— 


035 


0,34 


0.4 !j 


- 


0,35 


0,41 


0,54 


U 


— 


— 


0,24 


0,28 


- 


0,25 


0,41 


1X41 


0,22 


0,38 


iUO 


0.54 


0,26 


0,38 


0,45 


l,(«) 


10 


— 


0,26 


0,25 


0,30 


0,21 


0,27 


0,45 


0,47 


0,25 


0,44 


0,45 


1(11 


0,27 


0,44 


0,57 


'.''■■ 


9 


- 


0,30 


0,26 


0,33 


0,22 


0,31 


0,50 


0,55 


0,27 


0,47 


0,54 


0,611 


O.i'n 


0,48 


(.71 


0,71 


8 


- 


0,34 


0,30 


0.1" 


0,25 


0,34 


0,55 


0.05 


0.29 


0,51 


lUil 


0,76 


0,32 


0,54 


1.77 


0,80 


7 


0,22 


u.:n-i 


0,42 


0,46 


0,28 


0,40 


0,64 


0,74 


0,34 


0,55 


0,71 


:*:■ 


0,37 


i,0s 


i.8Ü 


e\M 





0,23 


0.39 


0,51 


0,56 


0,33 


0,50 


0,71 


0,79 


0,40 


0,66 


i'.s;, 


0,94 


0,45 


0,77 


WM 


1,13 


5 


0,26 


0,47 


0,61 


0,1 18 


0,37 


0,57 


0,84 


0,93 


0,49 


0,77 


0,95 


1,19 


0,54 


0,89 


1,07 


1,34 


4 


0,31 


0,54 


0,74 


o.rtu 


0,43 


0,70 


0,97,1,07 


0,54 


0,88 


1,23 


1,43 


0,61 


1,05 


1,35 


1,55 


3 


0,36 


0,65 


0,66 


i'.'.u 


0,52 


0,80 


1,19 1,2!) 


0,6i 


1,00 


U7 


1,59 


0,70 


1,23 


1.52 


1^0 


2 


0,38 


0,73 


0,fl6 


1.IL' 


0,54 


0,87 


1,4011.47 


0,69 


1,16 


1,67 


1,77 


0,80 


1,47 


1,77 


2,01 


1 


0,42 


0,80 


1,13 


1.37 


0,60 


1,00 1,.1(J 1,70 


0,75 


1,31 


1,89 


:.(:( 


0,90 


1,69 


2,04 


2,35 


a 


0,49 


0,87 


1,35 


Cm 


«•.67 


1,20 1,74,1,92 


0,80 


1,47 


2,01 


2.25 


0,9 1 


1,77 


2. LT. 


2,5 


b 


0,r.2 


0,05 


1,40 


1,64 


0,70 1,36 j 1,83 2,13 


' I.-S4 


1,57 


2,16 


2,50 


1.00 


1,85 


3,4 


— 





0,57 


1,05 


1,50 


L,Ö4 


0,75 


1,45 


1.90 


2,25 


ÜjSÖ 


1,62 


2,35 


2,80 


1,07 


].'.>.- 


1\.-|7 





System der Senfiitometrie photographischer Platten. 



Tabelle XIV. 
SchwBrang für Brentcstechln-Soda-Entwlckter bei verschiedenen Temperaturen. 





Temperatur 


•sä 

■* 3 


Grad Celsius 


10 Grad Celsius 


18 Grad Celsius 


25 Grad Celsius 


11 
H 


Ent wieklungsdauer in Minuten 




27, 


5 


7% 


10 


27, 


5 


TU 


10 


27. 


5 


"7, 


,0 


27. 


5 


?V, 


10 


20 
19 
18 

n; 






















0,48 


0,54 








0.80 


i:, 


_ 


— 


— 


— 


— 


— 


— 


— 


— 


— 


0,52 


0,57 


— 


— 


— 


0,84 


i-i 


- 


— 


0,25 


d.:iO 


— 


— 


— 


— 


— 


0,37 


0,56 


ö.«-j 


_ 


0,55 


0,74 


0,87 


13 


— 


— 


0.28 


0,32 


— 


— 


— 


0.23 


0,32 


0,43 


0,60 


0.70 


0,41 


0,62 


0,77 


0^8 


12 


— 


— 


0,32 


(i.;;-i 


— 


0,26 


0,33 


0,33 


0,36 


0,47 


0,69 


11,77 


0,46 


0,70 


0,87 


0,95 


11 


— 


— 


0,35 


!i.:;; 


— 


0,28 


0,85 


0,3T> 


0,41 


0,55 


0,80 


0,90 


0,54 


0,79 


1,03 


1,07 


10 


— 


0,25 


0,42 


0,45 


0,34 


0,33 


0,39 


0.41 


0,48 


0,67 


0,90 


1,12 


0,65 


0,87 


1,26 


1,30 


9 


— 


0,28 


0,49 


<>.f,2 


0,2« 


0,40 


0,41 


0,50 


0,56 


030 


0,93 


1,39 


07 l 


1,00 


1,45 


1,54 


8 


— 


0,32 


0,5ti 


0,62 


0,27 


0,45 


050 


0,62 


0,67 


0,99 


1,27 


1,64 


0,87 


1,20 


1,66 


1,70 


7 


— 


0.40 


0,05 


073 


0,30 


0,52 


0,60 


075 


0,7* 


1,15 


1,61 


1,97 


1,03 


1.54 


1,95 


2.05 


6 


0,22 


0,4:. 


0,77 


0,82 


0,34 


0,60 


0,70 


0,87 


0,87 


1,36 


1,94 


2,25 


1,20 


1,89 


2,15 


2,34 


G 


0,23 


0.50 


0,84 


O'M 


n,:-:i 


0,70 


0,80 


1,05 


0,06 


1,55 


2,15 


2,50 


1,49 


2,19 


2,39 


2,90 


-; 


0,25 


0,55 


0,05 


1,04 


0,40 


0,76 


0,88 


1.2:-) 


1,14 


l.*7 


2,57 


2,80 


1,69 


2,82 


2,62 


— 


3 


0,26 


0,59 


1,05 


1,20 


0,45 


0,83 


1,03 


1.45 


158 


2,04 


2,90 


— 


1,87 


- 


3,00 


— 


2 


0,28 


0,65 


1,20 


1,35 


0,5( 


0,00 


1,16 


1,68 


[,36 


2,15 


- 


— 


2,0!) 


— 


— 


— 


1 


0,32 


Ö.ÖÖ 


1,30 


1,50 


0,52 


0,97 


1,37 


1,90 


1,45 


2,29 


— 


— 


■J.Xi 


— 


— 


— 


a 


0,35 


0,75 


1,37 


1,63 


II.;- 1 


LOS 


1,45 


2,07 


i,&0 


2,45 


— 


— 


2,55 


— 


— 


— 


b 


0,3« 


0.77 


1,45 


1,70 


0,57 


1,07 


1,49 


2,17 


1,57 


2,60 


— 


— 


L'.M. 


_ 


— 


— 





0,40 


0,80 


1,« 


1,74 


').:■'. 


1,11 


1,52 


2,2b 


1,80 


2.80 


- 


- 


2. '.)."! 


- 


- 


- 


i! 
























0,20 


- 


0,18 


0,32 


0,26 



Dritter Theil. Siebzehntes Cflpitel. 



Tabelle XV. 
Schwärzung für Hydrochlnon-Soda-Entwlckler bei verschiedenen 



sM 


Temperatur 


*EW 


Gnu! Celsius 


30 Grad Celsius 


18 Grad Celsius 


25 Grad Celsius 


|l 


Eiitwicklungsdauer in Miuuten 


1" 


2'/, 


5 


?% 


io te% 


5 


7", 


ii. 


2V, 


5 


n 


in 


Ȁ 


5 


"S 


10 


20 

m 

IS 

17 
lö 








- 






i.r,;i 














1,13 


i.sr. 


15 


— 


— 


— 


_ _ 


0,33 


0,40 


0,54 


— 


0,62 


i.l,8( 


0,95 


_ 


0,87 


1,1t 


1,69 


14 


— 


— 


— 


am — 


0,34 


0,50 


0,60 


0,37 


0,63 


0,83 


1,00 


0,50 


0,90 


1,24 


1,77 


13 


— 


— 


0,20 


o;iu 0.22 


0,36 


0,57 


0,64 


0,40 


0,60 


0,87 


1,07 




0,95 


1,30 


1,80 


12 


— 


— 


0.27 


0,30 0,25 


0,41 


0,65 


0,70 


0,43 


Ö,S5 


0,87 


1,14 


O.tiO 


1,00 


1,33 


1,85 


11 


— 


— 


ftSfl 


0,320,27 


0,47 


0,74 


0,75 


0,43 


0,77 


0,85 


1,21 


0,63 


1,05 


1,42 


1.90 


10 


- 


0,29 


0,33 


OBßksi 


0,57 


0,63 


0,86 


0,46 


0,83 


1,01 


1,30 


0,67 


1,23 


1,50 


M* 


g 


— 


0,27 


0,37 


0,45 0,33 


0,66 


0,05 


1,00 


0,55 


0,87 


1,13 


1,45 


'i.TI 


1,40 


1.75 


2,45 


8 


— 


0,30 


0,40 


0,500,3« 


0,80 


1,14 


1,21 


.U',-, 


006 


1,30 


U.'.i 


ci,s;i 


1,62 


2,05 


B,90 


7 


— 


0,32 


0,47 


0,57 0.40 


0,90 


1,35 


1,46 


0.73 


1,15 


1,55 


1,95 


..i.s: 


1,79 


2,45 


— 


G 


— 


0,35 


0,55 


0,67 0,45 


1,04 


i.-; 


1,70 


i,83 


1,37 


1,77 


2,25 


1,03 


2,03 


3,00 


— 


5 


— 


0,38 


0,63 


0,78 0,40 


l,lö 


1,77 


1J91 


0,87 


1,5.1 


2,02 


2,74 


Uli 


2,40 


— 


— 


4 


0,22 


0,42 


0,09 


o,B-p,rj3 


1,35 


1 T 95 


2,11 


l.i in 


1,7S 


2,43 


— 


\:.w-, 


2,85 


— 


— 


3 


023 


0,45 


0,77 


0,515 0,55 


1,45 


2,10 


2,43 


1,10 


1,96 


280 


~ 


1,48 


— 


— 


— 


2 


0,25 


0,50 


0,85 


1, 07 1 0,50 


L55 


2.32 


2,90 


1,15 


2,24 


— 


— 


IJK 


— 


— 


— 


1 


0,26 


0,55 


0,90 


1,21 li 0,63 


1,81 


2,53 


— 


1,30 


2,55 


— 


— 


1,75 


— 


— 


— 


6 


0,27 

0,2« 


o..".: 

0,61 


1,01 1.37 O.Oö 
l,lo' 1,50 0.07 


i.rr 
1,1» 


■j>:> 


— 


1,37 
1,44 


2,80 


— 


— 


13* 
1,88 


~ 


~ 


— 


• 


0,28 


0,63 


1,191,111 0,70 


1,95 


- 


- 


1,49 


- 


- 


- 


1,91 


~ 


~ 


~ 


1! 




















0.29 


0,43 


0,57 


- 


0,48 


0,7:3 


1,12 



System der Senaitometrie photographiaoher Platten. 



Tabelle XVI. 
Schwärzung für Ad u r nl ■ Entwickler bei verschied Wien Temperaturen. 

















TeiiijiLM-atar 
















ii 












s~ 


Grad Celsius 


10 Grad Celsius 


18 Grad Celsius 


25 Grad Celsius 


p 


Entwicklungsdauer in Miuuten 


13 

1" 


2V, 


5 


7V. 


... 


27, 


5 


77, 


10 


2'„ 


5 


77, 


,„ 


27, 


5 


77, 


10 


20 
19 
18 
17 


















- 




0,84 


0,84 






033 


1,05 


16 


— 


— 


— 


0,48 


— 


— 


— 


— 


- 


0,66 


0,85 


0,87 


— 


0,59 


037 


1.10 


1B 


— 


— 


— 


a.'.L 1 


— 


— 


— 


0,43 


- 


0,70 


0,87 


0,91 


— 


0,64 


0,90 


1,15 


14 


_ 


— 


— 


0,59 


— 


— 


0,43 


0,54 


0.4:. 


0,73 


0,95 


0,9-1 


0,42 


0,69 


0,95 


1,25 


13 


— 


— 


0,47 


0,62 


— 


0,37 


0,55 


0,81 


r 1.4*1 


0,77 


1,05 


1,00 


0,47 


0,74 


1,01 


1,35 


12 


— 


0,40 


0,54 


0,67 


11.31) 


0,42 


0.1.12 


0,67 


n.r.4 


0,85 


1,18 


1,06 


0,55 


0,77 


1,09 


1,43 


11 


0,30 


0,45 


0,65 


0,76 


036 


0,51 


0,70 


0,74 


0,65 


0,94 


1^5 


Li'". 


0,63 


037 


1,21 


1,53 


10 


0,33 


0,54 


0,75 


0,87 


i.u:t 


0,63 


t.Sl 


0,85 


0,75 


1,14 


1,55 


1,37 


0,74 


IfJC 


1,45 


1.63 


9 


0,37 


0,61 


0,86 


1,04 


0,49 


0,73 


MV, 


1,00 


0,85 


1,38 


1,84 


1,63 


0,85 


1,47 


1,63 


1,94 


6 


0,44 


0,70 


1,03 


1,28 


0,60 


0,85 


1,20 


1,26 


1,00 


1,62 


2,35 


1,84 


1,00 


1,55 


1,93 


2,32 


7 


0,52 


0,85 


1,22 


1,54 


0,(ifl 


0,94 


1,49 


1,50 


1,25 


1,90 


2,52 


2,25 


1,21 


1,85 


2,33 


2,99 


6 


0,60 


0,93 


1,43 


1,75 


0,77 


l.ll 


1,62 


1,70 


1,60 


2,25 


2,78 


2,70 


1,47 


2,20 


2,80 


— 


S 


0,69 


1,13 


1,70 


2,10 


O.sü 


1,35 


1,88 


1,95 


1,71 


2,83 


— 


- 


1,67 


2,52 


— 


— 


4 


0,77 


1,30 


1,94 2,49 


O.fi") 


1.55 


2.10 


2,22 


1,95 


— 


— 


— 


1,89 


2,98 


— 


— 


3 


0,83 


1,52 


2,16 2,91 


I.Mi 


1,78 


2,40 


2,65 


2,17 


— 


— 


— 


2,09 


— 


— 


— 


2 


0,89 


1,69 


2,49 


— 


1,1'..' 


1,97 


2,72 


3,00 


2,40 


— 


- 


- 


2,28 


— 


_ 


— 


1 


0,97 


1,89 


2,85 


— 


i ,:ir, 


8,1 6 


— 


— 


2,73 


— 


— 


— 


2,85 


— 


— 


— 


o 


1,04 


2,06 


— 


— 


1.42 


2.24 


— 


— 


2.S.". 


— 


— 


— 


— 


— 


— 


— 


S 


1,10 


2,19 


— 


— 


! .;, i 


2,35 


— 


— 


— 


— 


— 


— 


_ 


— 


— 


— 




1,15 


2,39 


- 


- 


I,!i2 


2,53 


- 


- 


" 


- 


- 


- 


- 


- 


- 


- 


|] 




















0,24 


0,40 


0,45 


- 


0,16 


0,30 


0,59 



Dritter Theil. Siebzehntes Capitel. 



Tabelle XVII. 

Schworzunn für Pyrogallul-Suda-Entwickler bei verschiedenen Temperaturen. 





Temperatur 


s| 


Grad Celsius 


10 Grad Celsius 


18 Grad Celsius 


25 Grad Celsius 


fä 


Entwickluugsdauer in Minuten 


| S 


2'/, 


5 


7V, 


10 


2'/, 


5 


'Vi 


10 


2 Vi 


5 


**A 


10 


2V, 


5 


f% 


10 


20 
19 
18 

17 

n; 








li.-JN 








0,33 




0,30 


0.36 


0,41 






0,43 


0,54 


1.' 


— 


— 


0,25 


0,32 


- 


— 


0£2 


o.:i7 


— 


0,34 


0,37 


0,45 


— 


0,35 


0,45 


0,57 


u 


~ 


— 


".:■;() 


0.31 


0,26 


0,28 


0,33 


0,43 


— 


0,35 


0,39 


it. 17 


1129 


0,37 


0.47 


0,63 


Mi 


— 


0,25 


0,33 


0.3!i 


| i.'JS 


0,31 


035 


0,49 


(1.30 


0,38 


0,44 


0,50 


0,33 


0,43 


0,52 


0,65 


12 


— 


0,27 


0,37 


l),l-l 


0.32 


0,33 


0,40 


0,56 


.i.:::: 


0,45 


0,50 


0,53 


0,34 


0,45 


0,57 


0,70 


II 


0,23 


0,31 


0,43 


n,-.:; 


0,36 


0,38 


0,45 


0,67 


0,34 


0,49 


0,57 


0,67 


0,37 


M» 


0,65 


0,77 


10 


0,27 


0,36 


0,48 


o,(;(..i 


n.I.i 


0,45 


0,53 


0,77 


(1.3H 


0,57 


0,64 


0.77 


<i,|(. 


,..-,( 


0,75 


0*5 


9 


0,30 


0,43 


0,54 


0:0 


0,52 


0.54 


0,60 


0,87 


0.4 1 


0,70 


0,77 


0,88 


0,45 


0.60 


0*8 


1,03 


8 


0,33 


0,51 


0,63 


0.SD 


ü.iii 


0,ö3 


0,72 1,03 


0,49 


030 


0,86 


1,06 


0,50 0,75 


1.00 


1,21 


7 


0,37 


0,60 


0,74 


m.: C 


,,.i;s 


0,70 


0,82 1,20 


n.r.r. 


0,02 [,00 1.29 0.57 0,8f 


1.1t 


1,43 


l> 


0,42 


0,69 


0,83 


1,07 


(IT;, 


0,78 


0,80 1,35 


0,63 


i.'.'ü i ■:■:, i..-,(i 0,67 Ofii 


1,36 


L*fl 


5 


0,47 


0,70 


0,84 


1,29 


0,82 


0,87 


1,00 


1,49 


'1,7" 


1 30 1,4.3 1.69 075 1,0' 


1,56 


1,90 


4 


0,52 


0,82 


1,05 


1,43 


0,S7 


i-.ii:i 


1,10 


1,63 


>.)':, 


1,42 


1,56 


1,90 


0,82 


1,26 


1,75 


2,10 


3 


0,55 


0,87 


1,20 


1,62 


«),!!.- 


1,00 


1,25 


1,76 


fl.Kfl 


1,62 


1,89 


2J1 


0,90 


1,43 


1,91 


m 


2 


0,60 


0,1)5 


1,35 


1,7!) 


I.'X 


1,05 


1,33 


1,82 


II.SV 


l.MI 


1*4 


2,35 


1,00 


1,56 


2,09 


va 


1 


0,63 


1,01 


1,35 


1,S8 


1 !h7 


1,10 


1,4-9 


1,95 


' i.C'»2 


1,87 


L,&7 


2,62 


i.O: i 


1,73 


2.25 


2*0 


tt 


0,66 


1,05 


U7 


Mir. 


1.11 


1,16 


1,56 


2,07 


0.00 


2,06 


2.0 I 


2,75 


Uli 


1*1 


2,4!) 


|f 


b 


0,69 


U'7 


1,40 


2,00 


i,r> 


1,20 


1,80 


2,17 


i.O;: 


2,10 


2.::0 


2,80 


!.:«> 


1*1 


2,60 




0,70 


L.M 


1,44 


2,05 


1,19 


1,24 


1,64 


2,25 


1,05 


2,12 


2,42 


3,00 


1,37 


L,9< 


2.W 


■ 


1) 






























1,18 


1.21 



System der Sensitometrie pliotographischer Platten. 



Tabelle XVIII. 

Schwärzung für Glycin - Pottasche - Entwickler (1:12) bei verschiedenen Temperaturen. 



-- 

-■ - 


Temperatur 


Grad Celsius 


10 Grad Celsius 


18 Grad Celsius 


25 Grad Celsius 


ff 


Entwioklungsdauer in Minuten 


1 1 


2'/, 


5 


?7, 


10 




.'. 


''. 


10 


-"'■- 


5 


?V. 


Hi 


27, 


5 


iH, 


10 


20 


- 


- 


- 


- 




- 


- 


-- 


- 


_ 


- 


- 


- 


- 


- 


- 


19 


— 


— 


— 


— 




— 


— 


— 


— 


_ 


— 


__ 


— 


— 


— 


— 


IS 




















_ 


— 












17 


— 


— 


— 


— 




_ 


— 


— 


— 


_ 


~ 


- 


— 


— 


— 


1,29 


18 




















_ 


— 


0,70 




0,70 


0,05 


1,35 


15 


— 


- 


— 


0,30 




- 


— 


0,35 


— 


_ 


— 


.-.::; 


0,46 


0,73 


1,00 


1,40 


14 


— 


0,24 


0,27 


0,33 




— 


0,30 


o.::t 


— 


0,42 


0,62 


i,77 


0,47 


0,75 


1,07 


1,47 


13 


— 


0,2(5 


0,30 


0,37 




0,27 


0,34 


0,41 


— 


0,-1 H 


0,65 


>.;;> 


0,55 


0,79 


1,14 


1,57 


12 


— 


0,29 


032 


0,40 




0,33 


0,37 


0,45 


0,30 


0,48 


O,70 


0,83 


0,57 


0,84 


1,25 


1,74 


11 


— 


0,32 


0,37 


0,45 




0,35 


0,41 


0,52 


0,33 


0,52 


0,73 


U.Ki, 


0,60 


0,87 


1,37 


1,83 


10 


— 


ri. :■::. 


0,42 


0,50 


0,26 


0,38 


0,45 


0,53 


0,36 


0,55 


0,78 


0,94 


0,69 


1,02 


1,55 


1,93 


9 


— 


0,40 


0,47 


0,60 


0,28 


0,43 


0,51 


0,60 


0,39 


0,61 


0,82 


Li:, 


0,79 


1,30 


1,77 


2,22 


8 


0,27 


0,47 


0,57 


0,68 


0,31 


0,48 


0,57 


0,69 


0,45 


0,73 


0,95 


1,35 


0,87 


1,42 


2,02 


2,60 


7 


0,28 


0,54 


0,67 


0,77 


0,33 


0,57 


0,68 


0,80 


0,53 


0,84 


1.15 


1,63 


1,01 


1,83 


2,34 


3,00 


6 


0,29 


0,63 


0,77 


0,79 


it,:i: o.ii-i 


0,80 


0,90 


0,60 


0,95 


1,43 


1,95 


1.21 


1,114 


2^0 


— 


5 


0,33 


0,70 


0,87 


1,C1 


0,40 0,72 


0,89 


1,05 


0,70 


1,13 


1,65 


2,10 


1,35 


2,25 


— 


— 


4 


0,38 


0,7!» 


1,00 


1,21, 


0,43 


0,77 


1,03 


1,30 


0,71 


1,35 


1,90 


2,60 


1,55 


2,60 


— 


— 


3 


0.43 


us: 


145 


1,38 


n,4.-. 


0,87 


1.22 


1,« 


0,84 


1,55 


:_'. ! ;■ 


3,00 


1,70 


2,80 


— 


— 


2 


i'i.r.j 


0,95 


1,30 


1,60 


0,47 


0.95 


1,37 


1,67 


0,89 


1,72 


2,45 


- 


I.OH 


— 


— 


— 


1 


0,57 


1,05 


1,37 


1,09 


o.r.i 


1.08 


1,50 


1,84 


0.95 


1,93 


2,90 


— 


:'."!. 


— 


— 


— 


o 


'Mi:-: 


1,12 


1,45 


1,77 


0,54 


1,09 


tjn 


1 .Ol i 


Litt 


2,08 


— 


— 


2S9 


— 


— 


— 





0,64 


1,20 


UJ 


1,85 


0,57 


i.n 


1,65 


2,05 


1,07 


2,13 


- 


— 


2,52 


— 


- 


— 





0,07 


1,24 


Lrti 


1,87 


0,61 


1,24 


1,70 


2,08 


1,10 


2.17 


- 


- 


L',K< 


- 




1] 






















0,14 


H.L'll 


0,12 


0,33 


0,5'J 


0,82 



Eder, IfHndhnch der Photographie. III. Theil. 6. Aufl. 



Dritter Tbeil. Siebzehntes Capitel, 



Tabelle XIX. 
Schwärzung für Metol-Soda-Entwlckler bei verschiedenen Temperaturen. 



i 


Temperatur 


üH 


Grad Celsius 


10 Grad Celsius 


18 Grad Celsius 


25 Grad Celsius 


|ä 


Entwicklungsdauer in Minuten 


I 1 


2*/. 


5 


7V. 


10 


■• . 


5 


n 


io lUv, 


5 


77, 


10 




5 


7 1 . 


10 


20 
19 
18 
















T 






0,70 


; 


0,43 


1.57 


0,73 


17 
















0,35 — 


0,45 


0,55 


0,72 


".:;:; 


1.45 


'.f.:. 


0,73 


lü 


— 


— 


0,40 


0,40 


— 


— 


<.>.:-;-> 


0,38 0,30 


0,50 


0,59 


0,73 


0,34 


0,47 


1,61 


0,75 


13 


— 


— 


0,44 


0,44 


— 


OS3 


0,39 


0,45 0,33 


<V,ii 


0,65 


0,77 


0,34 


0,52 


0,66 


0,77 


14 


0.27 


0,31 


0,45 


ii,4s 


— 


0,36 


0,43 


0,50 0,36 


0,63 


0,67 


o,su 


o.:)7 


3,57 


0,70 


0,82 


13 


0,30 


0,3'2 


0,47 


0,53 


0,31 


0,41 


0,49 


0,56 0,40 


0,05 


0,71 


Bisa 


ii.-il 


0,58 


0,73 


0£6 


12 


0,33 


0,35 


0,51 


O.ÜI 


0,34 


0,45 


0,58 


ii.i;;. o,i.'i 


0,09 


0,78 


0,67 


0,45 


0,64 


',77 


0^7 


11 


o,m 


0,44 


0,55 


0,69 


0,37 


0,52 


0,65 


0,77 0,50 


0,74 


0,87 


1,02 


0,51 


J,70 


033 


0,99 


10 


0,38 


0,50 


0,03 


0,80 


0,44 


0,63 


0,70 


0,S7 0,60 


0,86 


1,05 


M5 


0,60 


0,60 


0,95 


1,15 


9 


0,45 


0,57 


0,71 


0,00 


'VT.' 


0,71 


0,87 


1,03 0,67 


0,87 


1,25 


1,37 


0,71 


>,!» 


1 14 


1,35 


8 


0,51 


0,67 


0,84 


1,04 


0,57 


0,80 


1,03 


1,25 0.7S 


1,15 


1,47 


1,61 


0,80 


1,06 


1 ,35 


1 ,55 


7 


0,60 


0,77 


0,95 


1,24 


I>,67 


0,94 


1,21 


1,45 0,8!i 


1,37 


1,75 


l£ö 


U,U0 


1,2« 


1,53 


1,76 


(i 


0,6» 


0,87 


1,15 


1,40 


0,76 


1,07 


1,44 


1,02 1,(0 


1,57 


1,98 


a;ß 


l.l.H.i 


1.50 


1,83 


2,01 


5 


0,75 


0,98 


1,35 


1,69 


034 


1,23 


1,61 


1,80 1,16 


1,77 


2,17 


2,45 


1*3 


l,6T 


2,03 


2,10 


4 


0,84 


1,15 


1,49 


\,'.f2 


(|.!I3 


1,46 


1,75 


2,07 l,2'i 


l,9ö 


2,42 


2,80 


1,34 


1,85 


2,:n 


_•;:;> 


3 


C,!»4 


1,29 


1,71 


2,H 


1,02 


1,60 


l,9(i 


2,25 l,4ü 


2,17 


2,70 


d,00 


1,50 


2,15 


2,80 


2,51 


2 


1,05 


l-l' 


1,95 


■2-;: 


1,16 


1.77 


5,20 


2,51] 1,62 


2,-15 


3,00 


— 


1,58 


2,25 


90 


S£0> 


1 


1,15 


1,59 


2,12 


2,5: 


1.2: 


1,90 


2,41 


2,80,1,75 


2,60 


— 


- 


1.74 


2,50 


— 


3,00 


n 


1,2] 


1,G9 


2,52 


-',«! 


1,40 2fl0 


^80 


— 1 1,9"* 


2,80 


— 


— 


l.^.l 


2.S0 


— 


3flO 


b 


1,28 


i.rT 


— 


— 


1,4'' 


2,10 


— 


- N» 


- 


— 


— 


1,95 


.:>» 


- 


2,40 


c 


1,33 1,80 


- 


- 


1,57 


2,20 


- 


-h 


- 


- 


~ 


u* 


~ 


- 


0238 


il 




















0,10 


0,1'J 


0,39 


- 


".i: 


■ 1.2 1 


0,42 



System dar Sensitometrie photographisolier Platten. 



Tabelle XX. 
Schwärzung, für Crtol - Entwickler bei verschied onen Temperaturen. 



4t 


Temperatur 




Grad Celsius 


10 Grad Celsius 18 Grad Celsius 


25 Grad Celsius 


Jl 


Entwicklungsdauer in Minuteu 


1 = 


-".. 


5 


~\ 


10 


-"., 


S 


■'■■■. 


10 


27, 


.". 


?V, 


10 


«Vi 


;") 


"'.■ 


10 


21» 

19 
18 

17 
























0,70 




0,49 


0,82 




16 




















0,41 


0,54 


0,72 


— 


0,52 


0,84 


— 


15 


















9.30 


0,47 


0,60 


0,76 


0,41 


0,57 


0,87 


1,07 


14 


— 


— 


— 


0,2S 


— 


— 


0,32 


0,32 


0,33 


0,51 


0,66 


0,83 


0,43 


0,60 


0,88 


1,13 


13 


— 


— 


0,20 


ll.'JU 


— 


— 


0,37 


0,37 


0,37 


0,60 


0,73 


i.,S7 


0,49 


0,(34 


0,94 


1,17 


12 


— 


0,30 


0,32 


0,32 


056 


0,32 


0,45 


0,43 


0,42 


0,69 


0,83 


0,95 


0,55 


0,67 


1,04 


1,23 


11 


— 


0,32 


0,36 


o,:j: 


0,27 


0,37 


0,56 


0,55 


0,49 


0,80 


0,94 


1,15 


0,65 


0,74 


1.13 


133 


10 


0,33 


0,37 


0,39 


0,43 


0,33 


0,45 


0,67 


0,69 


0,60 


1,00 


1,15 


1,37 


0.73 


0,85 


1,28 


1,40 


9 


0,36 


0,41 


0,46 


0,49 


0,37 


0,55 


0,79 


0,85 


<i,::i 


1,21 


1,37 


l,Ti-| 


0,83 


0,95 


1,43 


1,56 


8 


0,37 


0,47 


0.52 


0,61 


0,45 


0,65 


0,90 


1,00 


M, s;, 


1,46 


1,63 


1,90 


0,90 


1,15 


1,66 


1,82 


7 


0,40 


0,56 


0,63 


0,72 


0,53 


0,76 


1,00 


1,26 


0,99 


1,75 


1,89 


2,1". 


l,0o 


1,36 


1,90 


2,18 


8 


0,43 


0,60 


0,77 


0,84 


0,61 


0,85 


[,S4 


1,54 


',!■"' 


1,95 


2,56 


2,45 


1,25 


1,55 


2,15 


2,50 


5 


0,4? 


0,67 


0,80 


1,00 


0,70 


0.95 


1,55 


1,75 


1,:,T 


2,20 


::.!>,. 


2,80 


1,37 


1,80 


2,60 


3,00 


4 


o^sa 


0,76 


0,88 


1,13 


0.77 


1,12 


1,77 


1,94 


1,55 


2,80 


— 


— 


1,54 


2,03 


2,97 


— 


3 


0,56 


0,84 


0,9» 


1,30 


0,85 


1,30 


1,95 


2,25 


1,76 


3,00 


— 


— 


l.7u 


2,33 


— 


— 


2 


0,60 


0,88 


1,09 


1,49 


nül 


1,41 


2 17 


2,53 


l.Ü! 


— 


— 


— 


1,87 


2,65 


— 


— 


I 


0,63 


0,98 


1,23 


1..75 


1,00 


1,73 


2,4-1 


2,90 


2,10 


— 


— 


— 


2,02 


3,00 


— 


— 


a 


fi,'i: 


1,07 


1,29 


l,8iJ 


1 .i ifl 


1,75 


2,57 


3,00 


2.25 


— 


— 


— 


'J,14 


— 


— 


— 


b 


0,68 


l.l-l 


1,36 


2,00 


1,11 


1.80 


3,00 


— 


L'.-ll 


- 


— 


- 


2,19 


— 


— 


— 





0,73 


i,ai 


l.lL 


IM'- 


1,15 


1,82 


- 


- 


L'.IIC 


~ 


- 


- 


2,22 


- 


~ 


- 


11 

-1 


" 


- 


" 


" 


" 


- 


~ 


- 


- 


~ 


0,13 


0,30 


" 


" 


0,31 


0,66 



Dritter Thoil. Siebzehntes Capitel. 



Tabelle 5X1. 
Schwärzung für Amidol- Entwickler bei verschiedenen Temperaturen. 



G% 


Temperatur 


-T £ 


Grad Celsius 


10 Grad Celsius 


18 Grad Celsius 


25 Grad Celsius 


£ 


Entwiekluugsiiauer iu Minuten 


Ji 


27, 


5 


*% 


10 


2V, 


5 


n 


10 


27, 


5 


*'/» 


l!t 


27, 


5 


7 % 


10 


20 

19 

IS 

17 

le 

15 








0,54 






0,48 


0,52 
0,55 






031 


11,78 

0,83 








1,15 


14 


— 


— 


0,48 


0,56 


— 


0,43 


0,54 


0,57 


— 


0,56 


0,85 


'Y*7 


_ 


— 


1,1' 


1,21 


13 


— 


0,38 


0,55 


0,63 


0,41 


0,44 


0,57 


0,64 


0,37 


0,62 


0^7 


ii,(M 


— 


0,77 


1,14 


1,34 


12 


— 


0,43 


0,65 


0,67 


0,45 


0,47 


f.MRi 


0,67 


0,43 


0,69 


0,91 


1,1 M.l 


0,64 


035 


1,23 


1^9 


11 


0,32 


0,45 


0,69 


0,7:; 


0,47 


0,53 


0,65 


0,74 


0,47 


0,78 


0,99 


l,«Ni 


0,71 


0,94 


i ;a 


1,45 


10 


0,36 


0,50 


0,75 


0,80 


0,49 


0,B7 


0,72 


0,80 


nt,ri!-i 


0,84 


1,07 


1,10 


O^O 


1,15 


M7 


1,63 


LI 


0,42 


0,57 


0,83 


(I.S7 


0,53 


0,58 


0,80 


0,84 


0,69 


0,95 


1,23 


l,:io 


0,90 


!,::: 


1.07 


1^3 


8 


0,45 


0,65 


0,93 


1,01 


0,63 


0,70 


0,87 


0,97 


0,77 


1,14 


1,47 


1,63 


1,07 


1,51 


1,91 


2,15 


T 


0,50 


0,75 


1,05 


1,19 


0,70 


0,80 


1,05 


1,20 


0,87 


1,37 


1,70 


1 ■.}:: 


1,30 


1,78 


2,18 


2,50 


li 


0,00 


0,85 


1,25 


1,39 0,75 


0,90 


1,23 


1,43 


!,"■-> 


1,56 


1,94 


:'.i; 


1,45 


1,98 


2,60 


2,90 


5 


0,67 


0,04 


1,44 


1,58.0,83 


1,00 


1,43 


1,62 


1,20 


1,82 


2,17 


L',.vJ 


1,60 


.',:■;■ 


3,00 


— 


■1 


0,74 


1,08 


1,55 


1,72 0,87 


1,21 


1,55 


1.7i, 


!,:;<; 


1,97 


2,53 


■.'„«< 


1,75 


2,58 


— 


— 


3 


0,80 


1,24 


1,70 


1,90,0,95 


1,25 


1,70 


1,95 


1,45 


2,2i 


2,86 


- 


1,92 


— 


— 


— 


■2 


0,65 


1,37 


1,82 


2,10 1,00 1,37 


1,83 


2,10 


l..",>; 


2,60 


— 


- 


2,05 


— 


— 


— 


1 


0,94 


1,40 


2,01,2,35 l.Otii 1,45 


1,97 


2,24 


l.'i'j 


2,82 


— 


- 


2,25 


- 


— 


— 


a 


1,03 


1,61 


2,17 2,60 1,14,1,54 2,10 


■j.y; 


1,76 


— 


— 


— 


2,4S 


— 


— 


— 


b 


1,09 


1,70 


2,31 2,90:1,21 1,05 2,25 


2,82 


1,83 


— 


— 


— 


2,60 


— 


— 


- 


c 


1,10 


1,82. -.',50 — il,28 1,74'2,32 3,00 1,90 


- 


- 


- 


2,80 


- 


- 


- 


-1 

il 




















0.10 


0,33 


0,39 


0,16 


J,:.'.: 


o r r.( 


1,73 



System der ßensitometrie photographischer Platten. 



Tabelle XXII. 
Schwärzung Tür Rodln tl- Entwickler (1:25) bei verschiedenen Temperaturen. 



M 


Temperatur 












■skI 


Grad Celsius 


10 Grad Celsius 


18 Grad Celsius 


25 Grad Celsius 


sl 


Ei>twicklungs<]<iuer in Minuten 


_ 


2'/, 


5 


77, 


10 


87, 


5 


1% 


10 


-": 


5 


7 1 /,') 


10') 


*% 


5 


•'!,' 


10') 


■je, 
19 
































0,77 


18 




























0,37 


0,56 


0,80 


17 






















0,47 


0,60 


0,29 


0,41 


0,60 


0,82 


IG 




















0,34 


0,50 


0,63 


0,30 


0,45 


0.62 


035 


15 


— 


— 


— 


0,25 




— 


0,25 


0^0 


0,29 


0,39 


0,52 


(1,155 


0,33 


0,50 


0,66 


038 


14 


— 


— 


0,25 


0,27 




— 


0,27 


0,33 


0,30 


0,42 


0,57 


0,09 


0,39 


0,55 


0,67 


0,92 


19 


— 


0,22 


0,29 


0,32 




0,25 


0,32 


0,36 


0^6 


0,47 


0,63 


0,73 


3,43 


0,61 


0,70 


035 


12 


0,29 


0,24 


0,33 


0,40 


0,22 


0^0 


0,34 


0,41 


0,43 


0,52 


0,69 


0,75 


üi 


0,70 


0,79 


1,03 


11 


0,23 


0,27 


039 


0,4t! 0,27 


0,34 


0,37 


'VIT 


0,50 


0,65 


0,77 


0^3 


3,9Ü 


030 


034 


1,11 


10 


0,25 


0,33 


0,45 


0,59j|O,30 


0,44 


0,17 


0,57 


0,60 


0,77 


0,89 


0,91 


3,72 


0,95 


0,95 


1,30 


g 


0,20 


0,40 


0,55 


0,70 


0.37 


0,53 


0,89 


0,71 


0,70 


0,90 


1,07 


1,09 


0,85 


1,14 


1,15 


1,49 


8 


0,32 


0,46 


0,67 


0,60 


0,45 


0,65 


0,74 


0,85 


0,77 


1,05 


1,31 


1,37 


0,99 


1,37 


1,42 


1,71 


7 


03? 


0,59 


0,77 


0,90 


0,53 


0^0 


0,87 


1,01 


0,87 


1,26 


1,57 


1,63 


1,16 


1,58 


1,65 


1,95 


6 


0,45 


0,69 


0,88 


1,06 


0,62 


0,90 


1,02 


1,20 


1,00 


1,45 


1,79 


1,90 


1,37 


133 


1,94 


2,27 


5 


0,60 


0,80 


1,06 


1,30 


0,70 


1,03 


1,24 


1,43 


1,14 


1,58 


1,97 


2,15 


1,50 


2.05 


2,10 


2,65 


4 


0,55 


0,87 


1,21 


1,45 


0,80 


1.21 


1,44 


1,57 


1,30 


1,70 


±V.i 


2,5 


1,64 


2,30 


2,31 


3,00 


3 


0,60 


0,99 


1,35 


1,62 


0,88 


1,41 


1,61 


1,76 


1,47 


1,83 


2,28 


:;,0 


1,77 


3,0 


2,55 


— 


-' 


0,65 


1,05 


1,50 


1,77 


0,98 


1,55 


1,81 


1,97 


1,60 


1,95 


2,6 


— 


1,90 


2,5 


3,00 


— 


1 


0,70 


1,16 


1,63 


1,90 


1,05 


1,63 


1,95 


2,11 


1,67 


2,16 


2,9 


— 


2,02 


— 


— 


— 


a 


0,75 


1,24 


1,70 


2,03 


1,15 


1,75 


2,14 


-'..;<■■ 


1,73 


2,4 


— 


— 


-',11 


- 


— 


— 


b 


0,77 


1,29 


1,78 


2,17 


1,21 


1,83 


2,39 


2.;;:, 


1,79 


2^ 


— 


- 


2,17 


- 


— 


— 


" 


0,83 


1,34 


1^5 


■-'.-'-■ 


1,29 


1,86 


2,60 


^,02 


135 


- 


- 


" 


2,25 


- 


- 


- 


ä! 




















0,08 


0,2(1 


!>.:;■! 


- 


i,10 


0,22 


0,46 



1) Inclusive Schleier. 



262 Dritter Theil. Siebzehntes Capitel. 

Ein Theil dieser Resultate ist in Tafel VII, VIII, IX und X) 
graphisch dargestellt. Es geht aus den Schwärzungscurven hervor, dass 
der Eisen Oxalat -Entwickler bei 10 Minuten langer Entwicklung kaum 
die für Negative nöthige Deckkraft in den Lichtern liefert und dass zur 
Erzielung der Schwärzung 1,5 bei Grad C. und 10 Minuten langer 
Entwicklung eine viermal längere Belichtung erforderlich ist, als bei 
25 Grad C. binnen 10 Minuten langer Entwicklung oder eine zweimal 
längere Belichtung als bei 10 Grad C. in derselben Zeit. Eine Hervor- 
rufung bei 10 Grad C. hat binnen 10 Minuten denselben Effect, wie die 
Hervorrufung bei 25 Grad C. binnen 5 Minuten. Ferner ist zu er- 
wähnen, dass der Eisenoxalat- Entwickler selbst bei 25 Grad C. (10 Mi- 
nuten langer Entwicklung) wenig Tendenz zur Schleierbildung hat, 
während bei 10 bis 18 Grad C. der Schleier kaum bemerklich ist, falls 
die Platte an und für sich unzersetzt und correct hergestellt war. Der 
Entwickler ist somit für mittlere und hohe Temperatur sehr geeignet, 
lässt aber nahe bei Grad C. an Energie bedeutend nach. 

Für die sensitometrische Untersuchung einer Bromsilber-Gelatine- 
platte wird somit die Entwicklungsprobe mit Eisenoxalat bei 18 Grad C. 
bei einer Dauer von 5 und 10 Minuten genügen. Wirklich „schleier- 
lose" Plattensollen mit diesem Entwickler (auch ohne Zusatz von Brom- 
kalium, welches schleierwidrig und verzögernd wirkt), sich genügend 
klar oder nur mit geringerem Schleier entwickeln. 

Zur Bestimmung des Schwellenwertes ist meistens die Dauer von 
10 Minuten genügend; zur Construction der Schwärzungscurve ist wohl 
die Entwicklungsdauer von 5 Minuten gleichfalls anzuwenden. Bei 
schleierigen Platten bestimme man den erforderlichen Zusatz von Brom- 
kalium pro 100 Theilen Eisenoxalat- Entwickler, welcher erforderlich ist, 
um die Platte 5 respective 10 Minuten lang genügend schleierlos zu 
erhalten und die dabei auftretenden Schwärzungszahlen. 



XIII. Veränderung der Gradation eines photographischen 
Negatives durch verschiedene Diapositivprocesse. 

Die vorhin beschriebenen Messungen betrafen die Schwärzung von Brom- 
silber- Gelatineplatten unter dem Einflüsse verschiedener Belichtungszeiten und Ent- 
wicklungsarten. Die „Schwärzungscurven" zeigen die verschiedenen hierbei erzielten 
Effecte, welche bald normalen, bald übermässig harten, bald weichen Negativen ent- 
sprechen. 

Es ist eine Erfahrungssache der praktischen Photographie, dass man bei der 
Herstellung von Duplicatnegativen (durch Herstellung eines Diapositives nach dem 
Originalnegativ und neuerlichem Copiren des Diapositives zur Erzeugung eines Duplicat- 
negatives) ihren „Charakter" oder die „Gradation 44 ändern kann. 



System der Sensitometrie photographischer Platten. 



263 



Diese Verhältnisse sind für die angewandte Photographie von grosser Wichtig- 
keit und deshalb unterzog Edor 1 ) derartige Processe einer genaueren Untersuchung. 

Als Ausgangspunkt der Untersuchung dienten Sensitometerstreifen, deren Gra- 
dation theils einem normalen Negative entsprachen, theils ein wenig contrastreicher 
waren, als die strenge Theorie verlangt. Die Scala der Gradation entsprach also 
einem Negative, welches der Photograph als ein gutes Durchnittsnegativ von mittlerer 
Dichte bezeichnen würde. 

Dieses Negativ wurde 1. auf gewöhnliche Bromsilber- Gelatine -, 2. auf hart 
copirende Chlorbromsilber- Gelatineplatten *) mit Hervorrufung, 3. auf Pigmentpapier 
copirt und dabei beachtet, dass die Farbe der Diapositive sich thunlichst dem neutra- 
len Schwarz näherte, damit die Messung der Schwärzung genauer ausfalle. 

Schon die blosse Besichtigung der erhaltenen Diapositive zeigte die erhebliche 
Veränderung der Gradation , indem die Scala der Sensitometergrade (Scheiner) von der 
ersten Bildspur bis zur mittleren Dichte beim Pigmentdiapositive viel länger erstreckt 
war, als bei den Diapositiven auf Bromsilber- oder Chlorbromsilber- Gelatine. Nach- 
folgende Messungen der Schwärzungen im Mikrophotometer machen diese Verhält- 
nisse klar. 

Tabelle XXIII. 





1. 


11. 


III. 


IV. 


V. 


VI. 


VII. 




Negativ 


Pigment- 
diapositiv 


Negativ 


Pigment- 
diapositiv 


Pigment- 
negativ 
nach 
Pigment- 
diapositiv 


Chlorbrom -Copie 
nach dem 


Seh ein er - 
Grade 


Original - 

negativ 

(I1D 


Pigment- 
diapositiv 
(IV) 


15 






0,12 










14 






0,16 










13 






0,23 


1,22 




2,60 


0,12 


12 


0,05 


1,26 

* 


0,31 


1,07 




2,17 


0,17 


11 


0,11 


1,24 


0,43 


1,00 


0,05 


2,10 


0,26 


10 


0,21 


1,15 


0,54 


0,95 


0,06 


1,89 


0,36 


9 


0,31 


1,07 


0,75 


0,85 


0,12 


1,63 


0,55 


S 


0,42 


1,00 


0,87 


0,75 


0,19 


1,35 


0,75 


7 


0,59 


0,92 


1,05 


0,64 


0,27 


1,00 


0,93 


« 


0,72 


0,85 


1,20 


0,52 


0,36 


0,73 


1,12 


5 


0,84 


0,79 


1,41 


0,44 


0,47 


0,45 


1,42 


4 


0,94 


0,74 


1,55 


0,32 


0,54 


0,30 


1,61 


3 


1,05 


0,65 


1,76 


0,27 


0,60 


0,21 


1,81 


2 


1,26 


0,57 


1,99 


0,22 


0,74 


0,13 


1,97 


1 


1,42 


0,52 


2,12 


0,16 


0,75 


0,12 


2,11 


a 


1,52 


0,47 


2,30 


0,13 


0,77 


0,09 


2,30 


b 


1,60 


0,45 


2,45 


0,05 


0,78 


0,08 


2,41 


e 


1,62 


0,41 


2,50 


0,03 


0,79 


* 


2,50 



1) Phot. Corresp. 1900. S. 560. 

2) Chlorbromplatten voa Schattera in Wien. Entwickler: 3 g Hydrochinon, 
100 g Natriumsulfit, 200 g Soda, 100 g Pottasche, 3 g Bromkalium, 1000 cem Wasser; 
Entwicklungsdauer circa 4 Minuten bei 18 Grad C. 



264 Dritter Theil. Siebzehntes Capitel. 

Zu dieser Tabelle ist Folgendes zu bemerken : Die Rubrik I zeigt die Gradation 
des „Originalnegatives" auf Bromsilbor- Gelatine (Schein er -Sensitometerstreifen). Ru- 
brik II enthält die Schwärzungszahl eines darnach copirten Pigmentdiapositives (schwarzes 
Pigmentpapier der Autotyp - Comp., 4% Chrombad; bei Tageslicht copirt, so dass ein 
Diapositiv resultirte, bei welchem die hellsten Lichter und dunklen Schatten noch im 
Bereiche der Scala lagen). Das Pigmentdiapositiv ist regelmässig graduirt, 
jedoch sehr merklich „weicher* geworden. Man bemerkt die Tendenz des 
Pigmentverfahrens, sich von allzustarker Deckung an den Stellen grösster Licht- 
wirkung fernzuhalten , so dass auch die schwersten Schatten eines Pigmentdiapositives 
noch eine wesentlich grössere Transparenz behalten, als einem gewöhnlichen „Silber- 
bilde 44 entsprechen würde. Ein anderes Bromsilbernegativ (gleichfalls eine Scala er- 
halten am Scheiner-Sensitometer) wurde im Mikrophotometer auf seine Schwärzungs- 
scala gemessen (Rubrik III), dann auf Pigmentpapier copirt (Rubrik IV), und nach 
diesem Pigmentdiapositive wurde auf Pigmentpapier ein Pigmentnegativ (Duplicat- 
negativ) hergestellt, dessen Gradation in Rubrik V mitgetheilt ist; man erkennt dio 
zunehmende „Weichheit 44 des Duplicatnegatives, welches viel „weicher 44 graduirt ist, 
als das Original negativ. Hält man sich vor Augen, dass bei der Gradation eines 
normalen Negatives die Schwärzung für jeden Schoiner-Grad um 0,105 steigt (s. 
Seite 242), beim Duplicatnegative aber die Schwärzung an den Stellen stärkster Licht- 
wirkung für jeden Scheiner-Grad nun ungefähr 0,01 beträgt, so geht klar und deut- 
lich hervor, dass der Pigmentprocess Bilder von grosser Weichheit liefert. 

Copirt man aber das Originalnegativ auf Chlorbromplatten, so steigern 
sich bekanntlich die Contraste, und copirt man darnach ein Duplicatnegativ, so 
wird dasselbe viel contrastreicher („härter 44 ) als das Originalnegativ war. Rubrik VI 
und VII zeigt die Ergebnisse der Schwärzungsmessung; sie geben ein genaues Bild 
der Veränderung der Gradation. Noch deutlicher wird dieses Bild, wenn man die 
graphische Darstellung wählt. Deshalb construirte Verfasser die Schwärzungscurven, 
welche den mittleren "Werthen mehrerer vom Verfasser vorgenommenen Messungen 
ganz derselben Art entsprechen (Fig. 27). In Fig. 27 ist zunächst die Schwärzungs- 
curve des Originalnegatives (annähernd noimales Negativ der photographischen Praxis) 
eingetragen. 

Die Schwärzungscurve der Diapositive wurde in der "Weise in das Coordinaten- 
netz eingetragen, dass ihre transparentesten Stellen neben den dünnsten Stellen im 
Negativ zu liegen kommen; die Scalen des Diapositives sind also gewissermaassen um- 
gestürzt, immer von dem dünnsten zum dichtesten Feldo ansteigend; dies erleichtert 
die Vergleichung der Veränderung der Gradation. Die Copie auf Chlor bromsilber - 
Gelatine gibt eine steiler ansteigende Schwärzungscurve, welche jene der Bromsilber- 
platte schneidet (Fig. 27) und eine nochmalige Copirung der Chlorbromplatte auf eine 
Chlorbromplatte würde die Curve noch steiler gestalten. Dagegen zeigt die Schwär- 
zungscurve des Pigmentdiapositives (Fig. 27) und des Duplicat- Pigmentnegatives eine 
sehr langsam ansteigende Curve — ein Zeichen von grosser Weichheit 

Copirungen von Bromsilber- Gelatine auf Bromsilber- Gelatine gestatten wohl 
die Reproduction in derselben Gradation, aber in der Praxis beobachtete Eder in der 
überwiegenden Mehrzahl der Fälle, dass die Härte der Duplicatnegative zunimmt, 
namentlich die Lichter werden hart. Bei Chlorbromplatten ist dies aber viel auf- 
fallender. Daraus ergibt sich die (in der Praxis zutreffende) Regel, dass man rar 
Vermehrung der Contraste in eiuem Negative das Diapositiv und Duplicatnegativ mittels 




System der Sensitometrie photographischer Platten. 



26fr 



Chlorbromplatten 1 ) herstellen soll. Benutzung einer Bromsüberplatte mit normalem 
Entwickler bei der Copirung des Contactnegatives nach dem Chlorbromplatten -Diapositive 
gibt ein Zwischen produot bezüglich der Härte; jedoch ist die Tendenz der Steigerung 
der Härte ausgesprochen vorhanden. Selbstverständlich geben Variationen der Be- 
lichtung und Entwicklung unendlich viele Zwischenstadien, so dass die hier beschrie- 
benen Fälle nur als typische Beispiele zu gelten haben. Stellt man Duplicatnegative 
mittels des Pigmentdiapositives duroh nochmaliges Copiren auf Pigment her, so erzielt 
man schöne, aber viel weichere Negative; man kann die Weichheit bis zur Flauheit 
steigern, wenn man den Pigmentprocess entsprechend handhabt. 3 ) Wird das Pigment- 



3 - 



2,5- 



2 . 



s 



ü 
05 



1,5- 



1 _ 



0,5- 



Copie auf Chlorbromsilber -Gelatine. 




Original - Bromsilbernegativ. 



Pigmentdiapositiv. 



Pigmentnegativ nach dem Pigmentdiapositive. 



Fig. 27. 
Belichtung nach Schein er -Graden fortschreitend. 



diapositiv auf Bromsilber - Gelatine oder nasses Collodion copirt, so resultirt ein 
Duplicatnegativ, welches sich in der Gradation sehr dem Originale nähert; 
man kann auf diesem Wege mittels des Pigmentverfahrens die gesteigerte „Härte* 
der Chlorbromplatte wieder aufheben (s. Rubrik VII); in der photographischen Praxis- 
wird man deshalb sehr gut thun, bei Herstellung von Duplicatnegativen , Vergrösse- 
rungen u. s. w. ein Pigmentdiapositiv einzuschalten, ein Vorgang, welcher vielen er- 
fahrenen Praktikern geläufig ist und nunmehr seine sensitometrische Begründung findet. 
Andererseits ist die Kenntoiss dieser Verhältnisse auch für die Reproductions- 
photographie von Wichtigkeit Es soll hier von der Herstellung von Duplicat- 



1) Sie arbeiten je nach dem Mischungsverhältnisse von Chlorsilber zum Brom- 
silber verschieden hart. Verf. benutzte Schattera -Platten. 

2) Eder's Ausfuhr!. Handbuch der Photogr., Bd. IV (Pigmentvorfahren). 



266 Dritter Theil. Siebzehntes Capitel. 

negativen u. 8. w. für Lichtdruck und ähnlichen Verfahren abgesehon werden, indem 
Verf. die hierbei zu stellende Anforderung der grösseren Weichheit als bekannt voraus- 
setzt. "Weniger bekannt sind aber die Anforderungen, welche der Heliograph für 
seine Kupferätzungen an das Diapositiv zu stellen hat. Bei diesem subtilen Aetz- 
processe kommt der Einfluss der verschiedenen Gradation eines Bromsilber- Gelatine - 
diapositives einerseits und eines Pigmentdi apositives andererseits so sehr zur Geltung, 
dass man den ganzen Aetzprocess (Eisenchloridlösungen verschiedener Dichte) ändern 
muss, je nachdem man die eine oder andere Ali: der Diapositive benutzt 

Die Aetzprocesse, welche die meisten heliographischen Reproductionsanstalten 
anwenden, sind dem Pigmentdiapositive angepasst. Werden aber Bromsilber -Gelatine - 
diapositive angewendet, so müssen sie sehr zart sein, und selbst in diesem Falle wird 
man den gewöhnlichen Aetzprocess (Einwirkungsdauer" verschieden starker Eisenchlorid- 
lösungen) variiren müssen, weil ihre Gradation von jener des Pigmentdiapositives 
namentlich an den Stellen stärkster Lichtwirkung so verschieden ist, dass die helio- 
graphische Kupferplatte „verätzt" würde, wenn man diese Charakteristik der Diaposi- 
tive nicht in die Rechnung zöge. 

Wie diese Beispiele zeigen, liefert die Sensitometrie in Verbindung mit den 
charakteristischen Schwärzungscurven der photographischen Schichten sehr brauchbare 
Resultate. Man erhält mit wenigen Versuchsreihen sichere Angaben über die Grada- 
tion verschiedener photographischer Processe, welche den Ergebnissen langjähriger 
empirischer Erfahrungen entsprechen und dieselben ergänzen. 

XIV. Sensitometrie und Schwärzungscurve von Bromsilber - 
Oelatineplatten unter dem Einflüsse verschiedenfarbigen Lichtes 

im Spectrum. 

Bei den vorgehend beschriebenen Versuchen wurde die Sensitometrie der Brom- 
silberplatten gegen Kerzenlicht besprochen ohne Rücksicht darauf, dass dieses ein 
Gemisch von Lichtstrahlen verschiedenster Wellenlänge ist 

Es fragt sich nun, wie die Schwärzungscurven der Bromsilberplatten im Spec- 
trum bei Einwirkung von einheitlichen Lichtstrahlen genau bekannter 
We 1 1 o u 1 ä n g e vorlaufen ? 

Hierbei kommen nicht nur gewöhnliche Bromsilberplatten in Betracht, welche 
das Maximum der Empfindlichkeit im Blau, Violett und Ultraviolett besitzen, sondern 
insbesondere sogenannte orthochromatische Platten. Die letzteren sind durch Farb- 
stoffzusatz für Grün oder Gelb, eventuell Roth empfindlich gemacht (sensibilisirt) 
und weisen ein zweites Maximum (Sensibilisirungsmaximum) in diesen Spectral- 
zonen grösserer Wellenlänge auf, welches vom Maximum der Eigenempfindlich- 
keit des Bromsilbers im Blauviolett fast immer durch ein Minimum der photogra- 
phischen Wirkung getrennt ist. 1 ) Hierbei stellte Verf. sich die Frage: Folgen die 
Seh wärzuugs Vorgänge photographischer Platten mit Hervorrufung in der Gegend der 
Farben-Sensibilisirung denselben Regeln, wie an der Stelle der grössten 
Eigen-Empf indlichkeit des Bromsilbers im Blauviolett? Und welchen Ein- 
fluss haben etwaige Abweichungen für die correcte Gradation bei der photographi- 
schen Wiedergabe farbiger Objecto? 



1) Vergl. Eder's Abhandlungen über sensibilisirende Wirkung von Farbstoffen 
auf photographische Platten. Sitzungsberichte d. Kais. Akad. d. Wiasensch. in "Wien, 
1884, 1885, 1886. 



System der Sensitoinetrie photographischer Platten. 267 

Das Verhalten der orthochromatischen Platten und der für ihre Herstellung in 
Betracht kommenden Farben -Sensibilisatoren prüft man sonst am besten mit Glas- 
spectrographen kleiner Dispersion (im Sonnenspectrum oder bei Gaslicht mit hinein- 
photographirter Na -Linie), weil sich die Lage des Sensibiiisirungsmaximums hierbei 
mit grösster Sicherheit schätzen lässt; auch kann man hiernach die Wirkung schoma- 
tisch in Curven (bezogen auf das Sonnenspectrum) bequem und übersichtlich zeichnen, 
wie dies Verf. selbst für zahlreiche Sensibilisatoren gethan hat. 

Zum Studium der Schwärzungscurven des Bromsilbers für Licht verschie- 
dener Wellenlange muss aber ein anderer AVeg eingeschlagen werden, um genügende 
Dispersion im Spectrum zu erreichen. 

Deshalb arbeitete Eder bei den folgenden Versuchen mit einem kleinen Concav- 
gitter, dessen Spectrum erster Ordnung von Roth bis Anfang Ultraviolett circa 30 cm 
Länge hatte. Als Lichtquelle diente ein Gas-Argandbrenner mitCylinder von weissem 
Glase; zur Ortsbestimmung wurde am Anfange und Schlüsse das Spectrum von circa 
10 — 20 cm brennenden Magnesiumband hinein photographirt. Der Spalt des Spectro- 
graphen war ziemlich weit, so dass schon nach ungefähr 30 Secunden auf Erytbrosin- 
Bromsilberplatten eine erkennbare Wirkung im Gelbgrün erzielt werden konnte. Un- 
mittelbar vor der photographischen Platte war eine horizontale, 3 mm breite Schlitz- 
blende angebracht, welche das Gitterspectrum nur im schmalen Streifen eintreten 
liess; die genau eingepasste Cassette wurde nun nach jeder Belichtung um die Schlitz- 
breite verschoben, so dass auf ein und derselben Platte 12 — 15 Spectralauf nahmen 
mit steigender Belichtungszeit gemacht werden konnten. 

Um die an diesen Platten zu machenden Schwärzungsmessungen in das Goor- 
dinatennetz eintragen zu können, wird die Progression der Expositionszeit genau ent- 
sprechend jener beim Scheiner -Sensitometer (siehe Tabelle I, S. 215) gewählt, d. h. 
man exponirt bei constantem Lichte meistens mit nachfolgenden Belichtungszeiten: 





30 Secunden, 




49 


V 


1 Minute, 


19 


n 


2 Minuten, 


8 


n 


3 , 


28 


t) 


5 „ 


39 


T1 


9 * 


9 


1» 


14 , 


54 


T) 


24 „ 






39 „ 






63 „ 







wobei jede Belichtungszeit einem Sprunge von 2 Grad zu 2 Grad Scheiner entspricht. 
Die Platten werden mit Eisenoxalat entwickelt, fixirt, gewaschen und getrocknet. 
Dann werden die entsprechenden Wellenlängen des Lichtes von 50 zu 50 Angström- 
schen Einheiten eingetragen und für die verschiedenen Expositionszeiten die Zonen 
gleicher Weilenlänge im Mikrophotometer der Opacitätsmessung unterzogen. Dadurch 
gelangt man zur genaueren Kenntniss: 

1. der Empfindlichkeitscurve für reine Bromsilberplatten, sowie 
orthochromatischer Platten im Spectrum des Gaslichtes, und zwar sicherer 
als dies mit den bisher angewendeten Methoden möglich war; 

2. findet man die bisher nicht näher bekannte charakteristische Schwär- 
zungscurve für Lichtstrahlen genau bestimmter Wellenlänge. 



268 Dritter Theil. Siebzehntes Capitel. 

XV. Bestimmung der Empfindliclikeitscurre photographischer 

Platten im Gitterspectrum hei Gaslicht. 

Zunächst bestimmte Eder das Verhalten reiner Bromsilber- Gelatineplatten 
(Schattera in Wien, Schleussner in Frankfurt a. M.) gegen das Gaslicht eines 
Argandbrenners mittels des Gitterspectrographen. Es war ausser dem dünnen Glas- 
cylinder kein absorbirondes Medium eingeschaltet. 

Das Maximum der Eigen empfindlichkeit lag unter diesen Verhältnissen für Gas- 
licht bei l = 4550 bis 4570 Angström'sche Einheiten. 1 ) Aehnlich wie Gaslicht verhält 
sich das Licht der Benzinkerze. 2 ) Man wird also nicht fehlgehen, wenn man die so 
der Scheiner'schen auch für das spectrale Verhalten photographischer Platten bei 
erhaltenen Resultate Benzinkerzo verwendet. 8 ) 

Die nachstehende Tabelle XXIV enthält die Schwärzungsmessungen an einer 
reinen Bromsilberplatte (mit Eisenoxalat- Entwickler) für die "Wellenlängen 5100 bis 
4000 A. E. 

Construirt man die charakteristischen Schwärzungscurven für die Spectral- 
strahlen der Maximalwirkuug im Blau (l = 4500 und 4600) und für die Strahlen, 
welche an der Grenze der Wirksamkeit im Blaugrün stehen (z. B. X = 5000 bis 5100) 
siehe Tafel XIII, so ergibt sich ein sehr bemerkenswerthes Resultat: Die Strahlen in 
der Zone der Maxi mal Wirkungen bringen das Bromsilber rasch vom Stadium der 
Unterexposition in jenes normaler Exposition und die Curve steigt steil an. Die 
Strahlen an der Grenze der Wirksamkeit gegen Spectralgrün aber vermögen selbst bei 
verlängerter Belichtung das Bromsilber kaum aus dem Stadium der Unterexposition 
zubringen, oder mit anderen Worten, mit zunehmender Belichtung nimmt die Schwär- 
zung nur schwierig zu. Die Schwärzungscurve steigt sehr langsam an. 

Die schwache AVirkung des für reines Bromsilber wenig aktinischen grünen 
Lichtes verläuft typisch anders, als die schwache Wirkung stark gedämpften blau- 
violetten Lichtes. Selbst wenn man letzteres soweit schwächt, dass die Anfangs- 
wirkung in beiden Fällen gleich gross ist, und wenn man dann im grünen und blau- 
violetten Strahl genau im selben Maasse die Belichtung steigert, macht sich alsbald 
ein charakteristischer Unterschied geltend. 



1) Im Sonnenspectrum macht sich grössere Intensität der blau violetten Strahlen 
gegenüber dem Gaslichte geltend. 

2) Setzt man die Helligkeit im Gelbgrün (bei X = 3600) bei einer Benzinkerze 
und einem Siemens'schen Präcisionsbrenner (modificirter Argand- Gasbrenner) beider- 
seits =1, so ist nach Eder 's Bestimmungen die Helligkeit im Indigoblau (nächst dem 
Maximum der Empfindlichkeit der Bromsilber- Gelatine zwischeu F und Ö, bei circa 
A = 4600) beim Siemens- Gasbrenner 1,10 bis 1,20 mal grösser (photographisch wirk- 
samer) als jene der Benzinkerze in derselben Region. 

3) Bei Sonnenlicht ist die Lichtintensität viel grösser; da die Anfangswirkung 
hierbei beschleunigt wird, so ist der Verlauf der Curve ein anderer als bei der Ver- 
wendung von schwachem Lampenlichte. Es gibt Farbensensibilisatoren, welche bei 
grosser Lichtintensität sehr grosse Empfindlichkeit aufweisen, bei schwachem lichte 
aber ganz versagen, und solche, welche auch in letzterem Falle bei verlängerter Be- 
lichtung gute Negative geben, was günstiger ist. Bei vorliegenden Untersuchungen 
beschränkte man sich vorläufig auf die Untersuchung der Wirkung des Gaslichtes, 
weil das Verhalten photographischer Platten gegen mittlere und geringere lichtinten- 
sitäten zunächst Interesse für die Praxis hat. 



System der Bensitometrie photographischer Platten. 269 

Tabelle XXIV. 

Schwärzung einer reinen Bromsilber-Gelatineplatte In Entwickler unter den Einflösse 
verschiedener Spsotralstrahlen bei steigender Belichtung. 

Schwätzung bei der Wellenlänge X = 



5100|5000J4900|4800|4700[4600|4500|4400|4300|4200|4100]4000 











Era 


te V 


rsut 


her« 


he 












2 Min 


8 See. 


_ 


— 


_ 


- 


0,19 


0,22 


0,18 


0,16 


_ 


_ 


_ 


_ 


3 „ 


28 „ 


— 


— 


— 


0,16 


U.23 


0,2Ü 


0,21 


0,18 


— 


— 


— 


— 


5 * 


39 , 


_ 


— 


0,18 


0,18 


0.2IJ 


0,30 


0,27 


0,24 


0,18 


0,18 


— 


— 


9 , 


9 „ 


— 


0,18 


0,21 


0,23 


0,41 


0,44 


0,42 


0,35 


0,31 


0,22 


0,19 


— 


14 , 


M , 


o.2u 


0,22 


0,20 


0,40 


0.64 


0,73 


0,75 


0.63 


0,47 


0,33 


0.23 


0,17 


24 , 




0,22 


0,215 


0,35 


0,63 


0.84 


0,97 


1,00 


0,87 


0,70 


0,44 


0.31 


0,20 


39 . 




0.25 


0,30 


0,52 


0,H3 


1,13 


1,35 


1,35 


1,20 


0,99 


0,74 


0,51 


33 


63 , 




0,29 


U,40 


0,74 


1,05 


1,42 


1,57 


1,60 


1,47 


1,28 


0,94 


0,73 


0,40 



Schwärzung bei der "Wellenlänge l = 



5000 4900 4800:4700 4600 45714550 4500 4400 4300 4200 4100,4000 



Zweit 


Vor 


auch 


sreih 


e (kürzer 


entwickelt als die erste Reihe] 






3 Min. 28 See. 


_ 


- 


0.2(5 


0,34 0,31 0,27|o,30 0,33 0,28 0,25 


_ 


_ 


- 


& x 39 „ 


— 


0,26 


0,30 


0,40 


0.43 


0,-11 (.1,4-1 


0,47 


0,35 


0,34 


0,25 


— 


— 


9 ■> 9 i 


— 


0,80 


0,41 


0,55 


0,83 


• K-:,n nj;-: 


0,57 


0,49 


o,4a 


0,33 


0,24 


— 


14 ■ 54 „ 


— 


0,35 


0,54 


0,67 


0,76 


0,83 0,77 


0,75 


0,69 


0,5Ö 


0,40 


0,29 


0,22 


24 „ 


0,33 


0,44 


0,73 


0,86 


0,99 


95 '0,92 


1.1.113 


0,88 


0,77 


0.56 


0,43 


0,27 


39 „ 


0,37 


0.5U 


0,85 


1.07 


1,20 


1,23 |l,2l 


1,20 


1,10 


n.xr 


0,70 


0,56 


0,40 



Tabelle XXV. 





Schwärzung bei der Wellenlänge l = 


Exposition 




5000 


4900 


■IS«) 


4700 


1600 


4500 


4400 


4300 | 42001 4100 


4000 


2 Min. 8 See. 


_ 


_ 


0,33 


0,34 


0,35 


0,35 


0,31 


0,27 


- 


_ 


- 


3 , 28 , 


— 


0.30 


0,35 


0,40 


0,43 


0,43 


0,30 


0,32 


0,30 


— 


— 


5 , 39 „ 


— 


0,34 


0,41 


0,53 


0.59 


0,56 


0,47 


0,42 


0,33 


0,25 


— 


9 „ 9 , 


0,30 


0,4(1 


u.5;i 


0,69 


0,77 


0,77 


0,(54 


0,47 


0,40 


0,30 


— 


14 ■ 54 „ 


0,33 


0.47 0,09 


0,91 


0,95 


0,98 


0,8-1 


0,03 


0,49 


0,37 


0,32 


24 „ 


0,40 


0,57 0.83 


1.16 


1,26 


1,17 , 1,03 


0,83 


0,64 ; 0,47 


0,3(5 


39 „ 


0,50 


0,74 1,06 


1,45 


1 .52 


1,51 I 1,37 


1,12 


0,84 i 0,59 


0,47 


63 „ 


0,65 


0,88 


1,35 


1,55 


1,76 


1,74 


1,64 


1,37 


0,99 


0,79 


0.57 



270 Dritter Theil. Siebzehntes Capitel. 

Der gedämpfte blauviolette Strahl erzielt bei zunehmender Belichtung bald eine 
der correcten Expositionsperiode entsprechende Schwärzungszunahme, während der 
grüne Strahl bei genau derselben Zunahme der Belichtungszeit weit hinter dem ersten 
zurückbleibt und mangelhafte Gradation liefert. Der Grund liegt eben darin, dass das 
Blau violett noch zu den Strahlen der photographischen Maximal Wirkung für Bromsilber- 
Gelatine zählt, wenn es auch in der Gas- oder Kerzenflamme nur in geringer Pro- 
portion vorhanden ist. Dieser kleine Anthoil aber bewirkt seiner Intensität ent- 
sprechend eine gute photograpbische Gradation. 

Hierin liegt ein bisher nicht beachtetes Charakteristiken der 
Wirkung verschiedener Strahlen des Spectrums vor, welche im innigen 
Zusammenhange mit der Empfindlichkeitscurve photographischer Platten liegt 

Zum Glück bleibt die Wirkung der Strahlen, welche mangelhafte Gradation 
geben, weit hinter jener zurück, welche correcte Gradation gibt, weil eben letztere 
die dominirende Maximalwirkung repräsentirt; deshalb können wir bei der praktischen 
Sensitometrie bei Kerzenlicht annehmen, dass nur die letztgenannten Strahlen den 
Verlauf der Schwärzungscurve beim Schoiner'schen Sensitometer bestimmen. 

Orthochromatische Platten, in derselben Weise geprüft, geben ein be- 
merkenswerth.es Ergebniss. 

Eine mit Erythrosin in der Emulsion sensibilisirte Platte (orthochromatische 
Platte des Handels) zeigte die bekannte, gewaltig gesteigerte gelbgrüne Empfindlichkeit 
und etwas verminderte Blau- Empfindlichkeit. An zwei solchen Spectrumphotographien 
stellte Verfasser von 100 zu 100 Angström'schen Einheiten eingehende Schwärzungs- 
messungen an, welche in nachstehender Tabelle XXVI mitgetheilt sind. 

In Tafel XII ist die Sensibilisirungscurve von Erythrosinplatten graphisch dar- 
gestellt; das Coordinaten System enthält die Schwärzungszahlen (genau so wie bei den 
anderen Tafeln) als Ordinaten, die Wellenlängen des einwirkenden Lichtes als Ab- 
scissen. Die Curven führte der Verfasser für verschiedene Belichtungszeiten aus; sie 
zeigen die enorme Ueberlegenheit der Erythrosin platte im gelbgrünen Lichte, welche 
beim Gaslichte noch stärker zum Ausdruck kommt als bei Sonnen- oder elektrischem 
Lichte. 

Aus den Tabellen XXVI und XXVII kann aber auch ohne Schwierigkeit die 
charakteristische Schwärzungscurve für jede oinelne Strahlenart von bestimmter Wellen- 
länge coustruirt werden. In Tafel XII sind für Erythrosinplatten die charakteristischen 
Schwärzungscurven für Licht von k = 60' bis 4400 gezeichnet. Man ersieht z. B. 
an den gestrichelten Curven die Zunahme der photographischen Schwärzung mit zu- 
nehmender Belichtung im blauen Strahl (k = 4600 bis 4500 , wo das Maximum der 
Blau- Empfindlichkeit liegt, sowie in dem benachbarten >l = 4800 , 4700 bis 4400). 

Die Gradation ist eine gute, annähernd normale. Die vollausgezogenen Curven 
zeigen das Verhalten in der Zone der Sensibilisiruug im Gelbgrün. Die Maximal- 
wirkung bei A = 5600, sowie die benachbarten Stellen bei JL = 57* 0, 5500 und 5400 
zeigen einen annähernd parallelen Vorlauf mit der Schwärzungscurve im blauen 
Strahle, 5800 weicht ein wenig ab. Die Stelleu schwacher Sensibilisirung im Gelb 
haben aber eine viel langsamer aufsteigende Schwärzungscurve (siehe Curve für 
^ = 5900 und 6000 im Gelb), bewirken eine viel langsamere Zunahme der Schwär- 
zungen bei verlängerter Belichtung an den Stellen der Maximalwirkung. Die Platten 
bleiben also an den Stellen mangelhafter Sensibilisiruug viel länger in der Periode der 
Unterexposition. 



System der Sensitometrie photo graphischer Platten. 






■S! 
8, 



i i i i i i s$s 



i i i i5ä^ 



I I = - 3 i - ^ - -r " 



. rt - Ä * * c; c;" n || 
| "* L ": '"%. '-. ™ °. m - "T. 



I 5 .-. --~_ 'r C -i 5 3 .8 



[I I 



Si;Sse.S3=:S| 



d 






» 30J O -T T ~ Ä O .3 

i- ^ co ■_ w) o ;s es — o 

■-3 — — ^- i-' i"^ r-: o c? 

[-_ Ci ?i sn s: ; j! p m i=_ 



, e e a 3 a 



S.ää.§ I 

o o o 1 

|§|I 



272 Dritter Theil. Siebzehntes Capitel. 

In ganz analoger Weise verglich der Verfasser das Verhalten einer Eosin- 
Ammoniak- Badeplatte mit einer Erythrosin- Badeplatte. Es ist nämlich durch die 
Untersuchungen von P. Ruh 1 ) festgestellt, dass das Erythrosin (Tetrajodfluorescein- 
natrium) zur günstigsten sensibilisirenden Wirkung auf Bromsilber -Gelatineplatten ge- 
bracht werden kann, wenn man die Platten zuerst durch 2 Minuten in verdünntem 
Ammoniak (2 ccm Ammoniakflüssigkeit auf 100 ccm Wasser) badet, dann in ein Ge- 
misch von 100 ccm Wasser, 2 ccm Ammoniak und 6 ccm Erythrosinlösung (1 : 500) 
während 2 Minuten badet. In ähnlicherweise kann man auch Eos in (Tetrabromfluo- 
resceinnatrium) zur besten Wirkung bringen, wenn auch die Empfindlichkeit im Gelb- 
grün bei letzterem nur beiläufig ein Viertel des ersteren beträgt; bei Abwesenheit von 
Ammoniak sind die Verhältnisse wesentlich ungünstiger.*) 

Derartige Badeplatten wurden im Gitterspectrographen belichtet und Opacitäts- 
mos8ungen gemacht, deren Resultate in Tabelle XX VIII wiedergegeben sind. Es sei 
bemerkt, dass die Eiythrosinplatte (Tabelle XXVI) und die Eosinplatte (Tabelle XXVIII) 
gleichzeitig verarbeitet wurden, somit sind die Resultate unmittelbar vergleichbar. 

Der Vergleich verschiedener Erythrosin- und Eosin platten ist für die Praxis 
interessant, weil zur Herstellung von Dreifarben -Negativen und anderen auch solche 
Platten hinter grünen Liehtfiltern verwendet werden. An der K. K. Graphischen Lehr- 
und Versuchsanstalt in Wien wurde wiederholt die Beobachtung gemacht, dass Eosin - 
Badeplatten hinter grünen Lichtfiltern die grünen Bildstellen gleichsam schärfer aus der 
polychromen Umgebung herausgeschnitten und präciser im photographischen Negative 
wiedergeben als Erythrosin -Badeplatten. Ein Blick auf die Curven in Tafel XVI gibt 
die Erklärung zu dieser Erfahrungsthatsache. Die Eosinplatte gibt einen schmäleren 
grünen Bezirk wieder, während Erythrosin nicht nur eine breitere Spectralregion um- 
fasst, sondern auch in dem in Tafel XVI vorgeführten Falle bei längerer Belichtung 
Mangel an Contrasten in den hohen Lichtern aufweist. 

Die Erythrosin -Ammoniak -Badeplatte hat wohl die grösste Lichtempfindlichkoit 
im Gelbgrün; sie ist grösser als bei Erythrosin -Emulsion (in der Substanz gefärbt) 
und ist — wie erwähnt — auch der Eosin -Badeplatte an Empfindlichkeit überlegen. 
Die hohe Empfindlichkeit ist aber in ersterem Falle mit der unangenehmen Eigenschaft 
verknüpft, dass die starken Belichtungen rasch die Phänomene der Ueberexposition 
und Solarisation geltend macheu, d. h. dass die Gradation in hohen Lichtern mangelt 
und Monotonie auftritt. Nur wenn man die genügend kurze, correcte Exposition trifft. 
ist die (iradation eine gute. 

Es geht aus allen diesen Befunden hervor, dass streng genommen 
jede photographischo Platte eine besondere charakteristische Schwär- 
zungscurve für die einzelnen Strahlen verschiedener Wellenlänge hat. 1 ) 

Bei der Sensitomotrie gewöhnlicher Platten ist das ziemlich constante Blau- 
Maximum mit den analog wirkenden Nachbarbezirken (Blauviolett) für den Verlauf 
der charakteristischen Curve maassgebeud; in diesem Sinne gibt die Prüfung mit der 
Benzinkerzo ein befriedigendes Bild über das Verhalten der Bromsilber -Gelatine gegen 
blauviolette Strahlen , welche dem Maximum seiner Eigenempfindlichkeit im Spectrum 
entsprechen. 



1) Eder's Jahrbuch f. Pliot. 1S99. S. 480; Phot. Corresp. 1898. S. 243. 

2) Bei Eosin wirkt Ammoniakzusatz ziemlich auffallend. Erythrosin ist in seiner 
sensibilisirenden Wirkung für Bromsilber- Gelatine weniger von Ammoniakzusati abhängig. 

3) Wahrscheinlich ist auch der Werth für p in der Formel ♦•<*, sowie der 
Einfluss des Intermittirons in ähnlicher Weise variabel. 



Kystom der Sensitouetrie photogTftphiscber Platten. 



I | 8S8Si = r 



1S Sä SIS 3 



5 S r : ; -■ ' : ' ''- 



jncö-'*« 



H i 

■S 5. 
■5 3 



? <3 o odo 



t PholOKmjihin. III. Theil. 



| >'. ~! -* 'T -."*.- ~ 






I SSSSS.E 



S3S 



§ I F. ■ 



ä .-; ii s r: S; fi s I 



lg- 3§sl§S- J 



i nl! 



274 Dritter Theil. Siebzehutes Capitel. 

Anders verhält es sich mit orthochromatischen Platten, welche je nach der 
Natur des sensibilisirenden Farbstoffes, seiner Concentration , Wirkungsdauer u. s. w. 
ein enorm schwankendes Verhalten gegen das Spectrum aufweisen. 

lieber die Lage des Maximums und die relative Empfindlichkeit der sensibili- 
sirten Platten gegen Orange, Gelb oder Grün einerseits und Blauviolett anderseits gibt 
die qualitative Prüfung im Spectrographen Aufschluss. Die Kenntniss der Gradation 
oder charakteristischen Curve erfordert Schwärzungsmessungen. 

Um einen Einblick über den Zusammenhang der Gradation photographischer 
Platten und ihrer Schwärzungscurven im Spectrum zu gewinnen, sensibilisirte der 
Verfasser eine Bromsilberplatte mit einem mittelmässigen Farbensensibilisator für Gelb- 
grün, dem Congoroth, 1 ) von welchem Verfasser wusste, dass es mangelhafte ortho- 
chromatische Wiedergabe farbiger Gemälde bewirkt und etwas zu flauer Gradation in 
der Wiedergabe des Farben ton werth es neigt. 

Die Platte wurde in einem Bade von 100 ccm Wasser, 2 ccni Congorothlösung 
(1 : 500) und 2 ccm Ammoniak 3 Minuten lang gebadet, 2 ) getrocknet und dann mit der 
in Tabelle XXVI gemessenen Erythrosiuplatte gleichzeitig untersucht. 

Die Schwärzungszahlen für verschiedene Wellenlängen im Spectrum bei steigender 
Exposition sind in vorstehender Tabelle XXIX enthalten. 

DieEmpfindlichkeitscurve der Congoroth platte gegen das Spoctrum siehe Tafel XIV 
und überdies die charakteristischen Schwärzungscurven für blaues Licht (l = 4500 bis 
4600) und für gelbgrünes Licht an der Stelle der Maximalwirkung (l = 5500 und die 
benachbarten Stellen X = 5600 und 5400) siehe Tafel XV (Mittel mehrerer Versuche). 

Aus diesen Befunden geht hervor, dass Congoroth wohl gut für Gelbgrün sen- 
sibilisirt, aber bei weitem nicht so gut wie Erythrosin ; dies geht aus der geringen 
Maximalorhebung der Sensibilisirungscurve im Gelbgrün im Vergleich zur starken 
Blauwirkung hervor. Die Congoplatte war länger entwickelt worden als die Erythrosin- 
platto, um das Sensibilisirungsband kräftiger zu erhalten, weshalb auch die (an nnd 
für sich grössere) Blau- Empfindlichkeit um so stärker hervortrat. 

Aus der charakteristischen Schwärzungscurvo der Congorothplatte geht hervor. 
dass mit verlängerter Belichtung die Blauwirkung immer mehr die Grüngelbwirkung 
überholt. Dies erklärt die schlechte praktische Verwendbarkeit der Platte, welche bei 
verschiedener Belichtung in scheinbar un regelmässiger Weise den Farbentonwerth bald 
mehr, bald weniger schlecht wiedergibt. 

Hiermit ist auch der experimentelle Beweis für die vom Verfasser ausgespro- 
chene Ansicht 3 ) erbracht, dass nur jene orthochromatischen Platten (z. B. gelbempfind- 
liche) correcte Negative liefern, welche in der Region ihrer Farben sensibilisirung (z. B. 
im gelben Lichte) bei zunehmender Lichtintensität eine Schwärzungszunahme beim 
Entwickeln erfahren, welche annähernd proportional der Schwärzungszunahme des 
reinen Bromsilbers unter dem Einflüsse von weissem (oder besser blauviolettem) 
Lichte ist. 



1) Congoroth und seine Verwandten beschrieb E der zuerst als mittelgute 8ensi- 
bilisatoren für Bromsilber -Gelatine (Sitzungsber. d. Kais. Akad. d. Wissensoh. in Wien. 
10. Juni 1886). 

2) Congoroth ohne Ammoniak wirkt mittelmässig; weniger gut als mit Ammoniak; 
es wirkt weniger als Eosin mit Ammoniak und viel schlechter als Erythrosin. 

3) Phot. Corresp. 1890, S. 316. * 



System der Sensitometrie photographischer Platten. 275 

Für die rasche Beurtheilung des Werthes einer orthochromatischen Platte sind 
jedoch progressive Belichtungsreihen und Schwärzungsmessungen an entsprechend 
vielen Stellen bestimmter Wellenlänge im Spectrum zu zeitraubend. 

Wenn daher die Stelle des Sensibilisirungsbandes einer orthochromatischen 
Platte im Spectrographen qualitativ genau bekannt ist, 1 ) so genügt es, die charak- 
teristische Schwärzungscurve 

1. für den weniger brechbaren Spectralbezirk von Grün bis Gelb und Orange- 
roth summarisch zu ermitteln, weil dort nur das Farbensensibilisirungs- Maximum 
und die benachbarten Stellen sich geltend machen; 

2. die Schwärzungscurve für das gesammte weisse Licht (respective Bogen- 
licht), also für die grüngelbe bis orangerothe Zone inclusive der blau violetten zu er- 
mitteln, und eventuell 

3. für die Empfindlichkeit gegen Blau violett allein. 

Die sub 1 erwähnte Versuchsreihe kann durch Vorschalten von gelben Licht- 
filtern erfolgen , wozu der Verfasser früher eine 1 cm dicke Schicht einer 1 procentigen 
Lösung von Kaliumbichromat (1 : 100) vorgeschlagen hat 2 ) und neuerdings auch 
eine ebenso dicke Lösung von 4 procen tigern Kalium monochromat in Anwendung 
brachte. 

Diese gelben Lichtfilter absorbiren alle blauvioletten (inclusive den ultravioletten) 
Strahlen und lassen Roth, Orange, Gelbgrün fast ungeschwächt durch. Während die 
grüne Region des Absorptionsspectrums beim 1 procentigen Kaliumbichromat schon 
erhebliche Lichtverluste zeigt (von X = 5300 und 5200 gegen Blau) , ist dieselbe Zone 
im Absorptionsspectrum des 4 procentigen Kaliummonochromats noch sehr lichtstark; 8 ) 
durch letzteres dringt übrigens das Roth von A angefangen bis E fast ungeschwächt 
durch 4 ) und auch die Region bei A = 5200 bis 5100 wird wenig geschwächt, dagegen 
das Biauviolett gut abgeschnitten (vergl. Fig. 28). 

Da diese gelben Lichtfilter alle blauvioietten Strahlen des Spectrums genügend 
scharf absorbiren,*) so kommt nun die Empfindlichkeit des Sensibilisirungsbandes 



1) Die Ermittlung der Lage des Sensibilisirungsbandes einer orthochromatischen 
Platte rauss stets allen anderen Proben vorausgehen. 

2) III. Congress für angewandte Chemie 1898 (Phot. Corresp. 1898, S. 478). 

3) Hierauf hat K. Vierordtiu seiner Abhandlung „Die Anwendung des Spectral- 
apparates zur Photometrie der Absorptionsspectren* 1873, S. 90, hingewiesen. Durch 
Photographiren dieser Absorptionsspectren auf Erythrosinplatten fand Verfasser dasselbe 
Resultat Eine 0,1 procentige Lösung von Kaliumbichromat lässt wesentlich mehr Blau- 
grün bis Hellblau durch, als 4procentiges Monochromat. (In dem Werke von G. und 
H. Krüss: „Kolorimetrie und quantitative Spectralanalyse", 1891, S. 41 sind die Ab- 
sorptionscurven des Monochromates nach Vierordt's Messungen im rothen Bezirke 
ungenau reproducirt.) 

4) Für das menschliche Auge wird die Wirkung des Roth durch das wenig 
geschwächte complementäre Grün ausgelöscht und man nimmt den Effect der gelben 
Strahlen wahr, wodurch die Monochromatlösung den Eindruck eines reinen gelben 
Farbentones macht, trotzdem nahezu das halbe sichtbare Spectrum fast ungeschwächt 
die Lösung passirt. 

5) Für die vorliegenden Sensitometerproben kommt die ziemlich schwache S ch ei- 
ne r'sche Bezinkerze in 1 m, höchstens x j z m Abstand bei einer Belichtungszeit von 
1 Minute in Betracht. Bei diesen Belichtungen übt sowohl die 1 procentige Bichromat-, 

18* 



276 



Dritt 



■ TIivlI. si„i.„-h:,t..- CapiteL 



(welches zuvor BpeotrogiaphtBQh in aai&et SensiteUHitniigSoUTvB :■-■■' 
exklusive der Ei{i?ii>ii]|'fii)'.lli'!]k''it '!.■.- ii'iiii-n I!i-omsil!n.'i> mim Ausdrucke. Eine Probe 
ohne Gelbfilter tibi diu Ge.sainiiitenijiiindlie.hkeit der Platte für die Seiisibilisiiun:_' ; stelk' 
iiin.l inclusive der Eigeriempliiidliehkeit des Llr«>msill>t'fs im Blauviolett. 

Daboi ist vorausgesetzt, dass man den l.ichtverlust ziffeniiiiiis-siü kennt, welch 
das Lampenlicht beim Durchlange durch die celho Chriimntlirsuiig (ge.s;ininir.er Licl 
verlast durch Reflexion und Absorption! erleidet. Diese Grosse enmtt.lt.- der 
Fässer mittels eines kleiuen Gitterspeetrograplieu , welcher das Spectrum erster Ordnui 



ABb D K !■■ h 11 


\\m 



V .L-Iilll! ,[||!V 




■w.— r .. iillri. AbsorpßoiiSBUin« «ul oinn n.ii .. \V,,!l..i.i 


PUite fnllamll. - 


2. Du» 


jhjfl, nuch Durchgang durch sine l omi ■ J i ■ ■ 1 . ■"■ s- '■!■ i.' 


inunnoliiK'hnini.tliii 




ßu»elbc , nacli Durchgang durch 1 procontig« Knllumblvbr 



von Roth bis Ende des Violett auf eine 30 ein lange Platte entwarf, Es Virale a 

eine 1 Isis - Ar^ati'llliiiiiiin' Oi'g.'iiiinrilor Si" n-'mIh.t ["'liicisiiirislirennoi ) oinges 

und firbeiif>]ii[ihiii|li'h'' l'latten sowohl mit, als ohne gelbes Licbtltlter iu Grenzen v 
1 bis 10 Minuten belichtet, zugleich entwickelt, im Mikrophotometor die Stellen 
Maxi mal Wirkung der eituehieti Streifen gemessen, ebenso die Naehbars teilen von 3 
ku 30 Angst rinn 's eben Einheiten und datin die Ex positious Zeiten gesucht, 
gleichen I.ii.-Iiteffi'eten entsprechen. 

Die Versuche ergaben für eine Stcinhoil'sche planparallele Wanne d 
dicken, weissen Spiegelscheiben uud einer 1 em dicken Schicht von Kaliumbichromat- 

als die 4proccntige Mouoehiiinintlosung eine genügend nhscrliirende Wirkung von Blau 
Ins Ultraviolett uns, Bo 'las.- eine rein.' Brouisilberplatte hierbei keine Bild 
Die Biehrotiiiitlösiirij,' sHiüt/.i nt|,i.lc i-.dm> UiuniHllierplit.ten hei SHiein. i ■ '• ■ 
proben bei ' :■■■ Ki .: e taiitl sogar wlibreud 15 Minuten langer Beti I 
die 'I iiiiiecntice Moiiüi'hr'jmatl'isiiiig aber zeigte hei einem Versuche schwach 7C 
Soheiuer an, welche auf die Wirkung des hlaugriinen Lichtes nächst J = 5100 v 
zuführen .sind. Da alle cinseldiejii;vii Sensit eniH'tcr]ir<iben ortli'n-lirninatiselier 1*1 i 1 
aber nur bei 1 Minute langer Belichtung ausgeführt werden, sc kommt die 
lithkeit des reinen Bromsilhers hinter diesen Gelbscheiben nicht zur Geltung. 



System der Sensitometrie photographischer Platten. 



277 



lösung (1 : 100) für Benzin - oder Gaslicht in der Region von Orangeroth bis Grün 
eine von Roth bis zu der Wellenlänge A = 5300 oder 5200 mittlere Schwächung des 
einfallenden Lichtes bei einer Versuchsreihe von 1 auf 0,82, bei einer zweiten Reihe 
von 1 auf 0,76, also im Mittel durchschnittlich auf 0,79. Für eine 4procentige Kalium- 
monochromatlösung in 1 cm dicker Schicht ergab sich eine ebensolche Schwächung 
für eine weiter aus Grün sich erstreckende Spectralregion (bis circa X = 5000). Dar- 
über hinaus, weiter gegen Blau, wird die Schwächung rasch eine bedeutende. 

Diese Zahl ergibt die Correctur, um welche man die Sensitometeranzeige hinter 
dem Filter erhöhen muss, um sie auf frei einfallendes, ungeschwächtes Licht der 
genannten Spectralregion zu beziehen. 

Da beim Seh ein er' sehen Sensitometer eine Nummer zur nächsten im Licht- 
intensitätsverhältnisse 0,78 zu 1 steigt, so nähert sich die Correctur innerhalb der 
Beobachtungsfehler sehr 1 Grad Scheiner. Die Correctur erfolgt also mit genügender 
Genauigkeit, wenn man die Sensitometeranzeige einer orthochromatische Platte hinter 
dem genannten Gelbfilter im Seh einer 'sehen Sensitometer ermittelt und die ab- 
gelesene Zahl um 1 Grad Scheiner erhöht. Das Resultat entspricht dem Schwollen- 
werthe der Farbenempfindlichkeit in der Region der Sensibilisirung; auch die charak- 
teristischen Schwärzungscurven für Grün, Gelb und Orangeroth können auf diese 
Weise construirt werden. 

Um die Beurtheilung der Art und Genauigkeit dieser Messungen der Schwächung 
des Lampenlichtes durch die lprocentige Bichromatiösung zu ermöglichen, theilt Eder 
die Messungen des Lichtverlustes einer kleinen Zone von der "Wellenlänge X = 5660 
bis 5570 mit (Tabelle XXX), wenn eine Erythrosinplatte benützt wurde; sie hatte das 
Maximum der Sensibilisirung gegen Lampenlicht bei X = 5600. 



Tabelle XXX. 



-4-9 


Aufnahmen im kleinen Gitterspectrograpben (Gaslicht) 


tungsze 
[in uten 


mit 1 cm dicker Kaliumbichromat- 
lösung (1 : 100) 


ohne Lichtfilter 


~ a 


Schwärzung für die "Wellenlänge 


« 


5660 5630 


5600 ! 5570 


5660 


5630 


5600 


5570 



1 

2 
3 

4 
5 
6 

7 

8 

9 

10 



0,71 


0,72 


0,72 


0,69 


0,73 


0,77 


0,80 


0,88 


0,90 


0,89 


0,87 


0,95 


1,00 


1,01 


1,03 


1,05 


1,00 


1,05 


1,10 


1,15 


1,20 


1,12 


1,15 


1,19 


1,12 


1,26 


1,31 


1,29 


1,21 


1,22 


1,30 


1,20 


1,30 


1,42 


1,43 


1,30 


1,30 


1,35 


1,25 


1,37 


1,50 


1,52 


1,37 


1,40 


1,43 


1,29 


1,45 


1,55 


1,62 


1,50 


1,50 


1,54 


1,37 


1,54 


1,65 


1,79 


1,55 


1,55 


1,60 


1,41 


1,63 


1,69 


1,90 


1,61 


1,67 


1,67 


1,45 


1,67 


1,83 


1,92 



0,79 
1,00 
1,20 
1,30 

1,41 
1,49 
1,56 
1,73 
1,79 
1,85 



Ist die Correctionszahl von 1 Grad Scheiner für den durch schnittlichen Licht- 
verlust durch "Vorschalten der Chromatwanne gegoben, so kann mau mit genügender 
Genauigkeit die Differenz der Gesammtempfindlichkeit einer orthochromatischen Platte 



278 



Dritter Theil. Siebzehntes Capitel. 



(wir wollen sie A nennen) zwischen der Empfindlichkeit derselben Platten mit vor- 
geschaltenem Lichtschirme (a) (ferner vielleicht mit der Empfindlichkeit hinter Blau- 
scheiben u.s.w.) ermitteln. Bei einer gewöhnlichen Platte wird a = Nuli sein, d.h. 
die Gesammtempfindlichkeit ist auf Rechnung des blauen Spectralbezirkes zu setzen. 
Bei einer guten orthochromatischen Platte wird a eine ansehnliche Grösse erreichen; 
je mehr die Sensitometerzahl für gelbe Lichtfilter (a) sich der Sensitometerzahl für 
die Gesammtempfindlichkeit (A) nähert, desto mehr dominirt die Farbenempfind- 
lichkeit im Hellgrün bis Orange. 1 ) Die Differenz A — a ist somit eine für die Be- 
urtheilung einer orthochromatischen Platte wichtige Grösse. 

Es war nun die Frage zu entscheiden, ob die lprocentige Kaliumbichromat- 
lösung als Lichtfilter für alle Fälle genügt, oder ob die merkliche Schwächung des 
grünen Lichtes durch das Bichromat nicht vielleicht Störungen bei der Prüfung ortho- 
chromatischer Platten verursacht, welche das Sensibilisirungsmaximum weiter gegen 
Grün haben. 

Tabelle XXXI. 



1 


Scheiner - 

Grade 
*/' m Licht- 

i «1 

abstand, 

1 Minute 

Belichtung 


Reine 
Brom- 
silberplatte 
frei 1 
belichtet 


B 


romsilberplatt 


e, gebadet mit 


^ 63 


Ervtl 


i rosin 


Eosin und Ammoniak 


i C 

c Ä 


frei 
belichtet 


hinter 

1 procent. 

Kalium- 

bichromat 


frei 
belichtet 


hinter 

1 procent. 

Kalium- 

bichromat 


0,38 


15 


__ 


0,33 


^^~ 


_ 


_ 


0,48 


14 


— 


0,36 


— 


_ 





0,61 


13 


— 


0,42 


| 0,26 


— 


— 


0.78 


12 


— 


0,50 


! 0,30 


— 


— 


0,99 


11 


0,27 


0,64 


0,34 


0,28 


— 


1,3 


10 


0.30 


0.81 


0,41 


0,33 


— 


1,0 


9 


0,33 


0,97 


0,52 


0,39 


— 


2,0 


8 


0,40 


1 ,29 


j 0,65 


0,46 


— 


2,6 


7 


0,50 


1,54 


! 0.82 


0,57 


_ 


3,3 


6 


0,64 


1,82 


1,00 


0,71 


— 


4.2 


5 


0,75 


2 09 


1,21 


0.87 


— 


5,4 


4 


0.89 




1,47 


! 1,09 


— 


6,9 


3 


! 1,09 


2,7 


1,74 


1,31 


— 


8,8 


2 


1,25 : 


■< 


1,98 


1,55 


— 


11,2 
14,3 
18,2 


1 
n 
b 


1 ,42 
1,52 
1,65 


undurch- 
sichtig 


2,5 

2,8 


1,79 
1,93 
2,10 


0,26 
0,29 
0,30 


23,2 


c 


| 1,75 


. 


i 


2,25 


0,33 



Die Experimente zeigten, dass alle roth-, orange-, gelb- und gelbgrün- 
empfindlichen Platten (z. B. Erythrocin) ihr Seusibilisirungsmaximum hinter lpro- 
centiger Bichromatlösung voll zur Geltung bringen. Bei Eosinplatton, deren Ben- 



1) Die Lago des Sensibilisirungsbandes ist natürlich im Spectrographen genaa 
zu ermitteln und wird als bekannt vorausgesetzt. 



System der Sensitometrie photographischer Platten. 279 

sibilisirtmgsmaximum weiter gegen Grün liegt und deshalb in jene Speotralregion zu 
liegen kommt, wo Biohromat das grüne Licht der Benzinkerze schon merklich dämpft, 
beeinträchtigt dieses Lichtfilter die Genauigkeit der Sensitometeranzeige (bei Mono- 
chromatlösung als Lichtfilter ist dies nicht der Fall). 

Dies geht aus Tabelle XXXI deutlich hervor, in welcher Ed er 's Schwärzungs- 
messungen einer reinen Bromsilberplatte, einer Erythrosin- und Eosinplatte mit und 
ohne Ealiumbichromatfilter mitgetheilt sind. 

Die Tabelle XXXI zeigt, dass eine reine Bromsilberplatte bei Kerzenlicht merk- 
lich weniger empfindlich ist, als eine gut für Gelbgrün sensibilisirte ErythrosiD -Bade- 
platte (Ammoniakvorbad und ammoniakalisches Erythrosinbad); die letztere Platte 
weist eine dreimal grössere Lichtempfindlichkeit gegen Kerzenlicht auf, als die ur- 
sprüngliche reine Bromsilberplatte, was auch mit den Beobachtungen der photogra- 
phiscben Praxis vollständig übereinstimmt. Hinter einem Bichromatschirme wird die 
Erythrosinplatte bei Scheiner -Kerze (1 m Abstand, 1 Minute) eine Empfindlichkeit 
A = 15 Grad zeigen, dann gibt sie hinter Bichromatschirmen direct beobachtet 11 Grad 
Scheiner, somit nach Vornahme der Correctur durch Addiren von 1 Grad Scheiner die 
Gelbgrün- Empfindlichkeit a= 12 Grad (bis 13 Grad) Scheiner. 

Die Differenz A — a ist somit bei dieser Sorte von orthochromatischen Platten 
= 3 Grad Scheiner. Dieser Zahlenwerth entspricht einer guten „ orthochromatischen 41 
"Wirkung der Platten, jedoch ist bei solchen Platten die Gelbgrün -Empfindlichkeit noch 
immer nicht hoch genug, um farbentonrichtige Aufnahmen bei Tageslicht ohne Gelb- 
scheibe machen zu können. 

Die relativ hohe Gelbgrün -Empfindlichkeit, welche durch diese Sensitometer- 
anzeigen kund gethan wird, ist auch durch die Spectrosensitometrie (siehe Tafel XII) 
bestätigt; sie ist somit als zutreffend zu bezeichnen. 

Weit ungünstiger steht es mit der Prüfung von Eosinplatten hinter einem 
Schirm von lprocentiger Kaliumbichromatlösung. Sie erscheinen hierbei sehr un- 
empfindlich, so dass die Sensitometeranzeige hinter Bichromatschirmen nur y u der 
Empfindlichkeit bei freier Belichtung angibt. 

Eosinplatten hinter Bichromatfilter stehen hinter Erythrosinplatten an Empfind- 
lichkeit sogar um das lSfache zurück, d. h. erstere geben y i8 der Empfindlichkeit 
von letzteren im Sensitometer an. Diese Anzeige ist insofern falsch , als die Spectro- 
sensitometrie correct angibt, dass die Sensibilisirung im Grün hei Eosin circa */ 4 jener 
beträgt, welche Erythrosin für Gelbgrün äussert. Der Grund dieser irreführenden 
Anzeige liegt darin, dass die Bichromatlösung das Grün der Lichtquelle zu sehr ge- 
dämpft hat. 

Dies bewog den Verfasser, das Bichromatfilter für diese Proben aufzugeben 
und nur die 4procentige Kaliummonochromatlösung in 1 cm dicker Schicht zu jenen 
Sensitometerproben zu vorwenden , bei welchen der Verfasser das Sensibilisirungsband 
getrennt von der Gesammtempfindlichkeit und der Blau -Empfindlichkeit messen wollte. 
Prüft man Eosinplatten, Erythrosinplatten und andere weiter gegen Gelb, Orange oder 
Roth sensibilisirte Platten hinter diesem Monochromatfilter, so schneidet man mit ge- 
nügender Präcision die Zone der Eigenempfindlichkeit des Bromsilbers (im Blauviolett) 
ab und kann die Empfindlichkeit des Sensibilisirungsbandes ohne störende Neben- 
einflüsse messen. 

Die mit Benützung der Kaliummonochromatwanne gewonnenen Sensitometer- 
resultate stimmen mit den Ergebnissen praktischer photographischer Expositions- 
versuche, sowie der Spectrosensitometrie befriedigend überein. 

Dies zeigen nachfolgende Versuche. 



280 



Dritter Theil. Siebzehntes Oapitel. 



Corrigirt man die Rubrik III (Tabelle XXXII) durch Addiren von 1 Grad Schei- 
ner, so ergibt sich, dass die sensitometrische Anzeige hinter Monochromat um 1 Grad 
Scheiner oder sogar etwas weniger hinter der Sensitometeranzeige bei frei einstrahlen- 
dem Benzinkerzeolicht zurückbleibt. Das ist ein Kriterium für die hohe Sensibili- 
sirungswirkung des angewendeten Farbstoffes für die weniger brechbaren Strahlen (in 
diesem Falle gelbgrün). 

Tabelle XXXII. 





Scheiner -Grade 

7s m Iicht- 

abstand, 

1 Minute Belich- 


Keine 
Bromsilberplatte 


Gute Erythros! n platte des Handels 


Secunden - 
Meter - 
Kerzen 


frei belichtet 


hinter 4procent. 
Kalium mono- 
chromat 




tung 


I 


II 


III 


0,38 


15 


— 


0,36 


— 


0,48 


14 


— 


0,41 


0,35 


0,61 


13 


— 


0,44 


0,37 


0,78 


12 


— 


0,52 


0,42 


0,99 


11 


0,31 


0,55 


0,48 


1,3 


10 


0,35 


0,61 


0,55 


1,6 


9 


0,40 


0,69 


0,63 


2,0 


8 


0,45 


0,75 


0,70 


2,6 


7 


0,53 


0,85 


0,77 


3,3 


6 


0,65 


0,97 


0,85 


4,2 


5 


0,75 


1,05 


0,91 


5,4 


4 


0,85 


1,16 


1,04 


6,9 


3 


0,94 


1,27 


1,14 


8,8 


2 


1,07 


1,33 


1,25 


11,2 


1 


1,15 


1,36 


1,32 


14,3 


a 


1,21 


1,40 


1,37 


18,2 


b 


1,30 


1,44 


1,39 


23,2 


c 


1,40 


1,45 


1,42 



Die Ery th rosin platten geben hinter Monochrom atfilter nahezu dieselbe Sensi- 
tometeranzeige als hinter Bichromatfilter, somit kann man auch für diese und andere 
gelbgrün-, gelb-, orange- oder rotherapfindiiche Platten bei der Verwendung der 
4procentigen Kaliummonochromatlösung in 1 cm dicker Schicht (mit Correctur von 
-}- 1 Grad Scheiner) bleiben. 

Bei praktisch verwendeten Rothsensibilisatoren , wie Nigrosin, Diazoschwarz, 
Wollschwarz (siehe E. Valenta, Phot. Corresp., 1898 und 1899) ergibt sich eine 
Differenz von A — a = 5 bis 13 Grad Scheiner. 

Bei mittlerem Sensibilisirungseffect ist dio Differenz A — a =2 bis 3 Grad 
Scheiner in beiden Fällen. In besonders günstigen Fällen fand der Verfasser sogar 
die Differenz A — a noch kleiner, nämlich 1 bis 2 Grad Scheiner, ja bei Erythrosin- 
silberplatten ist die Gclbgrün- Empfindlichkeit mitunter so hoch und die Blau -Empfind- 
lichkeit so gedrückt (namentlich wenn gelbe Farbstoffe der Emulsion selbst beigemischt 
werden, was bei gewissen Handelssorten von orthochromatischen Platten geschieht), 
dass die Empfindlichkeit mit und ohne Monochromat -Lichtfilter nahezu dieselbe Sen- 
sitometeranzeige (Differenz kaum 1 / 2 Grad Scheiner) geben. 



System der Sensitoroetrie photographischer. Platten. 



281 



Aus diesen Tabellen XXXI, XXXII, XXXIII kann man ferner entnehmen, 
dass die Gradation der reinen Bromsilberplatte mit der von derselben Musteremulsion 
hergestellten Erythros in platte annähernd übereinstimmt, während die Eusinplatte etwas 
härter arbeitete; erat bei starken Uchtintensi taten wächst die Intensität des Sensi- 
hilisirungsbandes bei Eosin (übrigens auch bei Ery th rosin platten) bedeutend (siehe 
Tabelle XXXII). 

Tabelle XXXIII 





Scb einer- Grade 
V, m Licht- 
abstand, 
1 Minute Belich- 


Broin silberplatte 


Eosin -Badeplatte mit Ammoniak 


Socunden- 
Meter- 
Korzen 


frei belichtet 


hinter 4 procent. 
Kali um- 
monochrom at 




tung 


I 


11 


III 


0,610 


13 


0,40 


0,38 


_ 


0,779 


12 


0,44 


0,40 


— 


0,994 


11 


0.47 


0,45 


— 


1,283 


10 


0,54 


0.48 


_ 


1,604 


9 


0,65 


0,52 


— 


2,046 


8 


0,74 


0,58 


— 


2,614 


7 


0,83 


0,68 


— 


3,3 


6 


0,93 


0,81 


0.36 


4,2 


5 


1,03 


0,97 


0,40 


5,4 


4 


1,10 


1,08 


0,49 


6,9 


3 


1,21 


1,19 


0,52 


8,8 


2 


1,35 


1,30 


0,60 


11,2 


1 


1,47 


1,40 


0,66 


14,3 


a 


1,50 


1,46 


0,74 


18,2 


b 


1,55 


1,53 


0,80 


23,2 


" 


1,63 


1,61 


0,86 



Eosin-Badeplatten (mit Ammoniakzusatz) geben bei der Prüfung hinter 4pro- 
centigem Mouochromat (siehe Tabelle XXXIII) eine Sensitometerdifforenz A — a = 6 
bis 7 Grad Scheiner, was auf eine mittelmassige Grün - Sensibilisivung deutet. Der Ver- 
gleich von Eosin- und Erythros in platten hinter Monochromntfilter im Scbeiner-Sen- 
sitometer ergibt das richtige Empfind lieh keitsverhältniss von 1 : 4 oder 1 : 5, welches 
die Spectralsensitometrie und die praktische Photographie nachweist; die Corroctheit 
der Anzeige der Sensitomet erprobe hinter dem Monocliromatfilter ist somit befriedigond. 

Eine entsprechende Ergänzung liefert die Setisitometrie hinter Blaufilter von 
Kupferoxydnmmoniaklösung (3 g Kupfervitriol, 100 cem Wasser nebst Ammoniak, in 
I cm dicker Schicht), we'cho ziemlich genau jenen Spectral bezirk durchlaset, welcher 
die Eigenempfindlichkeit der Bromsilber- Gelatine in Blauviolett dominirend beeinflusst 
Der Licht verbrauch in diesem Blaufilter beträgt für gewöhnliche Bromsilber- Gelatine- 
platten, annähernd 3 Grad Suheiner, um : welche Zahl die Sensito meteranzeige (analog 
wie beim Chromatfilter) corrigirt werden kann, wenn man die Anzeige auf frei ein- 
strahlendes Benzinlicht reduciren will. 

Die vom Verfasser empfohlene sensito metrische Probe von orthochromatischen 
Platten mit vnd ohno Monochromatfilter, sowie eventuell mit Blaufiltern und dgl. ist 
zur Orientirung für ihre charakteristischen Ei l:™ schuften somit geeignet. Die auf diese 



282 Dritter Theil. Siebzehntes Capitel. 

Weise innerhalb des Rahmens der gewöhnlichen Sensitometrie erhaltenen Angaben 
gestatten allerdings nur eine annähernde, keineswegs genaue Beurtheilung. Die Schwie- 
rigkeit besteht darin, dass die Gradation der orthochromatischen Platten mit und ohne 
gelbem Lichtfilter nicht immer parallel geht, dass die Anfangswirkung der Belichtung 
bei verschiedenen orthochromatischen Platten je nach der Natur des Farbstoffes ver- 
schieden ist und dass bei geringer Lichtintensität Farbensensibilisatoren sehr geringe 
"Wirkung zeigen, welche bei intensiver Anfangswirkung des Lichtes recht gut ent- 
sprechen. Deshalb kann man den Effect der Lichtwirkung für freies Kerzenlicht und 
solches hinter gelben Wannen nicht kurzweg eindeutig durch eine bestimmte Anzahl 
von Sensitometergraden ausdrücken. Für genauere Angaben wird die Construction der 
charakteristischen Curve der Platte mit und ohne Gelbwanue bei verschiedenen Licht- 
intensitäten unerlässlich sein und es sind die hierzu nöthigen Schwärzungsmessungen 
nothwendig. Je mehr sich die Sensibilisirungszone sensitometrisch dem Verhalten der 
ursprünglichen Bromsilber -Gelatine nähert, um so leichter wird die Herstellung cor- 
recter Negative mit und ohne Farbenfilter gelingen. Bei Prüfung der Wirkungsweise 
von Sensibilisatoren wird sich die Angabe der gleichzeitig belichteten und entwickelten 
Mutteremulsion als nützlich erweisen. 

Das hier in seinen verschiedenen Consequenzen beschriebene und begründete 
Sensit ometersystem , welches vom Seh einer 'sehen Sensitomoter ausgeht, liegt nun- 
mehr in einer so bequem und sicher zu handhabenden Form vor, dass die Prüfung 
der Empfindlichkeit von photographischen Platten aller Art, die Wirkung von Sensi- 
bilisatoren , Entwicklersubstanzen , Verstärkern , Abschwächern u. s. w. eine wesentliche 
Förderung erfährt. 

XVI. Praktische sensitometriseke Probe zur Schätzung der 
Empfindlichkeit farbeneuipfindlicher Platten. 

"Wie aus dem Vorhergehenden ersichtlich ist, kann man beiläufige Proben über 
die relative Farbenempfindlichkeit von Platten in folgender Weise anstellen: 

Man bestimmt die I^age des Sensibilisirungsmaximums im Spectrographen und 
erkennt dadurch genau die Art der Farbenempfindlichkeit (Roth-, Gelb-, Grün- 
Empfindlichkeit gefärbter Platten). 

Dann nimmt man eine Probe in Seh ein er 's Sensitometer bei 1 m Lichtabstand 
(bei unempfindlichen Platten mit je y g m Abstand) und 1 Minute Belichtungszeit vor; 
hierauf bringt man eine 1 cm dicke Schicht einer Kaliummonochromatlösung (1 Th. 
Chromat in 25 Th. Wasser) in planparallcler genügend grosser Wanne zwischen 
Sensitometer uud Normallicht^uelle und wiederholt die Sensitometerprobe unter 
genau denselben Verhältnissen , entwickelt beide Proben gleichzeitig (je 5 uud eine 
andere Probe 10 Minuten lang) und ßxirt. Da die Gelbwanne das Licht beiläufig um 
1 Grad Scheiuer schwächt, addirt man zur Sensitometerablesung dieser Art 1 Grad 
Scheiner. Bezeichnet man die Sensitometer -Empfindlichkeit der Platte ohne Gelb- 
filter mit A. jeno mit Vorschaltung des Gelbfilters mit a, so ist die Differenz A — a 
bei Platten von sehr guter orthochromatischer Wirkung sehr klein (2 bis 3 Grad, oder 
weniger); bei minder guten Sensibilisatoron ist A — a — 5 bis 10 Grad. Man erhalt 
auf diese Weise eine approximative Schätzung des Sensibilisirungseffectes; jedoch ist 
diese Probe nur für technische Zwecke (nicht für exaet wissenschaftliche Präoißions- 
messungen) von Werth. 

Man kann in ähnlicher Weis>e den Effect käuflicher Lichtfilter (Roth-, Grün-, 
Blaufilter) prüfen und dadurch Anhaltspunkte für die Beurtheilung der Eignung zum 
Dreifarbendruck gewinnen. 



System der Sensitometrie photograpbisoher Platten. 283 

Niemals aber darf man vergessen, dass die Sensitometer- Proben bei Benzin- 
licht andere relative Werthe orthochromatischer Platten liefern, als jene bei Tages - 
oder elektrischem Lichte; man kann somit nur auf mebr oder weniger ungenaue 
Näherungswerthe hoffen. Immerhin werden durch solche Vorproben die endgiltigen 
Proben bei Aufnahmen im Atelier wesentlich erleichtert. 

XVII. Schätzung der Leuchtkraft farbiger Flachen 
im Zusammenhange mit der orthochromatischen Photographie. 

Bei der photographischen Aufnahme farbiger Naturobjecte , Gemälde u. 8. w. 
mittels orthochromatischer Platten kommt die relative Helligkeit der colorirten Flächen 
in Betracht. Von der relativen Helligkeit der farbigen Flächen, oder sozusagen von 
ihrer Leuchtkraft ist die photographischo Reproduction abhängig. 

Es ist daher von Interesse, die optische Helligkeit von farbigen Pigment- 
schichten im reflectirten Licht kennen zu lernen und daran anknüpfend den photo- 
graphischen Effect bei ihrer Reproduction mittels orthochromatischer Platten (eventuell 
unter Heranziehung von farbigen Lichtfiltern) zu untersuchen. 

Eine einfache Methode zur Schätzung der Helligkeit von gefärbten Flächen 
mittels rotirender Scheiben gab Abney. 1 ) 

Bei einer Lichtquelle von goringer Ausdehnung, z. B. einem Kerzenlicht, einer 
Lampe und den Kohlenspitzen einer Bogenlampe, ist es verhältnismässig leicht, die 
Leuchtkraft irgend einer von derselben beleuchteten Fläche zu bestimmen , indem man 
nur die in der von Abney und Festing in den Phil. Trans. A. 1888 veröffentlichten 
Abhandlung über Colour Photometry. Theil II angegebene Methode zu befolgen braucht; 
wenn die Lichtquelle jedoch eine grosso Oberfläche hat, wie z. B. beim Tageslicht der 
Himmel, so macht die Anwendung des dort beschriebenen Verfahrens viel mehr 
Schwierigkeiten. Neuerdings machte sich für Abney gelegentlich seiner Untersuchung 
zum Zwecke Gewinnung geeigneter Farbenfilter zur Herstellung der Negative für den 
Dreifarbendruck, das Bedürfniss geltend, ein Verfahren zu ermitteln, welches ermög- 
licht, Ringen von verschiedener Farbo in gewöhnlichem Tageslicht gleiche Leuchtkraft 
zu verleihen dadurch , dass man sie durchsetzt mit dem gehörigen Betrag von schwar- 
zen Abschnitten rotiren lässt. Die Ringe sind concentrisch und rotiren als Scheibe 
(Fig. 29 und 30); die Schwierigkeit, welche zu überwinden ist, besteht in der Fest- 
stellung des in jeden Ring einzusetzenden schwarzen Stückes. 

In der Abhandlung von Abney und Festing über Colour Photometry, Theil III 
(Phil. Trans. A, 1802) ist nachgewiesen, dass nur ein Strahl des Spectrums, nämlich 
ein grünlichgelber, hinsichtlich der Zunahme und Abnahme der Leuchtkraft sich genau 
wie weisses Licht verhält, d. h. wird ein Theil eines weissen Schirmes durch Licht 
solcher Farbe, ein anderer Theil dagegen mittels weissen Lichtes beleuchtet, so dass 
die Leuchtkräfte z. B. einer Kerzenstärko gleichkommen, so bleiben sie hinsichtlich 
der Leuchtkraft, wenn die beiden Strahlen gleichmässig abgeschwächt werden, doch 
einander gleich, bis das Licht so schwach wird, dass es aufhört einen Reiz auf die 
Netzhaut auszuüben. Andere diesem Strahl naheliegende Strahlen, sowohl nach dem 
Roth, wie nach dem Grün hin, ergeben praktisch das gleiche Resultat. Wird jedoch 
Roth mit Weiss verglichen bei ursprünglich gleicher Leuchtkraft von z. B. einer 
Kerzenstärke, so briügt eine gleichmässige Abschwächuug der Strahlen eine Ver- 
schiedenheit der Leuchtkräfte hervor, indem das Roth raschor an Leuchtkraft verliert 



1) The Photographic Journal. Juni 1900. Bd. XXIV. S. 319. 



284 



Dritter Theil. Siebzehntes Cam'tel 



als das Weiss, Hinsichtlich i]t-s Blmigriiu, des Blau und des Viulett ist das I 
gekehrte der Fall, indem beim Abschwächen der Strahlen das Weiss rascher diinki 
wird als die Farbe 1 ) (nigl B, 285). 

"Weitere ihrem Abschluss nahe Untersuchungen haben ergeben, dass dir 
Theil III der Culour Photomrirv au ge^i dienen Beobachtungen zutreffend und zur 
Losung der Aufgabe, die Abney sich gestellt hatte, anwendbar sind. — Ahn«y Bf- 
brachte iu derst-lln-ii Abhandlung den Nachweis, (Iiibs die Farbe von allen Strahlen 
des Spectrums mit Ausnahme des leinen Iiath lange vor dem Erloschen ihres Lichtes 
verschwindet, was ein*) Folge des schwachen auf die Natihaui ausruhten Reizes ist. 
Naturgemäße liissl sieh Gleichheit der Leuchtkraft des fraglichen Strahles mit der- 




r=iiolcHs Sclieilm i.M''tlijlvi..|flV). 

fl = Theil eine« blauen Rtngra (Fnuuflslsch- 

üllraiüMiiil. 
B= Theil Finw rotheii IUiibos (Bthadacfenth). 
^ — 11 h KrÜm- 1 » Ringel rSmaragdgrlLn). 



jenigen von Weiss um so leichter beistellen, in dem MaaBse wie diu Farbe i 
schwindet. Diese Tliatsücln-Ti ermiiijliclitt'i) die Aiiistelhui^ folgender handlichen 1 
thode. Zur Feststellung der Leuchtkraft jeder beliebigen Farbe geht Abney auf d 
Art vnr. Man nimmt zwei ohTOmgelbe Scheiben, von denen %. B. eine 8 Zoll, 
die andere 4 Zoll Durchmesser hat und bringt zwisebon sie zwei sich nur theilweise 
deckende Scheiben von schwarzer und weisser Farbe von 6 Zoll Durchmesse* und 
setzt dann alle vier Scheiben auf einer Eotationsmaschine so rasoll in Drehung, 
das Weiss und Schwan ohne Flimmern ein Grau orgeben, welches dann durch J 
änderuug des Verhältnisses zwischen dem Weiss und dem Schwarz so gestaltet t 
den kann, dass es an Leuchtkraft genau dem Gelb gleichkommt Eine sehr genau 
U ehe rein Stimmung kann man dadurch erzielen, dass man die Scheiben durch ein 

1) Vergleiche die Abhandlung E. Albert's, Ueber die Aenderung des Farben- 
tanes tob SpectMÜfarben und Pigmenten hei abnehmender Lieh tst&rkc (Annal. d. I 
U.Chem.ls82, Nene Folge, Bd. XVI). — Ferner: Betzbold, Färber,!.!.. 



System der Sensitoinetrie photographischer Platten. 285 

schwarzes durchsichtiges Medium betrachtet, wie es z. B. das Schwarz auf einer 
mittels Metol- oder Amidol- Entwickler entwickelten photographischen Platte ist Der 
Niederschlag kann so dicht sein, dass die gelbe Farbe praktisch verschwindet; die 
beiden stumpfen Grau lassen sich dann leicht hinsichtlich der Leuchtkraft in Ueber- 
einstimmung bringen. Die Leuchtkraft des Gelb ausgedrückt in Bruchtbeilen derjenigen 
von Weiss wird durch den "Winkel des freiliegenden Weiss, vermehrt um den kleineren 
vom schwarzen Ring refloktirten Bruchtheil von Weiss angegeben. Iu gleicher Weise 
kann man hinsichtlich einer grünen Farbe und ihrer Leuchtkraft die Untersuchung 
ausführen. Bathsam ist es, für jede Farbe vier oder fünf solcher Beobachtungen an- 
zustellen, wenn man möglichste Genauigkeit zu erzielen wünscht. 

Ist die Leuchtkraft dieser beiden Farben bestimmt, so kann man 4 Zoll Durch- 
messer haltende, sie aufweisende Scheiben zwischen eine blaue und eine graue Scheibe 
bringen, welche letztere hinsichtlich ihrer Leuchtkraft mit derjenigen eines nach der 
oben angegebenen Methode aus Weiss und Schwarz gebildeten Grau übereinstimmt. 
Aus den Winkeln der freiliegenden farbigen und der verminderten weissen und 
schwarzen Sectoren kann man dann die Leuchtkraft des Blau berechnen. Wenn dies 
geschehen ist, so kann man zwischen die grüne und die blaue Scheibe eine rothe ein- 
schieben und die Leuchtkraft dieser letzteren berechnen. Zur Nachprüfung kann man 
eine theilweise schwarze, theil weise gelbe Scheibe einschieben und mit der Farbe ver- 
gleichen, welche man mittels der eingeschobenen theilweise freiliegenden rothen und 
grünen Scheiben erhält, von denen natürlich das eine Paar einen grösseren Durch- 
messer haben muss. 

Wie die Bestimmung des Grades der erzielten Genauigkeit ausgeführt wird, 
mögen folgende Angaben über einen einschlägigen Versuch zeigen, bei welchem mit 
Bogenlicht gearbeitet und die Messungen so, wie oben angegeben , ausgeführt wurden. 

Es wurde festgestellt, dass das Schwarz 3,33 Proc. weisses Licht reflectirte 
und dass bei gleicher Leuchtkraft des Gelb und der Einheit der eingeschobenen 
schwarzen und weissen Scheiben vom Schwarz 82 Grad, vom Weiss 278 Grad des 
Ringes ausgefüllt waren. Daraus ergiebt sich für das Gelb eine Leuchtkraft von 78, 
wenn diejenige des Weiss gleich 100 gesetzt wird. In ähnlicher Weise wurde für 
Smaragdgrün die Leuchtkraft 43 gefunden. Zwischen die gelbe und die smaragdgrüne 
Seheibe wurde eine dunkelblaue und eine graue Scheibe eingeschoben, welche einem 
aus Schwarz und Weiss gebildeten Grau an Leuchtkraft entsprach. Es ergab sich 
folgende Gleichung: 

Gelb Grün Blau Weiss Schwarz Weiss 

118 + 71 + 171 = 122 + 238 = 130. 

118 
Für Gelb ist die Leuchtkraft von 118 Grad = — . 78 = 25,6. 

3b0 

71 
„ Grün „ „ „ „ 71 „ = — • 43 = 8,5. 

ISO 
, Weiss „ „ „ 130 , =^. 100 = 36,1. 

Blau. Die Leuchtkraft von 171 Grad wird deshalb durch folgende 
Gleichung ausgedrückt: 

36,1 -(25,6 + 8,5) = 2 

und es ist daher die Leuchtkraft des blauen Farbstoffes 

171 " '"• 



286 Dritter Theil. Siebzehntes Capitel. 

Die Leuchtkräfte der drei Farbstoffe wurden dann mit derjenigen von Weiss 
nach der in Theil II der Colour Photometry angegebenen Methode verglichen und er- 
gaben sich wie folgt: 

Gelb 77,7. 

Grün 4,1. 

Blau 43,2. 

Es weicht also dieser Befund der Leuchtkraft des Blau von dem nach der 
neuen Methode gefundenen Ergebniss nur um 0,1 ab, so dass die Annäherung eine 
sehr befriedigende ist. 

Wenn man die Leuchtkräfte der drei Grundfarben bestimmt hat, so kann man 
diejenigen irgend welcher anderen Farben berechnen, indem man eine der Grundfarben- 
Scheiben durch eine Scheibe mit der betreffenden, zu prüfenden Farbe ersetzt und 
ausserdem eine graue Scheibe herstellt, welche einem aus "Weiss und Schwarz ge- 
bildeten Grau entspricht. 

Als wesentlicher Vortheil dieser Methode fällt ins Gewicht, dass dieselbe bei 
der Benutzung der verschiedensten Lichtquellen , Kerzenlicht, elektrischem Licht oder 
Tageslicht anwendbar ist; natürlich jedoch wechselt die Leuchtkraft der Farben nach 
der Qualität und Art des verwendeten Lichtes. 

Sind die I^euchtkiäfte der Farben bestimmt, so lässt sich die Winkel -Aus- 
dehnung für die Sectoren in Fig. 29 und 30 berechnen, indem man die Leuchtkraft 
des verwendeten Schwarz mit in Rechnung zieht. Wird die Scheibe um S zum Ro- 
tiren gebracht, so muss jede Farbe die gleiche Leuchtkraft zeigen und wenn durch 
Verwendung eines geeigneten , vor der Linse aufgestellten Farbenfilters auf der photo- 
graphischen Platte ein Negativbild der Scheibe erzeugt wird, welches in allen seinen 
Theilen nach der Entwicklung gleiche Dichtigkeit aufweist, so werden sich mittels 
eines solchen Farbenfilters auf ähnlichen Platten alle aufgenommenen Objecto ohne 
Rücksicht auf ihre Farben in den richtigen Licht- und Schattenabstufungen wieder- 
geben lassen. 

XVIII. Einfluss yersehiedener Farben der Lichtquellen 
auf ihr photoinetrisches Verhalten. 

Wenn verschiedene Lichtquellen starke Farbenverschiedenheit aufweisen, d. h. 
bedeutende spectrale Verschiedenheit besitzen, so wird die relative photometiiscbe 
Intensitätsbestimmung merklich beeinflusst. Mi et he fand (Actiuometrie astronomisch - 
photogr. Fixsteinauf nahmen. Rostock. 1890. S. 53 und 55), dass die photochemische 
Wirkung einer gewissen Menge Lichtes von der Wellenlänge l und einer Menge 
Lichtes von der Wellenlänge X für verschiedene Vielfache dieser Lichtmenge sich 
nicht gleichen und dass demzufolge rothe Sterne je nach der Expositionszeit, welche 
man bei den pbotographischen Vergleichsaufuahmen einhält, im Verhältniss zu den 
blauen und weissen Sternen einen stets wechselnden actinometrischen Werth besitzen. 
Dabei wird jedoch vorausgesetzt, dass die ersteren so überwiegend viel rothes Licht 
ausstrahlen, dass wirklich dieses und nicht das noch beigemengte blaue Licht die 
photographische Arbeit verrichtet. Hiermit stimmen auch Eder's Versuche übor den 
Verlauf der charakteristischen Curve einer photographischen Platte im Gitterspectrum 
(s. S. 26Ü) überein. Precht fand (Eder's Jahrb. 1900. S. 527) dass rothes licht 
(Rubinglas) bei grossem Abstand unverhältuissmässig kleinere chemische Wirkungen 
auf Bromsilber- Gelatine platten hatte, als in kleinerem Abstände. 



System der Sensitometrie photographischer Platten. 287 

Auch das menschliche Auge empfindet (nach viel früheren Beobachtungen) zwei 
gleiche Licht -Intensitäten verschiedener spectraler Zusammensetzung nicht mehr als 
gleich hell, wenn man sie in gleichem Verhältnisse vergrössert oder verkleinert (sog. 
„Purkinje 'sches Phänomen 44 ). Precht dehnt diesen Satz auf die photographische 
Wirksamkeit der Lichtquellen aus (Analogon zum Purkinje' sehen Phänomen, Archiv 
f. wissensch. Phot. 1899. 8. 281), ohne die Priorität Miethe's zu berücksichtigen (s. 
Eder's Kritik, Phot. Corresp. 1900. Decemberheft). Jedoch ist die weitere Angabe 
Precht's falsch, dass bei sehr ähnlichen Lichtquellen wie bei der Benzin- und Amyl- 
acetat- Flamme sich derartige Einflüsse verschiedener spectraler Zusammensetzung 
geltend machen ; vielmehr kann die photometrische Reduction beider Lichtquellen auf- 
einander für verschiedene Intensitäten und Belichtungszeiten mit constantem Zahlen- 
werthe vor genommen werden (Eder, Jahrb. f. Phot. 1901). 



ACHTZEHNTES GAFITEL. 1 ) 

CHEMIE DER ORGANISCHEN ENTWICKLERSUBSTANZEN. 



Literatur: Dr. M. Andresen in „Die Farben industrie" 1889, Seite 187. — Photo- 
graphische Mittheilungen 1891, S. 124. — A. und L. Lumiere, Revue generale 
dos scienes 1891, S. 442. — Dr. M. Andresen, Photographische Mittheüungco 
1891, S. 286 u. 296. — Dr. M. Andresen, Deutsche Photographen -Zeitung 1892, 
S. 453. — J. Hauff in Feuer baeh, Eder's Jahrbuch 1893, S. 240. — W. K. Gay- 
lard und A. A. Noyes in Boston, Eder's Jahrbuch 1894, S. 19. — Dr. M. An- 
dresen, Photographische Correspondenz 1894, S. 505. — A. und L. Lumiere, 
Los developpateurs organiques en Photographie et le par amidophenol, Paris 1893, 
(Jauthiers- Villars. — Dr. M. Andresen, Eder's Jahrbuch 1895, S. 50. — Ge- 
brüder Lumiere u. S eye wetz, Eder's Jahrbuch 1895, S. 62. — Dr. M. Andre- 
sen, Eder's Jahrbuch 1897, S. 169. — E. Banks, British Journal of Phot 1896, 
S. 677. — Dr. M. Andresen, Photographische Correspondenz 1897, S. 587. — 
Gebr. Lumiere et Seyowetz, Eder's Jahrbuch 1898, S. 100. — Dr. M. An- 
dresen, Phot. Corresp. 1898, S. 445. — E. Votocek, Phot Corresp. 1898, S. 458; 
Eder's Jahrbuch 1899, S. 98. — Dr. M. Andresen, Phot. Corresp. 1899, S. 208, 
211, 260, 396 uud 635. — Gebr. Lumiere u. Seyewetz, Les developpements 
de Timage latente, Paris, 1H99, Gauthiers -Villars. — A. Bogisch, Phot Corresp. 
1900, S. 89. — Dr. M. Andresen, Phot. Corresp. 1900, S. 185. 

1. Abschnitt. 

Zusammenhang zwischen Constitution und Entwicklungs- 

vermögen. 

a) Allgemeines und Geschichtliches. 

Die Photographie mit Bromsilber- Gelatine hatte vom nassen Collo- 
dion - Verfahren die Verwendung der Pyrogallussäure als Entwickler 
übernommen. An die Stelle der sauren Bäder, wie sie die „physi- 
kalische u Entwicklung des nassen Verfahrens benöthigte, traten bei der 
,, chemischen" Entwicklung des latenten Lichtbildes auf Bromsilber- 
Gelatine Entwicklerlösungen, deren Wirksamkeit durch die Anwesenheit 



1) Bearbeitet von Dr. Andresen in Berlin. 



Chemie der organischen EntwicUersnbstanzen. 289 

von Alkalien bedingt wurde. Die Pyrogallussäure ist im nassen 
Coli od ion -Verfahren mit Jodbromsalzen nach und nach durch das Eisen- 
vitriol verdrängt worden, in der Photographie mit Bromsilber- Gelatine 
wird dieselbe auch gegenwärtig noch als vorzüglicher Entwickler ge- 
schätzt. 

Mit der Ausbreitung der modernen Trockenplattenphotographie ist 
die Zahl brauchbarer Entwicklersubstanzen rasch gestiegen. Im Jahre 
1880 wurden Hydrochinon (Abney) und Brenzcatechin (Eder und Töth) 
als Entwickler erkannt, dann folgte 1884 das Hydroxylamin (Carl Egli 
und Arnold Spiller) und 1885 des Phenylhydrazin (Jacobsen, Eder). 
Im Jahre 1888 erhielt Andresen ein Patent auf die Verwendung des 
p-Phenylendiamins als Entwickler. 1889 erkannte derselbe die Ver- 
wendbarkeit gewisser Naphtalinderivate (Eikonogen), 1891 die Verwend- 
barkeit des p-Amidophenols (Rodinal). 

Von Bogisch als Entwickler näher studirte Derivate des p-Amido- 
phenols (Metol, Amidol, Glycin) brachte J. Hauff 1892 zuerst in den 
Handel. 

1897 gelangte auch ein Derivat des o-Amidophenols, das Methyl- 
o-Amidophenol, mit Hydrochinon vermischt, unter dem Namen Ortol 
durch J. Hauff und die Actiengesellschaft für Anilinfabrikation in den 
Handel. Letztere Firma brachte in demselben Jahre das Diogen und 
in Gemeinschaft mit Leopold Cassella in Frankfurt a. M. das Diphenal. 

Neuerdings bringt die Firma Lumiere in Lyon Diamidoresorcin 
und Hydramin sowie die Firmen J. Hauff und E. Schering halogen- 
substituirtes Hydrochinon unter dem Namen Adurol in den Handel. 

Die Einführung all dieser Entwicklersubstanzen in die Photographie 
muss im Grossen und Ganzen als einem Bedürfniss entsprechend er- 
achtet werden, wenn man sich vergegenwärtigt, dass die verschiedenen 
Trockenplattenfabrikate des Handels in ihrem Verhalten beim Entwickeln 
häufig sehr beträchtlich von einander abweichen und dass ferner die 
verschiedenen Zweige der Photographie Anforderungen an den Ent- 
wickler stellen, die in einer einzigen Entwicklersubstanz nicht alle ver- 
einigt sind. 

b) Die wirksamen Gruppen OH und NH 2 . 

Die „chemische" Entwicklung ist ihrem eigentlichen Wesen nach 
durch einen Reductionsprocess charakterisirt, bei welchem belichtetes 
Halogensilber in metallisches Silber übergeführt, nicht belichtetes jedoch 
intact gelassen wird. Die Zahl derjenigen organischen Verbindungen, 
welchen eine derartige Wirksamkeit innewohnt, ist zweifellos ziemlich 
beträchtlich, indessen wird die Uebersicht über diese grosse Classe von 

Eder, Handbuch der Photographie. III. Theil. 5. Aufl. 19 



290 Dritter Theil. Achtzehntes Capitel. 

organischen Verbindungen sehr erleichtert durch die Untersuchungen 
von Andresen, den Gebr. Lumiöre u. A., welche eine Eeihe von Gesetz- 
mässigkeiten zwischen der Constitution und dem Entwicklungsvermögen 
zu Tage gefördert haben. 

Die beiden Elemente, Kohlenstoff (C) und Wasserstoff (H), welche 
an dem Aufbau aller organischen Verbindungen betheiligt sind, 
vermögen allein Entwicklersubstanzen nicht zu erzeugen. Unbedingt 
nothwendig ist das Hinzutreten zweier weiterer Elemente, des Sauer- 
stoffs (0) und des Stickstoffs (N) und zwar in einer gewissen Grup- 
pirung mit Wasserstoff als Hydroxylgruppe OH bezw. als Anrido- 
gruppe NH 2 . 

Organische Verbindungen, welche nur eine dieser einwerthigen 
Gruppen enthalten, wie z. B. Anilin C 6 H 5 NHs oder Carbolsäure 
C 6 H 5 OH, sind jedoch noch keine Entwickler. Es ist vielmehr 
nothwendig, dass mindestens zwei der als wirksam er- 
kannten Gruppen OH oder NHg im Molecül der Verbindung 
vorhanden sind. 

c) Verschiedene Träger der „wirksamen Gruppenpaare". 

Die einwerthigen Gruppen OH und NHj können ihre Valenzen 
unter sich ausgleichen, was dann zur Entstehung der drei Verbindungen 

OH OH NH, 

OH NH 2 NH, 

führt. Diese drei Körper, welche unter den Namen Wasserstoffsuperoxyd, 
Hydroxylamin und Diamin bekannt sind, entwickeln thatsächlich das 
latente Lichtbild auf Chlor- und Bromsilber- Gelatine. Von dem Hydroxyl- 
amin wusste man dies schon durch Egli und Spiller seit 1884; für das 
Diamin und das Wasserstoffsuperoxyd stellte Andresen 1891 bezw. 1899 
die Bedingungen fest, unter welchen auch diese Entwicklungsvermögen 
entfalten. In den genannten drei Substanzen haben wir es gewisser- 
maassen mit den „wirksamen Gruppenpaaren 41 im freien Zustande 
zu thun, denn bei den organischen Verbindungen, welche bisher als 
Entwickler für Chlor- und Bromsilber- Gelatine beschrieben worden sind, 
geschieht die Verknüpfung der „wirksamen Gruppen" durch einen Kohlen- 
wasserstoff kern. Phenylhydrazin C G H 5 NH — NH 2 und Phenylhydroxyl- 
amin C e H 5 XH — OH scheinen eine Ausnahme zu machen. Es mag aber 
darin erinnert werden, dass diese Entwicklersubstanzen sich bei näherer 
Betrachtung als Derivate des Diamins NHj — KHj und des Hydroxyl- 
amins KH, — OH darstellen, bei welchen sich die Valenzen der wirk- 
samen Gruppen unter sich ausgeglichen haben. 



Chemie der organischen Entwicklersubstanzen. 2dl 

Die Mannigfaltigkeit der Kohlenwasserstoffverbindungen ergiebt 
eine ebensolche bezüglich der Entwicklersubstanzen. Immerhin muss 
hervorgehoben werden, dass das Entwicklungsvermögen sich keineswegs 
immer einstellt, sobald zwei „wirksame Gruppen" durch einen solchen 
Kern mit einander verbunden werden. Sogar in dem verhältnissmässig 
einfachen Falle, dass die Vereinigung der Gruppen durch den als 

Aethylen i bekannten Kohlenwasserstoff der Fettreihe bewirkt wird, 
CHg 

kommen keine Körper mit Entwicklungs vermögen zu Stande, denn das 

CH 2 NH2 CH 2 OH 

Aethylendiamin i und das Glycol i zeigen selbst in Gegen- 

CI^NH, CH 2 OH 

wart kaustischer Alkalien keine reducirende Wirkung auf belichtete 

Bromsilber- Gelatine. 1 ) 

Werthvolle Entwicklersubstanzen kommen dagegen zu Stande, wenn 
die Verknüpfung der „wirksamen Gruppen u durch die Kohlenwasserstoffe 
der aromatischen Reihe vermittelt wird. So haben wir eine grosse An- 
zahl Entwicklersubstanzen, welche der Benzolreihe angehören, andere, 
welche der Naphtalinreihe entspringen. Auch das Diphenyl lieferte 
eine Entwicklersubstanz, welche in die photographische Praxis ein- 
geführt wurde, das Diphenal. 

Bei dem heutigen Stande unserer Kenntniss der Entwickler- 
substanzen haben wir das Benzol und das Naph talin als die wich- 
tigsten Träger der „wirksamen Gruppenpaare" anzusehen. 

d) Das Oxychinolintetrahydrür als Entwickler. 

Die Firma Lembach und Schleicher in Biebrich a. Rh. erhielt 1895 
ein deutsches Patent auf die Verwendung von hydrirten Oxychinolinen 
und Oxytoluchinolinen als Entwickler für halogensilberhaltige Schichten. 
Obwohl bisher keine der geschützten Verbindungen in den Handel ge- 
kommen ist, so verdienen dieselben dennoch unser Interesse, weil Ent- 
wicklersubstanzen mit hydrirtem Kern bisher nicht näher beschrieben 
worden sind. 

CH CHf < 

Oxychinolintetrahydrür C J T J CH * 

OH 

entsteht durch Reduction von 

CH CH 

Oxychinolin cIQQch 

C N 
OH 



1) Unveröffentlichte Untersuchuug vou Aodresen uod Leupold. 

19» 



292 Dritter Theil. Achtzehntes Capitel. 

Um ein Urtheil darüber zu gewinnen, auf welche Gruppen und 
Elemente das Vorhandensein des Entwicklungsvermögens zurückzuführen 
ist, untersuchten Andresen und Leupold 1 ) zunächst das Verhalten des 
Oxychinolins und stellten fest, dass dieses selbst in ätzalkalischer Lösung 
Bromsilber- Gelatine nicht entwickelt. 

Die vorhandene OH- Gruppe ergiebt daher mit dem Stickstoff des 

Pyridinkerns in Orthosteilung kein „wirksames Gruppenpaar". Darauf 

wurde Chinolintetrahydrür 

cii cn a 

CH \/\/ CH 2 

CH NH 

dargestellt und untersucht. Auch dieses zeigte in ätzalkalischer Lösung 
kein Entwicklungsvermögen, womit festgestellt wurde, dass auch die 
angelagerten vier Wasserstoffatome das latente Bild auf Brom- 
silber-Gelatine jiicht zu entwickeln vermögen. 

Somit bleibt zur Erklärung der Wirksamkeit des Oxychinolin- 
tetrahydrürs nur noch die Annahme, dass die OH-Gruppe mit der 
Imidgruppe NU in Orthostellung die „wirksame" Gruppirung bildet Wir 
haben es daher in dem Oxychinolintetrahydrür nicht mit einem Aus- 
nahmefalle zu thun, indem auch hier die schon früher als „wirksam" 
erkannten Gruppen OH und NHg dem Entwicklungsvermögen zu 
Grunde liegen. 

e) Bedeutung der Ortsisomerie für das Entwicklungs- 
vermögen. 

1. In der Benzolreihe. 

Werden zwei Wasserstoffatome des Benzols durch andere Elemente 
oder einwerthige Gruppen ersetzt, so sind, je nach der Stellung, 
welche die Substituenten zu einander einnehmen, drei Isomeriefälle 
möglich. Schematisch gelangt dies zum Ausdruck in folgender Weise: 

-»- + + 

o + o 

Orthostellung Metastellung Parastellung. 

Dies auf die als „wirksam" erkannten Gruppen OH und NHj ange- 
wendet, ergiebt drei Eeihen isomerer Disubstitutionsproducte des Benzols, 
die sämmtlich auf ihr Entwicklungsvermögen untersucht worden sind: 




1) Bisher unveröffentlichte Untersuchungen. 



Chemie der organischen Entwioklersubstanzen. 



293 



Orthoreihe 



Metareihe 



Parareihe 



OH 



0" 



Brenzcateohin 



OH 




>H 
Resorcin 




Hydrochinon 



OH 

Cr** 

Orthoamidophenol 



OH 




WH, 

Metamidophenol 




Paramidophenol 



NH. 




NH„ 



Orthophenylendiamin 



NH, 




'NH a 
Metaphenylendiamin 




Paraphenylendiamin. 



Die diesbezüglichen Untersuchungen haben ergeben, dass die drei 
Verbindungen der Metareihe keine Entwickler sind. Dagegen be- 
sitzen die entsprechenden Körper der Ortho- und Parastellung aus- 
nahmslos Entwicklungsvermögen und zwar ist dieses in der Parareihe 
am kräftigsten ausgebildet. Ein Unterschied giebt sich weiter zu er- 
kennen bezüglich der Natur der wirksamen Gruppen. Die Dioxybenzole 
wirken energischer auf Bromsilber -Gelatine ein als die Amidophenole, 
und diese wieder kräftiger als die Diamidobenzole. Beim Hydrochinon 
ist z. B. das erwünschte Maass schon etwas überschritten, so dass ge- 
wöhnlich ein Zusatz von Bromkalium gemacht werden niuss, um seine 
Wirkung auf das belichtete Bromsilber zu beschränken. 

Das Amidophenol und das Diamidobenzol der Parareihe entfalten 
ihr Entwicklungsvermögen schon bis zu einem gewissen Grade mit 
Natriumsulfit allein. 

2. In der Naphtalinreihe. 

Die Isomerieverhältnisse liegen wesentlich complicirter bei den 
Naphtalinderivaten. Während es z. B. in der Benzolreihe nur 3 Dioxy- 
benzole gibt, sind nicht weniger als 10 Dioxynaphtaline möglich und 
auch bereits dargestellt. Unsere Erfahrungen sind wegen der Fülle der 
zu untersuchenden Verbindungen noch lückenhaft und erreichen nur 
bei den Dioxynaphtalinen eine gewisse Vollständigkeit. Andresen und 
Leupold 1 ) unterzogen von den 10 möglichen Dioxynaphtalinen 8 einer 
etwas genaueren Untersuchung auf Entwicklungsvermögen. 



1) Unveröffentlichte Untersuchungen. 






294 Dritter Theil. Achtzehntes Capitel. 

Ordnet man diese Dioxynaphtaline nach der Energie, mit welcher 
dieselben das latente Lichtbild hervorrufen, so gelangt man zu folgender 

Reihenfolge: 

12 3 4 

OH OH OH 

CO" 

OH OH 

5 6 7 8 

OH OH OH 

°<X) CO 00= -CCr 

1 und 2 wirken ausserordentlich energisch; 3 und 4 sind von 
mittlerer Kraft; 5, 6 und 7 arbeiten langsam; 8 äussert auch bei 
lange fortgesetzter Entwicklung kein Reductionsvermögen für das latente 
Lichtbild. 

Praktische Verwendung in der Photographie haben von Naphtalin- 
derivaten bisher nur die Mono- und Disulfosäure des l:2-Amidonaphtols 
gefunden (Eikonogen, Diogen). 

f) Einfluss von Substitutionen auf das Entwicklungsvermögen. 

Die Substitutionsproducte von Entwicklersubstanzen zeigen vielfach 
ein abweichendes Verhalten beim Entwickeln. Bei der Betrachtung 
dieser Verhältnisse haben wir zu unterscheiden, ob die Substitution 
sich auf die Wasserstoffatome des Kerns erstreckt oder ob die 
Wasserstoffatome der wirksamen Gruppen OH und NH^ ersetzt wor- 
den sind. 

1. Kernsubstitutionen. 

«) Substitution durch wirksame Gruppen. 

Durch Einführung einer dritten, wirksamen Gruppe in den Kern 
einer Entwicklersubstanz wird das Entwicklungsvermögen gehoben. Pyro- 

0H OH 

gallol C 6 H 3 OH entwickelt z. B. energischer als Brenzcatechin CjH 4 "£=. 

OH 0H 

OH 
Die beim Paramidophenol C 6 H 4 xttt schon vorhandene, aber noch un- 

£ 

genügend ausgebildete Eigenschaft, schon mit Natriumsulfit allein zu 

OH 

entwickeln, erscheint im Amido-p-Amidophenol (Amidol) C 6 H 8 NH 1 bis 

NH, 
zur praktischen Verwerthbarkeit gesteigert. 

Von bestimmendem Einflüsse ist auch hier wiederum die Stellung 

der wirksamen Gruppen zu einander. Die symmetrisch substituirten Ben- 



Chemie der organischen Entwicklersubstanzen. 295 

OH(l) OH (1) 

zolderivate, wie Phloroglucin C 6 H 3 OH(3), Diamidophenol C 6 H 8 NH2(3), 

OH (5) NH 2 (5) 

in welchen je zwei wirksame Gruppen stets die Metastellung einnehmen, 

entwickeln überhaupt nicht. Dagegen haben wir die interessante That- 

sache zu constatiren, dass Verbindungen der Metareihe wie Sesorcin 

QTT/1\ NU il) 

C 6 H 4 qtt iqL Metaphenylendiamin C 6 H 4 tr-rr 2 m und Metamidophenol 

C 6 H 4 ^tt Jq(, die als solche nicht hervorrufen, durch den Eintritt einer 

weiteren wirksamen Gruppe energische Entwickler werden. So geht z. B. 

NH (1^ 
das Metaphenylendiamin C 6 H 4 ^tj 2 /q\ durch den Eintritt der Hydroxyl- 

OH (1) 
gruppe in Amidol C 6 H 3 NH 2 (2), also in einen unserer kräftigsten Ent- 

NH,(4) 

wicklersubstanzen über. 

Für das Diphenyl haben sich abweichende Verhältnisse ergeben, 
indem keine Zunahme des Entwicklungsvermögens eintritt, wenn eine 
dritte wirksame Gruppe in den zweiten Kern dieses Kohlenwasserstoffes 
eingeführt wird. 

Diamidooxydiphenyl C 6 H 4 -C 6 H 8 vtt } J verhält sich wie Para- 

amidophenol C 6 H 41S ttt 2 ( Jy 

Was den Naphtalinkern betrifft, so ist zunächst hervorzuheben, 
dass Naphtalinderivate mit zwei wirksamen Gruppen auch noch Ent- 
wicklungsvermögen zeigen können, wenn diese Gruppen sich auf beide 
Kerne vertheilen. Tritt eine dritte wirksame Gruppe hinzu, so be- 
wirkt diese im Allgemeinen eine Steigerung des Entwicklungsvermögens, 
ganz gleichgültig, in welchen Kern die neu eintretende Gruppe ein- 
geführt wird. Die von G. Schultz als Entwickler erkannten Diarnido- 
naphtolsulfosäuren (D. R. P. 101953 vom 23. October 1897), welchen 
folgende typische Stellung der wirksamen Gruppen zu Grunde liegt: 

NH 2 OH 

WH a 




stellen die ersten Entwickler dar, welche bei der Vertheilung der 
drei wirksamen Gruppen auf zwei Kerne schon mit Sulfit allein 
energisch hervorrufen (Precht hatte dies irrthümlicherweise von dem 
Diamidooxydiphenyl gesagt). Leider sind die gebrauchsfertigen Lösungen, 
welche diese Körper liefern, sehr wenig haltbar und sie ertheilen den 



296 Dritter Theil. Achtzehntes Capitel. 

Negativen eine intensiv gelbe Färbung, welche sich erst bei längerem 
Wässern verliert 

Tritt eine vierte wirksame Gruppe ein, so ist dies von einer 
weiteren Zunahme der Energie begleitet. 

OH 

NH 
Triamidophenol C 6 H 21S ttt 2 kann z. B. nur noch in bisulfithaltiger, 

NH 2 

also ausgesprochen saurer Lösung zum Entwickeln klarer Negative 
verwendet werden. Eine Entwicklersubstanz dieser Art ist auch das 
Diamidoresorcin, welche die Firma Lumiöre in den Handel bringt 



ß) Substitution durch andere einwerthige Atome oder Atomgruppen. 

Nähere Erfahrungen liegen vor über die Halogene (Cl, Br), der 
Sulfo-(S0 3 H) und der Carboxylgruppe (COOH), sowie der Ketongruppe 
(CO). Bezüglich der Halogene ist beobachtet worden, dass dieselben 
unter Umständen die Energie der Muttersubstanz, namentlich deren 
„Rapidität", steigern können. Dies trifft z. B. ein beim Chlor- und 
Bromhydrochinon. Andresen wies nach, dass diese Erscheinung auf 
den Ersatz der Halogene durch die Sulfogruppe während des Entwick- 
lungsvorganges zurückzuführen ist. 

Die Sulfogruppe S0 3 H und noch mehr die Carboxylgruppe COOH 
drücken das Entwicklungvermögen der Muttersubstanz energisch herunter. 
Dies gilt insbesondere in der Benzolreihe, während die Erscheinung bei 
entsprechenden Derivaten der Naphtalinreihe weit weniger ausgeprägt 
ist, so dass wir z. B. in der a { : /^-Amidonaphtolsulfosäure, dem Eiko- 
nogen, einen unserer energischsten Entwickler besitzen. Die der Benzol- 

OH 

reihe entstammende Paramidophenolsulfosäure C 6 H 8 NH 2 entwickelt mit 

S0 8 H 

kohlensauren Alkalien äusserst wenig, und es bedarf eines Zusatzes von 

Aetzalkalien, um das Entwicklungsvermögen zu wecken. Gallussäure 

OH 0H 

C 6 H 2 r)TT un< * Protocatochusäure CuHgOH entwickeln überhaupt 

COOH C00H 

OH 

OH 
nicht, während Gallussäureäthyläther C g H 2 ^tt wieder hervorruft. 

COOC 3 N 5 
Die abschwächende Wirkung der Carboxylgruppe wird daher durch 
deren Aetherificirung zum grössten Theile wieder aufgehoben. 



Chemie der organischen Entwicklersubstanzen. 297 

Die Gebr. Lumiöre und Seyewetz haben untersucht, welche Wir- 
kung die Gegenwart der Ketongruppe CO ausübt und gelangen zu 
folgender Schlussfolgerung: 

1. Die Substitution der Eetongruppe CO in einen Kern, der ein 
oder mehrere Hydroxyl -Gruppen paare enthält, ändert die Entwickler- 
kraft, welche die Gruppenpaare dem Kerne verleihen, nicht merklich, 
wenn die freie Valenz der Eetongruppe durch ein Alkyl oder einen 
zweiten aromatischen Kern ohne Hydroxyl ausgeglichen ist. 

Galloacetophenon C 6 H 2 k^ Ar entwickelt, desgleichen Trioxybenzo- 

phenon C 6 H 5 — CO -C 6 H 2 (OH) 3 . 

2. Die Entwicklerkraft geht verloren, sobald ein oder mehrere 
Hydroxylsubstitutionen in diesem zweiten aromatischen Kerne statt- 
finden,' gleichgültig, wie die relative Stellung der Hydroxyle ist. 
C 6 H 2 (OH) 3 — CO — C G H 2 (OH) 3 entwickelt nicht. Dieses letztere Resultat 
muss befremden und legt die Vermuthung nahe, dass das Condensations- 
product nicht die obige Zusammensetzung besitzt, sondern dass die 
Hydroxylgruppen beim Verschmelzen von Pyrogallussäure und Gallus- 
säure mit Chlorzink Anhydridbildung eingehen, wodurch dann das 
Entwicklungsvermögen erlöschen muss. 

2. Substitutionen in den wirksamen Gruppen. 

Es haben sich für das Verhalten der in den wirksamen Gruppen 
substituirten Entwicklersubstanzen folgende Gesetzmässigkeiten ergeben: 

1. Ersatz eines Hydroxylwasserstoffes in Entwicklersubstanzen der 
Benzolreihe mit nur zwei OH -Gruppen oder einer OH- und einer 
NH 2 - Gruppe zerstört bereits das Entwicklungs vermögen der Verbin- 
dungen gänzlich. 

Die Verbindungen C 6 H 4 q C tt und C 6 H 4 q^, 2 tt sind z. B. keine 

Entwickler. 

2. Ersatz der Wasserstoffatome der Amidogruppe zerstört das 
Entwicklungsvermögen nicht. 

3. Erfolgt die Substitution der Wasserstoffatorne der Amidogruppe 
durch Kohlen wasserstoffreste der Fettreihe (Alkyle), so wird unter Um- 
ständen im Gegentheil eine Steigerung des Entwicklungsvermögens 

(OH OH \ 

z.B. Metol C 6 H 4vH gegen Paramidophenol CgH^Tj ). 



298 Dritter Theil. Achtzehntes Capitel. 

2. Abschnitt. 

Bedingungen für die Wirksamkeit und die praktische Brauchbar- 
keit organischer Entwicklersubstanzen. 

a) Allgemeine Eigenschaften der Entwicklersubstanzen. 

1. Als die wesentlichste Bedingung für die praktische Anwend- 
barkeit] einer als Entwicklersubstanz erkannten Verbindung muss die 
Eigenschaft derselben bezeichnet werden, belichtete Halogensilber- 
Gelatine bis zur Entwicklerschwelle zu reduciren, ohne gleich- 
zeitig auf nicht belichtete Partien des Halogensilbers ein- 
zuwirken. 

Je nach ihrer Constitution erfüllen die verschiedenen Entwickler 
diese Bedingung in sehr verschiedenem Grade. Man kann in Bezug 
auf dieses Verhalten folgende Gruppen unterscheiden: 

a) Entwicklersubstanzen, welche ein bestimmtes Minimum des 
Productes aus Lichtintensität und Expositionszeit hervorrufen, bevor 
die Reduction des nicht belichteten Halogensilbers einsetzt Dieser 
Kategorie ordnen sich die im Handel befindlichen Entwicklersub- 
stanzen mehr oder weniger vollkommen unter. 

ß) Entwicklersubstanzen, welche bei einem Minimum eines 
schwachen Alkalis das latente Lichtbild schon energisch hervor- 
rufen, gleichzeitig aber auch unbelichtetes Halogensilber reduciren (z.B. 
Toluhydrochinon). Um in diesem Falle bis zur „Enwicklerschwelle* 
hervorrufen zu können, bedarf es des Zusatzes sehr bedeutender Mengen 
eines Salzes, welches die Reduction des nicht belichteten Halogensilbers 
zurückhält (Bromkalium). 

y) Entwicklersubstanzen, welche bei einem Maximum eines 
energischen Alkalis das latente Lichtbild nur äusserst träge hervor- 
rufen und schliesslich dennoch auch das unbelichtete Halogensilber an- 
greifen und reduciren, bevor die eigentliche Entwicklung beendigt ist 
Derartige Verbindungen sind z. B.: 

1 : 8-Amidonaphtol-4-sulfosäure, 

Hydroxylaminchlorhydrat, 

Paraphenylendiaminsulfosäure, 

Phenylhydrazin, 

Dimethyl-p-Amidodiphenylglycin. 

2. Maassgobend für die Verwendbarkeit einer Verbindung als 
Entwicklersubstanz ist ferner deren Löslichkeit in Wasser. 

Erwünscht ist, dass sich concentrirte Vorrathslösungen herstellen 
lassen, unbedingt erforderlich aber ist, dass die Substanz sich in solcher 



Chemie der organischen Entwicklersubstanzen. 299 

Menge in Wasser löst, dass sich Negative mit richtigen Dichtigkeits- 
abstufungen (Gradation) damit hervorrufen lassen. 

Entwicklersubstanzen, welche eine oder mehrere Amidogruppen 
enthalten, bilden häufig leicht lösliche Salze mit Mineralsäuren. Die 
Löslichkeit dieser Salze ist jedoch deshalb nicht maassgebend, weil die- 
selben sich in Gegenwart von Alkalien, die ja jede Entwicklerlösung 
enthält, wieder unter Rückbildung der ursprünglichen Base zerlegen. 
Dagegen gibt es mehrere Mittel, die Wasserlöslichkeit von Entwickler- 
substanzen zu erhöhen. 

a) Entwicklersubstanzen, welche eine OH- Gruppe enthalten, pflegen 
mit kaustischen Alkalien leicht lösliche Phenolate zu geben. Das 
fast unlösliche Diamidooxydiphenyl gibt ein leicht lösliches Phenolat, 
welches im Diphenal enthalten ist. 

b) Durch Einführung der Sulfo- bezw. Carboxylgruppe kann 
schwerlöslichen Entwicklersubstanzen eine genügende Löslichkeit ertheilt 
werden. Namentlich führt dieser Weg bei den Entwicklern der 
Naphtalinreihe ohne bemerkenswerthen Verlust an Entwicklungsvermögen 
zum Ziele. So gibt z.B. das schwerlösliche a x i^-Amidonaphtol das 
hinreichend lösliche amidonaphtolsulfosaure Natron (Eikonogen). 

c) Schwerlösliche Entwicklersubstanzen, welche eine Amidogruppe 
enthalten, können nicht selten durch Chloressigsäure in Glycine ver- 
wandelt werden, welche leichtlösliche Alkalisalze bilden. 

OH 
Paramidophenol C 6 H 4 ^tt gibt in Alkalien leicht lösliches Oxy- 

OH 
phenylglycin C 6 H^H ^ ^ 

d) Schwerlösliche Entwicklersubstanzen, welche wie unter c eine 

Amidogruppe enthalten, werden im Allgemeinen leichter wasserlöslich 

durch Alkylirung der Amidogruppe. 

OH 
Paramidophenol C 6 H 4 ^tt ist schwerer löslich als Methylparamido- 

OH 
phenol C 6 H 4 H (Metol). 

e) Durch Einführung der Halogene in den Kern eines Entwick- 
lers wird manchmal die Löslichkeit in Wasser erhöht. Monobrom- 
hydrochinon ist z. B. leichter löslich als Hydrochinon. 

3. Von Wichtigkeit für die Anwendbarkeit einer Entwicklersubstanz 
ist es ferner, dass die gebrauchsfertige alkalische Lösung derselben eine 
gewisse Haltbarkeit besitzt. 

Erwünscht ist in dieser Hinsicht, dass die Haltbarkeit eine so 
grosse ist, dass sich die gebrauchsfertige Lösung auch in nicht vollen 



300 Dritter Theil. Achtzehntes CapiteL 

Flaschen während einer längeren Arbeitsperiode hält. Dies trifft jedoch 
bei den meisten Entwicklern nur in unvollkommener Weise zu. Die 
Veränderung, welche man an der Lösung beobachtet (Bräunung, Ver- 
lust an Entwicklungs vermögen), wird herbeigeführt durch Aufnahme 
von Sauerstoff aus der atmosphärischen Luft. Die Neigung der Ent- 
wicklersubstanzen sich zu oxydiren, ist grösser in alkalischer als in 
neutraler oder schwach saurer Lösung, grösser bei höherer Temperatur 
als bei niedriger. 

Der Oxydation s Vorgang verläuft ferner um so schneller, je grösser 
die Oberfläche ist, welche die Lösung der Luft darbietet. Hiernach 
sind die Mittel an die Hand gegeben, das Verderben der Lösungen 
möglichst zu vermeiden. Dieselben sind: 

a) Man vermeide, die Lösung mehr als durchaus noth wendig mit 
der Luft in Berührung zu bringen, bewahre dieselbe an einem kühlen 
Orte in gut verschlossenen Flaschen auf und wähle deren Grösse so, 
dass dieselben thunlichst bis zum Flaschenhals gefüllt sind. 

b) Man verwende luftfreies (ausgekochtes) Wasser beim Ansetzen 
der Entwickler oder, da ein solches Wasser nicht stets zur Verfügung 
ist, man stelle dio Lösungen mit kochendheissem Wasser her und fülle 
dieselben, so lange sie noch warm sind, in Flaschen ab. 

c) Man verwende nur bestes Natriumsulfit (siehe dieses). 

d) Man arbeite event. mit zwei Lösungen, einer solchen aus der 
Entwicklersubstanz und dem Natriumsulfit und einer zweiten, welche 
das erforderliche Alkali enthält und mische beide erst kurz vor dem 
Gebrauch in dem vorgeschriebenen Verhältnisse. 

e) Man neutralisire nöthigenfalls (wie dies z. B. beim Pyrogallol- 
p]nt\vickler gewöhnlich ausgeführt wird) die Entwickler-Sulfit-Lösung 
mit einer ausreichenden Menge einer Säure oder besser mit einer Lösung 
von Kaliummetabisulfit l : 2. 

4. Die Entwicklerlösung darf nicht färbend auf die Gelatine 
wirken bei der (Entwicklung. 

Die Neigung gewisser Entwicklersubstanzen, gelb oder rothgelb 
gefärbte Negative zu liefern, trifft gewöhnlich mit einer nur geringen 
Haltbarkeit der Lösungen zusammen. Alle Maassregeln, welche diese 
erhöhen, drücken gleichzeitig die Neigung, Gelbfärbung zu geben, herab. 
Viele Entwicklersubstanzen der Naphtalinreihe sind werthlos, weil intensiv 
gelb gefärbte Negative damit erhalten werden. Die im Negativ vorhandene 
Gelbfärbung ist gewöhnlich nicht leicht zu entfernen. In manchen 
Fällen verschwindet die Gelbfärbung bei andauerndem Wässern. Oft 
sind dagegen saure Bäder, namentlich solche aus Bisulfiten (10 Proc. 



Chemie der organischen Entwioklersubstanzen. 301 

Lösung von Kaliummetabisulfit) erforderlich und manchmal will die 
Färbung überhaupt nicht weichen. 

Die Gelbfärbung pflegt an den weniger gedeckten Partien des 
Negativs am stärksten aufzutreten. 

Bromkaliumgehalt des Entwicklers begünstigt das Auftreten der 
Gelbfärbung. 

5. Die Entwicklersubstanz soll ihr Entwicklungsvermögen ent- 
falten, ohne dass überschüssige Aetzalkalien zugeführt werden müssen. 

Diese Bedingung muss gestellt werden, weil es sich einerseits 
nicht vermeiden lässt, dass die Finger des Operirenden mit der Lösung 
in Berührung kommen und andererseits mit Rücksicht darauf, dass der 
Träger des lichtempfindlichen Silbersalzes, die Gelatine, durch kaustische 
Alkalien angegriffen wird, was sich dann durch Kräuseln der Schicht 
am Rande bezw. durch völliges Ablösen der Schicht von der Unterlage 
zu erkennen gibt. Ist die zu Grunde gelegte Entwicklersubstanz ihrer 
Constitution nach befähigt, Phenolate zu bilden, so ist gegen die Ver- 
wendung einer solchen Menge eines Aetzalkalis, als erforderlich ist, 
um die Phenolatbildung eben zu Ende zu führen, nichts einzuwenden. 
(Das aus Paramidophenol vermittels Aetzalkalien bereitete Rodinal findet 
z. B. die ausgedehnteste Anwendung als Entwickler.) Dagegen muss 
es als sehr misslich bezeichnet werden, wenn diese Menge erheblich 
überschritten wird, oder wenn zur Verwendung von Aetzalkalien ge- 
griffen werden muss bei Entwicklersubstanzen, die keine Hydroxyl- 
gruppen enthalten und somit auch keine Phenolate bilden können. 
Derartige stark alkalische Lösungen greifen die Schicht der Platten in 
so hohem Grade an, dass ein andauerndes Arbeiten, namentlich während 
der warmen Jahreszeit, nicht möglich ist. Derartigen Lösungen vermag 
ferner die Haut der Finger auf die Dauer nicht Widerstand zu leisten; 
es stellen sich gewöhnlich bald kleine offene Wunden ein, deren Heilung 
recht langwierig zu sein pflegt. 

6. Eine Entwicklersubstanz hat einen um so höheren Werth, je 
ausgesprochener dieselbe die Eigenschaft besitzt, sich gegen Ueber- 
bezw. Unterexposition abstimmen zu lassen. 

b) Wesentliche Zusätze bei der Herstellung der Entwickler- 
lösungen. 

Die organischen Entwicklersubstanzen werden in Form mehr oder 
weniger concentrirter wässeriger Lösungen verwendet, welche ausser 
neutralem Natriumsulfit meist noch ein besonderes Alkali enthalten. 
Diese Materialien können einen sehr verschiedenen Grad der Reinheit 
haben, so dass einige Angaben hierüber von Nutzen sein werden. 



302 Dritter Theil. Achtzehntes Capitel. 

1. Das Wasser ILjO. Was die Qualität des Wassers betrifft, dessen 
man sich in der Photographie als Lösungsmittel bedient, so kommt in 
erster Linie das destillirte Wasser in Betracht. Es soll völlig neu- 
tral reagiren, färb- und geruchlos sein und darf weder mit Chlorbarium, 
noch mit Höllenstein einen Niederschlag geben und beim Eindampfen 
keinen merklichen Rückstand hinterlassen. Verwendbar zum Ansetzen 
der Entwicklerlösungen sind in vielen Fällen auch die städtischen 
Leitungs wässer, sowie auch Regen- und Brunnenwasser. Ein geringer, 
beim Hinzufügen der Soda oder der Pottasche entstehender Nieder- 
schlag kann durch Filtriren der Lösung entfernt werden. 

Hinsichtlich des Verhältnisses, in welchem Entwicklersubstanz und 
Wasser bei der Bereitung von Entwicklerlösungen genommen werden, 
ist hervorzuheben, dass es sich meist um starke Verdünnungen handelt. 
Der Grad der Verdünnung richtet sich nach der Natur der betreffenden 
Entwicklersubstanz. Hinsichtlich der Wirkungsweise besteht die Gesetz- 
mässigkeit, dass unter sonst gleichen Umständen stärkere Lösungen dem 
Bilde grössere Cont raste geben als dünnere. Dies ist eines jener Mittel, 
deren der Photograph sich zu bedienen hat, um auf den Charakter des 
Bildes bei der Entwicklung einzuwirken. 

2. Conservirende Salze. Die Entwicklersubstanzen sind ziem- 
lich unbeständige Verbindungen. Namentlich erleiden dieselben in 
wässeriger Lösung durch Aufnahme von Sauerstoff aus der Luft 
leicht Veränderungen, welche ihre Verwendbarkeit zum Entwickeln 
schädigen. Man fügt denselben daher gewisse Salze in grösserer Menge 
zu, welche das Verderben verhindern oder doch verlangsamen. Das 
gebräuchlichste Conscrvirungsmittel ist das 

a) Natriumsulfit Na, S0 3 + 7H 2 0. Dasselbe kommt in zwei Formen 
in den Handel und zwar in grossen, klaren, kry stall wasserhaltigen 
Krystallen von obiger Zusammensetzung und in Form eines feinkörnigen 
Pulvers, welches wasserfrei ist. Letzteres ist doppelt so stark wie 
das krystallisirte Product, was beim Ansetzen der Lösungen natürlich 
stets zu berücksichtigen ist. Die Erfahrung hat gelehrt, dass man im 
Allgemeinen nach dem Aussehen des krystallisirten Natriumsulfits keine 
sicheren Schlüsse auf seiue Zusammensetzung machen kann. Höchstens 
lässt sich mit dem Auge die begonnene Verwitterung erkennen. Nun 
schwanken aber die Handelssorten (auch völlig unverwitterte) nicht nur 
in ihrem Procentgehalt an reinem Natriumsulfit, sondern auch hinsicht- 
lich der Alkalinität in so bedenklicher Weise, dass es dringend noth- 
wendig ist, auf diesen Punkt zu achten. Es sind Producte im Handel, 
die nur 70 Proc, aber auch solche, die über 90 Proc. Natrinmsulfit 
enthalten uud es trifft sich, dass gerade die unreinsten Sorten auch am 



Chemie der organischen Entwicklersubstanzen. 303 

stärksten alkalisch reagiren. Welche Verwirrung hierdurch entstehen 
kann, namentlich beim Gebrauch von Amidol, welches bekanntlich 
ausser dem Natriumsulfit kein besonderes Alkali erfordert, wird Jedem 
ohne Weiteres einleuchten. 

Eine nie fehlende Verunreinigung des käuflichen Natriumsulfits 
ist ferner das schwefelsaure Natron (Glaubersalz). Dies ist ein- 
leuchtend, wenn man erwägt, wie leicht das neutrale schwefligsaure 
Natron in wässeriger Lösung in dieses Salz übergeht. Leitet man 
nämlich atmosphärische Luft durch eine wässerige Lösung von Natrium- 
sulfit, so geht dasselbe schnell und vollständig in schwefelsaures 
Natron über. Auch beim Stehen von Sulfitlösungen an der Luft tritt 
die Oxydation zu Sulfat verhältnissmässig schnell ein. Eine Lösung 
von 50 g neutralem schwefligsauren Natron mit 83 Proc. reinem Salz 
in 250 ccm Wasser, welche in einer offenen Schale der Luft ausgesetzt 
worden war, enthielt nach Verlauf von 14 Tagen nur noch Spuren 
des schwefligsauren Salzes. 

Eine Untersuchung des käuflichen Natriumsulfits, welche Andre- 
sen gemeinschaftlich mit Dr. Bensemann ausführte, ergab, dass sich 
darin ausser Natriumcarbonat und Natriumsulfat als nie fehlende Ver- 
unreinigung noch eine dritte Verbindung in wechselnder, meist nicht 
unbeträchtlicher Menge vorfindet Deren Erkennung erforderte zahl- 
reiche Versuche. Die Resultate der angestellten Experimente finden 
nur dann eine befriedigende Erklärung, wenn man annimmt, dass diese 
Beimengung basisch unterschwefelsaures Natron ist, Na 4 S 2 7 . 

Es wurde eine sichere Methode gefunden, Natriumsulfit, Natrium- 
sulfat und unterschwefelsaures Natron nebeneinander zu bestimmen. 

Folgendes Beispiel möge die Zusammensetzung eines käuflichen 
Natriumsulfits von geringerer Qualität veranschaulichen. 

Wasser 50,00 Proc. 

Natriumsulfit 36,71 „ 

Basisch unterschwefelsaures Natron . . 9,78 „ 
Natriumsulfat 4,63 „ 

Das Vorkommen von unterschwefelsaurem Natron im käuflichen 
Natriumsulfit erscheint erklärlich, wenn man bedenkt, dass dasselbe 
durch Behandlung wässeriger Sulfitlösungen mit gelinden Oxydations- 
mitteln erhalten werden kann. 

Unterschwefelsaures Nation steht hinsichtlich seines Sauerstoff- 
gehaltes in der Mitte zwischen dem Natriumsulfit und dem Natrium- 
sulfat Letzteres ist das Endproduct der Oxydation. 

Weitere Versuche ergaben, dass das basische unterschwefelsaure 
Natron auf Lösungen von Entwicklersubstanzen nicht conservirend 



304 Dritter Theil. Achtzehntes Capitel. 

wirkt. Seine Anwesenheit im käuflichen Natriumsulfit ist aus einem 
doppelten Grunde misslich, erstlich, weil ein derartiges Product von 
vornherein um so viel ärmer ist an Sulfit als der Gehalt an basisch 
schwefelsaurem Natron beträgt, zweitens aber, weil bei Anwesenheit 
grösserer Mengen dieser Verunreinigung stärkere alkalische Lösungen 
erhalten werden, was wiederum beim Amidol und Diamidoresorcin 
durchaus nicht erwünscht ist. 

Wir verfügen nicht über eine einfache Methode, die Zusammen- 
setzung des Natriumsulfits zu prüfen; es ist daher jedem Photographirenden 
anzurathen, bei Beschaffung seines Bedarfs an Natriumsulfit die nöthige 
Vorsicht walten zu lassen. 

b) Kaliummetabisulfit K 2 S 2 5 . Dasselbe ist in nahezu chemisch 
reiner Form in grossen hellen, sehr harten Krystallen im Handel. Seine 
Zusammensetzung schwankt äusserst. w r enig. Während die wässerige 
Lösung des gewöhnlichen Natriumsulfits stets schwach alkalisch 
rcagirt, zeigen die Lösungen des Kaliummetabisulfits saure Reaction. 
Seine Anwendungsweise ist daher auch verschieden von derjenigen des 
Natriumsulfits. 

3. Die Alkalien. Sulfithaltige, wässerige Lösungen von Ent- 
wicklersubstanzen besitzen im Allgemeinen noch kein genügendes Ent- 
wicklungsvermögen. Es bedarf vielmehr des Zusatzes eines Alkalis, um 
die volle entwickelnde Kraft der Substanz zu entfalten. Nur Amidol 
und Diamidoresorcin machen eine Ausnahme von dieser Regel. Von 
den Alkalien kommen zur Verwendung: 

a) Die Soda (Natriumcarbonat) Na 2 C0 3 . Dieselbe kommt in zwei 
Formen in den Handel; in grossen, wasserhellen Krystallen, v,elche 
leicht unter Verlust von Krvstallwasser verwittern und in einer wasser- 
freien Form als „calcinirte Soda". Diese ist etwa 2,5 Mal so stark wie 
die krystallisirte Sorte. Die Reinheit der Handelswaare ist verhältniss- 
mässig gross, so dass die krystallisirte Soda, wie sie in jedem Haus- 
halt verwendet wird, in den meisten Fällen ohne Bedenken genommen 
werden kann. 

b) Pottasche (Kaliumcarbonat) K 2 C0 3 . Dieselbe bildet gewöhnlich 
eine weisse, krümelige ilasse, welche aus der Luft Wasser anzieht und 
schliesslich zertliesst. Die verschiedenen Sorten des Handels schwanken 
nicht unbeträchtlich in ihrer Güte, so dass Vorsicht beim Einkauf ge- 
boten ist. Manchmal sind dieselben eisenhaltig, was Nachtheile im 
Gefolge haben kann. 

c) Aetzalkalien. Aetzkali(KOH) und Aetznatron (Na OH) kommen in 
genügender Reinheit in den Handel, gewöhnlich in Stangenform. Sie 
ätzen die Haut und absorbiren rasch Kohlensäure aus der Luft, wodurch 



Chemie der organischen Entwioklersnbstanzen. 305 

sie einen Theil ihrer Wirkungsfähigkeit einbüssen. Es ist daher rathsam, 
sich von vornherein eine concentrirte Lösung daraus herzustellen und 
dieselbe in einer mit Gummistopfen verschlossenen Glasflasche auf- 
zubewahren. Derartige concentrirte Lösungen von Aetzkali und Aetz- 
natron sind unter der Bezeichnung „Kalilauge 44 bezw. „Natronlauge 44 , 
meist in der Stärke von 40 Grad B6. im Handel. Auch in weit grösserer 
Verdünnung wirken solche Lösungen noch zerstörend auf die Gelatine 
der Trockenplatten und die Finger ein. Die Anwendung von Aetz- 
alkalien zur Bereitung von Entwicklerlösungen ist daher nur für solche 
Entwicklersubstanzen am Platze, welche eine Verbindung (Phenolat) 
damit eingehen, wie dies weiter oben ausführlicher erörtert wurde. 

d) Ammoniak (NH 3 ), auch Salmiakgeist genannt, ist bekanntlich 
ein Gas von überaus durchdringendem Gerüche. Dasselbe löst sich 
mit grosser Energie in Wasser. Solche wässerigen Lösungen sind r es, 
in welchen uns das Ammoniak im Handel geboten wird. Ihr Gehalt 
ist grossen Schwankungen unterworfen. Je geringer das specifische 
Gewicht, um so stärker ist die Ammoniakflüssigkeit Zur Bereitung 
von Entwicklerlösungen hat das Ammoniak nur noch Bedeutung für 
das Pyrogallol und selbst bei diesem zieht man neuerdings vielfach 
Soda und Pottasche vor. 

e) Natriumtriphosphat, NagP0 4 + 12H 2 0. Die Gebr. Lumiöre, 
welche dieses aus Natriumdiphosphat und Aetznatron bereitete, stark 
alkalische Salz in die Photographie einführten, schreiben darüber 1 ): 
„Aus dem Vorstehenden ergibt sich, dass in allen alkalischen Ent- 
wicklern mit Ausnahme des Paramidophenol -Entwicklers sich mit Vor- 
theil die Aetzalkalien oder deren kohlensaure Salze durch das drei- 
basische Natriumphosphat ersetzen lassen. Schon bei Verwendung einer 
Menge von Phosphat, die merklich kleiner als diejenige des krystalli- 
sirten Natriumcarbonats ist, erhält man in allen Fällen Bilder, welche 
viel kräftiger als die mit Carbonat erzielten, und dies ist in um so 
stärkerem Maasse der Fall, wenn man die Phosphatdosis erhöht, was 
zulässig ist, ohne dass man zu befürchten braucht, dass darunter die 
Festigkeit der Gelatineschicht leidet, was bei der Benutzung der freien 
Alkalien oder der kohlensauren Salze nicht immer thunlich ist . . . So 
dürften denn die Vortheile, welche die dreibasischen Alkaliphosphate 
gegenüber den Aetzalkalien und den kohlensauren Salzen derselben 
bieten, bald dahin führen, dass die ersteren Substanzen zum vollen 
Ersatz der letzteren bei der Zusammensetzung der organischen Ent- 
wickler verwendet werden." 



1) Eders Jahrbuch 1896 , S. 190. 

Kdor, Handbuch der Photographie. III. Theil. 5. Aufl. 20 



306 Dritter Theil. Achtzehntes Capitel. 

Die Erwartungen, welche auf das Natriumtriphosphat gesetzt wur- 
den, sind jedoch nicht eingetroffen, was zum Theil wohl auf die Un- 
beständigkeit des Salzes und seiner Lösungen an der Luft zurückgeführt 
werden muss. 

Aus dem vorstehend über die Alkalien Mitgetheilten geht hervor, 
dass für die Bereitung der Entwicklerlösungen die Soda und die Pott- 
asche in erster Linie in Betracht kommen. Man müsste der entwässerten 
Soda wegen ihrer Beständigkeit an der Luft und wegen der grossen 
Reinheit, in der dieselbe vom Markte geliefert wird, unbedingt den 
Vorzug geben, wenn nicht die Pottasche die Eigenschaft hätte, etwas 
energischer wirkende Entwickler zu liefern. Dieselbe findet daher am 
meisten Anwendung und ist aus diesem Grunde in ihrer Wechsel- 
beziehung zu den Entwicklersubstanzen am genauesten studirt 

c) Gelegentliche Zusätze bei der Verwendung der Entwickler- 
substanzen. 

1. Bromkalium, KBr. Diese Verbindung spielt für die Photo- 
graphie mit Trockenplatten eine wichtige Rolle. Meist sind es lOprocentige 
Lösungen, in welchen das in chemisch reiner Form von der Technik 
gelieferte Salz verwendet wird. Seine Wirkung ist ausserordentlich ver- 
schieden bei den verschiedenen Entwicklersubstanzen. Während dasselbe 
beim Glycin, Diogen, Pyrogallol, Hydrochinon sowohl stark ver- 
zögernd als auch klärend wirkt, beobachtet man beim Eikonogen, 
Metol, Amidol, Rodinal vorwiegend nur einen klärenden Einfluss. 
Im Allgemeinen gilt die Regel, je beträchtlicher die Alkalimenge im 
Entwickler und je kräftiger das verwendete Alkali, um so grösser muss 
auch der Bromkaliumzusatz genommen werden, damit die beabsichtigte 
Wirkung eintritt. 

2. Ferrocyankalium, K 2 Fe 2 Cy 6 . Dieses Salz wird den Entwickler- 
lösungen (Pyrogallol, Hydrochinon) zugefügt, um eine raschere und 
intensivere Entwicklung herbeizuführen. Eine ausgedehntere Verwendung 
hat dasselbe jedoch niemals gefunden. 

3. Aceton, CIL, — CO — CH 3 . Wie die Gebr. Lumiöre und Seyewetz 
fanden, bewirkt das Aceton, dass jene Entwicklersubstanzen, welche 
ihr Entwicklungsvermögen Hydroxylgruppen verdanken, wie Pyrogallol, 
Hydrochinon etc., schon mit Natriumsulfit allein hervorrufen. Der 
interessanten Thatsache liegt folgende Reaction zu Grunde: 

2 £{|;< > CO + 2 Na, SO, + C 6 H 4 gg 



(2^SQ, + 2^>C0) + P l H 4 gg;. 



Chemie der organisohen Entwicklersubetanzen. 307 

Die Wirkung des Acetons ist somit darauf zurückzuführen, dass 
das Natriumphenolat der betreffenden Entwicklersubstanz gebildet wird. 

Die Verwendung des Acetons wird namentlich für die Pyrogallus- 
säure empfohlen, doch muss erwähnt werden, dass eine ausgedehntere 
Benutzung des Pyroaceton- Entwicklers sich bisher nicht constatiren lässt. 

4. Natriumhyposulfit Dieses für die Bereitung der „Fixirbäder" 
so wichtige Salz wird bei der Entwicklung mit Eisenoxalat als sehr 
wirksamer „Beschleuniger" viel benutzt Bei den organischen Ent- 
wicklern ist seine Wirkung in diesem Sinne erheblich geringer, doch fand 
Bogisch, dass der Metol- Entwickler durch einen Zusatz von Fixir- 
natron in seiner Wirkungsweise in bemerkenswerther Weise gesteigert 
werden kann. 



3. Abschnitt 



Untersuchung und Charakterisirung einer Entwicklersubstanz 
vom photochemischen Standpunkte; Ermittlung der günstigsten 

Proportionen für die Entwicklerlösungen. 

Der im ersten Abschnitte näher erörterte Zusammenhang zwischen 
dem Entwicklungsvermögen einer organischen Verbindung und ihrer 
Constitution gibt bei Kenntniss der letzteren werthvolle Anhaltspunkte 
für die Beurtheilung der ersteren. Nichtsdestoweniger wird erst eine 
genaue Untersuchung und Charakterisirung einer Entwicklersubstanz 
darüber Aufschluss geben , ob und unter welchen besonderen Umständen 
dieselbe für die photographische Praxis von Bedeutung ist 

Andresen empfiehlt 1 ) in Bezug auf das „Entwicklungs vermögen" 
folgende Punkte aus einander zu halten: 

1. Die Schnelligkeit, mit welcher bestimmte Schwärzungen er- 
halten werden; 

2. die Abstufung der Dichtigkeiten (Gradation), welche sich 
unter gegebenen Bedingungen ergibt; 

3. die Fähigkeit, gewisse minimale Lichtmengen noch her- 
vorzurufen; 

4. die Fähigkeit, nur belichtetes Halogensilber zu reduciren, nicht 
belichtetes jedoch intact zu lassen; 

5. den Einfluss, welchen Variationen in der Zusammensetzung, 
der Temperatur etc. der Lösungen auf das Resultat ausüben (Abstimm- 
barkeit). 



1) Phot. Corresp. 1899. S. 635. 

20 ' 



308 Dritter Theil. Achtzehntes Capitel. 

Er sagt weiter: „Eine genaue Verständigung über diese fünf 
Punkte durch Zahlenangaben wurde bisher bei der Beschreibung neuer 
Entwicklersubstanzen gewöhnlich nicht versucht. Nun bietet aber die 
ziffernmässige Darstellung der Ergebnisse, wie sieHurter und Driffield, 1 ) 
Eder 2 ) u. A. anbahnen, so entschiedene Vortheile dar, dass es zweck- 
mässig erscheint, die in Gebrauch befindlichen Entwicklersubstanzen noch 
nachträglich systematisch nach einheitlichem Plane zu unter- 
suchen. Es unterliegt keinem Zweifel, dass wir dadurch einen weit 
sichereren und vollständigeren Einblick in die charakteristischen Eigen- 
schaften der verschiedenen Entwicklersubstanzen gewinnen würden, als 
dies bisher möglich war. 44 

Was die Untersuchungsmethode, die hierbei zu verfolgen wäre, 
betrifft, so sollten vor der Aufstellung bestimmter Gebrauchs- 
vorschriften die specifischen Eigenschaften der Entwicklersubstanz 
durch eine Fundamentaluntersuchung festgelegt werden. 

Diese Untersuchung hat sich unter Zugrundelegung anerkannt guter 
und in Bezug auf einen Normalentwickler genau charakterisirter Brom- 
silberplatten zunächst darauf zu erstrecken, die günstigsten Verhältnisse 
an Wasser, Entwicklersubstanz, Alkali und Natriumsulfit in 
ähnlicher Weise zu ermitteln, wie dies Hurter und Driffield für die Pyro- 
gallussäure durchgeführt haben. 

Der experimentelle Theil sollte stets eröffnet werden mit der Er- 
mittlung des „relativen Reductionswerthes" 3 ) und zwar sollte dieser Theil 
der Untersuchung thunlichst in einem ähnlichen Umfange durchgeführt 
werden, wie dies Andresen 4 ) für das Hydrochinon und das Chlor- 
hydrochinon gethan hat. Das Verhalten der Entwickler bei der Oxy- 
dation vermittels frisch gefällten Bromsilbers ist deshalb von Bedeutung, 
weil die Resultate derartiger Oxydationsversuche in nahem Znsammen- 
hange stehen mit den Ergebnissen der Praxis, so dass dieselben das 
innere Wesen des Entwicklungsvorganges beleuchten und uns exacte 
Vorstellungen über das in mancher Hinsicht so abweichende Verhalten 
der verschiedenen Entwicklersubstanzen verschaffen. 

Die von Andresen mitgetheilte Methode zur Bestimmung des 
„relativen Reductionswerthes 44 weicht in mehrfacher Hinsicht von der- 
jenigen ab. welche Hurter und Driffield bei der Untersuchung der Pyro- 
gallussäure zu Grunde gelegt haben. Diese Forscher lassen eine wässerige 
Lösung von Pyrogallussäure auf eine solche von Silberoxydammoniak 

1) Edors Jahrbuch 1899. S. 193 ff. 

2) Phot. Curresp. 1900. S. 241 ff. 

3) Phot. Convsp. 1898. S. 447. 

4) Tliot. Corresp. 1900. S. 185 ff. 



Chemie der organischen Entwicklersubstanzen. 309 

einwirken, während Andresen vorschlug, sulfithaltige carbonatalkalische 
Lösungen der Entwicklersubstanz, wie sie in der photographischen 
Praxis Verwendung finden, auf frisch gefälltes Bromsilber ein- 
wirken zu lassen, um dadurch eine grösstmöglichste Annäherung der 
Bedingungen an die beim „Entwickeln 41 eingehaltenen zu erzielen. Zu 
Gunsten der von Hurter und Driffield bevorzugten Methode spricht, dass 
Lösung auf Lösung wirkt. 

Später hat Andresen experimentell nachgewiesen, 1 ) dass die Resultate, 
welche nach der Hurter und Driffield'schen Methode erhalten werden, in- 
sofern nicht den Bedingungen der Praxis Rechnung tragen, als die 
Oxydation hierbei eine so durchgreifende ist, dass der Zusammenhang 
mit den Ergebnissen der photographischen Praxis verloren geht, ganz 
abgesehen davon, dass die eminente Bedeutung, welche dem Natrium- 
sulfit als Entwicklerbestandtheil zuerkannt werden muss, bei der Methode 
von Hurter und Driffield ganz unberücksichtigt bleibt. 

Für die weitere Durchführung des experimentellen' Theiles der 
Untersuchung wird als maassgebend zu betrachten sein, dass, wenn (nach 
Hurter und Driffield) „ein Negativ naturgetreu sein soll, seine Dichtig- 
keiten, wenn sie als Ordinaten, dagegen die Logarithmen der Expo- 
sitionen als Abscissen eingetragen werden, auf einer geraden Linie 
liegen müssen, und weiter, dass, wenn die optischen Dichtigkeiten, 
wie man sie durch photometrische Messungen erhält, den copirenden 
Dichtigkeiten gleich werthig wären, diese gerade Linie unter einem 
Winkel von 45 Grad geneigt sein müsste" (s. S. 242). 

Die Auffindung der günstigsten Verhältnisse wird man nun zweck- 
mässig mit der Bestimmung der Natur und der Menge des Alkalis 
beginnen. Für jedes der in Betracht kommenden Alkalien (Natrium- 
sulfit, 8oda, Pottasche, Trinatriumphosphat, Ammoniak, Aetzalkalien) 
werden mit wechselnden Alkalimengen angesetzte, sulfithaltige Ent- 
wicklerlösungen 2 ) unter Einhaltung einer geeigneten Entwicklungszeit 
und einer bestimmten mittleren Temperatur zum Hervorrufen von im 
Scheiner-Sensitometer belichteten Plattenstreifen verwendet und die er- 
haltenen Dichtigkeiten sowie die Intensität des gleichzeitig entstandenen 
„Schleiers" photometrisch bestimmt. Es empfiehlt sich, nach dem Vor- 
gange von Eder das Hartmann 'sehe Mikrophotometer hierbei zu Grunde 
zu legen. Die graphische Darstellung der für bestimmte Lichtbeträge 
erhaltenen Schwärzungen und die Construction der Schleiercurven in 



1) Phot. Corresp. 1900. S. 189. 

2) Das Verhältnis von Wasser, Sulfit und Entwicklersubstanz nimmt man bei 
diesen vorläufigen Versuchen, wie für die Bestimmung des „relativen Reductions- 
werthes" vorgeschrieben. 



310 Dritter Theil. Achtzehntes Capitel. 

ähnlicher Weise, wie dies Hurter und Driffield bei der Untersuchung der 
Pyrogallussäure gethan haben, oder gründlicher und übersichtlicher in 
der Art, wie dies Eder in seiner Arbeit: System der Sensitometrie 
photographischer Platten, ausgeführt hat (s. S. 199 und 241), gewährt nun 
alsbald einen übersichtlichen Einblick sowohl bezüglich der Natur als 
auch der Menge des anzuwendenden Alkalis. Sind diese Versuche zu 
einem vorläufigen Abschlüsse gekommen, so beginnt man mit der Er- 
mittlung der geeignetsten Entwicklermenge, bezw. des Verhält- 
nisses zwischen Entwicklermenge und Alkalimenge. 

Die erlangten Versuchsergebnisse werden wie üblich graphisch 
dargestellt. In einer besonderen Versuchsreihe ist nun noch der Ein- 
fluss zu ermitteln, welchen Variationen in der Sulfitmenge bedingen 
Hurter und Driffield fanden *) bei ihrer Untersuchung der Pyrogallussäure, 
dass das „Natriumsulfit wenig oder keinen Einfluss auf die Dichtigkeit 
des Bildes a zu haben scheint. Dieses trifft jedoch keineswegs auch für 
alle anderen Entwicklersubstanzen zu. 2 ) Was die Pyrogallussäure be- 
trifft, so fand Andresen in Uebereinstimmung mit Hurter und Driffield, 
dass Schwankungen im Sulfitgehalt wohl die Färbung des Negativs be- 
einflussen, die Dichtigkeitsverhältnisse im Bilde jedoch fast ganz intact 
lassen. Ganz anders verhalten sich Hydrochinon, Paramidophenol, 
Metol, Brenzcatechin, Eikonogen. Fehlt in carbonatalkalischen Lösungen 
dieser Substanzen das Natriumsulfit gänzlich, so werden erheblich 
geringere Dichtigkeiten erhalten, als bei Anwesenheit des Salzes 
in einer solchen Menge, wie sie in der Photographie üblich ist Ist 
der Sulfitgehalt einer Entwicklerlösung gering, z. B. auf 1 g Entwickler- 
substanz 1 g Natriumsulfit, welches Quantum genügt, die Lösung wäh- 
rend der Dauer des Versuches vor Oxydation durch die Luft zu schützen, 
so erkennt man deutlich, dass ein Anwachsen der Dichtigkeiten statt- 
gefunden hat gegenüber dem völligen Fehlen des Salzes; immerhin ge- 
nügt ein so geringer Sulfitgehalt für die meisten Entwicklersubstanzen 
nicht, um das Maximum der Dichtigkeiten zu erhalten. Der Sulfit- 
gehalt spielt somit eine durchaus wesentliche Rolle, welcher 
in jedem einzelnen Falle Rechnung getragen werden muss. 

Andresen 3 ) studirte diese Verhältnisse genauer beim Hydrochinon 
und beim Ghlorhydrochinon und kam zu dem überraschenden Resultate, 
dass man die Sulfitmenge so wählen kann, dass das Hydrochinon bei 
gleich langer Entwicklungsdauer und unter sonst genau gleichen Be- 
dingungen stärkere Schwärzungen gibt, als das Chlorhydrochinon, 

1) Eder's Jahrbuch 1899. S. 225. 

2) Eder's Jahrbuch 1899. S. 515. 

3) Phot. Corresp. 1900. S. 197. 



Chemie der organischen Entwicklersubstanzen. 



311 



welches vordem als die unter allen Umständen rapidere Entwickler- 
sabstanz galt Die nachstehende Tabelle wie auch das beigefügte Dia- 
gramm veranschaulichen die Abhängigkeit der Wirkungsweise von dem 
Sulfitgehalt für die genannten Entwicklersubstanzen. 





Belichtung 

in 
H.-M.-S. 


Sulfitmenge g 







1 


4 


8 


Chlorhydrochinon .... 


30 


2,057 
1,665 


2,494 
2,394 


2,245 
2,587 


2,025 
2,650 























Hydrochinon 














Chlorhydrochinon 























/ 






4 








8 





Tabelle und Diagramm lassen deutlich das grössere Sulfitbedürf- 
niss des Chlorhydrochinons erkennen. Bei geringem Sulfitgehalt 
ist das Hydrochinon überlegen. Steigert man den Sulfitzusatz, so 
beobachtet man beim Chlorhydrochinon ein stetiges Ansteigen der 
Schwärzungen, während das Hydrochinon aus bisher nicht genügend 
aufgeklärten Ursachen bei vermehrtem Sulfitzusatz langsam nachlässt. 

Hat man sich nun zur Annahme einer bestimmten Proportion 
Entwicklersubstanz: Alkali : Sulfit entschlossen, so ist noch die 
Wassermenge zu bestimmen. Dieselbe ist abhängig von dem „rela- 
tiven Reductionswerthe und dem Moleculargewichte" der fraglichen Ent- 
wicklersubstanz, und so zu bemessen, dass das gerade Stück der 
„charakteristischen Curve" mit der Abscissenachse bei einer angemessenen 
Entwicklungszeit einen Winkel von 45 Grad einschliesst 

Mit der Ermittlung der Concentration findet nun die erste funda- 
mentale Arbeit ihren Abschluss. Als das Ergebniss derselben haben 
wir eine (eventuell mehrere) Normal-Entwicklerlösung, deren be- 
sondere Eigenschaften nun in einer Specialuntersuchung festgelegt wer- 
den müssen. 

Wie Andresen schon eingangs erwähnte, beanspruchen solche Ent- 
wicklerlösungen unser Interesse in mehrfacher Hinsicht, und zwar: 



312 Dritter Thoil. Achtzehntes Capitol. 

1. bezüglich der Schnelligkeit, mit welcher bestimmte Schwär- 
zungen erhalten werden. 

v. Hübl 1 ) hatte für diesen Begriff das Wort „Stärke 44 vorgeschlagen. 
Andresen ist der Meinung, dass diese Bezeichnung noch nicht eindeutig 
genug ist, und möchte lieber das Wort „Rapidität tt dafür anwenden. 
Um ein charakteristisches Bild der Rapidität einer bestimmten Ent- 
wicklerlösung zu erhalten, wird man wieder den Weg der graphischen 
Darstellung betreten und „Rapiditätscurven" construiren, indem man 
im Scheiner'schen Sensitometer belichtete Plattenstreifen 1, 2, 3, 4 u. s.w. 
Minuten entwickelt und die correspondirenden, bestimmten Lichtbeträgen 
entsprechenden Schwärzungen als Ordinaten in ein Diagramm einträgt, 
auf dessen Abscissenachse die Entwicklungszeiten verzeichnet sind. So 
wird z.B. die Rapiditätscurve für 1 Secunden-Meter-Kerze erhalten, indem 
man das Feld Nr. 2 des Scheiner'schen Sensitometers für die Aus- 
messungen zu Grunde legt. Das Feld Nr. 11 des Sensitometers ent- 
spricht annähernd 0,1 S.-M.-K., das Feld Nr. 20 annäherd 0,01 S.-M.-K. 
Für grössere Lichtbeträge ist die Normalbelichtungszeit von 1 Minute 
entsprechend zu verlängern, bezw. die Scheiner'sche Normallampe in 
geringerem Abstände vom Instrumente aufzustellen. 2 ) 

Trägt man die für bestimmte Lichtmengen (z. B. 100, 50, 10, 5, 
1, 0,5, 0,1, 0,15 u. s. w. S.-M.-K.) erhaltenen Rapiditätscurven zu- 
sammen in ein Diagramm ein, so ergibt sich für die zu Grunde 
gelegte Plattensorte die Construction der „charakteristischen Curve a für 
eine beliebig gewählte Entwicklungszeit in einfacher Weise, 
indem man an dem betreffenden Punkte der Abscissenachse eine Senk- 
rechte errichtet und die den Schnittpunkten derselben mit den Rapiditäts- 
curven entsprechenden Schwärzungen als Ordinaten in ein Hurter und Drif- 
field'sche Diagramm einzeichnet, auf dessen Abscissenachse die Logarithmen 
der correspondirenden Lichtbeträge eingetragen sind. Man ist dadurch 
in den Stand gesetzt, auf constructivem Wege die günstigste Ent- 
wicklungszeit mit Sicherheit zu ermitteln. 

Die Rapidität einer Entwicklerlösung ist eine Function der Tem- 
peratur derselben. Es ist daher bei diesen Bestimmungen das genaue 
Einhalten einer bestimmten mittleren Temperatur (18 Grad C.) unbedingt 
nothwendig. 

Von fundamentaler Bedeutung für die getreue Wiedergabe der 
Natur durch die Photographie ist 



1) Eder's Jahrbuch 1899. S. 183. 

2) Vgl. Eder, System der Sensitometrio phot. Platten. Phot Coiresp. EL 241. 



Chemie der organischen Entwicklersubstanzen. 313 

2. die Abstufung der Dichtigkeiten (Gradation), welche der 
Entwickler gibt 

Hurter und Driffield hatten in ihren ersten Arbeiten die Ansicht 
vertreten, dass das Dichtigkeitsverhältniss im Negativ lediglich eine 
Function der Exposition (des Productes aus Lichtintensität und Zeit) 
und der Empfindlichkeit der Platte sei. Neuerdings 1 ) halten sie das 
Gesetz von der Constanz der Dichtigkeitsverhältnisse jedoch nicht mehr 
in dieser bestimmten Fassung aufrecht, sondern gestehen vielmehr unum- 
wunden ein, dass „ Veränderungen in der Concentration und Zusammen- 
setzung der Entwicklerflüssigkeiten a die Dichtigkeitsverhältnisse beein- 
flussen. 

Die mehrfach erwähnte fundamentale Untersuchung der Pyrogallus- 
säure, welche sich an diese Erkenntniss anschloss, wird für alle 
späteren Arbeiten auf diesem Gebiete stets grundlegend und vorbildlich 
wirken müssen. 

Die drei wichtigsten Mittel, durch welche man, von einer be- 
stimmten Normal-Entwicklerlösung ausgehend, auf die Abstufung der 
Dichtigkeiten einwirken kann, sind: 

a) Zusatz von Bromkalium zur Normal-Entwicklerlösung; 

b) Variationen in der Temperatur derselben; 

c) Variationen in der Entwicklungszeit. 

Hierauf soll erst weiter unten näher eingegangen werden. 
Was nun 

3. denjenigen Minimalbetrag an Licht betrifft, welchen die 
Entwickler eben noch hervorzurufen vermögen, so ist zu be- 
merken, dass die im Handel befindlichen Entwicklersubstanzen keine 
grossen Unterschiede in dieser Richtung darbieten 2 ); immerhin sind 
solche vorhanden. 3 ) Andererseits gibt es aber viele organische Verbin- 
dungen, welchen sehr verschiedenes Entwicklungsvermögen eigen ist 
Es ist daher wünschenswerth, dass bei der Beschreibung neuer Ent- 
wicklersubstanzen, bezw. bestimmter Entwicklerlösungen derselben, dieser 
Punkt berücksichtigt und thunlichst ziffernmässig ausgedrückt wird. 
Andresen schlägt vor, dabei den Eder'schen Eisenoxalat- Entwickler in 
folgender, von Hurter und Drieffield bevorzugten Zusammensetzung als 
Normalentwickler anzunehmen: 



1) Eder's Jahrbuch 1899. S. 197 ff. 

2) Precht glaubte einen Satz vom constantem Schwcllenwerth für alle Entwickler 
aufstellen zu können (Phot. Corresp. 1897. S. 485), jedoch gilt derselbe weder genau 
noch allgemein (Phot. Corresp. 1900. Octoborheft). 

3) Andresen, Phot. Corresp. 1899. S. 211. 



314 Drittter Theil. Achtzehntes Capitel. 

A. 

Neutrales oxalsaures Kali 1 Th. 

Destillirtes Wasser 4 „ 

B. 

Eisensulfat 1 Th. 

1 Citrouensäure 0,01 Th. 

Destillirtes Wasser 3 Th. 

C. 

Bromkalium 1 Th. 

Destillirtes Wasser 100 „ 

Zum Gebrauche mischt man: 

100 Th. von A, 

™ n » B, 

10, , c. 

Die Temperatur der Lösung soll beim Entwickeln 18 Grad betragen. 
Man entwickelt 5 Minuten und badet dann einige Minuten in 2 proc. 
Salzsäure, wäscht darauf in reinem Wasser und fixirt in einer Lösung 
von Natriumhyposulfit 1 : 3. 

Bei vergleichenden Bestimmungen werden im Scheiner'schen 
Sensitometer belichtete, einer und derselben Platte entnommene Streifen 
mit dem Normal -Eisenentwickler, bezw. mit der fraglichen Entwickler- 
lösung hervorgerufen und dabei der gleiche Klarheitsgrad thunlichst 
eingehalten. Nach dem Trocknen der Vergleichsproben wird die Schwär- 
zung des mit dem Normalentwickler letzterschienenen Feldes 
photometrisch bestimmt und das correspondirende Feld auf der 
Vergleichsplatte aufgesucht. Den Gebieten gleicher Schwärzung ent- 
sprechen nun bestimmte „relative Empfindlichkeiten 14 a und i, welche 
den Tabellen, die dem Instrumente beigelegt sind, entnommen werden 

können. Andresen schlägt vor, den Quotienten -j- als „Expositionsfactor" 

zu bezeichnen. Derselbe gibt an, mit welchem Zahlenwerth die für den 
Normalentwickler richtige Expositionszeit zu multipliciren ist,, um bei 
Entwicklung mit der fraglichen Substanz die gleiche Durchzeichnung 
in den Schattenpartien zu erhalten. Um dies an einem Beispiel zu er- 
läutern, wollen wir annehmen, der bromkaliumreiche Eisen-Entwickler 
habe 12 Grad Scheiner ergeben und die Schwärzung dieses Feldes möge 
correspondiren mit derjenigen des Feldes Nr. 15 des zweiten, mit der 
fraglichen Entwicklerlösung hervorgerufenen Plattenstreifens, dann ist 

der Expositionsfactor: 

a 14,4 

b " 29,8' 



Chemie der organischen Entwioklersubstanzen. 315 

i h. zur Erzielung der gleichen Durchzeichnung der Schattenpartien 
würde die fragliche Entwicklerlösung nur etwa die halbe Expositions- 
zeit erfordern. 

4. Die Fundamentaleigenschaft eines jeden guten „Entwicklers", 
nur belichtetes Halogensilber zu reduciren, nicht belichtetes 
dagegen intact zu lassen, sehen wir nicht immer streng gewahrt. 
Häufig werden mehr oder weniger dichte „Schleier" beobachtet, welche 
die Qualität der Negative beeinflussen. Es ist daher für die Charakte- 
ri8irung einer Normal -Entwicklerlösung nothwendig, ihr Verhalten in 
dieser Hinsicht für verschiedene Temperaturen festzulegen. 

Eder 1 ) hat verschieden dichte „Schleier" photometrisch bestimmt 
und Angaben gemacht über die Bedeutung, welche Schleier von be- 
stimmter Dichtigkeit für die photographische Praxis besitzen (s. S. 234). 

In sehr anschaulicher Weise wird das Verhalten einer Entwickler- 
lösung in Bezug auf diesen Punkt charakterisirt, wenn man nach dem 
Vorgange von Hurter und Driffield und Eder 2 ) für bestimmte Temperaturen 
gültige „Schleiercurven" constuirt. Dies geschieht in der Weise, dass 
man eine Anzahl Plattenstreifen bei bestimmten Temperaturen 
verschieden lange mit der Entwicklerlösung behandelt und darauf die 
eingehaltenen Entwicklungszeiten auf die Abscissenachse, sowie die 
Logarithmen der correspondirenden Schleierdichtigkeiten als Ordinaten 
einträgt (s. S. 235). 

Bemerkenswerth und für die photographische Praxis wichtige 
Unterschiede zeigen 

5. die verschiedenen Entwickler mit Bezug auf diejenige Eigen- 
schaft, welche wir als ihre „Abstimmbarkeit" bezeichnen. 

Dieselbe gestattet, wenn in ausgesprochenem Grade vorhanden, in 
weiten Grenzen auf die Abstufung der Dichtigkeiten einzuwirken. 
Von den Mitteln, deren sich die Photographie zu diesem Zwecke be- 
dient, ist 

a) der Zusatz von Bromkalium zur Entwicklerlösung weitaus 
am populärsten. 

Weniger bekannt, aber nicht weniger bedeutsam ist der Einfluss, 
welchen 

b) Variationen in der Temperatur, und 

c) Variationen in der Entwicklungszeit auf die Abstufung der 
Dichtigkeit auszuüben vermögen. 

Vermittels Bromkaliumzusatz kann man nur die Gegensätze ver- 
grössern, durch die unter b und c genannten Mittel lässt sich da- 

1) Phot Corresp. 1899. S. 529. 

2) Phot Corresp. 1900. S. 241. 



316 



Dritter The iL Achtzehntes Capitel. 



gegen ein Einfluss nach beiden Richtungen geltend machen; man 
kann die Gegensätze vergrössern, jedoch auch verkleinern. 

Bei der Charakterisirung von Normal -Entwicklerlösungen ist der 
Einfluss von Bromkaliumzusätzen und von Variationen in der Tempe- 
ratur systematisch zu untersuchen und graphisch darzustellen. Der Ein- 
fluss der Entwicklungszeit dagegen kann dem Diagramm der „Rapiditäts- 
curven" entnommen werden, indem man, wie oben näher angegeben, 
die „charakteristische Curve" für verschiedene Entwicklungs- 
zeiten construirt und deren Verlauf und Neigungswinkel vergleicht 

Die Specialuntersuchung einer neuen Normal-Entwicklerlösung 
würde sich also insgesammt zu erstrecken haben auf: 

1. die graphische Darstellung der „Rapiditätscurven" für Licht- 
beträge, wie sie für die Photographie mit Bromsilbergelatine in Betracht 
kommen, 

2. die Ermittlung des „Expositionsfactors", 

3. die graphische Darstellung der „Schleiercurven" für Tempe- 
raturen, wie sie beim Entwickeln in Frage kommen können, 

4. die graphische Darstellung der „Abstimmbarkeit" durch Brom- 
kaliumzusatz, sowie durch Unterschiede in der Temperatur und der 
Entwicklungszeit. 

Sehr bemerkenswerthe Resultate veröffentlichte Watkins l ) über die 
Beziehungen zwischen dem Erscheinen des Bildes im Entwickler und 
der zur Erreichung einer bestimmten Gradation erforderlichen Gesammt- 
entwicklungsdauer. Er fand, dass für jede einzelne Entwicklersubstanz 
ein Factor existirt, welcher, mit der in Secunden ausgedrückten Dauer 
des Auftretens der ersten Bildspuren multiplicirt, die erforderliche Ent- 
wicklungsdauer ergibt. Er veranschaulicht diese Beziehungen durch 
folgende Tabelle: 



Pyrogallol . . . 

Metol 

Ortol 

Adurol .... 
Brenzcatecbin . . 
Hydrochiuoii . . 
Glycin .... 
Hydrochinon - Metol 



Erscheinen 




Entwicklungs- 


des Bildes 


Factor 


dauer 


nach Secunden 


1 


nach Minuten 


16 


7 


IV. 





22 


IV. 


15 


8 


2 


50 


5 


4 


42 


9 


«V. 


62 


5 


5V« 


02 


6V, 


7 


7 


13 


IV. 



1) The Journal of the Camera Club 1900. S. 2 ff. 



Chemie der organischen Entwicklersubstanzen. 317 

Die Lösungen waren in genau gleicher Weise bereitet; 31,1 g der 
fertigen Entwicklerlösungen enthielt: 

0,259 g Entwicklersubstanz, 
0,777 g Natriumsulfit, 
1,555 g Natriumcarbonat. 

Bromkalium wurde in keinem Falle zugefügt. 

Der Factor bleibt nach Watkins constant; er wechselt nicht mit 
der Temperatur oder der Alkalimenge, wie dies hinsichtlich des Er- 
scheinens des Bildes bekanntlich der Fall ist. 



4. Abschnitt 

Die Entwicklersubstanzen des Handels mit Berücksichtigung der 

einschlägigen Patentliteratur. 

1. Paraphenylendiamin C 6 H 4 ^^).y 

Das Paraphenylendiamin wurde im Jahre 1888 von Andresen als 
Entwickler erkannt und in Deutschland unter Patentschutz gestellt. Es 
entwickelt schon mit Natriumsulfit allein etwas, jedoch nur sehr langsam. 
Kohlensaure Alkalien steigern die Energie des Präparats zwar beträcht- 
lich, jedoch nicht in einem für die photographische Praxis ausreichenden 
Grade. Man ist vielmehr genöthigt, zu der Verwendung von Aetzalkalien 
zu greifen. Nun genügen zwar geringe Mengen davon, sehr kräftig 
deckende Entwickler vermittels Paraphenylendiamin herzustellen, allein 
das zugefügte Aetzalkali geht mit dem Paraphenylendiamin keine Ver- 
bindung ein, es ist als solches in dem Entwickler enthalten und ver- 
ursacht daher leicht die bekannten unangenehmen Erscheinungen. Diese 
Thatsachen haben zur Folge gehabt, dass das Paraphenylendiamin von 
Deutschland aus nicht in den Handel gelangt ist. 

In den Vereinigten Staaten von Nordamerika wurde das Para- 
phenylendiamin durch die Firma Anthony in New- York unter dem 
Namen Metacarbol, wie es scheint ohne durchschlagenden Erfolg, als 
Entwickler empfohlen. 

Das Andresen ertheilte D. R. P. 46945 vom 1. August 1888 ist 
erloschen. Es erstreckte sich auf die „Verwendung des Paraphenylen- 
diamins, des Paratoluylendiamins und des Xylylendiamins zur Entwick- 
lung photographischer Bilder in Chlor-, Brom- und Jodsilber enthaltenden 
Schichten". 



318 Dritter Tbeil. Achtzehntes Capitel. 

In der Seitenkette alkylirte Derivate des Paraphenylendiamins 
wurden durch das D.E. P. 69582 der Firma J. Hauff in Feuerbach 
geschützt; die Erfindung umfasst 

„Mono-, Di- und Tetramethyl- (Aethyl-) Derivate" des 

1. p-Phenylendiamins, 

2. p-Toluylendiamins, 

3. p-Xylylendiamins, 

4. a : /J-Naphtylendiamins, 

5. a:a- Naphtylendiamins 

und es wird geltend gemacht, dass die alkylirten Diamine sich durch 
ausserordentliche Löslichkeit, sowie durch die Eigenschaft auszeichnen, 
schon mit kohlensauren Alkalien das photographische Bild zu ent- 
wickeln. 

Auf die Anwendung eines ebenfalls in der Seitenkette substi- 
tuirten Derivates des Paraphenylendiamins, des Paramidophenylglycins 

NR, 
(LH. h als Entwickler meldeten die Farbwerke vorm. Meister, 

NCH 2 COOH 

Lucius und Brünig in Höchst a. M. ein Patent in Deutschland an, 

welches jedoch versagt wurde. 

Eine dritte Reihe von Derivaten des p-Phenylendiamins u. 8. w. 

deckt das D. R. P. 102755 von J. Hauff & Co.; dasselbe schützt solche 

Derivate des p-Phenylendiamins u. s. w., w r elche in der einen Amido- 

gruppe alkylirt und in der anderen den einwerthigen Essigsäurerest 

CH 2 COOH enthalten und somit die allgemeine Formel 

(1)NR2 
C 6 H 4(4)N ^C n H 2n COOH (R = Alkyl) besitzen. 

Der Patentanspruch lautet: 

„Verwendung der Alkylglycine des p-Phenylendiamins, p-Toluylen- 
diamins, p-Xylylendiamins, «-/?- Naphtylendiamins, a-a-Naphtylen- 
diamins zur Entwicklung des photographischen Bildes." 

Derivate des Paraphenylendiamins sind bisher nicht in den Handel 
gekommen. Ausser unter dem Namen Metacarbol findet das Para- 
phenylendiamin selbst noch als Bestand theil des Hydramins (siehe dieses) 
als Entwickler Verwendung. 

2. Paramidophenol C 6 H 4 ^tt JJ. 

Die ersten Versuche, mit Paramidophenol zu entwickeln, unter- 
nahm Andresen im Jahre 1888 (Farben -Industrie 1889. S. 187). In 



Chemie der organischen Entwicklersubstanzen. 319 

der Folge hat diese Verbindung sowohl als solche, wie auch in Form 

verschiedener Derivate eine ganz eminente Bedeutung als Entwickler 

erlangt Durch die Anwesenheit beider Arten von „wirksamen Gruppen" 

erlangt das Paramidophenol, als chemisches Individium betrachtet, eine 

gewisse Doppelnatur. Dasselbe bildet z. B. zwei Reihen von salzartigen 

Verbindungen, solche mit Alkalien, Phenolate, von der Zusammen- 

OR 
setzung C 6 H 4N tt (R — Na, K), bei welchen somit der Wasserstoff der 

Hydroxylgruppe durch ein Element der Gruppe der leichten Metalle 
vertreten ist und andererseits solche mit Säuren, bei welchen ein 
Aequivalent einer Säure (Salzsäure, Schwefelsäure) an die Amidogruppe 
angelagert ist. Der letzteren Kategorie gehört das Handelsproduct, 

meist salzsaures Paramidophenol C 6 H 4 ^tt ttom an, während die ver- 
mittels Aetzalkalien gebildeten Phenolate nur in Form äusserst concen- 
trirter wässeriger Lösungen, welche erhebliche Sulfitmengen enthalten, 
haltbar sind (Rodinal). 

Beide Arten von Salzen sind ausserordentlich leicht löslich in 
Wasser, während die freie Base, das eigentliche Paramidophenol, schon 
zu den schwerer löslichen Verbindungen gerechnet werden muss. 

Der Anspruch des Andresen ertheilten, von der Actiengesellschaft 
für Anilinfabrikation in Berlin übernommenen D. R. P. 60174 vom 
27. Januar 1891 lautet: 

„Verwendung von p-Amidophenol und von p-Amidokresol, sowie 
ihre Substitutionsproducte zum Entwickeln photographischer Bilder in 
halogensilberhaltigen Schichten. a 

Als wichtig für die Photographie haben sich auch gewisse in der 
Amidogruppe substituirte Derivate des Paramidophenols erwiesen. Von 
diesen Verbindungen nimmt das 



3. Metol (c 6 H 4 £cL 3 ) B^SO, 



den ersten Rang ein. Von Bogisch in seinen Eigenschaften als Ent- 
wickler erkannt, wurde das Metol im Jahre 1891 zuerst von der Firma 
J. Hauff in Feuerbach, später auch von der Actiengesellschaft für Anilin- 
fabrikation in Berlin in den Handel gebracht 

Die dem Metol zu Grunde liegende Entwicklersubstanz ist das Methyl- 

OH 
Paramidophenol C 6 H 4 ^ch 8 - Durch den Eintritt der Alkylgruppe in die 

NH, -Gruppe ist eine Zunahme sowohl der entwickelnden Kraft, als auch 



320 Dritter Theil. Achtzehntes Capitel. 

der Löslichkeit in Wasser eingetreten. Das Metol pflegt aus diesem 

Grunde vorzugsweise mit kohlensauren Alkalien verwendet zu werden. 

Das der Firma J. Hauff ertheilte D.R. P. 69582 ist, soweit es die 

Verwendung der Derivate des Paramidophenols betrifft, vom Patente 

Nr. 60174 abhängig. Es betrifft: 

OH 

„Alkylirte Amidophenole von der Zusammensetzung^^™ x> un d 

zwar Mono- und Dimethyl- (Aethyl-) Derivate des 

1 . p - Amidophenols, 

2. o-Amido-m-kresols, 

3. m- Amido- o-kesols, 

4. m - Amido - (v) m - xylenols, 

5. m - Amido - p - xylenols, 

6. o- Amido -(v) o- xylenols, 

7 . o - A mido - (s) m - xylenols. 

OH 
4. Glycin 0,^«^^ 

Diese Verbindung geht aus dem Paramidophenol hervor durch 
Einführung des Essigsäurerestes CH 2 COOH in die Amidogruppe. Der 
saure Charakter, den die Anwesenheit eine Hydroxylgruppe dem Para- 
amidophenol verleiht, wird dadurch soweit gesteigert, dass nunmehr 
schon mit kohlensauren Alkalien leichtlösliche Alkalisalze gebildet 
werden. Es lassen sich daher unter ausschliesslicher Verwendung 
kohlensaurer Alkalien vermittels Glycin concentrirtere Vorrathslösungen 
herstellen als mit Paramidophenol. Die Energie des Glycins als Ent- 
wickler ist nicht völlig so gross wie diejenige des Paramidophenols, 
dagegen ist das Glycin wiederum durch seine hervorragende Abstimm- 
barkeit dem Paramidophenol gegenüber im Vortheil. Das Glycin wird 
in den Handel gebracht durch die Firma J. Hauff in Feuerbach und 
die „Actiengesellschaft für Anilinfabrikation in Berlin". 

Das D. K. P. 75505 von J. Hauff vom 11. November 1891 lautet 
auf die „Verwendung der Glycine von Amidophenolen in Lösungen 
mit kohlensauren Alkalien zur Entwicklung des photographischen Bildes 
in Halogensilber haltenden Schichten". 

5. Eurekin. 

Unter diesem Namen gelangt die Bisulfitverbindung des Methylen- 

OH 
p- Amidophenols, C r ,H 4 vpTT , NalIS0 3 , in den Handel. Die Verbindung 

kann nach einem inzwischen erloschenen Patente (D.R.P. 68707) der 



Chemie der organischen Entwicklersubstanzen. 321 

„Gesellschaft für chemische Industrie" in Basel erhalten werden, indem 
man auf eine ätzalkalische Lösung von Paramidophenol Formaldehyd 
einwirken lässt, das gebildete Natronsalz des Methylen -p-Anrido- 
phenols vermittelst Kohlensäure zerlegt und die abgeschiedene Base 

C 6 H 4 ^pTT ;J, in die beständige Bisulfitverbindung überführt Die 

charakteristischen Eigenschaften der Verbindung sind in der Tabelle 
des nächsten Abschnittes mitgetheilt worden. Als Entwickler bietet 
die Substanz keine Vortheile vor dem Paramidophenol bezw. dem Glycin. 

r R OH (1) 
6. Diamidooxydiphenyl , 6 3 NH 2 (4). 

C 6 H 4 NR 2 

Das Phenolat des Diamidooxydophenyls bringen die Firmen 
Cassella & Co. in Frankfurt a. M. und die „Actiengesellschaft für Anilin- 
fabrikation in Berlin" als hochconcentrirte Lösung unter dem Namen 
Diphenal seit 1897 in den Handel. Als Entwicklersubstanz muss das 
Diamidooxydiphenyl, wie Andresen 1 ) nachgewiesen hat, als ein Para- 
midophenol aufgefasst werden, in welches der einwerthige Anilinrest 
(C 6 H 4 NH 2 ) substituirt ist. Die in diesem Kern enthaltene Amidogruppe 
ist ohne Einfluss auf das Entwicklungsvermögen der Substanz. Das 
Diamidooxydiphenyl ist auch in Gegenwart kohlensaurer Alkalien sehr 
schwer in kaltem Wasser löslich, wodurch sich seine Anwendung in 
der Form des Phenolats ergiebt. Valenta 2 ) fand, dass gut wirkende 
Entwickler erhalten werden, wenn man das Diamidooxydiphenyl mit 
Acetonsulfit ansetzt. 

7. Ortol. 

Das Ortol ist ein Gemenge von 1 Mol. Hydrochinon mit 2 Mol. 
schwefelsaurem Methyl -o-Amidophenol. 

o-Amidophenol als solches entwickelt das latente Bild auf Brom- 
silber-Gelatine mit guten Details in den Schatten, jedoch mit äusserst 
geringer Deckung in den Lichtern. Andresen erörterte den Zusammen- 
hang dieses Verhaltens mit dem geringen „relativen Reductionswerthe", 
welchen er für o-Amidophenol fand. 3 ) 

Die Firma J. Hauff in Feuerbach erhielt die Verwendung alky- 
lirter o-Amidophenole als Entwickler geschützt (D. R P. 71816 vom 
25. September 1891), ohne zunächst Entwicklersubstanzen dieser Gruppe 



1) Phot. Corresp. 1897. S. 587 ff. 

2) Eder's Jahrbuch f. Phot. 1899. S. 521. 

3) Phot. Corresp. 1898. S. 447. 

Eder, Handbuch der Photographie. III. Theil. o. Aufl. 21 



322 Dritter Theil. Achtzehntes Capitcl. 

in den Handel zu geben. Die alkylirten o-Anridophenole wirken kräf- 
tiger als die Muttersubstanzen. In Uebereinstimmung damit fand 
Andresen, dass auch der „relative Reductionswerth" mit einer Ein- 
führung eines Alkyls gestiegen ist 

Auf die Verwendung der alkylirten o-Amidophenole in Ver- 
bindung mit Hydrochinon erhielt nun J. Hauff in Feuerbach ein 
Patent (D. R. P. 97 596 vom 30. März 1897), dessen Anspruch folgenden 
Wortlaut hat: 

„Verwendung der Verbindungen von 2 Mol. der in den deutschen 
Patentschriften Nr. 71816 (alkylirte o-Amidophenole) und Nr. 75505 
(Glycine der Amidophenole) angeführten substituirten o-Amidophenole 
mit 1 Mol. Hydrochinon bezw. Brenzcatechin in Lösungen mit kohlen- 
sauren oder kaustischen Alkalien zur Entwicklung des latenten photo- 
graphischen Bildes." 

Derartige Combinationen bieten den Vortheil, dass die damit ge- 
wonnenen Entwicklerlösungen haltbar sind, sich gut abstimmen lassen 
und ein gut graduirtes Bild ergeben, was ohne den Hydrochinonzusatz 
in einer nicht ausreichenden Weise der Fall ist. 

Das Ortol wird durch die Firma J. Hauff in Feuerbach und die 
Actiengesellschaft für Anilinfabrikation in Berlin in den Handel gebracht 

8. Hydrochinon C 6 H 4 Q„Ly 

Von Abney im Jahre 1880 als Entwickler erkannt, hat das Hydro- 
chinon sich durch zwei besonders ausgeprägte Eigenschaften einen guten 
Plptz unter den modernen Entwicklern erworben; das sind 1. seine 
gute Abstimmbarkeit bei Fehlexpositionen und 2. die Möglichkeit, kräf- 
tigste Deckungen im Negativ zu erzeugen. Das Hydrochinon wird ge- 
wöhnlich in Verbindung mit Pottasche verwendet, doch kann dasselbe 
auch in Form der unter Benutzung von Aetzalkalien gebildeten Alkali- 

phenolate von der typischen Zusammensetzung C 6 H 4 ^ R ) A (R = Na, K) 

zum Entwickeln verwendet werden. 

Das Hydrochinon bildet eine Verbindung mit schwefliger Säure 

OH 
von der Formel 3 C 6 Hjqxj • 80 2 , welche sich an der Luft langsam zer- 
setzt und neben gewöhnlichem Hydrochinon in dem als Permanent- 
Hydrochinon bekannten, in gelben Nadeln krystallisirten Producte ent- 
halten ist. 

Mit der Herstellung des gewöhnlichen Hydrochinons beschäftigen 
sich eine Reihe Firmen, während das gelbe Permanent-Hydrochinon 



Chemie der organischen Eatwicklereubstanzen. 323 

hauptsächlich durch die Firmen Dr. Byk und die Actiengesellschaft für 
Anilinfabrikation in Berlin dem Markte zugeführt wird. 

9. Adurol. 

In den Laboratorien der Firmen Chemische Fabrik auf Actien 
vorm. E. Schering in Berlin und J. Hauff & Co in Feuerbach wurde 
unabhängig von einander die Beobachtung gemacht, dass auch gewisse 
Halogensubstitutionsproducte des Hydrochinons gute Entwickler sind 
und dass diese Derivate das latente Lichtbild schneller ausentwickeln 
als die Muttereubstanz. In den Handel gelangen das Monochlorhydro- 
chinon (Adurol -Hauff) und das Monobromhydrochinon (Adurol -Schering). 

Ueber das Zustandekommen der rapideren Wirkungsweise der 
halogensubstituirten Derivate des Hydrochinons gingen die Ansichten 
auseinander. Andresen 1 ) sprach die Ansicht aus, dass diese Erscheinung 
auf den Austausch des Halogens gegen die Sulfogruppe zurückzuführen 
sei, während Bogisch 2 ) annimmt, dass „Chlorhydrochinon deswegen 
schneller und kräftiger arbeitet, weil es ungleich leichter zu Chlor- 
chinon oxydirt werden kann, als Hydrochinon zu Chinon". 

In einer späteren Publikation 3 ) hat Andresen experimentell den 
Nachweis geführt, dass die Tendenz des beim Entwickeln intermediär 

gebildeten Chlorchinons C tf H 3 0' / in die beständige Form einer 

Cl 

OH 
Hvdrochinondisulfosäure C 6 H 2 OH überzugehen, als die Ursache der 

(S0 8 H) 2 

gesteigerten Kapidität anzusehen ist. 

Auch Eder untersuchte das Adurol als Entwicklerpräparat und 
constatirte die bereits oben erwähnte schnellere Wirkungsweise. Er 
fand ferner, dass Adurol ohne Bromkalium klarer hervorruft als 
Hydrochinon und weicher wie dieses entwickelt, sowie dass sich 
schon mit kohlensauren Alkalien concentrirte Entwicklerlösungen her- 
stellen lassen, die sehr gut haltbar sind. 

In der deutschen Patentbeschreibung der Chemischen Fabrik auf 
Actien vorm. E. Schering ist die „Verwendung der Halogensubstitutions- 
producte des Hydrochinons, Brenzcatechins und Pyrogallols als Ent- 
wickler in der Photographie " im Patentanspruch vorgesehen worden. 



1) Phot. Corresp. 1899. S. 39G. 

2) Phot. Corresp. 1900. S. 9S. 

3) Phot Corresp. 1900. S. 185 ff. 

21 



324 Dritter Theil. Achtzehntes Capitel. 



10. Brenzcateckin C 6 H 4 qttLv. 



(2)* 

Eder und Toth erkanuten bereits im Jahre 1880 die Brauchbar- 
keit des Brenzcatechins als Entwickler. 1 ) Um die sehr auseinander 
gehenden Urtheile anderer Forscher über den Werth dieses Entwicklers 
zu prüfen, nahm Eder im Jahre 1889 eine nochmalige Untersuchung 
der Substanz vor. Er erhielt gute Resultate und betrachtete nur noch 
den hohen Preis als alleiniges Hinderniss für die Einführung des Prä- 
parates in die Praxis. 

Ein sehr reines Brenzcatechin erzeugt seit mehreren Jahren 
Dr. Ellon in Charlottenburg bei Berlin zu einem annehmbaren Preise. 

11. Hy dramin C 6 H 4N g .q H C 6 H 4 . 

Unter diesem Namen bringt die Firma Luniiöre in Lyon ein 
Additionsproduct gleicher Molecüle Hydrochinon und Paraphenylen- 
diamin in den Handel. Das Product ist aus einer Untersuchung 
hervorgegangen, welche die Gebr. Lumiöre gemeinschaftlich mit Seye- 
wetz über das Verhalten der Additionsproducte gewisser Amine mit 
Phenolen als Entwickler anstellten. Die genannten Forscher erhielten 
erst befriedigende Resultate, als sie das Aetzlithion als Alkall zur 
Verwendung brachten. Die charakteristischen Reactionen der Substanz 
sind in den Tabellen des V. Abschnittes berücksichtigt worden. 

OH(l) 
12. Pyrogallol C 6 H 3 OH(2). 

OH (3) 

Die Pyrogallussäure war im ersten Stadium der Photographie mit 
Bromsilber- Gelatine die einzige in alkalischer Lösung wirkende Entwick- 
lersubstanz. Sie wird auch heute noch viel verwendet. Die drei 
Hydroxylgruppen, welche ihr Entwicklungs vermögen ausmachen, stehen 
benachbart zu einander, so dass die „wirksame Gruppirung a , wie sie 
sich im Brenzcatechin vorfindet, in der Pyrogallussäure gewissermaassen 
zweimal enthalten ist. Von den beiden isomeren Trioxybenzolen, welche 
ausser der Pyrogallussäure noch existiren, wirkt das Phloroglucin 

OH(l) 
C 6 H 3 OH(3), welches nur Metasteil ungen enthält, überhaupt nicht als 
OH (5) 

Entwickler, dagegen zeigt das Oxyhydrochinon nach Lumiöre schon 



1) Phot. Corresp. 1880. S. 191. 



Chemie der organischen Entwicklersubstanzen. 325 

Entwicklungsvermögen mit Natriumsulfit allein, was Andresen 1 ) durch 
eigene Versuche bestätigte. 

Die Pyrogallussäure wirkt, wie' Eder 2 ) definitiv nachwies, mit 
Natriumsulfit allein sehr wenig. Am besten kommt ihr Entwicklungs- 
vermögen zur Geltung bei Benutzung kohlensaurer Alkalien, obwohl 
das Ammoniak, namentlich in England, noch vielfach als Alkali gewählt 
wird. Dagegen ist die Benutzung von Aetzalkalien mit Kücksicht auf 
die grosse Neigung damit bereiteter Lösungen, den Sauerstoff der 
atmosphärischen Luft zu absorbiren und rasch zu verderben, durchaus 
nicht am Platze. 

In den mit kohlensauren Alkalien bereiteten Entwicklerlösungen 
ist die Pyrogallussäure bereits als Phenolat enthalten, so dass die sonst 
in Aether so leicht lösliche Substanz damit nicht mehr extrahirt werden 
kann. Die Pyrogallussäure liefert mit Acetonsulfit gut wirkende Ent- 
wickler. 

OH (1) 
13. Diamidophenol C 6 H S NH 2 (2). 

NH 2 (4) 

Das salzsaure Salz des Diamidophenols obiger Zusammensetzung 
ist das Amidol. Durch das Andresen ertheilte D. R. P. 60174 vom 
27. Januar 1891 als Entwicklersubstanz gekennzeichnet, fanden F. Rever- 
din und Ch. de la Harpe, dass bereits die Alkalinität des schwefligsauren 
Natrons genügt, um mit o-p-Diamidophenol energisch wirkende Ent- 
wickler anzusetzen. Im Juniheft der Phot. Corresp. von 1892 machte 
sodann Eder ausführliche Angaben über die Verwendung des Diamido- 
phenols zum Entwickeln. Das Material für diese Untersuchungen hatte 
die Firma J. Hauff in Feuerbach geliefert, welche in Abhängigkeit vom 
Patente 60174 der Actiengesellschaft für Anilinfabrikation in Berlin 
die „Anwendung von Amido-p- Amidophenol zum Entwickeln photo- 
graphischer Bilder in halogensilberhaltigen Schichten unter Ausschluss 
kaustischer oder kohlensaurer Alkalien" geschützt erhielt (D.R.P. 71816 
vom 25. September 1891). 

Das Amidol wird ausser durch die Firma Hauff durch die Actien- 
gesellschaft für Anilinfabrikation in Berlin erzeugt. 

Die Eigenschaft des Amidols, schon mit Natriumsulfit allein kräftig 
und klar arbeitende Entwickler zu geben, ist für solche Fälle von er- 
heblichem Werthe, wo kohlensaure oder kaustische Alkalien die Bild- 



1) Unveröffentlichte Untersuchungen. 

2) Phot. Corresp. 1893. S. 118. 



326 Dritter Theil. Achtzehntes Capitel. 

schiebt und die Finger corrediren würden. Aus diesem Grunde hat 
sich auch die Anwendung des Amidols in heissen Gegenden besonders 
bewährt. 

OH (1) 
14. Dianiidoresorcin C c BL XT rr nl 

NH 2 (6) 

Das salzsaure Salz dieser Verbindung bringen die Gebr. Lumiöre 
in Lyon als mit Sulfit allein wirkende Entwicklersubstanz in den Handel 
und heben hervor, dass dasselbo gegen Bromkaliumzusatz empfindlicher 
sei, wie das nach seiner Anwendungsweise nahestehende Amidol. Das 
Diamidoresorcin war zu der Zeit seines Auftauchens im photographischen 
Markte als Entwickler bekannt und in Deutschland geschützt, einerseits 
durch Andresens Patent 60174 vom 27. Januar 1891, andererseits durch 
das inzwischen erloscheno Patent 75131 vom 2. December 1892 der 
Firma J. Hauff, welches folgenden Wortlaut hatte: 

„Anwendung von r3-Diamido-4*6-Dioxybenzol als photogra- 
phischen Entwickler nach Patent 60174, in Verbindung mit löslichen 
schwefligsauren Salzen oder bei Anwendung von löslichen sauren schweflig- 
sauren Salzen unter Zusatz der zur Neutralisation der letzteren not- 
wendigen Menge von löslichen Basen oder kohlensauren Salzen." 

OH(ft) 
15. Eikonogen C J0 H 5 NH 2 (c^) + 2£H*0. 

SO, Na 08.) 

Während bisher lediglich Derivate der Benzolreihe besprochen 
wurden, stellt sich das Eikonogen als Abkömmling des Naphtalins dar. 
Es wurde im Jahre 1889 von Andresen als Entwickler erkannt und 
wird seitdem von der Actiengesellschaft für Anilinfabrikation in Berlin 
in grossem Maassstabe fabricirt und in den Handel gebracht 

Das Eikonogen ist eine Sulfosäure des ctj-ß-Amidonaphtols. Letzteres 
ist auch in Gegenwart kohlensauer Alkalien in Wasser fast unlöslich. 
Die eingeführte Sulfogruppe vermittelt daher die Herstellung leichtlös- 
licher Alkalisalze. Während Entwicklersubstanzen der Benzolreihe durch 
Einführung von Sulfogruppen in ihrem Entwicklungsvermögen gewöhn* 
lieh so stark geschädigt werden, dass kohlensaure Alkalien nicht mehr 
genügen, dasselbe zu entfalten, hat die Sulfogruppe des Eikonogens in 
ihrer Stellung im zweiten Kern des Naphtalins nur einen unter- 
geordneten Einfluss auf das Entwicklungsvermögen. Das Andresen er- 
theilte, von der Actiengesellschaft für Anilinfabrikation übernommene 



Chemie der organischen Entwicklersubstanzen. 



327 



D.RP. 50265 vom 10. Februar 1889 bezieht sich auf die „Verwendung 
der Dianiidonaphtalinsulfosäuren und der Amidonaphtolsulfosäuren 
als Entwickler in der Photographie". Dasselbe hat zwei Zusätze, 
Nr. 53549 und 76208, welche weitere Naphtalinderivate als Entwickler 
schützen. 

16. Diogen. 

Das Diogen steht hinsichtlich seiner Zusammensetzung dem Eiko- 
nogen nahe; es ist die Sulfosäure desselben und besitzt die Constitution: 



SO, Na 




während die Constitution des Eikonogens bekanntlich durch folgendes 
Schema veranschaulicht wird: 




S0 3 N T a 



Die Anwesenheit einer zweiten Sulfogruppe in der /? 2 -Stellung 
ändert an der Eigenschaft des Eikonogens, die Details in den Schatten 
aufs Beste herauszuholen, nichts; es gesellt sich aber beim Diogen eine 
neue Eigenschaft hinzu, nämlich diejenige, energisch auf Bromkalium- 
zusatz zu reagiren und sich somit bei Ueberexposition sehr gut ab- 
stimmen zu lassen. 

Es lassen sich vermittelss Diogen concentrirte, gebrauchsfertige 
Vorrathslösungen herstellen, die durch Variation in der Verdünnung 
und hinsichtlich des Bromkaliumzusatzes für Fehlexpositionen in sehr 
hohem Grade abgestimmt werden können. 



5. Abschnitt. 

Charakteristische Reactioncn der Entwicklersubstanzen des 
Handels und analytische Erkennung derselben in Substanz 

und in Lösung. 

Die Zahl der in der Photographie verwendeten Entwicklersubstanzen 
ist im Laufe des letzten Decenni ums so beträchtlich angewachsen, dass 
dem Praktiker eine übersichtliche Zusammenstellung der charakteristischen 



328 Dritter Theil. Achtzehntes Capitel. 

Reactionen dieser Körper von Nutzen sein wird. Die angefügte tabella- 
rische Uebersicht, in welcher der Vollständigkeit w T egen auch einige 
Entwicklersubstanzen berücksichtigt worden sind, welche nur vorüber- 
gehend in Gebrauch waren, ermöglicht es jedem Sachverständigen, Ent- 
wicklerpräparate irgend welcher Art, wie sie vielfach unter Phantasie- 
namen, ohne Angabe der Entwicklersubstahz, im Markte auftauchen, 
auf ihre diesbezügliche Zusammensetzung zu untersuchen. 

Es empfiehlt sich, bei der Untersuchung einen bestimmten syste- 
matischen Gang einzuhalten; die Objecte müssen in einer bestimmten 
Reihenfolge auf ihre Reactionen geprüft werden, damit man schnell 
und sicher erfährt, welche Entwicklersubstanzen anwesend und welche 
nicht anwesend sein können, um alsdann durch einige Specialreactionen 
die wirklich vorhandenen zu erkennen. 

Der allgemeine Gang der Untersuchung ist nun etwas verschieden, 
je nachdem das zu untersuchende Entwicklerpräparat in fester Form 
oder aber in Form einer wässerigen Lösung vorliegt. 

A. Das zu untersuchende Präparat ist fest. 

Man versuche ein kleines Quantum der fein zerriebenen Substanz 
(l g) in kaltem Wasser (100 cem) aufzulösen. 

a) Die Substanz löst sich nicht auf. Man prijfe auf Glycin, 
Diamidooxydiphenyl und Hydramin. 

1. Die Substanz geht auf Zusatz von etwas festem Natriumsulfit 
und Pottasche in Lösung: Glycin. Man prüfe die Löslichkeit der ur- 
sprünglichen Substanz in Wasser auf Zusatz von Salzsäure (löslich) und 
von Essigsäure (unlöslich) und überzeuge sich, dass die mit verdünnter 
Schwefelsäure angesäuerte Lösung bei der Oxydation mit Kaliumbichromat 
(1 : 15) den Chinongeruch erkennen lässt. 

2. Der Körper löst sich auf Zusatz von Natriumsulfit und Pott- 
asche nicht auf: Diamidooxvdiphenvl, Hvdramin. 

Man prüfe das Verhalten gegen Oxydationsmittel, namentlich Bi- 
chromat und Schwefelsäure. 

a) Es entsteht Chinon bei der Oxvdation: Hvdramin. 
ß) Es wird kein Chinon erhalten: Diamidouxyphenyl. 

Man bestätige die gezogene Schlussfolgerung durch- einige den 
Tabellen entnommene Reactionen oder durch Bestimmung des Schmelz- 
punktes. 

b) Es bildet sich eine klare Lösung. In diesem Falle ist 
auf alle übrigen Entwicklersubstanzen zu prüfen. 



Chemie der organischen Entwioklersubstanzen. 329 

Man füge zu der wässerigen Lösung der Substanz (z. B. 1 g in 
100 ccm Wasser) etwas festes Natriumsulfit (5 g) und darauf etwas feste 
Pottasche (10 g). 

1. Aus der Lösung scheidet sich ein feines Krystallpulver ab: 
Paramidophenol. Man überzeuge sich durch einige Specialreactionen 
von der Kichtigkeit dieser Schlussfolgerung. 

2. Die Lösung bleibt klar, aber dieselbe nimmt eine bestimmte 
Färbung an: Amidol, Eikonogen, Triamidophenol, Pyrogallol und 
Diamidoresorcin. 

a) Die Färbung ist blau: Amidol. Man prüfe genauer auf Amidol. 

ß) Die Färbung ist goldgelb und ändert sich nicht weiter bei 
einigem Stehen der Lösung an der Luft: Eikonogen, Diogen. 

Man füge zu einer wässerigen Lösung der ursprünglichen Sub- 
stanz (1:100) etwas Salz- oder Schwefelsäure: 

aa) Aus der Lösung scheiden sich weisse Krystallnadeln ab: Eiko- 
nogen. 

ßß) Säure bewirkt keine Abscheidung: Diogen. 

y) Die Färbung ist grünlich, besonders bei kräftiger Berührung 
mit der Luft (Schütteln der Lösung in einer halbvollen Flasche) und 
die grünliche Färbung geht auf Zusatz einiger Tropfen Natronlauge in 
Braun über: Triamidophenol. Man führe die Eisenchloridreaction aus. 

8) Die Lösung nimmt eine bräunliche Färbung an, die sich bei 
Berührung der Flüssigkeit mit der Luft vermehrt: Pyrogallol, Diamido- 
resorcin. Man füge einige Tropfen Natronlauge zu der Lösung. 

aa) Die bräunliche Färbung bleibt und vermehrt sich rasch: 
Pyrogallol. Man führe, um sich zu überzeugen, einige in der Tabelle 
angegebenen Specialreactionen aus. 

bb) Die bräunliche Färbung schlägt in Blau um: Diamidoresorcin. 

3. Die Lösung bleibt klar und hell (ohne Färbung): Adurol, 
Brenzcatechin, Eurekin, Hydrochinon, Metol, Ortol, Paramidophenol 
(bei grösserer Verdünnung), Paraphenylendiamin. Man prüfe, ob die 
ursprüngliche Substanz bei der Oxydation mit Kaliumbichromat und 
Schwefelsäure Chinon oder ein Chinonderivat liefert. 

a) Es wird kein chinonartiger Körper gebildet: Brenzcatechin. Man 
führe die angegebenen Reactionen mit Eisenchlorid und Bleiacetat aus. 

ß) Es entsteht ein chinonartiger Körper, was alsdann am Ge- 
ruch erkennbar ist beim Kochen der Lösung: Adurol, Hydrochinon, 
Eurekin, Metol, Ortol, Paramidophenol, Paraphenylendiamin. 

Man extrahire die Oxydationsbrühe mit Aether, verdunste den- 
selben, treibe das gebildete Chinonproduct mit Wasserdampf über und 



330 Vierter Theil. Erstes Capitel. 

führe nach dem Trocknen der Substanz eine Schmelzpunktbestimmung 
aus oder prüfe vermittelst der bekannten Flammenreaction auf Halogen- 
gehalt. 

aa) Es liegt ein Halogenderivat des Chinons vor: Chlorhydrochinon, 
Bromhydrochinon. Man entscheide durch Bestimmung des Schmelz- 
punktes der ursprünglichen Substanz, welches der beiden Halogen- 
derivate des Hydrochinons vorliegt. 

ßß) Das gewöhnliche Benzochinon ist gebildet worden: Hydro- 
chinon, Eurekin, Metol, Ortol, Paramidophenol, Paraphenylendiamin. 

Man füge verdünnte Schwefelsäure zu der wässerigen Lösung des 
fraglichen Körpers bis zur deutlich sauren Reaction und schüttle die 
Lösung mit Aether aus. 

aa) Es bleibt ein in langen Nadeln anschliessender Rückstand 
beim Verdunsten des Aethers: Hydrochinon, Ortol. Man überzeuge 
sich davon. Stammt das erhaltene Hydrochinon aus dem Ortol, so 
gibt die ursprüngliche Substanz bei der Oxydation die in der Tabelle 
erwähnte bordeauxrothe Färbung. 

bb) Es bleibt kein in Betracht kommender Rückstand nach dem 
Abdunsten des Aethers: Eurekin, Metol, Paramidophenol, Paraphenylen- 
diamin. 

Man bereite sich eine Lösung des fraglichen Körpers in Wasser 
im Verhältniss 1:20, füge etwas verdünnte Schwefelsäure, und nach 
dem Abkühlen der Lösung durch einige Eisstückchen, die man hinein- 
wirft, unter Umrühren soviel einer concentrirten Nitritlösung hinzu, 
dass der Geruch nach salpetriger Säure auftritt. 

aa) Es scheidet sich eine Verbindung in feinen, verfilzten Nadeln 
ab: Metol. Man überzeuge sich durch die angegebenen Daten. 

ßß) Es findet keine Abscheidung statt: Eurekin, Paramidophenol, 
Paraphenylendiamin. Man gebe etwas von der mit Nitrit erhaltenen 
klaren Flüssigkeit zu einer mit Natronlauge alkalisch gemachten Lösung 
der a-Naphtol-f-disulfosäure (wird auch Andresen'sche Säure genannt 
und von der Actiengesellschaft für Anilinfabrikation hergestellt). 

I. Es wird eine intensiv rothviolett gefärbte Lösung erhalten: 
Paramidophenol, Paraphenylendiamin. Man giesse von der Lösung auf 
Fliesspapier und betupfe mit Essigsäure: 

a) Die Nuance wird ponceauroth: Paramidophenol. 

ß) Die Nuance bleibt rothviolett: Paraphenylendiamin. 

IL Es entsteht kein Farbstoff (man giesse auf Fliesspapier und 
betupfe mit Essigsäure): Eurekin. Man übergiesse die ursprüngliche 
Substanz mit concentrirter Schwefelsäure und achte darauf, ob sich 
schweflige Säure durch den Geruch zu erkennen gibt. 



Chemie der organischen Entwicklersubstanzen. 331 

B. Das zu untersuchende Entwicklerpräparat ist eine 

wässerige Lösung. 

Da wässerige Lösungen von Entwicklersubstanzen im Allgemeinen 
nur eine grössere Haltbarkeit bei Gegenwart von Sulfiten besitzen, so 
wird man diese Salze in flüssigen Entwicklerpräparaten stets vorfinden. 
Um sich zu überzeugen, genügt es, ein kleines Quantum der Lösung 
mit verdünnter Schwefelsäure anzusäuern; der Geruch nach schwefliger 
Säure zeigt dann die Gegenwart eines Sulfites an. 

Zur Erkennung der angewendeten Entwicklersubstanz fülle man 
ein kleines Quantum der ursprünglichen Lösung in ein Schälchen und 
gebe einige Tropfen concentrirter Natronlauge hinzu. 

a) Die Lösung nimmt alsbald eine intensive Färbung an 
beim Stehen an der Luft. 

a) Die Färbung ist intensiv blau: Diamidoresorcin. Man säuere 
eine kleine Menge der ursprünglichen Lösung mit verdünnter Schwefel- 
säure an, verkoche die frei gewordene schweflige Säure, füge ein paar 
Tropfen Eisenchloridlösung hinzu und verdünne stark mit Wasser. Die 
Lösung nimmt dabei die charakteristische, in der Tabelle angegebene 
Färbung an. 

ß) Die Lösung nimmt in Berührung mit der Luft schnell eine 
bräunliche Färbung an: Pyrogallol, Amidol, Triamidophenol. Man 
gebe wiederum ein kleines Quantum der ursprünglichen Lösung in ein 
Schälchen und füge eine reichliche Menge Pottasche in Substanz hinzu. 

1. Die Lösung färbt sich blau: Amidol. Man verfahre, um sich 
zu überzeugen, wie beim Diamidoresorcin, oder man extrahire etwas 
der ursprünglichen sulfithaltigen Lösung mit Aether, verdunste denselben 
und nehme den Rückstand mit etwas Wasser auf. Eisenchlorid gibt 
damit eine rothe Färbung. 

2. Die Lösung nimmt an der Luft eine bräunliche Färbung an: 
Pyrogallol. Um dies zu bestätigen, säuere man ein kleines Quantum 
der ursprünglichen Lösung mit Salzsäure an, extrahire mit Aether, löse 
den Rückstand nach dem Abdunsten des Aethers in Wasser und führe 
die in den Tabellen angegebene Reaction mit verwittertem Eisenvitriol aus. 

3. Die Lösung färbt sich schmutzig grün: Triamidophenol. In 
diesem Falle ist die ursprüngliche (sulfithaltige) Lösung von vornherein 
gelblich gefärbt. Man überzeuge sich durch Ausführung der Eisen- 
chloridreaction, wie beim Diamidoresorcin angegeben. 

b) Natronlauge bewirkt keine erhebliche Aenderung der 
Färbung: Adurol, Brenzcatechin, Diamidooxydiphenyl, Diogen, Eiko- 



332 Drittter Theil. Achtzehntes Capitel. 

nogen, Eurekin, Glycin, Hydramin, Hydrochinon, Metol, Ortol, Para- 
niidophenol , Paraphenylendiamin. 

Man füge zu einem Theile der ursprünglichen Lösung langsam 
und unter Umrühren Salzsäure und beobachte, ob eine Abscheidung 
eintritt oder nicht, und ob die eventuell abgeschiedene Verbindung 
sich in einem Ueberschuss der Salzsäure wieder auflöst oder nicht 

a) Es bildet sich ein weisser Niederschlag: Diamidooxy- 
diphenyl, Diogen, Eikonogen, Glycin, Paramidophenol. 

1. Der gebildete Niederschlag löst sich in überschüssiger Salzsäure 
nicht auf: Diogen, Eikonogen. 

Man filtrire ab, wasche mit destillirtem Wasser nach und prüfe, 
ob beim Einäschern der Substanz auf dem Platinblech ein Rückstand bleibt 
aa) Die Substanz verbrennt ohne Aschenrückstand: Eikonogen. 
ßß) Es bleibt eine weisse Asche: Diogen. 

2. Der gebildete Niederschlag löst sich auf weiteren Zusatz von 
Salzsäure auf: Diamidooxydiphenyl, Glycin, Paramidophenol. 

aa) Der gebildete Niederschlag löst sich jedoch nicht auf Zusatz 
von starker Essigsäure: Glycin. 

ßß) Der gebildete Niederschlag löst sich auf in überschüssiger 
Essigsäure: Paramidophenol, Diamidooxydiphenyl. 

Man säuere ein kleines Quantum der ursprünglichen Lösung mit 
verdünnter Schwefelsäure an, verkoche die frei gowoidene schweflige 
Säure und füge zu der kochend heissen Lösung etwas Ealiumbichromat. 

yy) Die Flüssigkeit verbreitet Chinongeruch: Paramidophenol. 

öd) Es ist kein Chinongeruch wahrnehmbar: Diamidooxydiphenyl. 

ß) Es entsteht auf Zusatz von Salzsäure zu der ursprüng- 
lichen Lösung kein Niederschlag: Adurol, Brenzcatechin, Eurekin, 
Hydramin, Hydrochinon, Metol, Ortol, Paraphenylendiamin. 

Man säuere einen Theil der ursprünglichen Lösung mit Salzsäure 
an und schüttle mit A etiler aus. 

1. Es bleibt ein Rückstand nach dem Abdunsten des Aethers: 
Adurol, Brenzcatechin, Hydramin, Hydrochinon, Ortol. 

aa) Der Rückstand gibt bei der Oxydation Chinon oder ein Chinon- 
derivat: Adurol, Hydramin, Hydrochinon, Ortol. 

Man säuere einen Theil der urprünglichen Lösung mit Schwefel- 
säure an, verkoche die frei gewordene schweflige Säure, oxydire mit 
Kaliumbichromat, extrahirc mit Aether und prüfe auf Halogengehalt: 

1. Das erhaltene Chinon enthält Chlor bezw. Brom: Chlorhydro- 
chinon, Bromhydrochinon. Man entscheide durch Bestimmung des 
Schmelzpunktes, welches Halogenderivat des Hydrochinons vorliegt 



Chemie der organischen Entwicklersubstanzen. 333 

II. Es liegt das gewöhnliche Chinon vor: Hydramin, Hydro- 
ehinon, Ortol. 

Tritt bei der Oxydation die in der Tabelle bei Ortol erwähnte 
Rothfärbung ein, so liegt diese Entwicklersubstanz vor, anderenfalls 
Hydramin oder Hydrochinon. Die Entscheidung zwischen diesen beiden 
Entwicklersubstanzen liefert das Verhalten gegen salpetrige Säure, welche 
bei Anwesenheit von Hydramin die Diazoverbindung des Paraphenylen- 
diamins erzeugt. 

ßß) Der Rückstand gibt kein Chinon: Brenzcatechin. Man über- 
zeuge sich davon durch Ausführung der Reactionen mit Eisenchlorid 
und Bleiacetat. 

2. Es bleibt nach dem Abdunsten des Aethers kein nennenswerther 
Rückstand: Eurekin, Metol, Paraphenylendiamin. 

Man säuere wiederum einen Theil der ursprünglichen Lösung mit 
verdünnter Schwefelsäure an, verkoche die freigewordene schweflige 
Säure und füge zu der mit Eis gekühlten Flüssigkeit Nitritlösung, bis 
der Geruch nach salpetriger Säure auftritt. 

a) Nach dem Zufügen der Nitritlösung scheidet sich eine kry- 
stallinische Verbindung ab (Nitrosometol): Metol. Man überzeuge sich, 
dass mit a-Naphtol-£-disulfosäure in ätzalkalischer Lösung kein Farb- 
stoff gebildet wird. 

ß Die mit Nitrit erhaltene Lösung gibt beim Eingiessen in eine 
ätzalkalische Lösung von a-Naphtol-£-disulfosäure einen rothvioletten 
Farbstoff: Paraphenylendiamin. 

y) Es wird kein Farbstoff mit a-Naphtol-£-disulfosäure gebildet 
(Aufgiessen auf Fliesspapier und betupfen mit Essigsäure): Eurekin. 

Im Vorstehenden ist der Gang der Analyse angegeben worden 
für den Fall, dass nur eine einzige Entwicklersubstanz in dem zu unter- 
suchenden Präparate vorhanden ist. Etwas umständlicher gestaltet sich 
das Verfahren, wenn zwei oder mehrere Entwicklersubstanzen gleich- 
zeitig vorkommen und nachgewiesen werden sollen. Doch helfen die 
Daten der Tabelle auch unter diesen Umständen zum Ziele, und es 
muss dem Nachdenken des Einzelnen überlassen bleiben, sich für jeden 
speciellen Fall mit Hilfe des hier gebotenen Materials den zur Erkennung 
der Substanzen führenden Weg zu suchen. 



334 



Dritter Theil. Achtzehntes Capitel. 



Handels- 
name 



Wissen- 
schaftliche 
Bezeichnung 



Constitutionsformel 



KiTstallform 



Schmelzpunkt 

der 
Verbindung 



Löslichk« 
verhältn 



Audurol- 
Hauff 



Chlorhydro- 
chinon 




Zu Drusen ver- 
einigte Nadeln 
aus Benzol; 
langgestreckte 
Tafeln aus 
Ligrom 



103-104° C. 



Sehr leich 
lieh in W 
Alkohol 
Aether, s< 
in Benzol. 

schwer 
Ligroi n. ] 

löslich 
heissem, s< 

in kalt« 
Chlorofc 



Audurol- Bromhvdro- ! 



Schering 



chinon 



OH 

o 

Od 



Blättchen aus 

Benzol oder 

Ligroin 



110 — lll # C. 



Sehr leich 

lieh in W 

Alkohol 

Äther; 1« 

löslich 

heissem B 

schwor 

kaltem; » 

löslich au 

heissem L 



! Chlorhvdrat 
Amidol des 2 4-Di- 

, amidophcnols 




Farblose 
Nadeln 



Zersetzt sich 

beim Erhitzen, 

ohne zu 

schmelzen 



Leicht lc 

in Was 

schwer 

Alkohol 

Aeth( 



Chemie der organischen Entwieklersubstanze 



Verhalten gegen 
Säuren 



Verhalten gi'^eii 
Alkalien 



Wird als 

Entwickler 

verwendet 



hcn a 






Schwefelsäure 
fällt ans conc. wässe- 
rigen Lösungen 'las 
Adurol in Prismen 



ligen Lösung 
durchÄetiierni';li( 

ausschütte! bar; 
wird jedoch nach 
dem Ansäuern 
aufgenommen. 
Das nach dem 
Abduristen den 
Aetbers verblei- 
bende Adurol er 

gleicher Weiso 
gewonnenes 
Ilydrochijion 



Wird durch Oxr- 

datioti in Cblor- 

chinou voni 

Schmelzpunkt 

ö7° C. verwandelt 

(Chinori schmilzt 

bei 11(5° C.|. 

Treppenförmig 

übereinander 

gelagerte Tafeln 



Wird durch tionc 
Schwefelsaure av 
der conc. Lösung 
langen, verzweigt! 

Sadeln at'-.r.ictiii'iien 



Bei Gegenwart 
-on Aetzalkalien 
usderwiisserigen 
I/JBiing nicht au 
schüttelbar; wi 
nach dem An- 
säuern von Aether 
aufgenommen. 
Das nach dem 
Abd unsten des 
lethersre stiven di 
Adurol erstarrt 
viel langsamer als 
itsprechciid ab- 
geschiedenes 
Hydrochinon 



Wird durch Oxy. 
dation in Brom- 
ehinon vom 
Schmelzpunkt 
55-58° C. 
übergeführt; 
rhombische Tafeln 



koblctisauri.'i 
Alkalien 
(Pottasche) 



Wird durch conc. 
Balisa ure ans der 

rigen Lösung 

gefällt 



Sulfithaltige LS- 

sungeu nebmei 

durch Zonatz vo 

Pottasche eine 

blaue, dureb 

Zusatz kaustischer 

Alkalien eine 

bordeauxrot he 

Fiirbung an 



Eiseneblurirl 

zeugt in d 

wässeri ge n Los u n g 

eineinteosivrothe 

Färbung. Amii 

gibt hei der ü> 

dation kein 

Chili "li 



Die wässerige Lösung 
der Substanz rcagirt 



336 



Dritter Theil. Achtzehntes Capitel. 



Handels- 
name 



"Wissen- 
schaftliche 
Bezeichnung 



Constitutionsformel 



Krystallform 



Schmelzpunkt; 

der 
Verbindung ! 



! Löslich 
verhall 



Brenz- 
catechin 



l*2-Dioxy- 
benzol 



Diamido- 
oxydiphe- ! Diamidooxy- 



nyl (im 
Diphenai) 



diphenyl 



Diamido- 
resorcin 



Chlorhydrat 
des 4(i-I)i- 
amido- 
resorcins i 



Diogen 



Saures 
Xatronsalz ' 
der «,-Amido-, 

/*, -naphtol- 
,*, -^-disulfo-i 
säuro 1 



Natrousalz 



rti.«™«- der «,-Amido- 
Eikonogen ^., ',„,,,„„,. 

1 /* 3 -sulfosäure 




Breite Blätter 
(aus Benzol); 
prismatische 

Nadeln 
(aus Wasser) 



104° C. 



Leicht 

in Wa 

Alkoho 

Aether; 

in kaJ 

Ben; 



0H H 




Aus Wasser 
in langen ver- 
filzten Nadeln 



148° C. 



Leicht 1 
in Alk 
Eisessii 
heissem\ 
schwe 
Benzol, 
unlöslü 

kaltem \ 



XII, HCl 




MI.XC1 



Rbombischo 
Tafeln 



Zei-setzt sich 

beim Erhitzen, 

ohne zu 

schmolzen 



Sehr leic 

lieh in T 

schwer ', 

in Alk 

und A 



SO., Na 1 




/SO.H 



Farblose 
Nadeln 



Mi., 



so. 






Rhombische 
Tafeln 



Zersetzt sich 

beim Erhitzen, 

ohne zu 

schmelzen 



Sehr leic 

lieh in h< 

weniger 

in kal 

Wasser, 
lieh in i 
und A 



Verliert bei 
110 # C. 
2 1 /, Mol 
Krystall- 
wasser. 
Weiter er- 
hitzt, zersetzt 
sich die Ver- 
bindung, ohne 
zu schmelzen 



Leicht 1 

in heis 

weniger 

in kal 

Wasser. 2 

unlöslic 

Alkohol 

Aetfa 



Chemie der organischen Entwiekl ersehe tanzen. 



lalten gegen 
Säuren 


Verhalten gegen 
Alkalien 


Vorhalten gegen 
Oxydationsmittel 


Wird als 

Entwickler 
verwendet 
in Verbin- 
dung mit 


Bemerkungen 


- 


Sann nun der 
wässerigen Lösung 

iri Gegenwart 
.Liu-ii-.h')- Alka- 
lien nicht mit 
Aether ausge- 
schüttelt werden. 
"Wird linch dem 
Ansäuern der Le- 
sung vom Aetbei 
aufgenommen 


Eine wässerige 
.Brenzcatechirj- 
lösung gibt mit 

..■in, im Ti-i-i.tV-n 
Eisenchlorid eine 

smaragdgrüne 

Färbung, die aul 

Zusatz von Soda 

violettroth wird. 

Liefert kein 

Chin on 


kohlensauren 
Alkalien 


Üli'iatetatlösung erzeugt 
in einer wässerigi'« 

iilX'»/e:i!..-< , llilll'J.'4U!]g 

eiueu weissen Nieder- 
schlag. 


Säuren, z. B. 
Wnsser löslich 


Mit Natriumsulfif 
ider li olil en sauren 

Alkalien nicht 
wasserlöslich; er- 
fordert kaustische 

Alk-.llli.-IL KU III 

Auflösen 


Liefert bei der 

Oxydation kein 

Chinoii 


kaustischen 
Alkalien 


Die DiazoveLliijidung des 
Di;imidoo\,Y|>hwi>yls gibt. 

mir Audn'fi'iis«-S';i|il]'tijl- 

disulfosüure einen 
jionceaurotheu Farbstoff 
(vergl. Paramidoplienoli: 


ure sehr leicbl 
er wässerigen 
iung gefallt 


Sulfltlmltige 
wässerige Lösun- 
gen geben auf 
Pottaschezusatz 
ein» gelbbraune, 
auf Zusatz kausti- 
scher Alkalien 
eine! .laue Färbung 


1 Tropfen Eiseu- 
chloridlösung er- 

Dianniloresorcki- 
lösung eine inten- 
siv violette Fär- 
bung, die nach 
kurzer Zeit wieder 
verschwindet. 
Kein Cbiiion 


neutralen, 
schweflig- 

Alkalien 


Die wasserige I/jsung 
der Substanz reagirt 


J 

neralsäuren 
id"n aus der 
nigen Lösung 
ogens die freie 
re nicht nb 


Schweflige, 
kohlensaure und 
kaustische Alka- 
lien gehen sehr 
deicht lösliche 
Sake. Aus der 
gel bge färbten Lö- 
sung wird das 
Biegen durch 
Mineralsäuren 
wieder abge- 
schieden 


Kein t'hinon 
hei der 
Oxydation 


kohlensauren 
Alkalien 


- 


□ scheiden ans 
Losung des 
>gens die freie 

le n Nadeln a\> 


Alkalische Lö- 
sungen des Eiko» 
nagens besitzen 
eine goldgelbe 


Kein Chiuon 

bei der 
Oxydation 


neutralen, 
schweflig- 
sauren und 
init koblen- 

Alkalien 





andbuch üur Photographie. III. Thoil. 5. Aufl. 



338 



Dritter Theil. Achtzehntes Capitel. 



Handels- 
naine 



Wissen- 
schaftliche 
Bezeichnung 



Eurekin 



IJisulfitverbin- 

düng des 

Methylen- 

p-amido- 

phenols 



Glycin 



p-Oxyphenyl- 
glycin 



Hydramin 



Verbindung 
von 1 Mol. 
Hvdrochinon 
mit 1 Mol. 
Parapho- 
nvlondiamin 



Hydro- I 1*1 - Dioxy- 



chinon 



bon/.ol 



Constitutionsformel 



Krystallform 



Schmelzpunkt 

der 
Verbindung 



Löslichkeil 
Verhältnis 



Wahrscheinlich 
OH 




NH 

// \ 

SOnNa CH, 



Lange dünne 

Nadoln 
aus Alkohol 



Zersetzt sich 

beim Erhitzen, 

ohne zu 

schmelzen 



Leicht lösli 
schon in kal 
Wasser, lös 
in h eissei 
Alkohol; uu 
lieh in Aetl 
Benzol, Chli 
form 




CII a COOII 



ülinnner- 

ähn liehe 

Blättchen 



Schmilzt 
unter Zer- 
setzung 



OH NIL, 




oh m. 



Weisse 

Blättchen aus 

Wasser und 

Alkohol 




Nadeln oder 

lange hexa- 

gonale 

Prismen 



Schmelzpunkt 
des aus 

Alkohol kry- 
stallisirten 

Productes bei 

194— 195° C. 
(schmilzt 

unter Dunkel- 
färbung) 



169 Q C. 



Sehr sebw 
löslich iu 

Wasser ur 
Alkohol, un 
lieh in ;Aetl 

Schwer lösl 

iu kalten: 

Wasser (1:51 

leicht in heiss 

(1 : 20), lösl 

in heisscr 

Alkohol (1 : 1 

ziemlich seh' 

löslich in Aetl 

Chloroforn 

Benzol 



Leicht lösli 

in Alkoho 

Aether uu 

heissemWas 

schwerer 

kaltem Was 

sehr schw« 

löslich in 

kaltem Ben 



Chemie der organischen Entwicklersubs tanzen. 



Verhalten geg 
Alkalien 



Verhalten gegen 
Oxydationa mittel 






n Uebergi essen 
rockenonSul 
mitcono.Schwi 
Ire Entwicklung 



isirtcn Verbill- 
ig wekhe, mit 
. Schwefolsänro 



Kohlensaure i 

kaustische 

Alkalien bewirken 



Durch Oxydation 

Chinmi ve 
wandelt 



Die wäaseriiiu Lüsung 

ilo.s Kurekinü rungirt 

neutral. 



;efasst werden 

Wird durch Na- Liefort bei der 
>t mit Mineral- triumsullit, koh- Oxydation mit 

11 iv.'isai'j'i.'islii:]!!.- Iciisauiv und k;iu- Kiiliinnliiolii'otnat 
. dagegen ii Mit >ri -'■!)'' Alkulien in undSelni'efi-lsäure 
it Es>ig^iur-> sclirl^idit loalictie unter! ^aseutwiek- 
jSalze übergefülut lang (C0 S ) Uhim 



t löslieh iu 
itör Salzsäure, 
h nicht in 
iter Scliwefcl- 
■; leicht löslidi 
i Essigsäure 



Leicht löslich 
vermittelst 
Aotzalkalion 



Gibt bei der Oxy- 
dation Chiuon. 

Chlorkalk Solution 
ruugt ChiuuD- 

dicliloi'dirnid 



lieht insolzsaurerLÖsung 
beim Behandeln mit Na- 
triumnitrit partiell in die 
[liazoverbindung des l'a- 
raphynylendiamins über. 



lien ans der 
wässerigen Lö- 
sung durch Aether 
nicht ausschiittel- 
bar; wird jedoch 
nach dum Au- 
ge uo in ine u 



Wird durch Oxy- 
dationsmittel sehr 

leicht in Cliinon 
übergeführt. Eine 

iWCC ki nüssige , 
O.tydationstinssig- ' 

keit erhält man 

durch Auflösen 

von 1 Th. o 
Schwefelsäure und 

Uli. Kaliumbi- 
chromat in 20 Tb. 
"Wasser 



Das Chinon erkennt man 
in seinem stechen den Ge- 
ruch, der besondere her- 
vortritt, wenn man 

;].■-.■' rigi.-i 'liiiiuiiliisuugon 
zum Kuchen erhitzt. 



Dritter Theil. Achtzehntes Capitel. 





Wissen- 






Schmelzpunkt 




Handels- 


schaftliche 


Con sti tu tio n sf ormel 


Kry stall form 




Löslich ke; 




Bezeichnung 






Verbindung 


Vi'rhaltni.' 












Leicht Üw 












in Warn. 












sehr scliv 










Zersetzt sich 








OH 


Nadeln oder 


beim Erllitzen, 


Alkohol i 




Sulfat des 


/\ 


Prismen. 


ohne vorher 


AotUer 


Metol 


Mothvl-n- 


( 1 




zu schmelzen 




amido- 


\y 


Die freie liase 




Die Base 




uhenols 


sJ! H U»*J* 


krystallisirt in 


Dio freie Base leicht löaln 








laugen Nadeln 


schmilzt bei 
87" C. 


Alkuhol, A. 

WasMT.Vci 
leicht in k;i 












Wasser 










Schwefel- 












saures 






Sulfat des 




Schwefelsaures 
Methyl-o- 


Methjl-o- 

amidophenol 


Leicht I.Htl 
in Was« 




Methyl-o- 


uii uii „ 


amidi>|jlienol 


zersetzt sieh 


Ortol 


il, + Hydro- ^ 


Oqfv - 


kryslalliMil. 


beim Erhitzen, 
ohuo vorher 


partiell l«s 
in Alkohol 
Aether (Hj 




chinon 


oh 


rhombischen 


zu seh inelzen 




(Mischung) 




Tafeln oder 


Die freie Base 


cbinou geh 








Primi Ion 


schmilzt bei 










60° C. unter 













Zersetzung 












Leicht lü=l 












in Was* 












schwer Ihr] 








Zersetzt sich 


in Alb*. 








heim Erhitzen, 


und Aetln 


Para- 


i 'hlorhydmt i UH 

des i fS 


Prismen. 


ohne zu 
schmelzen. 


Die freie G 


tintdo- 


... , ■ 1 i | ! Die freie Base 
,;■.„'. ; \, , 1 krvstajiisirt in 




ist leicht Ifj- 


phenol 


Bio freie Base 






innnolii , Amin fflüttekoB 


schmilzt unter 


W asser, 






Z'.-rsi'l/mig 
bei 184' C. 


schwerer 




' 


kaltem W«i 








ziemlich lei 




1 




in AI kohu 












■,!,\i..i : :, |